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ZWISCHENZEITLICH XIV

Die Pyromanin

oder

Ich brenn euch eure Häuser nieder!

Ihr nutzt das Feuer kontrolliert,
doch wenn es euch entgleitet
es euch  nicht mehr gehorcht –
wie groß ist das Geschrei!

Erst wärmt ihr euch am Feuer,
das Gute tut euch wohl,
aber weh, wenn dieses Gute
zeigt die Macht, die in ihm wohnt.

Wie oft brennen eure Hütten,
die ihr so sicher habt geglaubt,
nicht von meinem Feuer –
ihr selbst habt es gelegt.

Und auch an meinem Feuer
wärmt in kalten Zeiten ihr euch.
Doch habt genug der Flammen ihr,
soll ich um Schweigen ringen.

Die Seele brennt mir lichterloh,
ich kann sie dran nicht hindern.
Sie sticht ganz tief hinein
in mein und euer Leibgewebe.

Mein Schaffen, meine Worte
sind Dorn im Auge euch,
weil sie nicht nur ruhig und sittlich,
indes wie wahre Scheiterhaufen glühn.

Dasselbe Feuer von euch noch eben
hoch geschätzt, kann gleichermaß‘ vernichten.
Dasselbe Feuer, das euch weckt,
kann euch zum Schlafen schicken.

In mir war Unruh immer schon,
da ihr noch lang euch sicher wähntet.
Ich riech das Unheil lang, bevor
es euren Tag erreicht.

Ich würde zeigen euch zu gern,
daß Böses gut auch endet,
doch ihr habt zugeschlagen eure Türn,
weil ich zu feurig sprach zu euch.

Ich habe diese eine Macht,
und wenn ichs auch nicht möchte,
so bin in manchen Zeiten Flammenwerfer
ich auf eure Gehöfte!

aus: Das Schwere annehmen …, 2006