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ASTROLOGISCHE FRAGMENTE XXXIII

Liebe ist kein Gefühl, sondern ein Zustand

[…] Die Kunstmärchen von Hans Christian Andersen sind Revolten gegen die Pädagogik seiner Zeit, aber auch gegen Anpassung und Entfremdung. Sie sind dicht und atmosphärisch erzählt – anders als die harten, holzschnittartigen Volksmärchen der Gebrüder Grimm. [Quelle: Aber darunter − ein trauriges Herz“, Markus Metz und Georg Seeßlen, 2.12.2016]

Vor langer Zeit erschuf ein Teufel (d.h. das Böse in der Welt) einen Spiegel, der die Eigenschaft hatte, alles sich darin spiegelnde Gute, Schöne und Wahre zu Nichts zusammenschrumpfen zu lassen. Das aber, was nichts taugte und eigentlich Unfug und Unsinn war, trat um so größer hervor und wurde noch mehr beachtet und noch begeisterter aufgenommen. Eines Tages, als der Spiegel zum Himmel, zu den Engeln und Gott gebracht werden sollte (in den IV. Quadranten zurück bzw. als Finalität und Ergebnis ins 10. Haus), wurde das Grinsen, das er anzeigte, wenn ein schöner und guter Mensch in ihn hineinsah, beim Aufstieg unter der stetig wachsenden Hybris immer fürchterlicher und die ihn tragende Hand zitterte, je höher der Spiegelträger kam, umso stärker, so dass ihm der Spiegel aus der Hand fiel und in viele tausend Stücke, die somit auf die Erde regneten, zersprang. Die großen und kleinen Stücke stifteten von nun an je nach Verwendung durch die Menschen viel Ärger und Verwirrung. Die über die ganze Welt verteilten Splitter des Zauberspiegels gelangten z.B. als Glas in die Brillen der Menschen oder in die Fenster, durch die sie in die Welt sahen. Trafen sie außerdem einen Menschen im Herzen, so wurde dieses so kalt wie Eis, d.h. er konnte nichts mehr empfinden (mit den Folgen eines Saturn-Merkur mit Neutralisierung des Empfindens in sachliche Kälte und Frigidität, gleichzeitig Fremdbestimmtheit und Abweisungserlebnissen und Mond-Saturn mit der Angst vor dem Geborenwerden und der Angst vor der Ungeborgenheit und Nicht-Übereinstimmung mit der Umwelt, was Gefühle angeht). Trafen sie einen in die Augen, so sah er alles um sich herum nur noch ins Gegenteil verkehrt, oder hatte nur noch Augen für das Verkehrte an der Sache (was einen Mars-Saturn – das Ankämpfen gegen die eigene Bestimmung bzw. deren Nicht-Wahrhaben zur Folge hatte).

Erste Illustration von Vilhelm Pedersen

Die Splitter trafen auch eines von zwei Nachbarskindern, die in ihrer Kindheit viel Zeit miteinander verbrachten und spielten. Der Junge wurde in Herz und Augen getroffen, so dass er weder empfinden noch die Wahrheit sehen konnte.

Im Schloss der Schneekönigin schleppte der dorthin entführte und der Schneekönigin verfallene Junge, vor Kälte fast schwarz gefroren, Eisplatte um Eisplatte zusammen, um mit ihnen das Wort „Ewigkeit“, wie ihm die Königin aufgetragen hatte, zu legen. Die Kälte übrigens spürte er wegen seines Eisklumpens im Herzen und aufgrund des „Kusses“ der Königin nicht. Aber er versuchte vergeblich, die Aufgabe zu lösen.

[…] Man kann diese Märchen nicht ohne weiteres nacherzählen, man muss sie lesen oder vorlesen, Wort für Wort. Denn es handelt sich um Literatur. Genauer, um moderne Literatur. Denn zum Ärger der literarischen Traditionalisten seiner Zeit führte Andersen in seinen als Märchen getarnten Parabeln ein Element des Subjektiven ein, des authentischen Sprechens, wie es später erklärte Bewunderer wie Thomas Mann oder Franz Kafka weiter entwickelten.

Heinrich Detering:
„Die Ablehnung, die Andersen vor allem in Dänemark zunächst erfuhr, ist zuerst wohl eine Zurückweisung durch die Bildungskultur. Das hat mit dem betont mündlichen, betont volkstümlichen, oft auch betont ungrammatischen, unkorrekteren Ausdruck seiner Märchen zu tun“. – Heinrich Detering, Professor für Neuere deutsche Literatur an der Universität Göttingen und H. C. Andersen-Übersetzer.

Im Falle des Gelingens hatte die Schneekönigin ihm versprochen, solle er sein eigener Herr und die ganze Welt solle ihm geschenkt werden (die eigene Bestimmung leben und eigenständig werden). Der Junge allerdings legte in seiner Verblendung nur rätselhafte, unsinnige Muster. Der Splitter im Auge bewirkte, dass er seine Figuren (ohne Bestimmung im Vorgang und in ständiger Wiederholung) für ausgezeichnet und von höchster Wichtigkeit hielt. Darüber verging die Zeit.

Die Freundin aus Kindertagen machte sich währenddessen auf, ihren Freund zu suchen. Als sie ihn endlich fand (die Irrwege dahin die Wanderung aus dem 12. Haus mit dem Übertritt ins 11. Haus (mit der Teilung in Raum und Zeit, auch in die Geschlechtlichkeit) und anschließend ins 10.), erkennt er die Freundin nicht.

Die Prozesse der Reifung (erzählt in 7 „Gedanken“, 7 Geschichten, also in 7-er Schritten ins eigene Leben (Initiations-/Heldenreise) sind in ihm verdrängt, fast ausgelöscht. Die Kälte und der Winter – und die Antagonistin Schneekönigin – zeigen den Hauch des Ewigen, als dem Vorraum zur Zeit, in dem nichts geworden und nichts vergangen ist. Dieser Vorraum übt eine unheimliche Faszination auf jene aus, die vor dem Schritt in die Ent-Scheidung stehen. Die Trauer der ehemaligen Spielkameradin (männlich und weiblich sind im Kindesalter eins) über seine Fremdbesetzung (aus Saturn-Merkur ist zusätzlich noch ein Saturn-Pluto geworden, der aus dem Menschen, der sich ihm unterwirft, einen Verfechter der ihn knechtenden Ideologie macht) und ihre nun fließenden „heißen“ Tränen (Mars und Neptun, Hitze und Salz) schmelzen dann aber doch sein Herz, befreien es aus dem Griff der Vorstellung, und die Tränen, die schließlich auch er vergießt, schwemmen den Splitter aus seinem Auge. Aus dem Winter der Verweigerung der Zulassung der eigenen, wahren Gestalt und Wirklichkeit, wird schließlich doch noch Gegenwart und die Anwesenheit im eigenen Dasein – warm, Sommerzeit, Endlichkeit. Sonne und Mond, das männlich-erwachsene Prinzip und das weiblich-kindliche, treten aus der Nichtgegenwart als Erwachsene hinaus ins Bewusstsein. Die Ewigkeit gibt es nur im toten Zustand, nicht im lebenden. Lebend ist man der Vergänglichkeit anheim gestellt, d.h. wir altern.

Erwachsen-Werden, das Erwach(s)en zur Liebe und die Angst: Zu sehen ist ein Mond auf dem Saturn-Mondknotenpunkt von 23° im Stier in Opposition zu Venus im Skorpion (in Haus 8: bei Hades in der Unterwelt, eine Persephone). Venus, Neptun und Mond verbindet außerdem noch das Quadrat Mond-Neptun (Geschlechtsunterlegenheit) und Neptun-Venus (die Verklärung der Sicht auf die Begegnung, die Scheinbegegnung). Das Märchen wurde als für Kinder zu ernst, wenig kindgerecht und kompliziert erachtet und nie richtig populär. Dabei zeigt es mit der verdeckten Mond-Saturn-Konjunktion („Winterkinder“) genau das Thema vieler Kinder auch unserer heutigen Zeit an: die kleine Gerda, die Freundin des entführten und verblendeten Jungen, ist ein magisch denkendes, unverstelltes, allerdings verwunschenes Kind, und muss sich und seinen Freund entzaubern, d.h. aus den Abhängigkeiten von der Mütterwelt befreien, um erwachsen zu werden.
Die Sonne steht auf 0° Steinbock, zuständig wird der IV. Quadrant (es ist ein Wintermärchen) und beherbergt einen Merkur-Pluto als die Neurose der Wiederholung in Vorgängen, die in ihm als Information bestimmend werden. Das kalte Herz bzw. die Eis-/Schneekönigin kann als Konstellation im Sonne-Uranus-Quadrat gesehen werden, die Lebensbedrohung wird in (Schein-)Stärke unter Ausschluss der Schwäche kompensiert, ein unruhiger, beunruhigter und gefährdeter Gemütszustand. Saturn-Mars der Konkurs des Lebens, der sich ergibt, wenn Uranus nicht im Leben zugelassen wird: der Sprung in die im Prinzip mitgebrachte Zeit wird verneint und man kämpft einen Kampf gegen Windmühlen. Die Aufgabe ist unlösbar. Deshalb muss immer weiter gegen die eigene Bestimmung gekämpft werden. Liebe ist nicht das, was man einem Anderen schenkt, Liebe ist etwas, das man sich selbst und der Anerkennung seiner Stärken und Schwächen schenkt, womit man schließlich sich und andere „erlöst“. Und recht betrachtet, ist Liebe auch gar keine Aktion oder überhaupt Ausübung, sondern ein Zustand als Erwirktes, und fällt damit in den Bereich des Steinbock, des 10. Hauses, des Saturn.

Die im Disney-Zweiteiler „Frozen“ verfilmte „Schneekönigin“ geht auf Hans Christian Andersen zurück, hat ihn aber in vielerlei Hinsicht doch wesentlich verändert. In der Filmadaption geht es um die wahre Liebe und darum, dass die Macht der Kälte mit Liebe unter Kontrolle gebracht werden kann. Publiziert hat Andersen sein „Kunstmärchen“ (Snedronningen) zum ersten Mal am 21.12.1844, das Horoskop zeigt die Sonne am MC.

[…] Die philosophische Metapher war für die Zeitgenossen leicht zu dechiffrieren: Hütet euch vor der Perversion der Aufklärung in kalte, rationalistische Lehre und ebenso vor der seelischen Vereisung des Puritanismus. Ebenso leicht waren die sozialen Metaphern in Andersens Märchen zu erkennen: Der wahre Adel eines Menschen kommt weder von seiner Herkunft noch von seinen Insignien – wie man an „Des Kaisers neuen Kleidern“ sieht – sondern aus dem Inneren des Menschen, seiner Empfindsamkeit – wie sich in „Die Prinzessin auf der Erbse“ zeigt– und seiner Klugheit – mit der „der kleine Klaus den großen Klaus“ überwindet, der Prolet den Grundbesitzer. Andersens Märchen-Geschichten sind nicht nur Revolten gegen die Pädagogik seiner Zeit. Sie lassen sich bis heute subversiv lesen als Revolten gegen Anpassung, seelische Vereisung und Entfremdung. [Quelle. s.o.]

Hans Christian Andersen ist am 2.4.1805 im dänischen Odense geboren, meine Quelle gibt eine Uhrzeit von 0:18 Uhr an. Das ergibt einen AC von 18°01′ Schütze und eine Widder-Sonne im 3. Haus. Merkur steht in Konjunktion zur Sonne, was ein Hinweis darauf ist, dass sein Leben, der Ausdruck seines Subjektiven vom Verband geregelt und in Bahnen gelenkt wird, zumindest dies versucht wird. Der Zwillinge-Merkur ist der Ausübende/Ausführende der Stier-Form bzw. analog auch des Gemeinschaftlichen und der Institutionen einer Gesellschaft. Andersens Merkur – wie die Sonne – stehen in Opposition zu Saturn und Uranus in der Waage. Eine Unvereinbarkeit ist auszuhalten – oder aber aufzulösen. Nun ist der Mann ein „Aufdecker“(so heißt es in der Rhythmenlehre) und der Mars als Herrscher des Sonnenzeichens steht auf 2° Löwe an der Schwelle von Haus 8 zu 7. Der Krebs ist die Kinderwelt, im Löwen liegt die Erlebniswelt einerseits des Kindes als heranwachsend in sein Dasein und seine Individualität. Andersens Mond steht im 4. Haus und auf 9°18′ Stier – eine „gesicherte, geschlossene Herdenwelt“ auf dem GSP von Saturn-Pluto, also mitnichten frei und unbeschwert. Sonne-Merkur ist die Erscheinungsseite von Pluto-Saturn, und der ist in der MRL-Lesart Anzeiger einer „Gefangenschaft“ in einer fremden, aufgezwungenen, dem Kind nicht entsprechenden Mentalität. Mars und Mond des Kindes Hans Christian bilden ein Quadrat, der Widder schneidet das 4. Haus an – Mars-Mond-Qualität: Du bist für die Werte, die du vertrittst und mit denen du antrittst, in unserem Verband, in unserer Heimat nicht anerkannt. Wir wollen dich nicht. Mars als Rächer des nicht zugelassenen Neptun wird der Vertriebene, und diese Verachtung der mitgebrachten Eigenart als Einzelwesen macht Andersen zum Thema und zu Erlebniswelten mit und für Kinder. Der Jupiter aus dem Schütze-AC verbleibt im 12. Haus, denn kaum will er zum Neptun ins 11. Haus, wird er auch schon wieder ins 12. zurückgeschickt. Was fügt er denn dort und wirft es in die Zeitlichkeit? Neptun-Jupiter – die Fügung dessen, das nicht in der Zeit ist. In der Lücke der nicht vollzogene Ursprung und die nicht angenommene Bestimmung im  Uranus und Saturn, hier im 9. Haus in der vorweggenommenen Gegenwart (der Waage) stehend. Eine Verwunschenheit wird gefügt.

Im Alter von 39 Jahren (1844) veröffentlichte Andersen die „Schneekönigin“ zum ersten Mal, und in sein 6. Septar zwischen 1840 und 1847 fällt angenommenerweise die Idee bzw. deren Verschriftlichung. Der Aszendent steht auf 9°01′ Stier (dort, wo der Radix-Mond steht) und Sonne-Venus in Konjunktion, Mars-Jupiter-Konjunktion (in Stier) und Mond-Merkur-Pluto-Konjunktion in den Fischen stehen im 12. Haus. Über die Konjunktion von Saturn-Neptun am Übergang von Haus 8 zu 7 wird Uranus auf die 13° Skorpion in Haus 7 „geboren“: im Zeitraum von September bis Oktober 1843 ist er zweimal angetroffen. Können wir ihn als Sprung in die Öffentlichkeit und ins Bewusstsein verstehen? Auf jeden Fall – nochmals ins Grundradix geschaut – erreicht Andersen im Jahr 1844 im Fügungsrhythmus die 0° Krebs, der Punkt, an dem es zum Durchbruch zum Eigentlichen und der zur Gründung von „Filialen“ (Niederlassungen) kommt. Das Leben an einem Punkt der Festlegung.

Das volle 12. Haus tritt über den persönlichen Konkurs an die Öffentlichkeit und hebt ein Bewusstsein auf, stellt ein fixiertes Bild, eine Vorstellung auf den Kopf, bringt etwas Neues. Mit Beginn des Septars reist Andersen zunächst nach Hamburg und trifft Franz Liszt, 1841 reist er nach Konstantinopel. Am 11. November 1843 erscheint das erste Heft der „Neuen Märchen“, es enthält die Märchen „Die Engel“, „Nattergalen“ (Die Nachtigall), „Die Brautleute“ und die „Geschichte vom hässlichen Entlein“. „Nattergalen“ ist dabei eine Anspielung auf die „schwedische Nachtigall“ Jenny Lind, in die sich Andersen schon seit längerem verliebt hat. Jenny Lind andererseits sieht in ihm eher einen großen Bruder, bei dem man sich vor allem ausweinen kann. Aus einer Liebesbeziehung wird allerdings nichts. Anfang 1844 beendet Jenny Lind mit einem Brief die Beziehung zu Andersen und nennt ihn einen „Bruder im Geiste“ – nicht eben das, was Andersen von ihr erhofft hatte. 1845 erscheint das Märchen „Die roten Schuhe“, in dem es um ein Mädchen geht, das unbedingt tanzen möchte und nicht von dieser zur Obsession werdenden Vorstellung lassen kann. Am Ende des Septars 1847 erscheint in Leipzig eine Sammlung mehrerer veröffentlichter Märchen in deutscher Übersetzung, sie wird ein großer Erfolg in Deutschland Nun müssen die Kritiker Andersen endlich ernst nehmen – seine Durststrecke ist vorbei. Der Kritiker Georg Brandes fragt Andersen später, ob Andersen nicht seine Lebensgeschichte aufschreiben wolle, worauf dieser antwortet, das sei längst geschehen: Man könne ihn in der „Geschichte vom hässlichen Entlein“ finden. Das sei der Hinweis darauf, wie es ihm mit seinen dänischen Landsleuten gegangen sei. Andersen ist 42 Jahre alt und bleibt bis an sein Lebensende unverheiratet. 

Das Märchen von „Die roten Schuhe“ habe ich hier gelesen.

Vorentwurf und Ausschnitt aus: Der Ernst der Kinder, erscheint am 21.12.2020.

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