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DER ROTE KÖNIG

Jetzt ist es fertig – das Porträt von König Charles III. Die Medien haben sich bereits darüber ausgelassen und es gibt etliche Kommentare. Man rätselt über die Bedeutung des Schmetterlings auf der rechten Schulter des Königs, auch über die Farbe des Hintergrundes bzw. als die vorherrschende Bildfarbe wird heiß diskutiert. JONATHAN YEO heißt der Künstler dieses modernen Machtwerks – oh – Verschreiber: ich meinte natürlich Machwerks.Rot ist eine mächtige Farbe – allem voran die Farbe von Mars, dem Planeten und dem Gott des Krieges, aber auch an Blut ist zu denken. Der König trägt die uns allen bekannte Uniform der Welsh Guards, deren Oberst er war (heute ist er Colonel-in-Chief des Regiments) – diese ist rot. Die Farbe im Bild soll ein Scharlachrot sein, es wird aber auch „Feuerrot“ angeführt. Die Bezeichnung der Farbe spielt hier eine große Rolle. Bei Feuer und der unruhigen Pinselführung assoziiert sich schon mal gleich „Hölle“. Irgendwie muss ich an Dantes Inferno und seine „Göttliche Komödie“ denken. Es gibt ein Gemälde von ihm, auf dem er sein Werk mit der linken Hand präsentiert, während er mit der rechten Hand auf eine Prozession von Sündern zur Hölle weist. Hinter ihm liegt das Purgatorium und eine historische Ansicht der Stadt Florenz. Der Mann selbst steht etwas rechts von der Mitte und trägt ein rotes, längeres Gewand – in dem wird er übrigens auf noch anderen Gemälden zu sehen sein. Aber es ist nicht er im Fegefeuer, er schaut aber darauf und hat es hinter sich. Ist es der König in der Eingebung des Künstlers Yeo? 

Die Farbe „Scharlachrot“ als Farbe der britischen Uniformen ging – wenn ich richtig gelesen habe – aus dem „Tudor-Rot“, das die Farbe des walisischen Drachen bedeutet, hervor. Um es abzuschließen: Im Christentum ist Rot die Farbe des Heiligen Geistes und des Blutes der Märtyrer. Außerdem symbolisiert Rot „Gefahr“ bzw. die Warnung davor, damit einhergehend das Verbot (s. Verkehrsschilder) und im übertragenen Sinn Sünde. Bereits im 11. Jahrhundert übernahm die römisch-katholische Kirche Rot als Farbe der Chorkleidung ihrer höchsten Würdenträger, was auf die Bereitschaft, notfalls das eigene Blut für Christus und die Kirche hinzugeben, verwies. Naja, nun ist es im Königreich die Anglikanische Kirche. Anglikanische Bischöfe tragen normalerweise eine violette Soutane, über der sie anstelle des Chorhemdes das Rochett mit einer roten oder blauen Zimarra mit dazu passenden Ärmeln, schwarzer Pelerine und gelegentlich einer „akademischen Gugel“ tragen. Mit liturgischen Farben kenne ich mich zwar nur zweitgebildet aus, lese aber, dass Rot auch als Farbe von Pfingsten gilt.

Der Monarchfalter – von Yeo auf der rechten Schulter platziert – wird nun außerdem vielfach gedeutet: er stehe für die Metamorphose, die der Mann vom Prinzen, der er noch war, als der Maler anfing, ihn zu porträtieren, zum König bzw. von der Puppe zum Ausgeschlüpften durchlief. Oder er soll das Engagement des Prinzen in Belangen des Umweltschutzes und der Arterhaltung symbolisieren.  Dass es sich nun auch noch um den „Monarch“ handelt, der hier abgebildet wird, fühlt sich einerseits etwas zu sehr vordergründig an, und deutet andererseits doch wieder auf die Rote Liste der sehr gefährdeten Arten, zu der der Monarch gehört. Die rechte Schulter: astrologisch ist links die Osthälfte des Horoskops (Aszendent), und rechts die Westhälfte (Deszendent). Der Falter fliegt hier von west-außen zu. Innehalten: Gehen wir von der Draufsicht aus oder von der uns gespiegelten Person??

Auf dem oben gezeigten und dem untenstehenden Bild habe ich mir eine Spielerei erlaubt, und das Bild in linke und rechte Hälfte geteilt, die Hälften jeweils gespiegelt und zusammengesetzt. Also, wenn schon KI mitspielt, dann spiele ich auch.  Hypothese: Jeder Mensch hat zwei Gesichter. Und dazu bin ich schon seit Jahren immer wieder dabei, Gesichter zu teilen und zusammenzusetzen, um dann die Symmetrie – die sich als absolute Seitengleichheit etwas „langweilig“ und seltsam unlebendig ausmacht, zu untersuchen. Je unsymmetrischer das Gesicht ist, desto ungleicher werden die beiden entstehenden Gesichter sein. Die ästhetische Prämisse von „je symmetrischer desto schöner“ trifft bei Weitem nicht immer zu.

Schauen wir des Königs neue Gesichter an, sehen wir: das rechte z.B. ergibt ein schmales mit gerade stehenden Augen und einem Mund, der zwar etwas zugekniffen ist, aber eigentlich noch recht angenehm wirkt. Die Gesichtsfalten sind stärker akzentuiert, doch trotz der ausgeprägten senkrechten Mundfalten sieht das nicht unsympathisch aus. Nasenfalten und Kinn ergeben ein Oval, das den Blick auf sich lenkt. Insgesamt ergibt sich – und der Schmetterling akzentuiert dies, das Bild eines „Monarchen“, eines Menschen, der womöglich stark strukturiert ist, und nicht übermäßig aus sich heraus geht, aber gelassen und gefasst ist. Mit dem entstehenden Kragen, der einem Kardinalskragen sehr ähnlich sieht, scheint er wie ein Priester.

Das Gesicht der linken Seite ist nicht viel, aber merklich runder, nein – eierförmig-wuchtiger; die Augen liegen enger zusammen, der Mund wird breit und die Mundwinkel zeigen nach oben. Augen und Mund ergeben ein Rund mit einer zustechenden Nase darin. Auch solche Gesichter kennen wir: die Augen sind kleine „Schießscharten“, während der Mund ein breites Lächeln zeigt. Das ist keine wirklich gelassene Miene, sondern eher die eines anstrengenden „Beisammenhaltens“, also eine Willenshaltung. Der dickere Hals und die Schultern formen sich zu einem „breiten Kreuz“, fast denke ich da an einen, nein, sogar zwei amerikanische Präsidenten, die sich da ähnlich sind. Das hat etwas von „zurückgehaltener“ Vorwärtskraft, und doch auch etwas Verzagtes.  Man könnte meinen, dass er gleich zu weinen beginnt. Aber es kann ja jeder noch einmal selbst nach Vergleichbarem suchen.

Was den Körper angeht, fallen besonders die Hände auf. Hände zu zeichnen, ist eine hohe Kunst, an der schon viele Maler und Zeichner sich die Finger wund geübt haben. Im „Kardinalsbild“ mit den beiden auf den Mann zufliegenden Faltern ergibt sich dort, wo die Hände sein sollten, eine Art „Gehirn“, oder Gesicht, das aus den Ärmeln hervorblickt. Es schaut den Betrachter direkt an. Oberhalb der Ärmel und oberhalb dieses Gesichts liegt eine Art Tuch, auf dem eine Art Krone zu stehen scheint. Von den verzierten Epauletten und vom Kragen gehen zwei „Schnüre“ ab, die über die Unterarme sich öffnend nach unten fallen. Wenn man dies länger anschaut, fügt sich das Bild eines Dreiecks mit einem Auge darin. In der Höhe des Herzens schwebt ein weiteres Gesicht, dessen Augen soweit auseinander stehen, dass sie ziemlich genau – wenn man die Linien hochgeht – die Breite des Schädels ausmachen. Also fehlende Hände, jener Hände, die das Handeln bedeuten, die den Zugriff auf die Welt bewerkstelligen. Stattdessen sind sie versteckt und umgewandelt.

Beim rechtsseitigen Bild formiert sich ein wahres „Handgemenge“, das sich auf zwei sich nach unten hin öffnenden Degen ruht. Die oberen Hände ähneln einer dem Körper zugewandten Spinne, auf deren Rücken sich ein Muster abzeichnet. Die unteren Hände umfassen die Degengriffe, zwischen denen sich die Umrisse eines nicht weiter identifizierbaren Wesens abzeichnen, das an die Unterseite der Spinne stößt. Es rührt aus der Höhe des Geschlechts. 

Auf der Höhe des Herzens und in der Mitte liegt eine Art „Nebel“, vielleicht ein Schatten, ich will nichts hineininterpretieren, assoziiere allerdings: ein Dorn weist von oben nach unten. Dort zielt er auf eine Figur mit zwei Pferdevorderseiten (oder -hälften?), die sich voneinander abwenden – als wolle er sie spalten und trennen.  Auffällig auch – zurück zu den Armen und den Händen – die Knöpfe auf den Ärmeln der Uniform. Es ergeben sich insgesamt 10: Zu sehen sind sie im Originalgemälde auf dem anderen Arm nicht, nun aber haben sie doppelt Gewicht. Die Welsh-Guards als fünftälteste Fußgarde erkennt man unter anderem daran, dass die Knöpfe ihrer Paradeuniformen in Fünfer-Gruppen angeordnet sind. Fünf ist die Zahl der Venus, 10 ist die Zahl der Sonne. Das ist im Re-Re-Porträt hervorgehoben. Dieses Gespiegelte zeigt deutlich die Dominanz der Sonne (King Charles hat einen Löwe-AC bei einer Sonne im Skorpion).

Im Originalporträt liegt die rechte Hand über der linken, der rechte Ärmel zeigt keine Knöpfe. Die linke Hand wird dominiert, trägt dafür aber auf dem Ärmel die 5 Knöpfe. Wird hier der rechtsseitige „Kardinal“ doch noch die Dominanz übernehmen? Und das Militärische domestizieren? Oder wird die Spinne des Links-Gespiegelten die Oberhand bekommen?

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