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SATURN-PLUTO – PLUTO-SATURN

PLUTO-SATURN – „DIE ÄGYPTISCHE GEFANGENSCHAFT”

Skorpion Steinbock – Form und Bestimmung

  • der fehlende Maßstab
  • der Gesetzesentwurf
  • Moses-Konstellation (ausgesetzt ohne Wissen um Ursprung)
  • gefangenes Schicksal (Ägyptische Gefangenschaft, Sklaventum)
  • geistige Strenge (auch gegen die Interessen des Egos)
  • Hüftgelenksbeschwerden
  • Radikalisierung
  • Stockholm-Syndrom
  • Begründungslieferant für Intellektualismus
  • Terrorismus
  • verkrampfte körperliche Grundhaltung
  • verplante Zeit
  • Vorstellung vom Schicksal (Reinkarnationsvorstellungen???)

Zusammenhänge

(Pluto in Steinbock) – Pluto (Wächter der Erfahrung) sagt zu Saturn: Ich unterstütze dich dabei, die Maßstäbe des Wirklichen zum verbindlichen Konzept zu machen, indem ich Überkommenes transformiere.

(Saturn in Skorpion) – Saturn (Hüter der Wirklichkeit) sagt zu Pluto: Ich unterstütze dich dabei, kollektive Erfahrungen, die in dir gebunden sind, höheren Bestimmungen zuzuführen, indem ich sie auf Wahrheit prüfe und Unwahres nicht bestimmend werden lasse.

Auch wenn Pluto-Saturn im Individuum angelegt ist und dort natürlich im Kontext mit seiner Häuserlage gedeutet wird, hat die Konstellation eine überindividuelle Relevanz, denn die beiden Planeten bewegen sich langsam durch ihre Zeichen und bestimmen eine ganze Kohorte von Menschen. Derzeit befinden sie sich in Konjunktion im Steinbock.

Der große Haken bei Pluto-Saturn liegt im ausfallenden Jupiter. Die Fügung fehlt, weil im Zuge des ausgefallenen Prinzips der Gestalt ein Verneintes zum Ursprung gekommen ist. Aufgrund dessen fällt das eigene Schicksal aus, und in die Gegenwart bzw. in die Erscheinung gelangt die Versehrung des Gewachsenen, das ohne Mitte und Maß nur unerlöst wuchern kann.

Wolfgang Döbereiner nennt die Konstellation „die ägyptische Gefangenschaft“ bzw. die „Moses-Konstellation“: Die Juden Israels waren in ägyptischer Gefangenschaft in fremdes Schicksal geworfen, wie auch Moses, der auf dem Fluss ausgesetzt, von einer ihm fremden Mentalität großgezogen wurde, und diese schließlich übernahm. Einer, der seine ihm eigene Natur nicht leben darf oder kann, neigt später zur Fixierung auf Rechtfertigung. Je unbefriedigender das Leben im „Falschen“ wird, umso dringender wird die Suche nach der Bestimmung, die sich meistens aber in rigiden Regelungen erschöpft. Saturn-Pluto, der real in seinem Unschicksal verregelt wird, neigt zu Rachsucht, teilt eben das aus, was er selbst als Kreuz zu tragen meint.

Auch die Bezeichnung „Stockholm-Syndrom“ besagt, dass man erst das Opfer einer Besetzung und Gefangennahme wird, im Laufe der Besetzungsdauer die Identität der Täter übernimmt und deren Anliegen vertritt, dies sogar vehementer und radikaler als der ursprüngliche Täter.

Da hierbei die fehlende eigene Bestimmung keinen Ort des Daseins erschafft, muss man sich in Vorgängen bestätigen und diese immer wieder durchführen. Die getätigten Vorgänge vertritt man in ernster Zuständigkeit und mit Sturheit, und Verstelltheit. Mit geistiger Strenge werden außersubjektive Wahrheiten (ungeprüft) übernommen – auch wenn sie sich gegen die subjektiven Interessen und das eigene Leben wenden. Das Empfinden ist eingeengt bis eliminiert und es fehlen intersubjektive Ausgleichbewegungen. Der Mut zur Wahrhaftigkeit (der im Krebs und im Empfinden[1] liegt), wird von der Verdrängung, dass man sich instrumentalisieren lässt, überlagert. Terroristen haben sich z.B. einem „höheren Auftrag“ verschrieben und vertreten diesen ideologisch und radikal. Oft werden ursprünglich nicht-religiöse Belange zur Pseudo-Religion erhoben, die absoluten Gehorsam einfordert (Islamischer Staat, RAF, Umwelt-Aktivismus).

Parallel-Konstellationen im Engramm des gegenwartslosen Lebens

Die Erscheinungsseite des Saturn-Pluto ist Merkur-Sonne als das geregelte Dasein im sich immer wieder wiederholen müssenden Vorgang ohne Lösung. Man ist im Kalkül eines Kollektivs, dem man sich zugehörig meint. (In der Krise, die wir zurzeit erleben: das Toilettenpapier, dessen es zur Reinigung des Verdrängten bedarf.)

Gleichzeitig ergibt sich als eine Diagonale Sonne-Saturn, der sich fleißig und angespannt verbraucht. Die zweite Diagonale legt Merkur-Pluto fest: er ist der Identitätslose, der unerkannt zwischen den anderen vegetiert und nur durch Übernahme derer Identitäten existiert. Im ersten Schott ist im Saturn-Merkur der Parasympathikus ausgeschlossen und im zweiten – der Folgeblockade Sonne-Pluto – liegt die Verhinderung des Lebens als Fließendes. Das Engramm zeigt die anfängliche Fremdbestimmung einer Identitätslosigkeit mit der Übernahme fremder Identitäten und in Endkonsequenz die Vernichtung des eigenen Lebens.

Eine mittlere Blockade ist Jupiter-Mond – die Fügung des Empfindens bzw. die Fügung der Gestalt zum Geschehen aus dem Empfinden heraus ist nicht gewährleistet, das Wachstum ist ohne Maß und verlässt die Grenzen seiner Bestimmung. Sekundär Teil des Engramms der Königskonkurrenz, jedoch bereits in chronifizierter Form.

Vorgeschlagene homöopathische Mittel

Platinum LM 12, Aranin C 30, Raphanus sativus D 12

Beispielhoroskop

Georges Prosper Remi, alias Hergé, 22.5.1907, 7:30 Uhr MEZ, Brüssel
Die Sonne liegt im Endzeichen des Verbundes (Zwillinge), der im 12. Haus endend im 10. Haus beginnt. Damit liegt der I. Quadrant komplett im IV. Erscheinung und Ausübung der Erscheinung stehen im Ursprung, an der Teilungsstelle in Zeit und Form und an der Pforte zum Unbenannten. Auf jeden Fall sind die Realitätstauglichkeit und die Reaktionsfähigkeit herabgesetzt, so dass man sich anderen Dingen als der Realität widmen kann.

Der Zwilling ist der „Grafiker“ und Zeichner – im 11. Haus schöpft er (Löwe in Haus 2) auf sachlich-neutrale Art und Weise Erlebniswelten und gibt ihnen eine Form. Die Stärke des Zwillings liegt in der Fläche, die er mit wenig Variation aufteilt und mit klaren Strichen umreißt. [2] Doch wir sind bereits im Endzeichen.

In der Exposition haben wir den Widder mit einem Mars im Steinbock (auf Mars-Saturn-GSP) im 6. Haus. Energie trifft auf erschwerte Ausübung – die Form ist versehrt, so dass die Bewegung aus dem Ruder zu laufen droht und eingefangen werden muss, auch die Wahrnehmung ist eingeschränkt, stattdessen ist man sehr gebündelt, fokussiert. Die Aussteuerung an das Veränderliche ist geregelt, beim Auftauchen von Widerständen wird für das Aussteuern mehr Energie als nötig aufgebracht. In Haus 6 steht außerdem Uranus, der einen Kontrapunkt setzt: er will expandieren, will ausbrechen – die Exposition steht damit auf dem Boden von Lebensumständen, die von Mangel und Aufhebung geprägt sind. Sie sind gleichermaßen bescheiden und doch ästhetisch überbordend. Es gibt eine Ordnung der Dinge, Überflüssiges wird nicht geduldet.

Der Herrscher des 7. Hauses – Saturn – steht am MC in den Fischen, und man kann ahnen, dass hier für diese Person Maßstäbe aus der Begegnung bestimmend werden. Sie lebt in einem Klima des öffentlichen Bewusstseins, das ihr Leben nach dem Wirklichen ausrichtet. Und immer weht ihm der Wind des Zeitgeistes entgegen. Im Widder steht Venus als Bewegungselement des Durchführungszeichens, das langsame Element als Masse im Schnellen, Materielosen. Mars-Venus als Energie, die auf Gewebe trifft und es irritiert, ist die Erscheinungsseite von Neptun-Uranus. Es fehlt – dem müssen wir noch nachgehen – offensichtlich nicht nur die Zeit, sondern hier darf etwas nicht im Bewusstsein der Gegenwart auftauchen. Mit Merkur im Stier artikuliert er Stierthemen: Gemeinschaftliches, Geschlossenheit, Sicherheit und Bewahrung, und als Sonne-Merkur in der Ausübung. Die Funktion folgt der Form. Wohin führt dies schließlich? Zu einem Pluto auf dem Uranus-Neptun-GSP. Um sicher zu gehen, dass eine Wahrheit nicht ans Licht kommt, wird ein Deckel darauf gesetzt. Pluto kommt aus dem 5. Haus: das eigene Leben wird mit einer Vorstellung besetzt, der man sich unterwirft. Indem das Böse, Unterdrückte, Gewaltsame in die Welten ohne Zeit gelegt wird, erlangt man in übernommenen Rollen Erlebnisse. Doch Pluto in 12 ist eine Mine, die im Unterbewussten aller liegt, ebenso wie Jupiter-Neptun in 12 stehen und vom Untergang des Ursprungs und der Bestimmung erzählen. Pluto hat ein Quadrat zu Saturn am MC: eine Besetzung wird bestimmend gemacht.

Gespalten ist der Mann; er hasst die Moderne und ist doch derjenige, der sie vorantreibt: Sonne in 11, Zwilling, der die modernen Möglichkeiten skizziert – gegen den Steinbock und die Stier-Durchführung. Strenger Katholizismus und der Drang zum Atheismus – hier zeigt sich die Pseudo-Lösung des Zwiespaltes wieder im Mond-Pluto, der „Ausstiegsluke“ aus dem Falschen. Er ist eine Diagonale der Konstellation Jupiter-Neptun in 12.

Vorausgesetzt, die Geburtszeit stimmt, läuft das Kind am 22.11.1912 im Alter von 5 Jahren über den Pluto, der auch ein Quadrat zum Mond in der Jungfrau in Haus 3 hat. Das ist noch vor dem Ersten Weltkrieg, ungefähr zur Geburtszeit seines Bruders Paul. Später ist es das Aussehen von Paul, das im gezeichneten Tim auftaucht. Was immer zu dieser Zeit geschehen ist, es wurde ein Thema – die Erbsünde. Hergé war Zeit seines Lebens um Wiedergutmachung bemüht.

Der belgische Autor und Zeichner, „Erfinder des modernen Cartoons, Georges Prosper Remi wuchs in einem sehr katholisch-konservativen Mittelschicht-Elternhaus auf. Seine wallonische Mutter war schwermütig, der flämische Vater oft abwesend. Der Vater des Jungen (geb. am 1.10.1882) hatte einen Zwillingsbruder, ihr Vater blieb unbekannt. Es gibt zwei Mutmaßungen über den Ursprung der Kinder: als Vater käme Coismans Alexis, ein junger Schreiner aus Brüssel, oder ein adliger Diplomat in Serbien in Frage. Eine versunkene Herkunft. Der Junge trat in seiner Kindheit in die katholische Pfadfinderjugend ein und beschäftigte sich (notgedrungen) bereits früh mit dem Zeichnen. 1921 veröffentlichte Hergé in der Zeitschrift jamais assez seine erste Zeichnung, er befand sich 1922 unter dem Einfluss der Association des Scouts Baden-Powell de Belgique, einem katholischen Pfadfinderbund. Die versunkene Macht der Sekte, er hatte den Jupiter-Neptun unzugänglich gemacht. Nach dem Realschulabschluss 1925 arbeitete er bei der katholischen Zeitung Le XXe Siècle. 1928 – 21-jährig – überlief er den Saturn im 7-er Rhythmus und in der Fügungsrichtung: Sein späterer, fragwürdiger Mentor Abbé Wallez (Antibolschewik, Antiamerikaner, Antikapitalist und Antisemit) legte ihm die Kinderseite von Le XXe Siècle ans Herz und bat ihn, einen mutigen, unerschrockenen Charakter als Helden, der moralisches Vorbild für den Nachwuchs sein sollte, zu erfinden. Das wurde die Geburtsstunde vom ewig jungen Reporter Tintin, der mit seinem Hund um die Welt reist. Am 10. Januar 1929 erschien „Tim im Lande der Sowjets“. Vom Charakter her repräsentierte Tim (nicht in diesem – da war er noch zu sehr unter Einfluss -, aber in späteren Comic-Abenteuern) wohl erst einmal den Autor selbst – oder ein Wunschbild seiner selbst. Tims Äußeres hingegen war nach Meinung von Hergé-Kennern unter anderem vom jüngeren Bruder Paul inspiriert.

Hergé entwickelte Mitte der fünfziger Jahre mehr und mehr Depressionen, hatte Schuldgefühle, weil er sich als verheirateter Katholik in eine Mitarbeiterin verliebte, sie eine heimliche Beziehung lebten, er also eine Art Doppelleben führte. Er zeigte Albträume, in denen er in weißen Flächen gefangen war und schrieb schließlich „Tim in Tibet“ als Abbild seiner eigenen Lebenssituation, löste damit seine Schuld? Saturn in Fische überlief er 1970, aber bereits ab 1945 bis 1952 war Saturn über den Steinbock „angesprochen“. In den 60er Jahren begann Hergé zu malen und entdeckte die abstrakte Malerei. Seine Freunde und Fans aber wollten ihn wieder als Vater von „Tim und Struppi“, und so kehrte er zu Feder und Tusche zurück. Ausbruch gescheitert. 1975 ließ er sich von seiner ersten Frau scheiden und heiratete am 20.5.1977 70-jährig seine Geliebte. Mit 1 Jahr/Grad stand er in beiden Rhythmen in einem Venus-Zeichen, und die Venus steht auf 29°36‘ im Widder. In den 7-er Rhythmen ist Jupiter angesprochen. Es schließt ein Kreis aus seinem 13. Lebensjahr von 1921.

Hergé erkrankte an Leukämie[3], wurde am 25. Februar 1983 ins Krankenhaus eingeliefert. Am 3. März 1983 starb er gegen 22 Uhr an einer Lungenfehlfunktion (etwa in der Nähe von GSP Mond-Pluto im Fügungsrhythmus, GSP Mars-Jupiter im Phänomen, und unter Einfluss von Sonne und Merkur bei einer Sonne-Merkur-Konjunktion alias „Lösung“ Saturn-Pluto. Saturn-Pluto war auch im Transit gegeben und zwar in Opposition zur Venus in Haus 10.

[1] Über den direkten Zufluss aus dem Unbewussten, dem 12. Haus/dem Fisch – die Wahrheit.

[2] https://www.welt.de/kultur/article886394/Herge-und-die-Klarheit-der-Linie.html

[3] WD, Mythos, S. 382: Leukämie beinhaltet zwei Komponenten: Merkur-Uranus und Mars-Pluto.

 

aus: Astrologische Konstellationen, 2019