Jedes Horoskop übersteigt die Vorstellung. Es kann daher nur gedeutet, aber nicht interpretiert werden. (nach Wolfgang Döbereiner)
DEUTUNG oder INTERPRETATION? Mit einer Vorstellung (die erfahrungsgemäß schon mal in eine Ideologie, zumindest in einem Beharren auf fixierten Prinzipien, münden kann) gehen wir interpretierend an die Welt oder – und das ist die Gefahr – auch an ein Horoskop heran: Was will ich als Betrachter in einem Horoskop sehen? Welche Erwartung trage ich mit mir, oder noch schlimmer: Was erwartet man von mir, das ich bestätige? Die Deutung lässt die Vorstellung hinter sich, und zwar in Richtung „Wahrheit“. Dafür muss der Leser eines Horoskops „leer“, d.h. unvoreingenommen sein.

Hier habe ich ein Horoskop auf einen Moment, der um 5 Minuten vor dem oben abgebildeten „Rückenbild“, aus dem ich so eine Art „Kammerflimmern“ gestaltet habe, liegt. Nun kann ich das Bild, das sich mir da gezeigt hat, nicht aus meinem Gedächtnis löschen. Es ist da, es gehört zur gestrigen Gegenwart und zu dem Impuls, ausgerechnet diesen Moment einzufangen. Zum Kontext: Es ist der Moment der ersten Durchsage seitens der Polizei an Demonstranten in Gießen (in Sichtweite zur Halle, in der eine ihnen unliebsame Versammlung stattfand), die hernach etwa alle 2 Minuten erfolgten, folgenden Wortlautes:
„Eine Durchsage an die Personen vor dem Wasserwerfer Bayern 5. Ihre Versammlung wurde als nicht friedlich eingestuft; wir fordern Sie auf, diesen Platz rückseitig zu verlassen. Sie bekommen hierzu ausreichend Gelegenheit und Platz. Sollten Sie weiters Einsatzkräfte angehen und pyrotechnische Gegenstände abbrennen, behält sich die Polizei vor, unmittelbaren Zwang, auch in Form von Wasser, gegen Sie einzusetzen. An alle Unbeteiligten: Entfernen und distanzieren Sie sich erkennbar von Störern und Straftätern. Sonst können Sie auch von polizeilichen Maßnahmen betroffen werden. Ende der Durchsage: 14:37 Uhr.“
Die Qualität des Momentes ist durchsetzerisch und besteht in der Sache in einem Kampffeld, dessen Mars ins gegenüberliegende Feld 8 und in den Schützen zeigt. Das gesamte 8. Haus ist von Schütze umfasst – Pluto-Jupiter – es fügt sich zusammen, was nicht zusammen gehört, oder: im Feld der Fixierung von Ideen fügt sich eine Durchführung (Sonne in Schütze) als Anschauung. Schütze – das ist die Jurisdiktion, die Gesetzausübung im Rechtsraum auf dem Prüfstand. Die Sonne auf Mars-Jupiter macht eine Ansage, oder auch das ist möglich: gibt den Impuls zu einer Missionierung. Dahinein schneidet nun Mars. Nun ist das 8. Haus noch nicht „Gegenwart“, sondern hier wird tatsächlich eine „Ankündigung in der Nichtgegenwärtigkeit“ getätigt. Ins Haus 7 aber sind (nach dem Weg der Aphrodite im Uhrzeigersinn gelesen) Venus und Merkur, beide in Skorpion, gelangt. Die Venus birgt einen Uranus aus dem Stier in sich (und der ist Mitherrscher in Haus 1): Die Aufhebung der (territorialen und materiellen) Sicherung steht gegen die Sicherung der „Idee“, die im Begegnenden zwei Aussagen zulässt. Aus der Waage am DC wird sie erst durch die Begegnung fähig, ein Bild von sich abzugeben. Es ist ein Bild, das über den Pluto im Wassermann und in Haus 11 im Rahmen einer kollektiven Idee Unabhängigkeit (von subjektiven Schutzbedingungen) und Gerechtigkeit diese transformiert (transformieren könnte). Mitherrscher von 7 in 11 heißt: Hier sind starke ideelle Impulse zur Aufhebung von bisherigen Maßstäben und Unterschieden am Werk. Sie machen geeignet, sich aus bestehenden Maßstäben herauszuheben, dies gelingt über Partner und das Denken. Die Crux: es werden Partner gewählt, die nicht recht bindungsfähig sind, und hier quasi ohne Gegenwart auftauchen. Sind das Phantompartner?
Dann noch außerdem: Venus in Opposition zu Uranus. Offene Grenzen im I. Quadranten (bzw. auch Spaltung im Gemeinschaftlichen), auch die in Aufhebung befindlichen Bestände, während auf der anderen Seite im III. Quadranten das „gesicherte Modell“ (der „Gedankencontainer“ bzw. die Bindung an die Sicherung der anderen) steht. Dazu fällt mir auch folgendes ein: Ein (per Wirklichkeit geschlossener) Sozialstaat mit Sicherung für die „Teilnehmer“ und ein Land der offenen Grenzen gehen nicht in einem zusammen.
Ebenfalls in 7 steht Merkur (rückläufig) auf einem Sonne-Pluto-GSP. Fortbewegungsgehindert; blockiert, aber nicht wenig im Zwang der Bedingungen. Die Jungfrau ist Herrscherin von Haus 6 – ihr natürliches Habitat – sie ist „besonnen“ genug, die Verhältnisse wahrzunehmen und zu verwerten – und im Skorpion dann doch im Dienste der „Erfahrungsbilder“. Nochmals Innehalten: Skorpion, der Plan und das Programm, das Modell, wird auch der „Politik“ als Konzept zugeschrieben. Mars, könnte man sagen, ist der Taktiker (Aktion und Re-Aktion, die Taktik richtet sich nach dem, was der Gegner zuvor gesetzt hat), Venus-Waage ist die Strategin, die sich mit ihrer Strategie identifiziert bzw. deren Teil wird, ist in Grenzenlosigkeit gefährdet, mit ihr gemeinsam zu scheitern. (vgl. Döbereiner, Der Zorn des Poseidon).
Es könnten ja auch „gute“ Erfahrungen sein – doch meistens ergreift Skorpion, der keine Beißhemmung wie die Waage hat, insbesondere im Angesicht bereits erhaltener Macht den hingehaltenen Hals und beißt zu (s. Gleichnis vom Frosch und vom Skorpion). Aus Haus 2 – das komplett im Zeichen Zwillinge steht – ergibt sich eine Form als Vorgang, als Kommunikation und „Mitteilung“. Es mutet an, als sei diese die Sicherungsfront, das Sicherungsinstrument, der und dem ein Lautsprecher zur Seite gestellt ist – die Stimme trifft auf das Gegenüber.
Merkur und Zwillinge – das sind auch die Wege, die im Skorpion programmiert und kontrolliert sind, wiederrum in Namen von Pluto in 11. Uranus in 1 übrigens gehört nicht etwa ursprünglich auf die „Ausgangsseite“ des I. Quadranten, sondern wird von Wassermann in 11 mit einem „Programm“ – man kann es auch Konzept oder Modell nennen – versehen, dorthin gestellt. „Die Sicherungsabteilung“ ist von den Vertretern der Unabhängigkeitszentralen über dieses Programm angewiesen. Nochmals – die Unabhängigkeit des Wassermanns ist nicht die Souveränität eines Individuums als „Besonderheit“ seines Subjekts, sondern das Absehen von dieser Individualität hin zur Bildung von kollektiven neuen Maßstäben. Dem Eigenständigen (im Mond zu finden) geht es in diesen Kollektiven nicht unbedingt gut.
Bleiben wir beim Mond – Krebs in Haus 4, das Heimatliche, das Empfinden, das jupiterschwanger hoffnungsvoll überschwänglich ist. Der Herrscher von 8 (Schütze-Jupiter – da sind auch Pferde und die Kavallerie dabei) steht im Krebs und auf einem Mond-Venus-GSP. Die Zusammenfügung, die Anschauung eines Heimatlichen im Sinne wiederum einer Bindung an eine Anschauung. Schwupps aber wird Mond disloziert ins 12. Haus und zu Neptun-Saturn – auf 25-29° Fische geworfen. Das sind die Hinterzimmer, das ist, was hinter geschlossenen Türen und im Hintergrund liegt. Die im weitesten Sinne eigenständige Innenwelt, das Wesen des Subjektiven wird in eine schwache Rechtsposition gestellt. Saturn-Neptun ist ein Angebot, in der Opferrolle zu verharren – man ist Minderheit, man fühlt sich ausgeschlossen, lebt in seiner eigenen, imaginären Welt. Saturn – als Repräsentant der gesellschaftlichen Ordnung – steht auf dem Boden einer Wahrheit, die ihm den Boden unter den Füßen auflöst. Eine bestehende Ordnung, die überholt ist, löst sich auf, sofern sie sich nicht erneuern kann. Neptun in den Fischen hat sich nicht wenig als unzuverlässig erwiesen – er verleitet dazu, Mythos und Potential zu pervertieren. Wer da nicht auf einem Boden der Gewissheit steht, wer die Wirklichkeit sich färben will, wie es ihm gefällt, und wer folglich auch „Bestimmungen“ schafft, die dies reglementieren, dem wird Neptun einflüstern, dass er das könne. Kriminelle Machenschaften, die dann schön geredet werden, sind die Folge. Das Heimatliche wiederum – wie sagt man so schön? – wird hinter die Fichte geführt.
Am MC, der im Steinbock auf 10°41′ den „gesellschaftlichen Konsens“ auch als „Grundgesetz“ steht, entscheidet sich, was hier in die Gegenwart gelangt. Vor allen anderen Dingen ist es nicht Saturn. Der muss zurück ins 12. Haus. Gehe zurück auf 1, kläre dich und dein Verhältnis zu Wahrheit in Bezug auf deine Heimat, auf dein Innen. So, wie es hier aussieht, tut sich dort tatsächlich eine „Menge“ – nämlich die Klärung des Heimatlichen un d des Verrates.
Was ist noch, rund um diese Uhrzeit herum nur wenige 100 Meter entfernt in der Halle in Gießen noch so vor sich gegangen? Hier einige Auszüge:
14:23 Uhr: Antrag ist mit überwältigender Mehrheit abgelehnt. Die AfD-Jugend wird nicht erneut „Junge Alternative“ heißen. Damit ist der Name „Generation Deutschland“ gesetzt, da es keine weiteren Änderungsanträge gibt.
14:29 Uhr: Jetzt soll über das Logo der Jugendorganisation abgestimmt werden. Doch dürfen die Jungen das Logo selbst bestimmen, oder soll die Mutterpartei wählen? Ein Redner schlägt vor: Wenn es schon Konzepte für Logos gibt, soll doch heute ruhig darüber abgestimmt werden.
14:34 Uhr: Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) äußert sich mit einem [… meine Änderung] Statement zu den linksextremen Krawallen. Die gezielten Angriffe auf Mitglieder der AfD sind für ihn „Auseinandersetzungen zwischen ganz links und ganz rechts“, wie er auf einem Parteitag in Sachsen-Anhalt sagt.
14:35 Uhr: Die Polizei hat einen Tatverdächtigen für den Angriff auf den AfD-Politiker Julian Schmidt festgenommen. Der Angriff ereignete sich gegen acht Uhr.
14:44 Uhr: Außerhalb der Halle gehen die Ausschreitungen weiter. Linksextreme attackieren Polizeibeamte auf einer Böschung, in der Folge kommt es zu Rangeleien.
14:55 Uhr: Wie sehr soll die Mutterpartei auf die Jugendorganisation einwirken dürfen? Die Debatte dreht sich nun darum, ob ältere Politiker in die Organisation eingreifen dürfen sollen ‒ oder dort lediglich Rederecht bekommen. [Quelle]
Was sagt nun die Interpretation und was die Deutung? – Bei meinem Fazit geht mein Blick nochmals auf das Quadrat von Mars im Schützen zu Mond-Saturn-Neptun in 12. Das ist eine Schieflage zwischen dem, was sich (in die Anschauungen und Einsichten in Vorgänge schneidend) im Revier der Anderen durchsetzen möchte, und der „überbehüteten“ Auflösungslage (die gleichzeitig das hoffnungsfrohe Fügen in Frage stellt), die weder Eigenständigkeit noch wirkliche Ordnung zulässt und in die Unerreichbarkeit verschoben ist, aus der sie nur über Aggression herauskommt. Dieser Moment der Ansage in Ausübung der Gruppe Bayern mag ein fiebriges Standbild der Situation im Land liefern, „wehrhafte Demokratie“ zeigt es nicht. Was für eine Aussage. Am selben Tag übrigens: Parteitag des Bündnis die Grünen in Hannover, der Jungsozialisten in Mannheim und Landesparteitag (der CDU) in Sachsen-Anhalt. Wir könnten ja – nur so fürs Bild – mal die Inhalte dort zur entsprechenden Uhrzeit zusammentragen und dies durch den Filter von Pluto-Uranus, die nach wie vor eine Spiegelkonjunktion eingehen und damit die Möglichkeit zur Kombination von Größenwahn und psychopathischer Projektion zeitigen, betrachten.



