2.5.1 – Der Untergang der Xhosa
„Jede der vier Grundarten der Meute ist von Anfang an und überall vorhanden, wo es Menschen gibt. So sind auch immer alle Umschläge von einer Meute in die andere möglich.“[1]
In Masse und Macht wird Canetti 1960 von der Vorform der Masse schreiben: die Meute besteht aus einer geringen Anzahl von Individuen mit einem gemeinsamen Ziel. Es gibt vier Varianten: die Jagdmeute, die Kriegsmeute, die gegen eine andere Meute ins Feld zieht, die Klagemeute, die ein verstorbenes Mitglied betrauert, und die Vermehrungsmeute, der es in erster Linie um die Erhöhung ihrer eigenen Zahl geht.[2] Der Meute übergeordnet ist die Masse, die sich vor allem so zusammenfassen lässt:
- Wachstum und Grenzenlosigkeit (auch Expansion/Ausdehnung).
- Gemeinschaft der Gleichheit, was sie für den Einzelnen attraktiv macht.
- Dichte ohne größere Lücken. Im Moment der Entladung ist die Masse am dichtesten.
- Richtung auf ein Ziel hin. Die Masse kann sich stockend oder in einem fortwährenden Rhythmus entwickeln.[3]
Macht – der zweite Begriff aus dem Titel – ist bei Canetti mit Essen gleichgesetzt: Essen bedeutet Macht. Der Vorgang des Beutezugs, das Auflauern, Anpirschen, Berühren, Ergreifen, Zermalmen oder Zerquetschen geht der Nahrungsaufnahme voraus. Man verleibt sich den Gegner ein und damit einen Teil seiner Kraft. Wer töten kann, ist mächtig. Gleichermaßen gilt: Wer essen kann, hat Macht. Sichtbarer Ausdruck der Macht eines Menschen sind seine Zähne und seine Hände. Mars und Merkur aus dem Zwilling.
Macht hat auch mit Überleben zu tun: Wer im Kampf nicht getötet wird, ist mächtig. Und nun formuliert Canetti sinngemäß so: Der Masse der Überlebenden steht eine Masse von Leichen gegenüber, nur so können sich die Sieger ihres Sieges sicher sein. Paranoide Machthaber können ihre Angst vor dem Machtverlust nur durch das Töten besänftigen. Soweit der Exkurs.
Das Schicksal von zeitlich und räumlich entrückten Kulturen hat Elias Canetti (geboren 1905 mit einer Venus-Pluto-Konjunktion und einem Neptun auf Uranus-Pluto-GSP) zum Thema genommen, und sich der folgend erzählten Geschichte in einem Essay angenommen.[4] Unter dem obig angeführten Kapitel werde ich die Geschichte aufnehmen und untersuchen, was sich astrologisch lesen lässt.
[1] Elias Canetti, (1960): Masse und Macht, 134
[2] Vermehrungsmeuten finden sich vor allem bei den Urvölkern, wo z. B. in Tanzritualen Büffel angelockt werden sollen. Bekannt sind die Klagemeuten der christlichen Passionsfeier und die des Muharramfestes der Schiiten.
[3] Z.B. der Haka-Tanz der Maori-Ureinwohner, bei dem der ganze Stamm zur zuckenden, stampfenden Masse wird.
[4] Anette Horn, Nongqawuse und der Selbstmord der Nation als antiimperialer Aufstand: Elias Canetti und die Xhosas, auf: http://kapstadt.org/suedafrika/literatur/



