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HERRSCHER VON 4 IN 10

Der seelische Ausdruck wird maßstäblich und verbindlich über sich selbst hin-aus. Indem man verbindlich und geistig unterscheidbar ist, drückt man sich seelisch aus. Der seelische Ausdruck wird in eine Form gebracht (gepresst).

IC Schütze – Jupiter in Zwillinge/Krebs

Die expandierende, sich öffnende, aber auch „flüchtige“ Wesensanlage wird in einer sachlich-neutralen (oder den inneren Bildern gemäßen) Weise bestimmend über sich selbst hinaus.

Das Horoskop ist das einer Fernsehsendung. Im 4. Haus stehen vier Planeten, von denen Neptun und Merkur über den Schützen in den I. Quadranten und auf den Uranus im 3. Haus geschoben werden. Im 4. Haus liegen die Inhalte (Bilder und Gestalten des Lebens), die in eine Erscheinung (ins 3. Haus) und eine Lebensform (5. Haus) hinein „erschaffen“[1] werden.

Eine seelische Potenz, die ständig auf der Suche nach Objekten ist, an denen sie sich aussteuern kann, will das Wesen der Dinge begreifen. Der Schütze jagt, und er kommt dabei in der großen Welt herum.

Die „seelische Potenz“ ist hier eine Welt der Einsichten in außerpersönliche Funktionen in Zusammenarbeit mit Beobachtung, Analyse, Diagnostik und Darstellung bzw. Verknüpfung. Der Merkur ist sowohl in der inhaltlichen Ausgangssituation enthalten wie er auch Herrscher der Sache an sich (das Veränderliche wahrnehmen und im Sinne des Lebens verwerten) und ihre Finalität (Kenntlichmachung und Berichten) ist. Merkur steht auf einen Pluto-Uranus-GSP. Was will er da? – Befreiung aus der Vorstellung, Enttäuschung, nachdem eine Täuschung über den „Ursprung“ bestanden hat oder aber auch die perfekte Ersetzung des Wirklichen durch Vorstellungen – Merkur macht daraus eine „Information“, beschreibt die Geschehen und Ereignisse.

Neptun steht 5° entfernt auf 16°48‘ Schütze – Jupiter-Uranus – der gut gefügte Ursprung – man könnte durchaus sagen: eine Quelle der Weltanschauung verpflichtet sich dem Wirklichen und der Herkunft der Bestimmung. Es geht um das Wesen der Dinge an sich ohne Täuschung. Fische am DC weist auf ein „hintergründiges Denken“ hin. Man ist unabhängig von den Vordergründen, und sucht jene Begegnungen, in denen man von der Notwendigkeit zur Anpassung frei ist, um sich in dieser Freiheit in seelischer Anschauung Klarheit zu verschaffen. Neptun in Haus 4 ist hier aber auch die Auflösung des Selbst, des Bildes, das man von sich in sich trägt, hier auch zu lesen als die des Inhaltlichen, und die Möglichkeit zur Täuschung über die eigene Fähigkeit, Einblick zu nehmen, die sich dann überträgt.

Herrscher von 7 in 4: Seelische Entfaltung und Besinnung auf das Wesentliche. Die Suche nach einer seelischen Ausdrucksform. Man benötigt Partner und das Denken, um eine seelische Ausdrucksform zu finden (seelischer Narzissmus).

Die Frage ist, wie sehr ist man der Wahrheit verpflichtet (was einen starken Idealismus bedeuten kann) und wie sehr ist man bereit, sich auch von der Verpflichtung an die Wahrheit zu lösen (eventuell Moralismus und Pragmatismus).

Im 3. Haus steht Uranus in Skorpion, und der an der Spitze von Haus 3. Eine tiefgehende, kontrollierte Aufführung, mit der Verpflichtung an die Organisationsform.

Herrscher von 3 in 2: Selbstsicherung und Verankerung im Sozialgefüge durch aufweisendes Bezeichnen und mit den Mitteln der Darstellung.

In dieser „Gemeinschaftsform“ stehen Pluto und Mond gemeinsam auf dem Saturn-Uranus-GSP in der Waage. Es sind in dieser konkreten Form Einzelwesen mit einer Leitbildorientiertheit enthalten. Man könnte auch sagen: hier arbeiten Menschen, die einer bestimmten, von außen herangetragenen Vorstellung verpflichtet sind. Der Hinweis auf Saturn und Uranus führt zurück zum Uranus in Haus 3.

Herrscher von 6 in 3: Darstellung und Repräsentation der Wahrnehmung, Beobachtung und Nutzung der Umwelt. Seelische Aussteuerung durch Selbstdarstellung.

Der Wassermann an der Spitze von Haus 6 hebt aus den Umständen des Lebens heraus, er macht es schwer, die Lebensform so, wie es die Lebensform schützen sollte, auszusteuern. Der Schutz des Lebens ist der „Quelle“ unterstellt, und die Verwertung dieser Quelle wird zur Darstellung der realen Sozialform. Die Darstellung ist polarisierend, spaltend, visionär und die logischen, straffen Regeln der Berichterstattung auflockernd, aufhebend.

Der Saturn ist in noch anderer Hinsicht zu betrachten: Er steht in Haus 12, was wiederum auf eine „Bestimmung“ im Unsichtbaren und des im Hintergrund Unabhängigen, das ohne Zwang der Anpassung auf das Maß und die Ordnung der Dinge hinweist. Saturn aber ist in 12 fremd – er gehört dort nicht hin. Er „ordnet“ und normiert bereits, bevor die in 12 beherbergten Gestalten Zeit und Raum geworden sind. 

Herrscher von 5 in 12: Der Lebens- und Ausdruckstrieb löst die bewusste Anpassung und Vernunft auf. Der unmittelbare Lebenstrieb und der Gestaltungsdrang drückt Hintergründe aus. Spontaner Ausdruck nicht mehr möglich, da unabhängig von allgemein gültigen Normen.

Ersetzen wir „Gestaltungsdrang“ durch „Erschaffensdrang“. – Was an Inhalten in Haus 4 liegt, wird in einer normierten und maßstäblichen Art und Weise erschaffen, es orientiert sich nicht an Subjektivem, mit sich selbst Identifiziertem, sondern richtet sich auf das aus, was nicht mehr und noch nicht in der Zeit und der Welt ist. Hier wird eine gesellschaftliche Verantwortung, die nicht sich selber meint, zum Lebensausdruck.

Herrscher von 12 in 4: Seelische Entfaltung und Besinnung auf das Wesentliche. Suche nach einer seelischen Ausdrucksform durch Erfassen von Hintergründen und Indirektem. Indem man Hintergründe aufspürt, sie in eine Ausdrucksform bringt, identifiziert man sich seelisch.

In diesem Fall bringt der Löwe auch den Saturn wieder mit zurück in die Ausgangslage. Quasi einmal hineingegossen und umgewandelt wieder herausgeholt: Bleigießen? Im Hintergründigen wandelt sich die Ausdrucksform proteushaft, löst sich auf und kommt zurück, um sich im vorherigen Medium auszudrücken. Es wird die Möglichkeit bestehen, dass bei diesem Wechsel des Aggregatzustandes anderes herauskommt, als hineingegeben wurde. Vor allen Dingen ist eine Prise Mars enthalten – eine energiereiche Bindung an Partner und Bilder hebt bisherige Grenzen auf, aber in Haus 11 ist die Bindung eben auch unverbindlich. Man möchte Maßstäbe und Verbindlichkeiten aufheben, mit Mars-Uranus bleibt eine Affinität zu Fremdbestimmbarkeit, aber man ist auch ein Mutant, einer, der ständig aus den Milieus heraus möchte. Der Milieuwechsel gehört zum Programm.

Wie Neptun steht auch die Sonne auf einem Jupiter-Uranus-GSP – Erfolg ist vorprogrammiert. Sonne in Steinbock mit der Venus dabei: Eine klare Linie, eine Verpflichtung an die Ordnung und Aufgabe, der man sich stellt.

Uranus und Saturn im GSP mit dem Pluto-Mond darauf hat eine Macht-Komponente. Es steht „etwas“ auf dem Spiel, und es müssen Arrangements eingegangen werden. Jupiter in 10 verpflichtet, er wie auch Saturn haben keine Aspekte zu anderen Planeten. Da schwingt ein Angebot zu großem Spielraum und Ungebundenheit mit, die sich ebenfalls auf den Wahrheitsgehalt des Urstoffs beziehen könnte, der IC übrigens mit 12°23‘ sehr in der Nähe von Saturn-Uranus-GSP auf 12°18‘ Schütze. Da ist etwas nicht miteinander vereinbar.

Wolfgang Döbereiner stellte der ersten Sendung der Tagesthemen[2] das Horoskop. Darin ging er von der Jungfrau am AC aus: Er bescheinigte der Sendung eine Diagnose- und Analysefähigkeit in Bezug auf inhaltliche (II. Quadrant) Vorgänge. Mit dem 4. Haus zusammen – so formulierte er es – ergebe sich das Bild eines Psychoanalytikers. Das neue, 30 Minuten lange Format ersetzte von nun an die Spätausgabe der „Tagesschau“; etliche Zuschauer empfanden den Start als „kleine Revolution“, manche fanden sie  „gewöhnungsbedürftig“: der Nachrichtensprecher wurde von einem Moderator begleitet, und geriet damit in eine  Nebenrolle, wahrnehmbar in ein Abseits. Aus der Nachrichtensendung wurde ein Magazinformat. Uranus im Skorpion in Haus 3: der ungewöhnliche, leitbildorientierte Kommunikator in der gewandelten Darstellung und Ausführung der Erscheinungsform (mit „Bildabgabe“), während die Lebensform der Nachrichten „entmachtet“ ins 12. Haus wanderten und sich beschränken mussten. Auf 0° Jungfrau – ein neuer Abschnitt hinsichtlich der gewissenhaften Erfüllung von Wahrnehmungs-Aufgaben und dem kurzen, knappen „Rapport“ subjektiver Umstände, einer kritischen Betrachtung im Sinne von Analysen aus der Warte der größeren Ordnung, aber er rückt aus der Sichtbarkeit. Aus Protest – er spielte jetzt nur noch die zweite Geige – soll der damalige Chef-Nachrichtensprecher Karl-Heinz Köpcke[3] (nachgerade Amtsperson und maßstäblich) unüberhörbar mit Papier geraschelt und gegähnt haben.[4]

Die Tagesthemen sind am 2.9.2020[5] mit einer Änderung, die Wolfgang Döbereiner umgetrieben hätte, einen nicht unumstrittenen Schritt gegangen. Die Redaktion änderte die Bezeichnung des „Kommentars“ in „Meinung“ und begründete dies damit, dass das für jeden einfach und leicht verständlich sei; was hinter einem Kommentar stecke, sei dagegen erklärungsbedürftig.

Eine Meinung ist immer subjektiv und kann gar nicht neutral sein, insofern sie sich emotional mit der betrachteten Sache und Situation identifiziert (Krebs). Eine neutrale Meinung gibt es also nicht. Ein Kommentar kann sehr wohl neutral sein und die Dinge von höherer Warte aus betrachten. Aber auch er hat weniger die Wirklichkeit im Blick, wohl aber die Realität bzw. die Erscheinung in der Zeit, und die wird wiederum von jedem Einzelnen anders bewertet. Kommentare sind der Versuch einer objektiven Bewertung einer Situation.

Dazu einige abwegige Gedanken:

„Ich habe keine Lehre. Ich zeige nur etwas. Ich zeige Wirklichkeit, ich zeige etwas an der Wirklichkeit, was nicht oder zu wenig gesehen worden ist. Ich nehme ihn, der mir zuhört, an der Hand und führe ihn zum Fenster. Ich stoße das Fenster auf und zeige hinaus. Ich habe keine Lehre, aber ich führe ein Gespräch.“[6]

Die Wirklichkeit ist das, was über den einzelnen Menschen als Subjekt seines Lebens hinausgeht. In die Wirklichkeit reicht sein Wille nicht, denn sie entsteht absichtslos – und wirkt von uns unabhängig. Und: „Die ‚Wahrheit‘ setzt sich nicht durch – sie scheint durch.“ – Auch von M. Buber.

Grundsätzlich: Eine Rundfunk- und Fernsehsendung vom Format der Nachrichten ist weniger der Wahrheit als der Information verpflichtet. Das ist schon einmal der grundsätzliche Unterschied von Neptun und Pluto. Wenn sie von „Wahrheit“ sprechen, ist es diese nicht. Nachrichten leben mit und von Informationen. Informationen setzen sich im Gegensatz zur Wahrheit „durch“, und sind sehr erfolgreich im Setzen von Zeichen. Was ist aber bei diesem Formatwechsel geschehen?

Wenn die Äußerung zu einer bestimmten Information in einem Kommentar sachlich die Für und Wider abwägt, und der Kommentator zudem die Haltung der gesamten Redaktion gegenüber ihrer Berichterstattung zu dieser Information repräsentiert, ist das eine Angelegenheit des I. Quadranten und hier eines Kollektivs. Wenn nun ein Einzelner aus diesem Kollektiv zu einer Information seine subjektive Einschätzung äußert, ist er angreifbarer als es das gesamte Kollektiv wäre. Äußert er nun negative Kritik an den Geschehnissen, die Gegenstand der Rundfunk-Informationen sind, wird er persönlich zur „Rechenschaft“ gezogen. Der Schutz des Kollektivs ist weg, und sofern seine Kritik nicht der Mehrheitsmeinung entspricht, wird er allein hingehängt. Nun hängt aber seine Existenz an seinem Redakteursjob, und er kann sich nicht leisten, ihn zu verlieren. Folglich wird er sehr darauf achten, mehrheitsmeinungskonform zu „meinen“. D.h. wir werden jetzt nach und nach „Meinungen“ hören, die in den Gremien der Sender vertreten werden. Ich mag eine Unke sein und falsch liegen: Eine kritische Meinung wird sich nach und nach zerstreuen. Noch nicht sofort – aber der Grundstein zur Abschaffung der Meinungsfreiheit, wie wir sie kannten, zeigt sich in der Hervorkehrung der Meinungsäußerung.

2020 war das Jahr der Konjunktion von Saturn und Pluto im Steinbock. Diese Konjunktion schlug sich mal mehr, mal weniger auf staatspropagandistische Weise in der „Berichterstattung“ nieder. Erinnern wir uns an die offizielle Medienwelt während der Lockdowns. Und einmal etabliert, wird davon auch nicht gelassen.

Nebenstehend sind die Konstellationen vom 12.1.2020: Neptun steht exakt auf dem DC der ersten Tagesthemen-Sendung. Es ist das 42. „Geburtsjahr“ der Sendung und Neptun ist außerdem im Quadrat zum Radix-Neptun. Die Sendung war oder ist in einer Midlife-Krise.

[1] Der Begriff „Gestalt“ und damit verbunden das „Gestalten“ als Tätigkeit (im 5. Haus) ist von Wolfgang Döbereiner immer wieder umgewälzt worden. Zwischen der frühen Verwendung in der MRL und der späteren gibt es manchmal Verwirrung. Das Gestalten, wie es nach der Schöpfung des „Wegs der Aphrodite“ verstanden wurde, ist nicht länger Tätigkeit als Ausdruck des Lebenstriebes. An die Stelle des „Gestaltens“ im 5. Haus trat das „Erschaffen“ (im II. Quadranten als die Umsetzung der aus Haus 7 anströmenden Bilder). WD, Zorn des Poseidon, S. 53-54.

[2] Die 1. Sendung der Tagesthemen am 2.1.1978 wurde von Klaus Stephan moderiert.

[3]  Geboren am 29. September 1922 in Hamburg, nach ADB um 22:45 Uhr, mit einem Uranus in den Fischen am MC und einer Sonne-Saturn-Konjunktion in der Waage in Haus 4.

[4] Am selben Tag führte auch das ZDF ein neues Format der heute-Sendung als „heute-Journal“ ein. Nach Jahren als Korrespondent gründete Hans-Dieter Kronzucker 1978 die Redaktion. Die um 21:00 Uhr ausgestrahlte Sendung hat den Saturn knapp in 12 am AC und als Herrscher von Haus 4 Pluto in Haus 2, eine Venus-Sonne-Konjunktion in Haus 5 als Abgesandter aus dem Stier am MC: die Sprache ist immer die des Angesprochenen, sowohl, was die Sujets angeht, als auch die Menschen, die man anspricht. Es wird volksnaher. (Kronzucker meinte, man habe den Konjunktiv und auch die Passiv-Konstruktionen gestrichen.)

[5] Der erste Beitrag unter dem Titel „Meinung“ wurde von Thomas Kreutzmann vom Hessischen Rundfunk gesprochen, der sich aus subjektiver Sicht zum Thema Wirecard-Skandal äußerte.

[6] Martin Buber

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