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ÜBERDOSIS DIGITALIS FÜR KINDER

Gedankenschnipsel am Ostermontag. Ein Wortspiel meinerseits, Gedankenverdrehung. Das zweite Wort im Titel habe ich verkürzt; ursprünglich bezieht es sich nämlich nicht auf die Pflanze namens Roter Fingerhut (Digitalis purpurea), aus dessen Blättern der Stoff Digitoxin gewonnen wird, sondern verweist auf ein technisches Phänomen der zwangsläufig sich ergebenden Evolution zur Maschinisierung: die allgegenwärtige Digitalisierung unserer Lebenswelt mit noch nicht gänzlich „erforschten“ Gefahren für die Entwicklung unserer Kinder. Die Ahnung bzw. die Befürchtung, dass Kinder wie auch Erwachsene in ihrem Lebendigsein erstickt werden, sich mehr oder weniger freudig ersticken lassen, ist groß.

Erster Teil

Ich bleibe noch bei der Pflanze, beim Gift und seinen Einsatzgebieten bzw. seiner Wirkung. Man liest von ihm in Krimis, sieht und hört von ihm in Berichten im Zusammenhang mit der Behandlung von Herzerkrankungen.

Digoxin blockiert ein Enzym in der Zellmembran der Herzmuskelzellen, die sogenannte Magnesium-abhängige Na/K-ATPase. Dieses Enzym schleust Natriumionen aus der Zelle hinaus und im Gegenzug Kaliumionen in die Zelle hinein. Durch die Enzymblockade erhöht sich innerhalb der Zellen also die Natriumkonzentration und verringert sich die Kaliumkonzentration. Die erhöhte Natriumkonzentration beeinflusst nun den Natrium/Calcium-Austauscher in der Weise, dass weniger Calciumionen aus der Zelle hinaus transportiert werden.

Die Folge ist eine gesteigerte Kontraktionskraft der Herzmuskulatur (positiv inotrope Wirkung). Außerdem verlangsamt Digoxin die Schlagfrequenz des Herzens (negativ chronotrope Wirkung) und hemmt die Erregungsleitung (negativ dromotrope Wirkung). [Quelle: https://www.netdoktor.de/medikamente/digoxin/]

Angewendet bzw. verschrieben wird das (/pharmazeutische) Medikament insbesondere bei Herzschwäche (Herzinsuffizienz) und bestimmten Formen von Herzrhythmusstörungen (wie Vorhofflimmern). Eine Überdosierung (absichtlich oder unabsichtlich) führt zu unterschiedlichen Beschwerden und Symptomen in Abhängigkeit von der Höhe des Blutspiegels. Typisch sind Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen, aber auch Müdigkeit, Kopfschmerzen, Halluzinationen, Verwirrtheit, Benommenheit bis zu Bewusstlosigkeit oder auch Krampfanfälle. Bei Überdosierung können Farben anders wahrgenommen werden (Gelb und Grün überwiegen). Es entwickeln sich – wird dies nicht rechtzeitig erkannt oder absichtlich in Kauf genommen – lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen, die schließlich zu einem Tod durch Herzstillstand führen. Roten Fingerhut im Garten eines Haushaltes mit Kindern  zu pflanzen, ist nicht ratsam – die Kinder könnten versucht sein, die leuchtend-roten Blüten zu pflücken, und – wie spielende Kinder es häufig tun – die Blätter als „Spielsalat“ zu essen.

In der Heilpraktik bzw. Naturheilkunde soll der Fingerhut zuerst in Irland genutzt worden sein. Im 5. Jahrhundert nannte man die Pflanze dort „Fairy`s Herb“ und versuchte mit ihr „verhexte“ Kinder zu heilen. Eine Geschichte besagt, dass sich  in den Blüten des „Foxglove“ (englischer Name) Feen verstecken. Schelmische Kinder, die feenhaften Donner hören wollten, hielten eine der Blumenglocken und schlugen dann das andere Ende an ihre Hand. Die darin sitzende Fee, zu Recht verärgert und wahrscheinlich jetzt erzürnt, machte ein schnappendes Geräusch, einem Donnerschlag gleich, und verließ die Blüte. Seit dem 11. Jahrhundert wurde der Fingerhut in England angewandt, die Pflanze fand 1650 Eingang in die Londoner Pharmakopöe und wurde zur Behandlung von Geschwüren herangezogen. Leonhard Fuchs und Hieronymus Bock erwähnten den Fingerhut als Brech- und Abführmittel. Diese Wirkungen beruhten auf Vergiftungen , bei denen es – natürlich – auch zu Todesfällen kam. Der Fingerhut geriet ziemlich bald als Droge in Verruf. Im Jahre 1786 entdeckte der Schotte William Withering die richtige Dosierung sowie die herzstärkende Wirkung der Pflanze, nachdem er sie zuerst bei Wassersucht angewendet hatte. Herzbeschwerden gehen nicht selten mit Ödemen einher. Als homöopathisches Mittel eingesetzt, beeinflusst Digitalis Purpurea die Gefäße, wirkt urintreibend (diuretisch) auf die Nieren und wird bei einer Gelbfärbung der Haut (Ikterus), welche durch Probleme der Leber auftritt, eingesetzt. Auch auf die Lunge und die Geschlechtsorgane hat es Einfluss. Je nach Beschwerdebild und Stärke der Beschwerden setzen Homöopathen das Mittel in der Einzelmitteltherapie ein oder als Zusatzbehandlung zur Schulmedizin.

Astrologisch drängt sich ziemlich bald das Bild eines Sonne-Pluto-Mittels auf (Sonne – Bezug zum Herzen  und Pluto – Gefäßverengung und Spasmen), über die Waage-Venus (Bezug zu den Nieren) erweitert sich dies zu einem Sonne-Venus-Pluto-Komplex unter einer Beteiligung von Jupiter als dem „Herrscher“ über die Leber, dem großen Ver- und Entgiftungsorgan und dem Zwillinge-Merkur als Bezug zur Luft. Der Skorpion, als Bewegungselement Pluto, sind zuständig für die Einhaltung des Lebensbauplanes, in ihm liegen die Erfahrungen der Art gespeichert – und dies macht einen guten Sinn, sofern die grundlegenden Gestalten des Lebens (aus dem Fisch, Münchner Rhythmenlehre, Weg der Aphrodite) erst in die Zeitlichkeit (und damit in die Dualität) getreten und anschließend ihrer Bestimmung gemäß gefügt worden sind. Im Skorpion liegt die Fülle des Lebens, wie es in die Welt und in die Gegenwart treten kann. Ist dessen Fügung aber nicht den zugrundeliegenden Gestalten gemäß, kehrt sich der Skorpion (und mit ihm Pluto) in Verhinderung um. 

Im Pluto inbegriffen sind also nach der Münchner Rhythmenlehre der Neptun und der Mars (als der „Rächer des veruntreuten Neptun“), dem natürlich dann der gesamte IV. Quadrant unentwickelt bleibt bzw. abhanden kommt, so dass als Auslieferung an die Gegenwart der Pluto die nicht durchlaufene Entwicklung kennzeichnet. Es wird eine Vorstellung geliefert, die sich in Zeichen, und noch weiter reduziert in Binärität – in sich in verschiedenen Anordnungen wiederholenden zwei einzigen Ziffern – niederlegt. Merkur-Pluto – ist der Funktionszwang der Informationsfluten, nachplappernd und beschwörend, die Vermittlung des Verdrängten und auch die Zaubervorstellung als Suggestion.

Digitalis purpurea vermag also über die Erstarrung des Herzens in den Zustand der Verwunschenheit zu versetzen, und vermag ebenso als Gegenmittel aus diesem Zustand zu erlösen. 

Ein etwas älterer Text, der sich mir gerade ins Bewusstsein schiebt:

Die U-Bahn

Die U-Bahn hält mit weit geöffneter Tür an, sie ist knallgelb, und ich steige ein. Sofort sind da vier Hunde, schnüffeln an mir herum, als wären sie das Empfangskomitee oder die Sicherheitstruppe. Ich darf bleiben und suche meinen Stehplatz. Wie immer stelle ich mich mit dem Rücken zur Fahrtrichtung an die Sitzbanklehnen, auf diese Weise kann mir das Anfahren nichts anhaben.
Am Ende des Waggons, nicht weit von dort, wo normalerweise die Fahrerkabinen sind – eine Küche. Die Regale voll mit nötigen und überflüssigen Lebensmitteln, davor liegend und dösend ein weiterer Hund. Er blinzelt, schenkt mir dann keine Beachtung mehr, den Kopf auf die Vorderpfoten gelegt. So puffert er das Ruckeln der anfahrenden Bahn ab. Speichel läuft ihm über die Lefzen.
Ein zweiter Blick auf den Hund: hinter ihm ein Mann, dem Tier ähnlich. Struppig gelangweilt. Die Beine hochgelegt, streicht er sich über seinen Vollbart wie es Männer zu tun pflegen, wenn sie außer gelangweilt auch noch unschlüssig sind. Selbstgroomen beruhigt.
Die U-Bahn ist alt, klapprig, versifft. Keine Türen. Draußen rauschen Bäume, Äste, Zweige, Blätter vorbei. Grün. Es ist Frühling, oder Sommer. Auf keinen Fall Herbst, und Winter schon gar nicht.
Einfahrt in den nächsten Bahnhof. Niemand ist zu sehen. In der Bahn nur die Hunde, der Hundemensch und ich. Die Hunde sitzen gespannt, ihre Ohren kreisen. Sie wollen jedes Geräusch erhaschen, die Nasen halten sie in den Wind. Der Sabbernde ist aufgestanden, steht auf wackligen Beinen, schüttelt sich. Ebenso sein Herr.
„Komm“, sagt der und nimmt meinen Arm. Ganz sanft, ganz leicht. „Schatz“, sagt er auch. Ich seh in sein Gesicht, und er lacht. So habe ich mir das wirklich nicht vorgestellt. Uns hat man das immer anders erzählt.
Um seine Augen herum sind Lachfalten, seine Haut von jener Farbe, die Wind und Wetter auf Haut zu gießen vermögen, sein Mund versteckt sich hinter diesem Strauch aus Bart. Wir treten auf den Bahnsteig als gehörten wir zusammen, schon immer, verlassen den Bahnhof, gehen der Fahrtrichtung entgegengesetzt an den Geleisen entlang auf einen Baum zu. Ich habe weder Gepäck noch eine Jacke dabei. Nicht einmal eine einfache kleine Tasche für die Papiere. Ich komme mir vor, als würde ich schrumpfen.
Der Baum ist noch weit, aber er ist in allen Einzelheiten zu sehen. Ein Baum, der kein Baum ist, sondern eine Blume. Eine riesengroße Glockenblume, und sie trägt viele Glockenkelche. Die Kelche sind violett – es ist ein Baum mit Glocken aus violetten Blüten. Sie läuten unhörbar, sie läuten meine Ankunft ein. Ich schaue auf den Mann an meiner Seite. Er hat nur noch entfernt Ähnlichkeit mit dem Widerling aus der knallgelben U-Bahn. Sein Bart ist weg, sein Gesicht ist jung, und die Luft ist weit, weich und sehr klar. (aus: Azraels Erzählungen, 2014)

In den Blütenkelchen des rot, violett oder weiß blühenden Fingerhutes (diesen Glocken, die einer Mythologie zufolge den Füchsen an die Füße gehängt werden) wohnen einer weiteren Mythologie folgend die Feen. Feen sind Wesen einer für Menschen unsichtbaren, verborgenen Welt. Sie haben mit der Fata, dem fatum, d.h. dem Schicksal und der Bestimmung zu tun – und es gibt sie dann in einer Dreiheit (die drei Schicksalsgöttinnen) – drei Tierkreiszeichen – der IV. Quadrant bietet sich hier an.  In der U-Bahn-Geschichte sind viele Andeutungen enthalten: die Farben spielen eine Rolle, die Geleise, die Bahn, die auf Schienen und vorgegebenen Bahnen fährt, die Hunde (sublimiert die Wölfe) und ihr Herr, der verwunschen ist, der Ich-Erzähler auf der Reise, Glocken. Eine Transformation, die sogar lautlich daherkommt: mit einem Knall, knallgelb. Mehr will ich hier nicht ausdeuten, das mag jeder Leser selbst in sich finden.

Ich komme zum nächsten Gedanken, der so gar nichts mit dem ersten zu tun zu haben scheint, und dessen einziger Berührungspunkt wieder einmal auf meinem Schreibtisch bzw. in der Parallelität und Synchronizität zweier Stränge liegt. Ein Name und eine Randnotiz. Warum sollte ich ein Horoskop befragen? – Weil es das Beschriebene enthält.

Zweiter Teil

Begonnen hatte der Gedankengang, den ich soeben geschildert habe, mit etwas ganz anderem etwa um 9:50 Uhr an diesem Montag Vormittag. Eine Sonne auf 15°44′ Widder in Konjunktion zur Venus auf 18°: dort liegt ein Mars-Pluto-GSP. (Ein Blick aus dem Fenster zeigt eine graue, amorphe Wolkenmasse, keinen Sonnenschein. Man hört pfeifenden Wind, Regen, und die Temperaturen liegen bei 2°. – Es ist ungemütlich, und man scheucht keinen Hund hinterm Ofen hervor.) Der Verbund Widder-Stier-Zwillinge liegt im IV: Quadranten, klar, wir haben Vormittag! Der Herrscher von 10 (im Wassermann) – Uranus – steht im 12. Haus mit einem Saturn-Quadrat hinaus ins 9. Haus, da fügt sich eine Unvereinbarkeit. Und: Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Uranus steht – in den letzten Wochen nach vorne gewandert – fast auf einem Pluto-Saturn-GSP, es fehlen noch 46 Bogenminuten. Da der Wassermann am MC das Ergebnis beschreibt, ist also dieser den Bestand-erschütternde Stier-Uranus aus dem 12. Haus heraus der Aufbrecher einer Vorstellung. Pluto-Uranus ist auch eine aufbrechende Täuschung, und es ist eine Täuschung, die mit Fortschritt und Tradition zu tun hat. Das „Althergebrachte“, Maßgebliche mitten im Wandel (der Wassermann steht für Schöpfertum, Zukunftsvision, Technologie und eruptiven Wandel), dort durchaus „hemmend“, und zur gleichen Zeit ist das, was wir als Gemeinschaftliches kennen und kannten, was unsere Lebensform ausmacht, in Frage gestellt und aus den Angeln gehoben. 

Ich ziehe es von hinten auf: Der Saturn als zum Ergebnis gehörend kommt aus dem Steinbock, in dem wiederum an der Schwelle zum 8. Haus Mond und Pluto stehen. Der Saturn trägt damit ein Einzelleben in sich, eines auf dem GSP Saturn-Merkur als fremdbestimmt zu bezeichnendes, zudem noch mit einem Pluto in den Umständen gezwungenes Einzelleben. Merkur-Saturn: das Abweisungserlebnis, bzw. „Du bist Erscheinung in der Spiegelung anderer“. Hier wird geregelt, hier wird wissenschaftlich skeptisch versachlicht, das Empfinden ist im Kalkül und wird folglich durch Gefühle ersetzt, muss sich Impressionen „hereinholen“, weil es sich selbst nicht mehr trauen kann. Der Pluto liefert das Leitbild dafür und sorgt für die nötige „Zeichensetzung“. In die Gegenwart gelangt zum Zeitpunkt dieses meines Gedankengangs das Zeichen jedoch (noch) nicht – die „Veröffentlichung“ muss noch warten, das Thema aber ist gesetzt.

Zum Anfang. In der Exposition stehen Sonne, Venus und Merkur, der Widder-Mars trägt sie ins 12. Haus auf die 19° Zwillinge, also ins Endzeichen des Verbundes. Vorgriff: Die Vorbereitung verweist deutlich auf das Ende – und dieses weist ein Mars-Neptun-Quadrat auf. Zudem steht Neptun auf 21°34′ Fische zwischen den GSP Pluto-Uranus (21°) und Sonne-Uranus (22°30′). Nehmen wir die beiden Punkte in Kürzeln als den „Auseinanderfall von Vorstellung und Wirklichkeit“ und „die Bedrohungserwartung bzw. die Abwehr der Bedrohung in Überlegenheit“ – mit dem Neptun darauf, der einen Mars als „wildgewordenes“, richtungsloses Energiepotential mit sich bringt – ergibt sich eine Auflösung mit Energie, eine im säuerlichen Milieu angesiedelte Säuberung. „Ätzend“ könnten wir auch assoziieren – jedenfalls kein lebensfreundliches, lebensunterstützendes Milieu.

Der Aszendent steht in den Zwillingen ebenfalls auf den bereits benannten GSP (im Quadrat zu Neptun), und das weist nochmals auf einen Verbleib in Schwebezuständen hin, in denen die direkte Realität als beengend erlebt wird, und man doch aus Hoffnung und Möglichkeiten lebt, obwohl alles getan wird, um das Zustandekommen von Zugehörigkeit und Ortsfestlegung zu vermeiden. Wie sieht das aus? – Auf Pluto-Uranus-Ebene geht es radikal und ideologisch zu; auf eine Person gelegt, ist diese schicksalhaft im Alter von 14-15 Jahren „steckengeblieben“, dies mit einer Frustration, die sich auf das jeweils Gegengeschlechtliche richtet. Die Pubertät mit der Teilung in die Geschlechtlichkeit wird zwar nicht vollzogen, und doch wird die Verhinderung mit dem Intellekt des Erwachsenen betrieben. Die Konstellation mit ihrem Spaltungspotential führt zu Beziehungslosigkeit in beiden Geschlechtern, in Frauen anders als in Männern, doch von beiden werden nunmehr Verhaltensmasken getragen, die das jeweilige Ich (das inoffiziell bleiben muss) verstecken. Schuldgefühle und Angst eskalieren. Die Qualität der Zeit bringt nun ausdrücklich in der Venus-Sonne-Konjunktion als Vorderseite diesen Uranus-Pluto in Erscheinung: Das Kollektiv oder der Familienverband haben Zugriff auf das eigene Leben als Geschehen, man ist im Clan aufgehoben und versorgt. Im Clan aber ist jeder unselbständig, Schutz gibt es für den, der sich integriert. Die Stier-Venus – und hier ist der Stier das Durchführungszeichen – steht auch für den „Sozialstaat“, der auf das Einzelleben (in diesem Fall nicht im mondenen Empfinden, sondern im Dasein als Geschehen in der Zeit) Zugriff hat und ihn sich nimmt.

Für das Individuum, das jeder von uns ist und sein kann, ergibt sich im Sonne-Uranus und im Leben aus der Vorstellung eine Bedrohungserfahrung, der es zu entrinnen gilt. Sonne in 11 – ebenfalls Sonne-Uranus, bedeutet einen andauernden Alarmzustand. Abgesehen davon, dass es sich um eine schöpferische Anlage handelt, die beinhaltet, dass ihr Träger Neues und bisher Nichtdagewesenes auf den Weg in die Endlichkeit bringt und sich aus dem Dualen und aus der Folgerichtigkeit hin zu ständiger Mutation befreit, kommt zu keiner Festlegung. Es kommt zum Streben nach Licht und offenen Räumen, aber eben auch zu Klaustrophobie wie auch Agoraphobie und Lebensangst. Der Bezug zur Schilddrüse mit dem Ausfall des Thyroxin als einem Steuerhormon ist gegeben. – Es entstehen innere Unruhe und die Unfähigkeit zur Konzentration, weil diese den die Angst (vor Festlegung) bis zur Panik erhöhen. 

Der Widder ist noch nicht formiert, die Energie noch frei beweglich, erst im Stier entsteht die „Existenzgrundlage“, die im Zwilling ausgeführt wird. Auf das Lebensalter nach dem Mondrhythmus gelegt, entspricht Widder den ersten 7 Jahren eines Menschen, Stier dem Alter von 7-14, Zwillinge dem von 14-21. In diese Zeit fällt in den meisten Zivilisationen unseres Kulturraumes der Schulbesuch; die Schule der Ort, an dem sich eine wesentliche Entwicklung abspielt, ob nun zum Guten oder Schlechteren der Kinder. 

Nun steht der Mars aus dem Horoskop – nehmen wir ihn als diese Energieform der ersten Jahre – im 12. Haus, das zweite Haus wird vom Krebs beherrscht, der Mond ist im Mond-Pluto qua Gesetzgebung (Steinbock/Saturn-Pluto mit einer bestimmten „Gesinnung“) verneint. Die Kinder sind in diesen Tagen zwar immer wieder Gesprächsgegenstand, aber eine wirkliche Vertretung haben sie in der Gesellschaft nicht. Sie tauchen einfach nicht auf, sind entweder hinter die Mauern der Elternhäuser oder einer fragwürdigen Bildungsideologie gesperrt. Schule – nie ein besonders geeigneter Ort zur Menschwerdung – ist zu einem Unort geworden, dessen Ausübung wir in aller Vergiftung beiwohnen. Schulhöfe sind in Areale geteilt, in denen sich die Teilnehmer unterschiedlicher, voneinander getrennter Gruppen aus Präsenzklassen aufhalten müssen, ohne zu den anderen Kontakt zu haben. Schulräume sind zu lüften, zu lichten, die Schüler (auch die kleinsten) müssen Masken aufsetzen und die gesamte Unterrichtszeit über tragen (wie auch die Lehrer). Auf eines wird für die Zukunft die große Hoffnung gesetzt: die Digitalisierung der Schulen. Es ist kein Zufall, dass mit der bestehenden Situation der Sprung vorangetrieben wird: Kinder ans Netz und an die Tablets. Wischen statt Begreifen und TikTok (das gleichmäßige Zeitmaßgeräusch der tickenden Uhr) statt individueller Zeit.

Dritter Teil

In diesem Moment hellt sich draußen der Himmel auf, die Sonne kommt heraus. Es ist eine Sonne im 8. Haus bei einem Neptun in Haus 7 und einem 6°17′-AC in der Jungfrau. Der Mann, dessen Namen ich ganz zu Beginn am Vormittag im Sinn hatte, ist just wiedererschienen. Er ist ein vehementer Gegner der Digitalisierung von Unterricht an den Schulen. Und er warnt vor Smartphones, Tablets, vor sozialen Medien und dem, was unser Leben digitaler und „einfacher“ macht: „Je höher die digitale Dosis, desto größer das Gift“, hört man von ihm. Bekannt geworden ist er, weil er über das „Lernen“ schreibt und lehrt, er sich als Gehirnforscher mit der Verbindung u.a. der „Finger“ (digit) und dem „Behalten“ von Dingen, die wir anfassen, beschäftigt. Das deutsche Wort begreifen bringt auf den Punkt, was dieser Mann meint: Indem wir etwas mit den Händen greifen, begreifen wir die Welt in ihrem So-Sein – und können dies in unserem Gehirn „ablegen“, einprägen, verorten und wieder hervorholen. Da freut sich das plutonische Herz als verstanden.

Die Hand als Sinnesorgan (des 6. Hauses, das Wahrnehmungsorgan der Seele) mit ihrer assoziativen Verbindung zum Gehirn (der einen „Schaltzentrale“ im Nervalen neben dem Sonnengeflecht) ist nicht durch binäre Codierung zu ersetzen, und dort, wo wir es tun, verarmt etwas an uns Menschen. Wir werden – wie dieser Mann es formuliert – „digital dement“:

Die von ihm diskutierten Forschungsergebnisse sind alarmierend: Digitale Medien machen süchtig. Sie schaden langfristig dem Körper und vor allem dem Geist. Wenn wir unsere Hirnarbeit auslagern, lässt das Gedächtnis nach. Nervenzellen sterben ab, und nachwachsende Zellen überleben nicht, weil sie nicht gebraucht werden. Bei Kindern und Jugendlichen wird durch Bildschirmmedien die Lernfähigkeit drastisch vermindert. Die Folgen sind Lese- und Aufmerksamkeitsstörungen, Ängste und Abstumpfung, Schlafstörungen und Depressionen, Übergewicht, Gewaltbereitschaft und sozialer Abstieg. Spitzer zeigt die besorgniserregende Entwicklung und plädiert vor allem bei Kindern für Konsumbeschränkung, um der digitalen Demenz entgegenzuwirken. [Quelle: Ankündigungstext – Digitale Demenz: Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand, 2012]

Also, ich halte mal fest: das Gift Digitalis. Das ist der Gedanke, der mich ansprang. Hier habe ich das Horoskop des Mannes auf die Sonne am MC gerechnet, und dazu den heutigen Tag im Außenkreis.

Eine Zwillinge-Sonne, somit I. Quadrant-Verbund – mit einem Quadrat zu Pluto: da ist das Seelische von der Empfindungsseite her oft nicht in der Lage, das Verhalten zu tragen – deshalb wird es aus der Vorstellung heraus mobilisiert. Mit Ehrgeiz und Wille – manisch – strebt Sonne-Pluto nach Setzung von Informationen in der Welt, wie er auch selbst von Informationen fremdbesetzt ist. Die andere Seite der Manie ist die Depression; die Aurum-Depression entsteht, wenn der Anspruch auf die zwar usurpierte Macht (die einem jedoch nicht zusteht), sich nicht erfüllt. Sonne-Pluto kann nur schwer mit Niederlagen umgehen. Pluto steht für einen „Denk-Container“ und für ein Modell – in ein solches ist man mit Sonne-Pluto hineingeboren. 
Beim Sohn ist nach dem Vater zu fragen: inwiefern wird der Sohn von der Mutter zum Gegenkönig aufgebaut? – Und was macht das mit dem Sohn!? Auf jeden Fall ist hier der Griff zur Macht wirksam – man erkennt ihn bei sich im Prinzip, und im erlösten Fall kann man das Rumpelstilzchen benennen. Das gefällt natürlich all jenen Handlangern der Macht, von der ein wenig auf einen selbst fällt, ganz und gar nicht.

In seinem Geburtsbild liegen sowohl Sonne-Merkur als auch Mond-Merkur vor: Eine Anlage zur Kennzeichnungs- und Darstellungsfähigkeit und eine Anlage zur Diagnosefähigkeit das Seelische betreffend. Ist Merkur – als Ausführer des 3. Hauses – ohne Anbindung an die Bestimmung, macht er Regelungen bestimmend. Das treffen wir allenthalben an, die meisten halten das schon für die Regel und kennen es nicht anders. Der Mond steht in Opposition zum Mars (Herrscher der Exposition des Sonnenverbundes) in den Fischen (und dort auf dem Sonne-Uranus-GSP). Das ist mithin eine Mars-Neptun-Konstellation mit einer herabgesetzten Selbstdurchsetzung, einer Reaktionsschwäche, einem Nichtertragenkönnen von Realität. Mars im 7. Haus – das sind Feinde, die ihm entgegenkommen, die er jedoch kaum wahrnimmt, hintergründig, sicherlich, aber sie bekämpfen ihn indirekt. Mit Mars-Mond bringt man Anlagen mit, die im Verband (Familie oder Clan) nicht anerkannt sind, so dass man keine Wertigkeit erhält, man tut gut daran, sich aus Verbänden und aus der Konkurrenz herauszuhalten.

Doch ich kehre nochmals zu Merkur, jenem Zwillinge-Hermes, der Zentren verbindet und zu einem Gewebe und Netzwerk verbindet, zurück. Merkur-Uranus: Nervenzellen mit ihren Verbindungen, die für das Lernen und die Neuanbindung des Gelernten an den bestehenden Bestand.

Gleichzeitig ist noch Mars im Quadrat zu Saturn gegeben, der harte Existenzkampf und die versuchte, oft nicht gelingende Aufwendung von Energie (Mars in den Fischen hat es da schwierig) bei Erhöhung der Widerstände. Das sieht nach großer Lebensanstrengung aus. Lernen – wie dieser Mann es auch darstellt – ist Anstrengung, gegen die der Lernende, in den meisten Fällen spricht er von Kindern – anlernt. Komplexe Prozesse in den ersten Lebensjahren.

Mond im Quadrat zu Saturn weist auf Erlebnisse von Ungeborgenheit bzw. auf eine Unverträglichkeit von Differenzen hin. Um diese Differenzen zu vermeiden, wird alles/vieles getan, eine Atmosphäre der Harmonie herzustellen und Gefühlübereinkunft zu schaffen. Abermals Hinweis darauf, dass hier die Mutter bzw. eine mütterliche Person maßgeblich beteiligt ist. Neptun, auf dessen Basis Mars „vorantreibt“, steht im Skorpion und hat ein Quadrat zu Uranus im Löwen. Er weist auf dem Sonne-Jupiter-GSP darauf hin, dass hier eine mütterliche Verzichtshaltung vorliegen könnte, und mit dem Quadrat zu Uranus wird die Erkenntnis darüber nicht ins Bewusstsein hochgelassen. Schocklähme aufgrund eines traumatischen Erlebnisses. Ich weiß nichts über das Privatleben des Mannes, verschiedentlich liest man, dass er sich mit dem Thema Einsamkeit beschäftigt, aber eben auch sehr viel mit der Entwicklung von Kindern. Er selbst soll fünf oder sechs Kinder haben und mit vier Geschwistern aufgewachsen sein.

Die Zwillinge-Sonne untersucht neben noch anderem auch die Merkur-Saturn-Mond-Themen nun sachlich-neutral und macht daraus eine Wissenschaft. Merkur als Herrscher des Zwilling steht im Durchführungszeichen Stier, und von dort im Quadrat zu Uranus. Mit Merkur-Uranus steht man schnell zwischen den Anschauungen und ist umstritten, nicht festlegbar und zersplittert, heißt; man neigt zu „Fragmentierung“ (viele Interessensgebiete). Die „Untersuchung“ wird auch mitten im nervalen Bestand durchgeführt, dem Material des Geistes, sprich der Gehirnmasse.

Einer der Untersuchungs“gegenstände“ ist das Fließende, das Strömende, das alsdann festgestellt (also statisch gemacht) wird. Zentrales Nervensystem – Sonne-Uranus-Venus – als die Ereigniswelt. Diese Venus aus dem Stier steht wiederum im Widder, bildet damit und zusätzlich noch eine Ausgangslage auf dem GSP Venus-Mars, dem verletzten Gewebe. Mars-Venus ist die Erscheinungsseite des Neptun-Uranus. Was mich denken lässt, dass sie am Übergang von Haus 8 zu 9 stehen könnte – in Richtung des Verbundes, also in die Fügung als das Gefügtsein eines Bestandes weist. Der MC wäre in diesem Fall auf 28° Stier – als Finalität der immer wieder thematisierten „Verletztheit“ – s.o. die „Demenz-Metapher“. Die Venus steht in dem einen wie dem anderen Fall bekräftigend in Opposition zu Jupiter in Haus 2 in der Waage. Es geht um das „reale Bewusstsein“ – im I. Quadranten körperlich, greifbar, plastisch. Venus-Jupiter:  Stier zu Schütze = Anschauungen für die Gemeinschaft, Anschauung des Gemeinschaftlichen und der Stellenwert in der Herde. Waage zu Schütze = die Anschaulichmachung für die Entgegenkommenden, die Anderen und die Einsicht in die Funktionen der Anderen inbegriffen die Artikulation über die Funktion, von einem Zwilling, der lernen will, vielleicht sogar „lebenslang lernen muss“.

Die Sonne in Haus 10 ist „machtvoll“ nicht nur wegen des Quadrates zu Pluto aus dem 12. Haus, sondern auch als Saturn-Sonne – er kann der Position des „Hauptes/Oberhauptes“ nur dadurch entkommen, dass er die Unvollständigkeit, die ihm ebenfalls mitgegeben ist, annimmt, ohne sie ausgleichen zu wollen. Der Neptun in Haus 3 wäre zu leben – und der steht in Konjunktion zum Mondknoten. Neptun-Merkur: Sage die Wahrheit (oder halte den Mund).

Gesetzt den Fall, der Aszendent stimmt überhaupt, können wir bei dieser Konstellation davon ausgehen, dass sich hier jemand in einer Umgebung befindet, die der eigenen Art nicht entspricht, womit der Kontakt darin zu einer ständigen Reizung wird. Die Haut als Organ der Trennung spiegelt die Nicht-Zugehörigkeit wider: Sie reagiert mit „Ausschlägen“, der den Träger isolieren. Ein Merkur-Neptun wird (aus plausibel scheinenden Gründen) ausgeschieden und ausgeschlossen, ist ein Minderheitenfall mit der entsprechenden Existenzangst bzw. Angst vor Verlust von Materiellem. Wenn das Revier unsicher ist, entsteht leicht Existenzangst entsteht. In der Bewegung in den Umraum hinein tarnt sich ein Merkur-Neptun bzw. wird auch einfach nicht wahrgenommen. Er steht nicht im Vordergrund, sondern bleibt „hinten“, taucht in Anpassungsrollen auf, die man ihm zum Verbleib in der Herde anbietet.

Derzeit stehen der laufende Neptun auf seinem Mars in den Fischen, und in Opposition zum Mond in der Jungfrau   der laufende Saturn in Opposition zum Uranus an der Spitze von Haus 12, also Saturn im 6. Haus.     

Hirnforscher kritisiert die langen Schulschließungen – Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatte eigentlich für eine stufenweise Öffnung von Kitas und Grundschulen am 1. Februar plädiert. Dann taucht in einer Freiburger Kita aber eine mutierte Variante des Corona-Virus auf. „Damit müssen wir feststellen, die Mutanten stehen nicht mehr nur vor der Tür. Sie sind bereits da“, so Kretschmann vor einer Woche in seinem Pressestatement. Die Folge: Kitas und auch Schulen bleiben bis zum 14. Februar geschlossen, es wird lediglich eine Notbetreuung angeboten. Was passiert mit unseren Kindern und Jugendlichen, wenn die Schulen so lange geschlossen bleiben? Professor Manfred Spitzer ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Ulm. Er findet die langen Schließungen besorgniserregend. [Meldung aus dem Februar 2021, https://www.regio-tv.de/mediathek/video/hirnforscher-kritisiert-die-langen-schulschliessungen/]

Im Interview spricht Spitzer (geboren am 27.5.1958 in Lengfeld/Hessen, geschätzt von mir auf 11:53 Uhr) von – aktuell während der Schließung der Schulen und im „Home-Schooling“ – „gelernter Hilflosigkeit“, von nicht wieder zurückholbar verlorener Zeit in der Entwicklung der Kinder und von einer „Inaktivitätspandemie“ seit mindestens 2012. Mit der Einschätzung, dass während dieser ausgerufenen Pandemie vor allem in Deutschland und vor allem die Kinder weggesperrt, ihnen damit ihre Zukunftsperspektiven auf Jahre zerstört werden, während sie gleichzeitig keinerlei Nutzen aus dem fraglichen „Schutz“ ziehen können, spricht er etwas Unbequemes aus. Dass er sich gegen die Digitalisierung ausspricht, ist ebenfalls „unbequem“, ist doch die Aufholjagd dieser verpassten Entwicklung jetzt das Allheilmittel für die Schulmisere schlechthin und er streitbar gegen den Trend der Neuerer.

Dass diese maschinellen und KI-lastigen Hilfsmittel nicht die Heilung bringen, sondern die Besetzung und Ersetzung dessen, was wir Leben und Dasein als Individuen nennen, bedeuten, wird leider weder laut ausgesprochen noch findet es Aufnahme in Bildungspläne für die Zukunft. Wer von denen, die wieder gewählt werden wollen und an die „Macht“ gelangen wollen, wagt es, den eingeschlagenen Weg zu verlassen? Aber wir müssen das benennen. Denn diese derzeitige Krisen-Politik in unserer Gesellschaft vergiftet und erstickt die Kinder.

 

Viertel Teil

Nein, kein neues Horoskop, keine neue Gedankenbaustelle, nur ein Zusammenblick. Diese wunderschöne Pflanze „Fingerhut“ – Hexenglocken, Handschuh der lieben Frau, Foxglove, Gants de Notre-Dame, Gantelée, Gantière, Queue de loup, Dedillos de Dios, Calzón de cuco uvm – hat mich einen ganzen Tag beschäftigt, sich ins Bewusstsein gedrängt. Fingerzeig, mich auf das Wesentliche der Menschwerdung, der Individuation zu besinnen, und noch jemanden mitzunehmen? Die Blumensprache sagt: „Ich habe bereits schlechte Erfahrung gemacht.“ oder „Du erregst Misstrauen.“ Ach, verzeihen Sie mir einfach das Wortspiel von Digitalis zu Digitalisierung und die kompliziert verpackte „Botschaft“ und schauen irgendwann wieder hier hinein.

Österliche und nach-österliche Grüße von hier.

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