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WARUM INDIANER SCHLEICHEN KÖNNEN

Vergriffen

Kızılderililer neden sessizce yaklaşırlar


Karin Afshar & Nurcan Çilingir
m. Illustrationen von Wolfgang Herrmann

ISBN: 978-3-937194-26-4

1. Auflage, 2011 – 52 Seiten, 8,90 €
B 5 quer, Paperback, Hochglanz
 

Wenn Opa zu Besuch kommt, geschehen seltsame Dinge. In dieser Geschichte ist Pedram sehr schlecht gelaunt: Lilo hat Geburtstag und er darf nicht mit seinem Freund Christof spielen. Opa hat wieder einmal die Lösung.

Leseprobe

Warum Indianer schleichen können

Pedram hat heute sehr schlechte Laune. Er hat sich mit seinem Freund Christof verabredet, aber Mama sagt, dass er nicht mit Christof spielen kann, weil heute Geburtstag ist und Besuch kommt.
Mit Christof spielt er jeden Tag; sie treffen sich auf dem Spielplatz und sitzen im Sandkastenhaus, das sie erobert haben und das sie gegen die anderen Jungen verteidigen müssen. Wenn sie das einen Tag lang nicht tun, kommen die anderen und beanspruchen das Haus für sich.

Wenn Christof und Pedram im Haus sitzen, überlegen sie sich immer neue Geschichten und Spiele.
„Ich bin wohl der Drache“, sagt Christof, „und du willst mich wohl fangen.“ Christof spielt gerne den Drachen, aber Pedram spielt nicht gerne den Jäger. „Ich bin dieses Mal der Drache, und du musst mich fangen.“ Zum Drachenspiel gehört, dass der Drache sich versteckt und der Jäger ihn suchen muss. Pedram kann nicht gut suchen, er kann sich aber gut verstecken – und das weiß Christof. – Aber heute können sie nicht im Sandkastenhaus spielen, weil Pedram zuhause bleiben und langweiligen Besuch haben muss, bloß weil Lilo Geburtstag hat und die ganze Familie da ist.
Deshalb sitzt Pedram im Kinderzimmer auf seinem Bett und will nicht ins Wohnzimmer gehen, wo Mamas Brüder, Papas Schwester, Oma und Opa, Lilo, Mama und Papa erzählen und lachen.

Er steht vom Bett auf und geht ans Fenster. Von da kann er genau auf den Spielplatz sehen. Es ist keiner da. Alles ist leer und es regnet. Das beruhigt ihn: solange niemand da ist, kann auch niemand sein und Christofs Haus besetzen. Aber dumm ist es trotzdem, und er würde heute sogar den Jäger spielen!
Es klopft an der Tür. Mama ruft ihn: „Pedram, nun komm schon. Wir wollen jetzt die Torte anschneiden.“ Die Torte für Lilo.
Mama hat sie mit vier Kerzen verziert und es sind Smarties und Gummibärchen darauf.
Pedram hat beim Backen geholfen, während Lilo geschlafen hat. Er hat den Kuchenboden mit Marmelade bestrichen, dann hat Mama Sahne darauf getan und dann haben sie die zweite Scheibe Boden darauf gelegt. Deshalb ist es jetzt eine Torte. Schließlich hat Pedram außenherum alles mit Schokolade bestrichen und die Smarties und Gummibärchen drum herumgeklebt. Zum Schluss hat Mama die Kerzen draufgesteckt. Wenn er Geburtstag hat, muss sie eine Torte mit 7 Kerzen für ihn machen! Und er möchte eine Riesenschokoladentorte, größer als Lilos.
„Nein“, sagt Pedram jetzt, „ich will keine Torte.“
Es raschelt an der Tür, dann ist es still.

Pedram sucht sich eine Kassette aus. Er hat Elefantenkassetten, Löwenkassetten und welche mit Liedern. Nein, Lieder will er nicht hören. Er nimmt die Kassette mit der Zoowärter-Geschichte und legt sie in den Kassettenrekorder ein. Gerade will er anschalten, da klopft es wieder.
„Hey, Sportsfreund“, ruft es durch die Tür. Das ist sein Onkel Max, Mamas kleiner Bruder.
„Kann ich reinkommen?“ Und schon geht die Tür auf und Onkel Max steht im Zimmer.
„Bist du sauer?“ fragt er. Onkel Max ist gar nicht klein. Er ist sogar viel größer als Mama. Und er kann sehr lustig sein.
„Ich will mit Christof spielen“, sagt Pedram und läuft wieder ans Fenster. „Ich will mit Christof spielen und keinen langweiligen Geburtstag feiern. Es ist Lilos Geburtstag, warum kann ich nicht rausgehen?“ Draußen ist niemand.
„Weil es regnet“, sagt Onkel Max.
„Ich kann Gummistiefel und meine Regenjacke anziehen.“
Und Pedram setzt sich aufs Bett, verschränkt die Arme und macht sein finsterstes Gesicht.
„Wollen wir beide was spielen?“
„Mit dir will ich aber nicht spielen!“
Onkel Max bleibt noch einen Moment stehen und überlegt.
„Schade. Ich weiß ein gutes Spiel.“
„Nein“, sagt Pedram und schaltet den Kassettenrekorder an.
„Wenn ich nicht mit Christof spielen kann, höre ich jetzt Kassette.“
Onkel Max macht die Tür wieder hinter sich zu.
Die Geschichte gefällt Pedram heute nicht. Der Zoowärter streitet mit den Affen und Kamelen, genau wie immer. Die Affen machen einen Höllenlärm, die Kamele stellen sich dumm. Jetzt bekommt Pedram noch schlechtere Laune.

Zu allem Überfluss hört er vom Spielplatz her Stimmen. Wie ein Blitz ist er am Fenster, und tatsächlich! Christof ist da. Er steht unten am Sandkastenhaus und oben drin sitzen Joschi und Björn und grinsen und freuen sich. Sie sehen, dass Pedram am Fenster steht, sie winken. Christof winkt auch – nämlich, dass Pedram so schnell wie möglich kommen soll.

Es klopft schon wieder an der Tür. Dieses Mal ist es Opa. Das weiß Pedram deshalb, weil Opa vorsichtig den Kopf durch den Türspalt schiebt. Er sieht beunruhigt hinter sich und inspiziert Pedrams Zimmer.
„Ist es hier sicher?“ fragt er leise. „Kann ich mich hier verstecken?“
„Warum musst du dich verstecken?“ Pedram spricht automatisch auch ganz leise. Er lässt die Gardine los, die er hochgehoben hatte, um auf den Spielplatz sehen zu können, und mit der fallenden Gardine verschwinden Christof, Joschi und Björn.
Opa ist jetzt ganz ins Zimmer eingetreten, sehr leise hat er das gemacht, auf Zehenspitzen. „PSST, sie dürfen nicht hören, dass ich hier bin“, flüstert er und legt den Zeigefinger auf die Lippen.

„Gut, was sollen wir tun? Was passiert, wenn sie dich entdecken?“
„Noch suchen sie mich nicht. Sie essen Torte und sind damit sehr beschäftigt.“ Pedram macht
auf dem Bett Platz für Opa, damit der sich setzen kann. „Weißt du, sie reden und reden und das so viel, dass ich mal eine Pause brauche“, sagt Opa und plumpst aufs Bett. Alle Kassetten, die Pedram aufgestapelt hatte, rappeln durcheinander.
„Kannst du eigentlich gut schleichen?“ fragt Opa Pedram. „Schleichen?“ fragt Pedram zurück. Oh ja, schleichen kann er gut. Er kann nicht gut suchen oder finden, aber schleichen kann er sehr gut. Mehr als einmal hat er sich an Christof herangeschlichen, ohne dass der etwas bemerkt hat. Also, wenn Pedram weiß, wo etwas oder jemand ist, ist er ein Meister im Heranschleichen. „Schleichen kann ich gut“, bestätigt er Opa. Aber er versteht nicht, was Opa damit meint.
„Wir brauchen hier was zu essen“, stellt Opa sehr praktisch fest. „Ich will nicht bei den anderen am Tisch sitzen, und du auch nicht. Aber essen will ich trotzdem.“ „Das kann ich, Opa. Ich kann in die Küche schleichen und etwas holen. Soll ich?“
„Es ist aber gefährlich. Wenn sie dich entdecken, dann ist es mit meinem Versteck vorbei und dich behalten sie dort. Du musst außerordentlich vorsichtig sein. Also: in der Küche steht der Butterkuchen. Er ist noch warm.“

Opas Butterkuchen schmeckt am allerbesten, wenn er noch warm ist, wenn die Butter obendrauf noch heiß-flüssig ist und die Mandeln knacken, wenn man hineinbeißt.
„Wie viele Stücke soll ich mitbringen?“ Pedram hat nämlich auch Hunger. Im Zimmer sitzen und schlechte Laune haben macht ganz schön hungrig.
„Schaffst du einen Teller voll?“

[…]

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