BILDARBEITEN

Eine kurze Unterweisung

Ein Buch ist nichts ohne den Text, der zwischen den Buchdeckeln steckt. Das Bild auf dem Buchdeckel kann den Text krönen oder ihn schützen oder ihn abwerten. Eine gute Gestaltung auf dem Deckel öffnet die Neugier. Weiter unten sehen Sie einige der Buchdeckel, die ich in meiner Verlagszeit und seit 2014 (mit)gestaltete. Dass meine Vorlieben nicht unbedingt jedem gefallen, muss ich nicht dazu sagen, oder?

Am Anfang steht meistens (aber nicht immer) ein Grundriss. Hier das Beispiel eines A-5 Buchdeckels mit Hardcover-, Ringbuch- und Paperbackvorlage. Druckereien bieten online-Kalkulatoren an, die einen solchen Buchaufriss für die genaue Seitenzahl ausrechnen und aufzeigen (z.B. http://www.bookstation.de/)

Das sind Formalien, die sein müssen und den Rahmen liefern – aber sie sind nicht die Hauptarbeit und nicht die Hauptquelle der Ideen für die Ausgestaltung. Die Geschichte, der Text inspirieren mich viel mehr. Zuerst fallen mir Farben (und hier achte ich auf Kontraste, bzw. die Wirkung von Ton-in-Ton) ein, dann kommen Formen dazu, eingebaute Fotos oder Bilder… Meistens bekomme ich Vorgaben von den Schriftstellern, die ihr Werk mit ganz bestimmten Bildern visualisieren. Diese „Vorlagen“ versuche ich auszuarbeiten, so dass sie – wie überhaupt jeder Text – die ursprüngliche Idee andeuten, aber auch Raum für Ausdeutungen von Seiten des Betrachters lassen.  Weglassen ist das Instrument der Wahl.

Schriften, die Größe der Schrift – soll sie über die ganze Breite oder nur dezent verlaufen, soll sie gebogen, gerade, lustig oder klassisch sein? – Die Vorderseite sollte nie zu voll sein. Außerdem sollte der Blick des Lesers gelenkt werden: Die Wirkelemente in meinem Bild werden von ihm erfasst und dekodiert. Worauf möchte ich ihn besonders hinweisen? Auf ein Bild oder einen Schriftzug? Die Konzentration auf wenige Motiv-Elemente ist das beste Mittel, beim Betrachter die gewünschte Wirkung zu erzielen.

Aus „leer“ wird „voll“ – aber nach welchen Kriterien?

Auch Klappentexte auf der Buchrückseite sollten nicht zu lang sein. Dabei ist es wichtig, die Inhaltsangabe interessant zu formulieren, ohne die Pointe zu verraten. Blocksatz oder Flattersatz? – Das hängt von der eigenen Vorliebe ab, aber auch von der Raumaufteilung und der Bewegung im Raum. – Abraten würde ich von „mittig“ formatierten Texten. Dieses Stilmittel ist sehr spezial und muss vorsichtig eingesetzt werden. Man kann es einsetzen, wenn man mit dem geschriebenen Wort „malen“ möchte – eine Figur oder ein Symbol z.B. (s.o.). Beim Betrachten der Buchdeckel, die ich im Laufe der Zeit entworfen habe, wird meine eigene Entwicklung deutlich: Zu Beginn überwiegen die mittig gesetzten Texte, schließlich aber von mutigeren Entwürfen abgelöst. 

Stilübungen an einem Kinderbuch (A5 quer mit Rücken): Verspielt, viele Effekte? Gestalten mit dem „Goldenen Schnitt“? Viele denken, in der Symmetrie, und zwar der 1:1-Symmetrie, läge die Schönheit. Die Harmonie vielleicht – die Schönheit aber noch lange nicht. Diese liegt an der Grenze zur Unordnung und kommt erst durch erzeugte Spannung  voll zur Blüte.

Seit der Antike ist „bekannt“, dass Menschen von einer bestimmten geometrischen Teilung einer Strecke, dem „Goldenen Schnitt” besonders angezogen werden. Euklid von Alexandria (griechischer Mathematiker, 325-270 v. Chr.) erkannte dieses besondere Streckenverhältnis bei seinen Untersuchungen über Platonische Körper. Später beschäftigte sich der Mönch Luca Pacioli di Borgo San Sepolcro (1445 – 1514) mit Euklids Arbeiten. Er nannte diese ästhetisch perfekte Streckenteilung „Göttliche Teilung“. Die mathematische Formel des Goldenen Schnitts:

a : b = b : (a + b)

Der kleinere Teil verhält sich zum größeren wie der größere Teil zum Ganzen. Ich gehe nun nicht mit dem Lineal an die Positionierung der Elemente heran, aber ich achte darauf, dass die wichtigen Motive auf einem der Schnittpunkte der Linien liegen, wie sie der Schnitt hervorbringt: Strecken im Verhältnis 2:3, 3:5 usw. geteilt. So empfindet unser Auge die Bildaufteilung als angenehm. Und mit der Zeit bekommt man einen Blick dafür. Manche Motive wirken sogar noch intensiver, wenn man die Bildaufteilung stärker in Richtung Bilddrittelung ausrichtet (hier gibt es eine ausführliche Beschreibung!).

Für die Gestaltung von Einbänden lassen sich 7 wesentliche Punkte zusammenfassen:

  1. Wählen Sie ein ausdruckstarkes Bild, das Bezug zum Thema hat
  2. Auf der Vorderseite ordnen Sie höchstens 5 Elemente an
  3. Teilen Sie den Raum nach dem „Goldenen Schnitt“
  4. Innerhalb dieser Aufteilung achten Sie wiederum auf Klarheit und klare Schriften – es sei denn, Sie wollen verwirren! – Aber das kann sich als nachteilig erweisen.
  5. Wählen Sie die Farben der Schriften so, dass sie sich a) an das gewählte Bild und b) im weitesten Sinne an den Inhalt anlehnen.
  6. Beachten Sie Farbkontraste (stark oder schwach?) bzw. setzen Sie sie ein
  7. Lenken Sie die Blick- bzw. Leserichtung des Betrachters. Worauf soll er unbedingt blicken?