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IST WIRKLICHKEIT GLEICH REALITÄT?


Eine gute Frage, oder?


Sie sehen hier eine Möwe an einem Sandstrand während eines fulminanten Sonnenunterganges. Dieses Bild sieht sehr real aus, oder? Aber: Diese Möwe ist nie an diesem Strand gewesen und dieser Strand hat mit höchster Wahrscheinlichkeit nie einen SonnenunterganBrandhimmel kleing wie diesen erlebt.

Warum ich das sagen kann? – Ich kann das behaupten, weil ich dieses Bild „montiert“ habe: die Möwe habe ich aus einem anderen Bild herausgeschnitten und auf den Strand gesetzt, den Sonnenuntergang wiederum aus einem dritten Foto über oder hinter das Meer gesetzt…

Und: da dieses doch nun niemals real war – ist es deshalb auch nicht wirklich? Diese Montage hat nicht wenige Leute interessiert – sie hatte eine Wirkung auf sie und erzeugte damit eine Wirklichkeit.

Was aber ist der Unterschied zwischen der Wirklichkeit und der Realität? Ist es so, dass wir mit unserem Denken und Handeln uns unsere eigene Wirklichkeit schaffen und wir selbst bestimmen, wie diese aussieht?

Zwischen dem Wort Wirklichkeit und dem Wort  Realität wird gemeinhin nicht sauber unterschieden. Sie kennen das schon – ich bin eine Erbsenzählerin. Und weil ich das bin, schaue ich mir zunächst an, wie die Wörter „Wirklichkeit“ und „Realität“ in anderen Sprachen (nicht philosophisch, sondern rein übersetzerisch-geläufig herausgesucht)  heißen.

  Wirklichkeit Realität
Altgriechisch energeia ?
Englisch realitity
actuality
objectivity
reality
existence
coming-true
materalization
Französisch realité realité
Latein actualitas realitas
Spanisch realidad realidad

Wir sehen – das hilft uns nicht wirklich weiter, denn aus den fremdsprachlichen Wörtern geht nicht hervor, ob die Sprecher die selbe Trennung vornehmen wie offensichtlich ausgerechnet wir im Deutschen. Wenden wir uns zunächst der Realität zu.

Aus der Sicht philosophischer Schulen (unvollständig)

Wirklichkeit oder Realität – das ist an dieser stelle der Ausgangsgedanke – kann man von verschiedenen Standpunkten aus betrachten. Es sieht ein jeder die Wirklichkeit anders, die Sicht hängt immer von der Einstellung der Person ab – davon, was sie bereits erlebt hat, was sie glaubt und vor allem, was sie fühlt und empfindet. Auf diese Weise schafft sich auch ein jeder seine eigene Realität. — Man könnte sagen: es ist die gesehene Wirklichkeit, die Realitäten schafft.

Platons Höhlengleichnis lässt sich gut auf unser Leben übertragen, da wir wie die Gefangenen in ihrer Höhle in unserer subjektiven Realität gefangen sind. Wir halten die Schatten an den Wänden für das Tatsächliche/Reale, und können nicht ermessen, dass hinter dem „Tatsächlichen“ noch ganz anderes steckt. Und wir schenken Menschen, die uns von einer anderen Wirklichkeit berichten, nur wenig Glauben. Wenn wir sie denn selbst erblicken – wollen die meisten von uns zurück – in die (angenehmere) Realität.

Der Buddhismus wiederum lehrt uns, dass Personen und Dinge nicht so existieren, wie sie uns erscheinen. Die Nichtexistenz des Individuums kann nur mit dem Erleuchtungsgeist verstanden werden. Die Leerheit aller Dinge und Personen bezeichnet der Buddhismus als letztendliche Wirklichkeit.

Die Hermetiker unterscheiden zwischen relativer und absoluter Realität: Die relative Realität ist das was wir nur vordergründig wahrnehmen. Was wir wahrnehmen ist nur eine vergängliche Sache, die kommt und geht. Von der absolute Realität aus gesehen ist alles geistig, und das was wir erleben eine Illusion. Ihr Grundsatz ist, dass man immer beide Pole der Wirklichkeit sehen muss und sprechen hierbei vom Göttlichen Paradox des Absoluten und Relativen.


Kategorisierung der Realität
(Versuch einer Bestandsaufnahme)


Konzentrieren wir uns auf den Realitätsbegriff, der sehr unterschiedlich verwendet wird und somit unterschiedliche Inhalte hat. 

Der Materialismus führt alle Vorgänge und Phänomene der Welt auf Materie und deren Verhältnisse und Gesetzmäßigkeiten zurück. Realität ist das, was sinnlich erfahren werden kann, alles andere bleibt außen vor.

Der Konstruktivismus geht davon aus, dass ein erkannter Gegenstand vom Betrachter selbst durch den Vorgang des Erkennens konstruiert wird. Bildlich gesprochen kann man sagen: Diese Art der Realitätsbeschreibung ergibt Landkarten, zeigt aber nicht die Landschaft.

Der schwache Realismus geht davon aus, dass es zwar eine Realität gibt, diese aber nur in gewisser Beziehung zum wahrnehmenden Subjekt steht. Dieser Tatbestand lässt keine Rückschlüsse auf die Welt an sich zu. Für den Menschen existiert dann nur, was für ihn erkennbar ist. Jeder andere Rückschluss wird als Metaphysik von der Realität ausgeschlossen.

Der naive Realismus ist ein  andere Extrem der realistischen Auffassungen. Vertreter dieser Position gehen davon aus, dass die Welt so ist, wie sie der Mensch wahrnimmt. Dabei wird selbstverständlich berücksichtigt, dass es Sinnestäuschungen gibt und dass die wahrgenommenen Sinnesdaten erst durch kognitive Prozesse im Gehirn umgewandelt werden. Naive Realisten sehen jedoch ein unmittelbares Abbildungsverhältnis zwischen der Welt und den Vorstellungen im Bewusstsein.

In die objektive Realität sind auch soziale, ästhetische oder historische Gegebenheiten einbezogen, d.h. abstrakte Strukturen, die vom Denken abhängen. Hierbei stellt sich die Frage, ob auch abstrakte wissenschaftliche Gegenständlichkeiten wie beispielsweise Mathematik und Logik real sind.

Im Pragmatismus ist real, was nicht fiktiv ist. Insofern haben Naturgesetze Realität. Nach dem den Pragmatismus stark beeinflussenden Charles S. Peirce (1839-1914) haben auch Gesetze der Logik und Mathematik Realität. Im weitesten Sinne ist für ihn Realität das von unserem Denken Unabhängige:

„Das Nicht-Analysierbare, das Nicht-Intellektuelle fließt in kontinuierlichem Strom durch unser Leben: Es ist die Gesamtheit unseres Bewusstseins, es wird in seiner Kontinuität durch eine real wirksame Kraft zustande gebracht, die hinter dem Bewusstsein steht.“

Sie werden Verständnis haben, wenn ich hier einige Passagen auslasse. Sie können demnächst im Buch gelesen werden.

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Wirklichkeit (Sein?) versus Schein (Illusion?)

Zum (metaphysischen) Wirklichkeits-Konzept gehört unbedingt die Gegenüberstellung von Wirklichkeit und Schein. Etwas ist, und etwas scheint nur zu sein… es ist eine Täuschung? Eine Illusion? Diese Unterscheidung hängt mit dem in Altertum und Mittelalter bekannten ontologischen Wahrheitsbegriff zusammen. Danach unterscheidet sich das Wirkliche als  ›wahr‹ und als das wahrhaft Seiende vom Nicht-Wirklichen in seinem Seins-Status als nicht-existierend oder als unvollständig da-seiend. Tatsächlich findet sich umgangssprachlich diese Unterscheidung sehr häufig.

Drei Gedankengänge dazu: 

René Descartes (1596-1650) teilt die Realität/Wirklichkeit in zwei fundamental voneinander getrennte Bereiche. Es gebe den Geist (das denkende Ding) und die Materie (das ausgedehnte Ding). Für beides sei Gott der gemeinsame Bezugspunkt. Entsprechend der „Cartesianischen Trennung“ entwickelte sich die Wissenschaft in Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften, allerdings in zunehmendem Maße ohne Bezugnahme auf Gott.

Immanuel Kant (1724-1804) bezeichnet die Außenwelt mit dem Begriff „Ding an sich“. Die sogenannte intelligible (das muss noch einmal begrifflich nachgeschlagen werden! meine Anmerkung) Welt sei a priori im Menschen enthalten. Die Begriffsbildung des Menschen sei nötig, um eine Realität im Bewusstsein entstehen zu lassen. Weil das Streben nach einer unbegrenzten Erweiterung der Erkenntnis in der Natur des Menschen liege, entstünden Ideen wie Gott, Freiheit und Seele als absolute Begriffe, die ohne empirische Basis von der Vernunft (vgl. Essay über die Vernunft) gebildet würden.

Als Orientierungshilfe schenkte er uns den kategorischen Imperativ: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“. Volkstümlich: „Was du nicht willst, das man Dir tu‘, das füg‘ auch keinem anderen zu“.

In der Vorstellung des Deutschen Idealismus (Klassik und Romantik) ist die Realität ein System des Geistes und der Natur als Einheit. Die Wirklichkeit ist bei dieser Anschauung auf ein absolutes Prinzip zurückzuführen wie zum Beispiel das Ich, die Natur oder den Weltgeist. Diese Denkweise konnte – wie wir inzwischen wissen – bei der rasanten Entwicklung der Naturwissenschaften schlecht aufrechterhalten werden.

Auf keinen Fall dürfen wir eine filmische Veranschaulichung genau dieses Themas vergessen. Ich gehe davon aus, dass Sie diesen Science-Fiction-Film aus dem Jahr 1999 unter der  Regie der Wachowski-Brüder kennen.

Die Matrix

Die Menschen leben in einer illusionären Welt namens Matrix. Sie ist ein Computerprogramm, das von den Maschinen für die Menschen geschrieben wurde, nachdem die Maschinen die Menschheit besiegt, einen Expansionswillen entwickelt haben und die Menschen nurmehr als Nährboden für ihr eigenes Leben und ihre Weiterentwicklung gebrauchen. Die Welt ist trist, düster und dunkel geworden, ist die Wüste der Wirklichkeit.

Die Menschen hängen an Schläuchen, sind in Behältern gefangen. Von ihrem Schicksal wissen sie nichts. Sie glauben in der Matrix ein ganz normales Leben zu leben, in dem sie Leid, Schmerz, Trauer, aber auch Freude, Lust und Spaß empfinden und schließlich am Ende ihres Lebens sterben. Von ihrem wahren Schicksal ahnen sie nicht das Geringste.
Jedoch gibt es eine kleine Gruppe von Menschen, die nicht in der Matrix gefangen sind und beschlossen haben die Menschheit aus ihrer Sklaverei und Gefangenschaft zu befreien. Jedoch wissen auch sie, dass sie dazu ohne einen Erlöser nicht in der Lage sind. Sie warten auf diesen Befreier, dem allein es möglich ist die Agenten, die Feinde, die mit allen Mittel die Matrix verteidigen und schützen, zu besiegen.  Die Gruppe wird von Morpheus angeführt. Er ist derjenige, der den Erlöser finden soll.

Thomas Anderson (Keanu Reeves) arbeitet als Programmierer für einen Software-Multi. Nachts ist er jedoch Neo, ein Hacker, der mit illegalen Cyberspace-CD’s handelt. Während seiner nächtlichen Surfstunden stößt er auf ein geheimnisvolles Programm namens Matrix und einen gewissen Morpheus (Laurence Fishburne), der ihm diese Matrix erklären kann. Morpheus behauptet, die gesamte Welt, die wir kennen, sei eine Illusion, ein Computerprogramm, das den Menschen ihre Realität nur vorgaukele. Die Menschen seien in der Matrix gefangen; willenlose Sklaven einer fremden Macht intelligenter Maschinen.

Von Morpheus erfährt Anderson/Neo, dass er der „Auserwählte“ ist, der die Matrix bekämpfen kann, wenn er nur will. Er muss eine Entscheidung treffen. Wählt er die blaue Pille, bringt sie ihn zurück in sein bisheriges Leben und alles bleibt, wie es bisher für ihn war. Die rote Pille aber wird ihm die Wahrheit enthüllen. Auch sein Körper wird nicht mehr so sein, wie er bis jetzt noch ist. Neo wird die rote Pille schlucken…
Nachdem er sich mit seinem neuen Leben bekannt gemacht und die Wahrheit akzeptiert hat, kommt es zu einem erbitterten Kampf gegen die Agenten. Erst gegen Ende erweist sich Morpheus´ Voraussage, dass Neo der Erlöser ist, als richtig. Neo gelingt es. die Maschinen niederzuschlagen. Wie es allerdings mit der Menschheit weitergeht, bleibt offen und der Phantasie des Zuschauers überlassen.

Zusammengefasst liegt  vor:

  • den Menschen wird eine illusionäre Welt als real suggeriert
  • ihr Verstand ist gefangen
  • die Matrix ist ihnen Realität deshalb, weil erst im Kopf alles real wird
  • wenn sie in der Matrix sterben, sterben sie auch im wirklichen Leben: der Körper kann ohne den Geist nicht und überleben

Darin liegt viel Platon: die Idee, das Höhlengleichnis. Die, die die Wirklichkeit gesehen haben, werden sich nicht mehr in die Gefangenschaft zurückbegeben. Und doch kehren sie zurück, um von der Wirklichkeit zu erzählen, und werden dann nicht mehr verstanden – ja, jene, die die Schatten für real halten, bevorzugen die Schatten.

Neo gelangt in die wirkliche Welt. Seine erste Reaktion auf diese triste, düstere und dunkle Welt ist, dass er die Matrix für die richtige, die reale Welt hält.  Er will nicht wahrhaben, dass das Triste die Wirklichkeit ist – so sehr ist er an das Bild der Matrix gewöhnt, dass es ihm schwer fällt sich von diesem Bild zu lösen und das neue als Wahrheit anzunehmen.

Als weiteren Ansatz finden wir den Konstruktivismus (oben bereits erwähnt). Im Konstruktivismus (Vertreter u.a Montessori, Paul Watzlawick und Piaget) rückt das Subjekt, das Individuum in den Vordergrund. Dieses ist allein für seine Realität verantwortlich. Der Konstruktivismus ist eine allgemeine Theorie der menschlichen Wahrnehmung und vertritt den vergleichsweisen harten und erschreckenden Inhalt, indem er davon ausgeht, dass sich die Menschen nicht wirklich gegenseitig verstehen können.

Das Weltbild in Matrix baut sich teils auf dem Prinzip des Konstruktivismus auf. Der Mensch kann nicht wahrnehmen, in welch fataler Situation er sich tatsächlich befindet. Er lebt sein Leben in einer Scheinwelt, ohne seine Gefangenschaft und Unfreiheit zu bemerken. Er wird in Wirklichkeit von Maschinen beherrscht und von diesen zur Energiegewinnung benutzt. Er wird von diesen gezüchtet und in engen Behältern gehalten. In diesen Behältern sind sie an Schläuche angekettet. Die Matrix wurde nur erschaffen, um sie bei Laune zu halten.

Am Ende des Films bleibt die Frage „Was ist die Wirklichkeit“ unbeantwortet. Ob wir jemals eine Antwort finden?

Wirklichkeit im Deutschen (Annäherung über das Wort)

Das deutsche Wort Wirklichkeit soll von Meister Eckhart als Übersetzung des lateinischen actualitas stammen. In dem lateinischen Wort ist neben der Handlung (actus) auch ein Bezug zur zeitlichen Nähe der Gegenwart gegeben. Das Wort selbst leitet sich sowohl von wirken als auch Werk ab und rückt den Begriff in die Nähe des aristotelischen Begriffs von energeia und  ergon (=„Werk“). Dieser wurde in der Scholastik als actualitas übersetzt und dadurch ersetzt.

Wir haben es demnach mit einer Tätigkeit zu tun, die etwas erschafft und damit eine Aktualität erzielt? Erlauben Sie eine praktische Parallele aus dem Bäckerhandwerk: 

Wenn der Bäcker seinen fertig gekneteten Teig zerteilt und nun die einzelnen Brotlaibe in ihre endgültige Form bringt, dann nennt man das „Wirken“. Als Wirken bezeichnet man das „Rundmachen“ (Rundwirken) oder „Langmachen“ (Langwirken) der Teiglinge. Zwischen dem Rundwirken und Langwirken sollte eine Zwischengare von 5-7 Min. liegen, damit sich der Teig entspannen kann.

Es mag weit hergeholt klingen, trägt jedoch auch zum Verständnis des Wortes an und für sich bei: trennen wir die Endung -keit (die aus einem Adjektiv ein Nomen zu bilden vermag) ab, nehmen wir das Suffix -lich (das aus einem Verb ein Adjektiv bildet) hinweg und gehen wir zum Vorgang – zur Wirkung. Die Wirkung, die wir auf jemanden machen, die Wirkung, die etwas auf uns hat. Was ist damit?

In jedem Fall bedeutet hier das Wirkende, das auf jemanden Eindruck macht, eine Veränderung. Es ist eine „Kraft“, der innewohnt, innerhalb einer bestimmten Zeit einen Veränderung herbeiführen zu können. Das ist übrigens der physikalische Kern des Wortes. 

  • „Das wirkt beruhigend auf mich.“ – Vorher war ich unruhig, im Betrachten eines Bildes werde ich ruhig.
  • „Er wirkt nervös.“ – Ich habe den Eindruck, dass er nervös ist.
  • „Sie hat eine umwerfende Wirkung auf Menschen.“ – Diese Frau kann in anderen Menschen die Änderung eines Gemütszustandes hervorbringen.

Ich wende mich jetzt einer ganz anderen Herangehensweise zu. Dazu habe ich hier das Radix von Albert Einstein. 

Wirken – das Wirkende – die Wirkung – die Wirklichkeit 

Albert Einstein, 14.3.1879, 10:30 GMT, Ulm, 48°24 n, 9°59 ö

Jetzt kommen wir der Sache schon etwas näher. Und zwar aus einer etwas anderen Richtung. Grundgedanke hier: Wirkung entsteht durch ein Bewusstwerden, das in letzter Konsequenz zu einem Bewusstsein führt. Wirkung ist nicht Tätigkeit, sondern ein Seinszustand. Insofern handelt Wirkung nicht. 

Alles, was ich tue – im Besonderen das Leben, das ich lebe – zielt auf ein Erwirktes hin. Dies suchen wir in der Münchner Rhythmenlehre im 10. Haus, im Zeichen am MC. Das Erwirkte meines Lebens ist nicht die Absicht, die ich verfolge – das Erwirkte wird das unbeabsichtigbare „Ergebnis“ meines Lebens. 

Noch einmal einen Schritt zurück. Nicht wenige Menschen erliegen dem Willen zur Macht. Was ist Macht anderes als etwas aus einer Vorstellung von Wichtigkeit Geborenes? Machtmenschen meinen, wichtig zu sein, wenn sie genügend in ihrer Umwelt „bewirken“, d.h. der Umwelt und den Menschen darin, ihren Stempel aufdrücken zu können.

Sobald Machtmenschen abgetreten sind, verfließen ihre Wirkung und ihre Wirklichkeit. Sie sind und waren Realität – in Form und Ausübung materiell und raumergreifend als Erscheinung (als Aufscheinender) tätig (I. Quadrant). Die Wirkung eines Menschen hat nichts mit seiner Berühmtheit oder Bekanntheit zu tun. Wohl aber mit Bedeutung über sich selbst hinaus – und bisweilen sogar über den eigenen Tod hinaus. Manchmal sind die „wirklich“ bedeutenden Menschen, jene die wirken, indem sie in ihrem Leben durch sich und für sich leben und damit Gestalt entstehen lassen.

In jedem Horoskop findet sich ein III. Quadrant, an dessen Spitze der MC (im UZS) steht. Kommt jemand zu mir und fragt nach seiner Bedeutung oder Bestimmung oder seiner Geltung … kann ich dort ablesen, als was sein Ergebnis gedacht ist. Frage hier: Ist Einstein bedeutend? (Dass er berühmt ist, steht außer Frage.)

 „Insofern sich die Sätze der Mathematik auf die Wirklichkeit beziehen, sind sie nicht sicher, und insofern sie sicher sind, beziehen sie sich nicht auf die Wirklichkeit“ hat  Albert Einstein gesagt. Wie kommt er darauf? Und wie kommt er darauf, zu sagen, die Quantenmechanik sei „sehr Achtung gebietend“. Aber eine innere Stimme sage ihm, dass das noch nicht „der wahre Jakob“ sei. Er meint, die Theorie liefere viel, bringe uns aber dem Geheimnis des Alten (meint er damit „Gott“?) kaum näher. Er jedenfalls meint, der würfele nicht. (Quelle: »Brief an Max Born, 4. Dez. 1926«)

Einstein auf der Suche nach dem Ursprung von allem? Und auf der Suche nach der Formel für die Welt?

Porträtgrafik (Kreidelithographie)
„Albert Einstein“, um 1920/21
von Max Liebermann

Die innere Stimme – das ist der Krebs am AC – spricht laut und vernehmlich mit einem Mond im 6. Haus im Schützen, im Haus der Aussteuerung und der Anpassung, bzw. Nicht-Anpassung. Was sagt sie? – Da ich den genauen AC (zwischen 10°9 und 11° nicht herausbekomme (der eine Grad wäre GSP Mond-Uranus, der andere Venus-Saturn) – bleibt mir die Betrachtung des Mondes: ohne Aspekte zu anderen Planeten ist er im Schützen dabei, sein Empfinden in der Suche nach Erkenntnissen auszusteuern. Der Jupiter des mondhaltigen Schütze steht in Einsteins 9. Haus: er fügt und fügt – grenzenlos, ins Grenzenlose. Mit dem Quadrat zu Pluto in 11 – fördert er auf der Suche nach den Regeln des Universums – immer mehr Unvollständiges zutage.

Aber fangen wir vorne an. Einstein hat eine Sonne in den Fischen. Der Verbund Fische-Wassermann-Steinbock reicht vom IV. Quadranten bis in den II. Quadranten hinein…

Sie werden Verständnis haben, wenn ich hier einige Passagen auslasse. Sie können demnächst im Buch gelesen werden.

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Was nehmen wir mit?

Die Wirklichkeit kann trist und schmerzhaft sein (und: darin habe ich nichts zu bestimmen) – die Realität kann uns eine schöne Welt schenken… wir tendieren dazu, der Realität zu folgen. Denn die Wirklichkeit des Lebens ist schmerzhaft, weil sie uns begrenzt.

Wolfgang Döbereiner berichtete einmal von einem Klienten, der ihm in der Beratung erzählte, er sähe überall Spinnen und Spinnweben. Er habe ihm gesagt (sinngemäß – meine Anmerkung!), das sähe er schon ganz richtig. Nur seien die Spinnweben in der Wirklichkeit da… und nicht in der Realität. Insofern sei der Klient eben paranoid gewesen… weil er die Wirklichkeit für die Realität gehalten habe.

Abgesehen davon: wir kleben in Geweben, in Netzen fest.

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* Wenn Raum und Zeit zu ihrem Bezugspunkt relativ variabel sind und die Lichtgeschwindigkeit immer gleich ist, und wenn außerdem gilt, dass Energie erhalten bleibt, dann heißt das auch, dass die Masse eines Körpers – wie in der Newton’schen Mechanik angenommen – nicht konstant sein kann. Einsteins neue Theorie besagt, dass die Masse eines Körpers bei Beschleunigung zunimmt.

** Albert Einstein ist am 18.4.1955 mit 76 Jahren an einem abdominalem Aortenaneurysma gestorben. (Seit 1949 – Ende 1948 wurde das Aneurysma entdeckt – lief er im Radix im Fügungsrhythmus im Löwen durch das 2. Haus – vorbehaltlich dass das Horoskop stimmt, wäre er an diesem Tag an einem Mond-Uranus-Punkt gewesen.) Unter dem Begriff wird die krankhafte Erweiterung der Bauchschlagader (Aorta) verstanden Aufgrund einer ständigen Belastung der Schlagader durch den pulsatilen Blutfluss kommt es allmählich zu einer Erweiterung des Innendurchmessers der Schlagader, welches man Aneurysma nennt. Mit zunehmender Wandschwäche der Aorta im Alter, bei Bluthochdruck, ständigem Nikotingenuss und Zuckerkrankheit sowie erhöhten Blutfettwerten, kann es zu einer ballonartigen Aussackung der Aorta kommen. Das passiert am häufigsten (95%) unterhalb des Ursprunges der Nierengefässe aus der Aorta, also etwa knapp oberhalb des Bauchnabels.