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BALD KOMMT DAS LICHT

„Wann kommt die Flut – über mich?
Wann kommt die Flut – die mich berührt?
Wann kommt die Flut – die mich mit fortnimmt?
in ein anderes großes Leben – irgendwo.“

Refrain, Originalauszug aus „Wann kommt die Flut? –

Tja, sie war bereits da, denke ich, ziemlich genau mit der Pluto-Saturn-Konjunktion im Steinbock. Aber das kann man auch anders deuten. Es sind nämlich mehrere Wellen in einer Flut vereint, und manchmal ist auch Licht dabei, dafür dann weniger Wasser… ein wenig vielleicht noch. Im Großen und Ganzen scheint ER (der gesamte Kosmosplan) aber auf ein mehr Körperliches (Dichtes, Bodennahes) hinauszulaufen, und die Leute starren von innen nach außen, von unten nach oben und suchen das Licht dort, wo es dann weit von ihnen entfernt flackert – nur nicht da, wo sie sind. Höhlen-Gleichnis, ist schon klar, oder?

Der Song, dem der Refrain von oben entstammt, wurde am 23.1.1998 veröffentlicht. Ich nehme der Einfachheit halber eine Sonne am MC und als Ort Berlin an. Eine Sonne auf 3° Wassermann – das lässt schon einmal das Thema „Licht“ anklingen (warum, dazu komme ich später) – alias einem schönen Venus-Jupiter-GSP. Der ist deshalb schön, weil sich nach der „alten“ Astrologie das kleine und das große Glück treffen. Das könnte schön werden – es ist zwar die Paarung von Hoffnung (und Verkündung) und Bewusstsein und Ergänzung, doch zwischen beiden – ich bin wieder Spielverderber – fehlt in der oberen Reihe nach der MRL zwischen Schütze und Waage der Skorpion, sprich der Pluto. Der Song an sich war offensichtlich sehr erfolgreich und bescherte seinen Komponisten neuen, alten Ruhm. Doch der Inhalt ist alles andere als lichtvoll, sondern voller Düsternis.

Veröffentlichung von „Wann kommt die Flut?“ am 23.1.1998

Die Sonne ist an jenem Tag von Uranus (8°23′ Wassermann) und Neptun (29°47′ Steinbock) flankiert. Der Lichtstrahl der Sonne fällt also auf einen Neptun-Uranus, Kennzeichen dafür, dass hier eine Wahrheit zu heben ist, die schmerzhaft zwar, sich in gegenseitigem Einvernehmen von Neptun und Uranus versucht, sich zu entbergen. Klingt immer so erhaben, wenn das so formuliert wird. Jeden Tag versuchen immer wieder kleine verborgene Wahrheiten sich zu entbergen, und werden sofort ins Dunkel geschickt. Das geschieht reflexhaft. Die Wahrheit, um die es geht, ist auch zu ungeheuerlich. Es ist die der Sterblichkeit des Lebens. Wer hat sich nicht schon einmal ans Fenster gestellt, auf eine Landschaft geschaut, bei der einem das Herz aufgeht, und dabei ausgesprochen: Ich bin sterblich. Mein Leben ist endlich? Gerade wenn das Leben am vollsten und erfülltesten ist, ist die Erkenntnis, dass es enden könnte, eine, die am meisten Mut erfordert. Gut, ein Tag, an dem eine Erkenntnis (und sie will ja schon länger in die Welt: die exakte Konjunktion der beiden war am 25.10.1993, 7:00 Uhr, auf 18° Steinbock) sich offenbaren will. Darf sie?

Steinbock – auf dem Boden bzw. in den Gebirgen dieses Zeichens steht die Ordnung unserer Wirklichkeit. Kann  man verschiedentlich nachlesen, ich setze es als einigermaßen bekannt voraus. Unsere Wirklichkeit umfasst übrigens nicht nur die Menschen, sondern die gesamte Ordnung, in der die Menschheit eine allenfalls kleine Rolle einnimmt (und diese nun fatalerweise total missverstanden und pervertiert hat), umfasst: der Kosmos als Organismus, in dem alles mit allem verbunden ist. Dagegen ist die menschengemachte Globalisierung ein misslungenes Projekt.
Im Verbund Fische-Wassermann-Steinbock ist nun das Zeichen Fische die Exposition, die Ausgangslage, quasi der Erste Satz der Symphonie, Wassermann die Durchführungsebene, und der Steinbock bildet den Schlusssatz. In dieser „Wassermusik“, die ins Strömen gerät, spielt sich ziemlich viel im Mittelteil ab, flankiert wird das Ganze von einem „Ergebnis“ Saturn im Widder und in Haus 12. Um es vorwegzunehmen: Nein, die Erkenntnis darf nicht heraus, sie wird gut verpackt (in einem Jupiter-Uranus-GSP) ins Namenlose und Ungewordene geschickt. Immerhin darf sie von dort in den Anfangstakten des zweiten Satzes als Fanfare auftauchen. Kurz vermutlich.
An der anderen Flanke, im Schützen und im Quadrat zur Fanfare, stehen Mond und Pluto beisammen und geben der Fanfare den Unterton der Lebensverneinung in der Aussteuerung des Lebens (und somit eine Erschwernis, weil von Programmen überlagert) vor. Schütze ist der Herrscher sowohl von Haus 7 als auch 8 und steht an der Pforte zu Haus 10 (im Fügungsrhythmus geschaut): „Anschauungssache“ könnte man salopp sagen, an die man sich bindet/gebunden hat und die hier maßstäblich über sich selbst hinaus wird. Vielleicht ist die Veröffentlichung auch früher am Vormittag gewesen, und Pluto und Mond stehen in Haus 7! – Mars – Rächer vom Neptun ist dabei. Ich denke, nicht nur ich sehe hier ein Strömen und einen Ruf um Antwort. Wann kommt die Flut, damit wir in einem anderen Leben (endlich) die Illusion (ist das nicht Maya? – Der trügerische Schein, den so viele Menschen hinter der Realität vermuten, ohne zu begreifen, was Wirklichkeit wirklich ist?) hinter uns lassen können. Ich lege damit Witt und Hoeppner beiseite, kann man sich anhören und weiterdenken.

Pluto-Mondknoten-Konjunktion am 11.11.2010

Vor der Flut kommt nun allerdings zunächst anderes. Nämlich die Abwesenheit von Wasser. Im Horoskop von oben sehen wir den aufsteigenden Mondknoten in der Jungfrau und einen Pluto in Schütze, die sich bis auf 4° zu einem Quadrat angenähert haben. Es dauert noch 12 Jahre, bis sich der Mondknoten und Pluto im Steinbock und auf 3°38′ Steinbock in einer Konjunktion treffen (s. Horoskop nebenstehend). Auch diese Konjunktion eine weitreichende, und deshalb auch gerne ausgeblendete Konstellation, die einen Zyklus andauernder Transformation bedeutet. Nun gut, wir transformieren uns ständig; große Häutungen, kleine Häutungen, kleine Tode, mittelkleine Tode… Über Pluto-Mondknoten-Zyklen werde ich noch schreiben; mit Zyklen allgemein ist es so, dass es vier Phasen gibt: das erste Viertel nach der Konjunktion baut die Thematik zunächst einmal auf. Die Wirkung des Inhalts wird sich nicht sofort zeigen, aber sie ist angesetzt (ist wie ein Hefeteig, der ruht und in Ruhe aufgeht). Mit der Opposition der beiden Prinzipien in der Mitte des Zyklus entfaltet sich die volle Wirkung, während im letzten Viertel quasi der „aufgegangene“ Teigling gebacken und einem neuem Zyklus (der Prozess des Werdens ist abgeschlossen) zugeführt wird.

Pluto-Mondknoten beinhaltet eine doppelt karmisch anzugehende Aufgabe. Oder – wem der Ausdruck „Karma“ zu fremd ist und zu weit einem Denken entlehnt, das nicht dem christlichen entspricht: Im Buch allen Lebens (Steinbock als der Hüter der in die Gegenwart auszuliefernden Gestalten) wird sich etwas ändern (müssen). Trans-Formation heißt. eine bestehende Form in eine andere Form zu überführen. Mit einem nicht unerheblichen sprachlichen Detail: Es geht – da es sich mit Pluto nicht um eine materielle Form, sondern um eine immaterielle Gestalt handelt – um die Umwandlung von Bildern als Idee/Eidos. Man muss sagen: Unter Ausschluss des Prinzips aller Gestalten (und das hat sich inzwischen etabliert) wird eine Trans-Vorstellung davon entstehen, was sich dann schließlich als Modell für das Leben als Dasein (Löwe) und die Erscheinung (Stier als Phänomen) durchsetzen will und einen alleinigen, ausschließlichen Anspruch auf Erfüllung erhebt.
Ich habe das hin und her gerechnet, geschoben, es bleibt die Konjunktion bei Gradgenauigkeit am 11.11.2010 für Berlin in der Nähe von einem AC auf 14° Steinbock, und damit im 12. Haus. Eine Sonne bereits im 9. Haus, MC und Sonne in Skorpion, die Sonne in einem Quadrat zu Neptun (kaum noch zulässig mit 7 Grad, aber im An- und Abschwellen durchaus bemerkbar). Das Jahr 2010 nennt z.B. Claude Weiss das Jahr des kardinalen Klimax. Menschliche Überforderung (Massenpanik auf der Love-Parade am 27.7.), Waldbrandkatastrophen in Russland ebenfalls im Juli 2010), Überschwemmungen wiederum in Pakistan und China ebenfalls Ende Juli), die Entdeckung der Resistenzen gegen Antibiotika wie auch politische Zäsuren wie der Abzug der USA aus dem Irak (im August 2010 nach ziemlich genau 7 Jahren) – und nicht zuletzt die wirtschaftlichen Verschiebungen (China ist nun zweitgrößte Volkswirtschaft vor Japan) – das Leben auf Pump (auch mit Anleihen an die Mutter Erde) neigt sich nicht nur in den USA, sondern auch in Europa dem Ende zu. Das wissen wir jetzt rückwirkend. 
1998 befanden wir uns allerdings – in diesem Lied mit der Sehnsucht nach der anderen, großen Welt – im letzten Viertel eines Zyklus, gerade sozusagen kurz vor dem Ausgebacken-Sein, der nun 2010 aufgelaufen ist. (Mein Bruder würde sagen: Der Drops ist gelutscht.)

Der Pluto-Mondknoten-im-Steinbock-Zyklus dauert an die 242 Jahre, d.h. der, in dem wir uns zur Zeit befinden und der sich noch im ersten Viertel bewegt, hat einen Zyklus aus dem 18. Jahrhundert abgelöst. Dass unser laufender Gesellschafts-Transformations-Zyklus (vielleicht sogar Weltordnungszyklus) sozusagen „on-top“ noch einen Pluto-Mondknoten-Zyklus im Wassermann ab 2027 trägt, lässt einiges erahnen.

 

Mondknoten-Pluto-Konjunktion am 15.8.1768

1768 – um exakt zu sein: am 15.8.1768 um 9:00 Uhr MEZ (auf Berlin) – kamen sich Pluto (bis dahin noch unbekannt, auch dazu komme ich noch!) und der errechnete mittlere Mondknoten auf 11°36/35′ im Steinbock am nächsten. Steinbock am IC – die Konjunktion im 4. Haus.

Und wir sehen auf den ersten Blick: das ist eine heftige Sache. Pluto (im Rahmen der den  inneren Angelegenheiten wie dem wahrhaften Wesen in der Identifikation zugesellten, auferlegten Maßstäblichkeit) steht in Opposition zu Saturn in 10, also da wird ein Transformationsprogramm mitten im Leben und im Seelenausdruck der Gesellschaft bestimmend. Der Aszendent ist eine liebliche Waage auf einem Uranus-Neptun-GSP (sowohl Neptun als auch Uranus noch nicht entdeckt – wir werfen also einen Blick in die Welt von damals, die diese äußere Erkenntnis nicht zur Verfügung hatte, was Vorteil und Nachteil in einem war), die Venus steht mit der Sonne im Löwen in 11. Eine Venus-Sonne im Werden, im Ursprung, gerade zu schöpfen, das Aufgehen des Bewusstseins auf dem Substrat des Lebens wird zum Ausdruck des inneren Wesens.
Der Sonnen-Verbund ist hier Krebs-Löwe-Jungfrau, und zwar in der Richtung vom MC (aus dem III. Quadranten kommend) in den IV. Quadranten hinein. Himmel, ich komme! – Und rauscht sofort ins 12. Haus weiter, wo das Wesen als Daseinsausdruck im Subjektiven nun überhaupt nicht hingehört, sondern verschlungen wird und sich in Unabhängigkeit von jedweder Anpassungsmöglichkeit aussteuern soll. Für Heilige kein Problem, für sterbliche Wesen schon.
Wir haben eine Sonne in 11, einen Wassermann in Haus 5 und einen dazugehörigen Uranus im Stier in Haus 8. Hier kommt das Licht ins Dunkle. Er hat einen Fackelträger bei sich, und beide stehen vor dem Tor ins 7. Haus hinein. Mars-Uranus im Stier hatten wir erst kürzlich. Das sind eruptive „Kampfhandlungen“ im Gemeinschaftlichen. Das Soziale, auch und durchaus die finanziellen Bestände, auch die gelagerte Energie, werden mit spitzem Pflug aufgebrochen und gespalten. So war das auch in den Jahren ab 1768 (wer nachschaut wird sehen, dass der 7-jährige Krieg vor 5 Jahren zuende gegangen war, James Cook sich aufmachte, eine neue Welt zu entdecken, die Insel Korsika an Frankreich fiel – natürlich war immer etwas „los“). – Offiziell nennt man in den Kulturwissenschaften diese Phase des An-und-Abschwellens rund um die Konjunktion (von der man in den Wissenschaften nichts weiß) die „Aufklärung“.
Das Wort lügt nicht. Es kann nichts dafür, dass es mannigfaltig missverstanden wurde. Unmissverständlich jedoch zeigt das Horoskop – wie ich oben gesagt habe: es begann ein Zeitalter der Umkehrung. Die Vernunft, dieser höchst subjektive Schutzmechanismus des unmittelbaren Lebensausdrucks, begann sich für den Himmel zu halten. Das einzelne Leben wiederum (Wassermann in 5) aus sich selbst enthoben, anonymisiert, wird zum neuen Maß der Dinge aufgewertet. Re-Volution: man dreht das Unterste zuoberst, und umgekehrt.
Dass die Sonne auf 22°52′ Löwe und die Venus auf 23°25′ stand – sagt uns noch eines: Saturn-Mondknoten. Hier geht ein Selbstverständnis zuende. Gut so, haben viele gejubelt, endlich können wir den Adel und all die Hierarchien stürzen; das Bürgerliche erhält jetzt seine Chance, das ist die Geburtsstunde der Demokratie (Verfassung der USA fällt in die Zeit – und natürlich die Französische Revolution und anderes mehr). Es war natürlich alles ein wenig differenzierter, aber unter dem Strich: Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit haben auch Schaden angerichtet, denn es ging vor allem eines vor sich. Der IV. Quadrant wurde vom Subjektiven vereinnahmt und die neue Staatsform entführte das Licht für seinen Aufstieg.
Pathetisch. Ich liebe es! Nicht, weil ich den Pathos vor mir hertrage, sondern weil ich ihn bei den anderen erkennen kann. Das am Rande. In diese verschiedenen Kanäle innerhalb der ersten 25 Jahre und den folgenden 25 Jahre rund um die Konjunktion fiel ein weiteres Ereignis, das mit dem Licht (das Sonnenlicht ist es nicht, es ist das Licht des Geistes) zu tun hat.

Entdeckt wurde Uranus am 13. März 1781 – in den Vorwehen der Französischen Revolution und 13 Jahre nach Beginn des Großen Mondknoten-Pluto-Zyklus – und brachte (er stand in den Zwillingen) die industrielle Revolution, als eine Art „Atemhauch des Prometheus“ zu den Menschen.

Lt. Astrodata hat die Entdeckung einen Skorpion-AC und eine Uranus-Opposition (aus Haus 8) zu Mars und Saturn in Haus 2: Uranus bringt „Licht“ in das 8. Haus (Skorpion damals noch unter dem Herrscher Mars) – und bestrahlt gleichzeitig die Sonne in Haus 4. Mit Uranus kam aber auch die Spannung – der bis jetzt „unbewusste“, in sich und mit sich identifizierte Lebensausdruck wurde aus sich selbst heraus und in die Polarität geworfen. In der Folge war die Spaltung in der Welt. Dualität ist dagegen einfach zu handhaben – aber die wurde jetzt abgelöst. Der Kampf gegen die Bestimmung und die Zerstörung des „Sonnen-Ichs“ nahmen den Anfang. Herrscher von 10 (Löwe-Sonne) in den Fischen und in Haus 4: Mit der eigenständigen maßstäblichen Ausdrucksform identifiziert man sich seelisch (geordnete Seele) – man macht sich selbst zum Himmel?

Man hätte den soeben entdeckten Planeten ebenso gut nach dem Titanen Prometheus benennen können, aber dann hätte die Parallele zu Gäa in der MRL nicht gepasst. Besonders Prometheus bildet ab, wofür Uranus steht: mythische Personifikation von Rebellion, Revolution, technologische und kulturelle Innovation und das Streben nach Freiheit und Veränderung.[1] Um es nicht zu weit zu treiben – nur noch dies: Sicher ist, dass sich, als Uranus auftauchte, ein neues Verständnis von der Individualität (allgemein, aus bestimmten psychologischen Schulen auch als EGO bezeichnet) am Horizont abzeichnete. Man nahm eine Position außerhalb von sich selbst und seiner Subjektivität ein, entfernte sich von sich. Ist das das Kennzeichen von Individualität? Die paradoxe, bipolare Natur der uranischen Schöpfung stürzte alsbald das individuelle, jetzt mit „kosmischer Macht“ ausgestattete Ego-Ich aus seiner geschlossenen Identität mit sich selbst in eine absolut und rational bestimmte Welt. Was geschieht dann? Dieses absolute individualistische Ich (Löwe gegenüberliegend – der König in sich selbst) wartet seitdem als sich entfremdetes, „postmodernes“ Daseins-Ich (Geschehen des eigenen Lebens) auf eine Wiedergeburt. Sonne-Uranus – hält sich selbst für den Schöpfer und ist doch zutiefst unheil.

Entdeckung von Uranus am 13.3.1781 in Bath

Die „Aufklärung“, deren Hochzeit um 1768 gewesen sein dürfte, brachte die nordamerikanische Unabhängigkeit mit sich (1776), gipfelte in Europa in der französischen Revolution und erfüllte ein Leitbild: dass die Vernunft als universelle Urteilsinstanz althergebrachte, starre und überholte Vorstellungen und Ideologien gegen den Widerstand von Tradition und Gewohnheitsrecht befreien kann. Merkur ist der Vertreter der Vernunft – und er ist keinesfalls immun gegen Ideologien noch ist er außersubjektiv. Vernunft ist weder Verstand noch Geist im Sinne von spiritus! Sie ist allerdings der Bringer der naturwissenschaftlichen Methodik und Wiederholbarkeit von Vorgängen, z.B. in Experimenten, deren Ergebnisse nun zählbar gemacht werden. Man nennt es fortan exakte Wissenschaft. Doch das Licht im Außen – es wurde nun ja auch die Verwertung des (elektrischen) Lichts entdeckt – beleuchtete nicht das Innen, vielleicht gelegentlich. War es nicht 1802, dass sich ein Vorläufer der Glühbirne manifestierte? Die Geschichte der Beleuchtung ist eng mit Uranus verbunden. Erleuchtung durch Beleuchtung.

Weiterblick mit Turbo-Schluss: Worauf ich u.a. hinauswill – Wann kommt das Licht? – ist das Äußere und das Innere. Lebten nicht die noch besser, die in ihrem Horoskop weder Uranus noch Neptun noch Pluto stehen hatten? Geschweige dann all die anderen Trabanten, Kleinplaneten und Prinzipien, die in anderen Astrologieschulen noch so herangezogen werden? – Waren das nicht vergleichsweise beruhigtere Zeiten, in der die Menschen mehr bei sich waren, ohne diese transpersonalen Belange, die sie aus ihrer kleinen Ich-zentrierten Welt herausführten? Nein. Der Umstand – und das ist  trivial – dass ich von etwas nichts weiß, heißt ja nicht, dass dieses Unbekannte nicht bereits existierte und wirkte. Nun haben wir durch die Entdeckung der Himmelskörper, denen die Erfahrung der Himmelsbeobachtung ihren Wohnsitz im Pantheon des Tierkreises zuwies, mehr Einsichtsmöglichkeiten in uns, aber eben auch mehr Einsicht in (unliebsame) Herausforderungen über uns Einzelne hinaus zu verkraften. 

Die Entdeckung von Uranus fiel in die Epoche der Aufklärung – und in das erste Viertel des soeben begonnenen Mondknoten-Pluto-Zyklus. Die Entdeckung von Pluto fällt in ein anderes Viertel. Ich werde darüber ein anderes Mal schreiben. Hier nur so viel: Der Saturn der 1768-Konjunktion kommt knapp in die Nähe des 1930 frisch entdeckten Pluto (auf 17°45′ Krebs), und die Mondknoten-Pluto-Konjunktion ist knapp über dem Saturn der Pluto-Entdeckung – im Quadrat zu Uranus im Widder. Der Zyklus hat 1889 seinen Höhepunkt überschritten (und wurde wiederum von einem anderen Zyklus, nämlich dem des Neptun-Pluto-Konjunktions-Weltzeitenzyklus im Jahr 1892 vertont) und befindet sich auf dem Weg ins letzte Viertel, das 1949 beginnen wird. Wie werden wir diesen Zeitabschnitt später nennen? Verdunkelung oder doch die Wahre Aufklärung? – Und vor allen Dingen: Was hat die Aberkennung des Planetenstatus mit Pluto und mit uns gemacht? Das geschah am 24.8.2006, vier Jahre vor dem Abschluss des 1768-Zyklus. Dürfen wir nun keine Pluto-Mondknoten-Horoskope mehr machen?

Übrigens noch als letzten Zusatz: es gibt noch einen anderen Lichtbringer, den – lat. lux= Licht und ferre = bringen – man Luzifer nennt. Das ist eine eigene Geschichte!

 

[1] Vgl. Chandler, Robert. Uranus und Prometheus. Das Astrologische Journal, Bd. 38, Nr. 1. Jan./Feb. 96

Die Fotos stammen aus der Anthologie „Sonnenzeilen – Sonnenzeiten“ aus dem Jahr 2008, und ist in meinem Sonnen-Verlag (Khorshid) erschienen. Rechte bei mir.

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