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WARUM MALEN MALER WIE SIE MALEN?

 

Diese Zusammenstellung ist eine reine Fingerübung: ein Formulieren, Hinschauen, neu Formulieren und Zusammenhänge für (mich? und) meine Leser erklären. Wer Lust hat, mag hineinschauen.

Es wird um Maler und Malerinnen gehen, Künstler, die sich und ihre Lebensthemen durch Darstellung in Gestalt von Formen und Farben auf Papier/Leinwand oder anderen Materialien ausdrücken. Manche Künstler tun dies sehr persönlich und werden mit ihren Lebensausdruck bekannt als Menschen ihrer Zeit, andere werden über sich selbst hinaus maßstäblich und bedeutend, und verbleiben als „Archetyp“ im kollektiven Gedächtnis. Der Unterschied? Ich werde versuchen, es herauszuarbeiten.

Da ich weder Kunstgeschichte gelernt habe noch eine ausgesprochene Malereikennerin bin, bleiben die Zuordnungen, was Kunstepochen und Stilrichtungen angeht, außen vor. Kenner der Materie mögen mir dies nachsehen.

Chronologie der Malerei-Stile


Leider müssen auch meine Ausführungen im Blog gekürzt bleiben. Ich gebe natürlich nicht alle Informationen, die ich herausfinde 1:1 im Netz wieder. Deshalb versteht sich auch, warum die gezeichneten Horoskop-Bilder unvollständig und statisch sind: natürlich verändern sich die Schaffensergebnisse von Menschen (Malern) je nach Phase, in denen er oder sie sich befindet. Deshalb sind vielleicht die ausgewählten Bilder nicht gerade das, was man unbedingt von diesen Künstlern kennt. aber auch die Deutungen habe ich bewusst kurz gehalten. es gäbe zu den Zeichen, den Planeten in den Häusern, den Häusern sehr viel mehr zu schreiben. Komplett wird es die Texte spätestens im nächsten Jahr zu lesen geben. Vielleicht als Buch?

 

Stier-Maler


D
EN Stier-Maler an und für sich gibt es in Reinform natürlich nicht. Wie der Menschen seine Stierverhalten und vor allen Dingen, wo er es lebt, sagt in einem Horoskop die Sonne. Sie übernimmt die Durchführung der Anlage. Für den heutigen Zweck aber soll die Veranschaulichung mittels dieses Stiers ausreichen. Andere Kombinationen werden dann folgen.

 

1. Salvadore Dali

 

 

Salvadore Dali ist vom Sonnenzeichen her Stier mit einer Krebs-Anlage und der Sonne im 11. Haus.

Sonne in 11 werde ich in noch in anderen Horoskop besprechen…. Das 11. Haus ist ein schöpferisches Haus: wer hier mit seinem Verhalten (Sonne) steht, schöpft aus den Wassern des Unbewussten Gestalten der Zeit.

Wenn am Übergang von 12 nach 11 der Stier steht, beginnt das Leben mit Regelungen, Statik bis hin zu Starrheit, mit einer ein für allemal festgelegten Realität, die nichts zulässt außer dem, was sie sehen und anfassen kann. Im Zeichen des Stier drängen sich die Kollektive, ist Sicherheit und ansammeln wichtig. Realität bedeutet: wir sind einer logischen Abfolge ( = Folgerichtigkeit) verpflichtet, aus der man nicht ausbricht, ja, nicht ausbrechen will. Stichwort: Bürgerlichkeit.

Krebs als Anlage ist das Fließende, das unkanalisiert und aus sich selbst sprudelnd ins Leben geht und keine aufgesetzten Grenzen akzeptiert. Realität? Ist kein Konzept für den Krebs… ihm geht es um den Einzelausdruck, das Individuum, und jedes Leben ist eben anders…Mit Neptun in 12 und Pluto am Übergang zu 11: Rauschhaftigkeit, Losgelöstheit, ja Unreales, Überreales kommen auf der Schiene des Darstellens in die Zeit.

Wie malt ein solcher Mensch, wenn er malt: er malt Empfindungsbilder, die die Grenzen des Logischen und der funktionierenden Regeln eines Körpers, einer Form, verlassen. Die Realität wird ins Absurde gezogen, es entstehen neue Sichtweisen auf das Feste, das sich vor unseren Augen in anderes verwandelt.

Die Stier-Sonne ist der Zugehörigkeit zugeneigt: in Haus 11 bekommt sie ein Problem – denn der Zugehörigkeitswille zieht ins Zentrum, Haus 11 aber lebt an den Rändern – flieht aus dem Zentrum, insofern gibt es in den Bildern zumeist ein Zentrum, das sich zum Rande hin auflöst und öffnet. Aber nicht völlig. Die Farben verlassen die Einheitlichkeit noch nicht ganz. Sie bleiben im Farbverbund… geben die Zugehörigkeit nicht auf. Farben tauchen in Abtönungen, als Variationen im selben Farbton im gesamten Bild auf. Auch die Figurinen behalten Teileigenschaften der sie Umgebenden bei.

Themen der Stier-Sonne in Haus 11 sind die Aufhebung sozialer und gesellschaftlicher Unterschiede. Bestehende Maßstäbe werden nicht nur hinterfragt, sondern verlassen, angeprangert. Die folgerichtigen Zusammenhänge, um die es einem Stier geht, werden zu inhaltlichen und inneren Zusammenhängen gewandelt – wo dies möglich ist. Wo das nicht möglich ist, werden sie rigoros verlassen. Hier sitzt ein Reformer eines Systems, aber keiner, der ALLES verwirft, was das Alte hervorgebracht hat.

Was das Leben dieses Mannes weiter betrifft, hat er eine Mars-Sonne, der Löwe im 2. Haus: eine provokative Erscheinung, die die Selbstverständlichkeit der Gesellschaft, in der er lebt, erschüttert. Mit dem Sonne-Saturn, der gleichzeitig vorliegt, und dem Saturn in 8 (aus dem 7. Haus) wirkt er distanziert, ja, wie hinter einer Mauer. Die wird kaum jemals durchlässig, ist seine Festung. Er selbst ausgeschlossen aus Zugehörigkeiten und nie zu großen Anpassungsleistungen in der Lage.

 

2. Joseph Mallord William Turner

Über das genaue Geburtsdatum und die Geburtsstunde von Turner gibt es Zweifel. Einmal ist der 23.April angegeben, ein anderes Mal der 14.5. Mal ist die Geburtszeit 0:30, andere Astrologen legen sie auf 1:19 Uhr. In jedem Fall ist er ein Stier, und hat voraussichtlich einen Steinbock-Aszendenten.

Beim zuvor beschriebenen Künstler lag die Sonne über dem Horizont, bei diesem darunter. Wir können also einen Unterschied in der Aufnahme- und auch der Ausdrucksweise bzw. der Themen erwarten.

Statt eines Krebs am AC haben wir ihn heute am gegenüberliegenden Punkt, denn als Anlage liegt ein Steinbock vor. Der Planet Saturn wie auch Neptun stehen im 8. Haus, was soviel bedeutet wie: diese Person fügt und entfügt, montiert (mit anderen Worten) und demontiert und dies noch vor der Gegenwart. Bevor etwas in die Gegenwart (als Form, als fertiges Bild) entlassen wird, ist es bereits mehrfach geändert worden. Schließlich tritt des „Gefügte“ über einen Strahl der Energie, wie auf einem Lichtstrahl ins Bewusstsein und zeigt Erlebnis- und Empfindungswelten.
Der Steinbock selbst lebt weniger aus dem Empfinden als aus der Gewissheit, sich maßstäblich und stellvertretend in der Welt zu bewegen. Er ist anfällig dafür, sich für das Maß der Dinge zu halten – wird sich allerdings auch nie in Subjektivismen verstricken, weil er an dem Außer- und Überpersönlichen interessiert ist.

Im vorliegenden Fall wird die Anlage von einer Stier-Sonne in Haus 3 (knapp 4) durchgeführt. Das Stier-Verhalten – daran sei erinnert – macht geeignet sich in Kollektive zu begeben, Gruppen und Gruppeninteressen zu wahren. Stier-Verhalten ist zentrierend, festigend, sammelnd. Es erlaubt nur wenig, aus dem Verband auszuscheren; wer anders ist, wird integriert.

Beide Zeichen (Steinbock und Stier) als Erdzeichen weisen auf das „Zusammenhalten“ hin. Die Darstellung – um auf die Malweise einzugehen – repräsentiert Traditionelles und gilt der Ordnung und dem „Recht“. Man wird Lehrer in dem, was man tut. Der Stier malt in Ton- und Erdfarben, die Farben verlassen den Farbverbund, in den sie gehören, nicht. Haus 3 ist das Ort, an dem sich das Gemeinschaftliche ausübt – die Fortführung der Form in der Funktion. Heißt: dieser Maler wird Formen in der einen oder anderen Weise beim Ausüben von etwas darstellen. Und da es – wie oben erwähnt – sowohl um das Auflösende als auch das Fixierende geht, wird er dies als Aquarelle oder als Materialhaft-Festes auftragen. Die Themen sind das Landschaftliche (Stier Nähe Haus 4 – die Betrachtung des Heimatlichen) und Wasser, Zerstörung neben Aufbau.

Als Mensch – so kann kraft der Pluto-Sonne-Konstellation angenommen werden – war der Künstler vorstellungsgebunden, vielleicht sogar ein Prinzipien“reiter“, ein Mensch mit festen, fast sturen Charakterzügen, geprägt von einer gewissen Unbeweglichkeit. Aussehen? – Finster?

 

Zwillinge-Maler

(später)

Schütze-Maler

 

Vom Erdzeichen Stier erlaube ich mir einen Sprung zum Feuerzeichen Schütze, komme aber im späteren Verlauf nochmals auf den Stier zurück. Manchmal werden die Prinzipien deutlicher, wenn der Kontrast größtmöglich ist. Schauen wir also, wie und was ein Schütze malt.

 

1. Tatyana Friederichs

 

 

Dies ist das Horoskop einer jungen, zeitgenössischen Malerin*, geboren am Ende des Monats November. Sie hat einen Jungfrau-AC und die Sonne in Haus 4. (Astrologen-Kauderwelsch, ich weiß. die Auflösung kommt gleich.)

Die beobachtende und wahrnehmende Jungfrau (steht in der Anlage am Aszendenten) sieht sich innere (Gefühls)Welten sehr genau an. Mit dem Merkur im Schützen unterscheidet sie verschiedene Anschauungswelten, beschreibt sie und versucht, sie zu einem ganzen Bild zusammenzufügen. Die Art und Weise, wie sie dies tut, ist ausdrucksstark, raumergreifend und expansiv, nicht zurückhaltend. Sie liebt Farben und erschafft bunte Erlebniswelten, die der Betrachter als Symbole lesen kann. Es ist die Freude, verschiedene Bilder in einem zusammenzufügen. Die Themen sind dabei metaphorisch und figurativ, spielerisch und fröhlich anmutend.

Merkur kommt außer aus der Jungfrau auch aus dem Zwilling – und bei einem Jungfrau AC steht Zwilling dort, wo wir sagen, dass das Ergebnis zu suchen ist. Das Ergebnis ist das Bild flächiger Raumaufteilung. Weniger im Vordergrund steht die perspektivische Anordnung der gemalten und colorierten Objekte als die Lage der Objekte im Zweidimensionalen.

Alle Planeten stehen in der unteren Hälfte des Horoskops, was soviel heißt wie: Eigenständigkeit und Individualität sind wichtig – ja, sie sind das Lebensanliegen. Es geht um den Ausdruck des Selbst, und so werden auch die Elemente der Bilder behandelt. Jedes behält seinen Charakter, und doch ergeben die Charaktere eine Anschauungslandschaft.

Das Begegnende ist der Fisch. Der Blick in die Welt trifft auf Hintergründiges. Man achtet nicht auf die Oberfläche, sondern sieht bis auf den Grund… mit Neptun im vierten Haus… bis auf den Grund der Seele…

*Weitere Arbeiten der Künstlerin kann man hier anschauen.

 

Skorpion-Maler

 

Dem Zeichen Schütze geht im Tierkreis der Skorpion voran. Was die beiden vereint ist, dass sie dem III.Quadranten angehören, dessen Mittelzeichen der Skorpion ist. Schütze, Skorpion, Waage lassen sich sehr gut im Dreierschritt erklären.

 

1. Pablo Picasso


Pablo Picasso hat 
eine Skorpion-Sonne mit einem Löwe-Aszendenten. Wieder steht die Sonne im 4. Haus der Empfindungs- (Stimmungs-) Bilder.

Wir haben es mit einer Anlage zu tun, die sich erleben und ausleben möchte. Der Löwe sucht die Bühne, möchte den Raum und möglichst den Mittelpunkt darin einnehmen, erschafft sich eine Welt, ist zupackend, direkt und vereinnahmend. Wenn ein Löwe-AC malt, malt er farbig (Farbe ist für ihn eine Funktion des Raumes), großzügig und laut.

Die Sonne als die Ausführende steht im Skorpion, der in dieser Kombination der Verausgabung Regeln und Regelungen setzt. Eine starke Kontrolle des unmittelbaren Geschehens im Prozess des Erschaffens – die Hand hält im Schwung inne, lässt die Farben nicht aus dem Ruder laufen: es entstehen einheitliche Grundtöne, die das gesamte Bild durchziehen. Mit Farbvariationen werden Formen aus dem Hintergrund hervorgehoben, ohne den Farbton zu verlassen. Als Betrachter hat das Empfinden, dass die Figuren und Objekte in der Unbestimmtheit der Bildraumfarbe nicht heraustreten können. Oder dürfen?

Noch ehe sich ein Stil entwickelt, der die Bestimmtheit erreicht, erfolgt der Wechsel zu einem anderen Stil. Kaum ist die Gegenwart erreicht, wird sie wieder verlassen.
Der Herrscher des Skorpion (Pluto) steht zusammen mit Jupiter im 10. Haus im Stier: dieser Mann ist Stilikone geworden, hat in seiner Vielseitigkeit seine Zeit bestimmend geprägt. Seine Bilder haben niemanden „kalt“ gelassen. Er selbst hat sich zu seinen Werken durchaus ironisch und über Kunst an sich bisweilen sarkastisch geäußert. Ein Skorpion nimmt das Leben selten romantisch, sondern hat Verachtung für jegliche Überbewertung des Subjektiven.

Mehr oder weniger außer Acht lasse ich in diesem Abschnitt die anderen Konstellationen: Sonne-Saturn als Ernsthaftigkeit und dominierender Sympathikus (immer angespannt, auf dem Sprung), Saturn-Neptun als eine Art Vertreibung aus dem eigenen Ursprünglichen, einhergehend mit einem Ausgeschlossenwerden von der Gemeinschaft; man übernimmt Sündenbock-Funktionen. Auch der Mars ist nicht unproblematisch und unterstreicht aus dem 12. Haus heraus das „Flüchtige“, Flüchtende der Person mit einer großen Portion Autoaggression und Jähzorn.

 

2. Hannah Höch

 

Diese Künstlerin hat einmal gesagt: „Dada ist keine Kunstrichtung“. Auch die Dichter betonen: „Dada, das bedeutet Nichts“. Dada ist jedoch eine Kunstrichtung, die alles umfasst. Jede künstlerische Ausdrucksform wird genutzt, um zu provozieren: Malerei, Lesungen, Aktionen.

Genaue Geburtsstundendaten von Hannah Höch liegen mir nicht vor, weshalb ich zweierlei tun kann: 1. einen Sonnenstand von 12.00 mittags annehmen. Oder 2. anhand von Lebensdaten versuchen, den Aszendenten einzugrenzen.

Habe letzteres versucht und gehe von einem AC im Widder aus. Dafür sprechen mehrere Gründe: das volle 6. Haus mit Mars, Saturn, Venus und Uranus: das ist die Aufhebung der Vernunft auf fast allen Ebenen des Lebens und spricht vom Willen zur Provokation. Mars als Persönlichkeitsanlage steht in der Jungfrau: alle Energie zielt in die Aussteuerung an die vorgefundenen Lebensbedingungen, und deckt dort die Zwänge (gewesenen) Umstände auf. Der Widder ist heftig, direkt und als Merkur-Mars auch mit bissigem, mäkelndem Sarkasmus. ((Mehr zu diesen Details hier: http://www.lektoratkarinafshar.de/?p=3218)

Der Mars ist auch das Messer, das umreißt, schneidet und so Formen aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang schneidet und neu verortet. Das übernimmt Jupiter. Er als Bewegungselement des Schützen steht in Haus 9 und fügt Gestalten zu Collagen. Die Künstlerin fügt also Bilder aus Einzelteilen zusammen und erschafft damit neue Geschehen, die über die Sonne im Skorpion ins Bewusstsein der Gegenwart gelangen.

Uranus-Merkur in der Waage direkt am Descendenten sprechen von einer Loslösung von allen Ismen – auch dem Kommunismus als dem Konzept, das von den Zwängen des Subjekts hin zu einem freien Denken als Schöpferwesen suggerieren ließe. Es geht ihr um die Aufhebung aller Unterschiede, dem Herausheben aus den Polaritäten, einem Gerechtigkeitsdenken für alle und alles. Keine Anpassung an irgendetwas und damit zwischen allen Anschauungen.

Das Skorpion-Verhalten in Haus 7 mit dem Herrscherplaneten Pluto in Haus 2 ist herausgefordert und stellt alles Begegnende in Frage. Insbesondere stellt sie das „Bürgerliche“, das gebaute, vorgestellte Bild von Gemeinschaftlichkeit in Frage, und will bzw. propagiert nun dagegen eine reine, bereinigte Form des Zusammenlebens bzw. des Denkens. Dies ist und wird ihr Leitbild.

Die Themen, um die es ihr ging, sind wesentlich von der Sonne (Durchführung) und dem Gruppenschicksalspunkt Sonne-Pluto bestimmt: Als sie 1935 46jährig über diesen Punkt „lief“, hat sie eine Ausstellung mit dem Titel „Scheingehacktes“. Da erfolgt ihr Ausschluss aus der Kunstwelt und sie selbst wird auf die „Bereinigungsliste“ gesetzt und ist bis 1943 nicht öffentlich in der Kunstszene vertreten. Zu diesem Zeitpunkt liegt indirekt ein Mars-Sonne vor: sie wird aus dem Verband ausgeschlossen.

Merkur-Uranus im 7. Haus direkt auf der Achse der Begegnung illustrieren, dass ihre Begegnungen wechselhaft, sprunghaft und von kurzer Dauer sind. Um zu tun, was ihr wichtig ist, kann sie sich nicht dauerhaft binden, und so gehen auch ihre Beziehungen immer wieder in die Brüche.

Vom Steinbock am MC – das „Ergebnis“ dieses Lebens – und dem Saturn in 6 in der Jungfrau auf einem Sonne-Saturn erfahren wir, dass sie ebenso ehrgeizig wie fleißig als auch maßstäblich in ihrem Tun war. Der Preis für ihren Erfolg war die Einsamkeit der Unangepasstheit.

 

Waage-Maler

 

1. Hans Thoma

 

Hier ist nun, als drittes Zeichen des Verbundes, ein Waage-Maler, wieder mit der Sonne im 4. Haus. Dieser Maler hat einen Krebs-Aszendenten. Seine Anlage spricht von einem Menschen, der ein großes Empfindungsreservoir hat, quasi ein Wachstumsquell aus sich heraus ist. Das heißt: dieser Maler erschafft konkret (Mond im 2. Haus) Reviere innerer Bilder. Mit seinem Empfinden ist er nah am Unbewussten und damit unbeeindruckt von Moden um sich herum (Neptun in 8 und Fische am MC – Bindung an das Hinter-, nicht das Vordergründige). Innerliche wie reale Landschaften, schlicht, innig und echt sind seine Themen.

Die Waage-Sonne in Haus 4, als Durchführungselement besinnt sich in der Darstellung der seelischen Entfaltung auf das Wesentliche. Sie stellt die inneren und inhaltlichen Zusammenhänge des Lebens – auch der Einzelleben – dar. Die Waage ist ästhetisch und sucht und möchte Harmonie herstellen, wiewohl sie eigentlich immer vom Gegenteil ausgeht. Die Bilder, die dieser Maler malt, stellen Schönheit und Ausgewogenheit in den Vordergrund, und da der Verbundsanführer (Schütze), d.h. Jupiter ebenfalls in 4 steht, fügt er Anschauungs“bilder“, auch allegorische und lyrische, zusammen. Die Waage-Sonne ist hier an Ideellem interessiert.

In Opposition zu Jupiter in 4 steht Pluto in 10: Sammeln, Fügen nach Vorstellung, maßgeblich auch in Sammlungen und Museen. Der Waage mit Krebs-AC ist jedes Leben zwar über sich selbst hinaus erhaltenswert; weil dies so ist, werden Belange des Persönlichen dann auch schon einmal einer Vorstellung von einem hohen Ideal „geopfert“.

 

 

2. Jean-Antoine Watteau

 

Oben habe ich über einen Waage-Maler mit einem Krebs-Aszendenten geschrieben. Die Waage-Sonne kam bei diesem Maler im 4. Haus zu stehen, was eine doppelte Krebs-Betonung bedeutet.

Der Krebs ist das Anfangszeichen des „seelischen“ Quadranten, in dem Krebs, Löwe und die Jungfrau stehen. Alle drei Zeichen (nachlesen kann man dies im Buch hier:http://www.lektoratkarinafshar.de/?p=3218) haben mit dem Leben, Erschaffen, Gebären, Ausdruck des Empfindens und Schutz des Lebens zu tun. Die Jungfrau als Endzeichen ist die Wahrnehmerin der Umstände, denn diese bedingen das Leben.

Watteau hat eine Waage-Sonne mit der Anlage der Jungfrau. Merkur, Herrscherplanet der Jungfrau, steht im 2. Haus im Skorpion und nimmt dort akribisch die Änderungen und möglichen Gefahren/Gefährungen im Bestand wahr. Bestand – das ist sowohl das Finanzielle wie das Gemeinschaftliche (also Gruppen, Familien, Clans, Kollektive). Das Interesse dieses Menschen richtet sich auf Belange des Ansammelns, des Erhalts des Angesammelten und dessen Sicherung. Es wird gewarnt.

Die Sonne als Umsetzung dieses vorgenannten Standortes steht ebenfalls in 2. Hier steht in der Durchführung ein gewisser Drang, ja beinahe Zwang zur Übereinstimmung im Vordergrund: die (gesellschaftlich) vereinbarte Ordnung darf nicht verlassen werden, alle Einzelwesen sollen sich an die Regeln und Vereinbarungen halten – dafür ist ihnen die Zugehörigkeit garantiert. Malend wird dies insofern umgesetzt, als sich im Bild Schablonen finden lassen, die als Einzelstücke zusammengefügt werden. Unwichtig, wie sie sich als Einzelwesen bewegen – die Einzelbilder verlieren ihre individuelle Bewegung und werden zur Gesamtbewegung im Bild. Es ist damit zu rechnen, dass es keine Figur gibt, die aus der Gesamtbewegung ausbricht.

Der Waage geht es um die Herstellung (und Wahrung) der Harmonie. Dafür nutzt sie die Symmetrie, das symmetrische Arrangement. Im Falle dieses Malers steht die Venus als Herrscherplanet der Waage im Haus 12 bei Saturn und Mars: es werden Formen und Figuren in die Sichtbarkeit gebracht, die geeignet sind, im Kollektiv maßgeblich zu werden.

Der Verbundanführer des III. Quadranten (http://www.lektoratkarinafshar.de/?p=3220) ist der Schütze, und sein Jupiter steht in 1: an diesem Maler, an seiner Person selbst werden seine Figuren sichtbar: die Kleidung seiner dargestellten Figuren nahm Einfluss auf den Kleidungsstil in seiner Gegenwart. Er beeinflusste den Stil der Zeit.

Das mittlere Zeichen im Dreiklang des Sonnenquadranten ist der Skorpion: Pluto in 10: indem er Bilder schuf, setzte er Vorstellungen und Vorgänge als gesellschaftlich relevant. Das heißt: dieser Maler hat Einfluss auf Rechts- wie Wirtschafts-wie auch soziale Fragen genommen und sie dargestellt, indem er die seelische Abhängigkeit von den vorliegenden Bedingungen bezeichnet und Vorsorge getroffen, bzw. vorgeschlagen hat.

Man liest u.a. über ihn: „Er hat mit seinen Schäferstücken, galanten Festen, ländlichen Vergnügungen und Schauspielerdarstellungen eine neue Gattung der Malerei begründet und durch seine Figuren, deren Kostüm er zumeist den arkadischen Schäferspielen des Theaters entlehnte, einen Einfluss auf die Modetracht seiner und der späteren Zeit ausgeübt. Schon zu seiner Zeit kamen die Coiffures à la xxxx auf, zu denen sich später ganze Kostüme […] gesellten.“ (www.wikipedia.org)

 

Jungfrau-Maler

 

Wechseln wir in den bereits erwähnten II. Quadranten. Zum Verbund gehören: Krebs-Löwe-Jungfrau. Der Krebs ist das erste Zeichen in der Reihenfolge, die Jungfrau bringt zum Abschluss, was er „begonnen“ hat. Es geht ums Leben als Geschehen – in der Gegenwart. Man nennt den II.Quadranten den „Seelischen“ – was soviel heißt wie: es geht um das Selbstverständnis eines Menschen, sein Subjektives, sein Empfinden (was er in sich findet), seinen Selbstausdruck und das Erleben, das Erschaffen von Erlebniswelten auf der Grundlage dieses Empfindens – und um die Vernunft.

 

1. Caspar David Friedrich

 

 

Der deutsche Maler Caspar David Friedrich hat eine Jungfrau-Sonne an der Spitze von Haus 2 und einen Löwe-Aszendenten. Die Löwe-Anlage ist „Bilder-gebärend“, die Durchführung geschieht auf der Bahn des Beobachtens, Diagnostizierens und dem anschließenden Aussteuern. Die Jungfrau verwertet das Vorgefundene, und zwar zum Schutze des Lebens.

Eine Jungfrau ist immer in Bedrohungserwartung. Deshalb sieht, ja späht, sie in die Umgebung hinein, bemerkt Veränderungen und Abweichungen vom Normalzustand – und beginnt zu warnen. Mit der Sonne knapp im 2. Haus ist diese Warnung auf das konkrete Revier bezogen, in dem jedoch die Auflösung bereits inbegriffen ist (Neptun in 2).

Bei den Bildern Friedrichs geht der Blick des Betrachters immer vom Vorderrand ins Bildinnere (wenn dieser Maler Figuren malt, wenden sie dem Betrachter den Rücken zu!), ins Helle, während wir im Dunkel stehen. Das heißt, wir stehen in der Bedrohung, aus der wir herausgeführt werden wollen.

Er drückt in seinen Bildern überwiegend seine eigene „Bedrohungsangst“ vor den Gefahren einer unmittelbaren Selbstdurchsetzung aus: Was passiert mir, wenn ich zeige, wer ich bin? Er malt und zeichnet sachlich, klar … und realistisch. – In diesem Fall sind die gemalten Bilder noch mehr als bei anderen Bildern ein Ventil.

Dass dies eine lebenswichtige Frage ist, unterlegt die Konjunktion Neptun-Sonne. Die Selbstdurchsetzung im Raum ist betäubt, das Erlebnis einer Identität (was dem Löwen ein Wichtiges ist), ist herabgesetzt. Dem Neptun-Sonne ist es versagt, „König“ in der Welt zu werden. Wann immer man dies versucht, wird sofort jemand da sein, der den Rang der Hauptperson bereits eingenommen hat.
Es kommt hier zur Existenzangst und Existenzunsicherheit auch noch Lebensangst dazu.

Saturn-Neptun in Konjunktion legt nahe, dass hier zweitweise schwere Depressionen bis hin zu einem Lebensverneinungsdrang herrschten. Jupiter in 10 im Stier ist der Wunsch nach Erlösung aus der Unterwelt, der Schwere. Tod dürfte im Leben dieser Person eine große Rolle gespielt habe.

Den Tod dargestellt hat er allemal, ob als Allegorie oder mitschwebend: der Tod ist die Abwesenheit von Gegenwart – und damit unbedingt bedrohlich für das Einzelleben.

 

 

2. Grandma Moses

 

 

Löwe-Maler

(folgt später)

 


Krebs-Maler 

1. Frida Kahlo

Frida Kahle, geboren im Zeichen Krebs, hat einen Löwe-Aszendenten. Anders als in den vorherigen Horoskopen, steht bei dieser Künstlerin die Sonne in der oberen Hälfte des Radix – über dem Horizont.

Menschen mit der Sonne in der unteren Hälfte erleben ihren Lebens- und Leidensweg als aus ihrem eigenen Handeln heraus lösbar. Erlebtes Leid lässt sie auf das Leidauslösende reagieren: sie suchen Lösungen.

Auch Menschen mit der Sonne über dem Horizont erleben Leid – doch ist ihnen das Leidauslösende mehr Geschicktes und eine Lernaufgabe…. Im unerlösten Fall sind sie ihrem Schicksal handlungsunfähig ausgeliefert, im besten Falle (für sie selbst) sind sie demütig Ertragende, die verstanden haben, dass Schicksal weder von außen kommt noch ihnen Böses will. Es ist vielmehr das Geschehen, das sich aus dem Verhältnis  ihrer je eigenen Anlagen zu ihrem Verhalten ergibt.

Hier liegt eine Löwe-Anlage vor. Über diese habe ich bereits öfter geschrieben. Gestalten, Gebären, Erleben, unmittelbarer Ausdruck und auch Individualismus im Sinne von: ich weiß, wer ich bin.
Die Sonne steht im Krebs im 11. Haus. Das, was ungeschehen ist, drängt lebensvoll in die Zeit. Dieser Mensch schöpft aus dem Unbewussten Gestalten, die ihm im Empfinden „auftauchen“ und gibt ihnen einen Lebensraum. Was versteht man darunter? Es sind Geschehen vor der Zeit, die sie darstellt – Zukünftiges. Sie nimmt in ihren Bildern vorweg, was noch nicht Gegenwart ist, aber Gegenwart werden kann.

Der Mond, zum Krebs gehörend, steht in 10 genau am MC: für dieses Schöpfen ist die Person bekannt und bestimmend geworden.

Das Krebs-Verhalten der Löwe-Anlage hebt aus der Dualität heraus. Heißt: es gibt kein „gut“, „schlecht“, die Abhängigkeit von einem solchen Empfinden ist aufgehoben. Das befreit… und macht gleichzeitig ungeeignet, sich an Werturteile vielleicht der eigenen Familie oder Nation anzupassen. Geltende Maßstäbe stellt sie in Frage… „Warum sollte ich so, wie ich es tue, nicht empfinden dürfen?“ Der Krebs ist wahrhaftig und verletzlich… wenn er sich unverstanden fühlt, zieht er sich zurück.

Die Sonne hat eine Opposition zu Uranus im 5. Haus. Das Leben ist bedroht und eine wirkliche Verwurzelung ist seelisch nicht möglich (sie hält sich lieber an den Rändern von Gruppen auf) – der Bezug zu Nervenerkrankungen ist gegeben.

Ferner hat die Sonne einen Neptun in Konjunktion: auch diese beschreibt das eigene Leben, das Subjektive als in Frage gestellt. Schicksalsschläge brechen herein und können zu Hoffnungslosigkeit werden, vor der es kein Entrinnen gibt. Die bewusste Anpassung an das Geschehen und auch an die Selbstdurchsetzung ist kaum möglich: Merkur steht im 12. Haus, wo er die „Lösung“ sucht, aber ohne Anbindung an die Realität ist.

Uranus-Neptun unterstreicht die Lähmung vor der Realität, vor den Schrecknissen der eigenen Zeitlichkeit. Und da keine Möglichkeit bzw. Maßgabe in Sicht scheint, aber eine Vorstellung besteht, wie das Leben zu sein habe, wird das Quadrat Saturn-Pluto (von 11 nach 7) zum Fanal, mit Mars in Steinbock im 5. Haus als Ausführer: es kommt zu brachialen Eingriffen.

Kahlo malt diese Eingriffe, und als Versuch, eine Identität zu finden, malt sie immer wieder auch sich selbst, wie um ihr Leben heraufzubeschwören. 

 

 

Steinbock-Maler

 

Auch wenn es scheint, ich würde willkürlich springen – der Sprung vom vorherigen Horoskop zu diesem hat eine roten Faden: der Löwe Aszendent. Außerdem ist das Zeichen des Steinbock das Gegenzeichen zum Krebs.

Das bedeutet: Jeder Krebs trägt immer das Steinböckische in sich, und jeder Steinbock das Krebshafte

 

1. Henri Matisse

Matisse hat eine Anlage des Gebärens und der Erlebniswelten – Löwe, das ist der Wunsch, ja, die Notwendigkeit, sich ausdrücken zu müssen. Mit der Sonne im 5. Haus (mit Löwe korrespondierend) tut er dies im Wiedergeben und Erschaffen von bestimmendem Geschehen. Er erschafft nichts Flüchtiges, Lösendes, sondern Festes und Verbindliches.  Der Steinbock in Haus 5 lässt der Sonne keine andere Wahl als sich ernsthaft und maßgeblich mit den Dingen – und auch der Formierung des eigenen Ich – auseinanderzusetzen und Mangel an Lebenskraft hinzunehmen. Nicht Fülle ist das Thema, sondern Reduktion.

Steinbock-Maler malen meistens aperspektivisch. Farbblöcke stellen sie – z.T. raum- und körperlos nebeneinander. Figuren und Raum stehen ineinander. Es entsteht der Eindruck des Zeitlosen, wie auch überhaupt die Auseinandersetzung mit dem Zeitlosen bzw. der Gegenwart sie sehr beschäftigt. Gemalte Figuren sind nicht selten gesichtslos – das persönliche Gesicht (Sonne Haus 5 in Steinbock) ist 1. nicht wichtig, 2. noch nicht ausgebildet.

Der Gestaltungstrieb des Löwen wird durch die auferlegten Regelungen und Ordnungen wenn nicht gebremst, so doch eingeschränkt. Es entsteht ein Sich-Einhalten, eine gebremste Verausgabung. Hier in diesem Fall (Mond bei Saturn Spitze Haus 5) ist es sogar eine seelische Enge, eine Art seelische Ängstlichkeit, sich selbst zu leben.

Fast jeder Löwe-AC hat den Stier am MC. Dorthin schaut man, wenn man wissen will, worauf das Leben und Schaffen letztlich hinausläuft: am stehen Pluto-Jupiter im Zeichen des Territorialen wie auch Sozialrechtlichen. Einerseits gute Möglichkeiten im Kollektiv, die Bilder bestimmend in seiner Gegenwart und vor allem Dingen: etwas Neues. Was dieser Maler mit seinem Hervorbringen erschaffen hat, hat es bis dahin nicht gegeben (Uranus aus 11 hin zur Venus im Wassermann in 7).


2. Berthe Morisot

 

Wassermann-Maler

Der IV. Quadrant im Tierkreis umfasst die Zeichen Fische – Wassermann und Steinbock. Der Verbundsanführer ist der Fisch, das mittlere Zeichen der Wassermann, Steinbock bildet das „Ergebnis“ bzw. den Abschluss.

1. Carlo Carra

 

Wir bleiben mit dem Aszendenten im II. Quadranten. Bei Carra ist es ein Krebs – die Anlage des Empfangens innerer Bilder, das Entstehen des Lebens als Geschehen, das Kindhafte und Fließende. Im Krebs sehen wir das Einzelne, nennen wir es ruhig „Individuum“, das Einzellebewesen. Ungerne fügt sich ein Krebs in Regelungen, seien es die Regelungen von Verhalten oder z.B. von Sprache. Er wird die Grenzen überschreiten. 

Bei Carra steht der Mond als Herrscher an der Spitze zu Haus 2 – die Anlagen werden konkret an der Person sichtbar, die aufgesuchten Reviere weisen die Eigenschaften der Anlage auf. „Dort“ geht es, soweit wie möglich, unverquer und geradeheraus zu. Man kommt ohne Maßregelungen und Zwänge aus, bzw. versucht, einen solchen Ort zu schaffen. Landschaften, keine Kulturlandschaft, sondern natürliches, wildwachsendes Leben.

Das Sonnenzeichen, das sich auf der Basis dieser Anlage, in der Welt verhält, ist der Wassermann. So wie im Krebs das Leben entspringt – als Quelle ein Bild des Beginn des Fließenden wird, so entspringt im Wassermann die Zeit. wie hat man sich das vorzustellen? – Der Ursprung ist der Moment, in dem uns eine Möglichkeit (als etwas, das noch nicht ist) einfällt. Mit dem Einfall hat sie das Dunkle der Nacht verlassen und ist an den Tag getreten.

Mit diesem Aufscheinen ist die Möglichkeit vergänglich geworden. Alles, was in die Zeit kommt, kann und muss auch wieder vergehen. Im Wassermann geschehen diese Ursprünge: gemein ist ihnen, dass sie die Sehnsucht nach der Unschuld in sich tragen. Denn kaum aus dem Nichts in die Zeit gekommen, ist das Reine vorbei… Das Leben ist schmutzig und an ihm wird man schmutzig.  

Die Wassermann-Sonne will sich das Leben vom Leibe halten und fühlt sich von der Welt bedroht. Deshalb geht er nicht gerne in Zentren, sondern bleibt am Rande stehen. Er flieht aus den Zentren und geht über die engen Grenzen z.B. solcher Gruppierungen, die sich in Handeln ausdrücken, hinweg. Der Wassermann handelt nicht – er ist noch ohne Handeln, fast reglos. Viele Wassermänner werden Ein-Siedler, ganz sicher sind sie Idealisten, denen alles gleich-gültig ist – sie machen keine Unterschiede, sie heben Unterschiede auf. 

Die Wassermann-Sonne im Haus 9 zeigt nun etwas Paradoxes an: sie fügt zusammen, was im Leben (als Empfinden) Einzelner nicht mehr oder noch nicht gewährleistet ist. Das heißt: sie gibt ein Bild von einer Gegenwart ab, die (noch) nicht ist. Als solches kommen die Einzelelemente in den Bildern anonym und mit einem Zug zum Rand hin daher. Farbig, bunt flächig, zentrumslos und ohne Umrisslinien verfließen sie im Raum. 

Weiter ist an diesem Horoskop noch das Sonne-Pluto-Quadrat zu nennen: auch hier zeigt sich in gewisser Weise die Abwesenheit der Seele, das Herausgehoben-Sein aus dem Leben (auch vermutlich seinem eigenen, in der er von einer Idee, die das Nicht-Existente beschwört: das Recht auf Leben, besessen ist. 


2. Paula Modersohn-Becker

 

Carlo Carras Wassermann-Sonne befand sich bei einem Krebs-AC im 8. Haus. Der Krebs gehört zum II. Quadranten, dem Seelischen. Wenn – wie bei Paula Modersohn-Becker – der Aszendent im Stier steht, liegen deutlich andere Anlagen vor, die dann mit dem Wassermann-Verhalten ausgeführt werden.

Bei Paula Modersohn-Becker steht der Herrscher von 1 im 11. Haus in den Fischen, was soviel heißt wie: sie bringt Formen und Figuren aus der Möglichkeit auf eben demselben Weg der Unbestimmbarkeit und Unbestimmtheit in eine Ausgangslage. Man könnte sagen: sie macht einen Ent-Wurf von etwas Neuem. Die Stieranlage bezeichnet an sich eine Anlage des Konzentrierens, Sammelns und Zusammenhaltens. Aus dem Verbund (von Farben und Formen) wird kaum ausgebrochen, und die Malweise ist erdfarben, Ton in Ton, meist undifferenziert. Alle Einzelteile eines Bildes enthalten Teile des anderen, so dass der Zusammenhalt sichtbar und gewährleistet wird. In diesem Horoskop aber steht genau diese Anlage in der Aufhebung, die Abgrenzungen werden verlassen. 

Die Verankerung und Sicherung in der Gesellschaft, in der der Stier seine Lebensordnung findet, werden aufgehoben. Nicht die Zugehörigkeit ist Maßstab, sondern maßstäblich wird nunmehr die Entfernung von der angestammten Zugehörigkeit. Diese wird, zunehmend mehr ins Bewusstsein gelangend, als Zwang und als lebensverhindernd empfunden (Pluto in Haus 12 als potentielle Verhinderung im Sinne einer Angehörigkeit zu „der eigenen Eigenart fremden“ Gruppen und Gesellschaften). 

Was macht die Sonne? Wie führt sie diese Entfernung aus dem Zentrum und aus den bürgerlichen Konventionen durch? Sie bringt ins Bewusstsein ihrer Zeit (der Lebenszeit der Malerin), was bereits – noch ungesehen – vorhanden ist und vor der Zeit lagert. In diesem Fall gelingt die Aufhebung bzw. das Leben der neuen Form des Gemeinschaftlichen nicht. Es ist zu früh, die Zeit ist noch nicht reif. Und das wird zum Thema der Bilder. Die Unmöglichkeit, das Neue in die Gegenwart zu bringen, wird zum Schmerz gefügt. In die Gegenwart gelangen gequälte Gestalten und die Qual des Ungeborenen. Hier der Zug der Gesellschaft, der in die Konformität zwingt, dort „der Ruf nach anderen Ufern“ – doch über den Steinbock wird  Saturn vor die Fügung in die Zeit zurückgeschickt. Zusammen mit Merkur wird er dort sympathikoton Anstrengungen unternehmen, doch durchzukommen. Dies ist die Konstellation von Dienstbarkeit und Fleiß: indem man sich als Dienerin anbietet, erhält man sein Gleichgewicht. Großer Ehrgeiz, aus sich selbst etwas zu machen.

Die Sonne in 10 hat eine Opposition zu Uranus in 4: Erfahrungen von Lebensbedrohung bereits vorgeburtlich führen zu Unruhe und einer Gereiztheit, die umso schlimmer wird, je mehr man sich konzentrieren möchte. Ständig in Bewegung, seelisch wie körperlich, verpufft die eigene Energie (Mars und Widder in 12) im Nichts, ist nicht zugänglich. Man lebt in einem Dampfhaus und muss zwanghaft immer wieder diese Bilder (von sich selbst) entwerfen – um sie mit Sonne in 10 zu Bekanntheit und sogar Maßstab eines Zeitempfindens zu machen.

Fische-Maler

1. Piet Mondrian

 

„Mondrian ist ein schmächtiger, hagerer Mann, zur Hälfte kahl, mit den scharfen asketischen Zügen eines katholischen Priesters oder Wissenschaftlers.“ Das liest man bei Michel Seuphor. Die Beschreibung passt zu einem Wassermann-AC. Ganz bestimmt waren ihm stechende, vielleicht sogar eisblaue Augen eigen. Von Piet Mondrian sind zwei Geburtszeiten im Umlauf, die eine ergibt einen 25° Wassermann-AC, die andere einen 18°-Wassermann-AC. Im ersten Fall kommt der Neptun als Verbundführer ins 1. Haus zu stehen. Ich werde mich an dieses halten.

Der Wassermann bedeutet als Anlage, dass die Person selbst aus dem bisher Ungeschehenen herausgehoben wird und als Vereinzeltes in die Zeit springt. Der Uranus dieser Anlage steht im 6. Haus von Mondrian im Krebs. Was macht er dort? – Er verhindert, dass sich das Leben bzw. das Empfinden an die ihm zur Verfügung stehenden Bedingungen aussteuern kann – und letztlich auch nicht muss/nicht darf. Es kommt zu Unvernunft. Vernünftig ist nämlich, wenn man sich anpasst, um das Überleben des Einzelwesens, das man ist, zu gewährleisten. Mit dieser Anlage hebt Mondrian bisherige Maßstäbe auf, löst sich von Traditionen, Grenzen und Unterschieden. Er wird zum Symbol für die Durchsetzung, die Grenzen überwindet, für einen Vorausgänger in Sachen Ideal und reinem Idealismus, der Vermischungen möglichst vermeidet.

Die Wassermann-Anlage führt er mit einem Fische-Verhalten durch. Auch der Fisch – über das Einzelwesen hinweg Größerem zugewandt – löst die Durchsetzung auf. Schwäche in der Selbst-Durchsetzung bedeutet allerdings Empfänglichkeit für das Hintergründige: man hat einen Zugang zum Unbewussten, zu dem, was vor der Zeit und hinter der Zeit liegt. Nichts ist festgeschrieben, mehr oder weniger alles „aufs fließende Wasser“ geschrieben. Was zählt ist die Bewegung. Auch geht es ihm weniger um die Form (Stier) als um die Gestalt hinter der Form; sprachlich: um das SchlüsselHAFTE oder das VasenHAFTE – also dessen, was dem Schlüssel oder der Vase als Potential anhaftet. Das genau bedeutet die Abstraktion!

Die sinnliche Erfahrung ist hintergründig, nie vordergründig, vorhanden. Der Herrscher von 6 (Mond) steht im 12. Haus im Wassermann: persönlich für den Menschen Mondrian deutet dies auf einen „Auftrag des Mütterlichen“ hin, auch auf ein Fehlen dieses Mütterlichen. Nähe wird kaum ertragen, als belastend und einengend empfunden. Das eigene Leben ist von einem Auftrag überlagert, der auszuführen ist – ein eigenes Empfinden tut während der Arbeit an der Welt nichts zur Sache. Bei Mond-Pluto ist dies durchaus eine leidenschaftliche, weil gebremste Veranlagung, die mit Leidenschaftlichkeit und Besitzergreifung gelebt werden möchte, allerdings macht sie das Eingehen von Beziehungen schwierig.

Erwähnt sei das Quadrat von Uranus im 6. Haus zu Neptun in Haus 1, zu dem sich indirekt auch ein Quadrat zu Saturn hinzugesellt. Diese große Ausgeliefertheit an den vierten Quadranten, dem das subjektive Leben anheimgestellt wird, macht empfänglich für theologische Gesinnungen. Da Menschliches als erdrückend und auch als beschmutzend empfunden wird, geht man in die Weite und in die Unverbindlichkeit eines Gottes. In Mondrians Fall ist es die Hinwendung an die Theosophie.

>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>Fortsetzung folgt

Weiterführende und vertiefende Literatur: 

Astrologisch definierbare Verhaltensweisen in der Malerei, Taschenbuch, 1988, Wolfgang Döbereiner

Und hier alle Horoskope auf einen Blick:

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