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TRAUMA ODER DIE VERLETZTE WIRKLICHKEIT

„Wirklichkeit ist [somit] ein vom Leben „Erzeugtes“, das in seiner Bestimmung aus sich, für sich und durch sich wirkt. Im Erleben wird das Wirkliche mit dem Realen vermählt, wird als Wirklichkeit zeugend in die Erscheinung gebunden.“ (W. Döbereiner, Astrologisch-homöopathische Erfahrungsbilder, S. 25)


Vorrede

Anknüpfung an ein vorangegangenes Thema, über das ich vor zwei Wochen schrieb. In jenem Aufsatz ging es um Aufklärung und Vernunft, und ich berief mich auf drei wesentliche Stimmen: Max Frisch, Karl Popper und – ja auch ein wenig Immanuel Kant. Ausschlag zum Schreiben aber hatte ein Buch aus diesem Jahr gegeben: Zana Ramadanis „Die verschleierte Gefahr. Die Macht der muslimischen Mütter und der Toleranzwahn der Deutschen„, erschienen im Europa Verlag, München.

Es ist fast unmöglich, die vielen verschiedenen Facetten unserer Zeitqualität mit den in ihr synchron verlaufenden Bahnen in einem einzigen kurzen Aufsatz zusammenzuschauen. Ich könnte es versuchen, doch würde das das Durcheinander eher steigern als lösen. Warum das so wäre?

Für die Betrachtung der Erscheinungen der Zeit gibt es verschiedene Betrachtungsinstrumente. Dass jedes dieser Instrumente hinlänglich sauber und frei von Subjektivismen, Vorurteilen und Wertungen sein sollte – darüber sind wir uns sicher einig. Wäre dem nicht so, würden wir das Eigene mit dem Angeschauten vermengen und verwechseln. Ganz lässt sich ein persönlicher Filter allerdings nie vermeiden. Die Vernunft, die darzustellen ich versucht habe, eignet sich, da sie ein solcher „Filter“ ist, nur sehr bedingt zur Anschauung des und Herstellung eines Verständnisses der Welt dort draußen. Als Betrachtungshilfsmittel ist sie angemessen, wenn es um die Belange des Lebens von Einzelmenschen und deren Aussteuerung an das Begegnende geht. Die Psychologie (ein Instrument zur Betrachtung der Psyche = Seele?) tut übrigens ein Nämliches wie die Vernunft, stellt darüberhinaus den Zusammenhang zwischen Ausdruck (Identität/Verhalten/Ich) und So-Sein (Persönlichkeit/Anlage/Ego) her. Die Vernunft ist damit – um im Bild des Instrumentes zu bleiben – das Nahsichtfenster in den Gläsern der Fernsichtbrille Psychologie. Wie es mit allem ist, wird diese Brille auf unterschiedlichen Wissens- und Erfahrungsniveaus eingesetzt und auch schon mal auf Objekte gerichtet, die sie aber nicht erfassen kann, weil die zu untersuchenden Dinge feinerer Instrumente bedürfen.

„Schicksal“ ist ein Thema, dem die (innerpsychische) Psychologie in zweierlei Weise begegnet: Sie sieht es a) als eine höhere Macht, die das Leben beeinflusst, also ein Los, dem man ausgeliefert (von außen) ist und b) als ein Ereignis, das das Leben eines Menschen entscheidend beeinflusst, ohne dass er daran etwas ändern, es aber meistern kann. Das Betrachtungsinstrument Psychologie kommt zum Schluss, dass Schicksal in beiden Fällen eine unausweichliche Bestimmung ist, die man aber nicht weiter untersucht. Das Schicksal wird an dieser Stelle zu einer göttlichen Angelegenheit und fällt in einen anderen Zuständigkeitsbereich. Eine andere Sache ist, dass wiederum viele Menschen genau diese Determiniertheit von außen/die Gottesgläubigkeit ablehnen und dem freien (inneren) Willen den Vorzug geben. (Von den Folgen sei hier zunächst nicht die Rede.)

Zur Beantwortung von Fragen wie: „Wie kommt es, dass Menschen aus heiterem Himmel in Situationen geraten, in der sie Opfer werden?“ oder: „Was ist der Zusammenhang zwischen dem Aufleben des Populismus, der Esoterik und dem religiösen Fanatismus?“ muss man allerdings ein weiteres Betrachtungsmedium hinzuziehen, und schon erweitert sich der Blick wesentlich. Dieses Medium zur Betrachtung über die Erscheinungen hinaus ist die Astrologie. Und dieses werde ich in diesem vorliegenden Aufsatz wieder einmal – es gibt eine größere Anzahl astrologischer Aufsätze hier auf meiner Webseite – heranziehen.

Richten wir den Blick auf das Thema Trauma. Der Begriff ist derzeit nahezu allgegenwärtig. Und nicht nur der Begriff, sondern natürlich auch die Verfahren und Differentialuntersuchungen (Brille Psychologie), die einer Traumadiagnose vorangehen, und die Behandlungen, die der gestellten Diagnose folgen. Indem sich viele mit dem Thema beschäftigen, erhält es Gewicht und ist Symptom zugleich. Ein Symptom unserer Zeit: nie waren so viele Menschen traumatisiert wie heute – will es scheinen. Mich stört und ärgert der enge Blick, den aber Ärzte und Einrichtungen da auf den und die Menschen werfen. Denn das Thema ist nicht neu, es tritt allerdings in neuen Zusammenhängen auf, die es zu einem kollektiveren Anliegen machen. Die persönlichen Traumata von Einzelnen (die zu behandeln z.B. nach dem II. Weltkrieg nur inselartig gelang) sind zu einem Welttrauma geworden, und dieses ist dabei, bestimmend zu werden. Wenn Sie mögen, kommen Sie mit auf einen längeren Umweg, auf dem ich einige Bestandteile abgestellt habe, und in dessen Verlauf ich unter anderem frage, ob diese Traumatisierung, in deren Griff die Welt sich befindet, heilbar ist.

Gefundene Definitionen

In meinem Alltag habe ich jeden Tag mit Menschen zu tun, auch mit solchen, von denen es heißt, sie seien traumatisiert. Es ist nicht meine Aufgabe, sie zu behandeln; doch wenn mein Unterricht sie erreichen soll, muss ich einiges wissen. Warum der Unterricht mit sog. traumatisierten Menschen noch anderer als der üblichen Kunstgriffe des Lehrers bedarf, zeige ich weiter unten. 

Von den vielen existierenden (psychologischen) Definitionen hier eine erste:

„Ein Trauma ist ein plötzliches, intensives, gewalttätiges und schmerzhaftes Ereignis, das die psychischen Verarbeitungsmöglichkeiten eines Menschen überfordert, weil es die Psyche gleichsam überschwemmt. Schwere Unfälle, Misshandlungen, sexueller Missbrauch, Unfälle, Trennungen, sind Grundlagen dafür, sowie natürlich Naturkatastrophen, Kriegserlebnisse, Folterungen. Es verhält sich so, dass sowohl ein Übermaß an Stimulierung wie auch Deprivation Gründe für Traumatisierungen sein können. Sie haben einen Rückzug vom Körpergefühl und den Emotionen zur Folge.“ (Gisela Schwarz, 2009)

„Trauma“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Verletzung“ bzw. „Wunde“. Unter einem psychischen Trauma versteht man eine seelische Verletzung oder eine starke psychische Erschütterung, die durch ein extrem belastendes Ereignis hervorgerufen wird. Dazu gehören zum Beispiel Naturkatastrophen, schwere Unfälle, Vergewaltigungen, Terroranschläge, Kriegserlebnisse oder Entführungen. Solche Ereignisse können extremen Stress und Gefühle der Hilflosigkeit und des Entsetzens auslösen. Dies kann der Fall sein, wenn jemand selbst von dem Ereignis betroffen ist oder wenn er – etwa als Augenzeuge – miterlebt, wie andere Opfer dieses Ereignisses werden.

Das erste, schriftlich belegte, Trauma überhaupt hat vermutlich Lots Frau erlebt. Das Alte Testament erzählt von ihr und ihrer Familie, die aus Sodom fliehen müssen. Gott will Sodom und die Nachbarstadt Gomorra wegen ihrer Unmoralität vernichten, Lot wird gewarnt, dass er und die Seinen sich auf keinen Fall auf der Flucht umdrehen dürfen. “Aber Lots Frau sah sich hinter ihm um; da wurde sie zu einer Salzsäule” (1. Mo 19:26), denn sie erblickt das ganze Ausmaß des Grauens und der Zerstörung.
Im englischen Sprachraum nennt man dies „freeze“, eingefrieren: Die Erstarrung geht nicht selten mit einer völligen Bewegungslosigkeit einher, das Bewusstsein ist eingeengt, die Wahrnehmung gestört, der betreffende Mensch desorientiert, und entwickelt mitunter dissoziative Symptome. Er erfasst – so heißt es in der Literatur – die Realität nicht mehr (was Realität im Unterschied zu Wirklichkeit ist –> dazu weiter unten.)

In der internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) werden zwei psychische Störungen beschrieben, die als Reaktion auf ein außergewöhnlich belastendes Lebensereignis auftreten können: Die Akute Belastungsreaktion (ABR) und die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Kennzeichnend ist, dass beide Störungen Folgen eines traumatisierenden Ereignisses sind – ohne dieses wären sie nicht entstanden.

Über die akute Belastungsreaktion lese ich, dass sie meist bereits wenige Minuten nach einer Belastung auftritt und in der Regel innerhalb von Stunden oder Tagen abklingt, sie hält zumindest nicht länger als einen Monat an. Kennzeichen der vielfältigen, oft rasch wechselnden Symptomatik sind:

  • Bewusstseinseinengung, Desorientriertheit und Aufmerksamkeitsdefizit, der Betroffene ist wie betäubt, d.h. er distanziert sich innerlich  von dem Erlebten (peritraumatische Dissoziation)
  • Sozialer Rückzug
  • Unfähigkeit, das Geschehen in Worte zu fassen; „sprachloses Entsetzen“
  • Unruhe und Hyperaktivität
  • Erhöhtes Erregungsniveau, Gereiztheit
  • Körperliche Symptome: z.B. Schweißausbruch, Errötung/Blässe, beschleunigte Herztätigkeit, Übelkeit, Kopfdruck
  • Eventuell teilweise oder vollständige Erinnerungslücke (Amnesie) bezüglich des Ereignisses

Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) tritt als eine verzögerte psychische Reaktion auf das belastende Ereignis auf. Typisch sind

  • Symptome des Wiedererlebens, die sich den Betroffenen tagsüber in Form von Erinnerungen an das Trauma, Tagträumen oder Flashbacks, nachts in Angstträumen aufdrängen
  • Gegenstück dazu sind die Vermeidungssymptome, die meistens parallel zu den Symptomen des Wiedererlebens auftreten
  • emotionale Stumpfheit, Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit der Umgebung und anderen Menschen gegenüber
  • aktive Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten
  • bisweilen Unfähigkeit, sich an wichtige Aspekte des traumatischen Erlebnisses (vollständig) zu erinnern
  • häufiger Zustand vegetativer Übererregtheit, der sich in Form von Schlafstörungen, Reizbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, erhöhter Wachsamkeit oder ausgeprägter Schreckhaftigkeit manifestieren kann

Dass eine Traumatisierung, ein Erstarrungssyndrom gewissermaßen, eintritt, ist einerseits bedingt durch die Schwere des Erlebnisses wie andererseits durch die Intensität des Erlebens. Ein weiterer Faktor ist eine bestehende Resilienz. Resilienz gilt als die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen, unter astrologischen Gesichtspunkten möchte ich sie als das Vorhandensein einer dem Kind bzw. dem Menschen mehr oder weniger bewussten Kraftquelle formulieren. Es sind dies die Feuerzeichen-Energien, die der Erstarrung in Bewegung/Kraft (Mars), (Ich-)Stärke (Sonne) und Sinnhaftigkeit/Zuversicht (Jupiter) entgegenwirken können. Trauma „trifft“ mithin nicht jeden, wohl aber bestimmte Gruppen von Menschen mit bestimmten Konstellationen. 


Trauma in der Anthroposophie

Kehren wir zum Thema und nochmals zum „Schicksalsbegriff“ zurück und schauen, wie es damit bei Rudolf Steiner, dessen Schriften ja mittlerweile auch um die 100 Jahre alt sind, aussieht:

„Notwendigkeit und Freiheit im Schicksal

In dem Augenblicke, wo wir in die Vergangenheit blicken, müssen wir das Vergangene selbst als ein Notwendiges ansehen. Und wenn wir auf uns blicken und auch das Vergangene gegenwärtig wieder hervorbringen, wenn wir es nur bewußt hervorbringen, so stellen wir in die Gegenwart das in der Vergangenheit notwendig Vorbereitete dennoch durch Freiheit hinein. So kann derjenige der Allerfreieste sein, der das volle Bewußtsein entwickeln kann: Mit dem, was ich tue, tue ich nichts anderes als dasjenige, was geistig notwendig ist. Die Dinge lassen sich nicht mit einer pedantischen Logik entwickeln, sondern die Dinge lassen sich eben nur durch völlig lebendiges Auffassen der Wirklichkeit erschauen.“  (Rudolf Steiner, GA 166 (Notwendigkeit und Freiheit im Weltengeschehen und im menschlichen Handeln (1916)), Ausgabe 1982, Seite 95f)

Die Dinge lassen sich eben nur durch völlig lebendiges Auffassen der Wirklichkeit erschauen. Von Wirklichkeit ist im Eingangszitat von W. Döbereiner bereits die Rede. Das Wort müssen wir uns merken.

Dem Thema der Traumatisierung hat Rudolf Steiner sich folgendermaßen genähert. Zunächst sei hier das „Ich“ aus der Sicht der Anthroposophie eingeführt:

„Der Ich-Begriff, der erstmals um das dritte Lebensjahr aufleuchtet, ist der erste Begriff, den sich das Kind überhaupt bewusst bildet, nur kann er zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht wirklich erfasst werden. Doch ist damit der Punkt bezeichnet, bis zu dem man sich im späteren Leben zurückerinnern kann. Gerade dieses erste Ich-Erlebnis, an dem sich der Ich-Begriff bildet, ist eine bedeutsame Erfahrung, an die man sich später oft sehr leicht erinnern kann. Was bleibt, ist zunächst die Ich-Empfindung. Erst ab dem neunten Lebensjahr tritt dem Kind der Ich-Begriff als solcher bewusster entgegen.

Der Mensch erinnert sich im heutigen normalen Leben bis zu einem gewissen Punkt seiner Kindheit, dann schwindet ihm die Erinnerung. Obwohl er sich ganz klar ist, daß er früher schon dabei war, erinnert er sich daran doch nicht. Er weiß, daß es sein gleiches geistig-seelisches Ich ist, das ihm das Leben aufgebaut hat, aber es fehlt ihm die Möglichkeit, sein Gedächtnis über diese Stufe auszudehnen. Wer viele Kindesleben betrachtet, wird daraus eine Beobachtung machen können. Die wird natürlich nur im wesentlichen sich im äußeren Leben verwirklicht finden, aber sie ist doch richtig. Aus der Beobachtung der kindlichen Seele wird man das Resultat gewinnen können, daß die Erinnerung genau so weit zurückgeht, bis sie den Zeitpunkt trifft, wo der Ich-Begriff, die Vorstellung von dem eigenen Ich in dem betreffenden Menschenwesen entstanden ist. Das ist eine außerordentlich wichtige Tatsache. In dem Moment, wo das Kind nicht mehr aus sich selbst heraus sagt: Karlchen will dies, oder: Mariechen will dies, sondern wo es sagt: Ich will das, – von dem Zeitpunkt, wo die bewußte Ich-Vorstellung anhebt, fängt auch die Rückerinnerung an.“ (Rudolf Steiner, GA 60, S. 57)

„Wer das kindliche Leben in der richtigen Weise beobachten kann, der weiß, daß zwischen dem neunten und elften Jahr beim Kind ein Lebensentwicklungspunkt liegt, der – je nachdem, wie er von dem Erziehenden und Lehrenden erkannt wird – das Schicksal, das innere und oft auch das äußere Schicksal des Menschen [Hervorhebung von mir!] im günstigen oder ungünstigen Sinne beeinflußt. Bis zu diesem Zeitpunkt sondert sich das Kind wenig ab von seiner Umgebung, und man muß Rücksicht darauf nehmen, daß das Kind eine Pflanze vor dem neunten Jahr anders beschrieben erhalten muß als nachher. Es identifiziert sich das Kind vorher mit allem, was es umgibt; dann lernt es sich unterscheiden; dann tritt ihm eigentlich erst der Ich-Begriff entgegen – vorher hatte es nur eine Ich-Empfindung. Wir müssen beobachten, wie das Kind sich verhält, wie es bestimmte Fragen anders zu formulieren beginnt von diesem Zeitpunkte an. Wir müssen bei jeder einzelnen kindlichen Individualität auf diesen wichtigen Zeitpunkt eingehen, weil der für das ganze folgende Leben ausschlaggebend ist.“ (Rudolf Steiner, GA 297a, S. 26)

Durch ein Trauma, ein erschütterndes Ereignis, entsteht eine Situation, die das komplexe Zusammenspiel der „Wesensglieder“ – in dem das „Ich“ eben eine wesentliche Rolle spielt – zerrüttet, und dies dauerhaft. Namentlich das Zusammenspiel von Leib und Ich wird zerrissen mit allen, auch immunologischen Konsequenzen, die für das Entstehen der vielen immunabhängigen Erkrankungen in der Folge eines Traumas verantwortlich sind. Aber auch das Erleben des Ich im Leib und die Identifikation mit ihm ist gestört, der Traumatisierte fühlt sich oft wie „neben sich stehend“, das Körperschema kann in der Selbstwahrnehmung verloren gehen und der Leib wird dem Traumatisierten immer fremder. Das ist am dramatischsten bei Kindern, die noch ganz in dem Prozess der „Inkarnation“ begriffen sind, also noch kein stabiles Verhältnis zwischen Ich und Leib ausgebildet haben. Die sich vollziehende Entwicklung reißt ab, so dass die Konsequenzen für das weitere Leben nur umso größer sind.

„Jedes erschütternde Erlebnis wirkt namentlich vor dem 20. Jahre zugleich organisch – in späteren Lebensjahren findet eine solche Wirkung auch noch statt, wenn auch in geringerem Ausmaße. Nehmen Sie einmal an, ein junger Mensch habe ein ihn erschütterndes Erlebnis. Von diesen Zusammenhängen wird heute eigentlich nur das, was sich an der äußersten Oberfläche abspielt, durchschaut. Man sieht wohl darauf hin, wie der Mensch erbleicht, wenn er Angst hat, und wie er errötet, wenn er sich schämt. Man sieht aber nicht, wie ein erschütterndes Erlebnis, das vielleicht durch Wochen das menschliche Gemüt in eine bestimmte Empfindungsrichtung bringt, auch im ganzen menschlichen Organismus etwas rein physisch in eine andere Richtung bringt, als dies gekommen wäre, wenn dieses erschütternde Erlebnis nicht stattgefunden hätte.

Das menschliche Organ wird zunächst eine ganz normale Struktur haben. Diese normale Struktur reagiert nun zunächst gegen die Erschütterung. Nach einer bestimmten Anzahl von Jahren wird sich, da das menschliche Leben rhythmisch verläuft, eine gewisse Art der Wiederholung der ursprünglichen Organerschütterung einstellen. Wenn man einen 38-jährigen Menschen kennenlernt, bei dem irgendwelche seelische Anomalien auftreten, wird man diesen Vorgang nur verstehen, wenn man sich sagt: Das Erlebnis, das in diesem Fall in der Seele auftritt, weist auf ein früheres Erlebnis hin, das ebensoviele Jahre vor dem 35. Jahr liegt, als die Wiederholung nach dem 35. Jahr liegt. Der eigentliche Grund der seelischen Anomalie, die wir bei dem 38-jährigen Menschen beobachten, kann somit in einem Erlebnis liegen, das der betreffende Mensch in seinem 32. Lebensjahre gehabt hat. Das Heraufkommen des Erlebnisses im 38. Jahr versteht man, wenn man den Zusammenhang zwischen der seelischen Erschütterung, die im 32. Jahr stattfand, und gewissen physischen Organen erkennt. In einem anderen Fall kann es so sein, daß das gegenwärtige Erlebnis auf ein anderes Erlebnis hinweist, das ebenso viele Jahre vor dem 28. Jahr stattfand, als Jahre seit dem 28. Jahr verflossen, bis die Wiederholung des Erlebnisses auftrat. Eine Beobachtungsgabe muß man sich aneignen, um den Zusammenhang zwischen dem Seelisch-Geistigen und der Organologie zu erkennen [meine Hervorhebung]. (Rudolf Steiner, GA 301, Die Erneuerung der pädagogisch-didaktischen Kunst durch Geisteswissenschaft (1920), S. 238f, 1977)

Trauma nach der Münchner Rhythmenlehre

Im Folgenden trage ich verkürzt zusammen, was Wolfgang Döbereiner in den „Astrologisch-homöopathischen Erfahrungsbildern“ (Band 1) ausführlich geschrieben hat. Meines Wissens hat er nie ausdrücklich auf dem Begriff „Trauma“ bestanden, bzw. ihn erwähnt. „Schicksal“ wiederum ist bei W. Döbereiner

„[…] nie zufällig oder böse, sondern immer das Ereignis des individuellen Verhältnisses zwischen Anlagen und Verhaltensweisen.“ (Wolfgang Döbereiner, 1999)

Noch 1974 hatte er übrigens statt von einem Ereignis (also einem Geschehen, einer Domäne des 5. Hauses) von einem Ergebnis geschrieben. Ergebnis wäre die Domäne des MC, des 10. Hauses. Döbereiner beschreibt den IV. Quadranten bzw. seine Planeten als Korrektive,darin die Wirklichkeit und das Wirkliche. Den Begriff „Schicksal“ werden wir auch in der Rhythmenlehre finden – allerdings unter dem Wort „Bestimmung“ – und in der Richtigstellung hin zu einem Konzept, das vom einzelnen Leben zwar nicht willentlich beeinflusst werden kann, und doch zu ihm gehört. Die Wirklichkeit ist ein vom Leben Erzeugtes bzw. Erwirktes. Dieses bildet Gestalten aus sich, durch sich und für sich. Die Gestalt wiederum wird im I. Quadranten Erscheinung und Ausübung der Erscheinung in unserem Körper und seiner Bewegung im Umraum (physisch) und im II. Quadranten Ausdruck des Empfindens und des Erlebens (des Seelischen).

Das Wort „Wirklichkeit“ bezieht sich immer auf ein Geschehen, während dagegen die „Realität“ sich auf die Erscheinung bezieht. Das Wort leitet sich vom „Wirkenden“ ab. Das Wirkende kommt zum Bewusstsein, Wirkung entsteht durch Bewusstsein. Wirkung und Macht wiederum sind natürlich mitnichten identisch – Macht, die nicht wenige Menschen anstreben, rührt aus der Vorstellung (von sich und seinem Leben).

Die Anlagen des IV. Quadranten (in Neptun, Uranus und Saturn) sind die Regulative des „Wirklichen“, d.h. dessen, was nicht willentlich herbeiführbar ist, und befähigen dazu, über die Grenze des Subjektiven hinauszugehen. Wo dieses Transzendieren im Falle der Verdrängung des Wirklichen nicht zugelassen wird, heben sich das Subjektive (der II. Quadrant) und seine Folgerichtigkeit (auch als Erscheinung und Ausübung der Form im I. Quadranten) auf. Es gibt kein (subjektives) Ich. Das ist in Endkonsequenz die Selbstvernichtung. Bis es soweit ist, gibt es verschiedene Stadien.

Ist der IV. Quadrant erst einmal verdrängt und verneint (Gründe und Anlässe dafür weiter unten), „verhungert“ also das Subjektive – die Bewegung dieses Menschen aus sich selbst heraus stockt, er hat keinerlei Erleben mehr. Gleichzeitig, bei fehlender Bewegung aus sich selbst heraus, muss dieser Mensch quasi von außen bewegt werden. Ein Mensch ohne Eigenerleben ist ein leichtes Opfer für Vorgänge, in denen er immer wieder aufscheint und in denen er instrumentalisiert wird.

Liegt bei gleichzeitigem schwachen Ich ein starkes Ego (I. Quadrant) vor, wird der betreffende Mensch sich aufgrund der fehlenden inneren Bewegung selbst verhindern – durch reaktives Verhalten. Alles, was er tut, ist eine Reaktion auf das Außen. Immerhin ist er damit in sich geschlossen und vermag sich „durchzusetzen“.

Liegt im Falle der Ich-Schwäche (d.h. Konstellationen der Sonne zu Planeten des IV. Quadranten) ein schwaches Ego vor, ist der betreffende Mensch außerstande zu reagieren. Er ist vor dem, was an ihn herangetragen wird, gelähmt und kann weder reagieren noch sich durchsetzen.

In der Notwendigkeit, das Ego – stark oder schwach – schützen zu müssen, kommt es beim Ausfall des IV. Quadranten zur „Heiligung“ des Egos: Es tritt heraus aus der Dualität und wird absolut gesetzt, in dieser Absolutheit ist es aber unerlöst und ohne Erleben, es entsteht eine Scheinwirklichkeit, in der der Betreffende ungreifbar ist und persönlich unverbindlich und überlegen.

Ist der IV. Quadrant nicht zugelassen, und ist das Erleben blockiert, muss die Wirklichkeit ersetzt werden. Bei fehlendem Erleben ist auch kein Empfinden möglich. Ein Quasi-Leben aus dem Empfinden heraus, ist nurmehr möglich, indem man sich etwas „vorstellt“: Die Wirklichkeit der Umwelt (III. Quadrant) wird durch die Vorstellung von sich selbst ersetzt und damit wird das Subjektive zur Wirklichkeit (so geschehen im Falle der Vernunft, die zum Maßstab erhoben wird). Wenn aber das Subjektive gottgleich wird, wird es übergriffig und überträgt seine Denk- und Vorstellungswelt auf die Umwelt, die dann das Vorgestellte (aber nicht Erlebte) nachvollziehen muss. Wenn die Vernunft (eines Einzelnen) zum Maß der Dinge wird, sind wir dann nicht auf dem Weg zu einer Ideologie?

Ohne eigenes Empfinden (das Erleben ist ja bereits blockiert) aber ist man innerlich leer und muss sich, um sich zu beleben und zu ernähren, Eindrücke und seelische Nahrung von außen zuführen. Nunmehr werden Impressionen, die das betäubte, leere Innere anregen und aufwecken, gesucht. Man sucht sich im Außen Erlebnisse, die ein Gefühl von Identität vermitteln, die machen, dass man sich als Jemand fühlt. Fehlende eigene Identität wird herzustellen versucht, indem man sie einem anderen stiehlt, ihn zumindest besetzt. In Ermangelung einer eigenen Identität bei gleichzeitig großer Not greift man sich auch schon einmal eine fragwürdige Identität heraus und lebt in dieser.

Überlegenheitsgefühl, Machtanspruch, Identitätsübernahme und Beunruhigung sind Kompensationsversuche, die fehlende innere Bewegung (aus sich selbst heraus leben) zu ersetzen. Es entsteht eine Erwartungshaltung an die Außenwelt, ein Anspruchsdenken und eine unheile Abhängigkeit, die keine Lösung in sich birgt. Das ist übrigens als makrokosmischer Zustand in unserem Staate ebenso der Fall wie auf der Mikroebene des einzelnen Menschen darin. Dass das mit den Konstellationen der Epochenzeit zu tun hat, macht den Umstand nicht gerade tröstlicher und ist die Ausgangsfrage dieses Aufsatzes.

Drei Konstellationen

Oben die Definitionen – klingen doch bekannt. Und entsprechen dem, was ich danach aus Wolfgang Döbereiners Text zusammengefasst habe. In der Traumatisierung ist der IV. Quadrant ausgefallen bzw. verdrängt und das hat die oben bereits skizzierten Verhaltensauffälligkeiten bzw. Symptome zur Folge.

Der einzelne Mensch wird diese vor dem Hintergrund seines Sonnenzeichens und der Anlage des Aszendenten differenziert und individuell leben, d.h. Symptome werden – unerkannt und unartikuliert – solange als Vorgang vollzogen, bis sie ins Bewusstsein gehoben und „endlich“ gemacht werden. Frage nach der Heilbarkeit beantwortet – Aufsatz beendet.

So einfach ist es nun doch nicht. Die allen Traumatisierten gemeinsame Abspaltung des Erlebnisses wie auch die Tatsache, dass sie mit einer solchen Abspaltung von sich selbst getrennt sind, bedeutet, dass sie darüberhinaus auch von der Möglichkeit zu lernen (damit meine ich ganz konkret den Unterricht in einer Schule, bei dem sowohl Arbeitsgedächtnis wie auch Langzeitgedächtnis gefragt sind) abgespalten sind. Manche Dinge sind irreversibel! Steiner beschrieb 1920 die Zerstörung der Leib-Seele-Beziehung, Gisela Schwarz trägt neurowissenschaftliche Erkenntnisse 2009 wie folgt zusammen:

„Das Lernen von neuen Wissensinhalten erfolgt über den Hippocampus. In der Nähe des vorderen Endes des Hippocampus liegen die beiden Mandelkerne – die Amygdala. Hier werden mit einer Erfahrung verbundene Gefühle gespeichert. Normalerweise besteht eine enge Verbindung mit dem Hippocampus. Es gibt Verknüpfungen zwischen dem Erlebten und den damit verbundenen Gefühlen. Die Mandelkerne tragen dazu bei, dass wir unangenehme Erfahrungen rasch lernen und in Zukunft vermeiden.
Grosse Angst bewirkt zwar rasches Lernen, verhindert aber die Verbindung des neu zu Lernenden mit bereits bekannten Inhalten. So werden Erlebnisse, die mit starker Angst verbunden sind, nicht vergessen, können aber nicht in einen Gesamtzusammenhang gestellt werden. Die zur Verarbeitung notwendige Zusammenarbeit mit dem Hippothalamus ist gestört.
Bei anhaltender Stressreaktion sind die so genannten Stresshormone erhöht. Stresshormone wirken sich ungünstig auf die Nervenzellen aus. So werden traumatische Erfahrungen über die Mandelkerne als Gefühlszustände, Bilder oder körperliche Reaktionen erinnert, nicht aber als konkrete Ereignisse in Zusammenhang mit der äußeren Realität.“ (Schwarz, Gisela, 2009)

Von Anfang an drängte sich mir beim „Konzept“ Trauma bzw. Traumatisierung die Konstellation Uranus-Neptun auf. Sicher nicht von ungefähr. Die Lähmung vor der Schlange (aber auch die Salzsäule und die Blockade). Homöopathisch fällt mir Hypericum perforatum ein: Ein Mittel, das bei Schockzuständen nach plötzlichen, unvorhergesehenen Ereignissen mit Angst- und Panikzuständen gegeben wird. Johanniskraut ist ein Gute-Laune-Kraut und ein Antidepressivum. Doch nun zu den astrologischen Konstellationen.

1. In der Konstellation Uranus-Neptun (Verhältnis Fische/12. Haus zu Wassermann/ 11. Haus) beispielsweise sind folgende Stichworte zu nennen:

  • seelische Lähmung, im inneren Entsetzen betäubt
  • die versunkene Wahrheit, d.h. eine Erfahrung, der nicht erlaubt wird, an die Oberfläche zu gelangen und die deshalb in den Tiefen des Unbewussten versenkt wird; eine Erkenntnis will hochsteigen, der der Weg ins Bewusstsein verweigert wird
  • die Schlange
  • Handlungsohnmacht
  • In Trance der Zwangsläufigkeit der Situation ausgeliefert
  • Ohne Abwehr gegen Übergriffe
  • Gleichgültigkeit und Erinnerungslücken
  • Abspaltung von den Vorgängen der Anpassung 
  • Abspaltung des Geschehens von eigener Identität
  • der Zwangsläufigkeit von Situationen ausgeliefert und wehrlos
  • Allergie gegen Eindrücke und Erfahrungen, Allergie gegen Eigengifte

2. Im Uranus-Saturn ist das Verhältnis von Wassermann zu Steinbock gestört:

  • der Ablöseprozeß
  • Stauung des Lebensgefühls oder die Lösung der Stockung
  • die Häutung, d.h. das Abwerfen von Verbrauchtem, kommt aber nur schwer aus der Haut
  • Eisenbahn – in festen, unflexiblen Bahnen
  • die Unvereinbarkeit von Form und Inhalt
  • Unvereinbarkeit der Eltern
  • Schutz im Arrangement
  • formal-harmonische Abgrenzung
  • Unterdrückung der Impulse
  • Unverträglichkeit von Disharmonie
  • Steinbildung
  • Manierismus, Leben auf der Bühne
  • seelischer Geiz
  • Scheidung und Ehekitt-Kinder –  später dann Therapeuten
  • Umwelt soll gezwungen werden, das formale Arrangement zu übernehmen
  • das Kalkül des Denkens
  • Zwang zum Formalen führt zur Erstarrung
  • Unterdrückung d. eigenen Wirklichkeit mit Nierenschwäche
  • entzündliche Prozesse in den Nieren, in der Gallenblase

3. Im Neptun-Saturn als Verhältnis von Fisch zu Steinbock zeigt sich der fehlende Uranus, als das Fehlen der eigenen Herkunft, was sich in folgenden Symptomen äußert:

  • schwache Rechtsposition und Rechtsbrüche
  • erfolgloses Prozessieren
  • Konkurs, Schäden aus Vertragspartnerschaften
  • Auflösung des Gewesenen, innere Aushöhlung
  • schwache Abwehr, Entschlackungs-/Ausscheidungsschwäche
  • Typhus, Cholera
  • Interesse an Antiquitäten (der Ursprung fehlt)
  • Leberbeschwerden – die Reinigung fällt aus
  • die imaginäre Spielwiese: Flucht aus der Realität in eine Scheinwelt
  • weißes Marmor – Niobe, die im Schmerz Erstarrte
  • das Nichtleben der eigenen Eigenart, verquält
  • Gefühlsreservate und Inseldasein
  • Erlebnis wird ausgeschlossen
  • das Bestimmende des äußeren Lebens und der Formen versagen das Recht auf eigene Wirklichkeit
  • Erfahrung, um der eigenen Wirklichkeit willen bestraft zu werden
  • Schuldig-Fühlen
  • Tarnung der Eigenart; Verdrängen der Eigenart in die Anonymität
  • Versteinerung in Funktionalismen; man traut sich nicht, die eigene Bedeutung zu leben
  • Selbstverhinderung, weil man sich nicht traut “König” zu sein
  • Angst, von der Herde “gesteinigt” zu werden
  • Verfolgungsgefühle und Ängste (Depressionen)
  • Nebennierenrindenüberfunktion
  • erhöhte Ausschüttung von Endorphinen

Sobald eine der Konstellationen angesprochen ist, treten weitere Elemente in Gestalt ihrer Planeten hinzu. Ein verletztes Neptun-Prinzip lässt uns nach Mars und Pluto schauen; Zeichen und Haus, in dem Mars stehen, zeigen an, wo sich das verletzte Prinzip „rächt“. Mars ist das Aggressionspotential, die unstoffliche Energie, die uns vorangehen lässt oder unkontrolliert wütet. Er ist Wegreißer, Aufdecker, Angreifer, Lebensantrieb. Pluto in Zeichen und Haus zeigt an, wo die „Minen“ vergraben liegen, wo der ideologische Container bzw. das Modell zu finden sind.

Auf einer nächsten Ebene bringt jede der drei genannten Konstellationen ein komplettes Engramm mit sich, das systematisch aufgedeckt weitere Zusammenhänge deutlich macht und Aussagen zulässt.

Konstellation  beinhaltet:  beinhaltet:

Rückseite bzw. Vorderseite

Schott 1 Schott 2
Neptun- Uranus Mars-Uranus Neptun-Venus Mars-Venus Neptun-Mars Uranus-Venus
Neptun-Saturn Mars-Saturn Neptun-Merkur Mars-Merkur Neptun-Mars Saturn-Merkur
Saturn-Uranus Merkur-Uranus Saturn-Venus Merkur-Venus Uranus-Venus Saturn-Merkur

Ganz gewiss bin ich nicht die Einzige, die sicher ist, dass in einem Geburtsbild aller als „traumatisiert“ bezeichneten Menschen mehrere Faktoren und Engramme angesprochen sind. Außerdem bin ich sehr sicher, dass die „Behandlung“ nach einer akribischen, astrologischen Diagnose wie soeben gezeigt zielgerichtet und ohne die Gabe weiterer bewusstseinsverändernder Arzneimittel (die Folgeerkrankungen hervorrufen bzw. Symptome verstärken, verschieben und unterdrücken) bei der „Heilung“ erfolgreicher sein kann als manchem Offiziellen lieb ist.

Zwei Horoskopbeispiele

Viele junge Männer aus Ländern mit Kriegsschauplätzen haben sich auf den Weg nach Europa gemacht. Sie hatten auf ihrem Weg, aber nicht erst auf diesem, sondern bereits in ihren Heimatländern traumatisierende Erlebnisse. Aus den Schülern, die in meinen Kursen ankommen, ziehe ich zwei junge Männer mit einer Geburtszeit von Dezember 1998 und Juli 1999 heran. Beide sind Anfang letzten Jahres nach Deutschland gekommen und erhielten ein besonderes Aufnahmeprogramm für „unbegleitete minderjährige Jugendliche“ namens „Inobhutnahme“.

Quelle: BaMF

Die offiziellen Zahlen kann man hier einsehen:

Die beiden jungen Männer geben Afghanistan als ihr Geburtsland an, haben aber bereits in Pakistan, im Iran und anderswo gelebt. Sie sprechen Urdu, Pashto, Dari oder Farsi … Alles übrigens mehr oder weniger miteinander gemischt. Dass beide nicht zur Schule gegangen sind, erklärt sich aus der Bildungsfeindlichkeit der Taliban-Regierung bis 2001 (weiter unten ein Abriss der afghanischen Geschichte seit 1973) und den fehlenden Bildungsstrukturen im Land. Sie können in ihren Muttersprachen (im weitesten Sinne) weder lesen noch schreiben.

Horoskop I   Horoskop II
 
31.12.1998   1.7.1999

Bei einer 9.4° Sonne im Steinbock (GSP Pluto-Uranus) liegt ein Neptun-Saturn-Quadrat vor, wie auch ein Venus-Saturn (Zwang zur Integration) und Venus-Neptun (Revierunsicherheit, die Aufhebung der Reviere; Entmachtung des Bewusstseins als Befehlszentrale für seelische Reaktionen). Mars (in der Waage!) steht im Quadrat zur Venus im Steinbock und wird Austreiber dessen, was in der Gestalt liegt, im Spiegelquadrat zu Mond (du hast nicht unseren Stallgeruch). Der Mond in den Zwillingen hat eine Opposition zu Pluto (da will man reden, aber es staut sich, es fügt sich nicht, stattdessen Leidenschaft) und zu Merkur (man ist unsichtbar, bzw. spiegelt sich in den Vorgängen und in anderen Identitäten); Merkur und Pluto selbst haben keinen Aspekt miteinander.

Die Sonne als Durchführende (in diesem Verbund im Endzeichen) hat eine Spiegelopposition zu Merkur, was sie „geeignet“ macht, sich in die Regelungen von Kollektiven zu begeben bzw. in diesen Vorgang zu werden. Das Spiegelquadrat zu Jupiter in den Fischen spricht von Spannungen zwischen dem, was in die Gegenwart zu fügen wäre, und dem Subjektiven, weswegen dann ja auch Neptun-Saturn als „Konkurs“, Venus-Saturn als „Arbeit dort, wo man nicht zuhause ist“ und Venus-Neptun als „Aufhebung des Reviers“ gegeben ist.

Der Saturn in Widder wiederum bremst die der Person zur Verfügung stehende Energie aus: Mitten im Vorangehen zurückgehalten, damit mit viel Sympathikus. Mars (als Durchsetzung der eigenen Person) in der Waage im Widerstreit zwischen eigenen Interessen und denen der/des Begegnenden (die Waage ist das Zeichen der Arterhaltung, Aphrodite die Hüterin der Geschehen), Mars hier nicht handlungsaggressiv, sondern beißgehemmt voller Denkaggression. Mit Mond-Spiegelquadrat-Mars einer, der im Wertesystem des Clans nicht auftaucht und mit Mars-Spiegelquadrat-Pluto ein Vertriebener und Verdrängter. Der Mond – die Empfindungswelt – Gegenzeichen seines Sonnenzeichens – steht im Zwilling: er spricht viel, aber ohne die Bestimmung der Sprache, die dem Steinbock (aber anders als im Krebs) wichtig ist.

Es geht dem Steinbock/Saturn um die Gesetze der Dauer und er will über die Bestimmung der Gestalt der Welt wachen. Er ist die Kontur, in der sich die Bestimmung des Wachstums (dem Krebs liegt das Wachstum am Herzen) vollzieht. Der Steinbock sucht Maßstäbe. Der junge Mann erkennt durchaus Strukturen von Sprache, eine ordnende Klarheit besitzt er dennoch nicht. Von den Jugendpsychologen bekam er nach ICD 10 eine PTBS bestätigt, die medikamentös behandelt wird. Der junge Mann klagt über Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen. In Gruppen ist er kaum integrierbar.

Im Gespräch ist er höflich, beflissen, ein wenig flackernd, neugierig und beobachtend. Situationen erfasst er im Gespräch recht schnell.

 

Bei 9.1° Sonne im Krebs (GSP Pluto-Uranus) liegt eine Neptun-Mond- (in Wassermann)-Konjunktion vor, ein Neptun-Mars-Quadrat (Auflösung des Reviers, Flucht), eine Neptun-Merkur-Opposition (der Weg ins Nichts) außerdem Mars-Jupiter (der Schnitt ins Gefüge und große Reisen); Saturn hat eine Spiegelkonjunktion zu Uranus (Mutation aus der Form bzw. unterdrückte Mutation), Uranus eine Opposition zu Venus (Abwesenheit vom eigenen Gefüge, nicht vollständig durchlaufene Pubertät).

Pluto ist in diesem Horoskop unaspektiert. Die Sonne des jungen Mannes steht unaspektiert – wie in Horoskop I – auf dem Punkt der chronifizierten Schocklähmung – es gibt keine Erlösung, keinen Ausweg. Der Mond als Herrscher des Sonnenzeichens (Mond-Neptun-Konjunktion) spricht von Geschlechtsunterlegenheit und der Erfahrung des Vertriebenwerdens.

Alle Anlagen des II. Quadranten (des Verbundes Krebs-Löwe-Jungfrau) weisen Beziehungen zum IV. Quadranten auf und unterstellen das Subjektive dem Wirklichen. Wird dieses ausgeschlossen (wovon ausgegangen werden kann), bleibt nichts als Vorgang. Als solcher ist er Sklave.

Die Krebs-Sonne lebt aus dem, was sie in sich findet. Sofern sie von Regelungen umgeben ist, die es einzuhalten gilt, widerstrebt ihr dies. Ein Krebs hält nichts von Normen; normiert zu werden, ist ihm Beleidigung. Die Heimat der Krebs-Sonne ist die Sprache, in ihr will sie die Gestalten (aus dem Wirklichen kommend) anrufen, sie Gegenwart werden lassen. – Man kann sich ausmalen, was geschieht, wenn sie „Sprache“ verliert oder wenn die Sprache, die sie umgibt, ihr als Regelwerk dargeboten wird und sie keinen Bezug zwischen dem Angesprochenen in der Welt, dem Laut und dem Anklang in sich sieht.

Herrscher von Krebs ist der Mond im Wassermann – in Opposition zu Merkur (da ist er aus sich selbst entfernt, sein Empfinden gehört den anderen), ein Spiegelquadrat zu Venus (die Empfindungswelt wird zur Kulisse) – mit einer Venus im Löwen eine theatralische Kulisse auf dem Saturn-Mondknoten: Spiel mir das Lied vom … Der Löwe ist das Durchführungszeichen, und beherbergt den Mondknoten, das Endzeichen Jungfrau keinen Planeten und Merkur führt zurück in den Löwen. Die Aussteuerung des Lebens im (verhinderten) Geschehen.

Die Gefahr, Vorgang und Ausführender einer Form, z.B. der Form des Sozialen als Staat zu werden, ist gegeben. Merkur weist ein Quadrat zu Jupiter im Stier auf: die Integration in das Soziale, in ein Revier mag „gelingen“ – zum Preis der Regelung der Fügung (ohne Bestimmung). Auch hier Mars in der Waage: die Beißhemmung bedeutet, dass das austreibende Element (das Unbewusste) in der Gestalthaftigkeit des Bewusstseins hochsteigt. Als Denkaggression, nicht aber als Handlungsimpuls. 

Der junge Mann verbrachte mehrere Monate in einer psychiatrischen Einrichtung, er besuchte keine Schule, keinen Deutschkurs, kann nur in Ansätzen lesen und schreiben. Immer noch ist er unter Medikation, verlangsamt, gefasst, verdichtet. Er ist nie durch Aggressivität auffällig geworden, ist starker Raucher. 

Im Unterricht hält er die Augen niedergeschlagen,  wartet ab, liest in meinem Gesicht, sobald ich ihn nicht direkt anschaue, scheinbar dankbar für jede klare Handlungsanweisung, die er alsbald ausführt. Die Auffassungsfähigkeit ist herabgesetzt. 

Gruppenschicksalspunkte (vgl. Münchner Rhythmenlehre) beschreiben im Tierkreis bereitgehaltene Erfahrungsinhalte, die – mit dem Sonnenstand oder dem Stand (auch natürlich Überlauf) eines anderen Planeten, einer Häuserspitze darauf – als mögliches Ereignis bereitliegen: Pluto-Uranus ist der chronifizierte Neptun-Uranus. Hier liegt bereits ein gelähmtes ICH (als Ausdruck der Sonne) mit einem Ereignis des Erschreckens vor.

Von beiden ist mir keine Uhrzeit bekannt (auch ist sogar der Geburtstag fraglich), weswegen ich die Sonne auf den MC gerechnet habe. Beiden jungen Männern ist gemeinsam, dass ihre Sonne auf dem GSP Pluto-Uranus, dem einbetonierten Neptun-Uranus steht. Beide sind gewissermaßen in sich gefangen. Eine Steinbock-Sonne erlebt und verhält sich unter den Maßgaben des Herrschers Saturn anders als eine Krebs-Sonne mit dem Verbundsanführer Mond. Diesen Unterschied sieht man auch beiden jungen Männern an ihrer Haltung, ihrem Blick und ihrem Gestus an. Ich werde mir nun Gedanken machen müssen, wie man ihnen unter diesen Umständen eine neue Sprache und einen neuen Weg bieten kann, wenn überhaupt.

Hier nun tut sich eine weitere Frage auf: Aus welcher Zeitqualität kommen diese Jungen? Das kann man sich doch anschauen. Wo stehen die Generationsplaneten (die sie ja übrigens mit den Altersgenossen aus Deutschland und überall auf der Welt gemeinsam haben!)? Die Betrachtung der Planetenstände beantwortet übrigens das oben bereits aufgeworfene „Zeitcolorit“, der Hintergrund, vor dem ich vor 30 Jahren unterrichtet habe.

  Horoskop I Horoskop II
Neptun: 1° Wassermann 3.6° Wassermann r
  von 1 bzw. 8 /1998 bis 4/2011
Uranus: 10.9° Wassermann 16.2° Wassermann r
   von 1996 bis Ende 2003
Saturn: 26.8° Widder 14.3° Stier
   von 4/1996 bis 2/1999
von 2/ 1999 bis 8/ 2000 und 10/2000 bis 12/2000
Pluto: im Schützen von 1995 bis 2008

 

Neptun-in-Wassermann

Geboren sind beide Jungen in die Neptun-im-Wassermann-Zeit, dies in Kombination mit einem Pluto im Schützen. Im Schützen liegen die Anlagen der Anschauung, auch der Weltanschauung. Es entstehen Räume, die künftige Zentren andeuten, aber noch in Bewegung sind. Schütze – das ist Erwartung und mit ihr die Zuversicht, und auch Einsicht und das Einsichtsuchen in das Andere, das Ferne. Daraus ergibt sich, was wir Toleranz nennen: das Begreifen des Fremden führt dazu, es zu akzeptieren und sein zu lassen, wie es ist. Sie ist das Verständnis. Ein anderes Schütze-Prinzip ist die Jagd nach Wissen, das dann gefügt wird – Bildung im weitesten Sinne: Kultur, Hochschule, Universitäten. Verständnis wie auch Erbarmungslosigkeit – denn dem Schützen geht es nicht um den Einzelnen, das Subjekt – er brennt für die Idee (und ein Ziel), die über ihn selbst hinausgeht.

Als Neptun von 1971 bis 1984 durch den Schützen lief, begann man Schütze-Themen ernüchtert, was die Frage nach dem eigentlichen Prinzip anging, anzugehen. Neptun kann sehr klar sein: er steht der Wirklichkeit näher als der Realität. Er sieht hinter die Erscheinungen – und so entpuppen sich manche Denkgebäude als oberflächlich und egoistisch. Was heißt Denkgebäude? Um nichts Geringeres als Religion ging es, und während Neptun durch den Schützen lief, löste sich das festgedachte christliche Bezugssystem auf.

Neptun hat aber auch etwas vorgegaukelt: Mulikulti – das Traumthema nicht nur in Deutschland. Die Aufhebung aller Grenzen. Bewusstseins-Erweiterung durch Entgrenzung. Alles wurde ausprobiert. Die Anschauung der Bildung – geprägt von Hingabe an den Glauben der höheren Bildung für alle. Am Ende blieb Konfusion zurück: die Institution Schule ein Ort der Befreiung.

Als Pluto später von 1995 bis 2008 durch den Schützen lief, wuchs in das Aufgelöste (das durchaus auch eine Chance hätte sein können) ein Gespinst um die Welt. Der Ort der Befreiung – die Schule – wurde ideologisiert und alle Reformen und Bemühungen duldeten nichts neben sich, was nicht dem Dogma „Gerechte Bildung für alle“ entsprach. Wie wir wissen, wurden diesem Dogma die Anforderungen an die Abschlüsse angepasst. Nach unten natürlich. Die Computer als Virus- und Meinungscontainer okkupierten im World Wide Web die zusammengebrochenen Grenzen, jeder „User“ hat seitdem Zugang zu allem (sofern er einen Computer erreicht) und die alten Bücher, Methoden und Kulturtechniken sind überholt und ausgetauscht. Die E-Books kamen auf – die jungen Leute (wenn sie in meinen Kursen sind, erlebe ich es immer wieder) hörten auf schreiben und lesen zu lernen und verweigern sich.

Wir können inzwischen reisen ohne eine einzige Tasche zu packen. Und sind doch unbeweglich. Pluto hat die Konfusion, die nach Neptun im Schützen in der Luft hing, zu einer Informationssucht und einem Hunger nach Daten umgewandelt. Die Kinder dieser Jahre hinterfragen die Konsequenzen nicht. Ihr Immunsystem ist taub, was bedeutet, dass sie schlafen gelegt sind, für sie ist internationaler Terrorismus und Globalisierung quasi normal.

Die Ende des letzten Jahrhunderts geborenen jungen Leute tragen neben Neptun auch den Uranus im Wassermann. Was ist dessen Thema? Im Wassermann (W. Döbereiner) entspringt die Zeit: das bis zu diesem Moment Ungeteilte, teilt sich in Himmel und Erde, in Oben und Unten. Der Wassermann schöpft – aus dem großen Meer des noch Ungeschehenen, aus dem Namenlose fallen im Wassermann die Dinge in die „Schuld“ und verlassen das Unschuldige. Weshalb er gerne nach der Reinheit sucht. Ähnlich wie beim Schützen geht es um weite, offene Räume, um die Möglichkeit zur (hier: unbegrenzten) Beweglichkeit. Anders als der Schütze ist der Wassermann keiner, der in die Zentren hineingeht – er bleibt an der Peripherie, ist distanziert, kühl, neutral. Gegensätze möchte er aufheben, Hierarchien gibt es für ihn nicht. Dem Wassermann geht es um Unabhängigkeit. Gesellschaftliche Analogien sind: Originalität, Anarchie, Antiautorität, Rebellion, Revolution, Bruch mit Tradition und Konvention, Reform, Innovation, Gleichberechtigung, Klassenkampf, Utopien, Erfindungen, neue Techniken und Errungenschaften, Vernetzung, Internet und Computer.

Während Uranus durch sein „eigenes“ Zeichen lief, verstärkten sich Tendenzen der Aufhebung von Grenzen, aber auch von Räumen. Von 1996 bis Ende 2003 – das können wir im Nachhinein sagen – haben sich mit den neuen Technologien einhergehend, neue Gesellschaftsformen gebildet, haben sich Machtverhältnisse verschoben, bis dahin bestehende Gemeinschaften (unter den Durchläufen durch Schütze und Steinbock gebildet) wurden aufgehoben, deren Repräsentanten „revolutionär“ ausgetauscht. Neptun, langsamer als Uranus laufend, hatte länger Gelegenheit, im Wassermann seine auflösende, nichtende Wirkung zu zeitigen, während Uranus bereits in den kriegerischen Widder lief und wiederum für neue Mittel in der Durchsetzung sorgte. Neue Arten der Kriegsführung sind entstanden und entstehen noch.

Neptun trat am 29.1.1998 erstmals ins Wassermann-Zeichen ein, verließ es am 23.8.1998 noch einmal für drei Monate rückläufig in den Steinbock und ging am 28.11.1998 endgültig ins Wassermann-Zeichen. Dort blieb er bis zum 4.4.2011. Zwei Astrologen beschreiben die Qualität des Neptun im Luftzeichen Wassermann im persönlichen Horoskop folgendermaßen:

„… Sie öffnen die Grenzen zu ganz neuen Bewusstseinsdimensionen und tauchen in die Sphäre globaler Vernetzung aller möglichen Informationen ein. Ihre intuitiven und medialen Antennen sind auf sehr feine Frequenzen eingestellt. Sie lauschen sozusagen dem Knistern der elektrischen Ströme, die unsichtbar in rasender Geschwindigkeit durch den Kosmos und durch uns alle hindurchfliessen. Sie lösen sich von konventionellen Bedeutungszuweisungen, und Ihr Geist wird geradezu überflutet von neuen, fantasievollen Verknüpfungen. Meditativ nehmen Sie das rasante Tempo der Evolution wahr, an dem Sie teilhaben und das sich sofort als Bewusstseinserweiterung für Sie selbst auswirkt, die wiederum auf die laufende Evolution zurückwirkt. Dies ist ein Prozess von ungeheurer Geschwindigkeit mit zunehmender Tendenz, den Sie nicht mehr als unbeteiligter Beobachter, sondern als unmittelbar Beteiligter erleben. Ihre auf Liebe ausgerichtete Intuition ist in der Lage, aus dieser Unmenge von Informationen und Prozessen die heilsamen herauszufiltern und sie zu einem tragfähigen Netz zu verknüpfen, das die Menschheit insgesamt aus dem Sumpf ihrer negativen Programme von Hass, Neid Gier und Zerstörung zieht und zum inneren Erwachen für ihre positiven evolutionären Möglichkeiten führt…“1

„… Mit Neptun im Wassermann steht man den eigenen Ideologien mit einiger Illusion gegenüber. Die Einfälle, die man hat, scheinen Träume wahr werden zu lassen, und ein allgemeiner geistiger Rausch kann sich ausbreiten. Realität und Materie haben keine Bedeutung mehr. Mögen auch manche Träume wie Seifenblasen zerplatzen – die Ideen von Unendlichkeit haben dadurch nur mehr Raum. Fantasien von Freiheit können dabei alles Dauerhafte und Begrenzende umstürzen wollen, um der Realität ein völlig anderes Gesicht zu geben. Der große Traum von der Gemeinschaft, von einer freien Vereinigung von Menschen gleichen Geistes, liefern dabei den Stoff für die bizarrsten Unternehmungen. Manche Besonderheit kann sich jedoch als Illusion herausstellen und manche Idee als Wahn – und die Gruppen, die sich darum gebildet haben, können ebenso schnell verschwinden, wie sie erschienen sind. Die Zukunft ist dabei zugleich Zielpunkt der Sehnsucht und Auslöser der Angst, und ihre Fähigkeit kann eine kollektive Irritation verursachen.“2

Inwiefern diese Beschreibungen für die beiden jungen Männer stellvertretend für z.B. auch meinen Neffen oder den Sohn einer Bekannten aus Deutschland gelten, ist einen weiteren Text wert, den ich aber jetzt nicht schreibe. Nur kurz ein Überblick über politische Ereignisse….

In der Vollversion hier eine Betrachtung der Entwicklungen in Deutschland und Afghanistan und ein astrologischer Exkurs über die Stadien des afghanischen Staates in Hinblick auf die Lehre der Taliban und ein Blick auf die Koordinaten in den Astrologisch-Geografischen Karten von Wolfgang Döbereiner.

Die Angst, die Aggression und keine Lösung

„Krieg ist stets Ausdruck einer Kultur, oft sogar eine ihrer bestimmenden Größen und in manchen Gesellschaften die Kultur selbst.“ (John Keegan, Die Kultur des Krieges, 1995, S. 34)

Lesen wir kurz Sigmund Freud zu Krieg und Trauma:

„Die Kriegsneurosen sind, soweit sie sich durch besondere Eigenheiten von den banalen Neurosen der Friedenszeit unterscheiden, aufzufassen als traumatische Neurosen, die durch einen Ichkonflikt ermöglicht oder begünstigt worden sind. (…) Er spielt sich zwischen dem friedlichen und dem kriegerischen Ich des Soldaten ab und wird akut, sobald dem Friedens-Ich vor Augen gerückt wird, wie sehr es Gefahr läuft, durch die Wagnisse seines neugebildeten parasitären Doppelgängers ums Leben gebracht zu werden. (…) Das andere an den Kriegsneurosen ist die traumatische Neurose, die bekanntlich auch im Frieden nach Schreck und schweren Unfällen vorkommt, ohne jede Beziehung zu einem Konflikt im Ich.“ (Freud 1919, S. 323).

Leichte Formen von Angst kennt jeder von uns. In einer brenzligen Situation beginnen wir zu schwitzen, unser Herz fängt an zu rasen, wir zittern, uns wird schwindelig und die Knie werden weich. Angst hat etliche sichtbare, körperliche Symptome. Die kleine Angst hat ihre evolutionäre Berechtigung, denn sie orientiert uns darüber, dass eine Gefahr vorliegt, vor der wir uns schützen müssen, wenn wir nicht Schaden an Leib und Seele nehmen wollen.

Die große Angst dagegen hat sich festgesetzt, hat außer erheblichen körperlichen Symptomen auch kognitive und verhaltensbeeinflussende Auswirkungen. Es kommt zu Vermeidungsmustern, zu Antriebsstörungen und zu katastrophisierenden Gedanken.

Angst entsteht und sitzt im Gehirn. Das Limbische System ist ein phylogenetisch sehr alter Teil des Gehirns. Es setzt sich aus mehreren Bestandteilen zusammen und steuert die Funktionen von Antrieb, Lernen, Gedächtnis, Emotionen sowie die der vegetativen Regulation der Nahrungsaufnahme, Verdauung und Fortpflanzung.

Die Amygdala (paarig angelegt) wiederum ist Teil des Limbischen Systems und ein Kerngebiet des Gehirns im medialen Teil. Der Mandelkern ist für die Bewertung und Wiedererkennung von Situationen sowie die Analyse möglicher Gefahren und der daraus entstehenden emotionalen Mechanismen verantwortlich. So steuert er z.B. unsere Furcht, die Angst oder unsere Aggressionen. Der ebenfalls zum limbischen System gehörende Hippocampus steuert die Gedächtnisbildung und kann ebenfalls vegetative und emotionale Funktionen beeinflussen. Die Amygdala ihrerseits kann sowohl vegetative als auch sexuelle Funktionen beeinflussen, dient aber vor allem der Speicherung von Gedächtnisinhalten, die den Menschen emotional sehr bewegt haben.

Jede neu erlebte Situation gleicht dieses kleine Organ mit früher schon einmal erlebten Situationen und daraus abgeleiteten Informationen ab. Traumatische wie auch schöne Erlebnisse werden in der Amygdala abgespeichert. Tritt eine ähnliche Situation auf, erkennt sie diese und schlägt – im Falle einer als große Gefahr gespeicherten Erfahrung – „Alarm“, indem sie den Ausstoß von Stresshormonen wie Adrenalin oder Noradrenalin einleitet. Die Folge sind die oben bereits erwähnten körperlichen Zustände wie Herzrasen, Schwindel oder Übelkeit, und emotionale Zustände wie Trauer, Wut oder auch Aggressionen.

Die Vernetzung im Gehirn spielt eine wesentliche Rolle. Das, was wir das rationale Denken nennen, ist fest im Großhirn verankert. Der Informationsfluss von Amygdala zum Großhirn ist schnell, viel schneller als eine Meldung vom Großhirn an die Amygdala. D.h. wenn Gefahr gegeben ist, wird das Denken abgeschaltet, und der Mandelkern stellt entsprechende Reaktionsmöglichkeiten zur Verfügung. Die impulsgeleitete Reaktion auf einen Trigger geht ohne Umweg über das rationale Denken.

Erst wenn die Situation entschärft ist, gelingt es dem rationalen Denken, die Situation auch gedanklich abzuschließen. Diese Information erreicht die Amygdala sehr langsam, was heißt, dass der Abbau der Stresshormone wie auch die Abnahme körperlicher Symptome im Verhältnis zur Eskalation verzögert abläuft. In chronischem Alarmzustand, wie er sich bei nicht behandelten Traumata und Dissoziationszuständen einstellt, wird die Amygdala ständig mit Alarmbotschaften befeuert und das rationale Denken (allenfalls möglich ist, sich neue Gefahren zu denken!) bleibt dauerhaft ausgeschaltet. Ein Lernen, oder auch nur ein Aufruf, sich doch zusammenzureißen und nachzudenken, verpuffen bei derlei Zuständen.

 

Es folgt ein Kapitel: In eigener Sache. Das Drama des begabten Kindes (Alice Miller).

An dieser Stelle abgekürzt, mehr und besser sortiert gibt es vom Thema in der überarbeiteten Fassung.

Versuch einer Zusammenschau und Ausblick bis hierher

Tja, was wollte uns der Autor mit all dem sagen? Ich frage mich das gerade selbst, nachdem ich dem Leser alle Fäden vorgelegt habe.

Eine Puppe aus Salz reiste auf der Suche nach sich selbst Tausende von Meilen übers Land, bis sie schließlich ans Meer kam. Sie war fasziniert von dieser seltsamen, sich bewegenden Wassermasse, die ganz anders war als alles, was sie bisher gesehen hatte.
„Wer bist du?“ fragte die Salzpuppe das Meer.
Lächelnd erwiderte dieses: „Komm herein und sieh selbst.“
Also watete die Puppe in die See. Je weiter sie hineinging, desto mehr löste sie sich auf, bis nur noch sehr wenig von ihr übrig war. Ehe der letzte Rest verging, rief die Puppe verwundert: „Nun weiß ich, wer ich bin.“ (aus: Anthony de Mello „Warum der Vogel singt“)

Egal, wohin wir schauen – die Nachrichten von den Geschehnissen dieser Tage durchzieht auf allen Ebenen das gleiche Prinzip. Neptun läuft durch sein eigenes Zeichen und er prägt mit jeder seiner Stellungen in den Tierkreiszeichen den Zeitgeist wesentlich mit (genauer werde ich das im Aufsatz über Alexander v. Humboldt aufzeigen). Die letzten Durchgänge Neptuns durch das Zeichen Fische finden wir in folgenden Zeiten:

  • 1193 bis 1206
  • 1356 bis 1370
  • 1520 bis 1534 6
  • 3.3.1684 bis 14.9.1684 
  • 2.1.1685 bis 30.4.1687 
  • 8.9.1697 bis 1.3.1698
  • 26.4.1847 bis 11.7.1847 
  • 18.2.1848 bis 15.10.1848
  • 6.12.1848 bis 13.4.1861 
  • 1.10.1861 bis 14.2.1862 

In Neptun-in-Fische-Zeiten werden die Dinge auf Anfang zurückgestellt.  Für das Verständnis der jetzigen Ereignisse reichen die Monokel der vorangegangenen Jahrhunderte nicht aus, ebenso nicht die bereits angeschlagenen Linsen aus vergangenen Dekaden, die Entscheidungen, Handlungen und Gedanken unter völlig anderen Voraussetzungen hervorbrachten. Sie weisen Muster auf, die Feinheiten müssen wir herausarbeiten. Neptun wirft Fragen nach „Spiritualität“ auf, die im weitesten Sinne die Überwindung der sichtbaren Welt und den Eintritt in die Welt des Geistigen und des Hintergründigen beschreibt.

Oder – mit der Münchner Rhythmenlehre gesprochen – den Eintritt in die Welt, in die keine Absicht hineinreicht und in der die Möglichkeiten des Ungewordenen unendlich sind und in die das Gewordene wieder versinkt. Nichts, das uns Angst machen müsste im Kreislauf aller Dinge. Aber doch ist Verhängnisvolles eingetreten:

„Zum Zwecke wissenschaftlicher Untersuchungen wurde an einem Tiger ein Funkgerät angebracht. Es sollten die Bewegungsabläufe wie der Bewegungsradius des Tigers festgestellt werden. Dieses Tier, im Kalkül des Menschen, ist kein Tier mehr, zur Wirklichkeit des Tigers gehört das Tigerhafte, Unkontrollierte. Mit der Wirklichkeit des Tigers wird dem Wirklichen eine weitere Möglichkeit genommen, einen Platz im Realen zu finden, Erscheinung zu werden, – so dass der Himmel seinen Anteil auf Erden im Tiger verliert.“ (Wolfgang Döbereiner, Erfahrungsbilder, Band 2)

Die Zerstörung der Wirklichkeit beunruhigt die Menschen, auch wenn sie sie nicht begreifen, ja noch nicht einmal sehen und schon gar nicht artikulieren können. Aus unterschiedlichen Planeten-Epochen kommend, erschrecken sie in unterschiedlichem Ausmaß, reagieren unterschiedlich auf die Ereignisse der Gegenwart, von der sie immer weniger verstehen, sie deshalb nachgerade heraufbeschwören. Die Psychologie kann aufzeigen, wie sie als Individuen damit umgehen, auch in der Flucht in psychische Krankheiten; sie kann kurzfristig Verhaltensänderungen verschreiben – und Psychopharmaka natürlich. Und dann machen Menschen weiter wie bisher.

Die Psychologie interessiert sich für Menschen, nicht für andere Wesen, z.B. für Tiger oder Bäume oder Meere. Es ist aber das Meer (des 12. Hauses) – das mythologische ist schon lange untergegangen – es ist das reale Meer der Erscheinungswelt, das krank ist. Das zu benennen ist leider keine Paranoia, sondern das, was übriggeblieben ist. 

Im Angesicht dieser Diagnose, die u.a. die Astrologie stellen kann, kann man schon erschrecken. Die Reaktionsmöglichkeiten wie auch die Möglichkeiten zur Kompensation aber werden immer geringer – es gibt immer weniger Möglichkeit auszuweichen. Ignoranz, Falschdarstellungen, Hinwendung zu fundamentalistischen Religionen, Kriege, Verleumdungen, Machtgier und Herkunftslosigkeit mit Flucht nehmen Überhand.

Es gäbe etwas zu verstehen, doch zeigen mir ein Blick sowohl auf meine eigene Lebenswelt wie auch auf die meiner Mitmenschen, dass es für ein „großes“ Verstehen offensichtlich zu spät ist. Es sind zu viele Salzsäulen entstanden, es sind zu viele eingefroren. Die jungen Eingefrorenen mit den unerlösten Pluto-Uranus-, den Neptun-Uranus-, den Neptun-Saturn-Konstellationen werden im Meer aufgelöst. 

Ist dieses Trauma heilbar? Wie bringen wir die jungen Leute da wieder heraus? Über das Trauma von GAIA – unserer Erde -, wozu es durchaus Bücher gibt, Hinweise, Signale, werde ich ein andermal schreiben. Damit vielleicht endlich mal alles, was es zu verstehen gibt, zusammenläuft. Wie gesagt, es gibt viel zu verstehen.

 

1 – http://www.horoskop-paradies.ch/horoskop/neptun/wassermann.html

2 – https://sites.google.com/site/astromahr/berufshoroskop/neptun-im-wassermann

6 – Zu jener Zeit galt noch der julianische Kalender, deshalb sind hier nur die Jahreszahlen angeführt.