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FRAU DOKTOR BELLT

Ja, richtig gelesen. Ich belle. Natürlich nicht wie ein Hund, sondern ein kräftiges, trockenes, überaus lautes Husten aus tiefster Seele. Mediziner unter euch – nicht aufregen – ich bin nicht verrückt geworden. Wiewohl ich Gründe zum Verbellen reichlich finde. Die versuche ich jetzt mal zu sortieren, es darf gelacht und der Kopf darf geschüttelt werden.

Verbellgrund #1

Wir stecken in einer Virus-Falle. Nein, eigentlich bin ich nicht dabei, und es sind auch nicht die Leute – es ist das Gesundheitssystem, das eine (selbstgemachte und schon seit langem bekannte) Krise hat. Schließt leider ein, dass, wann immer zu diesen bestehenden Zeiten jemand seltsame (und heutzutage ist alles seltsam) Symptome bekommt, einem einer einen Corona-Test in die Hand drückt, einem ans Herz gelegt wird, sich die Corona-App herunterzuladen oder noch besser: gleich in Quarantäne zu gehen. Wir sind ja wertegeleitet. Erst mal das Schlimmste ausschließen, dann aufatmen und dann weiter forschen, was es denn noch sein könnte.

Also bitte, wir haben Winterzeit, das ist klassische Erkältungszeit. Viren gibt es viele, und die seit vielen Jahrhunderten. Ach, was hatten wir noch beschauliche Zeiten, als wir ruhigen Gewissens unseren Schnupfen bekamen, vielleicht ein hohes Fieber dazu, abgewechselt mit dem Gefühl, ein Eisklotz zu sein. Man zog sich vier-fünf Tage ins Bett zurück. Das war eine vom Körper verordnete Auszeit, die er brauchte, um seine Antikörper-Fabrikation anzuwerfen. 

Verbellgrund #2

Ich bin gestern mal meine Lunge auslüften gewesen. Seit März 2020 tragen wir ja mal mehr mal weniger sporadisch die Masken. Manche Berufstätige müssen sie stundenlang im Unterricht und in geschlossenen Räumen tragen (sie haben meine Anteilnahme), andere können immerhin zwischendurch Luft holen, und sich dann wieder in geschlossene Räume begeben. Also, seitdem es diese Masken gibt, habe ich z.B. ein Knistern in meiner Lunge, es pfeift und giemt. Ich gebe zu, dass ich einen leichten, aber auch nur einen ganz leichten Hang zur Hypochondrie pflege. Ich belästige Sie auch nicht weiter damit. Ein bißchen mehr Selbstbeobachtung ist allerdings weniger schädlich als das tapfere Wegdrängen aller irgendwie unbequemen Symptome zum Wohle – ja, von wem eigentlich? Was immer es nun ist, das meine Lungen giemen lässt – oh, vielleicht eine beginnende Lungenfibrose?? – ich habe beschlossen, dass ich diese, meine Lunge also belüften muss, gehe natürlich dann nicht gerade auf die volle Hauptstraße im Ort, sondern weitab von der Zivilisation spazieren. Hier bin ich frei, hier darf ich bellen. Ansonsten ernte ich böse Blicke.

Verbellgrund #3

Ich komme zu den Arztpraxen. Manche raten ja schon am Telefon ab, in die Praxis zu kommen, sofern man es noch irgendwie aushält und – halten Sie sich fest – keine Krankschreibung braucht. Fragte mich auch mein Arzt: Brauchen Sie eine? Nein, wem sollte ich die vorlegen? Sind Sie geimpft? „Boosterimpfung“? – ach, Termine – so oder so – haben wir im Februar wieder. Melden Sie sich dann. Den Patienten von heute fasst man offensichtlich nicht mehr an. Behandeln war gestern. Auskultation, das altbekannte Abhorchen – ebenso Fehlanzeige. Da gehe ich doch gleich ins Internet zum Netdoctor und wurschtele mich mit meinen Symptomen durch und bastele mir eine Erkrankung, die es sein könnte.

Verbellgrund #4

Den nächsten Hustenanfall habe ich schon sicher, wenn ich mir die Nachrichten anhöre. Ich sollte das nicht tun. Einerseits – andererseits: ich will informiert bleiben. Informiert über den hysterischen und ängstlichen Zustand derer, die sich alsdann von den Nachrichten beruhigen und beschwichtigen lassen wollen. Somit weiß ich, von wem ich mich auf jeden Fall fernhalten muss. Ist ähnlich wie mit dem Corona-Test, den wir als Passierschein brauchen. Der zeigt zwar, dass man „negativ“ ist – und das ist was „Positives“. Am besten, man hält sich fern von all dem und widmet sich dem, was einem gut tut. Dieses stetige Getröpfel von noch mehr Maßnahmen, wieder veränderten Maßnahmen, die schützen sollen… nicht ausreichenden Maßnhamen und Inzidenzen… Nachrichten, Talk Shows – was für Formate auch immer – bringen nur den Husten zurück.

Verbellgrund #5

„Ich werde euch was husten“, ist ein guter Ausspruch. Warum? – Er bedeutet, dass man nicht einverstanden ist, dass man etwas ablehnt und eine unbequeme Entgegnung hat. Sag ich doch.

Verbellgrund #6

„Hunde, die bellen, beißen nicht“ – das wird abschätzig gesagt, wenn da so ein kleiner Hund vor einem steht und bellt. Darunter versteht man allgemeinsprachlich: Jemand, der großartig eine Aggression ankündigt (wie z.B.: „ich werde mein Revier mit Zähnen und Klauen verteidigen“), wird es vermutlich nicht in die Tat umsetzen. Und umgekehrt: jemand, der etwas ernsthaft unternimmt und dem Eindringling schaden will, wird vorher nicht groß bellen, bzw. ankündigen. Mein Bellen ist eher das eines Polizeihundes. Der kann durchaus beißen. Aber ich will es nicht zu weit treiben. Halten wir fest: Wo gebellt wird, stimmt etwas nicht!

Ich werde mich jetzt um meinen Husten kümmern und meinen Geist schweifen lassen, was er mir Gutes vorschlägt. Einen heißen Ingwertee, oder eine Cranberry-Schorle, die man ebenfalls heiß trinken kann – fast ein wenig Glühwein-Stimmung kommt da auf. Und eine Musik, die wohltut, oder ein schönes Märchen lesen und vorlesen für die Kinder.

Und weil wir alle kleine Kinder sind, mache ich es minion-mäßig. Nicht bellen bitte.

Und erkannt? Von wem wohl dieses Märchen stammt!?

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