Home » LESESTOFF » ZWISCHENZEITLICH XX

ZWISCHENZEITLICH XX

Kämpf nicht zuviel!

Vielleicht hat man Dir gesagt,
daß Du fleißig sein mußt,
um im Leben zu bestehen.
Und so wurdest Du fleißig.
Doch das, was Du leisten konntest,
war selten genug in den Augen der Anderen.

Vielleicht glaubtest Du bald selbst,
daß nur der Erfolg zählt,
und begannst, Dich an ihm zu orientieren.
Doch das, was den Anderen scheinbar zufiel,
hast Du Dir hart erabeiten müssen.
Und dennoch war Dein Ergebnis nur mittelmäßig.

Kämpf nicht zu viel!
Es lohnt sich nicht, allen Gesetzen
der verrückten Welt blind zu gehorchen.
Du kannst alle Kämpfe gewinnen,
um am Ende doch Verlierer zu sein.

Vielleicht hast Du jetzt sogar Erfolg,
und stehst tatsächlich an der Spitze.
Jetzt kannst Du selbst Befehle und Belobigungen verteilen.
Sie mögen Dich entschädigen für die
vielen täglichen und noch mehr
nächtlichen Kämpfe gegen Dich selbst.

Die Gesetze der Sieger dulden keine Aussteiger.

In Angst vor drohenden Niederlagen
kämpfst Du immer weiter.
Dir bleibt keine Wahl mehr,
und Du vergißt mit der Zeit,
daß Niederlagen zum Leben gehören.
Die zu ertragen aber hast Du verlernt.

Kämpf nicht zu viel!
Es lohnt sich nicht, allen Gesetzen
der verrückten Welt blind zu gehorchen.
Du kannst alle Kämpfe gewinnen,
um am Ende doch Verlierer zu sein.

Wenn Du älter bist,
hörst Du sie vielleicht:
die Stimme in Deinem Innern,
die Dir sagt, daß das nicht alles gewesen sein kann.
Man kann noch soviel siegen, und wird
doch nie geliebt!

Wofür die Kämpfe, wenn niemand mehr da ist,
den Sieg mit Dir zu feiern?
Wofür die Mühen, nur damit
die anderen befriedet sind?
Wach auf und denk nach.

Kämpf nicht zu viel!
Es lohnt sich nicht, allen Gesetzen
der verrückten Welt blind zu gehorchen.
Du kannst alle Kämpfe gewinnen,
um am Ende doch Verlierer zu sein.

 

aus: Das Schwere annehmen… und das Leichte ernten, 2006