Donnerstag, 16-Juli-2026

DAMMBRÜCHE UND POSEIDON

 

Was ist ein Stausee? Und was ein Damm? Sie haben zu tun mit dem Fließen des Wassers bzw. mit dessen Aufgehaltenwerden durch Menschenwerk, durch Menschen, die das Wasser verwerten möchten. Vielleicht auch müssen, wie es immer ist mit Menschen, die die Kraft der Natur für ihr eigenes Weiterbestehen nutzen.

Vom Standpunkt des Flusses Dnepr aus ist der Dammbau mit anschließender Nutzung des gestauten Wassers eine Katastrophe. Das Wesen des Flusses, wie jedes anderen Flusses, ist in der Vereinnahmung vergewaltigt. Zum Wesen eines Flusses gehört das Spiralförmige, Mäandernde, in diesem Ursprung nimmt er seinen Lauf. In der Begradigung und der Aufstauung verliert er seine Bestimmung – und seine Erinnerung an sich selbst. Da sind wir wieder am Anfang: Wird ihm dies genommen, wird er williger „Kandidat“ des Verbrauchs. Bevor ich mich weiter mit dem Dnepr beschäftige, erinnere ich mich gerade einmal des Gelben Flusses in China. Speziell in Jinan (der Hauptstadt der Provinz Shandong und die Stadt der Quellen), wo ich mich 2007 aufhielt und sah, wie es einem Flusslauf ergeht, der von Menschen totgenutzt wurde. Nichts gegen die Chinesen – das passiert ja allerorten: Ganze Flussläufe werden nicht nur begradigt, sondern auch in riesigen Erdbewegungen verlegt. Mit dem Gelben Fluss wurde dies mehrfach getan. Im Jahr 1855 veränderte schließlich der Gelbe Fluss beinahe „eigenmächtig“ aufgrund einer Flut in der Provinz Henan seinen Lauf. Seitdem ist der Fluss Ji ein Teil des Gelben Flusses, während der Gelbe Fluss jetzt außerhalb der Kernstadt von Jinan im Norden verläuft. 

Der Gelbe Fluss folgt dem Verlauf des Daqing-Flusses und mündet nördlich der Shandong-Halbinsel ins Meer. Es dauerte 30 Jahre, bis um 1885 der Verlauf neuer Deiche, die die Ufer und die an ihnen lebenden Menschen schützen sollten, feststand. Nur zwei Jahre später kam es erneut zu einer Flutkatastrophe mit zahlreichen Deichbrüchen; es starben vermutlich mehr als 900.000 Menschen. Natürlich hatten zu diesem Zeitpunkt besonders findige Kriegsherren längst die Tauglichkeit der Wassermassen als militärisches Mittel erkannt! Im Jahre 1642 hatte Li Zicheng, als er die Stadt Kaifeng belagerte, die Deiche des Flusses zerstören lassen, was zu Überschwemmungen, Hungersnot und einer Pockenepidemie geführt hatte. Im Jahre 1938 hatten die Truppen der Kuomintang eine Überflutung ausgelöst, um die japanische Invasion Chinas abzuwehren.

Insgesamt wird der Gelbe Fluss auf seiner Länge von 4865 km 9 mal gestaut, u.a. vom Sanmenxia-Staudamm, der in der Nähe der alten Handelsstadt Xi’An liegt, und der zur Zeit seines Baus das Prestigeprojekt Chinas war. Als erster Damm am Gelben Fluss symbolisierte er nicht nur die Zähmung des urgewaltigen Gewässers, sondern nachgerade einen Sieg über das seit Jahrtausenden die Einwohner Chinas mit Überschwemmungen heimsuchende Wasser. 400.000 Menschen mussten ihre Heimat für den Bau verlassen. Die Talsperre sollte gleich mehrere Probleme lösen: Überschwemmungen verhindern, Elektrizität für die Industrie liefern und den Gelben Fluss vom namensgebenden Löss befreien. Zwar hielt der Damm tatsächlich große Mengen Sediment zurück, doch stieg dadurch z.B. am in den Gelben Fluss mündenden Wei-Fluss der Wasserspiegel unkalkuliert. 28 mal trat nun er in vier Jahrzehnten nach der Fertigstellung Sanmenxias über die Ufer. Die Schlammmengen, die der Gelbe Fluss mit sich führte, verstopften denn auch bald die Turbinen der Anlagen, so dass ständig interveniert werden musste. Eine lange Geschichte abgekürzt: „Wer den Gelben Fluss kontrolliert, kontrolliert China“, ist von Kaiser Yu dem Großen, der als Stammvater der ersten Kaiserdynastie Xia und damit als Begründer des chinesischen Zentralstaats gilt, überliefert. Macht über das Wasser bedeutet politische Macht.

Meine Hypothese wäre: Menschen, die in der Nähe von begradigten und gestauten Flüssen siedeln, leben in einer dauernden Trennung von Seele und Gestalt. Der Neptun – auch der ihre – verbleibt in den Vorräumen der Zeit, die Seele erhält keine Bilder, die Trennung neutralisiert das Leben. Damit werden sie lenk- und kontrollierbar; Menschen ohne (eigenes) Schicksal leben in Vorgangskollektiven, und sterben auch die kollektiven Tode. 

Der Dnepr gilt als der drittlängste Fluss in Europa. Er entspringt in den Smolensker Höhen, etwa 200 km westlich von Moskau, durchfließt Belarus und mündet nach 2201 km im Norden der Ukraine ins Schwarze Meer. Der Fluss ist eine „Scheide“, eine Trennungslinie, denn er ist mehrfach Grenzfluss und teilt die Ukraine in zwei Hälften. Insgesamt wird er an sechs Stauseen genutzt und verwertet. Der Kachowkaer Stausee (2155 km² groß, Länge 230 km, Breite 9,4 km (max. 24 km) liegt dabei als letzter vor der Mündung im Süden der Ukraine am Unterlauf und wurde zwischen 1950 und 1955 angelegt. An seinem nördlichen Ufer – auf der Seite von Saporischja – befindet sich die Stadt Nikopol mit einem Hafen. Das Wasser des Sees, der wasserreichste entlang des Dnepr, dient der kontrollierten Bewässerung und erlaubt den Anbau von Wein, Obst und Reis in der umliegenden Region. Erholungsgebiet, Trinkwasserversorgung (der Halbinsel Krim und u.a. auch der Geburtsstadt Selenskys – Krywyj Rih), Staustufe zur Beschiffung – ein wichtiger Knotenpunkt. Auch hier natürlich die Macht des Wassers als politische Macht und die Macht der Trennung vom ursprünglichen Wesen des Wassers. 

Zurück in der Zeit. Am 18. August 1941 war ein anderer Damm des Dnepr zum Zwecke der Erreichung militärischer Gewinne gesprengt worden: Flussaufwärts staute schon seit 1932 ein Damm nahe der Stadt Saporischja (ob die Schreibung so richtig ist?) den Fluss; die Wasserkraftanlage wurde im Zweiten Weltkrieg zunächst von Seiten des russischen Militärs zerstört, im Oktober 1943 beim Rückzug der Deutschen Wehrmacht – inzwischen wieder aufgebaut – von diesen erneut gesprengt; was die Kapazität des Saporischja-Stausees betraf, so fasste er mit 0,85 Milliarden m3 Wasser weniger als fünf Prozent der Menge, die vom Kachowka-Damm gebändigt wird.

Hier haben wir den „Vorfall“ vom 18.8.1941 – 20:15 Uhr Ortszeit soll es gewesen sein. Real haben wir mit dem Herrscher von 1 und von 2 – Neptun und Stier – in Konjunktion zueinander die Auflösung der Sicherung (des Reviers) in einer Bewusstwerdung (in der Bildabgabe) der nicht mehr möglichen Aussteuerung gegenüber dem Begegnenden. Merkur als Rahmengeber für den Neptun-Venus steht bei der Sonne in Haus 6 und im Löwen: Sie stehen beide auf einem Merkur-Uranus-GSP. Hier wird eine Entwurzelung aus der Existenz und dem Dasein angezeigt und ausgeführt. Pluto im Löwen an der Spitze von Haus 6: ein Zwang in diese Existenzvernichtung hinein (Pluto auf Merkur-Uranus-GSP).  Sonne wie Merkur haben ein Quadrat zu einer nächsten 2-er-Gruppe, nämlich der der Konjunktion von Saturn und Uranus an der Spitze des 3. Hauses. Der Knall, habe ich das Aufeinandertreffen der beiden des Öfteren genannt: Hemmungsimpuls trifft auf Aufhebungsimpuls. Das ist eine Entladung des Drucks, eine Sprengung. Der „Hemmungsimpuls“ steht dabei im Stier und beharrt auf der Sicherung des Reviers, während die Uranus-Kräfte bereits in den Zwillingen die Aufhebung durchführen.

Die Energie, d.h. der Initiator in Form der Zündung wird wohl Mars sein – als Mitherrscher von 1 steht er im Widder, wird auch im Rahmen von Wasser sichtbar, der abgeschossene Torpedo. Der Aggressor aus sich selbst, bzw. die Selbstdurchsetzung in der eigenen Selbstdurchsetzung. Mars trägt eine Mission vor sich her. Die des Mars-Jupiter heißt: Schneide die Fügung entzwei. Und die Finalität? – Schütze am MC: die Rechtmäßigkeit in der Ordnung. Auf dem GSP von 21°22′ Schütze alias Pluto-Uranus aber auch gleich eine Täuschung: eine perfekte Vorstellung tritt anstelle des Ursprungs und eine Ordnung bricht zusammen, Herrscher von 10 in 3 – wird in der Ausübung der „Entstauung“ erfolgreich wirksam. Die Sache ist gelungen – der Plan ging auf. Über den Verursacher gab es überhaupt keinen Zweifel – die „Wahrheit“ lag ziemlich offen vor aller Augen. Der Befehl, eigene Stellungen bzw. Infrastruktur zu zerstören, ist in Kriegsgeschehen nichts Neues. „Nero-Befehl“ heißt er und bedeutet in etwa die „Taktik der verbrannten Erde“, mit der man Zerstörungen im eigenen Land herbeiführte, damit Anlagen oder Maschinen bzw. Bewaffnung nicht dem Feind anheimfielen. Hitler ( Zerstörungsmaßnahmen im Reichsgebiet am 19. März 1945 von ihm unterzeichnet) hatte solche Befehle zur Sprengung u.a. bezüglich der Rheinbrücken von Basel bis zur Mündung in die Nordsee (allerdings ohne erfolgte Sprengung der Brücke von Remagen) erteilt. Dahinter stand der „Plan der totalen Zerstörung“ in einem „Alles oder Nichts“-Denken. Angewendet übrigens wohl allein von jenen, die sich nicht mehr anders zu helfen wissen und die zwingend werdende Kapitulation vor Augen haben. (Die Bezeichnung „Nero“-Befehl geht dabei natürlich auf den römischen Kaiser Nero zurück, dem man bisweilen – inzwischen historisch nicht mehr eindeutig – zuschrieb, seine Stadt selbst in Brand gesetzt zu haben.)

Auch wenn ich hin- und herschaue – ich komme für den 6.6.2023 um 2:50 Uhr auf keinen Fische-AC, auch auf keinen Widder. Ich bleibe bei meinem ursprünglich ausgeworfenen Radix mit dem Stier-AC auf 18°21′, an den sich die Konjunktion von Merkur und Uranus „anschmiegt“. Uranus bewegt sich im Stier auf einem GSP von Sonne-Pluto vorwärts. Zunächst Uranus im Stier – er hebt Räume und Reviere auf, lässt Häuser ohne Dächer zurück,  – der Verschleiß von Material, auch daran ist zu denken – und hier mit dem Merkur zusammen im 1. Haus kurz unter dem AC: Merkur, der Luftige, der sich noch in jede Ritze zwängen kann, der Haarriss vielleicht. Es gibt zwei Partner oder Kontrahenten, zwischen denen „man“ steht, wobei die eigene Existenz entwurzelt wird – die Hecke ist eine Grenzlinie. Auch hier haben wir einen „Knall“ – denn Merkur ist die Erscheinungsseite von Saturn, womit sich also auf dem Sonne-Pluto-GSP eine Unvereinbarkeit ergibt, in der Diagonalen wird Merkur-Uranus zum Ausbrechen aus der Folgerichtigkeit, die erratische Ausführung und auch das „Wort vom Ursprung“. Venus zu Saturn ergibt die zweite Diagonale – Wird das Material bestehen? Sonne zu Pluto – in der Rückseiten- und Lückenlehre der MRL ein Schott, eine Schutzkonstellation, die bewerkstelligt, dass alles dahinter Verborgene unangetastet bleiben kann. Im Sonne-Pluto geht es um ein Leben aus der Vorstellung. Das Subjektive hat sich eine „Idee“ herangeholt (oder wurde von ihr erfasst), die es nun an sie gebundenermaßen vertreten wird. Die Sonne an der Spitze zu Haus 2 wird „zuständig“ für das Revier als Funktion; Pluto (aus dem Begegnenden) steht in Haus 10 und „markiert“ auf 0° Wassermann und rückläufig ein Wort der Macht aus den Staatszentralen.

Wir haben in einem Bestand (der Sicherung) einen Grenzdurchbruch, und es gibt ein Vorher und ein Nachher (wobei dieses die Aufhebung der Umstände sichtbar macht).  Und eine Klarheit bzw. eine Wirklichkeit als Wahrheit ist uns verborgen. Neptun steht als Herrscher von 12 in 12, ist uns verborgen. Er hat wie Saturn (übrigens auch Sonne und Mond gehen keine Verbindungen ein; Sextile und Trigone lasse ich außen vor) keine weiteren Begleiter, ist saturn-haltig und damit Träger der „Information“ einer sich im Hintergrund aufhaltenden Ordnung. Saturn in den Fischen – eine Bestimmung wird vor ihren Ursprung zurückgeführt. Saturn steht in der Nähe des GSP von 8° – Mars-Jupiter.

Die beiden kommen sich in einem Quadrat in die Quere. Die „Selbstdurchsetzung“ – die Aggression (Poseidon) selbst stammt aus dem 12. Haus und zielt ins 4. Haus als Zerstörung des Heimatlichen im Lebensweltlichen. Nun ist Jupiter zwar im Stier „gefügt“ und anschaubar als Vereinheitlichtes in einem Territorium, doch dieses Territorium ist im Stierteil in 12 mit dem Fügungsinhalt unsichtbar, auch unrechtmäßig. Saturn-Neptun bildet den Rahmen einer unsichere Rechtslage bzw. deutet auf eine Minderheitenlage mit Rechtsbrüchen. Ein Stichwort hier: „Ich fühle mich im Stich gelassen!“, was mit einer Opferrolle verbunden ist. Das Bestandsgefüge (das hier im Niemandsland steht) ist nach Vorstellungen gefügt: Pluto in Quadrat zu Jupiter weist darauf hin, dass hier etwas zusammengebracht wurde, was nicht zusammengehört. Infolgedessen trägt dieses Gefügte auch die Information über den eigenen Auseinanderfall in sich. Die Bindung an Verträge (Schütze in Haus 8) wird dem Sichtbaren enthoben. Man kann also sagen: von Staatswegen aufgelöst. Dass der Mondknoten dabei steht, macht die Konstellation nahezu schicksalhaft.

Involviert natürlich das Heimatliche – Mars darin: der Feind im eigenen Land. Und da er der „Rächer“ des veruntreuten Neptun – und das ist er mit dem Dammbau und der Nutzung des Wassers-  ist, kommt er als Wassergott mit zerstörerischer Kraft. Bei Mond-Mars ist immer auch an Selbstverletzung zu denken. Mars wie Uranus auf einem Sonne-Pluto-GSP. Das Leben in einem (steifen und rigiden) Korsett aus Vorstellungen, das hier angriffen wird. Vielleicht wird es ja befreit von der Macht der Informationen. Die Venus steht auf 00°25′ Löwe daneben, ist auch noch involviert, als „Bestand“ und als die Ausgleichende, die Harmoniesuchende, Mars und Venus zwar nicht in Konjunktion, aber doch Repräsentanten zweier unterschiedlicher Kräfte auf einem heimatlichen, hilflosen Mond-Boden im Steinbock. Vielleicht die rechte und die linke Seite…. auf der Venus-Seite geht es harmloser zu, wobei die Erscheinungsseite des Uranus in seiner Aufhebungskraft auch nicht ohne ist. Da fällt mir ein: Der Knochen, um den die Hunde sich streiten, spielt nicht mit. Und der Boden, auf dem gekämpft wird, ist seinen Bewohnern entfremdet. Das 3. Haus beginnt auf 5°15′ – zwischen Mond-Uranus– und Neptun-Uranus-GSP. Hier wird noch um die Wahrheit gerungen, die (noch) nicht aufsteigen darf und zu Dauerschock-Zuständen führt.

Ja, was oder wer schaut uns hier an? – Was schaut uns entgegen? – Man kann jetzt mal vorsichtig die Geburtsdaten diverser involvierter Staatenlenker auf das Horoskop legen. Die haben ja auch jeweils Mars, Neptun und Pluto in entsprechenden Positionen einzubringen und damit Interessen; die Antworten liegen aber vermutlich in einer sehr viel tiefer gehenden Botschaft, die sich einen Ort gesucht hat, an dem sichergestellt ist, gehört zu werden. 

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Author

Karin Afshar

AUßENSCHAU UND INNENSCHAU
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