Home » LESESTOFF » ASTROLOGIE » ASTROLOGISCHE MINIS » HEUTE SCHON GEHASST?

HEUTE SCHON GEHASST?

„… Darauf war nichts weiter als ein riesiges, mehr als einen Meter breites Gesicht zu sehen: das Gesicht eines Mannes von etwa fünfundvierzig Jahren mit dichtem schwarzem Schnurrbart und ansprechenden, wenn auch schroffen Zügen. Winston steuerte auf die Treppe zu. Es war zwecklos, es mit dem Aufzug zu versuchen. Selbst in seinen besten Zeiten funktionierte er oft nicht, und im Moment wurde der Strom während des Tages abgestellt. Das gehörte zu dem Sparprogramm, das der Hasswoche vorausging. [George Orwell, 1984, Kapitel 1, S. 5]

„In einem lichten Augenblick ertappte sich Winston, wie er mit den anderen schrie und trampelte. Das Schreckliche an der Zwei-Minuten-Hass-Sendung war nicht, dass man gezwungen wurde mitzumachen, sondern im Gegenteil, dass es unmöglich war, sich ihrer Wirkung zu entziehen. Eine schreckliche Ekstase der Angst und der Rachsucht, das Verlangen zu töten, zu foltern, Gesichter mit einem Vorschlaghammer zu zertrümmern, schien die ganze Versammlung wie ein elektrischer Strom zu durchfluten, so dass man gegen seinen Willen in einen Grimassen schneidenden, schreienden Verrückten verwandelt wurde. Und doch war der Zorn, den man empfand, eine abstrakte, ziellose Regung, die wie der Schein einer Blendlaterne von einem Gegenstand auf den anderen gerichtet werden konnte.“ [George Orwell, 1984; Stelle im Roman mir im Moment nicht erinnerlich, liefere ich nach.]

Ein Journalistenteam bzw. Medienhaus ist auf ein geheimes Treffen am Wannsee (Potsdamer Treffen am 25. November) gestoßen. Das Team nennt sich Correctiv, und hat offensichtlich einen Geheimplan aufgedeckt. Seitdem dieses Treffen vor 8 oder 9 Tagen (genau: am 10.1.) veröffentlicht wurde, läuft man in Deutschland Sturm. Sehen Sie mir nach, wenn ich die zeitliche Choreographie nicht so ganz hinbekomme. Die Bauernproteste sind vorbei, dass sich am Samstag noch LKW- und Speditionsunternehmen auf die Straße begeben haben, wurde nur am Rande berichtet und ist nichts gegen das, was nun als Gegenreaktion sein Haupt erhoben hat. Seit Freitag kommt es in mehreren großen und kleineren Städten zu Großdemonstrationen  gegen Rechtsextremismus, d.h. zu von den Regierungsparteien initiierten und auch unterstützten Antipathiekundgebungen gegen eine erstarkende Opposition. Zu den Enthüllungen aus der investigativen Recherche gab es ziemlich sofort auch eine szenische Lesung im Berliner Ensemble.

„Im Theater lasen Schauspieler die Ergebnisse der aufwendigen Recherche mit verteilten Rollen. Sie gruppierten sich, formell gekleidet, um eine weiß gedeckte Tafel auf der Bühne und schlüpften in die Rollen der diversen Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Dabei wurde etwas klarer, wie Correctiv an die Informationen gelangte. Unter anderem mietete das Medienhaus nach eigenen Angaben ein Saunaboot und fotografierte von dort aus mit einem Teleobjektiv die Villa. Zudem filmte eine Person mit einer Uhr im Inneren des Gebäudes. Die Journalisten bezogen sich des weiteren auf «Gedächtnisprotokolle» von Teilnehmerinnen oder Teilnehmern.

«Was wir Ihnen heute erzählen, ist wahr», versicherten die Schauspieler auf der Bühne. Einige Szenen waren nach ihren Worten aber auch teilweise «fiktionalisiert» – der Kern der Aussagen sei so gefallen, nicht aber der gesamte Wortlaut. Sellner und andere Teilnehmer hatten vorige Woche einige Details aus der Recherche bestritten. Die AfD und die Werteunion haben die Bedeutung des Treffens heruntergespielt und Correctiv kritisiert. […} Im ausverkauften Theater spendeten die Zuschauer minutenlang Applaus nach der Lesung, die auch in andere Theater und im Internet übertragen wurde. Aus dem Publikum gab es zudem Sprechchöre: «Alle zusammen gegen den Faschismus.» Der Publizist Michel Friedman lobte die Recherche nach der Vorstellung als «großartige Leistung von freiem Journalismus».“ [Quelle]

Neulich noch habe ich an den Karten für die Engramme gearbeitet, es ging um das Aufeinandertreffen von Venus (aus der Waage) und Merkur (aus der Jungfrau): Die Karte erhielt den Titel „Der lange Weg zur Heiterkeit“ und illustriert habe ich sie u.a. mit einer Theateransicht von außen und einer „herrschaftlich“ ausgestatteten Bühne. Die kommt natürlich von der Waage-Seite her. Architektonisch finden wir in der Waage z.B. Gebäude wie die „Gloriette“ in Wien, die einen Ausblick über die Stadt gestattet und auf der anderen Seite den Blick aufs Schloss Schönbrunn erlaubt. Gefunden habe ich Waage-Prachtbauten auch in Kandahar und Kabul – beide Städte liegen mit mindestens einer Schräge oder Quere in der Waage. Wenn der Löwe der König ist, dann ist sein Palast in der Waage. Wie komme ich auf die Waage?

Berliner Ensemble, 17.1.2024, 22:27 Uhr aufgenommen.

Ein Video von diesem ersten zeigt die Sprechchöre im Theater (gefunden auf X): Die Zuschauer haben sich erhoben und rufen „Alle zusammen gegen den Faschismus“. Es ist 22:27 Uhr – steht im Video. Ich nehme das mal zum Anlass, mir das näher anzusehen. Im Horoskop ist die Waage am AC, und sie ist auch die Herrin über das 2. Haus, des Reviers. Die Bildabgabe – in Haus 1 der Selbstdurchsetzung eine verbale Durchsetzung (es heißt die Waage mit ihrer Denkaggression sei ja handlungsgehemmt); darstellen aber kann sie – und das tut sie in Haus 3 im Schützen. Der Schütze in seiner Anschauungsfunktion ist vereinheitlichend, im eigentlichen Sinne fügt er einzelne Teile zu einem Ganzen zusammen, macht eine Anschauungslandschaft daraus. Der Schütze ist neben dem „Gericht“ auch der Verkünder – die Venus darin vermittelt ein öffentliches Bewusstsein. 

Das 3. Haus ist allerdings nicht dem Schützen, sondern dem Skorpion unterstellt. Das bedeutet zunächst einmal: eine Bindung an Bilder und Gedanken, eine Fixierung. und im Haus der Kommunikation eine Vermittlung im Sinne eines fixierten Bildes. Pluto steht mit der Sonne zusammen auf 29°53′ Steinbock – der Herrscher von 4 ist eben jener Steinbock. Das Heimatliche in den Regelungen des Staates (Merkur steht darin) und Mars darin der Feind im eigenen Land. Er hält aggressive Reden, nein, Merkur hält die aggressive Rede, während Mars alleine der Aufdecker eines Zwanges wäre. Aber Moment: sie stehen im Steinbock. Gegen wen reden sie oder für wen? – Doch zurück: Sonne und Pluto – die Durchführung des Zwanges zur fixierten Darstellung in einer ganz bestimmten Richtung. Beide stehen im Quadrat zum Mond im Widder. Das aufgebrachte „Volk“, ja, das „Innere“, das „Heim“, das nicht in Harmonie mit der staatlich gedeckten Durchführung steht.  – Also, drinnen im 4. Haus, stehen die von Staats wegen brennend Rufenden und rufen ins Begegnende, ins Außen auf den Mond zu. Der hat ein Quadrat zu Sonne und Pluto, auch hier geht etwas nicht zusammen: die Vorstellung über die Mitteilung (3. Haus auch die Medien, die Darsteller) verhindert den Fluss des Lebens. Mond: da denken wir das Einzelwesen, und mit der Sonne könnte dem der Souverän folgen, doch der hält zur Macht. Der Einzelne ist ohne Eigenständigkeit. 

Dass diese aufgehoben ist, sehen wir im Wassermann in Haus 5. Heute habe ich etwas sehr Bezeichnendes gehört: Wer Freiheit will, muss in Kauf nehmen, dass er unsicher ist und in Unsicherheit lebt. Wer die Sicherheit will, muss in Kauf nehmen, dass er sie notfalls auch verteidigen muss. Nun treffen hier der „Freiheitswille“ des Löwehauses  – heraus aus dem Subjektiven, aus der engen Dualwelt und in die Unabhängigkeit vom endlichen Leben (Hurra, wir werden alle Peter Pans!) – und der Uranus in der Sicherungswelt des Stiers zusammen. Herrscher von 5 in 8: Der Lebens- und Ausdruckstrieb bindet sich an Ideen, Leitbilder und Vorstellungen anderer. Den „Lebenstrieb den Göttern opfern“. Den Lebenstrieb überwinden wollen durch die Verpflichtung an andere. – Die anderen wiederum sind bereits da: mit dem Widder-Mars sitzen sie bereits mit im Heim. 

Widder nämlich  am DC, da kommt das Selbstdurchsetzerische im Anderen entgegen, den man mit Mars in 4 nachgerade  als Partner und das Denken benötigt, um eine seelische Ausdrucksform zu finden (was auf einen seelischen – hier auch heimatlichen Narzissmus hinausläuft). Nein, was sage ich denn! Mars bei Merkur im Steinbock: da werden sie gleich staatlich geregelt, die anderen da. Die „Anderen“ können wir auf verschiedenen Ebenen denken: die, von ganz außen oder die, die im Innen die Anderen sind: die Andersdenkenden.

Wassermann, der Vertreter für die Gleichberechtigung trifft also auf ein Gemeinschaftliches in der Sicherung, und da wirbelt er auf, er wandelt um, er schöpft neu. Uranus, der große kleine Sozialist will umverteilen. Stier – in diesem Fall steht er in Haus 8 und 9: die Bestände derer, an die man sich vertraglich bindet, das Geld der Anderen wird gem. der Venus in 3 zur Selbstdarstellung und Repräsentation mit den Mitteln der Einsicht in außerpersönliche Belange und Bereiche. Durch die Einsichtsfähigkeit stellt man sich dar: und repräsentiert das Verständnis für andere. Wie einsichtsfähig ist Stier? Es entsteht hier dreifach Jupiter-Venus – eine als günstig eingestufte Konstellation, aber eine mit Tücken. Jupiter-Venus ist auch die Enthemmung – Grenzen werden erweitert, es geht in die Fülle und Überfülle, Selbstergänzung und Selbstdekoration. Aus dem Stier ist die Venus eine Kollektivierung im eigentlich Beweglichen, im Reisenden und Suchenden. Wir haben hier eine seitenverkehrende Spiegelung vorliegen: Man verwechselt hier etwas. 

Und Fische in Haus 6? Mit dem Neptun darin? – Das bedeutet eine Unabhängigkeit von der Unabhängigkeit von der Aussteuerung? Die Aussteuerung an der und die Wahrnehmung der Unabhängigkeit von der Wahrheit. D.h. man sagt bzw. demonstriert die Unwahrheit – zumindest in Haus 3 mit dem Quadrat zur Venus eine trügerische, eine manipulative Darstellungsverkündung im Namen der Macht. Dass der Saturn aus dem 4. Haus in den Fischen steht, kann gelesen werden als die Große Ordnung im Heimatlichen, die eine Schwächung erleidet. Der Staat, letztlich aber seine Wassermann-Regierung in den Umstürzen der Bestände, wird auf einen Zustand vor seinem Ursprung zurückgeführt.

Das zumindest lese ich das aus dem Moment, in dem gerufen wurde: „Alle zusammen gegen den Faschismus“.  Zwei Punkte: Es tun sich die regierenden Parteien im „Deutschlandpakt“ mit der etablierten Oppositionspartei der Vorgängerregierung zu einer Blockpartei zusammen, die nun auf den Straßen gegen die zweite Oppositionspartei demonstrieren. Auch die DDR hatte sich auf die Demokratie berufen – eben eine sozialistische Demokratie.

Ein Mann spielt Balalaika. Auf der Straße. Immer nur auf einer Saite. Und immer nur einen Ton.
„Du, sag mal“, fragt ihn ein Vorübergehender, „warum spielst du nur immer den einen Ton und immer nur auf einer Saite? Die Balalaika hat doch drei Saiten. Alle anderen spielen auf drei Saiten!“
„Tja“, sagt der Mann, „die anderen, das sind ja auch alles Suchende, aber ich, ich habe gefunden.“ [Quelle: Wo wird sind, ist vorn. Der politische Witz in der DDR, 1986]

(Visited 63 times, 1 visits today, 96.082 overall counts across all posts)