Auflösung der Selbstidentität im Hintergrund*
„Litowski und Bojarski sind empört über das Verbot der Sinfonie von Popow. Sie wollen eine Kommission gründen. Ich dagegen habe vorgeschlagen, die Jury einzuberufen, die Popow prämiert hat, damit diese sich entweder selbst geißelt oder der Entscheidung der Repertkom widerspricht.“ (Brief Nr. 78 vom 31. März 1935)
„Ich war so traurig, die Rede hören zu müssen und du warst nicht bei mir.“ (Brief Nr. mir gerade nicht erinnerlich – liefere ich nach)
„In der Nr. 5 der Sowjetskaja muzyka ist ein vernichtender Artikel von Gorodinski und Jochelson über die „historische Diskussion“ im LenSSK über die Lady Macbeth. Deinen formalistischen Ausführungen wird gehörig Kontra gegeben. Insgesamt werden zahlreiche gehörige Abfuhren erteilt. Ach, das ist gut. Ich mag es. Das reduziert die Fettschicht.“ (Brief Nr. 67 vom 9. Juli 1934)
„Selbstredend ist der heutige Tag der glücklichste Tag meines Lebens: Ich habe Stalin gesehen und gehört.“ (Brief Nr. 99 vom 12. November 1935) **
51 Minuten dauerte die Rede des Herrn Steinmeier am 3.10.2026. Gehalten wurde sie in Bremen, pünktlich um 12:00 Uhr begann er zu sprechen, nachdem er in Boxkampf-Manier angekündigt worden war. Ich habe die Übertragung weder gesehen noch gehört, habe aber in das Schriftstück hineingelesen. Hier eine etwas andere Herangehensweise: Worum geht es? – Es geht um einen Pluto in 2. Das ist schon mal der Hinweis auf eine dichte, intensive, politische Rede, die auf die Belange der Bestände und des Reviers, auch der Selbstsicherung (in staatlichen Institutionen) abzielt. AC auf 25° Skorpion – es wäre von existentieller Entwurzelung zu sprechen, von der Notwendigkeit zum Wandel von Existenzgrundlagen, von einer Übergangssituation und davon, dass es eine wahrnehmbare Schieflage gibt, Merkur-Uranus-GSP: Man – das wäre in diesem Fall wohl das Land – ist gespalten, es sitzt zwischen zwei Stühlen. Pluto – nähme man ihn als Bringer des „Stirb und werde“ – wäre auf 3° Wassermann gefragt, auf den Erwerb von Rechten in der Gemeinschaft, auf Anerkennung in dieser einzugehen. Das skorpionische Prinzip gilt: Das Alte muss sterben, das Neue steigt gewandelt empor. Pluto und Skorpion stehen auch für Macht und Kontrolle. Es geht ein Fingerzeig in und an die rechtlichen und gesetzlichen Verbände. Nein, das ist nicht nur ein Fingerzeig – das ist schwerer Druck und eine Demonstration von Kontrollwille.
Merkur und Venus stehen ebenfalls im Skorpion, es formiert sich eine Ausführung der vorstellungsgebundenen Weise. Merkur auf 3° – im Skorpion ist es ein Sonne-Jupiter-GSP („alle Macht und Herrlichkeit“); er teilt sich mit, ist als Merkur-Pluto intensiver Sprecher und tiefgründiger Analytiker, trägt aber auch Züge von Zwanghaftigkeit, nimmt eine gewisse Alarmstimmung auf, ist heftiger Warner. Er stammt aus dem MC in der Jungfrau (die Warnerin) sowie dem Zwilling (der Einordner) in Haus 8 und zielt ins 11. Haus. In 11 ist er eigentlich „frei und unabhängig“ von bestehenden Umständen und könnte das Entstehende (hier gelangt etwas in die Zeitlichkeit) benennen. Merkur steht zwar im Skorpion, untersteht aber der Waage, die den Ausgleich und die Partnerschaft sucht, im Skorpion nachgerade die Bindung an beide. Auch davon hätte er zu sprechen – und er stünde im Dienst der Sonne in dieser Waage. Zuallererst der Gegenwärtigkeit „verpflichtet“, dann dem, das nicht Gegenwart ist, auf das er sich aber bezieht.
Der Stier am DC gibt ein „Bild“ nach außen ab, und der Blick fällt auf die Venus in 11 (zurück). Ebenso unfrei wie Merkur ist Venus – sie könnte in 11 unabhängig sein – ist es aber nicht, denn sie ist im Skorpion orientiert. Skorpion – das Gedächtnis und darin die Erinnerung, die gemachten Erfahrungen, die dort lagern. Er gibt nichts so leicht frei. Neben der Möglichkeit, die Wandlung und Transformation des Gemeinschaftlichen (aus dem Stier in 6 und 7 die Umstände und die Begegnungsfähigkeit mit dem Gemeinschaftlichen im Außen) in der „Chronik“ zu figurieren und in Ausgleich zu setzen, hat sie auch die Möglichkeit, dies zu verweigern. Sie könnte auch ein fixiertes Bild (ein Leitbild) fassbar machen, es „einhegen“, und dass sie das wahrscheinlich tun wird, zeigt wiederum das Quadrat zu Pluto in 2.
Nochmals: Es kann und wird um das Entstehen von Neuem gehen, dessen man sich erinnert und das in der Erscheinung realer Institutionen Veränderungen und Entwicklungen bewirkt oder bewirkt hat. Im 7. Haus – es gehört über den AC auch zur Ausgangsanlage – steht Uranus in den Zwillingen. Hinweis auf ein „gespaltenes“ (polarisiertes) Publikum wie ein polarisiertes Denken. Uranus ist der Vertreter von Wassermann als Anzeiger von überpersönlichen Kollektiven. Im Wassermann kollektivieren sich Ideen und Visionen von Gerechtigkeit bei Unabhängigkeit von persönlichen Beschränkungen. Einschränkende Bedingungen, die der Einzelne in seiner Dualität zur Welt erlebt und erleidet, werden im Merkur-Uranus aufgehoben. Uranus in 7 und in den Zwillingen bewegt sich in einem Umraum nicht linear oder logisch, sondern die Logik durchbrechend. Auch Merkur-Uranus: die „Hecke“ wird zum Bild der Grenze, die Hexe ist die auf der Grenze „Reitende“. Es besteht eine Forderung nach Reinheit und Unberührbarkeit, damit Erfahrungen in der Distanz gemacht werden können. Uranus ist das Eis, das im Außen aufgeführt wird, seine Umgebung ist der zugefrorene See (Haus 3), worunter sich das Wasser des Unbewussten befindet. Das 3. Haus ist Haus der Medien, der Kommunikation – diese ist distanziert-elitär, unerbittlich-hart, von oben herab.
Man achte auf den Mondknoten, der auf 29°03′ Wassermann gerade noch zulässig im Quadrat zu Uranus steht. Was ist die anstehende Aufgabe, und was steht dem erschwerend und herausfordernd zur Seite?
Zu komplexen Skorpion-Anlage gehört noch ein weiterer, kräftiger, Mitspieler mit Führungsanspruch, und zwar Mars, der in Opposition zu Pluto steht und aus dem 5. Haus stammt. Ein feuriger, zorniger Ruf aus dem Lebenstrieb wird ins 8. Haus in den Löwen geschickt. Hier steht er auf 3° – und auf einem Jupiter-Pluto-GSP. Er hat etwas aufzudecken; Mars sagt grundsätzlich, was ist, er würde hier von der Unvereinbarkeit und Unverträglichkeit zweier Elemente sprechen, deren Zusammenfügung nicht standhalten und früher oder später – und es betrifft Lebenswelten wie auch Löwe/5. Haus = die „Regierung“ – auseinanderfallen wird. Er sollte sprechen, er sollte Pluto in seiner Macht- und Schaltzentrale ebenso benennen und ist an Merkur und Venus im Skorpion gebunden, die er ebenso aufdeckt, sofern sie das Wahre veruntreut haben.
Bei Mars-Pluto ist immer an die „Angst vor dem Bösen“ zu denken. Die Konstellation kann mit brachialer Gewalt und der Zerstörung der Form einhergehen, wenn sie gegen das Prinzip steht, und Mars zum Rächer des veruntreuten Neptun geworden ist. Mars-Pluto ist der Austreiber des Verdrängten, der „Königsmörder“, wenn der König ein unechter ist; und hat gleichzeitig eben jene Angst vor dem Bösen. Das Böse ist dabei das, was nicht gelebt werden darf, und sich gerne der Fassade des Bürgerlichen bedient, um dahinter sein Verdrängtes zu verstecken. Der negative Mars-Pluto hat viel unterdrückte Energie, die sich „irgendwie“ entladen wird – Gewaltbereitschaft (körperliche), Mordimpulse, Amoklauf, kriminelle Energie sind reichlich vorhanden. Mars-Quadrat-Merkur ist hier die scharfe Rede, Mars-Venus die Energie, die Figurationen zerstört.
Im Zwang des Bösen zu sein, macht letztlich wiederum „böse“ – man ist vom Bösen besetzt, wittert es überall (Merkur in Skorpion), und indem man sich im Vorgang immer wieder verbraucht, wird man zum Handlanger (z.B. einer kollektiven Vorstellung von Reinhaltung, was sich in Genoziden oder aber in der sublimierten Auslöschung eines Gegners mit zur Verfügung stehenden Machtmitteln ausdrücken kann). Mars in 8 – ebenfalls noch Mars-Puto: Drinnen ich (Pluto) – draußen die anderen, die Angreifer (Mars). Hier fühlt sich jemand angegriffen und wird mit der Macht, die ihm real zur Verfügung steht, entgegnen.
Das tut er mit einer Sonne in der Waage, der ein Saturn im Widder entgegensteht. Die Diplomatin, die Verträge aushandelt, die zwar aggressiv denkt, aber nicht handelt, die eine Beißhemmung hat und sich im „anderen sieht“ (Ich bin Du, das Du im Ich und umgekehrt). Die Waage, die strategisch vorgehen kann und Arrangements eingeht. Diese Sonne, die – wie gesehen – über ihre Venus Aspekte von Pluto in sich trägt – verhielte sich eigentlich versöhnlich, friedensbereit – im besten Falle. Aber Saturn in Widder fordert sie insofern heraus, als er im 4. Haus eine Ordnung „aufstellt“, die den ungerichteten Lebenstrieb (in 5) zum einen bremst, ihn verbindlich über sich selbst hinaus, aber eben zum anderen für die (heimatliche) Selbstdurchsetzung auch hinderlich macht. Eine Stellvertreter-Energie sozusagen, die der Sonne entgegentritt. In diesem Fall kann sie sie vielleicht sogar für sich arbeiten lassen: Saturn verleiht der passiven Waage-Energie staatlicherseits (Steinbock in 2) Autorität. Das spielt sich von Haus 10 zu Haus 4 ab: Sonne-Saturn und Mond-Saturn. Von „oben“ wird quasi ein Gesetz des Ausgleichs ins Innere gesetzt. Der „Preis des Ausgleichs“ ist die Unterordnung des Subjektiven/Heimatlichen unter die Institutionen, die in Haus 2 stehen.
Und dort im Steinbock steht die Sonne des Mannes, der diese Rede hält, während sein Mars exakt auf dem AC im Skorpion steht, einen Spiegelaspekt zum Pluto in Wassermann. Es gibt noch mehr zu entdecken.
Und das Heimatliche, das Volk, das Innere? Fische am IC, Neptun in 4, Mond im Krebs in 8, im Quadrat sowohl zu Saturn als auch zu Neptun. Gibt es da was?? Darüber werde ich (wenn ich dazu komme) zu gegebener Zeit noch schreiben! Ich muss noch weiter graben, und mir kommt doch ganz nebenbei der Gedanke an Solomon Volkows Biografie über Dmitri Schostakowitsch („Zeugenaussage“) in den Sinn.
* Der Tagessatz aus dem Oktoberkalender für den 3.
** Briefe von Dmitri Schostakowitsch an seinen Freund Sollertinski



