Im April 2026 habe ich nun doch die Ring-Bücher wieder herausgeholt und gehe sie durch, nicht um abzuschreiben, sondern weil ich Neues lesen möchte. Ich korrigiere mich: Man kann auch einen Lehrer, von dem man viel gelernt hat, zur Seite legen. Vor allem dann, wenn seine Lehre sich als zwingend und geschlossen herausstellt. Aber mir ist schon klar, dass die Leute sowohl Ring als auch Döbereiner lesen werden, aber keine Afshar.
„Will das Bewußtsein in Unbekanntes vordringen,
muss es ‚Selbstverständlichkeiten‘ überwinden.“
(Thomas Ring, „Existenz und Wesen in kosmologischer Sicht“)
Thomas Ring (1892-1983) war Schriftsteller, Maler, Philosoph und Astrologe. Als Mitglied der Künstlergruppe „Der Sturm“ wurde er in der Öffentlichkeit hauptsächlich als Dichter und Maler bekannt. Einige seiner Werke sind in deutschen Museen zu finden, zahlreiche in Privatsammlungen und ein großer Teil befindet sich im Besitz der Familie. Als er im Alter von 91 Jahren starb, hinterließ er Gedichte, Essays, Theaterstücke, Roman-Manuskripte und Schriften philosophischen Inhalts. Der größte Teil dieses Nachlasses kann im Deutschen Literatur-Archiv in Marbach a. N. eingesehen werden
Rings Bedeutung liegt – bei aller Vielseitigkeit – wohl doch in seinem astrologisch-philosophischen Werk – und hier besonders in seiner Begründung einer „Revidierten Astrologie“. Während sechs Jahrzehnten formte er die verschiedenen Strukturebenen der traditionellen Astrologie in eine umfassende Menschenkunde um, die auch Ergebnisse (vor allem) der modernen biologischen und psychologischen Forschung integriert.
Die „Revidierte Astrologie“
Der Begriff – auch Revidierte Klassik genannt – sollte eine zeitgemäße weltanschauliche Weiterentwicklung der Klassischen Astrologie im Zwanzigsten Jahrhundert darstellen. Die Horoskop-Deutungen weichen dabei soweit von jenen der Klassischen Astrologie ab, wie auch Umfang und Art der berücksichtigten Horoskopelemente sich so sehr unterscheiden, dass das weit verbreitete Etikett Revidierte Klassik eher missverständlich wirken kann und Rings vielschichtigen Werken zur Astrologie nicht hinreichend gerecht wird.
- Er bestreitet den Einfluss der Gestirne im mechanischen Sinn und wendet sich gegen starre Deutungsregeln, gegen jede Form von Determinismus, sowie gegen konkrete Ereignisprognosen.
- Außerdem sprach er von den Aussagegrenzen des Horoskops. Demnach können bestimmte Angaben wie etwa der Zeitpunkt des Todes eines Menschen, sein Geschlecht, sowie seine Entwicklungs- und Intelligenzhöhe einer Radix nicht entnommen werden. Die Revidierte Astrologie hat viele moderne astrologische Richtungen, insbesondere die psychologische Astrologie, entscheidend beeinflusst.
- Im Umgang mit den Aspekten schlug Thomas Ring ebenfalls neue Wege ein. Er lehnte dabei eine Wertung ab und sprach stattdessen von „analytischen“ (statt „schwierigen“) und synthetischen (statt „guten“) Aspekten.
- Er schuf zudem für die Tierkreiszeichen und Planeten überaus prägnante Begriffe. Bei den Tierkreiszeichen taucht für jedes Element immer dasselbe Attribut auf: Das Feuerelement ist danach das Willensmäßige; das Erdelement das Stoffliche; das Luftelement das Geistige und das Wasserelement das Seelische.
Quelle: https://www.astro.com/astrowiki/de/Thomas_Ring
Die oben verlinkte Website der Thomas Ring-Stiftung will sowohl zum bildnerischen Werk als auch zum dichterischen und astrologisch-philosophischen Werk Rings Hinweise und Informationen geben.