Kinder – Kinder sind sakrosankt und nichts ist schlimmer als Kinderopfer und Kindesmissbrauch bis hin zur Vergewaltigung von Kindern.[1] Oder nicht?
In einer Zeit, in der offensichtlich das Allerprivateste (wie ich in meinen vier Wänden mit mir selbst umgehe und was mein Intimstes ist, das ich nur mit meinem nächsten Partner teile), in die Öffentlichkeit gestellt wird, wird jetzt – so könnte es aussehen – die letzte Bastion („Kinder“) angegangen. Nicht nur, dass Kinder in ihrem Grundschulalter, in dem sie noch vor der geschlechtlichen Reifung stehen und – m.E. – sichere und stabile (also nicht mal so, mal so) Vorbilder brauchen, bereits mit dem Thema der „Drags“ konfrontiert werden, nein – auch an die Ausübung der sexuellen Orientierung wird bereits gedacht.
Das mit der sexuellen Selbstbestimmung wurde ja im letzten Jahr weitgehend geschluckt und wird breit gelebt und propagiert, sollte es Gegenstimmen geben, werden diese im Moment (noch) politisiert und in die sog. „rechte Ecke“ gestellt. Während einerseits Pädophilie und der Schutz der Kinder vor Pornographie zu Schutzmaßnahmen im (WWW) Netz führt, spielt sich auf Straßen und in Schulen immer mal wieder anderes ab. Schutz und Sicherheit?
Neulich erging diese Meldung in den Medien:
Während eines Theaterprojekts an einer Schule in Ostsachsen soll Neuntklässlern pornografisches Material präsentiert worden sein. Nun äußert sich die „Sozialistische Jugend Deutschlands“, der Träger, zu dem Sachverhalt – und räumt ein, dass „unangebrachtes Material in die Hände von Schüler*innen“ gelangt ist. Er bestreitet aber, dass das mit Absicht geschah. Unterdessen werden von Rechtsaußen bereits Forderungen laut, freie Träger grundsätzlich aus Schulen auszuschließen. […] Beim Erstellen einer Collage zum Thema Mut seien den Schülerinnen und Schülern einer neunten Klasse gespendete Bastelmaterialien wie Hefte und Zeitschriften zur Verfügung gestellt worden, sagte Micki Börchers, Bundesvorsitzende der Jugendorganisation „Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken“[2], der Nachrichtenagentur dpa. „Darunter war versehentlich ein Magazin, welches Bilder von sexuellen Darstellungen und nackten Personen beinhaltete“, erklärte Börchers. Nachdem einige Schüler dies entdeckt hatten, hätten die beiden Verantwortlichen das Magazin sofort an sich genommen und die Geschehnisse eingeordnet, hieß es.[3]
Aber noch anderes ist zu beobachten: Einerseits fällt die Schranke zwischen Privat und Öffentlich, andererseits (oder ist es eine Begleiterscheinung, eine Parallelentwicklung?) erstarken die Rufe nach strengeren Regeln im gesellschaftlichen Miteinander von Männern und Frauen. Es sind die Frauen, die fordern, dass der „toxische, weiße Mann“ in seine Schranken gewiesen werden muss, und Frauen nicht länger „Opfer“ z.B. von sexuellen Übergriffen sein wollen. Der Mann per se wird beschuldigt, von vorneherein – seinem Mann-Sein ausgeliefert – Gefahr für die Frauen zu sein, und das müsse geregelt werden. Es flimmerte da kürzlich diese Collien-Fernandes-Christian-Ulmen-Sache über die Bildschirme, deren Kampagne inzwischen zwar wieder unterm Horizont verschwunden ist, aber sicherlich bald Nachahmer finden wird.
Hier wie da steht eigentlich „alles“ immer wieder unter den Schlagzeilen der Verbreitung von Falschbehauptungen, es werden Hetzkampagnen von anderer, sprich rechter, Seite vermutet. Was haben wir? „Extrem freizügige Bildungsangebote“ hier und „extrem frauenschützende“ Maßnahmen dort, und das bei einer Umwelt-/Wirtschaftspolitik im Land, die immer restriktiver wird. Es wird vielfach George Orwell genannt; sowohl die Animal Farm als auch 1984 sind präsenter und aktueller als uns lieb sein kann.
Ich schließe noch einen dritten Punkt an – der Leser möge mir das Hervorrufen etwaiger Vermischungsempfindungen bei sich verzeihen – und zwar den der notwendigen Einsparungen in den Gesundheitskassen. Es wird verkauft als: „Endlich können die Frauen auch ihren Mann stehen und emanzipiert für sich selber (und ihre Kinder) zahlen.“ – Was passieren wird, ist, dass auf der einen Seite das – steuerlich relevante – sog. „Ehegattensplitting“ (ab 2028?) aufgekündigt werden, andererseits die Krankenkassen-Familienmitversicherung von Ehegatten und Kindern über sechs Jahren wegfallen soll. Die emanzipierte Frau darf in den Beruf und in die Arbeit (nach einer noch festzulegenden, nicht allzu lange dauernden Elternzeit) zurückkehren und entsprechend Steuern und Krankenkassenbeiträge zahlen. Das Modell „Mutter bleibt bei den Kindern“ (und hat die Rückdeckung des geldverdienenden Vaters) wird damit gestrichen, die als Fortschritt angepriesene Lösung ist alternativlos, es sei denn die Frau wollte als unemanzipiertes, abhängiges Anhängsel ihres Mannes durchgehen. Wie lange braucht ein Kind seine Mutter? Was macht es mit einem Kind, wenn es weit vor der Bildung einer stabilen Vertrauensbasis mit Entdeckung seiner frühen Individualität in die zunächst anonyme Umgebung einer Kindertagesstätte gerät?
Die Errungenschaft der Kinderhorte und Kindergärten ist nicht unumstritten, die Diskussion darum mache ich jetzt nicht auf, verweise aber darauf, dass dort in diesen Stätten die Kinder selbstverständlich in gewünschte, auch ideologische, Richtungen erzogen werden können. Kindertagesstätten bringen Kinder hervor, die – und das ist jetzt meine persönliche Annahme – viel weniger elternbeeinflusst sind, als jene Kinder, die bis zum 4. oder 5. Lebensjahr ausschließlich im häuslichen Umfeld mit fürsorgenden Familienmitgliedern aufwachsen. Wenn man denn wollte, dass Kinder weniger vom Elternhaus, denn vom Staat (staatliche Kindereinrichtungen) geprägt würden, sollte man die Gelegenheit, sie von den Eltern loszueisen, schaffen.
Kindergärten könnten die Voraussetzungen für gehorsame Schüler an Schulen ebenso werden wie auch für spätere gehorsame Soldaten (weibliche Kinder einbezogen!). Wie ich darauf komme? – Neulich hörte ich einen Vortrag über die „erfolgreichste Armee“ aller Zeiten, nämlich die der Spartaner.
Soweit ich richtig nachgeschlagen hatte, hatte es in den Jahren 479 und 480 v. Chr. zwei wirklich entscheidende Schlachten der Griechen gegen die invadierenden Perser (Xerxes I) gegeben: Die Schlacht bei den Thermopylen (480 v. Chr.) wird fälschlich als mit dem Sieg der Spartaner endend genannt, was aber nicht stimmt. Zwar leisteten 300 Spartaner unter König Leonidas legendären Widerstand, die Schlacht endete jedoch mit einer Niederlage und dem Tod vieler Spartaner. Ein Jahr später sah die Situation anders aus: In der Schlacht bei Plataiai im August 479 gelang der bedeutendste je erlangte Landsieg, bei dem das spartanische Heer mit seiner Phalanx unter dem Feldherrn Pausanias die leichter bewehrte griechische Infanterie mit Bogenschützen und Kavallerie auf ganzer Linie durchbrach und das persische Heer vernichtend schlug. Fast zeitgleich mit Plataiai[4] besiegten griechische Truppen in der Schlacht bei Mykale unter dem spartanischen König Leotychidas II. die persische Flotte und Armee an der Küste Kleinasiens. Damit war die Invasion der Perser endgültig beendet.
Die Phalanx sei kurz beschrieben: Es handelt sich um eine offensive Standard-Formation als taktische Infanterie-Aufstellung mit einer Tiefe von acht bis 16 Männerreihen (u.a. mit den gepanzerten Hopliten gebildet), mit einem Schilderwall und einem Speerwald. Der Clou dieser Formation bestand darin, dass der Schild eines Soldaten nicht nur ihn selbst, sondern auch die rechte (ungeschützte) Seite seines Nebenmannes deckte (links das Schild, rechts die Waffe). Diese Phalanx funktionierte wie ein Panzer.
Das spartanische Heer – vom persischen weiß ich es nicht – war bekannt für seine gut ausgebildeten und abgehärteten Soldaten. In der sog. Agogé (lebenslange Vorbereitung) wurden bereits in sehr jungen Jahren die Kinder den Eltern weggenommen und ausgebildet. Von Anfang an ging es um Gehorsam, Disziplin, absolute Schmerztoleranz und Ausdauer. In ihrer Ausbildung lernten die Jungen einerseits Kameradschaft (man muss sich auf seinen Nebenmann verlassen können) und andererseits die Ansätze der trainierten Koordination in einer Schwarmintelligenz (um komplexe Manöver unter Druck ausführen zu können). Zwei Faktoren also für die Überlegenheit der Spartaner sind damit die Erziehung zur Kameradschaft und die Befähigung zur Bündelung der Kräfte aller Einzelner zu einer überindividuellen Einheit. In dieser überindividuellen Einheit agiert nicht mehr der Einzelne, sondern diese sind mental miteinander verbunden.
Wie bekommt man dergleichen hin?
„Zum tüchtigen Bürger gehören auch im heutigen Leben Freiheit, Fleiß, Bildung, Arbeit, Fortschritt. Dies alles kann man nur durch die Erziehung und Ausbildung der Staatsbürger erreichen, wenn man schon im Kindesalter beginnt. Alle Eigenschaften, Fertigkeiten und Fähigkeiten für die Entfaltung des Individuums finden in der Familie, in der Schule und im Allgemeinen in der Gesellschaft statt.“[5]
Das spartanische Erziehungssystem (sprichwörtlich geworden für „Strenge, Mangel, Disziplin“ – also saturnisch im Extrem) beruhte auf dem „Gleichmachen“ aller spartanischen Vollbürger zu loyalen Untertanen, welche die Basis des – wer hätte es gedacht? – totalitär zu nennenden Systems der Polis Sparta bildete.
Das System der Agogé setzte bereits direkt nach der Geburt eines Kindes ein. Zum Selbstverständnis und Wesen der Gesellschaft der Polis gehörte, dass weder Individualität, Andersartigkeit, noch Schwäche geduldet wurden, weshalb den Ältesten alle Neugeborenen von ihren Vätern vorgeführt wurden. Nach einer Begutachtung wurden sie entweder als lebenswert oder nicht lebenswert eingestuft.[6] Wurde ein Säugling als nicht lebenswert eingestuft, wurde er ausgesetzt und dazu zum Felsabgrund der sogenannten Apothetai gebracht.
Die Erziehung in der Familie erfolgte in den ersten sieben Lebensjahren zu Hause durch Ammen, dann ging es in die 1. Stufe Paides (7-12- Jahre): Jungen wurden aus ihren Familien genommen und in Kasernen untergebracht. Sie mussten barfuß gehen, trugen nur leichte Kleidung, schliefen auf harten Schilfmatten. Man rationierte ihr Essen absichtlich knapp; sie wurden zum Stehlen ermutigt, damit sie List und Heimlichkeit lernten (erste Übungen in Richtung „Kameradschaft“). Wenn sie bei einem Diebstahl erwischt wurden, gab es harte Strafen – wegen ihrer Ungeschicklichkeit, nicht wegen des Tatbestands des Diebstahls. Die Bestrafungen wurden nicht etwa von Erwachsenen vorgenommen, sondern von den Jungen der nächsthöheren 2. Stufe: den Paideiskoi (12-16 Jahre). Diese Altersgruppe hatte wiederum ihre Mentoren, die Patenschaften für die Jugendlichen übernahmen und sie in die Gesellschaft einführten. Was die Ausbildung anging, ging es jetzt hauptsächlich um militärischen Drill, Waffentraining, Ringen – und ja auch: um Chortänze. Diesen schulten insbesondere die Rhythmik und Koordination in der Phalanx.
Sobald die Jungen das 18. Lebensjahr erreichten, stiegen sie in die Stufe des Epheben auf und blieben dort bis zum 20. Lebensjahr. Die fähigsten jungen Männer wurden in die „Geheimpolizei“ (Krypteia) geschickt. Sie mussten allein in der Wildnis überleben und nachts Jagd auf die unterdrückte Staatssklaven (Infanteriesoldaten/Heloten[7]) machen. Diese weitere Abhärtung diente als Reifeprüfung und zur Unterdrückung von Aufständen und war aufs Extremste brutal.[8]
Gleichzeitig lernten sie eine knappe, exakte Ausdrucksweise, die wir heute als „lakonisch“ kennen – ebenfalls mit Aspekten von Saturn (reduziert aufs Wesentliche). Mit 20 Jahren traten die Männer in den aktiven Militärdienst ein. Erst mit 30 Jahren erhielten sie die vollen Bürgerrechte, durften sich die Haare lang wachsen lassen und offiziell heiraten. Sie blieben bis zum 60. Lebensjahr wehrpflichtig.[9]
Jetzt müssen wir auf den Aspekt der Päderastie eingehen. Bleibt körperliche Annäherung aus, wenn sich Jungen in enger und beengter Umgebung in Kameradschaft „üben“ und militärisch gedrillt werden? Die Jungen wurden ab dem 12. Lebensjahr sogar angehalten, sich einen „Liebhaber“ – meistens einen älteren Mentor – zu suchen. Also Knabenliebe – Liebe und Sex unter Knaben, die nicht unbedingt Homosexualität bedeuten musste, aber – in der Literatur unterschiedlich diskutiert – durchaus dafür gesorgt haben könnte, dass hier eine soziale Bindung entstand. Päderastie als staatlich gewolltes Erziehungsinstrument, hinter dem die totale Integration des Individuums in die militärische Gemeinschaft stand. Die Loyalität sollte nicht der biologischen Familie, sondern der Gruppe und dem Staat gehören. Dieses Instrument war dazu gedacht, den Zusammenhalt der Generationen zu stärken, indem es Angst vor Schande, Angst um den Partner (im Kampf) und die Angst des Mentors vor dem Versagen seines Mentees (was zu strenger Überwachung führte) bediente, und war damit ein Instrument der „Qualitätssicherung des Soldatenstandes“, der lückenlosen Überwachung und Prägung.
Warum schreibe ich über den Staat Sparta, der in der Geschichte zweifelsohne eine Sonderposition einnimmt, und von dem gesagt wird, er sei eine der ersten Bildungsmächte gewesen? War das ein totalitärer Staat oder sehen wir eine geordnete Gesellschaft, in der individuelle Interessen dem Gemeinwohl untergeordnet werden mussten, in der der Staat die Bildung kontrollierte und den Kindern schon früh bürgerliche Tugenden vermittelt wurden?
Aristoteles hatte in etwa folgendes geschrieben: Der Bürger sollte der Regierungsform, unter der er lebte, angepasst werden, was bedeutete, dass die Bildung für alle einheitlich zu sein hatte. Aristoteles lehnte den athenischen Laissez-faire- Ansatz, in dem jeder sich um sein eigenes Kind kümmerte und es nach eigenem Ermessen unterrichtete ab.[10]
Wir können, müssen aber nicht bis zu Aristoteles zurückgehen, um genau diesen Punkt in unseren heutigen – vielleicht mehr den westlichen als den östlichen – Gesellschaften zu finden. Da wäre z.B. in der allerneueren Geschichte Deutschlands die DDR zu nennen. Aber wo stehen wir in Deutschland 2026?
Auf keinen Fall in Sparta, keine Bildungsmacht. Wir machen hier was Neues, vielleicht was neues Bildungsmächtiges.
[1] Zu erwähnen wären hier die Epstein-Files, diese riesige Sammlung von über drei Millionen Dokumenten, E-Mails, Fotos und Videos, die ab Ende 2025 veröffentlicht wurden. Sie dokumentieren das Netzwerk Jeffrey Epsteins, des verurteilten Sexualstraftäters. Die Files belegen die systematische sexuelle Ausbeutung Minderjähriger sowie Kontakte in höchste Politik- und Wirtschaftskreise.
[2] „Die Falken“ – übrigens lautete der offizielle Gruß der Freien Deutschen Jugend (FDJ) in der DDR: „Unser Zeichen ist der rote Falke, unser Gruß ist ‚Freundschaft!‘“ – sind ein Jugendverband, der vor über 100 Jahren aus der sozialistischen Arbeiterbewegung hervorgegangen ist.
[3] https://www.news4teachers.de/2026/04/porno-eklat-an-schule-traeger-spricht-von-versehen-aber-auch-von-hetzkampagne/
[4] Es standen sich etwa 40.000 Griechen/Spartaner und schätzungsweise 70.000 bis 100.000 Perser (plus verbündete Griechen) gegenüber. https://www.welt.de/geschichte/article200664674/Perserkriege-In-der-Schlacht-von-Plataiai-hatten-Perser-keine-Chance.html
[5] Manolis Georg Koliadis, Die Jugend im Athen der klassischen Zeit. Ansätze zu einer historischen Jugendforschung, Frankfurt am Main 1988, S.113
[6] Stefan Link: „Zur Aussetzung neugeborener Kinder in Sparta“
[7] Die Spartaner unterwarfen nach zwei längeren, erbitterten Kriegen die benachbarten Messenier und versklavten sie. Diese als „Heloten“ bekannten Sklaven wurden einzelnen Spartanern mit Landparzellen zugeteilt, um ihre Herren zu unterstützen und ihnen so Zeit für andere Tätigkeiten zu verschaffen. Die Heloten wurden brutal behandelt und zur Ermordung – eine legitime Kriegshandlung – freigegeben.
[8] Vgl. Paul Cartledge, Krypteia, in: Der Neue Pauly, Bd. 6, Stuttgart-Weimar 1999, Sp.872
[9] Vgl. Kleyhons, Ferdinand, 2020: Agogé und Paidea – ein Überblick über die Erziehungssysteme Spartas und Athens: https://www.researchgate.net/publication/342208760_Agoge_und_Paideia_-_Ein_Uberblick_uber_die_Erziehungssysteme_Spartas_und_Athens
[10] Vgl. Smith, George H., 2012: Wie das Bildungssystem Spartas spätere Befürworter staatlicher Bildung beeinflusste.



