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FLUCH UND ZWANG – ZWISCHEN OPFERN UND TÄTERN

…. Die Dinge sind wie sie sind. Bewertungen von gut und böse sind dumm und anmaßend, genauso wie Attribute zum „lieben“ Gott oder „ungerechten“ Gott. Es gibt nur Göttliches, Übergeordnetes, das unsere Dimensionen von Zeit und Raum bzw. der Polarität sprengt. Zu jedem Täter gehört ein Opfer, zu jedem Treffenden ein Getroffener, zu jedem oben ein unten, zu jedem Begriff ein polarer Gegensatz, mit dem es sich zu versöhnen bzw. zu vereinen gilt. – Erst dann, wenn moralisiert wird, wenn nach begrenzenden Ordnungsprinzipien gerichtet wird, wenn sozusagen Stellvertreter eines Gottes auf Erden sich anmaßen, zu wissen, was absolut richtig und absolut falsch sei, wer aussortiert und wer gefördert werden müsste, wird die Neutralität des Messinstrumentes Astrologie verlassen. Sie zeigt nämlich nur an, wer was wann zu tun bzw. zu erleiden hat. Die Qualität der Zeit wird ermittelt und dazu jene, die bei einem dieser Qualität unterliegenden Ereignis in Resonanz stehen und ggf. Erfüllungsgehilfen sind, dass konkret sichtbar wird, was im „Geheimen“, im Geistig-Unsichtbaren, längst beschlossen ist… (Wolfgang Maiworm)

Opfer und Täter

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Herantasten. Wortbedeutung. Ein Opfer wird als Wiedergutmachung stellvertretend für denjenigen gegeben, der das göttliche Gesetz übertreten hat. Im Judentum beispielsweise wird ein Lamm als Sühneopfer geopfert. Die Spur führt also zunächst zu den Religionen… – Dass sich ein Mensch stellvertretend für einen anderen einsetzt, ihn opfert oder – ja, sogar sich selbst „aufopfert“, kommt (zum Glück?) auch in unserer technisierten Welt noch vor. Es gibt viele Möglichkeiten, Opfer zu werden und zu sein.

Lesen in den griechischen Sagen über Andromeda und Perseus: Er findet sie an einen Felsen gefesselt. Andromedas Vater war Kepheus, König der Äthiopier; ihre Mutter Kassiopeia hatte gegen die Töchter von Nereus, die Meeresnymphen, geprahlt, sie sei schöner als diese alle zusammen. Darüber zürnten die Nereiden, und Poseidon ließ eine Überschwemmung und einen alles verschlingenden Haifisch (Ketos) über das Land kommen. Ein Orakel versprach dem Volk Befreiung von der Plage, wenn Andromeda dem Fisch zum Fraß vorgeworfen würde. Das Volk bedrängte Kepheus so lange, bis er sich dazu entschloss, seine Tochter zu opfern. Die Geschichte ging gut aus: Perseus rettete Andromeda (von einem Opfer an ihrer Statt habe ich nichts gelesen).

Berühmtester und vielleicht ältester Opferer der jüdisch-christlichen Religion: Abraham (Altes Testament Gen 22,1–19 EU), dem Gott befiehlt, seinen Sohn Isaak zu opfern. An der Opferstätte jedoch hält ihn ein Engel im letzten Moment davon ab, seinen Sohn zu töten. Anstelle seines Sohnes opferte Abraham schließlich ein Lamm. Abraham wird für seine Gottesfurcht belohnt, da er bereit war, das große Opfer zu bringen. Von der Erbsünde unten mehr.

Martin Buber und Franz Rosenzweig übersetzen die Opferforderung Gottes an Abraham mit „und höhe ihn dort zur Darhöhung“. Auch in der Erzählung von der Verklärung (Metamorphosis, Transfiguration) des Leibes Jesu werden die drei Jünger, die Jesus mit auf den „Berg“ nimmt, „hochgebracht/erhöht“, also geopfert. – Die Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor bedeutet für die (insbesondere die ostkirchliche) Theologie den Höhepunkt der Offenbarung der Gottheit Jesu, darüber hinaus auch eine der wichtigsten Erfahrungen der Jünger: als das „wie die Sonne strahlende“ Licht des Angesichts Christi sie erleuchtete, wurden sie für einen Moment gewürdigt, die Herrlichkeit der Gottheit Jesu zu schauen (in: Die Bedeutung des Taborlichtes in der palamitisch-ostkirchlichen Spiritualität, Adin Pop, 2004).

Für den, dem das religiös Ausgedrückte zu fern und abgehoben ist, sei es weltlicher ausgedrückt: Im Opfern gibt sich der Opfernde hin und erhält als Belohnung die Erfahrung des Lichts in Gestalt eines Empfindens – eine Art Leichtigkeit, eine Erleichterung. Auch wer nicht glaubt und keine Religionsform lebt, kennt vielleicht dieses Empfinden von Dankbarkeit, das von innen heraus aufsteigt. Ein Opfer ein Akt der  Befreiung? 

Das deutsche Wort „Opfer“ geht auf das lateinische „offerre“ zurück, und dieses bedeutet: darbringen, entgegenbringen, hingeben. Das Wörterbuch der Symbolik (Hrsg. Manfred Lurker) beschreibt Opfer als ursprünglich religiös. Opfer wurden einem höheren Wesen, einem höheren Ziel oder dem Geist Verstorbener dargebracht. Ihnen zugunsten gab der opfernde Mensch etwas auf, verzichtete auf etwas oder gab für ihn Wertvolles ab. Mit einem Opfer sollte das göttliche Wesen gnädig gestimmt werden. Damit wollten die Opfernden etwas anderes erlangen oder etwas verhindern.

Vordergründig ist das „Opfern“ in früheren Kulturen (Maya bzw. Azteken) ein Akt des Verzichts, damit noch Wertvolleres erlangt werde. Die in der Gemeinschaft vorgenommenen Opferungen sollen diese Gemeinschaft retten und Schaden von ihm abwenden (z.B. in Kriegszeiten, bei Bedrohung durch andere). Das dargebrachte Opfer festigt den Zusammenhalt nach innen, bzw. dieser findet darin seinen Ausdruck. Wozu? Um einem schlechten Schicksal zu entgehen, um Böses abzuwenden, um Gutes zu tun, als gäbe es irgendwo ein Guthabenkonto für derlei Taten.

In archaischen Kulturen wird auch den Ahnen – und das nicht zu knapp mit Menschenopfern – geopfert, um diese zu beschwichtigen, damit sie die Nachkommen nicht als Geister heimsuchen, sondern sie beschützen. Moderner würde man vom Geist der Vorfahren sprechen, der in den Nachfahren wirkt. C.G. Jung dazu: „Nichts wirkt seelisch stärker auf die Kinder als das ungelebte Leben der Eltern.“ (GW 15,12). Was es damit auf sich hat … unter Punkt „Pluto“.

Festhalten. Eine Opfergabe soll dem oder den göttlichen Wesen als Dank für erwiesene Gunst oder Gaben dienen oder aber ein zerstörtes Gleichgewicht (quasi als Wiedergutmachung, als Sühne) wieder herstellen.

Opferung dient den Opfernden zum Zwecke, etwas zurückzubekommen: In der römischen Antike (die bekanntlich nichts mit dem Alten Testament zu tun hatte) bezeichnete do ut des (‚ich gebe, damit du gibst‘) das Verhältnis eines Menschen zu seinem Gott oder der Menschen zu ihren Göttern im Opferdienst: Den Göttern wurde geopfert; für das Opfer wurde eine Gegengabe oder ein Gegendienst erwartet, der ohne das Opfer nicht denkbar gewesen wäre. Diese Denkstruktur (ein Zweckdenken) liegt anthropologischen Vermutungen nach jedem Opferritual zugrunde. 

 

Moderne Opfermodelle

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Die „modernen Götter“, denen Menschen sich heutzutage darbringen, finden sich in Kauftempeln (den Shopping-malls, den Einkaufszentren), in die sie ihr Geld tragen: unter ihnen ist der „Gott“ Mammon. Mammon ist ein Wort aus dem Aramäischen, es gelangte über seine griechische Schreibweise in die Bibel, von dort in die Vulgata, wo daraus lateinisch mam[m]ona wurde. Martin Luther übersetzte das Wort nicht und es gelangte als Mammon ab dem 16. Jahrhundert ins Deutsche. Mammon ist in Volksglaube und Literatur der personifizierte Reichtum und ein Dämon, der die Menschen zu Geiz und Habgier verführt.

Diese Tempel, vor denen moderne (und erst recht postmoderne?) Menschen ihre Opfergaben ablegen, sind Institutionen, die für die Gaben einen entsprechenden Ersatzartikel bereithalten, den der Opfernde dann konsumieren kann.  Mit der Herstellung der Ersatzartikel wiederum verdienen sich Menschen in Ländern mit weniger Lebensstandard ihre Existenz, und die Konzerne, die die Verbindung gewährleisten, sich eine goldene Nase. Die hiesigen Geldgaben helfen – natürlich – im besten Sinne anderen Menschen in Not. Als Verbrauch ist das Opfern ein gesellschaftlich angesehener Vorgang und kaum noch als Ablasshandlung zu erkennen. Doch was für Folgen hat dieser Art des Ablasses?

Oscar Wilde schreibt 1891 in einem Essay „Die Seele des Menschen im Sozialismus“ über den Individualismus – und wie er im Sozialismus, in dem niemand mehr an Besitz und Eigentum verhaftet sein wird, möglich werden könnte:

„… Die meisten Menschen vergeuden ihr Leben durch einen ungesunden und übertriebenen Altruismus, ja, sind sogar genötigt, es zu vergeuden. Sie finden sich umgeben von scheußlicher Armut, von scheußlicher Hässlichkeit, von scheußlichem Hunger. Es ist unvermeidlich, dass ihr Gefühlsleben davon erschüttert wird. Die Empfindungen des Menschen werden rascher erregt als sein Verstand; und es ist, wie ich jüngst in einem Artikel über das Wesen der Kritik hervorgehoben habe, sehr viel leichter, Mitgefühl für das Leiden zu hegen als Sympathie für das Denken. Daher tritt man mit bewundernswerten, jedoch irregeleiteten Absichten sehr ernsthaft und sehr sentimental an die Aufgabe heran, die sichtbaren Übel zu heilen. Aber diese Heilmittel heilen die Krankheit nicht: sie verlängern sie bloß. In der Tat sind sie ein Teil der Krankheit selbst. […] Man versucht zum Beispiel das Problem der Armut zu lösen, indem man die Armen am Leben erhält; oder, wie es eine sehr fortgeschrittene Schule vorschlägt, indem man sie amüsiert.“

Aber: Ist das eine Lösung oder verschlimmert es die Lage?

Jene neuen „Orte der Opferung“ sind Orte der Armen. Die Geldspender, die dorthin „opfern“, um in Not geratenen Menschen zu helfen, werden zu Tätern, die jenen anderen Menschen das Etikett „Opfer“ aufdrücken. Im Opfern halten sie sich an ihnen „gewissenssauber“. Sie müssen aber sich die Opfer immer wieder nachgerade heranzüchten, damit ihr „edel geglaubter“ Status erhalten bleibt.

In Zeitungsmeldungen und Nachrichten solcherlei: Mann vergewaltigt Frau, er ist der Täter, sie das Opfer. Er wird verurteilt, sie erhält eine Entschädigung (im besten Fall, aber so klar liegen die Fälle eben nicht immer, und die Rechtsprechung ist irritierbar). Oder: Mutter schlägt ihre Kinder. – Sie ist die Täterin, die Kinder sind die Opfer. Die Mutter wird bestraft, den Kindern wird geholfen.

Zu den Opfern zählen neben den Ausgebeuteten auch die Enttäuschten, die Verzweifelten, die Vereinsamten, die Manipulierten, die Vergewaltigten, die Verratenen, die Überrumpelten, die um ihr Glück Betrogenen. Kurz: Opfer werden als Verlierer vermittelt.

Im Strafrecht bezeichnet der Begriff Opfer die tatsächlich erfolgte Schädigung einer Person und die gesellschaftliche Pflicht zur strafrechtlichen Verfolgung der Täter. Was die Betroffenen angeht, macht die (Selbst)Bezeichnung Opfer deutlich, dass sie unschuldig sind und dass ihnen Schaden zugefügt wurde. Die Bezeichnung begründet ihren berechtigten Anspruch auf Gerechtigkeit, Sühne und Schadenswiedergutmachung.

Ein sehr schmerzhafter Punkt für Betroffene ist, dass sie in ihrem Leben in Situationen gerieten, in denen sie hilflos waren, d.h. dass sie Situationen erlebten, in denen sich eine andere Person ihrer bemächtigt hatte und sie dieser Bemächtigung ohnmächtig ausgeliefert waren.

Der Opferbegriff steht mit Gewalt, Hilflosigkeit, Ohnmacht und Bemächtigung und Beschädigung einer anderen Person in Zusammenhang.

Opfer zu werden bedeutet immer, einen physischen oder psychischen, einen materiellen oder immateriellen Schaden oder eine Verletzung zu erleiden. Geschehen kann dies auf sehr vielfältige Art: so kann man im Straßenverkehr, in der Ausübung seines Berufes, aber weit mehr noch bei Tätigkeiten im eigenen Haushalt zum Opfer werden, aber auch das „Opfer der Gesellschaft“ ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen.

 

Der Sündenbock

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Nächstes Herantasten. Ein sehr gebräuchlicher Mechanismus, der sowohl einen bestehenden Konflikt löscht wie auch eine neue Solidarität in der Gemeinschaft bewirkt, ist die Ausstoßung oder sogar (tatsächliche wie symbolische) Hinrichtung eines Sündenbocks (sic! Abraham und Isaak.).

Der heute noch geläufig verwendete Begriff, leitet sich von einem weiteren Ritus des Alten Testaments ab: Jährlich wurde ein Bock in die Wüste getrieben, dem man vorher die Lasten der Schuld(en) aufgeladen hatte, indem die Männer ihre Fäuste auf das Haupt des Bockes gestemmt hatten. Viel wirkungsvoller als ein Tieropfer sind, zumindest allerdings seit der Neuzeit, allerdings Menschenopfer.

Bedeutung: Einer aus der Mitte, der aufgrund irgendeines Merkmals aus der Masse der anderen hervorragt, wird zum Schuldigen erklärt, in die Enge getrieben und schließlich umgebracht.

Im Detail: Ungute Gefühle und Missstimmungen in einer Gemeinschaft werden dieser Person zur Last gelegt. Dann wird alles daran gesetzt, sich dieser Person zu entledigen, und wenn sie schließlich beseitigt ist, ist man die Gefühle los. Alle in der Gruppe empfinden eine neue Solidarität. Wir nennen das heute Mobbing. Auch ganze Gruppen, z.B. im eigenen Land Fremde oder Andersdenkende oder gar ein gesamtes anderes Volk können als „böse“ und „schuldig“ hingestellt werden. Sodann darf man diese Menschen hassen. Dieser Mechanismus funktioniert hervorragend.

Ein einmal erkorener Sündenbock muss tatsächlich „getötet“ werden, sonst wirkt das Opfer nicht.

Dem menschlichen Sündenbock, auf den Angehörige der eigenen Familie oder eine Kollegschaft (oder noch andere Gruppierungen) ihre „Fäuste“ gelegt haben, bevor sie ihn in die „Wüste“ schicken, ist nicht klar, dass er die Opfergabe ist. Der Gemobbte glaubt, er müsse sich nur genug anstrengen, und dann würde er auch zur Belohnung in die Gemeinschaft integriert.

Doch die, die ihn geopfert haben, die ihn opfern, haben daran nicht das geringste Interesse. Um nicht zu sterben, zu erkranken, Schaden zu erleiden, kann der Sündenbock zweierlei tun: er muss seinen Verband, die  Gruppe, die Familie oder das Land, am besten aber die Haltung, verlassen – und sich des Mechanismus bewusst werden.

 

Neptun-Saturn und die Verhinderung

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Entwicklungseinheit: Neptun, Uranus und Saturn (wie oben bereits erwähnt: Fische zu Wassermann zu Steinbock). Hat jemand in seinem Horoskop die Konstellation von Neptun-Saturn, besagt dies, dass auf dem Weg vom angelegten Potential (Neptun) zur Bestimmung/Schicksal (Saturn) der Uranus, d.h. die Weise, wie das Potential dieser Person zum Ursprung kommt, nicht „gegeben“, sondern familiär verhindert ist. Folge: Das Kind übernimmt eine Belastung aus der Familie und wird Kandidat dafür, als Sündenbock geopfert zu werden.

John F. Kennedy, 29.5.1917, 15:00, Boston

John F. Kennedy, 29.5.1917, 15:00 Uhr, Boston

Seinen Ursprung – den Sprung in die eigene Besonderheit – bekommt dieses Kind bei „verspannt“ miteinander verbundenem Neptun und Saturn (Konjunktion, Opposition, Quadrat) nicht geschenkt, sondern es muss sich bewusst um ihn bemühen. Tut es das nicht, wird es zum Opfer (sobald irgendwo eines „gesucht“ wird) und es neigt dazu, wiederum andere zu Opfern zu machen. Insbesondere wenn gleichzeitig noch Saturn-Pluto gegeben ist, ist die Möglichkeit groß, selbst zu einem „Täter“ zu werden.

Käme der Mensch mit dieser Neptun-Saturn-Konstellation zu seinem ursprünglich in ihm Angelegten, würde es als Opfer entfallen. Das allerdings wäre und ist – ohne dass ihr dies bewusst wird – nicht im Sinne der Familie. Dem 4. Quadranten entsprechend laufen diese Vorgänge unbewusst ab, jenseits allen bekundeten „guten Willens“. Die Lösung für unsere Person liegt dort, wo Uranus, unter Berücksichtigung der Hausherkunft, Aspekten usw. im Horoskop steht.

Sobald Uranus aktiviert ist, besteht die Chance, zum Ursprung seiner Bestimmung zu gelangen, was meist nur über einen notwendigen Bankrott (Neptun-Saturn) des bisherigen Lebens möglich ist. Uranus aktiviert die Konstellation von Neptun und Saturn. Ebenso löst die Aktivierung von Neptun-Saturn den Uranus aus.

 

Der mythologische Pluto

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Die älteste griechische Mythologie. Pluto ein Gott, der aus den Tiefen der Erde den Reichtum der Natur sprießen ließ; durch ihn floss die Vielfalt dessen, was ins Leben sollte; ebenso zeigt sich in ihm die Verhinderung dieses Fließens. Über Pluto kommt alles aus dem Verborgenen in die Gegenwart – oder nicht. Er ist Förderer oder Zerstörer, und dort, wo etwas nicht so wächst, wie es seinem Plan gemäß wachsen soll, verweigert er das Leben.

Der Tierkreis ist ein Entwicklungsweg.

Im Zeichen der Fische liegt das ganze Potential dessen, was Leben an sich (oder das Leben einer Person) werden soll und kann, noch ungeschieden beisammen; alles in einem und eines in allem.

Das nächste Zeichen, Wassermann/Uranus, schöpft aus den Wassern des Meeres (= der Fische). Er bringt die Polarität, d.h. er teilt das Ungeteilte in zwei Hälften, die sich von nun an gegenüberstehen; mythologisch ist es das Urelternpaar (Gäa und Uranos), das sich als Himmel und Erde voneinander trennt und sich schöpferisch-zeugend-empfangend-gebärend begegnet.

Auf einem der Symposien von Platon wird der Mythos der Kugelmenschen erzählt, wobei es mit der Zweiteilung eigentlich darum geht, die Macht des Eros zu brechen. Diesem Mythos zufolge – erzählt von einem Mann namens Aristophanes – gibt es nicht nur zwei Geschlechter, sondern drei: Manche Kugelmenschen waren rein männlich, andere rein weiblich, und die dritten androgyn – sie hatten eine männliche und eine weibliche Hälfte. Die rein männlichen stammten ursprünglich von der Sonne ab, die rein weiblichen von der Erde, die androgynen (zweigeschlechtlichen) vom Mond. Die „halben“ Menschen sind ab dem Zeitpunkt auf der Suche nach der verloren gegangenen Einheit. Dem Mythos zufolge sind die Götter begierig danach, von den Menschen Verehrung und Opfer zu erhalten. Nur wenn sie diese erhalten, lassen sie die Menschheit überleben und sich fortpflanzen. Die Art nun ihres Strebens nach Vereinigung hängt davon ab, zu welchem der drei Geschlechter sie einst gehörten. Je nach dieser ursprünglichen Beschaffenheit weisen die getrennten Hälften jetzt eine heterosexuelle oder homosexuelle Veranlagung auf.

Das Nicht-getrennt-Sein in die Polarität weist auf eine Stufe vor der Teilung hin. Uranus ist als das Entspringen oder Herausschöpfen selbst noch wild, ungeformt, unberechenbar, ihm fehlt noch der Saturn, den er sogar – mehr noch – fürchtet. Die Stufe entspricht der frühen Pubertät, in der sich die (soziale) Geschlechtlichkeit herausbildet. Dieser erste Sprung in die Teilung (Polarität) ist der Ursprung.

Auf die Phase des Uranus (Wassermann) folgt Steinbock bzw. Kronos/Saturn. Astrologisch ist er der Bringer des Maßes, der Bestimmung und damit des Schicksals. Kronos-Saturn begrenzt das unaufhörliche, wilde, unkontrollierte Entspringen, Schöpfen, Sprudeln und ermöglicht damit, dass überhaupt etwas bestehen bleibt. Steinbock ist der Konservierende, der Erhaltende, ohne ihn würde alles ins Grenzenlose hineingezeugt. In der Mythologie schneidet er seinem Vater Uranos das Zeugungsglied ab, das  ins Meer fällt, dem daraufhin Venus-Aphrodite entsteigt. Man nennt sie auch die Aphrodite-Urania des Tierkreiszeichens Waage. Ein weiterer Name ist Dione, die Femininform von Zeus/Jupiter, was noch einmal darauf hinweist, dass sie die Verwandlungsform von Zeus und Hades (Jupiter und Pluto) ist. Astrologisch (s. auch Münchner Rhythmenlehre) ist Wassermann/Uranus als der erste Schritt in die Einmaligkeit, die Sonderung zu nennen, die in Gestalt seiner Tochter Aphrodite erstmals zur Individualität kommt.

 

Das Opfer-Thema und Pluto

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Betroffen bei Opfer-Täter-Beziehungen: Macht und Ohnmacht, Angst und Aggression, Passivität, Dominanz und Unterwerfung und vor allem auch die Frage des Selbstwertgefühls. 

In den Horoskopen von Tätern wie auch Opfern finden sich entsprechende Planetenprinzipien an herausragender Stelle: Mars, Pluto, Neptun, Saturn in Konstellationen zur Sonne. Vor allem die Aspektkombination von Mars/Pluto, Mars/Neptun, Mond/Neptun und Sonne/Saturn, Sonne/Neptun und Sonne/Pluto geben Hinweise darauf, wieso ein Mensch sich aus der jeweiligen Rolle, sei es die Täter- oder Opferrolle, nicht befreien kann bzw. aus welchen Gründen er sie nachgerade beibehalten muss – manchmal bis zum bitteren Ende.

In einem „Opfer-Radix“ stoßen wir ganz bestimmt auf einige Planetenkombinationen oder -Platzierungen, die auf ein großes, unterdrücktes Aggressionspotenzial hinweisen.

Wenn der Fluss von Fische (Einheit) über Wassermann – Scheidung in die Polarität mit ständiger Schöpfung (bis zur Erschöpfung?) – unterbrochen ist, entsteht unter dem Zeichen Plutos das Modell der Verhinderung von Ursprünglichem: das, was der Mensch werden kann/werden soll, dringt nicht bis zur Waage durch, gleichzeitig ist es ohne Maß und Bestimmung. Es entsteht, was Wolfgang Döbereiner in der Münchner Rhythmenlehre als Verdrängung bezeichnen wird, und das zu einem Zwang der Wiederholung führt (vgl. Sisyphos).
Dieses Verdrängte und Verweigerte (warum verweigert, später) muss von nun an ständig wiederholt werden. Es ist, als sei die Nadel in einer Rille der Schallplatte hängengeblieben… Eine Weiterentwicklung ist nicht möglich, lediglich ein Wiederholen als stumpfes Ausführen bleibt. Ob es sich um einen Sippen-, einen Familien- oder Vereinszwang handelt: die Spielarten wechseln, man erkennt sie an den Wiederholungen.

Die ursprüngliche Bestimmung kann wiederum nur mit Uranus – als Symbol des Schöpferischen, des Auftauchens des Ursprünglichen – befreit werden. Er ist in der Lage, das Modell des Zwanges zu sprengen. Wenn man dagegen die Identifikation mit der Verhinderung nicht gelöst hat und sich weiterhin für das Modell hält, geht man mit ihm unter.

Das ist dann das Opfer: man ist es selbst, der untergeht.

Es gibt nicht wenige Familien, die in irgendeiner Ausprägung einen „Sippenzwang“ in sich tragen. Trägt eine Person die Konstellation der Möglichkeit der Verhinderung, wird diese, sofern die erste Trägerin „es“ nicht löst, an die Kinder und Kindeskinder weitergereicht. Da werden Kinder zu Opfern, weil sie sich einem ererbten, unbewussten Erfüllungszwang unterwerfen, ja, unterwerfen müssen. Das in der Sippe (im Clan) herrschende Modell verlangt immer neue Opfer an Leben, Gesundheit, Freude, Glück, Erfolg etc.

Es gibt viele Aufführungsvarianten dieses Stückes, und sie sind gut kaschiert und verschwiegen, und wirken aus dem Hintergrund her umso ungestörter. Die Lösung liegt in der Aufdeckung, also der inhaltlichen Bewusstwerdung des jeweiligen Modells. – Diese Aufdeckungsarbeit ist ein großer Teil astrologischer Deutung, und der Astrologe kann Modelle ganz unterschiedlicher Oberflächenphänomene bzw. Symptome erkennen und beschreiben.

 

 Logos und Mythos

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Schritt zurück: Als junge Frau kam ich – die ich immer Schwierigkeiten mit Begriffen (eine Domäne des Logos) habe und hatte – im letzten Studienabschnitt auf Viktor Frankl und die Logotherapie. Logos bedeutet – philosophischen Traditionen entnommen – „Sinn“. Logos kommt als Endung in Erkenntnisfächern vor: Archäologie, Philologie, Biologie, Psychologie und natürlich – Astrologie. Hier bedeutet die Silbe „Lehre“. Gemeinsam ist allen diesem Begriff zugeschriebenen Bedeutungen der Aspekt von Ordnung: das Prinzip einer nach Gesetzen sich organisierenden Welt. Das macht Sinn.

Logos in der Gegenüberstellung zu Mythos: die auf Vernunft gegründete Welterklärung. Geschichten zu erzählen, in Metaphern zu sprechen, Gleichnisse anzustellen, ist die Darstellungsweise des Mythos. 

Mythos vereint, führt einzelne Stücke zu einem Gesamtbild zusammen, ergibt damit eine Anschauung. Der Logos lebt in der Welt der Begriffe und des abstrakten, neutralisierenden Denkens. Seine Vorgehensweise ist die Synthese nach der Analyse. Was er schafft sind Informationen und Wissen. Der Logos trennt. Mythos und Logos sind Gegensätze, aber keine absoluten: in Mythen steckt immer ein wenig von Logos, und umgekehrt. Und das macht es schwer, sie immer als jeweils das eine oder andere zu erkennen.


Sinnfülle und Freiheit des Willens

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Logotherapie heißt weder, dass der Therapeut versucht, dem Patienten „mit Logik zu kommen“, noch hat sie mit der Logopädie (Sprech-/Worterziehung) zu tun. Die innerhalb der Logotherapie vorgenommene Existenzanalyse bedeutet die Analyse auf Existenz, auf eigenverantwortetes, selbstgestaltetes und menschenwürdiges Leben hin. Es geht um die Hinführung zu einem sinnerfüllten Dasein, und immer ist es das konkrete, individuelle Leben eines Menschen, eines Klienten oder einer Gruppe, die auf bestmögliche Sinnfülle hin durchleuchtet wird.

Viktor Frankl war meines Wissens kein Astrologe, er war auch weder Schütze noch ein Fisch. Vielleicht hat ihm jedoch jemand gesagt, dass das, was er da tut, so recht eigentlich mit dem 9. Haus und dem Jupiter als dem Prinzip des Fügens zu tun hat. Das 9. Haus beschäftigt sich mit dem Gefüge der Welt, dessen gemäß, wie ihm die ersten drei Zeichen (Fische, Wassermann und Steinbock) die „Bauteile“ vorlegen. Was Frankl meinen könnte, heißt in den Worten der Münchner Rhythmenlehre „Eigenständigkeit“ des eigenen Lebens und beinhaltet auf dem „Weg der Aphrodite“ die Menschwerdung im eigenen Dasein mit der je eigenen Bestimmung, ein Dasein in der Gegenwart,  der eigenen Endlichkeit eingedenk.

In der Logotherapie 12 Grundsätze, hier zwei:

  • Der Mensch will nicht nur irgendwie überleben, sondern sucht nach einem Sinn (woher? warum?) und Zweck (wozu?) für dieses Überleben.
  • Der Mensch ist nicht da, um sich mit sich selbst zu beschäftigen. Er will sich „erkennend und liebend“ einer Sache oder einer anderen Person hingeben. 

Frankl geht von drei wichtigen Konzepten aus: der Freiheit des Willens, dem Willen zum Sinn, und dem Sinn im Leben.

Sie sind nicht zwangsläufig allen Menschen in gleichem Maße in die Wiege gelegt. Und: Sind sie auch da, sind sie doch in vielen Fällen versteckt, verneint, verhindert, wenn der Fluss des Lebens gestaut wird. Frankl und viele andere haben diese Erfahrungen in ihren jungen Jahren machen müssen. Seine Herangehensweise rührt aus seiner Eigenheit, das Thema aus seiner Erfahrung. Die Logotherapie ist – wie  der Name sagt – kein System, das Ursachen erklärt, wohl aber eines, das nach vorne sieht und in die Lage versetzen kann, Sinn im Geschehen zu sehen und den Willen nach Befreiung zu aktivieren.

Mangelndes Sinnempfinden, mangelnder Wille zum Sein auf der einen Seite und ein Übermaß an Wille und (irriger?) Freiheit auf der anderen Seite kann zu einer gegenseitigen Anziehung führen. Beide Seiten haben ihre Motive – und die Motive lösen sich aneinander in einem Ereignis – es kommt zu Opfern und Tätern. 

Japan und die Kamikaze-Flieger oder China: die Heiligung der Selbsttötung – (Skorpion-haft) oder “Der Einzelne sei ein winziger Ton im Konzert der Harmonie des Volksganzen“ – so sowohl Konfuzius als auch Mao sinngemäß – (Waage-haft). Ob sie wirklich weniger krass sind als die mittelamerikanischen Hochkulturen etwa der Azteken und Maya, welche Menschenopfer als Voraussetzung für gnädige Götter ansahen und allerlei böse Magie betrieben? Und: Während die Spanier die Protagonisten dieser schwarzmagisch angehauchten Hochkulturen köpften, wurden in Spanien selbst durch die Inquisition unzählige Menschen einem Schein-Christentum geopfert. Man spricht hier von korrespondierender Konkurrenzsituation, oder von – Resonanz.

„Daher ist ein ganz ganz unerlöster Pluto in einem Horoskop blind und grausam, auch menschlich grausam, ohne Rücksicht auf jegliche Subjektivität und Spezialinteressen. Weswegen ja  j e d e r ungelöste Pluto eine Art faschistischer Codex ist. In jedem Fall!“ Wolfgang Döbereiner: 

Warum diese Grausamkeit? Woher kommt sie?


Der Familienfluch

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Gibt es etwas wie Erbsünde? Was ist ein Familienfluch? – In der griechischen Mythologie wird der Familienfluch als Bestrafung einer zornigen Gottheit angesehen, die auf die Nachkommen eines Individuums verhängt wird, das wiederum diesen Gott beleidigt hat.

Der Fluch oder die Bestrafung steht in engem Zusammenhang mit dem Orakel des Apollon, und in den meisten Familienflüchen in der Mythologie bittet das eine oder andere Familienmitglied das Orakel um eine Enthüllung der Zukunft. Obwohl der Fluch ein Vermächtnis aus der Vergangenheit ist, ist er auch Schicksal und enthält Prophezeiungen über die Zukunft. Er hat die Macht, jede potentielle individuelle Entwicklung aufzuheben, so dass der Einzelne nicht mehr als ein Mittel zur Entfaltung des Fluchs ist.

Ein Fluch kann nur aufgehoben werden, wenn die Worte des Orakels verstanden werden, das auferlegte Schicksal akzeptiert und Sühne nach dem Willen des Gottes geleistet wird. Zwangsläufig verstehen oder akzeptieren die Mitspieler der griechischen Tragödie das Orakel nicht und nehmen auch die geforderte Sühne nicht auf sich. Entweder ignorieren sie den Fluch oder sie glauben, dass sie davon verschont bleiben. Daher erfahren sie ein Schicksal, das sowohl gewählt als auch aufgezwungen ist – es beruht auf ererbten Konsequenzen, die mit gegenwärtigen Entscheidungen vermischt sind, um eine vorherbestimmte Zukunft zu schaffen (s. vorne die Episode von Perseus und Andromeda, deren Vater sie aufgrund der Hybris ihrer Mutter opfern musste).

Es gibt bestimmte Merkmale, die in jedem Mythos über einen Familienfluch zu finden sind. In gewisser Weise bilden sie die Kriterien für die Definition eines Familienfluchs.

Der Einzelne, der den Fluch zum ersten Mal aktiviert, ist niemals ein gewöhnlicher Sterblicher, sondern königlich, stammt von einem Gott ab und ist von einem Gott gesegnet oder begnadet (im Horoskop nicht selten Sonne-Neptun oder Sonne-Jupiter). Er hat immer eine besondere Gunst von der Gottheit empfangen. Der Zorn der Gottheit richtet sich nun gegen den Missbrauch eines von den Göttern verliehenen Talents oder Vorteils. Ein Fluch beginnt damit als etwas Positives und Kreatives, das durch Arroganz, Habgier oder Grausamkeit missbraucht wird.

Der Einzelne leidet an Hybris – dem fehlenden Respekt für die sterblichen Grenzen und die Bedingungen und Erfordernisse eines von den Göttern auferlegten Lebens (es fehlt Saturn/Steinbock). Hybris ist dabei eine besondere und tödliche Form von Arroganz.
Der Fluch steht gewöhnlich in Zusammenhang mit dem Missbrauch von Kindern. Dieser kann sowohl symbolisch als ein Missbrauch von kreativen Potentialen daherkommen als auch im wörtlichen Sinne. Kindesmissbrauch in Familien hat langfristige Auswirkungen über viele Generationen. Jede Generation einer solchen Familie ist in irgendeiner Form in Verletzung oder Zerstörung eines Kindes oder eines jungen Menschen verwickelt.

Roman Polanski, 18.8.1933, 10:30 Uhr, Paris

Roman Polanski, 18.8.1933, 10:30 Uhr, Paris

Die Familienmitglieder, die mit dem Fluch belegt sind, verschlimmern ihn durch ihre eigene Hybris. Jede Generation hat die Möglichkeit, die „Strafe“ zu akzeptieren (Einen Preis bezahlt jeder. Und: Alles hat seinen Preis.) und damit den Fluch zu tilgen. Aber jede Generation scheitert, weil der Einzelne seinen Neid, Zorn oder den Wunsch nach persönlicher Vergeltung nicht aufgeben kann.
Deshalb wird der Fluch immer mächtiger. Was hier nun vererbt wird, sind ganz bestimmte Einstellungsmuster – „Glaubenshaltungen“ wie W. Döbereiner sie nennt („Was sollen denn die Leute von uns sagen?“, „In unserer Familie tut man so etwas nicht!“) – die der Einzelne nicht überwinden, umwandeln oder aufgeben will. Das führt zu einem Verstricken in instinkthaften Reaktionen und geht mit der Weigerung einher, notwendige Opfer, um nicht Opfer zu werden, zu bringen.

In den Mythologien warnt das Orakel den Täter (als Opfer des Zwangs) oder den Erben des Fluchs immer vor den Folgen, aber die Bedingungen des Orakels werden bewusst missverstanden, oder münden in dem entschlossenen Versuch, die Prophezeiung zu umgehen. Paradoxerweise führt der Versuch, das Orakel zu täuschen, dazu, dass das Orakel sich erfüllt.

 

Die Bedürftigkeit der Menschen

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Rückblende Logos. Psychologen und Soziologen haben – und tun es noch immer – an Erklärungen gearbeitet, warum Menschen suchen und vor allen Dingen wonach, und sich dabei zu Opfern machen und machen lassen. „Bedürftigkeit“ weder als die sozialrechtliche noch psychologische Bedeutung des Wortes. Bedürftig ist, wer etwas braucht, es aber nicht in sich selbst findet.
Der Maslowschen Pyramide entlehnt (von unten nach oben zu lesen) lassen sich menschliche Bedürfnisse in 5 Stufen zusammenfassen:

malow

  • Wunsch nach Selbstverwirklichung, Weiterentwicklung, Kreativität
  • Wunsch nach Anerkennung und Achtung der Individualität, Selbstvertrauen
  • Wunsch nach Zugehörigkeit zu Gruppen/Familien, Wunsch nach Gefühlsäußerung und – erwiderung (= Liebe)
  • Wunsch nach Sicherheit, wirtschaftlicher Absicherung
  • Wunsch nach Essen und Schlafplatz (reines Überleben), Sexualität

Ein jeder von uns hat Bedürfnisse und dürfte es kennen, dass er in Situationen gerät, in denen er abwägt, und das eine dem anderen „opfert“. Um unsere Bedürfnisse zu stillen, „opfern“ wir etwas anderes. Bei der Opferung geht es immer um ein Aushandeln – eine Absicht und eine Intention, und einen Preis, den wir dafür zahlen. Ob wir immer das „Richtige“ opfern, ist nun mehr als fraglich. Das „Opfer“, das wir hier bringen, ist eines, das uns Bequemlichkeit, vielleicht sogar die Umgehung unseres eigenen Lebens gewährleisten soll. Das, wofür wir am meisten tun, wonach wir uns strecken und wir uns verzehren, ist vielleicht gerade das, wovon wir uns am meisten fern halten sollten.


Nicht-bedürftige Menschen

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Opfer werden also von bedürftigen Menschen gebracht, die sich damit etwas erhoffen. Zu Opfern werden Menschen, die bedürftig sind. Da wir davon ausgehen können, dass nur sehr wenige Menschen nicht bedürftig sind, stellt sich die Frage nach den wenigen Unbedürftigen, die wir wohl als öffentlich bekannt annehmen können. Und tatsächlich:

Oscar Wilde führt Cäsar und Marc Aurel an. Ersterer sei der vollendete und vollkommene Mensch gewesen, was nicht heißt, dass er dabei nicht tragisch gefährdet war. Wo immer jemand Autorität ausübt, gibt es einen, der sich der Autorität widersetzt.

Aurel war unzähligen Anforderungen, die man an ihn stellte, ausgesetzt. Er trug, so Wilde, schwer an der Last des Kaisertums und wusste, dass die Kraft eines Einzelnen nicht ausreichte, um das Gewicht dieses titanischen und allzu großen Weltreiches zu tragen.

Der als vollkommen gesetzte christliche Gott war und ist ein Opfernder, denn er opferte seinen Sohn; und die späteren Christen, die dessen gedachten, setzen dies als einen Maßstab. Jesus wiederum ist das vollkommene Opfer, das Gott als Buße für die Sünden seines Volkes vorgesehen hat (Römer 8,3; Hebräer 10). Der alttestamentarische Gott hat ebenfalls Opfer gefordert (Abraham/Isaak) (allerdings dann auf den Vollzug des Opfers verzichtet). War er nicht der vollkommenere Gott?  

Individuelle (Un-)Vollkommenheit. Wenn wir uns als Persönlichkeit, die alles in sich trägt, was sie braucht, erkannt haben und in die Welt gehen, sind wir nicht abhängig von anderen und können aus freien Stücken Zeit schenken, Geld geben, Sicherheit schaffen und Rückhalt bieten. Niemand muss uns dafür etwas zurückgeben, und unsere Gabe ist kein Opfer, und wir sind keine Opfernden. – Ein schöner Mythos.

Die meisten Menschen sehen sich aber zum Kämpfen gezwungen – am meisten gegen ihr eigenes Geschick. Die Hälfte ihrer Kraft vergeuden sie in Auseinandersetzungen, die sie immer und immer wieder wiederholen. Sie ringen um Authentiztät oder darum, zu werden, was sie schon längst sind. Und erreichen es dann doch nicht.


Der Selbstverrat

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Ekel, der angesichts von Ereignissen oder Begegnungen oder von Erzähltem in uns aufsteigt („Das ist doch zum Kotzen!“). Er kommt aus dem Urteil des Empfindens. Unser Empfinden weiß, was nicht stimmt oder grundsätzlich gegen das Gewachsene in der Welt steht.
Wir nennen den Ekel vielleicht eine „Abneigung gegen etwas Unmoralisches“, oder eine „unfaire Behandlung“. – Doch das ist nur die Oberfläche.
Unter dieser Oberfläche: Das Gewachsene in der Welt fügt sich im Sonne-Jupiter. Wenn das Gewachsene durch die Ausübung von Formen ersetzt wird, wir in unseren Berufen mehr und mehr funktionieren müssen, verlassen wir den Jupiter-Sonne. Regeln und Gesetze und Gefertigtes treten an Stelle des Lebens als Gestalt.

Die Verneinung des Gefügten ist als Ergebnis der Mond-Pluto… und damit die Verlängerung in die Vorstellung, der Verneinung des einzelnen Lebens. Das Empfinden merkt dies in Übelkeit. Uns wird übel, wenn etwas das Maß verlassen hat (maßlos geworden ist) und wenn etwas rein funktional daher kommt.


Jenseits

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Was heißt schon authentisch? Die Logos-Welt sagt dazu z.B:

1. Bewusstsein. Wir müssen unsere Stärken und Schwächen ebenso kennen wie unsere Gefühle und Motive, also warum wir uns so oder so verhalten. Erst durch diese Selbstreflektion sind wir in der Lage unser Handeln bewusst zu erleben und zu beeinflussen.

2. Ehrlichkeit. Leider neigen wir Menschen dazu, uns schöner zu sehen als wir sind. Sogar sprichwörtlich. […] Wer authentisch sein will, muss der Realität ins Auge blicken und auch unangenehme Rückkopplungen – seien sie optisch oder verbal – akzeptieren.

3. Konsequenz. Wer Werte hat, sollte danach handeln. Das gilt auch für einmal gesetzte Prioritäten oder für den Fall, dass man sich dadurch Nachteile einhandelt. Kaum etwas wirkt verlogener und unechter als ein Opportunist.

4. Aufrichtigkeit. Natürlich lässt sich eine Zeit lang ein geschöntes Bild aufrecht erhalten. Ein bisschen Show muss sein und so. Aber nicht wenn es um Authentizität geht. Wer wahrhaftig sein will, muss die Größe zeigen, auch seine negativen Seiten zu offenbaren.

Authentizität beginnt immer bei einem selbst. Wer versucht, Rollen und Klischees zu entsprechen, bewegt sich von sich weg, ist zwar vielleicht beliebt, aber häufig auch opportun und unecht. (aus: http://karrierebibel.de/authentizitat-die-kunst-authentisch-zu-sein-und-zu-bleiben/)…

Zuwenig? – Die Erklärung zielt im Wesentlichen auf das Verhalten. Vielleicht noch auf die Fähigkeit, Rollen annehmen und spielen zu können (was nicht selten einem Sonne-Neptun geschuldet ist). Die Erklärung verweist auf Werte, nach denen man handeln soll. Was sind aber diese Werte? Wer legt sie fest? – Die Erklärung spricht von Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit… sind dies zwei dieser Werte? Und: Wie gelange ich zu Selbsterkenntnis bzw. Bewusstsein, wenn ich doch nicht weiß, mit welchen mir mitgegebenen Mitteln.

Um eine Frage wie „Warum ich?“ zu beantworten, muss man sehr weit zurückgehen, d.h. mitnichten in frühere Leben, sondern in die Familiengeschichten. Denn dass jemand Opfer eines Unfalls wurde – ist nicht Zufall. Und dass jemand in eine Familie geboren wird, in der er fremd und unheimisch ist, ist kein Zufall. Dass Krankheiten, Bankrotte und Zusammenbrüche geschehen, hat Ursachen, die bereits über Generationen hinweg wirksam sind.

Nur: in einer Welt wie der unseren, die den Mythos ausschließen möchte, weil sie in der Polarität, die zur Dualität wurde, leichter manipulierbar ist, findet der Einzelne keine Erklärung und keine Lösung mehr. Und dann brauchen wir Regeln und Gesetze, wir brauchen mehr Menschen, die auf Einhaltung der Regeln und Gesetze achten, wir schaffen ein System aus Informationen über diese Regeln und Gesetze. Während gleichzeitig die andere Hälfte verdrängt, ausgeschlossen wird.

Bei all ihren Bedürfnissen glauben viele Menschen, die Erfüllung der Bedürfnisse durch die Wiederholung der Vorgänge erreichen zu können. Mithin wiederholen sie gebetsmühlenartig, in vielfacher Ausfertigung in endlos in die Zeit hineinwiederholten Workshops und Vorträgen die Parolen des Fluchs und der Opfer.