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VON SPATZENKRIEGEN UND KULTURREVOLUTIONEN

Die Ausrottung der vier Plagen ( 除四害 chú sìhài) – auch Ausrottung der vier Übel – war eine Massenkampagne, die während des chinesischen Großen Sprungs nach vorn von Mao Tse Tung initiiert wurde. Etwa zwei Milliarden Spatzen wurden dabei eliminiert.

Beginn der Kampagne war im Jahr 1958, mehrere Massenkampagnen sollten in diesem Jahr zur landwirtschaftlichen Produktivitätssteigerung beitragen. […] Mit dem „Großen Sprung nach vorn“ wollte die Führung der Volksrepublik China die „drei großen Unterschiede“ Land und Stadt, Kopf und Hand sowie Industrie und Landwirtschaft einebnen, den Rückstand zu den westlichen Industrieländern aufholen und die Übergangsperiode zum Kommunismus deutlich verkürzen. Die Kampagne des Großen Sprungs begann nach dem ersten Fünfjahresplan von 1953 bis 1957 und sollte bis 1963 laufen. 1961 wurde die Kampagne, die zur Großen Chinesischen Hungersnot führte, nach ihrem offensichtlichen Scheitern abgebrochen.

Am 18. Mai 1958 gab Mao Tse Tung auf der zweiten Sitzung des 8. Parteikongresses die Devise aus, dass sich die gesamte Bevölkerung inklusive der erst Fünfjährigen beteiligen müsse. Die Kampagne richtete sich außer gegen Spatzen, vor allem Feldsperlinge, gegen Ratten, Fliegen und Stechmücken. In China trägt die Kampagne auch die Bezeichnung „Große Spatzenkampagne“ (打|麻|雀|运|动) oder „Kampagne zum Töten der Spatzen“ (消灭麻雀运动).

Spatzenkriege hatte es bereits mehrfach auch auf dem europäischen Kontinent gegeben. Die Bekämpfung der Sperlinge, weil sie als Schädlinge für die Landwirtschaft ausgemacht worden waren, gab es unter Karl I., Herzog zu Braunschweig-Wolfenbüttel 1749, qua Erlass von Markgraf Karl Alexander von Brandenburg-Ansbach und Brandenburg-Bayreuth vom 27. August 1771, und vom Grumbacher Bürgermeister Kühlenthal  als Verfügung im Jahre 1803, dass „eine jede Familie, wo ein Mann oder erwachsener volljähriger Sohn im Hause sei, eine Witwe aber ohne erwachsenen Sohn 3 Spatzenköpfe für das Jahr, jedoch nicht einzeln, an den Municipal-Rat seiner Gemeinde zur Ausrottung des schädlichen Spatzenviehes abliefern müsse“.

Der „Sperlingskrieg“ im 18. Jahrhundert war als Teil einer „Ausrottungskampagne von Staats wegen“ zu sehen, es wurden – wie oben gesehen – Kopfgelder auf die Vögel ausgesetzt. Sperlingsplagen und die von ihnen angenommene oder tatsächlich ausgehende Gefahr von Hungersnöten standen dahinter.

Passer domesticus ist der lateinische Name des Haussperlings, er gehört zur Familie der Passeridae, seine Ursprünge liegen in Südeuropa und Vorderasien. Seinen Lebensraum bilden Bauernhäuser, kleine Dörfer, aber auch Großstädte. Es gibt keinen menschlichen Lebensraum, den er nicht inzwischen auch bevölkern und somit mit den Menschen teilen würde. Mensch und Vogel bilden damit eine Art Zweckgemeinschaft, der Vogel ist dabei sehr anpassungsfähig und kann jede ihm sich bietende mögliche Gelegenheit gut nutzen. Ein kluger, kleiner Begleiter, der seine Verhaltensweise je nach Umgebung, in der er lebt, adaptiert. Ein Jungfrau-Vogel unter den Vogel-Uranussen. Auf den Dörfern ist er weit gelassener als in den großen Städten, wo er sich weniger zutraulich und sehr viel vorsichtiger bewegt. Bekannt für sein Warn-Gezeter und das durcheinander scheinende Auffliegen bei Gefahr – ja, er ist ein Warner und Anzeiger von Gefahr. Sperlinge sind gesellige Genossen und halten sich ihr Leben lang in Verbünden mit Artgenossen auf. Sie bestreiten ihren Lebensunterhalt mit der Suche nach Nahrungsmitteln, und das auf den Böden der menschlichen Zivilisation (ich meine gelesen zu haben, dass sie Kulturfolger sind); ihre Haupternährung besteht aus Körnern, aber sie verspeisen auch Insekten. Insbesondere, was das Getreide angeht, wird der Spatz – wie er im deutschen Volksmund genannt wird – zu einem „Nahrungskonkurrenten“ des Menschen, weniger nett ausgedrückt: er ist ein Schmarotzer, weil er sich bei dem bedient, was der Mensch anbaut.

Normalerweise kommt es zu einem Gleichgewicht von Nahrungsangebot und Kundschaft, die Jahreszeiten sorgen für ein übriges: strenge, kalte Winter sorgen dafür, dass weniger Vögel überleben, so dass die Nahrung für Mensch und Tier reicht. In warmen Wintern aber überleben eben mehr Vögel, ihre Zahl wird ausnehmend groß – und sie werden zahlenmäßig nun zur Plage als Mitfresser. Niedrige Sperlingssterblichkeit, hoher Populationszuwachs – mehr Konkurrenz. Zwar kann die starke Sperlingspopulation helfen, die Zahl schädlicher Insekten niedriger zu halten, doch es gibt Sommer, in denen dies nicht mehr gelingt, die Aussteuerung unmöglich ist. Der Hunger der Sperlinge führt zum Einfall der Vögel auf die Getreideaussaat – sie fressen die auf die Felder ausgebrachte Saat – es kommt zu geringeren Erträgen. Die Menschen hungern.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam es aufgrund widriger Wetterumstände vor allem in Westfalen zu nicht unerheblichen Missernten und ganzen Ernteausfällen – in der Folge gab es Hungersnöte. Bis etwa 1850 hing die Versorgung der Bevölkerung sehr von der Landwirtschaft und hier vom Getreide wie Weizen und Roggen, aus dem dann ja Mehl und anderes produziert wurde, ab. 1816 gab es die im Nachhinein betrachtet schlimmste Missernte des Jahrhunderts, eingeleitet wurden damit die „Sperlingskriege“, die bis 1839 andauerten.

1958 also dann in China das Blasen zum Kampf gegen den Schädling Spatz. Mao verstand offenbar nicht viel von Spatzen und ihrem Wert für das Gleichgewicht in der Natur. Seinem Aufruf wurde schreckliche Folge geleistet: Die chinesische Bevölkerung beteiligte sich drei Tage lang ausgiebig an dem Gemetzel mit fatalen Auswirkungen auf das ökologische Gleichgewicht. Nester wurden zerstört, Spatzen mit Gewehren, Zwillen und Steinschleudern vom Himmel abgeschossen. Dort, wo die Tiere stundenlang aufgescheucht wurden, fielen sie tot zu Boden. Ein  Massaker, bei dem es erschöpfte Spatzen regnete. Allein in Peking sollen an den drei Tagen mehr als 400.000 Spatzen getötet worden sein.

Die Strafe folgte auf dem Fuße: Scharen von Insekten überfielen im folgenden Sommer das Land und in kürzester Zeit brachen Hungersnöte aus. Doch Pluto auf 0° Jungfrau erzählt noch mehr. Die Produktion von Kunstdünger wurde beschleunigt, wenn auch auf einem noch niedrigen Niveau (wuchs von 1957 bis 1962 von 0,37 auf 0,63 Mio. Tonnen). Die Volkskommunen griffen auf fragwürdige andere Düngemittel zurück, z.B. galten die Mauern von Gebäuden als Düngemittel, so dass nach Bekanntwerden dieser Methode mehr als 50.000 Gebäude zerstört wurden. Pestizide traten auf den Plan: durch das Töten der Sperlinge kam es zur Zunahme der Schadinsekten, die in der Folge bekämpft wurden, und zum Aussterben ganzer Bienenpopulationen führte.

Hungersnot als Anlass (Beginn 1958) und Hungersnöte als Folge des zum Scheitern verurteilten Sprunges: Zwischen 1959 und 1961 drei bittere Jahre: Hungerkatastrophe mit über 30 Millionen Toten als Konsequenz der verfehlten Wirtschaftspolitik. Man schaffte die Insektenplage schließlich damit ab, dass man Spatzen von Russland nach China importierte. Bis heute hat sich der Spatz in China noch nicht vollkommen erholt und steht auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere. Schon ab November 1958 wurde der Große Sprung Schritt für Schritt wieder zurückgestutzt, was die Folgen nicht verhindern konnte. Ein bißchen hin und her in der Zeit – aber nichts verläuft im Kosmos linear.

Eine Sonne auf Jupiter-Venus-GSP im Stier legt den Verbund fest: Widder-Stier-Zwilling. Bei der Einstellung „Sonne am MC“ können wir nur bedingt Aussagen über die Häuserverteilung machen, ich wage es trotzdem. Interessant: Pluto als „der Gegenwartslose“ kommt direkt auf den Aszendenten und steht auf 29°47′ Löwe ganz nah an den 0° Jungfrau, dem Zeichen der Ernährung und Verwertung. Getreide – und wie oben gesagt – der Spatz offenbar ein Jungfrau-Vogel. Eine „gut“ integrierte Sonne mit wohlwollendem Jupiter im Kollektiv, und – aus der Waage – ziemlicher Popularität.

Mars – als Herrscher des Ausgangszeichens – steht in den Fischen wiederum in der Öffentlichkeit, die Verneinung und Eliminierung von Leben (Sonne-Quadrat Pluto) wird öffentlich, ausgeübtermaßen das verneinte Prinzip der Gestalt – Neptun in Haus 3 auf Sonne-Jupiter – rächend im Mars. Die Frage ist: Was war erst? Die Verneinung des Prinzips der Lebensgestalt (Neptun in Skorpion, und der laufende Neptun im Gründungshoroskop im Feld 10 angekommen, damit die Finalität in Frage stellend). Und anschließend die Rache des Mars? Oder erst die Aggression gegen das Prinzip, folglich die vier Plagen und dann die Rache des Neptun im Mars? – Sowohl als auch. In der Deutung nach der Aphrodite gelangt Pluto über Uranus in 12 erst ins 11. Haus und schließlich als Aggression ins 7. Haus, dem Gegenwärtigen. Nach der Verbunddeutung geht Mars dem Verbund des I. Quadranten voran, d.h. hier liegt bereits eine Verletzung vor, auf die die ausgesprochene Verordnung zurückgeht.

Maos Verordnung erfolgte aufgrund einer Vorstellung von „Wachstum“, das per Plan (5-Jahresplan) installiert werden sollte. Ab 1953 hatte die neue Generallinie eine „sozialistische Umwandlung“ der Wirtschaft vorgesehen, die sich an Stalins Programm von 1929 orientierte. Das Schlagwort hatte gelautet: „Von der Sowjetunion lernen!“ und wurde zum Prinzip der zentralen Planung und Leitung von Produktion, Investition, Verteilung und Konsum. Zeitgleich mit der Beendigung des Koreakriegs war im Jahr 1953 nach sowjetischem Muster der erste Fünfjahresplan verabschiedet worden. Parallel war es zur Bildung einer neuen Herrschaftselite gekommen: Während für die Nationalregierung 1948 etwa zwei Millionen Funktionäre arbeiteten, verfügte der kommunistische Staats- und Parteiapparat 1958 über acht Millionen Kader. Die erste landwirtschaftliche Kollektivierungswelle hatte im Jahr 1952 begonnen und Zusammenschlüsse von jeweils sechs bis neun Haushalten vorgesehen. Die zweite Phase – 1955 begonnen – wurde später die „niedrige Kollektivierung“ genannt. Hierbei hatten die Familien eines Dorfes eine große Kooperative gebildet und die Bauern noch nicht ihren Landbesitz verloren; sie waren aber gezwungen worden, Zugtiere, Geräte und Saatgut gemeinsam zu nutzen, unter Leitung eines Kaders in kleinen Gruppen die Felder zu bestellen und die Erträge zu teilen. Bei derlei Vorgängen ist an die „Stier-Scholle“ zu denken, Landwirtschaft, die Sicherung des Gemeinschaftlichen in der Nahrung – auch hier Stier-Venus und Jungfrau-/Zwillinge-Merkur: die industriell orientierte, kapitalintensive Regelung, außerdem dezentralisiert mit einem Uranus (die Gründung der VR China verzeichnet einen Wassermann-AC und ein Uranus-Sonne-Quadrat). Verkalkuliert hatte man sich ausgerechnet im Bewässerungssystem, das sich dann ja auch als veruntreutes Wasser rächte (Mars-Pluto in Haus 7 im Gründungshoroskop). Die Wasserbaumaßnahmen aus dem Jahr 1957 wurden als wesentliche Bedingung für eine landwirtschaftliche Produktionssteigerung angesehen. Im Oktober 1957 waren mehr als 30 Millionen Menschen rekrutiert worden, die an den Maßnahmen teilnahmen. Mehr als 580 Millionen Kubikmeter Stein und Erde wurden bis Ende des Jahres bewegt, wozu es großer Maschinen und moderner Technologie bedurfte. Im Eifer wurde bei vielen Maßnahmen der Rat von Hydrologen ignoriert und die Arbeiten mangelhaft ausgeführt. Man sparte an Material, arbeitete nachlässig und billig – es ging um vorzeigbare Quantität. Eine Sonne-Uranus-Falle. Expansion, Größe statt Inhalt und Wachstum. Die Zahl der bewässerten Felder konnte sich sehen lassen, auch wenn die Wartung der bestehenden Anlagen zugunsten des Beginns neuer Anlagen vernachlässigt wurde. Das kennt man irgendwie auch von heute wieder.

Zum 18.5.1958. Mars und Venus verbindet eine Spiegelkonjunktion, und die Venus steht im Widder und damit in der Exposition. Ein Bestand, ein Revier sind damit Voraussetzung für die Durchführung, es ist ein gefährdeter Bestand – Mars-Venus ist die Verletzung von Gewebe, als Brand, Stich, auf jeden Fall sehr viel Energie auf eine Figuration. Die Venus auf einem Jupiter-Uranus-GSP: Hinweis darauf, dass hier eine Bestimmung fehlt. Der Saturn ist ausgefallen, und damit wird eine Regelung in Kraft gesetzt. Die Regelung ist im Merkur zu lesen – auf 1°13′ im Stier, also die Ausführung einer Form des Gemeinschaftlichen, die Ausführung im Gemeinschaftlichen – eine umstrittene Ausübung ist es: Merkur-Quadrat-Uranus, notwendig wäre eine Mutation, ein Sprung heraus aus dem Milieu, doch hier ist auch eine Lähmung sichtbar: Merkur-Uranus-Neptun. Eine Bereinigung („Sehnsucht nach Reinheit“) und gleichzeitig eine Orientierungsschwäche mit Unfähigkeit zur Aussteuerung, bei der der Merkur-Neptun aber zur Klärung „beiträgt“, d.h. Teil ist.

Der Saturn, der zwischen Uranus und Jupiter nicht geworden ist, steht im Schützen, aber eigentlich fehlt er dem Jupiter, so dass die entstehende Fügung eine ohne Besinnung ist – und damit gegen das Prinzip des Lebens. Die Stier-Sonne verkündet damit eine widersinnige „Kampagne“ (wobei ich jetzt nicht weiß, was aus den Ratten geworden ist; Insekten sind ebenfalls dem Zwilling unterzuordnen, und dürften zwar zunächst ebenfalls dezimiert worden, dann aber massenweise wegen der fehlenden Spatzen bevorzugt gewesen sein). Zum Mittelzeichen – also zur Durchführung gehört ferner der Mond – was wiederum darauf hinweist, dass es hier um die Sicherung (Stier) von Einzelleben gehen könnte. Dieses auf einem Mond-/Sonne-Pluto-GSP und damit wieder im Griff eines Programms, eines Leitbildes und Modell. Das Modellleben in der Aufhebung (Uranus in Spiegelopposition dazu), aus der Verdeckung, nicht offen sichtbar. Uranus ist der Zeugende, der Mond der Empfangende – das empfängliche Volk? Uranus steht im Löwen – lesen können wir auch so: das Spaltende, das Teilende im Erleben und in der Erlebniswelt des Daseins ist zeitlich nach dem Verbund fällig – die Konsequenz der Durchführung (im Merkur-Uranus das „Nachwort“) hat noch eine weitere Folge: die Aufhebung eines Daseins. In diesem Fall: erst die Verfrachtung von Einzelleben im Bestand in die Gegenwartslosigkeit und mit Verzögerung die Aufhebung einer noch anderen Lebenswelt.

Der große Sprung nach vorne ist nicht nur die Ausmerzung der Spatzen (aber diese repräsentieren hier die Einzellebewesen stellvertretend für die Menschen, die ihnen folgten), sondern die Regulierung der Kollektive, die ihren Fortgang nahm, und der Ausschluss von grundsätzlichen Prozessen hin zum Leben als Ausdruck von Dasein (von denen die Stufe Neptun zu Uranus eine der grundsätzlichen ist), aber tatsächlich der Sprung zu Expansion statt Wachstum. Hungersnöte, Kriege und Naturkatastrophen hatten jahrhundertelang die Bevölkerung Chinas in Grenzen gehalten, nach Gründung der VR China 1949 war sie explosionsartig angestiegen; 1979, drei Jahre nach Maos Tod, wurde die Ein-Kind-Politik in Kraft gesetzt: eine Bevölkerungsregulierung von Staats wegen. Sie ist seit 2016 weitgehend wieder verlassen worden und hat der totalen Überwachung Platz gemacht.

Der Spatzen-Kampagne von 1958 war übrigens die 100-Blumen-Kampagne vorangegangen.

„Lasst hundert Blumen blühen, lasst hundert Schulen miteinander wetteifern“ – so heißt die Kampagne, die Mao 1956 ins Leben ruft. Sieben Jahre nach der Machtübernahme laden die Kommunisten die Menschen zur konstruktiven Kritik am System, an der Partei, an der politischen Führung ein. Die Idee dahinter ist, dass China seine intelligenten Eliten, seine Experten braucht, um den Aufbau des Landes voranzutreiben. […] 1957 greift die Partei zur Notbremse und aus der Hundert-Blumen-Kampagne wird eine gnadenlose Anti-Rechts-Kampagne. Die Kritiker, die sich mit ihrer Systemkritik geoutet haben, werden nun rigoros verfolgt, mundtot gemacht, verschleppt, eingesperrt und hingerichtet. Hunderttausende kommen um oder werden in Arbeitslager interniert.“ Quelle: China unter Mao: 1949-1966, Gregor Delvaux de Fenffe, planet wissen.

Während des Großen Sprunges nach vorn wurde die chinesische Landwirtschaft in Volkskommunen organisiert und der private Anbau verboten. Die letztlich fundamental schädlichen Veränderungen bei der Organisation landwirtschaftlicher Betriebe fielen mit widrigen Wettermustern einschließlich Dürren und Überschwemmungen zusammen. 1958 gab es eine Überschwemmung des Gelben Flusses, die eine halbe Million Acre Ernte (=3,04 Millionen mu (亩) – englisches und nordamerikanisches Flächenmaß (etwa 4.047 m2)) überschwemmte und über 300.000 Häuser zerstörte. In den Provinzen Henan und Shandong wurden 2 Millionen Menschen zusammengetrommelt, die die Dämme und Flussufer schützen sollten. Die Überschwemmung z.T. auch Folgen der schlechten Planung und Organisation der Bewässerungsarbeiten während des Großen Sprungs nach vorne.

Das Scheitern des Großen Sprunges nach vorne sowie die Hungersnot führten dazu, dass sich Mao von der aktiven Entscheidungsfindung innerhalb der Kommunistischen Partei und der Regierung zurückzog und verschiedene zukünftige Aufgaben an Liu Shaoqi und Deng Xiaoping übergab. Und doch erhob er sich nochmals – im Jahr 1966 zur Kulturrevolution. Interessanterweise fällt auch diese mit ihrem „Startschuss“ in den I. Quadranten: 29.5.1966.

Was zeigt dieses untenstehende Horoskop? Im inneren Kreis steht der 1.10.1949, der Gründungstag der Volksrepublik China. Meine Quelle geht von der Uhrzeit von 7:12 Uhr GMT aus, das entspricht einer Ortszeit von 15:12 Uhr in Peking. Ich nehme das Horoskop als weiterhin gültig für die Entwicklung in der Neuzeit an.

Der äußere Kreis ist auf das Datum des 29. Mai 1966 gelegt: Beginn der Kulturrevolution unter Mao. (Der ist am 26.12.1893 in Shaoshan geboren, wie zu eruieren ist, mit einem in mehreren Quellen genannten 13°15‘-Steinbock-AC und einer Sonne in Haus 12 (7:30 Uhr) auf 4°30‘.) Es fällt auf: der Pluto-Uranus-Transit (maßgeblich und richtungsweisend für die 60-Jahre) mit den ideologischen Entwicklungen hinsichtlich neuer Sichtweisen mit dem Ursprung bzw. Mit dessen Verdrängung (in der Jungfrau geht es auch um revolutionäre Gesundheits“ideen“) über den Saturn in der Jungfrau. Die Jungfrau ist ja auch die Anpassungsexpertin, die Aussteuernde – zumindest versucht sie, Unveränderliches und Veränderndes, Bleibewillen und Einlassen auf Begegnendes „unter einen Hut“ zu bringen. Es entsteht Merkur-Venus – und dahinterstehend Saturn-Uranus als Anzeiger einer Stauung mit großem Explosionspotential.

Auch fällt auf: laufender Neptun über der Venus im Skorpion. Wofür die Venus im Einzelnen steht, erkläre ich später. Neptun-Venus ist grundsätzlich eine Auflösung, der Stier-Venus als Aufweichung und Bereinigung des Gemeinschaftlichen mit seinen beharrenden Kräften und aus der Waage-Venus als Auflösung des (Tag-)Bewusstseins hin zu Strömungen des Wirklichen, des Außerhalb-der-Zeit-Seienden. Das ist nicht ex nihilo (aus dem Nichts entsteht etwas), das ist Gehe ins Nichts.

Nun deuten zwar die äußeren Planeten die grobe Richtung, sie legen damit in etwa die „Stimmung“ fest, sind aber nicht die ausschlaggebenden Ereignisse. Die finden sich in den schnelllaufenden Planeten, besonders Merkur, Mars – und ja, auch noch Jupiter. Jupiter, im Grundradix ins 12. Haus gesteckt, steht am 29.5. auf dem Uranus in Haus 5. Über Wassermann und Uranus wird ebenfalls noch zu schreiben sein. Hier soll reichen: Jupiter unterstützt eine Neuerung, eine Aufhebung, aber auch eine Position der Stärke von Krebs in die Waage – das Bild eines Volkes – fügenderweise. Jupiter fügt ja grundsätzlich, auch, wenn ihm Grenzenloses oder Nichtzusammengehöriges vorgelegt wird. Ist Uranus involviert, fügt Jupiter eben auch schon mal Entfügendes, d.h. er beschleunigt eine jähe Änderung. Weltanschaulich ist er ebenfalls – es geht also um eine weltanschauliche Angelegenheit, die das Leben (Krebs) und das Einzelwesen betrifft. Merkur und Sonne stehen am 29.5. zusammen und im Zwilling, ferner auf einem Jupiter-Mars-GSP. Der geregelte Schnitt in das ohnehin „wehrlose“ Gefüge kommt in die Ausführung. Den Startschuss gibt quasi Mars mit seinem Übergang vom Stier ins Zeichen der Zwillinge. Bis dahin gebundene Energie wird frei: Mars-Venus ist auf die Erscheinung treffende Energie, ein Brandherd; Mars-Merkur ist die losgelassene Energie, die sich in die Umgebung „ergießt“.

Der 29. Mai 1966 ging in die Geschichtsschreibung als das Datum der Geburtsstunde der „Roten Garden“ ein:

„Wir, die Roten Garden, treten für die Verteidigung der roten Staatsführung ein. Die Partei und der Vorsitzende Mao sind unsere Beschützer. Die Befreiung der gesamten Menschheit ist unsere unabweisliche Pflicht. Die Mao-Tse-tung-Ideen sind unsere obersten Anweisungen. Wir schwören, dass wir fest entschlossen sind, für den Schutz der Partei und des großen Führers Mao Tse-tung unsere letzten Tropfen Blut zu vergießen.“

Bereits im März 1966 waren 33.000 Mann der 38. Armee in Peking zur Sicherung des Staatswesens einmarschiert, die Militärführung übernahm als Schutzmacht die Kontrolle über das Staatswesen. Im Mai 1966 ging Mao dann zum offenen Angriff über. Auf einer erweiterten Tagung des Politbüros der Kommunistischen Partei Chinas besetzten der Parteivorsitzende Mao Tse-tung und seine Gefolgsleute zahlreiche Leitungsfunktionen neu und formulierten die Ziele einer »Großen Proletarischen Kulturrevolution«. Mao versuchte mit dieser kulturrevolutionären Kampagne, die »Weisheit der Massen« zu mobilisieren, die intellektuelle Opposition und seine Gegner inner- und außerhalb der KP auszuschalten. Mobilisiert wurden vor allem Jugendliche, die sich in so genannten Roten Garden organisierten und in den nächsten drei Jahren fast das politische System der Volksrepublik zum Zusammenbruch brachten. Das Motiv für die Bewegung der Roten Garden lag anfangs primär in der „Zerstörung der vier Relikte“ (sogenannte alte Gedanken, alte Kultur, alte Gebräuche und alte Gewohnheiten). Die von den Roten Garden als Klassenfeinde deklarierten Personen wurden bekämpft, verprügelt, verhöhnt und ihr Eigentum beschlagnahmt. Gegenstände, die die Roten Garden als feudalistisch, kapitalistisch oder revisionistisch betrachteten, wurden zerstört.

Bis Ende September 1966 wurden in Peking über 30.000 Haushalte von den Roten Garden durchsucht und von Büchern, Bildern, unproletarischer Kleidung, von falschem Geschirr oder auch – ja! – von Lippenstift „gesäubert“. Auch in der Folgezeit schwänzten die Jugendlichen Schulen und Universitäten, töteten und misshandelten insbesondere Menschen mit Bildung (Lehrer, Ärzte, Künstler, Mönche, Parteikader), zerstörten Kulturdenkmäler, Tempel, Bibliotheken und Museen, bekämpften sich untereinander und störten die öffentliche Ordnung. An die Stelle der Studenten, die trotz allen Aufruhrs letztlich eben doch nicht an einem Umsturz, sondern an ihre Karrieren dachten, traten im Lauf des Jahres 1966 andere Gruppen, die auf der Verliererseite der Entwicklung der letzten Jahre standen. Ein Beschwerdebrief:

„Wir sind zu Sklavenarbeitern geworden. Die Umgebung besteht aus einer sumpfigen Einöde, die mit Sandbänken durchsetzt ist. Unsere Behausung sind die unwirtlichen Gebäude einer Staatsfarm, die sich Armeebasis nennt. Möglichkeiten sich fortzubilden bestehen nicht, selbst Zeitungen sind kaum vorhanden. Statt Bargeld gibt es nur Gutscheine, die gegen Lebensmittel eingetauscht werden können. Wer sich beschwert, wird mit Arbeitslager bedroht. Wir alle leisten härteste körperliche Arbeit, einen Ruhetag gibt es nur alle zehn Tage. Wer zum Arzt muss, hat viele Kilometer über Sand- und Sumpfgelände zu gehen. Wer ernsthaft krank werden sollte, hat kaum eine Überlebenschance.“

Die „große proletarische Kulturrevolution“, die als Massenbewegung von Mao Tse Tung ausgerufen dem Ziel diente, Bürokratismus, Revisionismus, elitäres und bourgoises Denken auszumerzen (vgl. Scholl-Latour, Der Wahn vom Himmlischen Frieden) dauerte von 1966 bis 1976. Das Individuelle sollte zerstört werden, die Revolution sollte „permanent“ sein.
Permanente Revolution bezeichnet dabei im marxistischen Denken die bruchlose Entwicklung von einer demokratischen zu einer sozialistischen Revolution. Der Begriff taucht m.W. bei Marx ebenso auf wie bei Trotzki. Eine demokratische Revolution wäre aus deren Blickwinkel z.B. die Französische Revolution von 1789.

Es sei das Interesse und die Aufgabe der Arbeiterklasse, „die Revolution permanent zu machen, so lange, bis alle mehr oder weniger besitzenden Klassen von der Herrschaft verdrängt sind, die Staatsgewalt vom Proletariat erobert und die Assoziation der Proletarier nicht nur in einem Lande, sondern in allen herrschenden Ländern der ganzen Welt so weit vorgeschritten ist, dass die Konkurrenz der Proletarier in diesen Ländern aufgehört hat und dass wenigstens die entscheidenden produktiven Kräfte in den Händen der Proletarier konzentriert sind“. (Quelle: Karl Marx: Ansprache der Zentralbehörde an den Bund vom März 1850, MEW 7, S. 248) Trotzki vertrat zusammen mit anderen Sozialdemokraten die Position, dass nur die Eroberung der politischen Macht durch die Arbeiter und armen Bauern, gestützt auf die Masse der unterdrückten Landbevölkerung, die vollständige und nachhaltige Lösung der Aufgaben der bürgerlichen Revolution erlauben würde. Er erkannte damit zwar die Rolle der Bauern in der Revolution an, betonte aber, dass deren wichtigste Forderungen (wie die einer Agrarreform) nur von einer Arbeiterklasse an der Macht erfüllt werden könnten. (Quelle: Manuel Kellner: Gegen Kapitalismus und Bürokratie – zur sozialistischen Strategie bei Ernest Mandel. Neuer isp-Verlag, Karlsruhe/Köln 2009, S. 338 )

Permanente Revolution also und dann die Säuberung von Fehlentwicklungen und Bürokratie. Die bürgerkriegsähnlichen Ausschreitungen in den Anfängen der Kulturrevolution, gingen ab 1967/68 in die nächste Phase: Bildung von Revolutionskomitees mit Wiederaufbau von Staat und Partei. Ein wirkliches Ende fand die „Bewegung“ 1976 mit der Ausschaltung von Jiang Qing, der Ehefrau Maos, die die „Vierer-Bande“ anführte. Jiang Qing (geboren am 19. März 1914 in Zhucheng) verlor während der Kulturrevolution – mächtig war sie zuvor als „First Lady“ – an Popularität und wurde gegen Ende der Regierungszeit Maos zur Projektionsfläche für sämtliche Schandtaten des Mao-Regimes. Ihr aggressives, kaltes Auftreten sowie eine Vielzahl menschenverachtender Handlungen brachten Chinas Öffentlichkeit zusätzlich gegen sie auf. Sie wurde zur „bösen Frau“ stilisiert, die ihre Position als Maos Ehefrau dazu genutzt habe, sich zur „Kaiserin“ aufzuschwingen, die den zunehmend kranken und isolierten Mao manipuliert habe und so auch für dessen Fehler verantwortlich gemacht werden könne.

Einen Monat nach Maos Tod im September 1976 wurde Jiang Qing mit den anderen Mitgliedern der Viererbande verhaftet und 1981 zur „bedingten Todesstrafe“ mit Aussetzung zur Bewährung verurteilt. Das Urteil wurde zwei Jahre später in lebenslange Haft umgewandelt. An Kehlkopfkrebs erkrankt, wurde sie 1991 aus gesundheitlichen Gründen entlassen. Sie starb zehn Tage später, laut offiziellen Angaben beging sie Selbsttötung durch Erhängen. Die Kulturrevolution, wie sie von Mao ausgelöst wurde, warf das Land gesellschaftlich wie wirtschaftlich zurück, während der Personenkult und die vordergründige Zielsetzung, kapitalistische, bürgerliche, traditionalistische „Infiltrierungen“ durch den Klassenkampf zu entfernen. Schätzungen gehen davon aus, dass in den vielen Massakern, Säuberungen, Spionagefällen etwa 20 Millionen Tote zusammenkamen, unzählige Folterungen nicht berücksichtigt. Es soll keine chinesische Familie gegeben haben, die nicht ein oder zwei Mitglieder an diese Revolution verlor. Mao erklärte zwar 1969 die Kulturrevolution für beendet, doch offiziell – s.o. – wurde sie erst 1976 als beendet angesehen.

Spatzenkriege, Kulturrevolution, 2020. China befindet sich in seinem 11. Septar, es ist von 2019 bis 2026 (jeweils Oktober) gültig. Eine Erlebnis“welt“ des Löwen, eine Souveränität, die sich im 3. Haus ausführt. Ein volles 3. Haus mit Mond, Sonne (im Quadrat zu Saturn in Haus 5), einer Mars-Merkur-Konjunktion in der Waage in der Nähe vom GSP Saturn-Uranus. Das Anklingen eines Konkurses, drohenden Zusammenbruchs des Gewesenen, dem mit geregelten Stichen beizukommen versucht wird. Die politische Strategie ist deutlich: beginne einen kriegerischen Schauplatz außerhalb der eigenen Grenzen. Widder am MC – das Kriegerische ist die Finalität. Sofern das Horoskop einigermaßen stimmt, steht der MC auf 27° Widder und das ist wiederum ein GSP Saturn-Neptun. Neptun selbst steht im 4. Haus, das noch von Waage beherrscht wird. Die Plan-Welt des Venus-Pluto in Haus 2 in der Jungfrau ist einer Lösung zuzuführen. Das Heimatliche ist mit Sonne-Saturn angestrengt in Willenshaltung und sympathikoton. Die Einmahnung der Einhaltung der Bestimmung in der Gestalt des Lebens. Doch wo ist sie? Heiligung der Leistung, doppelt, dreifach gegeben: Saturn in 5, Steinbock in 5. Steinbock auch in 6: karges Leben, karge Umstände. Die neue Leitkultur für die nächsten Jahre? Im öffentlichen Bewusstsein, im 7. Haus, das für die Gegenwart stehen kann, herrscht Wassermann und mit ihm Uranus in 1 in Erscheinung tretend. Da ist er wieder: der Größenwahnsinn der „Welt in der Welt“, d.h. es herrscht eine „Elite“ und die bestimmt über das Gemeinschaftliche. Am 30.12. überläuft China die 0° Waage im Phänomensrhythmus, und durchläuft im Fügungsrhythmus den Stier. Damit doppelter Hinweis auf Pluto-Venus in der Jungfrau (dort, wo der Pluto des 18.5.1958 steht). Morgen – am 26.12. – überläuft das Land mit 7 Monate/Haus übrigens exakt den Geburtstagsgrad von Mao. Die Nachrichten vermelden: die chinesischen Behörden leiten Schritte gegen den Konzern Alibaba, den größten Online-Händler Chinas, ein. Gegründet wurde das Unternehmen 1999 vom damaligen Lehrer Ma Yun alias Jack Ma. Inzwischen ist Alibaba mit Sitz in Hangzhou (wer das Horoskop errechnen möchte, mag hier schauen mit dem Einrichtungsdamtum der Webseite: 1999-04-14T21:00:00-0700) eines der mächtigsten Privatunternehmen Chinas. Der sonst sehr umtriebige und öffentlich sichtbare  Jack Ma soll bereits seit Wochen nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen worden sein. Die Finanznachrichtenagentur Bloomberg berichtet, dass Chinas Behörden Ma aufgefordert hätten, das Land vorerst nicht zu verlassen. Der Aktienkurs von Alibaba brach angesichts der Ermittlungen um zeitweise mehr als acht Prozent ein.

Jack Ma – das nur als Randnotiz – ist eine Jungfrau vom 10.9.1964. Über seine „mächtige“ Sonne-Pluto-Uranus-Konjunktion (die von 10° Jungfrau bis 17° reicht), ist im auslaufenden Jahr Neptun in Opposition gelaufen. Immer noch steht er jetzt in Opposition zur Sonne. 

Die Texte entstammen verschiedenen Aufsätzen und Deutungen von mir zu China, die ich bereits seit 2007 schreibe und sammle. Behalten wir das alles mal im Auge. China wird uns noch beschäftigen.