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VON SPRECHENDEN STEINEN

Es gibt ja diese seltsamen Tage (und eigentlich sind immer seltsame Tage!), an denen einen – in diesem Falle mich – Themen aus der größeren kollektiven Vergangenheit anstupsen. Ein Name taucht auf, und daran schließt sich eine Frage, oder ein Text, der dazu aus einem Buch heraus fällt, auf. Und zufällig ist das bestimmt nicht – aber es fällt einem eben zu.

So geschehen heute Morgen: Da war er da, der Ludwig Börne. In Frankfurt gibt es einen nach ihm benannten Platz: den Ludwig-Börne-Platz, der dort liegt, wo sich früher (vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert) die Judengasse befand. Geboren ist er in jenem Ghetto vor den Stadtmauern Frankfurts, in dem sich kleine Häuschen in engem Gedränge Wand an Wand an schmalen Gassen reihten. 3000 Menschen lebten in 200 Häusern. Bauliche Verdichtung setzte ein – es entstand eine Straße bzw. ein Viertel, auf dem jeder nur verfügbare Fleck bebaut war, in dem es nichts Grünes mehr, keinen Ort zum Spielen für Kinder, oder für öffentliche Treffpunkte gab. Bettina von Arnim soll geschrieben haben: „Alles wimmelt, kein Plätzchen zum Alleinsein, zum Besinnen.“

Heute liegt der Platz etwas abseits von einer Hauptverkehrsstraße Frankfurts, ist ein ruhiger Ort, an dem sich sehr wohl besinnen lässt.

Geboren ist der Mann am 6.5.1786, eine Geburtszeit habe ich nirgendwo gefunden, aber auch die Sonne am MC verrät schon etliches. An anderer Quelle wird er mit dem 24.5.geführt, was einem Sonnenzeichen Zwillinge entspräche.

Die Sonne im Stier legt den Verbund Widder-Stier-Zwillinge fest, an Planeten sind also zu schauen der Mars, die Venus und der Merkur. I.-Quadrant-Angelegenheiten, ein realistischer Mensch, der investigativ an einen Bestand herangeht.

In der Ausgangslage – dem Widder – steht nichts weiter, das Hinweis auf eine „Vorarbeit“ sein könnte, und Mars zielt direkt in den Krebs auf 18°33′ und damit in die Nähe von Saturn-Uranus-GSP. Mitten im Empfinden ein Lebenstau und Mars zerschieß oder zerschneidet t ihn quasi im Sinne der Befreiung. Uranus steht dabei und ist geistige Hebamme. Uranus-Mond: der Durchbruch des Eigentlichen. Den Mond als Herrscher vom Krebs hat er ebenfalls im Verbund des II. Quadranten in der Jungfrau stehen – im Quadrat zur Venus. Also ist da ein Missverhältnis des Kindes (Mond ist die Kindphase des Lebens) zum Kollektiv bzw. zur Gemeinschaft und dem Milieu, in dem es lebt. Mond auf den ersten Graden der Jungfrau – das Empfinden in der Wahrnehmung dessen, was es gefährden könnte. Das ist eine Verhaltenheit und Zurückgehaltenheit, um sich nicht zu gefährden. Die Gefährdung sitzt im eigenen „Land“ – Mars im Krebs, und Uranus dabei, mit der Notwendigkeit, sich aus dem Milieu heraus zu begeben, um zum Leben zu kommen. Mars  ist wiederum mit seinem Zwilling Neptun in angespannter Weise verbunden: Neptun im Quadrat in in der Waage. Die Idealisierung der Begegnung, auch die Verklärung bzw. Vernebelung in den Begegnungen, Im Bewusstsein taucht das Wirkliche auf – will man das?? Das auftauchende Prinzip des Lebens durchkreuzt womöglich die Pläne und Programme, die das Subjekt durchführen will – vorbei an seiner Bestimmung. Der Zeitgeist des Neptun durch die Waage entspricht einer der höchsten Oktaven im Tierkreis: ätherisch und auf Harmonie von allem mit allem ausgerichtet: alles ist möglich von großer Verträumtheit und Abwesenheit von jeglicher Gegenwart bis hin zu reinstem Bewusstsein. Neptun in Waage ist aber auch kalt – distanziert, nicht von dieser Welt. Mars-Neptun von Krebs zu Waage – Gefährdung des Lebens und der Existenz in Zusammenhang mit einer Auflösung der Beziehungsstrategien kann in Überforderung zu einer Verneinung aller Prinzipien führen, zu einem Schlag ins Wasser , zu Aufhebung der Reviere (eigener wie der Fremder). Neptun wiederum ist auch mit Uranus verbunden – hier liegt die Erfahrung einer Wahrheit, der nicht erlaubt wird, an die Oberfläche zu steigen. Uranus-Neptun ist gelähmt vor dieser Erkenntnis, muss sich betäuben. Börne starb 51-jährig an einer Tuberkuloseerkrankung, die er bereits über Jahre hinweg verschleppt hatte.

Mars-Neptun – ein Flüchtiger und ein Vertriebener. Das ist also seine Exposition. Die Durchführung liegt in der Venus im Stier auf 27°48 fast direkt auf dem GSP Jupiter-Venus. Der gefügte Clan, die Dynastie, die ihn hält und führt. Jupiter steht sicherheitshalber im Spiegelquadrat dabei – ebenfalls im Stier. Damit ist er mehrfach an das Gemeinschaftliche und die Sicherung des Bestandes angeschlossen.  Sonne-Merkur kennzeichnet das Ganze und führt es auch aus. Der Zwillinge-Merkur im Stier regelt die Form der Realität, er kritisiert auch, stichelt, regelt auch die Verhaltenseigenschaften, die dem Kollektiv anheimgestellt sind. Er ist hineingeboren in die Rolle eines, der dem Kollektiv Regeln setzt. Nun tut er diese mit dem Vorgaben aus dem Wassermann. Dort stehen Pluto und Saturn in Konjunktion zueinander und beide im Quadrat zu Merkur-Sonne. Die Regeln, die er im Kollektiv und im Gemeinschaftlichen umgesetzt sähe, sind die einer außersubjektiven und damit ideell  und über das Einzelleben hinweg maßstäblichen Ordnung. Der Merkur aus den Zwillingen weist „zurück“ in den Stier und gehört mit zur Durchführung. Ein aufweisender, aufdeckender Sammler und Verdichter.

In seinem Geburtsjahr also eine Pluto-Saturn-Konjunktion im Wassermann. In den Ländern Europas gärte es. Mit Pluto in Wassermann werden die Voraussetzungen der herrschenden Macht, die in den Händen einer kleinen, die Mehrheit der Menschen kontrollierenden Minderheit liegt, global hinweggenommen, möglicherweise brachial. Die Entwicklung kann zum Zusammenbruch eben jener Welt, in der alle Menschen frei und selbstbestimmt leben könnten, führen – oder zur Befreiung. Pluto-Saturn-Zeiten sind bleiern, es legt sich eine Schwere über alles, viele bemerken sie nur unterschwellig. Pluto-Saturn ist die Rückseite von Börnes Sonne-Merkur – hier liegt also eine Dopplung vor und wir können davon ausgehen, dass es sich um einen höchst vorstellungsgebundenen und geistige strengen Menschen handelt, der hohe Ansprüche an sich und andere stellte. Bei Pluto-Saturn fehlt der Jupiter, und in der Erscheinungsebene fehlt zwischen Merkur und Sonne der Mond, so dass in der Lücke eine Konstellation von Jupiter-Mond entsteht. Während die so begabte Person sich einerseits im Griff einer „fremden“ Mentalität befindet, deren Gesetze und Richtlinien sie übernimmt und zu ihren eigenen macht, sich gleichzeitig in einer verkrampften und unentspannten Grundhaltung befindet, sich radikal zum Begründungslieferanten macht, ist sie andererseits in ihrer eigenen Natur (Krebs/Mond)  verstellt. Damit kommt eine ungelöste Konstellation mit einer unerlösten Person nicht ins Dasein, existiert  nurmehr in Vorgängen (Sonne-Merkur). Der Mut zur eigenständigen Wahrhaftigkeit könnte zugunsten der Übernahme eines höheren Auftrags aufgegeben werden. Sonne Saturn als Diagonale ist fleißig und dienstbar. Den Saturn hat Börne außerdem gleich dazu gestellt, wie auch den Sonne-Pluto, die Verneinung bzw. die Kanalisierung des eigenen Lebens gemäß gesetzter Ideen und Leitbilder. Das andere Schott besteht in Saturn-Merkur, der Konstellation des Skeptikers und der Abweisungserlebnisse, gleichzeitig auch des geschädigten Immunsystems. Das Engramm zeigt die mit einer Fremdbestimmung beginnende Identitätslosigkeit mit der Übernahme fremder Identitäten und in Endkonsequenz die Vernichtung des eigenen Lebens.

Stier zu Wassermann – die Frage ist beim Zusammenkommen dieser beiden: Wie  gestaltet sich die Teilung des Ungeteilten in Raum und Zeit? Welchem der beiden Zeichen hat sich der Mann Börne mehr „verpflichtet“ gefühlt? Und was hat das mit seinem Leben als Einzelwesen gemacht?

B. ist nach Heinrich Heine der bedeutendste deutschjüdische Nationalschriftsteller des 19. Jahrhunderts. Er selbst bezeichnete sich im Hinblick auf seine essayistischen Reportagen und politischen Kommentare als „Zeitschriftsteller“. Das Publikum schätzte vor allem seine beißenden Satiren auf die provinzielle Kleinstaaterei, die liberale Opposition seine kompromisslose Haltung gegenüber dem repressiven Regime des Deutschen Bunds. Nachhaltiger womöglich wirkten seine Theater- und Opernkritiken, die erheblichen Anteil hatten an der Entstehung des bürgerlichen Bildungskanons. In der Zeitschrift „Die Wage“ erschienen regelmäßige Rezensionen der Aufführungen des städtischen Komödienhauses (unter der Rubrik „Ffter Volksbühne“) und der Museums-Gesellschaft. Seine geistreichen und zugleich entschiedenen Werturteile trugen B. den Ruf des Erfinders des „souveränen Feuilletons“ ein. [Quelle: https://frankfurter-personenlexikon.de/node/1823]

„B. ist ein Begründer des deutschen journalistischen Stils, der, betont subjektiv bestimmt, Witz und Schlagkraft, Epigrammatik und Beweglichkeit der zupackenden Formulierungen mit vorbehaltlosem ideellem Enthusiasmus und gefühlhaften Steigerungen bis zum Pathetischen und Rhethorischen zusammenfaßt. Eigene Erfahrungen, die in mehreren Aufsätzen zum Problem des Judentums Ausdruck fanden, schossen mit Ideen der Aufklärung, nationalem Humanitätsdenken und liberalen Zeitströmungen im rücksichtslosen Kampf für die politischen Ideen der Gerechtigkeit, Freiheit und Menschenwürde zusammen. In ihnen verband sich der klassische Humanismus mit der politischen und sozialen Abwehr der nach-napoleonischen Restauration. Seine Entwicklung von mehr ästhetisch-künstlerischer Kritik, die sich vor allem auf das Theater richtete, zur politischen Polemik, der er zunehmend, wie in der schroffen Ablehnung Goethes und Hegels, alle anderen Wertungen unterwarf, deutet repräsentativ auf die geistesgeschichtlichen Entwicklungstendenzen des Jahrhunderts. Sittlicher Idealismus und dialektischer Intellektualismus, leidenschaftlicher moralischer Ernst im Grundsätzlichen und temperamentvoll sprühender, zwischen Ironie, Satire und Humor variierender Witz schufen zusammen eine neue sprachliche Kunstform, die sich literarisch im Jungen Deutschland, aber auch folgend in einer höheren deutschen Publizistik vielfältig auswirkte. B. gehört zu den Schöpfern einer deutschen Form des Essays. Die erregte, wenn auch oft doktrinär verengte und dogmatisch radikalisierte Teilnahme an allen Zeitbewegungen ließ ihn im Drang zu unmittelbarer, aktivierender Wirkung auch in|seinen nicht zahlreichen Erzählungen und Humoresken („Der Eßkünstler“, „Die Postschnecke“, „Der Narr im weißen Schwan“ u. a.) die knappe, konzentrierte Form wählen, ohne daß er doch einem kurzatmigen Aktualismus verfiel.“ [Quelle: https://www.deutsche-biographie.de/sfz5064.html]

Der ewige Oppostionelle und der „unverbesserliche“ Liberalist. Das lasse ich mal so stehen und füge noch eines an, nämlich die heutigen Transite zu Börnes Horoskop und Planetenständen, denn die können Aufschluss darüber geben, warum und wozu er nun gerade heute ans Land geschwemmt wurde, quasi als „Strandgut“.

Es sind bestimmt nicht nur die „Steine“, die er in einem Aufsatz meinte (und dessen kleinen Teil ich im nebenstehenden Feld ausgeschrieben habe), sondern auch die Nadelstiche, die er sprechen lässt:

„Nadelstiche sind schwerer zu parieren als Schwerthiebe – das haben sie endlich gelernt, die Verfechter der alten Zeit.“

Wir brauchen mehr Nadelstiche.

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