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DER MENSCH AN SICH IST TRÄGE

Ganz kurz nur. Gestern Abend gab es wieder mal eine Runde mit Politikern (frage mich, ob die nichts Wichtigeres zu tun haben, als in Talk-Shows zu sitzen) in den Öffentlichen. Eine Sequenz darin ließ mich aufhorchen:

Es ging um die Frage, ob demnächst – es geht natürlich um Corona – Geschäfte und Gastronomie wieder geschlossen würden? Gibt es wieder einen Lockdown? Robert Habeck wand sich und verwies ein wenig verdattert darauf, dass derzeit nichts ausgeschlossen werden könne. Dann folgte ein philosophischer Exkurs seinerseits über den Menschen. „Wir sind träge Wesen.“ Und weil diese trägen Wesen sich allzu schnell immer wieder in Sicherheit wiegen würden, „müssen wir den inneren Schweinehund überwinden“. Die zugeschaltete Journalistin Christiane Hoffmann daraufhin: „Es geht doch nicht um Trägheit. Politische Führung heißt, nicht die Augen zu verschließen.“ Und sie schloss daran an, er und seine Partei seien doch gewählt und träten demnächst an, um die Trägheit zu überwinden. Ihn traf das sichtbar und er wurde, was man in der gehobenen Umgangssprache „schmallippig“ nennt. 

Trägheit, ja, was ist das? Zaudern? Die Unfähigkeit, sich zu bewegen, aus Sicherheitsgründen, aus Angst vor der Aufgabe des Status quo, weil doch alles irgendwie doch gut so ist, wie es ist – also ein Arrangement? Und sei es auch noch so schrecklich? Auf der körperlichen Ebene fällt mir da gleich einmal das „träge Lymphsystem“ ein, ein Zustand des Staus, der Blockade – zu verorten in einem Merkur-Saturn. (Nachzulesen in WD, Erfahrungsbildern 1, S. 242ff). Ja, der Merkur-Saturn ist der Intellektuelle par excellence, einer, der die Umweltbeziehungen (von sich zur Welt, die in umgibt) versachlicht und neutralisiert , und die Selbstbestätigung in der Skepsis findet. Ist alles an anderer Stelle aufgeführt.

Steht diese Konstellation bei einem Menschen in Bezug zum I. Quadranten, wird sie sich gesundheitlich auswirken als das Träge (Abwesenheit von fließendem Leben), u.a. auch als eine Abwehrschwäche.

Wenden wir die Münchner Rhythmenlehre an, wissen wir, dass Merkur-Saturn im Zusammenhang mit der Rückseitenlehre eine Blockade-Konstellation ist, die bei verschiedenen Planetenkonstellationen entstehen kann. Nun schaue ich die eine Blockade mit einer anderen zusammen, nämlich der von  Uranus zu Venus/Venus zu Uranus.

Diese Konstellation (ob als Konjunktion oder Quadrat oder Opposition gegeben sei einmal untergeordnet) entspricht auf der körperlichen Ebene dem labilen Aufbau des Nervengewebes und dessen Schädigungen, Muskelschwund, Aufhebung der Gefäßspannung in den Venen (mithin Erschlaffung), Fehlen von Energie, weil diese nicht gespeichert werden kann, Blutversackung bei Spannungslosigkeit der Gefäße, Schwindel (wenn sich die Bilder zu schnell bewegen oder die Neutralität aus dem Gleichgewicht fällt). Venus-Uranus gibt einen Hinweis darauf, dass man vom eigenen Gefüge abwesend ist, insofern kommt es zur Aufhebung der Formen (= 2. Haus) und des Raumes, auch des Standortes. Ohne fest umrissenes Revier ist man Nomade und unterwegs. Im Endergebnis ist dies paradoxerweise ebenfalls eine Blockade der Bewegungsfähigkeit, denn ein Ankommen ist versagt. Natürlich lesen wir immer auch die geistige und emotionale Trägheit mit, ist schon klar?

Ich tendiere dazu, diese Konstellationen als ein „vom Clan vereinnahmtes Leben“ zu bezeichnen: „Das Verstecken im Sozialen“. Es geht dabei um das Verhältnis von Verband zu Einzelwesen. Das Soziale ist „Gemeinschaft/ Familienverband (Hs 2) in der Ausübung (Hs 3), dem sich das Subjekt unterordnen muss (Integration, Inklusion).

Wie in der obigen Zeichnung zu sehen ist, ergeben sich noch zwei weitere Konstellationen in der Diagonalen: Saturn-Venus („der Zwang bzw. Zug zur Integration“) und Uranus-Merkur („der zwischen den Stühlen Sitzende, Zerrissene“). Die Diagonalen sind in einem solchen Engramm diejenigen, über die die Lösung (in diesem Fall der Stockung und Stauung) herbeigeführt werden müssen und können. Die Person muss also hinterfragen bzw. anschauen, inwieweit sie sich in einem Verband befindet, der für sie nicht geeignet und sie deshalb unselbständig ist, und inwieweit sie in der falschen Zugehörigkeit einen Zustand von Berührungs“phobie“ entwickelt hat. Stichwort: Hautausschläge, die Distanz schaffen und einem die anderen von der Pelle halten.

Der Mensch ist träge. Nein, nicht jeder, aber viele sind es tatsächlich. Von einem „Arbeitsclan“ vereinnahmt, in einem Verband von „Gleichgesinnten“ (was man sich eben so darunter vorstellt) „integriert“, der nicht dem eigenen Leben und den eigenen Fähigkeiten und der Aufgabe entspricht, sitzen viele Menschen in einer Erscheinungsform des Merkur-Venus, zu sehen in der unteren Quere. Es wird das Körperliche geregelt, auch die Körperschaft, also Organisationen. Man schreibt Hausordnungen in Wohnanlagen oder das Reglement für Sitzungen als Ablaufplan. Es wird gemessen, gezählt und – mit dem Saturn-Venus – dort gearbeitet, wo man nicht zuständig, nicht zuhause ist. 

Die Schotts stellen immer eine Abschirmung der Probleme dar: sie schützen den übrigen „Körper“ und halten ihn lebensfähig. Würden die Schotts als Begrenzungen aus welchen Gründen auch immer wegfallen, verlöre der Körper und die in ihm manifestierte Krankheit seine Ordnung und würde überfordert zusammenbrechen. Es geht also um „fein eingekapselte“ Probleme, die sich in den gezeigten Symptomen sogar ein Leben lang halten können. Mittelschwere Erkrankungen nehmen viele Menschen fraglos auf sich, dafür gibt es Medikamente, um die Körper funktionsfähig zu halten. Heilung ist nicht erwünscht.

Fehlt noch die obere Quere, und die ist die eigentlich Interessante, weil sie die Ursachen für die Probleme der unteren Quere beschreibt und damit die „Lösung“ darstellt.

Bei Uranus-Saturn (hurra, da ist er!) entsteht, sofern Inhaltliches (an eigenem Leben und dessen, als was es in Zeitliche kommen sollte) und Form (Erscheinung und Raum, in dem es gelebt bzw. ausgeführt wird) nicht zusammenpassen, eine Stauung. Die Impulse blockieren sich gegenseitig – nichts geht voran. Die Konstellation (in Zusammenhang mit Planeten des II. Quadranten) ist unangenehm für das Einzelleben, das ein Subjektives ist, denn sowohl Uranus als auch Saturn schwächen das Subjektive und stärken das Wirkliche. Ich lote hier nicht alle Tiefen aus, nur soviel: In dem Versuch, die mitgegebene Spannung bzw. Unvereinbarkeit auszugleichen, kommt es zu formal-harmonischen Arrangements, in denen das Eigene unterdrückt wird. Diese Unterdrückung der eigenen Wirklichkeit führt weiter und weiter in den Zwang zum Formalen hinein und schließlich zur Erstarrung („Steinbildung“). Den Formalzwang überträgt die Person, so sie Träger dieser Konstellation ist, dann schon mal auf ihre Umwelt, die sie – wie zuvor gezeigt – regelt und organisieren will, ja muss. Jemand, der Vorgang im Gemeinschaftlichen ist, kann nicht schöpferisch tätig sein, und wird deshalb das Schöpferische anderer in seinem Umfeld regeln. 

Ohne eine Entfernung aus dem ungeeigneten Milieu geht das Ganze schließlich an die Nieren, bildlich und wörtlich. Die nicht vollzogene Ablösung und die Unechtheit, die weihevolle Oberpriesterhaltung zeigen sich in vielerlei Hinsicht auch als Ausbruch von Infekten, die aus dem Milieu heraus mutieren lassen. 

R.H., 2.9.1969, Lübeck, Sonne am MC

Hier haben wir eine Sonne in der Jungfrau (ich habe auf Sonne am MC gerechnet). Der Merkur steht in Konjunktion zu Uranus  (es sind 4°), Jupiter gehört auch noch dazu und ist marshaltig. Außerdem steht der Mars im Zeichen des Schützen. Selbstdurchsetzung in der Weltanschauung. Die Venus wiederum (die deshalb anzuschauen ist, weil Merkur in der Waage steht) verzeichnet von ihrem Wirts-Zeichen Löwe aus ein Quadrat zu Saturn im Stier. Damit haben wir Uranus-Merkur, Venus-Saturn als Diagonalen und damit, auch ohne dass sie im Horoskop einen Aspekt miteinander eingingen, eine Uranus-Saturn-Komponente. „Menschen sind träge“ – ist ein Übertragungssatz vor Publikum, das sich dies als willkommenes Argument auf der Zunge zergehen lassen könnte. 

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