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KRANKHEIT ALS SPRACHE UND WEG

Wo fange ich an? – Esoterische Buchhandlung in der Schlüterstraße. Sie lockte schon von Weitem mit bunten, großformatigen Büchern in der Auslage und überdimensionalen Buddhas am Eingang. Betrat man den Laden, ging man als Erstes auf einen Brunnen zu, in dem und um den herum duftende Dämpfe waberten. Zur rechten Hand ging es in die Musikabteilung, in der sich auch die „Duftecke“ befand. Übrigens – erst 10 Jahre später entdeckte ich dort die Döbereiner-Bücher, die in der linken hinteren Ecke ziemlich weit oben in einem Regal standen, wo sie fast nicht zu entdecken waren.

Auf meinem Weg zur Uni kam ich fast jeden Tag hier vorbei und anstatt in der Mensa herumzusitzen und die auf den Tischen sich türmenden Flugblätter mit Demoankündigungen zu sichten, las ich mich durch Buchtitel auf Buchrücken. Und da fand ich sie: Schicksal als Chance war der eine und Krankheit als Weg der andere. Also – wir sind im Jahr 1982, und diese beiden Titel waren noch ziemlich taufrisch. Erst Jahre später – eben jene 10 – sollte ich erfahren, was alles sich im Hintergrund rund um die Veröffentlichung und auch die Inhalte betreffend abgespielt hatte. Ich kaufte beide Bücher und „studierte“ sie zuhause, um Antworten auf meine Fragen zu finden.

Krankheit als Weg war wesentlich das Werk von zwei Autoren, und nachdem die beiden Autoren sich dann getrennt hatten, war es R. Dahlke, der zwei Quasi-Fortsetzungen publizierte: 1992 Krankheit als Sprache der Seele und 1996 Krankheit als Symbol.

Zweifellos fiel einiges bei mir persönlich auf vorbereiteten Boden, einiges aber ging an mir vorbei. Mir war auch schließlich ein wenig zu viel von „Schuld“ die Rede. Was sollte es einem Erkrankten helfen, sich dessen „bewusst“ zu werden, dass er seine Krankheit selbst herbei geführt, indem er bestimmte Dinge getan bzw. nicht getan hatte. Ich las heraus, dass das Sündigsein Grundzustand des menschlichen Lebens und die Rückkehr zu einer noch zu beschreibenden Einheit anzustreben sei. Dass ein Mensch krank wurde, lag nun an der Sünde, die der Grundzustand des Menschen sei. Na danke. Das mit der Sünde hatte ich in meiner Kindheit lange genug hören müssen, und dass ich krank geworden war, hatte meinen Abfall von der Kirche – der katholischen wie der protestantischen – ein für alle Mal besiegelt. Ein drohender, strafender Gott – so einen braucht niemand. Verhalte dich wohl (natürlich im Sinne der Gemeinschaft), und du bleibst gesund.

Zu dieser Zeit befasste ich mich im Studium mit psychosomatischen Erkrankungen und sammelte Stoff für einen linguistischen Vortrag an der Uni. Die Metaphern aus den Texten – gebündelt und anschaulich geschrieben – kamen mir „sehr gelegen“, und es war rückblickend der Verdienst dieser beiden Bücher, dass ich später zur Astrologie der Münchner Rhythmenlehre kam. Aber noch nicht. Schauen wir einmal, warum die beiden Männer schrieben, was sie schrieben, denn das ergibt sich tatsächlich aus ihren Geburtshoroskopen.

11.12.1946, 9:51 Uhr MEZ, Herrsching am Ammersee

Hier ist der erste Autor – sein Name ist Thorwald Dethlefsen. Eine Sonne im Schützen, den Mars in 7° Orbis noch dabei. Das ist die Exposition des Sonnenverbundes, ein Auftakt schon mit einer „Verletzung“. Der Mars „sitzt“ aus der Richtung des Fügungsrhythmus gesehen knapp vor dem 11. Haus noch in Haus 12 und ist dem Hausherrn Steinbock unterstellt. Der Richter und die Selbstdurchsetzung, die dort hinten drin tobt. Da fällt mir ein Traumbild ein, von dem mir eine Frau mit Mars in 12 berichtete: Pferde befinden sich in einer brennenden Scheune und versuchen mit ihren Hufen, die Wände einzutreten, um ins Freie zu kommen. Haben Sie schon einmal Pferde in Panik gesehen und vor allem gehört?

Der Steinbock gehört zwar nicht zum Verbund – ist aber wichtig: sein Saturn steht in Haus 7 im Löwen, und hat als Begleiter Pluto (5°-Orbis-Konjunktion). Das brauchen wir – denn der Pluto gehört sowohl zur Durchführung der Exposition wie auch zum MC und damit zählt er zum „Ergebnis“. Die Disziplinierung des Bösen als Erlebniswelt in aller Öffentlichkeit.  Warum sind Skorpion und Pluto das Böse? Sind sie ja ursprünglich nicht. Das 8. Haus, der Skorpion und damit auch Pluto sind die Bindung an die Bilder (aus der Waage in 7) und die Ideen, auch die Partner – unbewertet eine Anlage, die in der Entwicklung ein nötiges Stadium darstellt, wird es übersprungen – fehlt etwas; aphroditisch gelesen sind Zeichen und Planet Anzeiger für die Auslieferung an die Gegenwart. (Münchner Rhythmenlehre – bitte nachschlagen.) Was im 8. Haus geprüft, auf Übereinstimmung mit den Gestalten des Lebens in ihrer „ordnungsgemäßen“ Fügung hin abge“scannt“ und schließlich freigegeben wird, gelangt in die Gegenwart und gibt dem Leben im II. Quadranten als Formgebendes seine Daseinsform. Oder: bei negativem Urteil der Prüfung: es wird die Gegenwart verwehrt. Auf dem Weg der Wandlungen von Neptun zu Pluto ist aber so einiges zu ertragen, das den Subjektivchen und individuellen Erdlingen gar nicht gefallen will. Vorarbeiten der Vorfahren eingeschlossen.  Ich spreche vom Ertragen von Ungerechtigkeit. Stichwort: Wenn du als Kaninchen geboren bist, bist du nicht dazu gemacht, an einem Wettrennen der Orcawale teilzunehmen. Da kannst du noch so oft klopfen und Haken schlagen. Aber es wird getrickst, Merkur leistet da gerne Hilfestellung. Wir sehen es gerade in der aktuellen Lage. Machtvolle Verneinungen (der eigenen Bestimmung) werden in einer Bugwelle weiter vor sich hergeschoben – und je größer die Bugwelle, desto größer die Angst vor dem Bösen, das es jetzt als Bedrohung geworden ist. Pluto ist der Aufdecker der Verdrängung, deshalb hassen ihn alle, die verdrängen. Das hat aber nichts mit Schuld zu tun. Was passiert? Es drohen die Trickser gerade mal eben sehr virulent mit. Ich schweife ab.

In der Durchführung ist also dieser Mann Plutoniker. Merkur in Skorpion, Venus und Jupiter in Konjunktion am MC in Skorpion. Besonders bemerkenswert ist, dass die Venus auch aus dem Stier im 4. Haus stammt – eine sich sichern wollende Seele, eine, die darauf angewiesen ist, dass sie umfriedet und „gut aufgehoben“ – im Sinne durchaus von Physiologischem, Physischem, Körperlichem – ist. Sie ist aber nicht sicher: Venus-Pluto-Jupiter ist eine Infragestellung der Körperlichkeit, und sucht Heilung. Die Sonne ist Abgesandte der Erkenntnis und der Sinnsuche, sucht zusammen mit Venus die Urgründe des Skorpion (der Matrize des Lebens) auf. Die Venus gehört zum Nachklang des Verbundes: aus der Waage, in der der Neptun von Ferne von Frieden und idealer Liebe singt. 

Nun hat die Sonne eine Opposition zu Uranus in den Zwillingen in Haus 5. Zwillinge – methodisches Vorgehen, sachlich-neutral. Da weht ein (Uranus ist kühl) – Wind auf die glühende Sonne zu und facht sie an. Einerseits „Aufhebung“ der logischen Abfolge, frische Luft in verstaubt-trockenem Intellekt, aber auch eine Schwäche. Sonne-Uranus hat irgendwie und immer irgendwie unterschwellig Lebensangst. Oder sagen wir: eine Bedrohungserwartung, und um dieser etwas entgegenzusetzen, wird ein Gewand von Hektik und Unruhe übergezogen, mit einem Kragen aus Überlegenheitsgefühlen. Er hat hier ja zweifach Sonne-Uranus: Sonne in 11 und Uranus in 5 – das ist eine schöpferische Veranlagung. Im 11. Haus – an der Überleitung von der Entstehung der Zeit zur Bestimmung der Zeit entscheidet sich, wie das 2. und 3. Haus konfiguriert sind. In diesem Fall haben wir das Zeichen Fische in 2 stehen. Überhaupt ist der I. Quadrant vom IV. Quadrant bestimmt: du hast kein Ego, du bist in der realen und konkreten Welt nicht sichtbar, und dein 3. Haus haben wir ins 12. verfrachtet.

Nun hat der Steinbock-AC eine Not: er trägt einen halben Saturn-Neptun und einen halben Saturn-Mars. Das sind Dethlefsens Titel und die Themen der Schuld. Der Kampf gegen das eigene Schicksal – oder doch Chance? Schicksal als (harter) Weg über die Krankheit.

24.7.1951, Berlin, 12:12 Uhr MEZ

Über den Co-Autor Rüdiger Dahlke kann sich jeder im Netz informieren. Dies hier sein Horoskop auf die Sonne am MC gerechnet. Wir können also lediglich nach dem Verbund schauen: Krebs-Löwe-Jungfrau. Im Krebs haben wir eine Mars-Uranus-Konjunktion – auch hier beginnt das Leben mit einer Durchsetzungsschwäche, die noch zusätzlich vom Uranus im Quadrat beschienen wird. Immunschwäche und Schocklähme, ohne es tiefer zu deuten. Neptun steht in Opposition zur Mond-Jupiter-Konjunktion im Widder. Mir fällt dazu ein: Die Anschauung des Seelischen in der Auflösung, um Einheit (in diesem Fall dem Großen Ganzen) herbeizuführen. Eine Sonne im Löwen nimmt sich der Sache an, nun ist es Chefsache und der Pluto-Merkur gehört mit zur Durchführung. Wenn schon Manipulation und Funktionszwang, wenn schon Korsett und Zwang der Bedingung, dann mache ich das selbst und auch besser. Angst ist auch hier das Thema, das er benennt und als Ursache für die entstehenden Krankheiten heranzieht. Nicht von der Hand zu weisen. Lebensangst (Neptun-Mond ist eine Lebensangst, die er mitbringt, und der er wohl auf den Grund gegangen ist bzw. in die er Einsicht genommen hat).

Schon klar, dass sich da eine Durchführung im Skorpion und eine Pluto-Durchführung im Löwen über kurz oder lang reiben. Das nur eingestreut. Merkur kommt hier aus der Jungfrau und ist damit auch zuständig dafür, wohin es „führt“. Saturn-Merkur (Infektions- bzw. die Isolationsgeschehen) und Venus-Merkur (Materie als Träger einer Botschaft) sind als Endlage gegeben. Saturn aus dem Gegenzeichen der Angangslage Steinbock ist unakzeptiert und muss mit der Einschränkung der Aussteuerungs“fähigkeit“ alleine auskommen. Sofern nicht durch die Geburtszeit eine der Achsen in den Steinbock fällt, und noch weitere Beziehungen anzeigt, ist der Saturn die „Eminenz“, die im Chefauftrag der Sonne die Geschicke bestimmt und bei Ausfall eines Schicksals immerhin noch regeln hilft. Das Alter und das „Risiko des Lebens“, der Tod… – Krankheit als Sprache der Seele, Titel eines seiner Bücher, und an der Sprache arbeitete er, könnte ein Hinweis auf einen Krebs im I. Quadranten und auch auf eine Sonne möglicherweise in Haus 2 oder 3 sein.

Bei Krankheiten allgemein ist, bzw. war in den Büchern von vor 30 Jahren, Dahlke der Ansicht, ein kranker Körper sei lediglich das Symptom einer kranken Seele; der Kranke habe aufgrund seiner seelischen Gestimmtheit selbst die Krankheit verursacht. – Da ist sie wieder, die Idee: der Patient als Selbstverursacher. Nach Dahlkes Ansicht haben Unfallopfer ihren Unfall unbewusst hervorgerufen (das bedarf einiger Erläuterung, und dann kann man dem auch zustimmen). Das Wahre mit den falschen Herleitungen zu belegen, ist ein sehr gängiges Muster. Ich habe aber nicht genug von ihm gelesen, muss ich zugeben. Dahlke sieht sich als Reinkarnationstherapeut, er betrachtet den Tod, z. B. in Folge eines Unfalls, als äußerste Eskalationsstufe einer Krankheit, bei dem das Bewusstsein wiedergeboren werden soll. Rüdiger Dahlke praktiziert nach wie vor als Arzt und ist auf verschiedenen Kanälen im Netz zu sehen und zu hören.

In einer sog. esoterischen Buchhandlung bin ich seit Jahren nicht mehr gewesen, weiß gar nicht, ob es sie noch gibt. Sicherlich. Inzwischen habe ich meine Bibliothek ziemlich „ausgebaut“ und kann sie konsultieren, wenn ich Fragen habe. In einem seiner Seminarbände (den genauen Ort muss ich schuldig bleiben, vielleicht tat er dies auch mehrfach, denn mit Dethlefsen verband ihn ein sehr unschönes Verfahren) und eigentlich in einem Seminar nahm Wolfgang Döbereiner Bezug auf Dethlefsen und den Buchtitel Krankheit als Weg, sinngemäß etwa so: die Krankheit zeigt keinen Weg, die Krankheit will Sie vernichten.  So hatte ich das damals als junge Frau bei der Lektüre der beiden Bücher bereits empfunden, und mich innerlich gesträubt. Ich soll meine Krankheit zu meinem Lehrer machen? Irgendwo habe ich dann aber auch erkannt, dass jeder Mensch auf dem Weg zur Einsicht in sich selbst, sich das Recht einräumen kann, auf den voranschreitenden Ebenen seiner Entwicklung „kleine Lügen“ als „Sprungsteine“ über den Fluss auf die andere Seite hin nehmen kann. Wahrheit, wenn sie absolut auf einen unvorbereiteten Geist trifft, tötet.

Ich gehe das ja heute so an: je besseren Einblick ich in etwas habe, je besser ich die Verknüpfungen nachverfolgen und begreifen kann (ob von Krankheit oder anderen alltäglichen Dingen), desto eigenständiger und unabhängiger kann ich leben. Eins der gelösten Geheimnisse des Lebens ist: Man muss die wesentlichen Fragen stellen (können). Bei der Antwort wird es dann wichtig, auch mit der unangenehmen umzugehen. Wir sind uns sicher darin einig, dass die Schuldfrage keine Lösung und keine Erhellung bringt. – Noch ein letztes Wort: Was mich immer besonders in Rage bringt und gebracht hat, ist in Zusammenhang insbesondere mit der Zuckerkrankheit der Ausdruck „des Sündigens“, wenn mal jemand von seiner Diät (hier spielt Saturn als Régimekontrolleur eine große Rolle) abgewichen war und der Blutzucker durch die Decke ging. Wird das heutzutage auch noch verwendet, oder ist wenigstens das inzwischen vom Tisch?

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