ZWEI FRAUEN

Beide sind bekannt und werden hauptsächlich mit einem Thema in Verbindung gebracht: Russland. Die Aussage ist schief: Russland ist kein Thema, sondern ein Land, und dieses hat einen Präsidenten, der zu allerhand „Entzweierei“ Anlass gibt. Hier habe ich also zwei Frauen herausgesucht, die sich mit dem „Russland-Thema“ in der einen und anderen Form auseinandersetzen. Zwei Punkte habe ich herausgesucht: Was haben sie gemeinsam? Und was trennt sie?

Beide weisen in ihrem Geburtsbild die Opposition von Venus zu Uranus auf. Immer, wenn diese beiden aufeinandertreffen, oder gegeneinander stehen, ist nach Wassermann und Stier/Waage und dem 11. und 2. /7. Haus zu schauen. Bei Wassermann ist zu denken an das „geistig Unterscheidbare“, das sich vom „körperlich Unterscheidbaren“ des Stier scheidet: hier Zeit(lichkeit), dort Räumlichkeit. Der Stier ist die Abgegrenztheit, das „Fort Knox“ sozusagen, in dem die Regeln der Sicherung gelten, auch „Moral“ als die Gewährleistung der Einhaltung dieser Regeln im Gemeinschaftlichen. Einen Schutz bekommst du, wenn du dich an die Formen und Werte unserer Gemeinschaft hälst – sagt die Stier-Venus. Aber mit Uranus im Gegenüber hat sie einen Zug hinaus, sie wird aus dem Zentrum herausgeholt (vielleicht gegen ihren Willen, was Energie erzeugt) und in eine Umlaufbahn „geworfen“ – „exzentrisch“ nennt man das dann – wird diese Person zu sein haben. Ein Zug in die Unabhängig- und Unverbindlichkeit. Die Sonne im Geburtsbild wird das entsprechend umsetzen müssen. Also – wir können schon mal sagen: zwei exzentrische Frauen, die eine lebt es mit einer Fische-Sonne, die andere mit einer Skorpion-Sonne.

Die Venus der Frau auf der linken Seite steht im Zeichen Wassermann, d.h. ihre Venus ist gleich doppelt aus der Selbstverständlichkeit der – man könnte auch sagen – Selbstsättigung heraus genommen. Bezieht sich auch auf die „Eindeutigkeit“ des Geschlechtsmorphismus. Venus-Uranus kann eine Irritation der Geschlechtsorientierung, eine Weigerung der Festlegung sein, eine Verzögerung des Pubertierens, man bleibt an der Grenze, und androgyn. Da kann man an David Bowie denken oder Annie Lennox, die sich als „Bild“ dafür öffentlich machten.

Eine Venus im Wassermann nimmt Ideale für die Zukunft, Visionen von Erneuerungen in sich auf, macht sie zu ihrem Bestand – sie wird vom Gerechten in der Welt, vom Gleichsein aller im Angesicht der Unterschiede, die sie nun aufheben zu müssen meint, begeistet. Stier-Venus ist irdisch, bringt die Ideale ins Diesseits und in die Erscheinung; der real existierende „Sozialismus“ – fällt da auch ein; die Waage-Venus hat ein anderes Anliegen. Wenn wir sie im Wassermann lesen, dann ist das ein Kapitel der Verbindung von „Geist“ und Denken – im Denken taucht das Wirkliche, von der Erscheinung völlig Unabhängige auf. Das ist ein „Denken im Ursprünglichen“, wie soll man das verstehen? – Das ist die Sprache der Träume, z.B. – aus dem Unbewussten und von niemandem „Willbare“ steigen Bilder von Gewesenem, Nicht-Gewordenem und Verborgenem ins Bewusstsein. Das kann auch schon einmal überfluten, es könnte zuviel hineinströmen, es könnte das Bewusstsein elektrifizieren – das Bild des Krampfes bei Stromschlag. Dem Wassermann ist das einzelne Leben in seiner Eigenständigkeit ebenso zweitrangig wie dem Stier. Im ersten Fall gibt sich der Einzelne der großen Vision/dem Ideal hin, ordnet sein persönliches Leben unter, im anderen gerht er in den Werten des Kollektivs, das ihn aufnimmt, auf. Damit sind beide dem, der in erster Linie mit sich selbst identisch ist, gegenüber „kalt“. Das kann soweit gehen, dass die gewählte und für anstrebenswert gehaltene Utopieform absolut vertreten wird. Recht auf Unabhängigkeit und Freiheit als Zwangsbeglückung.

Herrscher über Venus ist Uranus – und der steht bei dieser Frau im Löwen, ist darin „repräsentativ“ für eine bestimmte Kohorte von Menschen. Uranus durchlief das Zeichen Löwe von 1955/56 bis 1961/62: die Heraushebung aus dem Subjektiven als das geschlossene Dasein im Selbstausdruck. Das Leben als (endliches) Geschehen wird aus sich herausgeführt. Das wäre z.B. auch der Wechsel vom geozentrischen Blick zum heliozentrischen Blick auf sich selbst. Nicht ich stehe mehr im Zentrum meiner Selbst, sondern ein Nicht-Ich beschaut mich in meinem In-der-Welt-Sein von Außen. Damit geht allerdings eine „Entfremdung“ zu sich selbst einher, sich abwechselnd mit einer Überhöhung seiner selbst. Man könnte sich für göttlich halten. Sonne-Uranus läuft Gefahr, ins Extrem zu laufen.

Uranus kann damit eine Manie bedeuten – letztlich unerlöst und eine Anlage zum „Säulenheiligen“.  Das sind jene, die asketisch in der Höhe ihrer Säule, auf der sie sitzen, ausharren und letztlich wiederum auch wieder das Leben in seiner Endlichkeit zum Erreichen des reinen Geistigen verweigern.

Jetzt müsste man natürlich die genaue Häuserverteilung kennen: wo steht der Löwe und wo der Wassermann. – Aber einen Blick auf die Sonne können wir werfen. Im Falle der Frau auf der linken Seite ist es eine Fische-Sonne mit einem „vorauseilenden“ Merkur. Was fällt einem bei Fische-Sonne ein? Das Zerfließen? Das Überschwemm- und Beeindruckbare ohne Abwehrmechanismen, die er nicht braucht. Das Grenzenlose, die Liberalität des „alles ist gleich gültig“, damit eine Wertfreiheit, die nicht – was z.B. die Stier-Venus tut – bewertet. Mit Fische-Sonne ist man dem Wahren näher als sich selbst, das heißt, man könnte sich auch mit dem Wahren verwechseln. Wie erkennt man das Wahre überhaupt? Und die nächste Hürde: Ist sie angenehm, wenn ich sie erkenne für mich als kleines Subjekt? – Sie schwächt das Selbstverständnis, weicht auf, was man eigentlich als Durchsetzung in der Welt bräuchte (hier wäre jetzt nach Mars zu fragen, ich trage nach: er steht im Steinbock!). Nun hat diese Fische-Sonne einen „Wesir“, einen Verwalter – das Gegenzeichen Jungfrau macht sich nützlich und beginnt mit der Sondierung. Merkur lässt nicht alles durch, er geht voran wie ein Blindenstock dem Blinden, um Gefahren zu melden und zu umgehen. Sonne und Merkur – und das als letztes – stehen im Quadrat zu Saturn.

Auch Saturn in Schütze ist eine Kohortenkonstellation (1956-1959) und beinhaltet knapp gesagt: die große Ordnung in der Vielzahl der Weltanschauungen. Im Laufe des Gerichtsverfahrens und bevor es zur Verkündung des Urteils kommt, tritt der Gesetzgeber in Person vor und sagt: Gesetz geht vor Recht. Andersherum wäre es mit Jupiter im Steinbock. Da könnte er auf den Gedanken kommen, dem Gesetzgeber ein neues Rechtsverfahren zu verkünden.  – Saturn in Schütze: Der Dsiziplinator im Feld der vielen Möglichkeiten, Dinge anzugehen und anzuschauen. Da, wo Schütze noch „jagt“ und sucht, setzt der „Oberlehrer“ bereits eine Beschränkung hinein. Stellen wir uns eine Gruppe von Schütze-Sonnen vor, die sich in einem Symposium des Philosophierens bis zum Horizont und darüber hinaus ausbreiten und vielfältige Antworten auf die Fragen des Lebens einsammeln – die Übersicht verlieren, vom Hundersten ins Tausendste kommen, und nun setzt Saturn seinen Fuß in diese Gruppe. Sie werden ihn nicht mögen. Er ist zu schwer, die Leichtfüßigkeit ist eingeschränkt, Saturn verlangt Konzentration und Ordnung (nicht die kleine Ordnung des Merkur), die Verantwortung. Der Fische-Sonne tut das einerseits „gut“, will sie sich doch ebenfalls ausbreiten und sich überallhin verteilen – Saturn gibt ihr Formierung und Gerüst, und solange sie Saturn „dient“, wird sie tatsächlich in der Gewissheit der Wahrheit tätig. Aber auch hier: die Sonne könnte sich mit Saturn identifizieren, sie wird Saturn und hält sich für den Wächter über die Anschauungen und den Richter über die Gesetze.

Die Frau auf der rechten Seite hat eine Venus im Steinbock aufzuweisen. Das „Sicherungsbestreben“ geht nicht zentrifugal nach außen und an die Peripherie, dorthin, wo die Visionen und Gerechtigkeitsbestrebungen im Gleichsinne sind, sondern dorthin, wo die Tafeln der Gesetze zum Zwecke der Aufbewahrung und Einhaltung aufgestellt sind. Die Waage-Venus ist im Steinbock angehalten, ihr Denken an den Gesetzen des Wirklichen und der Bestimmung dessen, was in die Gegenwart getragen wird, auszurichten, am Bewährten, Bewahrenden. Auch: Konzentration, Disziplin – die Gedanken im Einklang mit dem, was der Welt „das Gerüst“ gibt. Hier ist das Stadium der Raumzeitlichkeit bzw. die Spaltung in weder das Eine noch das Andere kein Thema. Kein Aushandeln mehr, ob man die Entscheidung vertagt und im Unbestimmten bleibt. Das liegt hinter  dieser Venus, denn sie ist formiert und gefasst, sie hat eine „Fassung“. Ihr Dienst besteht darin, diese Formierung zu vertreten. Doch halt – da ist ja Uranus im Gegenüber! Wird sie zu starr, diese Venus, wird Uranus sie herausfordern und auch aus der vorgefertigten Form „herauswerfen“. Grenzgängigkeit ist auch hier vorhanden.

Uranus im Krebs – eine andere Befindlichkeit als Uranus im Löwen. Die innere Wesenheit ist nunmehr aus sich enthoben. Die Generation der Kinder von 1948-1956 weisen diese Mond-Uranus-Komponente auf. Auch das eine Irritation, denn das Innere ist zerrissen und bipolar – wem gehört es zu: dem Eigenen (das sich indes nur schwer erschließt) oder dem Wirklichen, dem Ideal, auch dem Reinen, das sich am Leben nicht beteiligt? – Leben ist Endlichkeit, der Schmerz des Lebens ist der gewisse Tod – und Uranus darin flüstert ein, dass es möglich sein könnte, dem zu entgehen, indem man besser nicht lebt, d.h. sich ins Leben einlässt. Uranus in Löwe brachte einen Aufbruch im Lebensweltlichen, Uranus im Krebs brachte den Aufbruch in der Lebensgrundlage, mundan wäre es das Heimatliche als der Ort des Zuhause-Seins. Löwe folgt auf Krebs – der ist die Folge des anderen. Der Manie muss ein Erlebnis des Verlusts vorangegegangen sein. Die Venus im Steinbock und der Uranus im Krebs: Venus ist die Erscheinungsseite des Uranus, da wird des entborgene Heimische mit einer Pflicht an das Traditionelle verbunden, eventuell ausgeglichen. Vielleicht stehen sie Rücken an Rücken und wissen nicht voneinander und leben getrennte Leben: eines für Außen, eines für Innen; aber sie können sich eben auch anblicken und sich erkennen.

Der Saturn aus dem Steinbock steht übrigens in der Jungfrau, d.h. die „Gesetzmäßigkeiten“ (der Ordnung) wirken im „Haushalt“, in der Betriebswirtschaft sozusagen: die Lebensumstände, als die Bedingungen, die das jeweilge Leben halten, werden maßstäblich verwertet. Man könnte fast sagen: die Legislative bestimmt darüber, nach welcher Methode das Leben sich ernährt bzw. wie es das Vorgefundene und Geerntete verdaut. Sieht man den Merkur in Skorpion, ergibt das ein strenges „Regime“ im wahrsten Sinne der Diät („régime“ im Frz.). 

Gelebt wird diese Achse mit einer Sonne im Skorpion, die auch noch gleichzeitig ein Quadrat zu Pluto aufweist. Leitbildorientiertes Handeln und das durchaus mit einem gewissen Zwang der Kontrolle über den eigenen Lebensausdruck. Eine Selbstzensur – mit dem Drang, dies nach außen zu kehren, indem nun andere Selbstverständnisse kontrolliert und strukturiert werden. Oder nehmen wir das männliche Prinzip. Sonne und Löwe, so wie Mutter Krebs und Mond vertreten. Im Skorpion liegen die Erfahrungen der Art, im Archiv der Matrizen, aller, die es bisher gibt und gab. – Die Sonne speist sich aus diesen Erfahrungen während gleichzeitig Pluto diese hineingibt in ihr Leben und das Dasein. Abgesehen von Vorstellungsgebundenheit, eine fixierte Bindung an Bilder der Gegenwarten, aber auch Nichtgegenwarten, und eine Hüterin dieser in außerpersönlicher Weise. Auch hier müssten wir wissen, in welchen Häusern die Zeichen stehen, um die Bereiche zu erklären.

Beide Frauen weisen eine nicht zu übersehende äußere Ähnlichkeit auf: sie haben weiße, kurze Haare, die jeweils das scharf gezeichnete Gesicht umrahmen. Agnes-Marie Strack-Zimmermann ist am 10.3.1958 geboren, Gabriele Krone-Schmalz am 8.11.1949. Die eine hat zum Kampf gegen oben genannten Präsidenten aufgerufen, die andere wird nicht müde, die Zusammenhänge für sein Handeln zu ergraben und mit der Geschichte und aus der Geschichte zu erklären. 

Verstehen kann jeder nur das, was er selbst in sich trägt. Was er nicht in sich trägt, bleibt ihm fremd.

Und:

Was jemand nicht in sich selbst erkennt, prangert er im Gegenüber an. Was er aber in sich selbst erkennt, muss er im anderen nicht bekämpfen.

Und die nächste Stufe:

Wenn jemand, das, was er in sich erkennt, es aber in einer Fremdbesetzung ablehnt, wird er alles dafür tun, es aus der Welt zu tilgen. Wenn jemand sich selbst erkannt und akzeptiert hat, kann er die anderen sein lassen, wie sie in ihren Kämpfen oder im Nicht-Kämpfen sind.

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