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DREI SATURN-URANUS-KONJUNKTIONEN IM JAHR 1988

II. 1 – Drei Konjunktionen im Jahr 1988

13.2.1988,       20:34 Uhr MEZ,        29°55 Schütze
26.6.1988,       9:11  Uhr MEZ,         28°47‘ Schütze
18.10.1988,     11:46 Uhr MEZ,        27°49‘ Schütze

Der Februar 1988 war – soweit ich mich erinnere – ein milder, weitgehend verregneter Monat. Kein Schnee. Es begannen die Olympischen Winterspiele in Calgary. Die erste Konjunktion – so könnte man es ausdrücken – ist in diesem Zyklus die Anfangsebene, vielleicht der Unterbau; der zweite „Stock“ folgt als Zwischenschritt, die dritte Konjunktion ist das Dach. Soweit ich das korrekt ermittelt habe, lag die erste gradgenaue Konjunktion um 20:34 Uhr MEZ (auf Berlin) vor. Das ergibt einen AC von 29°17‘ Jungfrau und einen MC von 29°04‘ Zwilling. Die Konjunktion steht knapp hinter dem IC im 4. Haus, während der Herrscher von 4 sich als Jupiter auf 25°16‘ Widder ins 8. Haus begibt. Ein Jupiter auf dem „Schlachtfeld“ der Pioniere, des absoluten Neuanfangs, wo er in seine Posaune bläst. Eine doppelt feurige und extrem nervöse und bewegungsfreudige Konstellation. Die Pferde stehen bereits schnaubend in der Startbox.

Aber Jupiter ist eben nun mit einer „Rüstung“ unterwegs – und das ist die des Hü und Hott. Saturn will das „Weiterso“ – er setzt auf bewährte Schütze-Themen wie seriöse und verbindliche Anschauungen, eine geerdete Toleranz, eine konservative Einstellung gegenüber der Einhaltung von Gesetzen und der Mahner vor allzu großer Expansion. Uranus will dagegen genau das Gegenteil, er streift Verkrustungen ab, streift die alte Haut ab und will sich erneuern. Das Alte bleibt liegen, das Neue will geschöpft sein. Uranus will nicht Verpflichtung, sondern Unabhängigkeit, und die vertritt er in kühnen Visionen – hier von neuen, unverbrauchten Gedanken und Anschauungen, in Erweiterungen der Einsicht in andere, fremde Kulturen. So gehen sie Seite an Seite ins 4. Haus ein, beginnen einen neuen Zyklus, der ein seelischer Zyklus sein wird, an dessen Anfang auch gleich noch eine Auflösung der alten Ordnung steht. Neptun in Steinbock macht Saturn schwer zu schaffen. Saturn bekommt „Neptun“, d.h. eine Leberdepression, es geht ihm nicht gut. Auf 9° Steinbock ein GSP von Uranus-Pluto. Im Heimatlichen und am Beginn des „Wesens“ der Dinge, im Keimling, liegt eine Täuschung bereit, die gelöst werden muss. D.h. gelöst werden sollte. Zu den Aspekten später.

Im Schützen und in der Nähe von Saturn und Uranus steht auch noch Mars. Jupiter in Widder, Mars im Schützen – ein Kampfross fällt mir ein und in der nächsten Assoziation „das Trojanische Pferd“. Mars beim Saturn macht geneigt, dass hier mit aller Kraft gegen Widerstände angegangen wird. Auch, wenn es zwecklos ist. Mars sagt: „Ich will aber!“ und Saturn hält dagegen. Dann wendet sich Mars eben an den Uranus, will sich mit ihm vielleicht verbrüdern: „Wir schaffen die Erneuerung mit aller Gewalt bis zum Umsturz.“ – Uranus ist vielleicht nicht abgeneigt, hat aber nicht das letzte Wort. Auch das ist eine sehr verzwickte Situation. Die Zeichen stehen auf Herausgehen aus dem bisherigen Milieu, hinein in neue Dimensionen, dafür hat man aber hart zu kämpfen; es kann schon sein, dass Mars – in der Nähe des Neptun-Uranus-GSP – eine schwere Wahl zu treffen hat. Deckt er alte Traumata auf, erlöst er aus der Verzauberung, hat er genügend Kraft und Energie dazu? Oder ist er schnell ausgelaugt? Ein Marathonläufer ist Mars nämlich nicht, eher ein Sprinter. („Als Tiger gestartet, als Bettvorleger gelandet“), oder, um noch einmal an den Jupiter-Mars zu erinnern – ein Achill. Das bringt nämlich zum Mond – auch der im Schützen, auch er wird nach vorne in den Widder mitgenommen. Mars und Mond stehen eindeutig in der Darstellung dieses beginnenden Zyklus, und sie stehen unter der Regie vom Skorpion. Es geht in die Tiefe, wird prinzipiell. Pluto residiert in Haus 2 – ausgefeilte Konzepte, Programme des Gemeinschaftlichen; Pluto ist die Orientierung an Leitbildern, nichts Persönliches, es sind außerpersönliche Belange, an die sich hier die Gemeinschaften binden und auch verpflichten. Der Raum und die Erscheinung sind mit Vorstellungen darüber, wie sie zu sein hätten, besetzt. Oder freundlicher ausgedrückt: ein Architekt hat die Innenausstattung bis ins letzte Detail modelliert – und das müssen Mond und Mars ausführen und darstellen. Der Mond steht für das eigenständige, einzelne Menschlein, aber auch für das „Volk“ oder die Bewohner des Heimatlichen, und machen dessen Wesen aus. Mond in Schütze liebt ein großzügiges, weites „Seelenland“, das sich groß wähnt und wehrhaft – es aber nicht ist.

In Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführevon Michael Ende (steht er bereits auf der Gender-/Rassismus-Abschuss-Liste?) kommt ein „Scheinriese“ vor. Jim und Lukas haben sich in der Wüste „Ende der Welt“ verirrt und bemerken am Horizont eine riesige Gestalt. Jim ist verängstigt; zwar folgt er dem vorangehenden Lukas, aber das mit ziemlich weichen Knien. Lukas wiederum spricht sich selber und Jim Mut zu. Als sie der Gestalt immer näher kommen, erweist sich der „Riese“ zunehmends als ein Mann von ganz normaler Größe, vor dem man sich nun überhaupt nicht zu fürchten braucht. Er stellt sich als „Herr Tur Tur“ vor. Merken wir uns: Der Scheinriese wird immer kleiner, je näher man ihm kommt. Nun gut, der Vergleich hinkt, weil es sich im einen Fall um Selbstüberschätzung und im Ende-Fall um eine Projektion der eigenen Angst (vor Größe) auf die Entgegenkommenden handelt.

Eine Projektion haben wir dennoch auch hier: Die Waage an der Spitze von Haus 2 stellt ihre Venus in den Widder ins Haus 7. Selbstabsicherung und Abgrenzung erfolgt auf denkerische und begegnungsfähige Art und Weise vor allem in der Herausforderung durch Partner und Bilder bzw. Ideen. Dem Zeitraum ist also eine begegnungsfähige Erscheinung zugewiesen, die sich in einer Art „Auswärtsspiel“ auf einem gegnerischen Feld jene Kräfte sucht, die sie dann abgrenzen, im besten Fall schützen sollen. Diese Venus, die – über Bande gespielt – natürlich die eigene Venus ist, ist über ein Quadrat mit dem Neptun in Haus 4 verbunden. Problematische Partnerschaft dies: eigentlich als Schutz gedachte Grenzen werden aufgeweicht. Das Begegnende im Außen und die Auflösungserscheinungen im seelischen Innern, im Wesenskern, d.h. in den Behausungen der Einzelnen. Waage – das ist aber auch „Gegenwart“ und Bewusstsein, Neptun die „Vergangenheit“ bzw. die Herkunft, und die Auflösung von Bewusstsein. Der Hingang zu einem Bewusstsein (im öffentlichen 7. Haus) wird irritiert durch eine Vergangenheit, die im Ordnenden (Steinbock vermag das nach Orientierung und dem Wesen der Dinge suchende Seelenleben der Heimat zu strukturieren und zu ordnen) aufsteigt. In diesem Fall sieht es aus, als wäre die Venus der rettende Anker vor dem Versinken[1]. Und jetzt kommt da die Projektion: man sieht sie in die Partner hinein, sieht nicht die Partner, wie sie sind, sondern ist in seiner Verwirrung eines klaren Gedankens und Erkennens nicht fähig. Deshalb auch Pluto in 2: Nun muss man nicht mehr denken – es gibt im Gemeinschaftlichen Denkprogramme, die das übernehmen.

Jetzt versteht sich auch das 6. Haus neu: es entsteht eine Loslösung von der Vernunft. Die seelische Ausdrucksform, mundan-politisch denke ich „die Lebensform eines Landes“ kann sich nicht aussteuern, um sich zu schützen. Moment: muss sich nicht schützen, denn es gehört sich nicht. Es ist geöffnet und „verwertet“ das Hintergründige, soweit man dieses verwerten kann. Fische ist das Zeichen des Gewährenlassens – der Hingabe: hier stellt man sich nicht in den Weg. Die Jungfrau bzw. das Haus der Jungfrau auch ein Haus der Fürsorge, des Kümmerns und Dienens am Leben – mit Fische wird dies leicht „grenzenlos“ und gerät leider dann auch aus dem Ruder. Das Selbstopfer der Kümmerer.

Und die Durchführung all dieser Vorlagen an Anlagen? – Zunächst zum Aszendenten: eine pragmatische, um- und vorsichtige Jungfrau führt das erste Haus an. Eine Jungfrau, die sich im Haus der Impulsivität mit eben genau jener gegen andere oder zunächst einmal für sich durchsetzen will – ist ein Antagonismus. Mars sagt: „Los geht’s!“ und ist schon zur Tür heraus, da packt die Jungfrau noch Jacken und Schuhe ein und schaut, dass die Tür auch ordentlich abgeschlossen wird. Für beide ist das frustrierend. Die Zurückhaltende – im wahrsten Sinne des Wortes – und der Entdecker… Nun steht Merkur im Wassermann und im 5. Haus. Wie verausgabt sich ein Merkur im Wassermann? – Geben wir ihn in die Zentrifuge … das Merkurhafte wird darin doch etwas lädiert. Im Wassermann ist dem Jungfrau-Merkur die Luft sehr dünn. Dem Zwillinge-Merkur aber ist das Fliegen nicht fremd. Er wird sofort tätig, ist Herold vom einen Zentrum zum anderen, verknüpft sich mit allen und kommuniziert in Windeseile. Diese „wireless“ Kommunikation wird zur körperlosen Ausdrucksform. Und zur Regelung – nämlich der Sonne. Merkur hat allerdings zwei Karten im Ärmel: die eine ist der GSP Venus-Pluto (auf 19°30‘ Wassermann), die andere der GSP Saturn-Pluto (20°). Auf die Gefahr hin, mich zu sehr zu verfransen – aber dies ist wichtig: Merkur macht kenntlich und verbindet. Venus-Pluto – das ist der Zusammenschluss von Selbstsicherung und Schaltzentrale oder Materielles und Immaterielles, von Körper und Geist oder „Körperschaft“ und Verband, der nach einer Vorstellung geregelt und ausgesteuert wird. Saturn-Pluto ein Zusammenschluss ohne Sinn und Verstand. Der eine übernimmt den anderen und hält ihn gefangen, der wiederum lässt sich überzeugen und lässt die Fremdherrschaft nicht nur über sich ergehen, sondern identifiziert sich mit ihr. Merkur ist getarnt „unterwegs“, wer ihn schickt, ist ebenfalls nicht klar. In geheimer Mission sozusagen ist er ein Diener Plutos. Pluto ist ihm nicht wohlgesonnen, sonst hätte er sich anders gestellt, unterstützender – aber so zieht er Strippen und zwingt in Bedingungen hinein.

Eine Wassermann-Sonne ist die Umsetzung. Diese Sonne, in der alles kulminiert, steht auf einem Saturn-Mondknoten-GSP von 23°. In diesem Zyklus wird etwas „sterben“, es wird ein Abschied anstehen. Zumindest spielt sich das Ganze in der unteren Hälfte des Horoskops ab. Das Wirkliche ist in den seelischen Quadranten „gefallen“. Vielleicht verwechseln deshalb so viele Menschen Wirklichkeit und Realität miteinander? Die Wirklichkeit ist hier, dass die Belange des Subjektiven sich nicht selbst gehören, sondern – am MC Zwillinge und damit zuständig der Merkur, und der II. Quadrant im IV. Quadranten – von einer seelisch-heimatlichen Enteignung sprechen.

Am Tag der 2. Konjunktion, einem Sonntag, verunglückte ein Airbus A320-100 der Air France in der Nähe von Habsheim, Frankreich. Den ganzen Tag über war es in Hamburg bedeckt und etwa 17-21° C warm. Um 9:11 Uhr lag die Konjunktion auf 28°48‘ rückläufig im Schützen und in Haus 4 kurz vor dem Übergang zu Haus 5. Die Sonne steht im 11. Haus – und in Opposition zu Neptun, der ebenfalls rückläufig auf einem Uranus-Pluto-GSP steht.  Pluto ist inzwischen aus dem 2. Haus ins 3. Haus „gewandert“ – er ist der Herrscher von Haus 4: Empfindsames Erfassen der unmittelbaren Umwelt – und mit Skorpion ist das ein belegtes Empfinden mit dafür umsomehr Bereitschaft zu Leiden, dieses fühlt in die Umwelt hinein und stellt sich darin auf intensive und durchdringende Weise dar.

Der Jungfrau-AC wird eine gute Verwertung einer in den Zwillingen vorliegenden Form abliefern und maßstäblich machen – das wiederum wird im Lebensausdruck einen Stau hervorrufen. Der Herrscher über die Saturn-Uranus- Konjunktion ist Jupiter in Haus 10 im Stier, Ausdrucksform ist die Vereinheitlichung in den sozialen Systemen, um die es im „Mittelbau“ geht. Allerdings ist die Durchführung nicht der Herr im eigenen Haus – es ist Pluto, der die Strippen zieht. Neptun in Haus 5 sagt aus, dass eine Art „Enteignung der Souveränität“ vorliegt. Die Ordnung in der Ausdruckszentrale ist in Frage gestellt. Von außen (aus dem 7. Haus über die Partner und Begegnungen) holt man sich die Klarheit des Denkens, aber auch die Vernebelung des Denkens in die Ordnung des Lebens. Der Neptun enthält eine Aggression. Was macht Mars in den Fischen? – Er ist grundsätzlich Pionier, und hier ist er es im Denken bzw. in der Begegnung mit und in der Bindung an die Herkunft. Fische – Vergangenheit, Bereinigung, Vergessen und Erinnern. Das kann schmerzhaft werden, besonders, wenn etwas vergessen werden muss.  Mars erjagt einen verdrängten und im Wasser gelagerten Ursprung, und auf diesem Pluto-Uranus-GSP, auf dem er steht, könnte er ins Schleudern kommen: wird er Mutant, der das abrupte Verlassen der Milieus zum Programm macht, oder er ist der Visionär und Erneuerer dessen, der Verdrängungen austreibt und daraus Utopien macht? Durch die voranstürmende, direkte Einsicht in andere Belange entsteht Begegnungsfähigkeit und Herausforderbarkeit (im Sinne der Unabhängigkeit von Vordergründigem)  – vor allem aber entsteht auch Angreifbarkeit und die Durchsetzung von Täuschbarkeit – der Widder in Haus 9 gelangt mit ins 5. Haus.

Am 26.6.1988 war man noch mitten in der „Werbung“ für ein vereinigtes Europa. Man arbeitete an einem europäischen Binnenmarkt, der für 1992 anvisiert wurde. Auch eine einheitliche Währung war im Gespräch, dazu musste ein „Planungsausschuss“ berufen werden. Es wurde damit an einer neuen Fügung „gearbeitet“ und die „Herrschaft“ im eigenen Land wird aufgelöst.

Die dritte Konjunktion wurde zum letzten Mal am Dienstag, dem 18.10.1988  (um 11:46 Uhr) exakt, auch das schauen wir uns noch an. Auf einem Stützpunkt der US-Luftwaffe im Bundesstaat Arizona wurden in Anwesenheit sowjetischer Militärbeobachter die ersten 41 im Rahmen des INF-Vertrages zur Verschrottung vorgesehenen Raketen vom Typ Cruise-Missile zerstört. Die Tageszeitung Neues Deutschland meldete, dass die DDR nach eigenen Angaben die Wurzeln für Faschismus und Antisemitismus ausgerottet habe. Ein Besuch von Helmut Kohl in Moskau bei Mikail Gorbatschow wurde vorbereitet. Sieben Tage später wurden Abkommen zum Umwelt- und Strahlenschutz, zur Kernenergie, zur Weltraumfahrt und der Landwirtschaft unterzeichnet. Saturn und Uranus sind wieder direktläufig und haben sich in Haus 1 positioniert. D.h. eine Unvereinbarkeit in den Anschauungen wie deren Vereinheitlichung wird offensichtlich und real.

Der IV. Quadrant füllt den I. Quadranten aus und dessen sämtliche Herrscherplaneten stehen in Haus 1. Auch der Herrscher von Haus 3, der die zu fügende unvereinbare Form mit Mars darin in Haus 3 kennzeichnet: eine strudelnd fließende Ausführung. Wieder ist Herrscher von 4 in 3 – als seelische Selbstdurchsetzung auf dem Kardinalpunkt eine kompromisslose Entscheidung über eine Auflösung der „alten Ordnung“.

Im Oktober geht es im Land um eine geplante Gesundheitsreform, deren Durchführung sich allerdings verzögert. Es wird von „Ausplünderung“ des Gesundheitssystems gesprochen. Bei Uranus-Saturn vertritt der Uranus meistens die „Opposition“, während der Saturn der Konservative ist. Neptun steht auf dem Feld der konservativen Kräfte und dort auf einem Uranus-Sonne-GSP. Es liegt viel Unruhe in der Sache, eine Bedrohungsahnung und -angst wird bemäntelt, vermutlich eher nicht angesprochen und aufgeklärt. Die Sache bezieht sich mit Jupiter auf das 6. Haus. Jupiter in den Zwillingen: es wird sehr viel gesprochen, kommuniziert (dargestellt) und auch an Verfahren gefügt.

Die Kinder des Jahrgangs 1988 werden im Jahr 2023 35 Jahre alt, sind in besonderem Maße vom Zyklus dieser Saturn-Uranus-Konjunktion geprägt und werden die Unvereinbarkeit von Neuem und Altem leben, wenn nicht sogar mitgestalten müssen. Ob sie die Häutung vollziehen, auch wenn sie dafür einen Elternteil „hinhängen“ müssen? Oder ein Gesellschaftsmodell?

Ein Film aus dem Jahr 1988

In the end, every reduction to physiology is a fascism of the soul.[2]

Wenn sich Uranus und Saturn ihrem „Zusammentreffen“ annähern, kann es sein, dass der eine dem anderen „sein Teufel“ wird. Es entstehen grimmige Szenarien, in denen das Neue als schrecklich, das Alte, sogar das inzwischen Überholte, als „die bessere Welt“ erscheinen. Der Pfad zwischen den zwei jähen Extremen – sofern Uranus dominiert – der Utopie (alles wird neu und besser, aber lebloser) oder der Dystopie (die Revolution zerschlägt es mit einem Schlag), ist schmal. Sofern Saturn der dominantere von beiden ist, chronifiziert sich der Prozess in einem langsamen Untergang.

Im Jahr 1976 (Jahr des abnehmenden Quadrates von Saturn und Uranus)[3]  begann der polnische Regisseur Andrzej Żuławski mit den Dreharbeiten für einen Film[4]. 1978 ließen die polnischen Behörden diese stoppen, weil Żuławski hinter der „Maske“ eines Science-Fiction-Films ihrer Einschätzung nach eine regimekritische Parabel über den Totalitarismus schüfe. (Was zu kurz gedacht war – aber eben das ist ein Kennzeichen von Totalitarismus.) Erst 1986 konnten die Arbeiten wieder aufgenommen werden, und der Film wurde im Mai 1988 bei den Filmfestspielen in Cannes vorgestellt.

„Der silberne Planet“ (Na srebrnym globie) ist der Mond, auf dessen Rückseite fünf Astronauten verschlagen werden; ihr Raumschiff havariert und sie stranden ohne Rückkehrmöglichkeit. Für sie beginnt ein Überlebenskampf, aber sie entdecken zu ihrem Überlebensglück erst einen riesigen Ozean und dann, dass die Atmosphäre in seiner Umgebung für Menschen atembar ist. Also beginnen sie ein „neues“ Leben, reproduzieren sich; auf dem Mond werden Kinder geboren, deren Lebenszyklus viel schneller als auf der Erde verläuft, weshalb binnen weniger Jahre eine eigenständige, aber primitive, von einer Schamanin angeführte Stammeskultur erwächst. Die Nachkommen nennen sich selbst Seleniten, in ihrer heidnischen Religion sind inzwischen ihre raumfahrenden Erzeuger zu mythischen Schöpferwesen verklärt. Kurz: Die Gesellschaft gleitet in schamanistische Rituale ab, Wissen wird an die folgenden Generationen nicht weitergegeben, wodurch die Menschen immer dümmer werden. Nach einem halben Jahrhundert ist nur noch ein einziger Teilnehmer der einstigen Raumfahrtmission übrig, „der alte Mann“, wie die Mondgesellschaft ihn nennt. Bevor auch er stirbt, gelingt es ihm, eine Kapsel mit seinen Aufzeichnungen zur Erde zu senden, wo, ohne dass er davon wissen könnte, sämtliches Interesse an Missionen zum Mond erloschen ist.

Wieder vergehen Jahrhunderte, bis sich auf der Erde ein Luft- und Raumfahrtforscher namens Marek mit den aufbewahrten, aber nie gesichteten Videoaufnahmen vom Mond befasst und sich auf den Weg dorthin macht. Er wird von den Mondmenschen als „Messias“ empfangen: gemäß einer Prophezeiung soll er die inzwischen  in einem strengen Kastensystem lebenden Seleniten als Heerführer gegen die Scherne in eine Schlacht führen. Scherne sind einheimische, also mondoriginäre, hochentwickelte Wesen mit Flügeln, die mit den Mondmenschen im Krieg liegen, sie versklaven und vergewaltigen. Sie gehen dabei überaus brutal vor. Marek gelingt der Sieg, aber die Mondmenschen feiern ihn nun doch nicht als ihren Befreier, sondern kreuzigen und opfern ihn. Seine Bemühungen, die Seleniten über ihren irdischen Ursprung aufzuklären und ihnen Freiheit zu ermöglichen, misslingen nicht nur gründlich, sondern die Mondgesellschaft fällt in ein brutales und bürgerkriegsähnliches Chaos. Zwei der Mondbewohner fliehen in das Raumschiff, mit dem Marek angekommen war, es gelingt ihnen, einen Modus für die automatische Rückkehr zur Erde zu aktivieren, schließlich stranden sie in der ägyptischen Wüste.

Eine Parabel auf die Natur des Menschen, die Entstehung einer Kultur und Gesellschaft, die Macht von Ideologie und Glauben, und schließlich den Untergang. Es geht um Leiden, Wahnsinn, Liebe und darum, wie Menschen unter der Last der Welt zerbrechen, die sie bewohnen. Ein pessimistischer Blick auf das Menschengeschlecht, eine pessimistische Analyse des menschlichen Charakters, seiner Schöpfung religiöser Mythen und seines unerreichbaren Wunsches nach utopischer Erlösung, der hier bei Żuławski auf das christliche Konzept zurückgeht.

„Der einzelne wurde durch das Christentum so wichtig genommen, so absolut gesetzt, dass man ihn nicht mehr opfern konnte: Aber die Gattung besteht nur durch Menschenopfer […] Die echte Menschenliebe verlangt das Opfer zum Besten der Gattung, – sie ist hart, sie ist voll Selbstüberwindung, weil sie das Menschenopfer braucht. Und diese Pseudo-Humanität, die Christentum heisst, will gerade durchsetzen, dass Niemand geopfert wird.“[5]

In Żuławskis Film und vor allem in der Geschichte seiner Entstehung (1976-1988) sehe ich die Paradoxie und Ironie der menschlichen Gesellschaft und Zivilisation, die der Regisseur in regressiver Darstellung umsetzt. Betonung auf Regression[6]. Und diese ist es, die uns tatsächlich derzeit – 2022/2023 – in unterschiedlicher Stärke als Verrohung im Miteinander, in Sprachvereinfachungen, in Verflachung der Bildung begegnet. Die Zeitspanne vom abnehmenden Quadrat zur nächsten Konjunktion: 1976 bis 1988 und 2021 bis 2032.

 

[1] Ein Charakteristikum – nennt es Christopher Bollas in seinem Buch „Wenn die Sonne zerbricht“ – von Schizophrenie sei, dass der Erkrankte Anteile seines Selbst nicht mehr in sich selbst zusammenzubringen vermag, und sie in Objekten der Außenwelt deponiert. Die Angst im Küchenmesser, die Freude in der Uhr… Zugang zu diesen Empfindungen bekommt er, indem er die Objekte aufsucht.

[2]  Aus dem Trailer zum Film „Der silberne Planet“.

[3]  Ein Vorauslesen des Kapitels III.1 – Erstes Quadrat im Jahr 1976 – ist erlaubt.

[4]  Der Film basiert auf der Mondtrilogie (geschrieben zwischen 1901 und 1911) von Jerzy Żuławski (1874-1915), einem Großonkel des Regisseurs und Science-Fiktion-Autor. Er hatte einen Geburtstag vom 14.7.1874 – und eine Saturn-Uranus-Opposition von Löwe zu Wassermann. Vertreter der Dekadenz und des Katastrophismus.

[5] Friedrich Nietzsche

[6] Ich werde in Kapitel V – Das Schütze-Zeitalter noch darauf eingehen.

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