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HERRSCHER VON 4 IN 10 (2)

Herrscher von 4 in 10

Der seelische Ausdruck wird maßstäblich und verbindlich über sich selbst hinaus. Indem man verbindlich und geistig unterscheidbar ist, drückt man sich seelisch aus. Der seelische Ausdruck wird in eine Form gebracht (gepresst).

IC Löwe – Sonne in Wassermann

Die Empfindungswelt als Quellort des Lebens ist die subjektive Bewegung (= Emotion) aus sich heraus. Seele als Erlebniswelt, mit der man sich identifiziert. Der Ausdruck dieses Lebens wird in einer (aufhebenden) Neuordnung maßstäblich über sich hinaus.

Bei der nachstehenden männlichen Person beginnt der IC-Verbund im 1. Haus.. Der Krebs füllt das komplette 2. Haus, und schneidet das 3. an. Beide Häuserspitzen stehen auf einer Gruppe von Gruppenschicksalspunkten, die über die Belange der konkreten Erscheinung wie auch die Darstellungsweise einiges aussagen können. Im Krebs und im 2. Haus steht Saturn. Hier liegt ein Ordnungselement in der seelischen Unordnung vor – und erhält auch noch eine Opposition von Neptun in Haus 8 (Saturn-Neptun als Hinweis auf eine Minderheitenlage mit Rechts- und Revierunsicherheit). Als Vorarbeit für den Losgang ein Opfer? Etwas ist untergegangen. Die Selbstsicherung (Venus) aus dem vorherigen Leben, der Stier in Haus 12, ist in den Fischen hängengeblieben und wird im nächsten Zyklus als Neuheit und aus dem Ungeteilten ins Zeitliche zu schöpfen gelebt werden.

Saturn in Krebs – Hartes, Eckiges, Verdichtetes drückt auf den Magen, werden Erscheinung (Mund-Nasenfalte), der Mond steht beim Jupiter in Haus 6 im Skorpion – wird zum Hoffnungsprinzip in den Erfahrungsbildern. Die Erweiterung der Suche nach sich selbst in den von Außerpersönlichem gewirkten Um-ständen, an die man sich bindet. Das aber auch wiederum „nur“ unter den Rahmenbedingungen der Venus in den Fischen – auch Ideen und Gedanken sind in seinem Ungeteilten versunken.

Die Sonne steht auf einem Venus-Pluto-GSP und nimmt die Durch-führung dieser Seele in einem Meeresrevier vor. Sie tut dies auf die Weise des Wassermann: seelisch unabhängig, aus der Sicht des Subjektiven in Heraushebung aus Lebensabhängigkeiten, eine Daseinsform der neuen Art. Wassermann: der Visionär. Die Sonne ist eine geregelte Sonne – heißt, dass der Verdacht naheliegt, dass sie zu einem Instrument wird und zur Ausführung von Vorgängen neigt. Merkur stammt aus der Jungfrau und die bewerkstelligt im Erschaffenden die Aussteuerung der schöpfenden Sonne. Jungfrau im 5. Haus – mitten im Spiel analysiert sie bereits sich selbst, beobachtet sich beim Spielen, steuert sich aus – und wird sich nie ganz verausgaben und sendet Merkur auf einen Saturn-Mondknoten-GSP. Aus großer Höhe, oder mit einem Höhenunterschied stellt man Tode und Trennungen dar – die Landschaften dieser Aufhebung und Trennung steht im 9. Haus – in der Fügungswerkstatt.

Herrscher von 5 in 10: Der Lebens- und Ausdruckstrieb wird auf entschiedene und gestalterische Weise maßstäblich und verbindlich für andere. Spontaner Ausdruck muss sich Maßstäben unterordnen.

Im 5. Haus – am Ende des IC-Verbundes und im Zuständigkeitsbereichs des ICH – kommt es zu einem Bruch oder Riss, auf jeden Fall zu einer Konfrontation. Jungfrau und Waage begegnen sich in ihrer Gegenläufigkeit. Dabei haben Merkur und Venus zwei völlig unterschiedliche Aufgaben und kommen nicht zusammen: Merkur steht bei der Wassermann-Sonne und Venus in den Fischen. Dabei ist – in der Verbund-Richtung – die Venus quasi die Verhaltensvoraussetzung und Exposition für die Sonne. Sie legt die Versunkenheit der Gestalten im Zeitlosen vor, die Merkur mit der Sonne schreibend schöpfen wird.

Die Waage ist das Endzeichen des Verbundes Schütze-Skorpion-Waage und der beginnt im 7. Haus. Die Schütze-Tür am DC ist offen, es wird alles hereingelassen, und gelangt in das Haus der Umstände und Lebensbedingungen. Bilder, Ideen, andere Selbstverständnisse stehen bereits an Ort und Stelle, wo nach subjektiver Lage der Schutz eben dieses Subjekts am Werk zu sein hätte. Hier ist eine Person, die das Außerpersönliche zu seinen eigenen Umständen macht. Oder noch anders: Im 5. Haus treffen sich die seelischen Anlagen dieses Mannes und die ins Subjektive hineingreifenden Gestalten des Lebens (Neptun gelangt ebenfalls hinein). Es könnte zu Verwechslungen kommen, heißt, dass mitten im Erschaffen die eigene Seele verhalten und zurückgehalten wird, sich in ein Gewand fremder Leben „kleidet“, mesmeriert, wandelt und in den Umständen mit Energie verwertet wird.

An der Grenze zwischen Haus 8 und 9 spiegeln sich Uranus und Neptun. Uranus in 9 hebt auf oder hebt heraus – Auftrieb vielleicht in der Physik. Neptun dringt als Wasser des Wirklichen ins Fort Knox der Erfahrungen ein und „nichtet“ bzw. bereinigt sie, schwemmt sie ins Hintergründige. In der Beziehung zueinander entsteht allerdings ein Konflikt. Uranus wird nicht. Er entsteht nicht. Seine Zeit kommt (noch) nicht.

Herrscher von 10 in 9: Einsicht und Erfassen außerpersönlicher Zusammenhänge, besonders im Bereich des überpersönlich Maßstäblichen. Indem man verbindlich und maßstäblich ist, gewinnt man Einsicht in die Funktionen und Weltanschauungen anderer.

Herrscher von 11 in 8: Verpflichtung an außerpersönliche Notwendigkeiten, Belange und Bedürfnisse unter Überwindung bisheriger Maßstäbe und Grenzen. Indem man Traditionen, Maßstäbe und bisher gültige Grenzen aufhebt, verpflichtet man sich an außerpersönliche Notwendigkeiten, über die eigenen Bedürfnisse hinaus.

Der Blick  führt zurück von Neptun in das Anfangszeichen Krebs, in dem Saturn in Opposition steht. Der Ursprung des Lebens ist ausgeschlossen – im Vorwege dieses Lebens ist mithin ein Ausfall enthalten, der über den Löwen und die Jungfrau in die „Ausübung des Lebens“ übertragen wird.  Am Beginn von Haus 6 findet sich 27°14‘  Waage – 27°30 ein Sonne-Saturn-GSP. Der Punkt wirkt in beide Richtungen – ins 5. hinein und ins 6. Fleiß und ein dumpfes Empfinden von Nichtgenügen, von Zweifel am eigenen So-Sein und den „Arbeitsbedingungen“. Zurücknahme des Selbst-Ausdrucks.

Herrscher von 6 in 11: Aufhebung von bisherigen Maßstäben, Grenzen und Unterschieden, bezogen auf Lebensanpassung und Vernunft. Seelische Aussteuerung erfolgt, indem man bisherige Maßstäbe und Grenzen sprengt (Unvernunft).

Mars in Schütze – und in Spiegelopposition zu Uranus. Was ist da los im Subjektiven und insbesondere in dessen Umständen? Mars „arbeitet“ unter dem Eindruck einer Unfähigkeit zur Anpassung zum Zwecke des Lebenserhalts.

Herrscher von 12 in 6: Die Beobachtung und Wahrnehmung der Welt, um sich ihr gegenüber anzupassen und auszusteuern, spezifisch durch Erschließung von Hintergründen jenseits üblicher Nutzungsmöglichkeiten. Indem man die Hintergründe von Umwelt- und Lebensbedingungen artikuliert, steuert man sich seelisch aus.

Im Fügungsrhythmus geschaut wird zunächst Mars aktiviert, der im Skorpion auf die Mond-Jupiter-Konjunktion weitergereicht wird. Die Umstände der Gegenwart (Schütze in Haus 7) sind dreierlei: Es werden im Sinne der Anschauung Anpassungsunfähigkeiten aufgedeckt, diese Anschauung wird aus den Erfahrungen der Art, aus Leitbildern, zur Erweiterung des Wesens, und die Intensität dieser seelischen „Erweiterung und Einsicht“ aus den gespeisten Bildern wirkt im Herausgehobensein aus sich selbst. Der „verlorene Uranus“ ist in der Venus Erscheinung und Sonne-Merkur schreibt sich darüber „frei“.

Jules Vernes Protagonisten reisten in den meisten seiner Bücher zu dem Menschen schwer zugänglichen, menschenleben-unangepassten Orte. Diese Nicht-Orte, mit technischen Hilfsmitteln  und mit Überwindung der Gegenwart erreicht, machten Vernes Utopie aus. Auf ihren Reisen verbrachten seine Helden zwei oder mehr Jahre auf geheimnisvollen Inseln, wobei ihr Erzähler sie bei ihren Erlebnissen ständig in schneller Dynamik hielt, in einem hektisch-optimistischen Fortschreiten – eben auch Uranus- und Wassermann-Art. Sie steckten auf ihren Reisen (die Suche nach dem Selbst) in engen U-Booten und Luftschiffen, reisten auf künstlichen Inseln oder in surrealen Allzweckfahrzeugen, froren in Eiswüsten und am Nordpol, wurden am Rande eines Vulkans verrückt, mussten 20 000 Meilen im Meer tauchend zurücklegen, in 80 Tagen um die Welt eilen, sich in Raketen auf den Mond oder ins Innerste der Erde schießen. Kein Ort war Verne zu weit, kein Ziel zu unerreichbar, kein Mittel zu absurd.

Seine Protagonisten waren namenlos oder drückten im Namen die Namenlosigkeit aus, wie z.B. Nemo (düster-autoritär) oder Passepartout (cleverer Bescheidwisser). Der eingebildet-ignorante Phileas Fogg, der viktorianische Snob, war „schon überall – im Geiste wenigstens“ – wie sein Schreiber auch.  Alles ist groß und übergroß (Mond-Jupiter): Es musste der Mond oder der Mittelpunkt der Erde sein, oder fünf Wochen im Ballon, als die Menschheit gerade mal ein paar Stunden in der Luft schaffte, 20.000 Meilen unter dem Meer und nur 80 Tage um die Welt.

Die im Jahr 1960 verortete Erzählung „Paris im 20. Jahrhundert“[1] ist im Unterschied zu den bekanntesten Büchern Vernes kein Abenteuerroman, sondern Zeitkritik und eine Dystopie, die die Behauptung widerlegt, dass Verne ein unpolitischer Schriftsteller gewesen sei[2]. Ganz nebenbei bestätigt das Buch, dass Schriftsteller – die Steller in die Schrift – die möglichen Konsequenzen technischer Entwicklungen deutlicher erkennen als Wissenschaftler in ihren Publikationen.

Die Enthusiasten der technischen Möglichkeiten der Zukunft schreiben Utopien, die Warner schreiben Dystopien. Die von Verne beschriebenen technischen Geräte werden am Ende fast immer zerstört, weil sie nicht dem Ursprung des Menschseins entspringen – der IV. Quadrant, die Sonne ist im Wassermann, und der Schrecken des Uranus-Neptun vor der Veruntreuung des Himmels. „Es kommt dem Menschen nicht zu, etwas zu ändern an der Ordnung, die der Schöpfer festgelegt hat.“ – wird Verne in den Mund gelegt. Technik ist letztlich für Verne mit der Hinfälligkeit des Menschen und der Gefahr des Größenwahns verbunden. Die Erbsünde des Eindringens und Eingreifens in die gottgeschaffene Natur muss demnach bestraft werden. Hier sehen wir seinen Saturn-Neptun-Konflikt, die Schuld, die der Mensch, und auch er als Subjekt, meint, zu tragen. In seinen Scheinwelten stellt er die Verschuldigung des Menschen an der Natur dar.

Ist es Zurückhaltung und Bescheidenheit, womit sich Verne weigerte, das zu sein, als das ihn seine Mitmenschen sehen wollten?

„Die Wahrheit ist, dass man nichts weiß und gar nichts darüber wissen kann, was die Zukunft bereithält. Ich würde es mir nicht erlauben, die Rolle des Propheten zu spielen, zumal die Zeiten der Propheten vorbei sind, wie ein Kirchenvater gesagt hat.“

Hat man ihn so überhaupt gesehen? – Oder doch die andere (monitär-ertragreiche) Seite seines Schaffens, die ihn fürs breite, durchschnittlich-feige Publikum attraktiv machte? Mensch voller Widersprüche, eine gespaltene „Souveränität“ (5. Haus mit Jungfrau und Waage) mit Hang zur Depression, geplagt von einem chronischen Minderwertigkeitskomplex, von Nervenleiden und Gesichtslähmung, geprägt von der ängstlichen, eher bürgerlichen Sorge um den eigenen gesellschaftlichen Status, um die Achtung seiner Familie und Mitmenschen. Prophet – soviel wissen wir heute – war er angesichts der uns des Ursprungs beraubenden Folgen der menschlichen Technologiefreudigkeit. Der Verlust des Uranus. – Woher kommen wir und wie wurden wir, was wir sind? – Das zu fragen ist heute schon beinahe nicht mehr „erlaubt“. Eine Seele will sich hier an sich selbst anschließen und findet sich dann doch in einer dem Wassermann im Extrem verfallen Ausführungswelt wieder. Das Subjektive scheitert an der Welt der Überrealität, wobei die Überrealität mit Wirklichkeit nichts zu tun hat, wiewohl manche in der Kunstwissenschaft als Surrealisten bezeichnete Künstler sehr wohl die Wirklichkeit abzubilden versuchen.

Im März/Juni 2023 kam ein Buch von Peter Sloterdijk heraus: Die Reue des Prometheus – Von der Gabe des Feuers zur globalen Brandstiftung: „Die moderne Menschheit, so Peter Sloterdijk, kann als ein Kollektiv von Brandstiftern gelten, die an die unterirdischen Wälder und Moore Feuer legen. Kehrte Prometheus heute auf die Erde zurück, würde er seine Gabe womöglich bereuen,[…][3]

[1] Die Erzählung handelt von einem jungen Mann, Michel, der in einer Welt aus gläsernen Wolkenkratzern, Hochgeschwindigkeitszügen, gasbetriebenen Automobilen und einem weltweiten Kommunikationsnetz lebt. Im Gegensatz zum Siegeszug von Naturwissenschaft und Technik werden Literatur, Musik und Bildende Kunst allerdings verachtet. Michel, Träger eines Preises für lateinische Literatur, wird in dieser Welt nicht glücklich und nimmt ein tragisches Ende. Entstanden ist das Werk 1860 (oder doch 1863?), als Verne 31 (34) Jahre alt war. Es wurde zu seiner Lebenszeit nicht veröffentlicht.

[2] Wie könnte Science Fiction überhaupt unpolitisch sein – denn wer die Frage „Was wäre, wenn?“ stellt, politisiert auch dann, wenn er glaubt, politisch abstinent zu sein.

[3] Beschreibung des Suhrkamp-Verlags zum Buch (80 S.). Den Verdacht, dass Prometheus nicht nur der Wohltäter der Menschen, sondern ein Bärendienstler gewesen sein könnte, hatte ich bereits ebenfalls.

 

In nachbearbeiteter und erweiterter Form wird der Text in  die „Chroniken des Tierkreises Band 4, Teil 2“ eingehen. Ist in Arbeit… dauert aber.

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