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BRAND AUF DER BÜCHERWARTE

Die Bockenheimer Bücherwarte in Frankfurt ist bekannt. Auf dem ehemaligen Campus der Universität kann man – hier konnte man zu anderen Zeiten – in den auf Tischen und Bänken aufgestellten Kisten nach Büchern kramen. Man findet seltene Exemplare, gut erhaltene Bilddrucke, Kuriositäten aus 60, was sage ich: 100 Jahren, längst vergessene, aber trotzdem nicht unwahrere Fachliteratur. Zusammengetragen aus aufgelösten Haushalten (deshalb auch viele Bücher aus den 60er und 70er Jahren) oder aus abgewickelten Bibliotheken, Archiven und Buchgeschäften. Ein Stöbern durch die Buchreihen brachte immer den einen oder anderen Kauf – ein Euro, drei Bücher für 4 Euro oder so ähnlich. Abends werden die Kisten von ihren Ausstellern und Verkäufern zusammengepackt und gestapelt und mit einer Plane vor Regen, Wind und auch vor dem Zugriff von Dieben geschützt. Im letzten Jahr „schloss“ die Bücherwarte, nach dem Anlass müssen wir nicht lange suchen. Seitdem standen die Kisten längs der Straße unter und hinter einigen Büschen verdeckt mit ihrer grau-anthrazitfarbenen Plane. 

In der Nacht vom 18. auf den 19. März brannte es. Um 4:30 Uhr soll der Anruf bei der Feuerwehr eingegangen sein. Was das Feuer nicht zerstörte, schaffte das Wasser, und am Tag darauf wurden die Bücher mit Räumfahrzeugen entsorgt. 

Ende einer Ära?

Das Horoskop zeigt tatsächlich einen realen Vorgang: Viele Planeten im 1. Haus und überhaupt im I. Quadranten. Uranus als der Aufheber eines Bestandes in Haus 3 in Aktion, in Quadrat zu Saturn im Wassermann – Saturn-Uranus, Tradition im Umbruch und eine Häutung. Saturn und Uranus gehören zum Sonnenverbund – ich schaue einmal schrittweise.

Die Sonne legt also fest, dass der Verbund von den Fischen (noch im 2. Haus beginnend) über den Wassermann als Durchführungszeichen in den Saturn und damit bis ins 11. Haus hineinläuft. Erst also aus der Erscheinung und dem Sichtbaren heraus, und dies – das vorweggenommen – wieder in die Erscheinung gebracht. Eine Nichtung.

Fische an der Spitze von Haus 2 – das wässrige Revier, der Widder ist eingeschlossen, gehört als siamesischer Zwilling noch dazu, also auch ein energiereiches Revier. Neptun und Venus bilden eine Konjunktion, und wenn die beiden zusammenstehen, kommt es zur Auflösung von festen Umgrenzungen, die Konturen verschwimmen, die Form zerfließt. Die Stier-Venus kommt aus dem 3. Haus, die Waage-Venus aus dem 8. Es geht also auch um ein Bewusstsein, ein Sich-der-Gegenwart-Gewahrsein, das in die Vorgegenwart gefallen nun in einen „Zustand“ der Möglichkeit gesetzt wird. Die Sonne wird von beiden hinzugezogen. Sie kommt aus dem 7. Haus, das noch knapp vom Krebs angeführt ist, und das den Löwen einschließt. Was für ein Bild liefert sich hier ab: Es begegnet uns eine Erlebniswelt. Erlebniswelt ist die geschlossene Welt eines Individuums, eines Einzelwesens, das in Dualität zur Welt (III. Quadrant) oder zum Jenseits (IV. Quadrant) steht. Bin ich ganz Subjekt, ganz Person, stehe ich in mir, und nehme nicht die Position des Nicht-Ich ein. Ich gehe damit in die Dualität. Das Lesen von Geschichten und Erzählungen ist von jeher ein Eintauchen in „Welten“ gewesen, auch wenn sie von anderen geschrieben wurden und nicht das eigene Leben erzählen. Der Lese“akt“ an sich ist ein Erleben, in das kein anderer mit mir hineingehen kann, in der es mich mitten zwischen den abgebildeten Figuren und ihren Freuden und Leiden gibt. Ja, es ist eine vorgestellte Welt, eine gefertigte Welt, die ich mit meinem Einsteigen und meinem Sein belebe und zu meiner Ereigniswelt machen kann. Sonne-Neptun zeigt nun einerseits den Einbruch in diese geschlossene Welt und hierunter kann man durchaus die Stapel der Bücherkartons unter ihrer Plane verstehen, der als bedrohlich empfunden werden kann. Sonne-Neptun ist aber auch ein Korrektiv, sofern die vorgestellte und sich von der Wirklichkeit entfernt habende Welt zu einem Container für Moral, Ethik und noch vieler sogenannter Werte geworden ist (Pluto).

Der Mars, der wie gesagt als siamesischer Zwilling zum Neptun gehört, weist ins 4. Haus. Dort steht er mit Mond zusammen (7° Orbis, gerade eben noch,…naja knapp) im Zwilling. Der Zwilling ist die Kartierung, die Vermessung – hier der Seelenwelten (im 4. Haus Merkur-Mond) – Merkur – die Buchstaben als Trägersubstanz des Empfindens werden „herausgebracht“ – in Büchern, sie stehen dann zur Verfügung. Merkur-Mond ist die Erscheinungsseite von Saturn-Jupiter – Anschauungen ihrer Bestimmung gemäß zueinandergefügt. Bestenfalls. – Und sofern nicht ihrer Bestimmung gemäß – sind sie ursprungslos und der Hinwegnahme anheimgestellt. Energie trifft nun unkontrolliert auf eine Heimat der Sprache. Das 4. Haus – Krebs – ist die Sprache als Heimat der Seele, während Steinbock/Saturn die Sprache als Ordnung ihres Gefügtseins (die Struktur verschiedener Sprachen, die als „Grammatik“ beschrieben werden kann, und die sich in Regeln zur Rechtschreibung und Formenbildung niederschlägt) gesehen werden kann. – Diese wird in Wassermann übrigens ja auch auf den Prüfstand gestellt (das entspräche eher dem Skorpion) und erfährt die Erschütterungen einer Neuordnung. Saturn steht auf dem GSP von Sonne-Pluto, legt den Finger auf eine Erstarrung, Unelastizität und ein Verhaltensmodell. Mond-Pluto ist ebenfalls angesprochen, die Überlagerung durch eine andere als die zugehörige Mentalität. Mond und Pluto weisen am Morgen des 19.3. eine Spiegelkonjunktion auf. Der Pluto steht im 3. Zeichen des Verbundes und im 12. Haus – das mit der Überlagerung ist also gar nicht so offensichtlich, sondern „schön“ in einem Container und im Unbewussten versenkt.

Durchführung „ist“ – schon angeklungen – der Wassermann mit seinem Uranus in Haus 3. Die Erscheinungsseite eines Saturn-Uranus (das hier als Quadrat vorliegt) ist Merkur-Venus, Da heißt es schon mal „Wir haben keine Gegenwart“. Die Anwendung und Ausführung (Zwilling) einer Sammlung (Stier) – und, wenn wir die Parallelzeichen Jungfrau und Waage dazunehmen: Die Wahrnehmung (und auch Warnung) des Entgegenkommenden, die Verwertung der Bilder. Venus und Merkur in den Fischen. Es sind mithin Bilder der Nichtung, der Rückführung in einen Urzustand, und Reinigung bzw. Klarsicht auf das Wesentliche. Aber sie bergen eben auch die Versuchung der Täuschung.

„Alles muss raus“ fällt mir ein. Das Alte muss Platz für das Neue machen. Wie immer dieses Neue sei – der Zeitpunkt sagt: Saturn (aus dem Endzeichen des Verbundes) und Jupiter (aus dem MC als Finalität des Vorgangs) im Wassermann weisen in die Erscheinung einer Reformierung. Jupiter und Uranus gehen eine versteckte Konjunktion ein – Spiegelkonjunktion. Eine Neufügung, eine „glückliche Fügung“ ergibt sich, eine  Aufhebung des Bisherigen – aus der Lücke kann der neue Saturn, die neue Ordnung (auch der Sprache) auferstehen, die dann von bisherigen Glaubensvorstellungen befreit ist. 

Die Deutung lässt verschiedene Interpretationen zu, nämlich entsprechend der Seite, auf welche man sich stellt. Es ist schade um all die Bücher. Oder: Endlich, jetzt ist das Geräus von gestern weg. Saturn-Uranus als Blockade sagt auch aus: Nicht du kannst dich entscheiden, es gibt diese Hemmung, du versuchst vielleicht das Arrangement, in dem es bleibt, wie es ist – entschieden wird an anderer, und von höherer Stelle, und du kannst dich so oder so zum Ergebnis stellen. Deshalb gilt es sich anzuschauen, welche Glaubensvorstellungen es sind, die zurückgelassen werden sollen. Da haben wir sicher dengleichen Gedanken: eine weise Ansicht der bereits in der Welt seienden „Neuerungen“ ist hier nötig, und dazu muss man genau zwischen jenen, welche noch der Fortsetzung und gesinnlichen Übertreibung, damit der zerstörerischen Zuspitzung des Alten geschuldet sind, und welche sich bereits gehäutet und befreit dazugesellen, unterscheiden. Das ist sehr wichtig. Saturn-Uranus also: Wolfgang Döbereiner sagte einmal: Aus der Krise kann man sich nicht herausentscheiden…. Aber wir müssen das Rumpelstilzchen benennen!

 

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