Herren und Sklaven

Du denkst, du entgehst ihnen,
wenn du dich nur weit genug
von ihnen entfernst.
Du denkst, sie vergessen dich,
wenn du den Kopf senkst und ihrem
Blick nicht mehr antwortest.
Du denkst, du seist Herr der Lage,
wenn du sie beschimpfst und
für dein Leid verantwortlich machst.

Du denkst sogar,
du hättest sie besiegt,
doch das ist eine fatale
Umkehrung der Verhältnisse.
Solange du denkst,
sie da draußen wären
die Bösen,
solange du denkst,
du da drinnen wärst ein
Opfer der Umstände,

solange du denkst,
man hätte dich nur richtig
orientieren müssen,
bist du von deinen eigenen
Dämonen besetzt
Und – ein Sklave.
aus: Das Schwere annehmen … und das Leichte ernten, 2006

