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WAS WIR IN DER WELT SEHEN

Wer kann schon ganz genau wissen, ob das,
was wir sehen, überhaupt das ist, was es ist,
und ob das, was unser Nächster sieht, dasselbe ist
wie das, was wir sehen.

 

Schauen Sie sich die beiden Horoskope (deren Inhaber erst am Schluss genannt werden) mehrmals an und lassen Sie Ihre Gedanken schweifen. Was fällt Ihnen ein, was auf? Was denken Sie – worauf blicken diese Personen, worauf achten sie? Durch welchen Filter sehen sie die Welt? In den nächsten Absätzen versuche ich genau das dann herauszufinden und die beiden miteinander zu vergleichen.

sonneIm ersten Horoskop steht die Sonne in der oberen Hälfte, im zweiten in der unteren Hälfte des Radix. Im ersten steht die Sonne im Zeichen Waage, im zweiten im Zeichen Stier – der Herrscherplanet beider ist die Venus. Das Sonnenzeichen soll uns nun jedoch nicht weiter interessieren.

Zwei Achsen teilen ein Radix in vier Teile, Quadranten genannt. Die horizontale Achse verläuft vom Aszendenten zum Deszendenten. 

Betrachten wir den Deszendenten, denn er ist unsere Schnittstelle zur Welt und legt die Ebene fest, auf der wir Menschen und Ideen begegnen, wie wir sie und anderes, das uns begegnet, wahrnehmen und ins Bewusstsein bringen (oder eben nicht). Abgesehen vom Deszendenten ziehe ich jedes weitere Zeichen und jeden weiteren Planeten im 7. Haus hinzu. 

Im ersten Horoskop verläuft der AC von Skorpion zu Stier, im zweiten von Steinbock zu Krebs.

stierIm Falle der ersten Person geht der Blick über das Zeichen Stier: ein Marktplatz, geschäftig hin und her laufende Menschen, man trifft sich, es wird gehandelt, verhandelt, man tauscht – Geld gegen Ware. Ware gegen Ware. Der Marktplatz ist umstanden von Häusern, er ist umgrenzt und die Umgrenzung markiert ein abgesichertes Areal. Von Basar – Handeln – Kaufen-Verkaufen kommen wir zu Börse – alles das fassen wir unter „Finanzen“ zusammen. Das gesicherte Areal bedeutet ein Revier; Haus und Garten sind z.B. Reviere für Menschen. Besitz. Sicherheit durch Besitz bzw. Eigentum. Was sind Haus und Eigentumswohnungen in der heutigen Sprache? – Sie sind Immobilien. Sie sind Unbeweglichkeit. Sicherheit macht unbeweglich. Wer Haus und Hof oder anderen Besitz hat, möchte feststellen, bewahren, beharren. Zu dieser Standhaftigkeit und Beharrlichkeit bedarf es unablässiger Kontrolle, die mittels Regelungen, innerhalb derer sich die Angehörigen des Verbandes (die in diesem abgesicherten Areal leben) bewegen und verhalten, gewährleistet wird. Moral als Handlungsanweisung wird wichtig. So instinktnah ein „Stier“ auch ist, so sehr hält er diese Instinkte im Sozialen unter Kontrolle. Was ich hier aufgezählt habe, umreißt das Wesen des Stiers als Tierkreiszeichen.

skorpion copyEinem Skorpion-Aszendenten begegnen nun die oben beschriebenen Themen, sie werden an ihn herangetragen, und er sucht sie auf. Natürlich sind sie auch Teil der Person selbst. 

Der Skorpion-Aszendent sieht sich einer „Masse“ an Menschen gegenüber, Ansammlungen wie Kollektiven, aus denen er sich nicht selten als herausfallend empfindet. Das Stierhafte ist der Raum und die Form als Erscheinung, der Skorpion gehört einer anderen Phase an, ist nicht Erscheinung, sondern deren Hintergrund in der Vorbereitung auf das, was in die Gegenwart erst noch entlassen wird – auf dem Wege des Bewusstseins. Er geht nicht in ein Zentrum hinein, sondern in die Tiefe, dafür verlässt er den Verband und auch die Regeln der Moral, die für ihn nicht gelten.

Für den Skorpion am AC, der als „Blaupause“ das Vorstellungsvermögen, das Tiefgründende und das Fixieren von Bildern repräsentiert, liegt dort am anderen Ende die Realität in Gestalt eines praktischen, erdverbunden-starken, materiellen, Zugehörigkeit einfordernden, an Regeln festhaltenden Kollektivs. Kollektive, Gruppen, das Immobile, das Umgrenzte begegnen ihm, auf diese richtet sich der prüfende Blick des Skorpion: er registriert Vorgänge und Bestände auf ihr Prinzip hin. 

WenusIm Falle des Deszendenten (und dem Stand seines Herrscherplaneten) ist es nun so, dass wir diesen Teil unseres Selbst erst in der Begegnung erfahren und dann erkennen oder – ohne es zu erkennen – erleben/erleiden. Bei Stier ist es die Venus, die das Bild des Entgegenkommenden vervollständigt. Venus (ebenfalls der Herrscherplanet des Sonnenzeichens Waage im Horoskop 1) steht in der Jungfrau im 9. Haus. Eine Venus in 9 reist gerne, und gerne komfortabel, sie sucht nach Harmonie in der Eleganz, u.a. in der Architektur, in Literatur über fremde Kulturen, in Philosophien von weitem Horizont. Sie findet sich im Bemühen um den Ausgleich von Spannungen. Geld dient ihr dazu, ihr Bedürfnis nach dieser Harmonie zu befrieden, ihr Sicherheitsgefühl gewinnt sie aus der Suche nach und der Feststellung von der Schönheit. Der Gerechtigkeitssinn ist ausgeprägt, eine Verletzung der Gesetze der Ästhetik (auch der höheren Ordnung) wird nicht akzeptiert. Das Große, das Ganze, die Stärke, Alles, ist Gott; und manchmal ist es der Mammon, der Teufel oder Gott ist. Oder es ist die Abwesenheit von allem.

Der Skorpion-AC (mit diesem Stier-Deszendenten des Horoskops) begibt sich mithin in die weite Welt der und beschreibt das vorgefundene Schöne und Große vor dem Hintergrund der Erfahrung einer Verneinung und Verengung.

merkurzwillingNun steht im 7. Haus auch der Zwilling – der nach Merkmalen ordnende Kennzeichner. Der Zwillinge-Merkur verbindet Zentren, muss dabei beweglich und im Umraum unterwegs sein. Er stellt Regelungen auf und kommuniziert sie so, dass sie eine sachlich-neutrale Bewegung sicherstellen. In Haus 10 tut er dies über die eigene Person hinaus und Merkurs Regelungen werden als maßgebliche Gesetze formulierbar. Was diese Person als Wahrgenommenes in der Welt sieht und woran sie sich verpflichtet, liegt vor ihrer eigenen Zeit – und ist über sie selbst hinaus wirksam.

PlutoPluto, der Herrscherplanet des AC, steht an der Spitze des 5. Hauses im Widder. Der zweite Quadrant ist der seelische, im 5. Haus drückt sich das Leben als Geschehen des seelischen Ausdrucks aus. Die Information der Besetzung des eigenen Lebens durch eine andere als die eigene Mentalität ist dieser Geburt mitgegeben. Heißt: sie ist per Geburt aus ihrem eigenen Ausdruck verdrängt und mit Fixierungen an Fremdes besetzt; sie lebt – im unerlösten Fall – das Leben eines anderen Menschen. Der Widder im zweiten Haus spricht für einen brennenden, impulsiven Lebensausdruck, der sich mit dem Mars in die Jungfrau und ins 10. Haus hinein mit Kraft und – falls ihm kein Ursprung zueigen ist – zerstörerisch einen Weg verschafft. Dort wird er bestimmend als Skepsis und Zweifel.

Der Blick auf die Welt enthält das Seelische in der Aussteuerung: Stier steht auch an der Spitze des 6. Hauses und spricht von Umständen, die konservativ, erhaltend, unbeweglich, allerdings auch Sicherheit gewährleistend sind; für die Existenzgrundlage ist überwiegend gesorgt.

Venus in 9 im 3. Haus des Begegnenden dient der Weite, der Bewusstwerdung und dem Bewusstsein des Gefügten im Außen, ist aber auch die mögliche Übertragung einer erlebten Enge, Verhinderung und Besetzung auf die Welt. Im eigenen Leben nicht angenommen, macht man sich das Nicht-Angenommen-Sein, das Ausgeschlossenwerden in Verbindung mit der Suche nach dem Großen und Gerechten zum Thema.

Erst dann, wenn sie das Festgefügte, das Unbewegliche und auch die Sicherung der Existenz verlassen hat, gelangt diese Person zu sich selbst. Selbst dann aber bleibt die Begegnung mit dem „Pragmatischen, Praktischen“ untrennbar da; sie wird es als einengend wahrnehmen. Die Macht der Kollektive, die Enge der Umstände, das Anhaften und die Erfahrung, „vereinzelt“ zu sein, werden in die Suche nach Größe, Schönheit und Gerechtigkeit umgemünzt.

Krebs copyAuch das Zeichen Krebs gehört mit seinem Mond in 1 (im Schützen) noch zum AC-DC-Thema. Das Eingehen von Bindungen ist von Empfinden beherrscht, dieses bezieht sich auf die eigene Person. Die Möglichkeit, ihr eigenes Innenleben zu beschreiben, ist damit gegeben, inbegriffen dessen, das in sich selbst Gefundene als Wahrheit, also ihre Wahrheit als die gültige Wahrheit zu setzen. Jupiter – der Herrscherplanet des Mitherrschers von Haus 1, steht im vierten Haus: die AnsMond copychauung des Seelischen in der Entfernung aus dem Subjektiven. Das Religiöse, die Anschauung von etwas Höherem, die Hoffnung darauf wird zum Teil der Person. Mond-Jupiter ist mehrfach gegeben: “In freudiger Erwartung und guter Hoffnung”, da das Prinzip des Zeitlichen fehlt, bleibt nur ein Leben aus Hoffnung; man ist immer bereit, Großes zu empfangen; man hat große Gefühle und große Sehnsucht.

Die Fügung der Empfindungswelt wird bei fehlender Bestimmung (im Falle von Pluto in 5 liegt der Verdacht nahe) zu einer Gefühlswelt, die alles auf sich bezieht; man schwelgt in Gefühlen und verschlingt alles, was an Empfindungswelt auf einen zukommt, um ein Leben zu haben. Da man Vorgang ist und kein Dasein hat, ist keine Gegenwart da und als solches ist man auf die Zukunft hin orientiert – oder wie in diesem Fall mit dem Merkur in 10 – auf die Zeitlosigkeit vor dem MC.

Horoskop 2 weist eine sonneSonne im dritten Haus im Stier auf. Der Herrscherplanet (Saturn) des Aszendenten Steinbock steht bei dieser Sonne, während der Planet (Uranus) des Mitherrschers (Wassermann) genau auf dem AC steht. Die Person hat einen Steinbock-Aszendenten, ihm gegenüber am DC steht der Krebs. Soweit die Lesung der Konstellationen. 

 Eine Hügellandschaft, mit einem Quellflüsschen, mit Bäumen an dessen Ufern, vermutlich sind es Weiden oder Linden. Wenn dort keine Quelle ist, dann ist es ein Brunnen, aus dem man Wasser schöpfen kann. Ein Musikant mit einer Geige kommt vorbei, er spielt Lieder, die von viel Gefühl sprechen, die empfindsam und sentimental sind. Volksmusik vielleicht. Mädchen mit Kränzen in den Haaren tanzen vorbei.

Die Seele, das Empfinden als Basis des Lebens als Geschehen ist es, worauf hier geblickt wird; das Heimatliche ist das Zuhause, aus dem Leben sich nährt. Unsere Person hat dieses Heimatliche wie die Familie, die Geborgenheit im Blick. Der Krebs schützt diese Refugien. Bei aller Offenheit wird nach der ersten Verletzung „dicht“ gemacht. Bei aller Fürsorge für das Leben ist doch Misstrauen und Besitzergreifung möglich. 

Krebs copyAuch hier in Horoskop 2 ist das Zeichen am DC gleichzeitig das Zeichen an der Spitze des 6. Hauses. Das Seelische ist Umstand wie auch der Ort, an dem sich die Aussteuerung bzw. die Unfähigkeit zur Aussteuerung an das Begegnende zeigt. Neptun steht im 6. Haus, erschwert die Anpassung bzw. löst von der Notwendigkeit. Die Auflösung bzw. die Rückführung des Heimatlichen auf einen Zustand vor das Zeitliche kann Schmerzen bereiten, wenn man festhalten will. Danach sieht es aus, denn im 4. Haus steht der sichernde Stier. 

Mond copyDer zum Krebs gehörende Mond steht im dritten Haus, in der Darstellung bzw. dem Bewegungsumraum: die Person wird das Gesehene, einschließlich der Umstände der sich auflösenden Heimat konkret artikulieren und beschreiben. Die Wahrnehmung erschrickt vor der Wirklichkeit, das Einzelleben ist in seinen Umständen gefährdet und kann doch um die Vertreibung aus der Eigenart nicht herumschauen (Konjunktion zu 28° Krebs am DC alias Mars-Pluto).

steinbock

Der Steinbock wie der Stier ist haltend, fest, außerdem strukturgebend. Mit der Steinbock-Anlage erscheint die Person ernst und verantwortungsbewusst. Ein Mensch mit AC Steinbock setzt (auch sich selbst) Grenzen und gibt Ordnungen vor, ist eher traditionsverpflichtet als dass sie unbeschwert Altes für Neues weggibt. 

Saturn steht wie Mond im Haus der Darstellung – Saturn-Merkur stellt sich und anderes in Frage, versachlicht, regelt, schafft Regulierungen, um verlorene Begrenzungen auszugleichen. Mond wie Saturn stehen im Stier, so dass der Blick nach außen auf die Regelungen von Gemeinschaften, also Kollektiven,  zurückwirkt und das Wahrgenommene in die Tat umgesetzt wird.  

Löwe1Jungfrau1Zum Blick in die Welt, der ja auch das Denken, das Begegnende und die Gegenwart ist, gehören der in Haus 7 eingeschlossene Löwe wie auch marginal noch die Jungfrau. Beider Herrscherplaneten weisen auf das konkrete 3. Haus der Darstellung: der Lebensausdruck des Einzelnen und seine Aussteuerung, die Souveränität und die Sicherung des Lebens sind Themen, an die diese Person herangeht und persönliches Anliegen und werden in der Gemeinschaft vertreten.

Das Zeichen Wassermann als Mitherrscher in Haus 1 mit dem Uranus am AC gehört zur Anlage. Das Anliegen, Traditionen zu bewahren, Grenzen und Maßstäbe zu respektieren, wird damit näher beschrieben bzw. variiert: das hier entworfen „Modell“ widerspricht zwar in einer Weise dem Stier, der dem Materiellen, dem Sichern zugewandt ist – sagt aber: das Materielle und die Sicherheit werden unterschiedslos auf alle übertragen. Die aufgehobenen Unterschiede legen eine weitere Ebene der Sichtweise frei: Pluto in 5, wie beim Horoskop 1, spricht von einer Überlagerung des eigenen Lebensgeschehens durch die Übernahme einer Vorstellung. Allerdings kommt Pluto in diesem Horoskop aus dem 10. Haus und weist ins 5. Man beschäftigt sich mit dem Verdrängten, sieht die Opfer. Beim ersten Horoskop weist vieles aus der Zeit hinaus ins 10. Dort war Pluto Vorangegangenes, hier ist er Teil des Erwirkten. Die eine Person strebt heraus, die andere hinein.

Träfen sich diese beiden Personen, und würden sie sich über die Belange der Welt austauschen, kämen sie zu ähnlichen Schlüssen über das  in der Welt Vorgefundene? Person Nr. 2 – mit ihrem Willen und einer Notwendigkeit zur Verwurzelung – sucht in der Erkenntnisnot, dass sich alles auflöst, einen Halt und begibt sich dazu ins Kollektiv, in dem sich Eigenleben erübrigt. Person Nr. 1 – mit dem Drang, der Verwurzelung zu entkommen, mit der Erfahrung des aus der Zeit Herausgehoben-Seins, begibt sich auf die Suche nach dem Großen und Mächtigen, entfremdet und verliert sich. Worüber könnten die beiden sprechen?

Ich vermute, dass Person 1 in Person 2 den Mond sähe, der ihr nicht fremd ist. Person 2 muss ihr unbeweglich, hart, starr und erdrückend real anmuten. Nachgerade das, wonach sie sucht, jedoch nicht in dieser Erscheinungskraft und Präsenz.  Person 2 wiederum könnte mit Person 1 nichts anfangen, es sei denn als Analyseobjekt oder als jemand, dem zu helfen ist, aus der Geschlossenheit herauszubrechen. Person 2 schafft sich einen Halt in höheren Maßstäben und geht konkret vor, um sie in Regelungen umzusetzen. Person 1 sucht diese Maßstäbe, findet sie im Zeitlosen, um dann festzustellen, dass sie nicht daran glauben kann. Haus 11 (Wassermann/Uranus-Revier) und der Stier (im I. Quadranten) stehen auf verschiedenen Seiten.  

1. Friedrich Wilhelm Nietzsche war ein deutscher Philologe. Ursprünglich preußischer Staatsbürger, war er seit seiner Übersiedlung nach Basel 1869  staatenlos und dort mit 24 Jahren bereits Professor für klassische Philologie. Ab seinem 45. Lebensjahr litt er unter einer schweren psychischen Krankheit, die ihn arbeits- und geschäftsunfähig machte. Er starb 1900 im Alter von 55 Jahren. Posthum kam er als Philosoph zu Weltruhm. Als Nebenwerke schuf er Dichtungen und musikalische Kompositionen.

Nietzsches Horoskop zeigt eine Sonne in der Waage im 11. Haus mit einer Skorpion-Anlage. Diese will Bilder fixieren und strukturieren. Begegnungen und Ideen sind verpflichtend. Die Person bindet sich in ihrer Wirklichkeit daran. Die Ausbildung eines Ego ist erschwert, damit Orientierungsleitbilder über die Person hinausgehend entstehen können: Vorstellungen von einem Lebensausdruck, von noch nicht oder nicht mehr existierenden Erlebniswelten. Dabei ist der eigene Lebensausdruck belegt und von einer anderen Mentalität überlagert. Die Bewegung in den Raum bzw. seine Erschließung (Wassermann im 3. Haus) ist unberechenbar, spontan, sprunghaft, sie hebt Zentren, Gegensätze und Grenzen auf. Sprechweise und auch sonstige Darstellung sind der Logik schwer nachvollziehbar. Die Kenntlichmachung der Dinge dient dem Ausweisen des Wirklichen.

Die Empfindungswelt ist aufgelöst, will die Identität mit dem Wirklichen: das subjektiv Seelische verbindet sich mit dem Unbewussten und fühlt in Hintergründe hinein. Das bedeutet: der Mensch Friedrich ist sich selbst entfremdet, aber mit Höherem verbunden. Seine Art, sich auszudrücken, ist ungerichtet und aggressiv, sie schneidet in die Umstände des Lebens hinein. Nietzsche stellt Vernunft in Frage, analysiert und deckt auf. Der Skorpion-Anlage, die für Kollektive ungeeignet macht, begegnet eben dieses Prinzip. Es ist das des Verdichtens, der Sicherheit, der Ausgrenzung von Nicht-Zugehörigem.

Der Stier im 7. Haus verdichtet das Denken, zentriert und sichert es. Venus ist als Herrscherin des Sonnenzeichens Waage doppelt wesentlich: Nietzsche ist der Aufhebung des logischen Denkens verpflichtet und verdichtet dieses in seinen Beschreibungen. Aus: Die vier Ursachen des Seins, Afshar 2014  

2. Das literarische Schaffen der deutschen Schriftstellerin Luise Rinser ist auf Grund ihrer vielen verschiedenen Interessen sehr breit gefächert; Rinser engagierte sich auch politisch. 1984 war sie Kandidatin der Grünen für das Amt des Bundespräsidenten.

Die Anlagen des Steinbocks wirken in Hs 3, dem Haus der Kommunikation und der Darstellung. Rinsers Sonne-Saturn ist verantwortungsvoll, fleißig und im Dienste eines Maßstabs. Sie lebt ihn für die Brauchbarkeit im Kollektiv und wird zu seinem Ausführer. Merkur ist Herrscherplanet von Hs 5 und Hs 8. Beides weist darauf hin, dass Rinsers persönlicher Lebensausdruck in der Gemeinschaft (im Sozialen) versteckt, verhindert und belastet ist. Merkur steht wie Saturn in 3 und kategorisiert/kennzeichnet die verschiedenen Arten der Verhinderung.

Auch Rinsers Selbstverständnis ist von einer fremden Mentalität, die sie in Vorstellungen festhält (Skorpion in 10, Pluto in 5) überlagert. Mit ihrer Stier-Sonne in 3 reagiert sie im Sinne des Kollektivs: unterwirft sich und macht sich selbst zu Maßstäblichem, ihr Verhalten zum Maßstab. Ohne Absicht wird sie Chronistin und Phänomen ihrer Zeit und ihrer selbst. Rinsers Saturn-Jupiter von 3 (Darstellung) nach 9 (Anschauung/Einsicht) bietet die Lösung aus ihrer persönlichen Enge: die Suche nach einem Gleichgewicht zwischen den moralischen Gesetzen, die in der Gemeinschaft zu gelten haben und den ethischen, die den Menschen in sein Verhältnis zu Gott stellt, wird ihr Anliegen, um die Vertriebenheit aus sich ertragen zu können.

Vom Prinzip der Bindung an Bilder, auch wenn die Bilder zum eigenen Untergang führen, wird nicht abgegangen. Rinsers Religiösität richtet. Schreibend beschränkt sich Rinser auf das Wesentliche, schnörkellos, bodenständig, sichernd. Pluto in 5, transportiert nach 3, erzählt in sezierender Darstellung von verzerrten Vorstellungen vom Leben, von Verhinderungen und vom Verlust der Gegenwarten; Stier-Saturn-Sonne bewertet, spricht von strengem Gewissen, fordert Verantwortlichkeit ein. Hieraus ergeben sich die Themen vom höheren Gericht, vom Empfinden für und dem Suchen nach Richtigkeit und Gerechtigkeit. Die Saturn-Venus-Konstellation kennzeichnet die verschiedenen Rollen, die die Gesellschaft bereit hält, einschl. der Vereinzelung, dem Beginn der Versachlichung und Neutralisierung von Empfinden, der Erfahrung der Abweisung (Saturn-Merkur).

Uranus ist der Ursprung alles Polaren und hebt die Folgerichtigkeit in der Zeit auf, es entstehen Sprünge. Sie zeigen Rinsers Trieb, sich aus behindernden Strukturen lösen zu wollen, sind Anzeiger der Schwäche der Person (des II. Quadranten), werden jedoch zur Scheinstärke. Rinsers Stil enthält diese unregelmäßige, sprunghafte sprachliche Darstellung, ihre Formulierungen sind elliptisch, herausfordernd, voraussetzend. Sie verlangen vom Leser, die entsprechenden Verbindungen nachzuvollziehen; Erklärungen liefert sie implizit. Aus: Die vier Ursachen des Seins, Afshar 2014

 

 

Betrachtung zu Rinsers Werk:

Es sind die scheinbar banalen, unspektakulären Dinge, die Rinser beschreibt. Aus dem Hintergrund beobachtend, hat sie eine Ader für die Ungerechtfertigtkeiten, die den normalen Menschen begegnen.

In „Die rote Katze“ wird sowohl Rinsers Pluto im fünften Haus –  die Vorstellung von der Expression, vom Leben schlechthin und dessen sezierende Darstellung -, als auch ihre Stier-Saturn-Sonne, die sich im (gemeinschaftlichen) Handeln für maßgeblich hält, aber auch in einem strengen Gewissen, das von Verantwortlichkeit spricht,  deutlich.

Immer wieder, so auch in „Eine dunkle Geschichte“, ist dieses höhere Gericht, dieses Empfinden für die Richtigkeit und Gerechtigkeit – übrigens auch in „Die kleine Frau Marbel“ – thematisiert. Ich führe dies auf Rinsers Auseinandersetzung mit ihrem Saturn-Jupiter vom dritten Haus der Darstellung zum neunten Haus der Anschauung (Einsicht) zurück: ein Gleichgewicht zu finden zwischen den moralischen Gesetzen, die in der Gemeinschaft zu gelten haben, und. den ethischen, die den Menschen in sein Verhältnis zu Gott stellt.

Die Erzählung „Äskulap“, in der ein Bankdirektor (!!) zu sich selbst findet, stellt anschaulich Rinsers Uranus-Betonung dar. Uranus, der auch als das Ursprüngliche, den Ursprung alles Polaren und es überwindend symbolisiert, und bei dessen Auslösung  der Aufbruch zum Selbst geschieht. Die Sonne, die den Aszendenten verwirklicht, wird  spätestens  in der Phase ab dem 38. Lebensjahr ausgelöst und bringt ihr die Beschäftigung mit der Selbstverwirklichung als dringendes Anliegen.

Das Loch im Subjektiven, bei Luise Rinser in der Aussteuerung der Triebe gegenüber den Bedingungen der Umwelt ansässig (Neptun in 6), läßt sie immer wieder Situationen beschreiben, in denen die Protagonisten zu einer Anpassung nicht fähig sind, unverstanden bleiben. Sie wirken leicht verwirrt, gehen in eine innere Bastion zurück. Dies beschreibt „Die kleine Frau Marbel“, die sich entscheidet, einfach wegzugehen, um zu sterben, nachdem sie keine Antwort auf ihre Frage bekommen hat, ob sie noch brauchbar wäre. Noch schöner beschrieben ist diese Auflösung der Anpassung in der Erzählung „Ein alter Mann stirbt“. Sie handelt von einem Ehepaar, das seit mehr als vierzig Jahren nebeneinander herlebt, und doch der eine nicht ohne den anderen sein kann. Der alte Mann, nachgiebig, zurückweichend, passiv stellt das Neptun-Fische-Symbol dar. Passend zu diesem Bild trinkt er, setzt seiner Frau keine Grenzen, idealisiert sie. Mit seinem Tod besiegelt sich der Untergang seiner Frau, die völlig unselbständig ist. Gleichzeitig beschreibt Rinser in dieser Geschichte die ganze Hintergründigkeit einer Beziehung, ohne sie in banale Worte zu bringen. Unter dem Eindruck der Mond-Auslösungen und dem angetroffenen Neptun zwischen 42 und 56 entsteht auch das Werk „Der Sündenbock“ (1955).

Rinser beschränkt sich auf das Wesentliche und holt aus dem Vergangenem wie dem Verborgenen hervor. Herrscher von 12 (Steinbock) ist Saturn im Stier in 3. Ein Ausdruck der Saturn-Venus-Konstellation ist ihre Beschäftigung mit den verschiedenen Rollen in der Gesellschaft, die Vereinzelung und der Beginn der Herrschaft des Intellekts, auch aus der Erfahrung der Abweisung (Saturn-Merkur) heraus.

Rinsers Finalität, das Erwirkte, Pluto im 5. Haus, findet sich bezeichnend in „Bitte, keine mildernden Umstände“. Es geht um die enttäuschte Vorstellung von Leben, die darin endet, daß jemand erstochen wird. Die Protagonistin wendet sich an das Gericht und steht zu ihrer Tat, sucht keine Entschuldigung. Der Skorpion, der sich bewußt aus sich selbst lösen kann und sich, um der Sache gerecht zu werden, selbst vernichtet. Hier wird nicht abgegangen vom Prinzip der Bindung an Bilder, auch wenn die Bilder zum eigenen Untergang führen. Bereits ab 21 (1932) erfuhr Luise Rinser unter der Auslösung von Skorpion die Macht der Vorstellungen und machte eine erste Erfahrung mit dem Prinzip  etwa mit 24-25 Jahren. Die Phase setzte sich fort mit 28 und gipfelte mit 32-33 (1943-44) in ihrer eigenen Verhaftung.

Die Wiederholung auf anderer Ebene – Pluto angetroffen mit ca. 53 Jahren – wird Rinser dahingehend beschäftigt haben,  sich noch einmal mit den Themen des Verdrängt-und Unverstanden-Seins, die uns in das zwanghafte „Töten“ eines verhaßten, irrtümlich geglaubten Prinzips drängt, auch wenn der eigene Kopf daran hängt, zu befassen. Die Beschäftigung mit den Verdrängten des Lebens im Sinne der Anschauung des Religiösen (Jupiter in Skorpion) ist ebenfalls ein Anliegen von Luise Rinser. 1965 (mit 54) übersiedelte sie schließlich, inzwischen wieder geschieden, vom Vatikan, wo sie seit 1960 eine journalistische Tätigkeit hatte, in die Berge. 1970 (mit 59 Jahren) schreibt sie „Baustelle“, es folgen noch weitere Tagebücher,  in dem sie ausdrückt, was ihre Konstellation schon längst weiß: die Notwendigkeit, ihre Zelte immer wieder neu aufzubauen, sich nicht festen Formen zu verschreiben, und Gegensätze zu überwinden.

Der Uranus am Aszendenten zeigt sich besonders, in manchen Erzählungen mehr, in anderen weniger, dennoch wahrnehmbar in einer unregelmäßigen sprachlichen Darstellung. Rinsers Sätze sind elliptisch, sprunghaft, voraussetzend und vom Leser verlangend, daß er die entsprechenden Verbindungen nachvollzieht. Erklärungen liefert sie implizit. 

 

Daten zu den Horoskopen:

Friedrich Nietzsche, 15.10.1844, Röcken, 8.45 Uhr GMT, AC Skorpion, Sonne in 11, Herrscher von 1 in 5

Luise Rinser, 30.4.1911, Landsberg, 00.30 Uhr GMT, AC Steinbock, Herrscher von 1 in 3,  Sonne in 3