Über das Thema Angst habe ich verschiedentlich geschrieben. U.a. hier. Aus aktuellem Anlass jetzt nochmals und diesmal mit einigen Ausschnitten aus dem Buch „Der Ernst der Kinder“ von 2022.
Vorausgeschickt und Einführung
Wenn die Kinder unerzogen
Schon der Vater hat gedroht
Der schwarze Mann, er wird dich holen
Wenn du nicht folgst meinem Gebot
Und das glauben wir bis heute
So in Angst sind Land und Leute
Etwas Schlimmes wird geschehen
Das Böse kommt, wird nicht mehr gehen
Und die Furcht wächst in die Nacht
Tür und Tore sind bewacht
Die Rücken nass, die Hände klamm
Alle haben Angst vorm schwarzen Mann
In Dunkelheit schleicht er heran
Bist du nicht brav, fasst er dich an
Traue keinem Fremden dann
So viel Albtraum, so viel Wahn
Und so glauben wir bis heute
Schwer bewaffnet ist die Meute
Ach, sie können es nicht lassen
Schreien Feuer in die Gassen
Und die Furcht wächst in die Nacht
Gar kein Auge zugemacht
Der Rücken nass, die Hände klamm
Alle haben Angst vorm schwarzen Mann
Wer hat Angst vorm schwarzen Mann
Wer hat Angst vorm schwarzen Mann
Wer hat Angst vorm schwarzen Mann
Wer hat Angst
Und die Furcht wächst in die Nacht
Gar kein Auge zugemacht
Die Rücken nass, die Hände klamm
Alle haben Angst
Schwarzer Mann
Schwarzer Mann
Quelle: Musixmatch – Songwriter: Richard Kruspe / Till Lindemann / Doktor Christian Lorenz / Paul Landers / Christoph Doom Schneider / Oliver Riedel
Songtext von Angst © Discoton Musik Ed. GmbH, Rammstein Musikverlag
Der „Schwarze Mann“ – jeder kennt ihn. Hat jemand noch nie einen Albtraum gehabt, ist er ihm nie „erschienen“? – In den Träumen ist er meistens gesichtslos, ein Schemen, kann ein Mann sein oder eine Frau – der Schatten hat kein Geschlecht, oder beide. Den Schatten nenne ich mit steigendem Alter auch schon mal „das Tier, das man gezähmt hat“. Die Zähmung dieses inneren Tieres ist die Lebensaufgabe eines jeden, die ihn in unterschiedlichen Graden frei werden lässt. Im Horoskop könnten wir da ein Dreigespann ausmachen: Pluto, Lilith und Chiron, mehr braucht es an Ingredenzien nicht. Doch, vielleicht noch Mars – aber dann wird es schon wieder zu voll. Oder wir schauen uns dies hier an.
Zur astrologischen Einlesung[4] folgende Ideen und Kategorien vorab
| Mond-Saturn[1], Mond-Uranus[2], Mond-Merkur[3], Mond-Jupiter[5] |

Da wir nun im astrologischen Beschreibungsrahmen angekommen sind, seien hier die Vorder-, Rückseiten und Diagonalen angegeben. In den Engrammen haben wir es immer mit einem Komplex an Konstellationen, wie eben auch an Irritationen oder Störungen zu tun – was die Betrachtung genauer, aber nicht einfacher macht (es gibt allerdings noch mehr Engramme als nur die gezeigten vier), s. i. Kasten rechts.
Wenn es zu Symptomen einer Konstellation z.B. in Angst kommt, dann sind in jedem Engramm mindestens vier Beteiligte anzuschauen und wie folgt zu lesen:
- Der dem Depressiven zugeneigte Mond-Saturn-Typ (oder auch Saturn-Sonne oder Saturn-Jungfrau-Merkur) ist in anderer Weise als der leicht paranoide (wenn noch Pluto mitspielt) Gespaltene deformiert. Wo der eine seine Schwäche abspaltet und in die Außenwelt verlagert, stattdessen die Hälfte der Stärke zum Ganzen erklärt, geht der Saturn-Typ im Altruismus auf. Doch der Verrat an sich selbst lässt ihn nicht eintreten in die Welt. Er steht vor der Tür, von sich selbst isoliert, unbehaglich, ungeborgen. Das Leben geht an ihm vorbei, weshalb er ungemein „bedürftig“ ist: er braucht Anerkennung, und um sie zu bekommen, gibt er noch mehr von sich. Das Engramm des ungeborenen Lebens hat als Erscheinungsseite den Merkur-Mond, es ist hier der Merkur aus dem Zwilling, der den Saturn ersetzt. Weil er nicht aus sich selbst lebt, kann er das Allein-Sein nicht ertragen, braucht es nachgerade, gebraucht zu werden und lässt sich auf die Spiegelung ein. Es gibt ihn nur in der Reflektion eines anderen.
Die Angst ist neben der Angst zur Selbstwerdung die des Verlassen-Werdens: Nur, wenn er ein Niemand ist, lassen ihn die Anderen in ihrer Mitte. Oder – das ist seine Schlussfolgerung aus etwaigen Disharmonien in Familie oder Gruppe – er hält sie zusammen. Das Kaspern gehört zur Kategorie des Narren-Humors, kann in seiner zu oft angewandten Ausprägung anstrengend und störend wirken, da doch die Person nicht erkennt, wann sie aufhören muss. Will der Depressive aus seiner Deformation heraus, kann man ihm aufzeigen, dass er mit Merkur-Jupiter einen sachlichen Blick auf die Belange und die Funktionen der Außenwelt werfen kann und gleichzeitig die Fähigkeit hat, sehr wohl die eigenen Bedürfnisse zu vertreten. Hier wie in den anderen Fällen ist natürlich das Verhaltenszeichen (Sonne in welchem Tierkreiszeichen?) ausschlaggebend für die Umsetzung. - Nehmen wir den schizoiden Menschen, den ich im Engramm des vereinnahmten Lebens Der Mensch dieses Typs will gerade nicht vereinnahmt sein, und ist es doch. Bei zu viel Nähe zu einem anderen Menschen fürchtet er den Selbstverlust. Die Diagonale Uranus-Mond zeigt einerseits „den Auftrag der Mutter“ an und als „Entfernung von der Mutter“ den Weg der Loslösung aus der Angst. Der schizoide Typ entzieht sich einem Zuviel an Realität, die er – nicht ganz zu Unrecht – als Individualität- und Dasein fressend erleidet. Die Angst bzw. die Störung liegt in der unteren Reihe im Venus-Mond (Stier zu Krebs): das Kollektiv verheißt Sicherheit, doch in der Sicherheit wird die Individualität zweitrangig.
Die obere Reihe Uranus-Jupiter sagt: die Phase der Bestimmung (Saturn) ist ausgelassen, sie muss nachgeholt werden. Ohne die eigene Bestimmung bleibt man gesichtsloses Mitglied im Sozialen und fremdbestimmt. Daran kann dieser Mensch schwer erkranken. Er spaltet ab, ist ohne Zugang zu seinem Ursprung (Sprung von Neptun zu Uranus) nicht zur Ausführung seiner zu ihm gehörigen Form/Erscheinung fähig, stattdessen auf soziale Formen angewiesen. Seine Realität ist das Ausführen der Formen des Kollektivs als Vorgang, er leugnet seine Zeitlich- und Geschlechtlichkeit in einem Habitus der Überheblichkeit und verbleibt im Skeptizismus und Versachlichung.
Eine weitere Ausprägung der Abspaltung ist, dass die Angst abgespaltet, so dass die Person „angstlos“ werden kann. Ein Mensch, der sich als absolut setzt, nimmt sich selbst sehr ernst.
Auch der Schizoide erfährt Kälte (wie der Mond-Saturn, der als Winter-Kind oder „Novemberkatze“ ungeborgen ist); die Zurückgezogenheit des schizoiden Typs mit der Herzenskälte steckt auch in Rückerts Zeilen „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ (Gustav Mahler – Mond-Quadrat Uranus – komponierte die Musik) oder hört sich in Maurice Ravels[6] Musik.
Er entwickelt die Neurose der Unberührbarkeit, den nichts wirklich angeht. Das Humor-Ventil wäre hier: betrachte das Kollektiv von außen und aus der Vogelperspektive. Persifliere es und das Soziale; es entstünde intellektueller Witz über die körperlichen Niederungen bei Absehen-Können von sich selbst. Mit dieser Haltung muss er das Eigene nicht mehr auf die Umwelt projizieren. Doch Schizoide im ungelösten Zustand tun sich schwer mit Humor. Gerade Selbst-Infrage-Stellung ist sehr schwierig für sie. Sehr schnell fallen sie in den Zustand des Beschämt-Seins, fühlen sich gedemütigt, ziehen sich auf den Posten ihrer Stärke zurück. Über andere zu lachen, fällt ihnen leichter, und davon brauchen sie mehr. Mond-Uranus beinhaltet als Schott den Mond-Jupiter[7], über den ich im übernächsten Punkt noch von weiterer Warte aus schreibe. - Im Engramm der gegenwartslosen Fügung bilden Mond und Merkur die untere Reihe, das entspräche der Störung – als Erscheinung und Symptom die „Angst“ selbst. Die obere Reihe beschreibt den Grund für die Störung (das Zeugende der Störung) und ist der Ausgangspunkt für die Lösung: Jupiter-Venus. Die Fügung der Bestimmung der Person (als Anschauung, als Gefüge ihrer Lebenswelt) und das Bewusstsein/das Begegnende treffen ohne Zwischenstufe der Prüfung (Pluto/Skorpion) durch die Erfahrung, unter Umgehung der zugehörigen Struktur aufeinander. An die Gegenwart wird „Unfug“ im Sinne von „nicht der Bestimmung gemäß und ungeprüft“ geliefert. Der Jungfrau-Merkur empfängt grundsätzlich dieses „Wirkliche“, das ihm Veränderung „abverlangt“, empfängt hier speziell aus dem III. Quadranten aber Versehrtes, welches das Empfinden nicht orientieren kann, sondern im Sinne seines Lebens falsch ausrichtet. Die Person ist nicht aus sich selbst orientiert und muss sich an Normen der Umwelt anpassen. Dies tut sie in aller Neutralität und Sachlichkeit, aber es bleibt „Bitterkeit“. Die Endblockade führt zum Verlust der Gegenwart als eigenes Leben: Man ist „Zitat des Staates/der Institutionen“ – die Angst bezieht sich darauf, dass einem auch von dort die Existenzberechtigung entzogen wird.
Es entsteht formalistische, geregelt-sachliche Skepsis, die zu überkorrektem Verhalten neigt, Gefahr läuft (mit Pluto-Sonne als Lücke: es fehlt der Fluss des Lebens) eine Störung zu entwickeln, zwanghaft zu werden. Die Diagonalen auch hier das Entscheidende, der Vorgang der Lösung in ihnen: Mond-Venus (Krebs zu Waage) und Jupiter-Merkur (Schütze zu Jungfrau). Entweder, er schafft es selbst, zu einer entsprechenden Art von Humor zu finden, oder man müsste ihn ihm nahelegen. Merkur-Jupiter hat einen trockenen, leicht satirisch-zweckoptimistischen Blick auf die Welt und auf sich selbst, im Verhältnis zu einer Frauen-/Mutterwelt, die er aus einem mehr traditionellen denn modernen Blickwinkel aus betrachtet.[8] - Was der Depressive zu wenig hat (bei ihm steht Mangel im Vordergrund) ist bei der Grundgestimmtheit des hysterischen Typs das Zuviel. Mond-Jupiter ist ein Schott und Bestandteil einiger Engramme, als Ausgangspunkt für eine schwere Psychose oder als Endpunkt einer Bestimmungslosigkeit und damit Persönlichkeitsirritation. Was ist die Angst eines Mond-Jupiter-Menschen? – Dass er einmal bedeutungslos wird? Dass er einmal zum Stillstand kommt und sich festlegen muss oder einem anderen in der Mitte des Raumes Platz machen muss? – Jupiter-Menschen in Relation zu Planeten des II. Quadranten sind charismatisch und anstrengend zugleich, denn – wenn sie in die Nähe einer Störung kommen – inszenieren sie sich im Guten wie im Leiden. Selbstironie und Abstand zu sich selbst wird ihnen kaum gelingen. Die Frustrationstoleranz ist gering, sie sind – anders als der depressive Typ – hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt und wenig in der Lage, sich auf die Bedürfnisse anderer Menschen einzustellen. Und obwohl sie sehr mit sich selbst beschäftigt sind, sich um ihren Bauchnabel drehen, sind sie erstaunlich unkontrolliert, was die Beweggründe ihres Handelns angeht. Sie schwelgen – sofern sich eine Störung verfestigt hat – in unechten Gefühlen und bemerken deren Banalität nicht. Histrionische Persönlichkeiten – wie man sie heute nennt – müssen keinen Humor haben – sie sind immer unterhaltsam, wenn sie sich inszenieren können. Um eine Parodie auf jemanden zu spielen, bedarf es keines Humors, wohl aber eines Gespürs für Theatralik[9].
Die verschiedenen Ängste (S. 105-106)
Angst entsteht, wenn die Unvollständigkeit ausgeschlossen und der Schmerz abgelehnt wird. An dieser Stelle greife ich Angstformen auf, die wir im Alltag der Münchner Rhythmenlehre häufig hören. Hier die inhaltlichen Vorgänge von Angst vom Unterbewussten als Plausibilität eingesetzt, die Literaturangaben beziehen sich auf Werke von Wolfgang Döbvereiner.
| Revierangst | Bei dieser Angst handelt es sich um eine „Schwächung“ der Belange von Stier und 2. Haus. Neptun, Uranus, Saturn in Haus 2 oder im Stier stellen die Selbstsicherung in Frage. Im Kollektiv/Verband sowie im Sozialen ist man dort angetroffenen Konkurrenten unterlegen und wird „rausgebissen“. Hält man sich mit entsprechend nicht geeigneten Anlagen in einem solchen Revier auf, wird man angefeindet. Die Revierangst ist eine Angst gegen andere (geistige) Seinsweisen (Mentalität). Revierangst bedeutet: schwaches EGO.[10] Wer Revierangst hat, kriegt keinen Krebs. |
| Existenzangst | Diese Angst ist ursprünglich eine Revierangst; Revierunsicherheit in Kombination mit Planeten des II. Quadranten stellen die Existenz, d.h. die Selbständigkeit im I. Quadranten als Erscheinung und „Ausübung der Erscheinung in Frage.[11] |
| Lebensangst |
Lebensangst ist der Bezug der Planeten des IV. Quadranten zum II, insbesondere Neptun zu Haus 5, Sonne. Lebensangst verspürt der, wer seine Eigenart bzw. Identität nicht leben darf und kann, ohne sich zu gefährden. Wer Lebensangst hat, bekommt Krebs. Das Krebsgeschehen erfasst die Identitätslosen, die bewusst in der Anpassung einer näheren oder weiteren Herde bleiben, in die sie nicht hineingehören.[12] Auch Saturn-Mond als Heraustreten aus der Subjektivität (des 4. Hauses) löst Angst aus: Angst vor dem „Einbruch“ des Wirklichen. Verbleiben im vorgeburtlichen Zustand. |
| Versäumnisangst (auch: Zukunftsangst) | Die Versäumnisangst entsteht unter Saturn-Merkur als Angst, in der der Mensch in der für die Entwicklung (zur Gestaltwandlung) notwendigen Isolation meint, seine Leben sei zuende. Die jeweilige Gegenwart wird als endgültig angesehen. Wer die Versäumnisangst umgehen und vermeiden will, indem er sich aus der Isolation heraus“entscheidet“, verpasst seine Entwicklung.[13] |
| Eifersucht | Auch die Eifersucht ist eine Angst – die Pluto-Angst des Mondes: eine rudimentäre Angst vor der Geschlechtsunterlegenheit. |
| Geschlechtsangst | Geschlechtsangst ist im Verhältnis von 4. Haus zu Neptun niedergelegt: sie entsteht in der Erfahrung der Geschlechtsunterlegenheit in Konkurrenzsituationen. Ausgangspunkt ist, dass der Vater oder die Mutter für das Kind jeweils erste gegengeschlechtliche Bezugspersonen darstellen. Das Kind, das sich der Eifersucht des gleichgeschlechtlichen Elternteils ausgesetzt erfährt, muss seine Identität tarnen und ein Arrangement der Unterwerfung eingehen.[14] |
| Ursprungsangst | Mond-Uranus: Empfängnis- (bei Frauen) und Zeugungsangst (bei Männern)[15]. Die Mutter (selbst „malträtiert“) stellt dem Kind einen Auftrag zur Verfügung; dieser Auftrag ist zu erfüllen. Das Kind ist in seinem Ursprung verdrängt. |
| Angst vor der Herrschaft der Mütter | Im Sonne-Uranus ist das Leben durch das Mütterliche bedroht: die vorgeburtliche Erfahrung der Lebensgefährdung z.B. durch Abtreibung oder Unfall. (Erhält Erscheinung in den Pferdeschwänzen bei Männern.) |
Ein Horoskop
Also unser Schatten – die Angst. Es gibt eine ganze Reihe von in den Jahren 1998-2003 geborenen Menschen bei der sog. „Letzten Generation“, aber auch bei „Fridays for Future“… Die Kinder sind „stellvertretend“ unterwegs. Wer Daten mit genauen Uhrzeiten ausfindig macht, kann mir diese gerne schicken, damit ich die „Angst-Thematik“ ergänzen kann. Auffallend häufig finde ich einen Mond im Steinbock. – Wie gesagt – Mond-Saturn ist eine der Urängste
Diese junge Frau hat eine Widder-Sonne (Geburtszeit unbekannt, deshalb steht die Sonne am MC als Tagessonne). – Ein offener, frisch loslaufender Widder, der immer schon Neues entdeckt, wenn andere Zeichen noch „nachdenken“. Er ist selbstdurchsetzerisch, zwar nicht stur, aber schon mit einem starken Willen ausgerüstet. „Feuerkinder“ können früh bereits „Ich“ sagen: sie spüren die Wunderwirkung des Wortes, und dass es Türen öffnet. Mars im Schützen verstärkt das „Feuerkind“ – mit ungerichteter Energie sucht es einen/seinen/jedweden Sinn – Schütze legt sich nicht fest. Hier ist viel Bewegung und Instabilität, die genau dann sehr groß wird, wenn Bewegung nicht möglich ist. Der Widder-Sonne, die sich auf die Belange der „Funktionen der Anderen“ bezieht, steht ein Mond im Saturn im Quadrat in der „Quere“. Dominantem Durchsetzungsverhalten wird eine ganz andere Kraft im Innen entgegengesetzt. Und da das Kind dies wird in den ersten Entwicklungsjahren nicht leben können, bedarf es einer anderen Person, die den Steinbock-Part übernimmt und dem Mond einen Rahmen gibt. Mond-Saturn: Die Strenge steht über dem Bedürfnis nach Geborgenheit, oder auch der Wunsch nach absoluter Identität – später wird man sie vielleicht finden, mitten in der Höheren Ordnung, mit sich zufrieden und gewahr, dass Bedürfnisse und Wünsche einem Größeren zu unterstellen sind. Aber für das Kind ist das nicht begreifbar und kann auch nicht „ausgesprochen“ werden. Es fühlt sich im Besitz von etwas –
Aus dem Steinbock wird Saturn noch ganz knapp in den Stier gestellt: die Gesetzmäßigkeiten, die über das Subjektive weit hinausgehen, sind wiederum im Gemeinschaftlichen „eingesetzt“ – Saturn-Venus: Finde deine Eigenständigkeit im Kollektiv (was schwierig genug ist!) – oder integriere dich bei Aufgabe der Eigenständigkeit. Diese (im Mond) ist aber bereits ohnehin von einer anderen Person aufgenommen. Das Kind hat nun einen sehr großen Konflikt, denn es ist hilfsbedürftig und ausgeliefert. Es ist auf die Unterstützung von Saturn angewiesen, um sein Widder-Sein herausdrücken zu können. Je mehr es sein Widder-Sein lebt, desto eher wird es auch die Zügel spüren lernen, die es zurückhalten – und wiederum gegen diese angehen wollen. Infolgedessen liegt noch zusätzlich ein Quadrat von Saturn zu Uranus im Wassermann vor: Das Unvereinbare schreit nach einer „formalen Harmonie“, will das Leben sich erhalten, wird es Kompromisse eingehen (müssen) – im seelischen Gehorsam zur Einvernahme. Wie mehrfach bemerkt: Mond-Saturn legt nahe, dass hier das Kind Besitz der Mutter ist, von ihr nicht losgelassen wird.
Das Pendant – die Rückseite – zum Mond ist Jupiter, und der hat von den Zwillingen in den Schützen hinein ein Quadrat zu Pluto. Wiederum ergibt sich da eine Jupiter-Sonne-Beziehung. Jupiter-Pluto als „Lösungsweg“ im Engramm der Fertigung des Unvollständigen mit dem Hineingeboren-Sein in einen Clan. Er kennzeichnet die Rückseite von Sonne-Mond, bei dem das Empfinden und das Erschaffen/Erleben im Missverhältnis zueinander stehen. Das „Vater“-Prinzip (im Löwen) muss aus dem „Kind“ (im Krebs) hervorgehen; sofern das Kind verletzt oder verdrängt ist, kann es das Vaterprinzip in sich nicht entstehen lassen. Es wird nicht aus sich heraus (aus den inneren Bildern der je eigenen Gestalt) orientiert. Ebenfalls problematisch wirksam ist Mond-Pluto als in der Vorstellungswelt der Mütter verbleibend und damit von fremdem Leben besetzt. Im Mond-Pluto wird die Leidenschaftlichkeit der Gefühle (Drang ins Illegitime und die Heimlichkeit) die Ausstiegsluke, durch die man hindurch muss, um zum Positiven der Konstellation zu gelangen. Nur über die Verhinderung kommt man zum gut gefügten Reich.
Ebenfalls als Diagonale ergibt sich Jupiter-Sonne – die Mutter glaubt, ihre „große Liebe“ verloren und einen Mann zweiter Wahl geheiratet zu haben. Das Kind ist in der Rolle der Entschädigung für die Mutter und ihre Lebensrechtfertigung, und damit aus sich selbst vertrieben.
Der gesamte IV. Quadrant ist ausgefallen. Die Schotts finden sich im Jupiter-Mond (dem Leben fehlt die Bestimmung, weswegen es zwischen sehr großer Empfänglichkeit und Enttäuschung, wenn nichts von außen eintrifft, schwankt) und im Sonne-Pluto als die letztliche Selbsteliminierung.
Die Mutter der jungen Frau ist eine frühere Spitzen-Leichtathletin und heutige Naturheilpraktikerin. Die gelernte Medizinische Praxisassistentin absolvierte zwischen 2013 und 2017 eine zusätzliche Ausbildung zur Dipl. Naturheilpraktikerin mit der Fachrichtung Traditionelle Europäische Naturheilkunde (TEN). In der „Christina»-Buchreihe“ erzählt sie von ihrem Leben und Lernen als Mutter von Christina von Dreien – einem Mädchen, das mit einem stark erweiterten Bewusstsein und mit einer Vielzahl von paranormalen Begabungen geboren worden ist und das gleichsam als Vorbotin einer neuen Stufe der menschlichen Evolution gilt. [Quelle]

Schauen wir auf die Verbindungen zwischen Mutter und Tochter, dann fallen etliche Übereinstimmungen auf. Zunächst: Geburt des Kindes (es soll einen Zwilling gegeben haben, der verstarb – bei Mond-Sonne von mir des Öfteren beobachtet) fällt exakt in die Saturn-Wiederkehr der Mutter. – Der Radix-Saturn der Mutter ist rückläufig, das macht etwas „mit ihr“ und ihrem Platz im Kollektiv. Die Sonne-Mond-Konjunktion im Steinbock (der Mutter) liegt auf dem Mond der Tochter, der Jupiter der Mutter steht exakt auf dem Mars der Tochter. Also auch die Mutter hat bereits einen Konflikt mit Empfinden/Erschaffen bei gleichzeitig großem Energiepotential (Mars im Widder) – ins Leben zu bringen – Leistungssport bietet sich da an: mit viel Energie gegen große Widerstände ankämpfen. Je mehr Widerstände, desto größer ist das Maß an Energie. Doch Marathon und Hürdenlauf helfen irgendwann nicht mehr – man braucht Energie von anderen. Die Tochter wurde nun zum spirituelles Wunderkind, das, solange es noch unselbständig war, gecoacht und auch instrumentalisiert wurde. – Ich schrieb es an anderer Stelle: Wer nicht an seinen „eigenen“ Neptun herankommt bzw. ihn verneint „hält“, muss sich der Neptune anderer bedienen, und verbraucht sie dann. Dass sich hier Sektenhaftes entwickelt hat, ist nicht von Ungefähr. Jupiter-Pluto hat eine große Anziehungskraft auf all jene, die ihre Bestimmung im Außen suchen. Die Angst (der anderen) sucht einen Schutzraum, in dem sie ihre Bedürftigkeit gestillt bekommt, und erhält einen Glaubenscontainer.
Hier ist ein Schnappschuss aus einem Video, das man sich auf Youtube anschauen kann. Ich frage mich – wohl ähnlich wie ihr Gesprächspartner: Wo ist bei dieser jungen Frau das LebensFeuer geblieben? Sieht so ein glücklicher und in sich ruhender und der Wahrheit gewisser Mensch aus? Sie erzählt von kommender spiritueller Befreiung… Hier spricht doch wohl eher eine große Angst aus ihr. Aber: Angst beflügelt, auch wenn man es nicht denkt! Die in Forderungen zum Handeln umgeleitete Angst der Kinder verengt sich immer mehr in den Extremismus und kollektiviert sich in Bereitschaft zum Äußersten. Das ist alles andere als ungefährlich, und wer in diesen Container einsteigt, weil er selbst bedürftig ist, wird zum Brandbeschleuniger und macht die „letzte Generation“ zu einer Terroristengruppe.
[1] Die „alten“ Kinder, die viel mehr verstehen als ihnen guttut; Entfremdung von sich bzw. im Besitz der Mutter, Bewusstsein einer ererbten Schuld, in der Einsamkeit sich selbst finden. Die Oper „Vanessa“ von Samuel Barber, Andersens „Eiskönigin“ – die Übernahme der Rationalität über das Empfinden. Greta Thunberg?
[2] Die ewigen Kinder, die Weigerung, erwachsen zu werden, bei Männern Peter Pan-Syndrom: Angst davor, die Eltern mit Erwachsenwerden zu verletzen, bei Frauen Cinderella/Aschenputtel: Angst vor ihrem eigenen Leben (Selbständigkeit?), kein Eintritt in die Pubertät, kein Älterwerden.
[3] Mond-Merkur: Queeg in „Die Caine war ihr Schicksal“ (mit Pluto: paranoide Persönlichkeitsstörung), „The Hours“ – Virginia Woolf?, „Aviator“ – Howard Hughes mit der Reinungungszwangsneurose, „Reine Nervensache“: Panikstörung, „Mein Leben ohne mich“: Anpassungsstörung.
[4] Am Wochenende wiederentdeckt: Die Anfangsszene aus dem Film „Aviator“ von Martin Scorcese aus dem Jahr 2004. Es geht im Film um Howard Hughes, Jahrgang 1905; in der Szene steht der 10jährige Junge in einer Wanne und wird von seiner Mutter gewaschen. Sie buchstabiert ihm das Wort „Quarantäne“ vor, er spricht ihr nach. Am Ende der Szene sagt sie zu ihm: „Du bist nicht sicher.“ Howard Hughes‘ Horoskop weist eine Mond-Merkur-Konjunktion auf, Mond-Venus als „in der Hand der Mütter“, und Mond-Pluto mit der ererbten Erfahrung der Verneinung der Fortpflanzung. Seine Sonne hat eine Konjunktion zu Uranus (der (Über-)Flieger und Frauen-Ängstliche) und eine Opposition zu Neptun: die Schrecklähme vor einer Wahrheit, die nicht hochkommen darf. Stattdessen hat er den Saturn-Mars im Wassermann: der Drang in den Himmel und über alle Grenzen. Hughes starb 70jährig mit 46 kg Gewicht bei 1,96 m völlig verwahrlost in einem Flugzeugt auf dem Flug nach Houston an Nierenversagen.
[5] Mond-Jupiter: der Traum von Schneemann Olaf vom Sommer (in die „Eiskönigin“) mit großem Schaden für ihn selbst. Der kleine Häwwelmann? „Mehr!“
[6] Ravel hat eine Fische-Sonne, einen Skorpion-AC und den Uranus (aus dem 4. Haus) im Löwen am MC. „1,61 Meter groß, schlank, stets wie aus dem Ei gepellt, mit streng zurückgekämmtem Haar, das Einstecktuch passend zur Krawatte, Auftritte nicht ohne Lackschuhe, eine Gauloise nach der anderen rauchend – Maurice Ravel (1875-1937) war ein Dandy, ein exzentrischer Sonderling mit plissiertem Hemd und Monokel, der starken Kaffee und schwere Weine mochte. Der Verehrerinnen hatte und dies genoss, aber nie intime Kontakte zuließ.“ Meißner, S. 65
[7] Das Schott im Jupiter-Mond mag die Komödien über romantische oder Familienirrungen, insbesondere mehrere amerikanische, u.a. Pretty Woman, kommen mir in den Sinn Pretty Woman ist eine amerikanische Romantikkomödie aus dem Jahr 1989/1990, nicht ganz in der Tradition ihres Genres, sondern eine Mischung mehrerer. Die beiden Protagonisten sind eine Figur. Worcaholic und sachlicher Geschäftsmann (Saturn-Merkur mit Mars-Anteilen) trifft eine Frau (Prostituierte) mit auf sich selbst bezogenen, überzogenen Wünschen – was nicht zusammenzugehen scheint. Screwball-Comedys werden generell in schnellem Rhythmus und mit witzigen Dialogen präsentiert, beides bringt die teils skurrilen Charaktere zur Geltung, und zeigen einen respektlosen Witz, vor dem nichts sicher ist (bei Pretty Woman im mittleren Teil des Films). Einerseits eine enge, sterile Welt, die ihren eigenen Gesetzen, bzw. denen der Wissenschaft bzw. des modernen amerikanischen Kapitalismus, gehorcht und auf der anderen Seite eine Welt des lustvollen Lebens, unerhört, skandalös, frivol. Die Hure und der Kunde gehen ein Verhältnis ein, das zunächst enterotisiert, kalt und geschäftlich ist, und sich dann wandelt – das Geschäftsverhältnis wird zu einer Liebesbeziehung mit den daraus sich ergebenden dramatischen Folgen. In der Reinform enden solche Beziehungen in der Tragödie mit dem Tod der bekehrten Hure (La Traviata, Kameliendame). Ursprünglich sollte der Filmplot „3000 Dollar“ heißen und war ohne Happy End konzipiert. Jupiter-Mond beinhaltet Sexualität und Orgiastisches. Die intertextuellen Bezüge in Pretty Woman – das müsste ich noch eingehender analysieren – spielen sich in den Vorder- und Rückseiten- und der Lückenkonstellationen des Engramms des vereinnahmten Lebens ab.
[8] Im Film „Besser geht’s nicht“ spielt Jack Nicholson einen gestressten und neurotischen Schriftsteller, der seine Umgebung mit den seiner Misanthropie entspringenden „Sprüchen“, die er aber für irgendwie lustig hält, zur Weißglut bringt.
[9] „Frühstück bei Tiffany“ erzählt die Geschichte eines 19-jährigen Partygirls. Holly Golightly (Übers.: Nimm‘s leicht) schlägt sich mit Charme und Einfallsreichtum durchs New Yorker Leben. Sie lässt ihre Verehrer am ausgestreckten Arm verhungern, zieht ihnen trotzdem das Geld aus den Taschen und ist für jeden Unsinn zu haben. Truman Capote, Urheber des Kurzromans, wurde als „exaltierter Szene-Paradiesvogel“ bezeichnet; Sonne in der Waage bei einem Wassermann-AC, Uranus-Jupiter-Quadrat, Merkur-Jupiter-Quadrat und einer Merkur-Uranus-Opposition. Ironie, Verspieltheit und ein großes Maß an Theatralik findet sich auch bei Elizabeth Taylor, die einen „klassischen“ Mond-Jupiter als Quadrat von Skorpion zu Löwe aufweist. Außerdem steht ihre Sonne (in Konjunktion zu Merkur) in Opposition zu Neptun. Ich würde ihre Rolle in „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ allerdings weniger auf die Mond-Jupiter-Konstellation beziehen, als vielmehr auf die Austreiber-Konstellation des Mars-Sonne und Mars-Neptun. Das ist auch Taylors dominante Ebene. Bekannt sind ihre manipulativen Eskapaden, wenn es darum ging, Richard Burton „zurückzugewinnen“: sie setzte die Regeln, ihre Angst wuchs, wenn sie weder Publikum hatte noch Zugriff auf die Person ihrer Manipulation bekam (vgl. „Cleopatra“). Literatur weiter: Histrioniker: Mit Dramatik, Manipulation und Egozentrik zum Erfolg, Rainer Sachse, 2018
[10] Erf. 2, S. 77/99; Flums.3, S.405/409
[11] Flums. 3, S.402,405; Sem. 21, S.53; Sem. 25, S.23
[12] Erf. 1, S.135/187
[13] Sem. 1, S.242, Lehr. 1, S.165 (S. 140)
[14] Erf. 1, S. 137-138
[15] Sem. 4, S.329




