LILI IST DA

Erinnert sich noch jemand an das Stück? Lily was here – Candy Dulfer am Saxophon? Der Song ist aus dem Film „Die Kassiererin“ aus dem Jahr 1989 – und wurde, wie der gesamte Soundtrack, von David A. Stewart, dem ehemaligen Partner von Annie Lennox der Band Eurythmics, komponiert. Hintergrund: Der Titel erhielt das Etikett „ängstlich“, das Saxophon das Instrument, das von Gefertigtheit, nicht von Gewachsenheit spricht. Das Saxophon – der sehnsuchtsvolle Ruf nach den Gestalten des eigenen Lebens. Der Plot des Films ist schnell erzählt.

Lily – noch Teenager – arbeitet als Kassenmädchen im örtlichen Supermarkt. Sie wird schwanger, doch vor der Geburt des Kindes wird der Vater – ein Schwarzer – von einer Gangsterbande überfallen und getötet. Nach seinem Tod flieht sie in die Stadt, wo sie sich bald unter den Fittichen eines Zuhälters – Ted – wiederfindet. Sie entkommt Ted und bestreitet ihr Leben mit im Alleingang durchgeführten Diebstählen, die schließlich in der Flucht vor der Polizei und der Presse gipfeln. Am Ende muss sich Lily zwischen Freiheit und ihrem Baby entscheiden.

Elisabeth, Elsbeth, Else, Lisbeth, Liza, Lisa, Lizzy, Sabeth, Eli, Eliza, Lilibet, auch Betty (wenn auch schon hier Bettina hineinspielt) – ein Name mit einem großen, weiten Horizont. Meine Großmutter hieß so, und da sie meine Taufpatin war, trage ich den Namen mit mir herum und habe mich mit ihm beschäftigt. Inwieweit die Namen, die er trägt, ihn oder sie verpflichten, mag jeder mal für sich hinterdenken – Zufall ist es jedenfalls nicht, wenn einem Kind mit dem Namen etwas in die Wiege gelegt wird.

Mond-Saturn – lesen wir bei W. Döbereiner (Bd. 13, 306) – sei bei den „Elisabeths“ häufig zu finden – Stief-, Pflege- oder andere Stellvertreter-Mütter finden sich ein, bei denen der Mond-Saturn Ungeborgenheit und „Eiseskälte“, emotionale Winterzeit erlebt. Irgendwie bringe ich mit Mond-Saturn immer die „Novemberkatzen“ in Zusammenhang, jenen Wurf Kätzchen, der kurz vor dem Winter erfolgt, und der es  mit dem Überleben schwer hat.

Die „Rauhe Else“ ist ein Wasserwesen, eine Nixe – ein „dämonisches Wasserweib“ – mit mit Moos bewachsenen Schuppen als Haut. Außerdem soll sie einen bis auf die Füße reichenden Kinnbart und ebenso lange Haare haben. Ihre Augen liegen in zwei Finger tiefen Augenhöhlen, die Stirn misst eine Elle, der Mund ist breit und mit langen Zähnen besetzt. Die „Figur“ entstammt dem mittelalterlichen Epos Wolfdietrich. Darin geht es um den als Sohn Hugdietrichs, König von Konstantinopel, geborenen Wolfdietrich. Sein ihm zustehendes Erbe wird ihm von seinen Brüdern abgesprochen, weil er angeblich ein Kebskind (Bastard, außereheliches Kind) ist. Nachdem er der Belagerung der Burg des zu ihm stehenden Herzogs Berchtung als einziger hat entkommen können, erreicht Wolfdietrich nach vielen Abenteuern das Lampartenland (Lombardei). Dort kann er die Krone gewinnen, indem er jenen Drachen tötet, dem König Ortnit erlegen ist. Mit Unterstützung der Ritter des Lampartenlandes kann er die ihm treu gebliebenen Söhne Berchtungs befreien und die Herrschaft über Konstantinopel wiedererlangen. Die „Rauch Else“, die „Rauhe Else“, die hier ebenfalls mitspielt, verlangt von ihm, dass er sie zu seinem Weibe machen solle. Als er sie abweist, streift sie ihre Schuppen ab und wandelt sich zu einer wunderschönen Frau, da durch ihn der auf ihr lastende Fluch gebrochen wird. Ihr Name sei Siegeminne und sie die Königin von Troy. Im Anhang zum Heldenbuch heißt es: „Wolfdietherich erste frawe hiess rauch Elss. und ward darnach genennet Sygemin die schönest ob allen weiben.“  Es soll aber so gewesen sein, dass sich Wolfdietrich verweigert hat, und sie stattdessen seinen Bruder ehelichte. Eine Stellvertretungskonstellation. Eine Verwunschenheit liegt hier vor,  die sich in der Vereinigung mit einem Menschen erlösen will. Die Neptun-Mond-Undinen suchen nach der Erlösung in anderer Weise als Saturn-Mond-Wesen, sie locken und verführen, bis sich der Auserwählte ihnen übergibt.

Else – Ilse – da ist der Bezug zu den Undinen noch deutlicher. Die „kluge Else“ – in den Kinder- und Hausmärchen (KHM) der Brüder Grimm – stellt ein anderes Stadium der Saturn-Mond-Reihe dar: Merkur-Mond fällt als Ausübung hier an, bedeutet also bereits den Übertrag des Wirklichen (in der Verhinderung des Saturn) in die Erscheinungswelt des Logos. Die „kluge Else“, die verheiratet werden soll, deutet ein Beil in der Wand als Warnung, die sie vor lauter schrecklicher Befürchtungen zum Weinen bringt. Da nimmt sie also etwas wahr, das die anderen nicht sehen und verstehen. Alle halten sie aber nach wie vor für sehr klug, die Inhalte werden uminterpretiert, sie wird verheiratet. Bedingung für die Heirat ist eben auch ihr „Klugsein“. Das Märchen geht nicht gut aus: der Ehemann will die „Kluge Else“ bald loswerden, und der Anlass, dass sie eine ihr aufgetragene Arbeit nicht zu seiner Zufriedenheit erledigt, kommt ihm recht. Es endet damit, dass sie – auf seine Beihilfe hin – ihre Identität verliert und fortan ortlos in der Welt herumläuft. Mond-Saturn – der Revierverlust, und die Stiefmutter darin – die Else – die kinderlose Frau als Saturn-Merkur. Das heißt die Elsbeth, die Elisabeth ist die, die die Stelle der Mutter bei einem Mond-Saturn-Kind besetzt, die Ersatzmutter, damit das Vorstellungsmodell der leiblichen Mutter doch noch ausgeführt werden kann.

Von der „Königin der Nacht“ oder der „Eiskönigin“ loszukommen, geht dann nur über den Ausstieg aus dem Urteil der Mutter oder der Mütter. Diese Vorstellung (und auch die Vergabe eines Vornamens ist eine Vorstellung aus einem bestimmten Urteil heraus) der Mutter bezieht sich immer auf etwas Vergangenes. Nicht auf Gegenwärtiges und schon mal gar nicht auf Zukünftiges. Mit der Vorstellung bleibt man in der Norm von Gewesenem, und dies bedeutet immer, dass man sich in einem „Clan“ befindet. Man kann auch „Firma“ oder „Dynastie“ sagen.

D.h. auch wenn man sich räumlich und funktional noch so weit vom Clan entfernt, bleibt man – sofern man die Vorstellung nicht inhaltlich durchdringt und ablegt – Erscheinung des Ungelebten dieses Clan.

Nun ist sie also da, die kleine Lilibet Diana, zweifach mit einer Vorstellung belegt. Das Böse ist, sie meinen es „gut“, sie wollen die Erinnerung aufrecht erhalten, vielleicht eine Hand der „Versöhnung“ reichen. Eine Geste, mit der sie das Kind besetzen – an die Clanchefin und an ihre größte Herausforderin, gleichzeitig, in einem Atemzug.  

Am 4. Juni ist sie geboren, in Santa Barbara, um 11:40 Uhr – vermutlich Ortszeit. Das ergibt folgendes Horoskop. Ganz knapp ist sie noch ein Löwe-AC, zur Jungfrau fehlen ganze 19 Bogenminuten.  Na – man könnte sagen: Papa Jungfrau, Mama Löwe – da hat sie eben den Kompromiss genommen.

Ihre Sonne gehört in den Verbund Widder-Stier-Zwilling und der beginnt in Haus 8. Da hat sie schon mal einen Mars-Pluto im Gepäck, und tatsächlich noch die Opposition von Mars zu Pluto direkt. In die Gegenrichtung des Verbundes hat sie Neptun in den Fischen (noch in zulässiger Konjunktion zu Sonne-Uranus-GSP) am Übergang zu Haus 7 stehen. Viel Reinigung, viel Außerhalb-der-Zeit-Seiendes kommt durch sie in die Gegenwart. Auf der Straße des Vergessens. Mit Jupiter vorne am DC wird sie die Fackelträgerin, die Leuchtfigur und Bringerin einer hoffnungsfrohen Botschaft. Jupiter hat ein Spiegelquadrat zu Mars, sie wird nicht umhin können, dies als Mission anzusehen. Überhaupt ist das Verdeckte überwiegend: viele Spiegelaspekte, mehr als sichtbare. Und ich bespreche wieder einmal nur die „harten“ Aspekte.

Mars gehört zur Exposition und steht im 11. Haus auf 25°40′ Krebs. Von Zeichen zu Haus ergibt sich Krebs zu Wassermann – Mond-Uranus und von Mars zu Krebs ein Mars-Mond und von Mars in 11 – Mars-Uranus.  Der Mond steht auch in Widder, also zweifach Mars-Mond. Ihrem Lebenseintritt ist also einiges vorausgegangen – und zwar wesentlich auch von der Vaterseite her: Durchsetzungsenergie trifft auf Leben, heißt eben auch Aggression gegen das Leben eines Einzelwesens einschließlich der Verweigerung von eigenen Werten in einem Clan, in dem man sich befindet. Diese Energie betrifft wiederum ein Einzelleben in der „Entstehung“, im Werden, und dann noch der „schwache Vater“ als der Mars-Uranus. Uranus in Stier und Saturn in Wassermann (vorgegriffen) weisen ein Quadrat auf, das ist die Unvereinbarkeit der Eltern – von Haus 6 zu Haus 9, die in der Durchführung (Stier) der Venus in Krebs inbegriffen ist.

Schon zu Beginn ein Gemengegelage: man will und will doch nicht raus aus dem Muster, und so entsteht eine Stockung, ein Patt, das dieses Wesen zu lösen hat. Stier am MC, sehr nahe am Jupiter-Venus-GSP auf 27°: das ist die Verheißung der Integration, der guten Vergemeinschaftung mit allem, was die Stier-Venus bereithält. Diana – ist Artemis, die Göttin der Jagd, die scheue Bogenschützin (Prinzessin Diana war Krebs-Sonne mit Schütze-AC) – ist wieder da, aber sie ist eben auch Rächerin. Mars-Pluto aus dem 5. Haus – kommt der Bogen – überhaupt – der II. Quadrant, also Mutterseite beim Mädchen – mit Skorpion am IC, dem Steinbock in Haus 5 – Sonne-Saturn und Saturn in Haus 6 („Bleib wachsam“) mit einer „Feststellung“ auf die Thematik der Vergangenheit hin. Auch einen Hauch von Ideologie trägt sie in ihrem Selbstausdruck: Mutters Vorstellungen auf Vaters Hilflosigkeit.

Skorpion in Haus 4: es rumpumpelt im Heim, es gibt „Unheimliches“, etwas, das nicht benannt werden darf, und wenn, dann unter der Kontrolle der Vorvorderen. Mond auch in Haus 8: da ist sie in ein Denk-, aber auch „Seelen“modell hineingeboren. Aber wer ist das heute nicht?

Aufbrechen und im Aufbrechen steckenbleiben. Wie schließt sie es ab im Zwilling? Der Herrscher des Zwilling steht wiederum auf einem Sonne-Uranus-GSP: Markiere Stärke. Das ist die Kompensation. Sonne-Uranus ist aber auch die Bedrohung, und zwar die vorgeburtliche Lebensbedrohung. In Haus 10 und mit der Sonne ebenfalls in Haus steht das an hervorgehobener Stelle, repräsentativ, bestimmend – und mit dem Verbund läuft sie aus der Zeit hinaus in die jenseitige Welt, legt es dort ab. Ihr Merkur ist rückläufig – sie wird viel mit sich selbst abmachen müssen, sich nicht offensiv in die Welt trauen, sich um sich selbst drehen, ein Saturn-Merkur-Kind, das sich auch abgelehnt und abgewiesen vorkommt. Merkur hat – einer der wenigen sehr sichtbaren Aspekte – ein Quadrat zu Neptun in 7: das zeigt einerseits an, dass sie ohne feste Grenzen, mit durchlässiger Haut eine Unbeheimatete ist. Sie ist Ausübung einer Erscheinung, die von Nichtgegenwart spricht. Übersetzt: einer Toten. 

So etwas mag man einem Neugeborenen gar nicht ins Lebensbüchlein schreiben. Aber das haben die Eltern bereits mit der Namengebung getan. – Wobei: die Urgroßmutter, auf die der erste Name zurückgeht, lebt ja noch. Übrigens: einen Mond-Saturn habe ich nicht entdecken können, habe ich den übersehen? – Den allerdings tragen meines Wissens sowohl die Mutter (Konjunktion) als auch der Vater (Opposition). Ich wünsche der Kleinen alles Gute.

 

Mond-Saturn und „Elisabeth“ kann man hier nachlesen: WD, Sem.13 S.306; Sem.20 S.347ff; Sem.21 S.65

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