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VORSICHTIG MIT BUCHTIPPS

Mit der Zeit werde ich immer umsichtiger bei den Buchtipps, die ich so gebe.

Dieser Herr hier hat als mitteljunger Mensch angefangen, Satiren zu schreiben, in denen er gegen das „Establishment“ seiner Lebenszeitepoche wetterte. 1. Herrscher von 1 – Merkur – beim Mars und bei der Sonne in Haus 8. Im Steinbock, klar – da wird er „bockig“. In den Kollektiven war er immer der „Vertriebene“, aber auch der „Störenfried“, egal wie sehr er dazugehören wollte.

In seinen Spätwerken wurde er hintergründiger, grotesker und schwärzer. 2. Skorpion in den Umständen (enge, dunkle Räume mit einem Gefühl der Unheimlichkeit) und ein Pluto in 12: Wohin wirkt dieses Unheimliche, das einen Zwang, wohl auch einen Sog, ausübt? Es wird ins Gemeinschaftliche und in den Hintergrund – ins Gemeinschaftliche aller – verfrachtet. Heißt auch: es wird ins Zeitlose eingeschrieben. Mythen sind zeitlos, ewig quasi – und so wird es dieses Unheimliche, dem er zugeneigt war. Pluto in 12: die Mine im Unbewussten aller. 3. Mit dem MC als dem Erwirkten in seinem Leben wird an ihm der Uranus sichtbar – das Herausgehobensein aus dem Seelischen wird Erscheinung an ihm, und so führt er es auch aus: die persönlich-subjektive Unanwesenheit. Selbstabgrenzung, -darstellung und -aussteuerung wird unter der Regie der versunkenen Verdrängungen maßgeblich gefügt und erzeugt eine Bedeutung über ihn selbst hinaus. Dabei bleibt er im Neptun-Uranus-Quadrat immer in einer „seltsamen“ Betäubung, einer Abwesenheit von sich selbst.

In „Der Golem“ ist die Erzählung selbst wie ein Golem, jenem Mythos vom „Unfertigen“ des vom Menschen Geschaffenen. Ein Erzähler taucht in einen Traum hinein und ist am Ende „nicht der, für den er sich hielt; er steht als Mann ohne Eigenschaften vor dem Tor des Paradieses, das er nicht betreten darf“.

Gustav Meyrink schrieb nicht nur  „Der Golem“, sondern auch andere Erzählungen. Okkult wurden sie genannt, oder esoterisch, archetypisch und geheimlehrerisch. Aber eigentlich schrieb er in seinem Spätwerk über das, was ich vorne gezeigt habe: sein Unbeheimatet-Sein in Umständen beengter, gegenwartsloser Art, mit einer Sonne im Steinbock und im 8. Haus: mit dem melancholischen Temperament des eingeschlossenen Ausgeschlossenen ohne reale Erscheinung. Ein Unsichtbarer ohne Gegenwart und Vergangenheit.

„Christopher Taubenschlag, Waise und Ziehkind eines in esoterischen Lehren beschlagenen Barons, besitzt die Fähigkeit, im Traum zwischen den Welten der Lebenden und der Toten zu wandeln. Die Entdeckung seiner wahren Herkunft und die Liebe zu der unglücklichen Ophelia treiben ihn immer tiefer in die Mysterien von Tod und Visionen. Nach Ophelias Selbstmord kennt Christopher nur noch ein Ziel: Er muß das Rätsel um das ewige Leben lüften, um für immer an der Seite seiner toten Geliebten weilen zu können. Welche Rolle wird dabei das geheimnisvolle Erbe seiner Ahnen spielen?“ Zusammenfassung des Inhalts von „Der weiße Dominikaner – Aus dem Tagebuch eines Unsichtbaren“.

Also, wer sich an die Stücke von Meyrink heranwagt, muss sich nicht wundern, wenn es ihm nach der Lektüre ein wenig schlechter geht als vorher. Andersherum wiederum: es kann einem, dem es vorher schlecht ging, auch besser gehen. Endlich versteht ihn einer.

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