Der folgende Text ist ein Ausschnitt aus dem sich noch in Rohfassung befindlichen Buch über die Saturn-Pluto-Zyklen.
4.2.2 – Zu den drei Rosen, zu den drei Sternen
Der berühmte französische Schriftsteller Voltaire[1] kam 1750 nach Potsdam an den Hof. Wegen Meinungsverschiedenheiten mit König Friedrich II. hielt er es nur etwa drei Jahre aus, bis er am 26. März 1753 nach dem endgültigen Zerwürfnis die Rückreise nach Frankreich antrat.
Tobias Mayer[2] stellte das Fehlen einer Mondatmosphäre fest und erarbeitete eine „Generalkarte“ des Mondes, die 1752 in Druck ging. 1751 stelle Linné die Nomenklatur für Pflanzen – die „Philosophia botanica“ – auf. In Sanssouci entstand die „Neptungrotte“ und W. v. Knobelsdorff entwarf im königlichen Auftrag die Französische Kirche, die im nächsten Jahr von Jan Boumann errichtet werden wird.
Am 29. August 1756 begann König Friedrich II. den Siebenjährigen Krieg – wieder ein „Präventivkrieg“ – gegen Österreich, Russland, Frankreich und Kursachsen. Am 28. August waren im „Lustgarten“ die Potsdamer Soldaten verabschiedet worden, die nach Sachsen abkommandiert wurden, denn der Krieg sollte am nächsten Tag mit einem Einfall in Sachsen, das mit Österreich (Maria Theresia) verbündet war, beginnen. 100.000 Preußen gegen 18.000 Sachsen. Die sächsische Armee kapitulierte am 15. September und Sachsen wurde Preußische Provinz. Am 6. Mai 1757 nahmen an der Schlacht bei Prag 127.000 Soldaten teil. Aus den Reihen der Preußen und Österreicher fielen 28.000 Soldaten. Der 7-jährige Krieg endete im Februar 1763 – Pluto war 12 Jahre nach Beginn des Zyklus bereits auf 3° Steinbock gelaufen.
Am 21.11.[3]1750 trafen sich Saturn und Pluto – was in den letzten 2000 Jahren[4] eher selten auftrat – im Zeichen Schütze auf 3°58‘ (4°). Saturns Lauf durch den Schützen dauerte bis zum 18.9.1753 (in etwa die Zeit, die Voltaire in Potsdam weilte); indem er durch den Schützen läuft, hinterlässt er maßstäblich-ernste Spuren im eher dionysischen Schützen. Das Paar Apollo und Dionysos klingt an. Oder das Paar Gesetzgebung und Rechtsprechung. Im weltoffenen Weltanschaulichen, in dem sich verschiedensten Idee vereinheitlichen, in dem alles gleich „gültig“ ist, macht Saturn den Unterschied: Er vertritt in etwa „Jedem das, was ihm bestimmt ist“, und das bedeutet: Es ist das Recht jedes Einzelnen, seine Bestimmung zu leben. Der III. Quadrant ist der „wirkende“ Urgrund, der darüber entscheidet, wie sich das Leben für das Subjekt im II. Quadranten ausfällt. Wer an der Grenze vom IV. zum III. Quadranten seine Bestimmung hinter sich lässt und meint „alles zu können“ oder sich in eine Rolle hineinhofft, die er sich zum Vorbild genommen hat, ist im 5. Haus nicht „er“ selbst. Ich schaue das im Fügungsrhythmus, bei dem über die Grenze des 7./6. Hauses das Geistige und die je eigene Gestalt (mit dem, was außerdem von außen herantritt) in den Vorraum des Lebens als seinen Umstand tritt. Kommt im 7. Haus nicht die als ins Leben zu bringende bestimmte Gestalt an, entsteht zwar Leben, aber es muss sich fremdbestimmen lassen. – Saturn in Schütze gewährleistet, sofern er akzeptiert wird, dass die eigene Bestimmung gute Chancen hat, ins Leben getragen zu werden. – Hier deutet sich erneut Christopherus an. „Das Schwere annehmen, und das Leichte ernten“. Oder auch: Mit Saturn im Schützen garantiert Saturn geradezu das Recht auf eigenes, autonomes Leben. In diesen Zeitraum von ca. 2,5 bis drei Jahren, die Saturn für jedes Zeichen braucht, werden auch Gesetzesaufgaben in den Bereichen der Höheren Bildung, der Großen Reisen, werden Traditionen gepflegt und das Justizwesen gesetzeskonform. Die Polizei als Exekutive der Gesetze ist hier zu suchen.
Und nun Pluto im Schützen. Gehen wir vom Phänomensrhythmus aus, dann tritt er aus dem Skorpion in das Zeichen, das auf ihn folgt und bleibt an die 12 Jahre darin. 1762 verließ Pluto den Schützen wieder. Nehmen wir dieses Bild: Hades verlässt seine Unterwelt, in der er die Aufgaben der Hütung und Prüfung der Erfahrungen übernommen hat, und besucht Zeus-Jupiters Reich. Es muss nicht unbedingt auf dem Olymp sein, vielleicht ist es auf der Insel Kreta. Während Apollon-Saturn am Tor in die Unzeitlichkeit stehen, ist Skorpion das Durchgangsgebiet zur Gegenwart – er prüft und entscheidet, wer passieren darf – in Richtung Waage und 7. Haus. In entgegengesetzter Richtung reicht Hades die aus der Gegenwart ins Totenreich gelangten Seele nach eingehender Prüfung an den Vorhimmel weiter. Der IV. Quadrant wird im griechisch-mythologischen Sinn von Kronos/Saturn, Uranus und Neptun bewohnt. Davon ist Neptun im Zeichen Fische der Ur-Gott, wie es auch im christlichen Sinne Gott ist – das Zeichen Fische – und Saturn der Sohn Gottes.
Also, Hades, Gott der Unterwelt begibt sich in Zeus-Jupiters Vorhimmel. Wenn die beiden sich treffen, werden die Seelen der Gegenwartverlorenen vor den Richter geführt, hier entscheidet sich, wer den „Himmel“ betreten darf. Himmel ist dabei die Befreiung von der irdischen Abhängigkeit von den Bedingungen und Umständen des Endlich- und Sterblichseins.

Pluto im Schützen steuert zur „Einsicht in außerpersönliche Belange und Funktionen“ „Schatten“ bei, das zu Läuternde, das möglicherweise Ausgelassene, Unvollständige. Um „weiter“ zu kommen, müssen Vorstellungen und falsche, fixe Ideen zurückgelassen werden – um frei und bereit zu werden für das wirklich Eigene. Das Tor von Apollon ist das in die dreiteilige Rückbesinnung. Im Phänomensrhythmus beginnt im IV. Quadranten das „Nachhausekommen der Seele“, wie übrigens im Fügungsrhythmus mit Übertritt über den IC die Vorbereitung auf das Verlassen des Körpers.In der vorseitigen Grafik hatte ich das von links nach rechts dargestellt – man könnte die Elemente auch so herum anordnen:
Von rechts nach links zu lesen habe ich versucht, die beiden „Denkmodelle“ zusammenzuschauen. Diese Darstellung berücksichtigt, dass wir vom 8. Haus ausgehen und in Richtung IV. Quadranten auf der linken Seite gehen.
Und was ist, wenn Saturn und Pluto zusammen im Schützen stehen? – Sie besetzen den Schützen und lassen uns fragen: Wo steht Jupiter? Sein Gericht, sein Ressort, wird von zwei Seiten zum Schauplatz gemacht.
Hier haben wir am Tag der exakten Konjunktion einen Stier-AC auf 2°49‘ auf Berlin, mit einer Venus im 7. Haus. Ein Materielles und eine Selbstsicherung vergeistigen sich in der Bindung an das Denken. Aus der Waage (parallel aus Haus 6) werden ins Subjektive eingedrungene außerpersönliche Bilder zur inneren Ausbalancierung in die Öffentlichkeit zurückgestellt, aufgeladen nun mit einer Energie, die sich aus dem Indirekten nährt (Mars aus dem Widder in Haus 12).
Es ist ein „volles“ 7. Haus mit Merkur, Sonne, Saturn und Pluto darin, und das im Rahmen des Skorpion. Die Vorgegenwart in der Gegenwart, die (noch) nicht frei gegebene Gestalt im Bewusstsein. Haus 8 ist vom Schützen umarmt, Haus 9 von ihm angeführt, Jupiter im Widder in 12. Es wird Gericht gesessen, und der Richter spielt nicht mit. Die Leitidee einer Bestimmung (die nicht die Bestimmung selbst ist) gelangt in die Gegenwart und wird von einer Sonne, die Pluto untersteht, durchgeführt.
Mars, wie gesagt, aus dem 12. Haus entsprungen, ist jupiterhaltig aufgerüstet, und Jupiter wiederum hat den Weg aus Haus 8 und 9 ins 12. Haus gewählt: Einsichten, Anschauungen werden erst von Abhängigkeiten befreit, und dann mit vergrößerter Energie und mit erneuerter Anschauungskraft in die Umstände gesetzt. Mars ist mit Berechtigung von „höchster“ Stelle, mit göttlicher Legitimation Lebensumstände aufzudecken und durchzusetzen.
Neptun steht zu beiden (die auf einem Leitstrahl stehen) im Quadrat – und das am Übergang in ein neues Zeichen – nämlich aus dem Krebs in den Löwen. Wenn Neptun im Lebensraum aufgeht, erhält die Wahrheit einen Platz im Dasein. Neptun an der Spitze zu Haus 5 wirkt ins 5. hinein. Folgendes Bild: Verdunkelung mit Saturn-Pluto im Schützen, dann ein „herausgedrückter“ Jupiter (Tolerant und Vielfalt, Einsicht), der in geheimer Mission erst abtaucht, und doch Kontakt hält: lichtbringend z.T. in austreiberischer und vielleicht brachialer Weise, z.T. in einer opfervollen Rolle mit der Wahrheit identifiziert.
Die meisten Freimaurerlogen in deutschen Landen wurden während der Hochphase der Aufklärung im 18. Jahrhundert gegründet, insbesondere in der zweiten Hälfte. Von England – Gründung der ersten Großloge 1717 in London (United Grand Lodge of England) – ausgehend verbreitete sich die Bewegung rasant, mit ersten Logengründungen in Deutschland ab 1737 (Hamburg) und Etablierung großer Mutterlogen wie der „Zu den drei Weltkugeln“ (1740 in Berlin) und einer starken Ausbreitung um 1770–1780. Bereits bis 1754 gab es in Deutschland 19 Logen.[5]
Der Hauptzuwachs fällt damit in genau den Zeitraum des Saturn-Pluto-in-Schütze-Zyklus von 1750 bis 1782. Die Hauptziele von Freimaurerlogen lassen sich als das Streben nach persönlicher Vervollkommnung („Arbeit am rauhen Stein“), ethischem Handeln (Humanismus) und Brüderlichkeit (geschützter Raum für den Austausch zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Weltanschauungen und Religionen) zusammenfassen. Ihr Kernzweck ist nicht vorrangig politisch oder religiös (erhebt auch den Anspruch, nicht dogmatisch zu sein), sondern auf die Entwicklung des Individuums und dessen Wirkung auf die Gesellschaft ausgerichtet. Wahrheit und Erkenntnis strömen aus dem Indirekten: Die Arbeit erfolgt in geschlossenen Räumen (Tempel) unter Verwendung von Symbolen aus dem Bauhandwerk (z. B. Winkel und Zirkel), um moralische Lehren zu vermitteln. Die inhaltliche Arbeit in den Ritualen ist vertraulich, was den geschützten Raum für persönliche Entwicklung fördert. Stichwort: Verschwiegenheit.
Zwischen Mars (aus Widder, 1. Zeichen im I. Quadranten), Jupiter (aus Schütze, 1. Zeichen im III. Quadrant – im Fügungsweg) und Neptun (aus Fische, 1. Zeichen im IV. Quadranten) ergibt sich ein Dreieck. Mond – hier in der Jungfrau und in Haus 6 – aus dem Krebs (am IC) als 1. Zeichen des II. Quadranten steht wiederum in Verbindung zu Saturn-Pluto, als Quadrat: er wird „geschliffen“. Das Dreieck ist ein zentrales Symbol in der Freimaurerei. In vielen Emblemen umschließt es das Auge der Vorsehung (Gottesauge), was auf die Trias, den Baumeister aller Welten oder die Zahl Drei (Weisheit, Schönheit, Stärke) verweist. Es steht für Harmonie, Geist und die Verbindung zwischen Mensch und dem Göttlichen. Das Dreieck wird auch mit dem Feuer, der aufklärenden Wissenschaft und der Verbindung von Körper, Seele und Geist assoziiert. Das Freimaurertum – das ist eine Signatur der Jupiter-Neptun-Konstellation.
Das Zeitalter der Aufklärung ist auch gleichzeitig das Zeitalter der Geheimbünde. 1786 endete am 27.3. der Saturn-Pluto-Zyklus im Schützen und Wassermann wurde Beherberger der Konjunktion. 1789 waren die Geheimbünde allerdings weitgehend wieder verschwunden.
Sieben Jahre zuvor – 1782 – als Pluto den Schützen wieder verließ, hatte Adam Weishaupt[6] seine zentrale theoretische Schrift geschrieben, die sich an in den Illuminatenbund[7] aufzunehmende Mitglieder richtete. Sie sah eine Abschaffung von Fürsten und Staaten vor. Dies aber nicht durch eine Revolution, sondern durch die sittliche Erziehung der im Staat Verantwortlichen, mit der man meinte, die durch und durch verdorbene europäische Gesellschaft transformieren zu sollen. Die Illuminaten unterwanderten auch viele Freimaurerlogen, die sie als legitime „Tarnorganisationen“ benutzten und in denen sie Mitglieder warben; der Orden profitierte von der Spaltung der Freimaurerei in den frühen 1780er Jahren und gewann dort viele Mitglieder. Insbesondere der als despotisch bezeichnete Weishaupt soll von esoterischen, religiösen und gefühlsmäßigen Elementen wenig gehalten haben, wiewohl er gleichzeitig das Christentum durchaus als „Geheimgesellschaft“ ansah; vermutlich, weil er auf neue Mitglieder schielte, die er aus den Freimaurerorden zu sich locken wollte.[8]
Die Illuminaten kapselten sich von der „verderbten Gesellschaft“ ab und übten in einem streng geheimen und privaten Freiraum die bessere Gesellschaft, die sie in der breiteren Wirklichkeit vermissten. Sie schufen eine Ersatzreligion, in der die „Erleuchtung“ eine große Rolle spielte.
Diese Erleuchtung – und jetzt tritt Jupiter auf den Plan (zusammen mit Uranus in Krebs und später Löwe) als „Inthronisierung des Individuums“ in der Selbstverwirklichung ohne Umweg über einen Gott. Geschaffen werden soll auch ein Ersatzstaat: einer, aus dem die Missstände des absolutistischen Staates eliminiert wurden. Soziale Ungleichheit, die starren Standesgrenzen, die Ossifizierung der gesellschaftlichen Institutionen Staat, Kirche, Wissenschaft: Das alles sollte im Orden überwunden werden. Aber wichtiger noch: Diese Überwindung sollte langsam und unmerklich auch die größere gesellschaftliche Wirklichkeit verwandeln. Pluto im Wassermann spricht hier.
Über die Freimaurerlogen würden die Illuminaten – so Weishaupts Anliegen – die höchsten Ränge der verschiedenen deutschen Staaten infiltrieren, indem sie deren Regenten Berater zur Seite stellten, die die Regierung in eine aufklärerische Richtung lenken sollten. Hätten die Massen erst ihr eigenes Potenzial zur Selbstverwirklichung entdeckt, prophezeite Weishaupt, würden „Fürsten und Nationen friedlich vom Erdboden verschwinden, werde die Menschheit eine Familie und die Welt ein Hafen aus vernünftigen Menschen“ sein. Klingt nicht unbekannt.
Weimar wurde und blieb ein Epizentrum der „Bereinigungsideologie“ der Orden und Geheimbünde.
Im Buch folgt nun ein nächstes Horoskop: die Gründung des Anna Amalia zu den drei Rosen-Ordens.
[1] François-Marie Arouet, geboren am 21. November 1694 in Paris; gestorben am 30. Mai 1778.
[2] Geboren am 17. Februar 1723 in Marbach am Neckar; gestorben am 20. Februar 1762
[3] Geburtstag Voltaires
[4] Im Jahr 280 auf 17°, im Jahr 1015 auf 13° Schütze.
[5] Eine weitere große Verbreitung erreichte die Freimaurerei in Deutschland Anfang der 1930er Jahre, bevor sie durch das NS-Regime 1935 verboten wurde.
[6] geboren am 6. Februar 1748 in Ingolstadt
[7] Den Illuminatenorden, dem er ab 1783 als „Abaris“ angehörte, wusste Johann Wolfgang v. Goethe für sich zu nutzen. Die Netzwerke des Ordens halfen ihm bei der Italienreise, was nicht ganz ungefährlich war, denn in Rom, anders als in Neapel, waren Freimaurer aufgrund der päpstlichen Inquisition gefährdet. Ab 1785 wurde der Orden dann auch im deutschen Reich verfolgt. Eine literarische Verarbeitung der freimaurischen Kontakte in Italien findet sich im „Wilhelm Meister“.
[8] Geschrieben hatte ich darüber bereits in „Der Verlust des Mythos“, u.a. in Hinblick auf J.W. v. Goethe, S. 170-174



