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PROSA-SCHNIPSEL VI

Nachtschatten

In Norddeutschland gibt es nicht viele Berge. Recht besehen eigentlich gar keine, denn richtige Berge haben eine Höhe, die weit über dem liegt, was man in Norddeutschland vorfindet. Der Wilseder Berg ist z.B. 169,2 Meter hoch, der Falkenberg 150 Meter und der Trelder Berg ist noch nicht einmal ein Berg, sondern allenfalls eine Anhöhe. Am Trelder Berg kreuzen sich zwei Bundesstraßen. Die B 3 läuft von Norden nach Süden und die B 75 von Osten nach Westen. An der B 75 liegt mein Dorf, in dem ich seit 33 Jahren nicht mehr lebe, vier Kilometer in südlicher Richtung vom Trelder Berg entfernt.

In den ersten Jahren meiner Schulzeit bin ich mit dem Fahrrad nach Trelde gefahren. An der B 75 entlang schmiegte sich ein neu angelegter Fahrradweg, 1,50 m breit und aus hellgrauem Beton, mit Abschnitten, die von schwarzen Lakritzstreifen – dass sich das Bitumen nannte, erfuhr ich erst viel später – unterbrochen waren. Ich habe öfter angefangen, die Hubbel, über die ich fuhr, zu zählen, bin aber nie bis zum Ende gekommen, weil meine Gedanken schon nach 100 Metern ganz woanders waren. Auf dem Hinweg war ich meistens zu müde, um wahrzunehmen, was es rund herum gab. Besonders im Winter beschränkte sich das Gesehene auf den Lichtfleck, den ich durch mein Treten erzeugte, ein paar Meter vor mir auf dem Beton. Ich fuhr durch einen Tunnel, an dessen Wänden ab und zu die Schemen von Autos vorbeihuschten. Im Frühling oder Sommer war das anders. Vom ersten Grün der Birken und Kastanien wurde ich Zeugin ebenso wie von den geisterhaften Arbeiten an der Straße oder auf den Feldern: Niemand war zu sehen, aber jeden Morgen sah ich neue Spuren dessen, was in meiner Abwesenheit gemacht worden war. Die Felder wechselten im Laufe des Jahres ihre Farben. Erst waren sie erdenbraun und sorgfältig gefurcht. Mit wenig Mühe konnte ich nachvollziehen, wie der Pflug am Ende einer Spur gewendet hatte. Mein Lieblingsfeld war das Weizenfeld. Im späten Frühling war es mein Meer, über das der Wind nur leicht zu streichen brauchte, und schon bewegten sich die Halme widerstandslos, erst in die eine, und dann in einer langen Woge in eine andere Richtung. Den Sommer über waren es Korn- und Mohnblumen, die ich persönlich kannte und die mich begrüßten, wenn ich vorbeifuhr. Ich habe im Sommer bestimmt (mit den Lerchen um die Wette) gesungen, im Winter ganz bestimmt nicht. In den Sommerferien wurde gemäht, und wenn die Schule wieder begann, waren die Felder gelbbraun, stoppelig, verlassen. Das Aussehen der Felder im Winter habe ich vergessen.

Mein Fahrrad stellte ich in Trelde an einer Tankstelle ab und ging über die Straße zu Wentziens Gasthof, von wo der Schulbus nach Buchholz abfuhr. Auf der linken Seite der B 75 – abgetrennt vom Rest des Dorfes – lag die Dorfschule, die ich nie von innen gesehen habe, denn ich ging ja aufs Gymnasium in der Stadt. Die meisten Kinder aus unserem Dorf aber besuchten sie, und zwischen ihnen und mir lagen Welten. Selbst wenn wir nachmittags zu dritt oder viert in den Wiesen oder den ehemaligen Kiesgruben (derer gab es reichlich rund um unser Dorf) herumstrichen, waren wir nie wirklich ganz zusammen. Kurz hinter Trelde stieg die Straße an, rechts und links Felder. Rechts hinter dem Ortsschild, außerhalb des Dorfes, weit genug von der Straße entfernt, aber nah genug, um sie noch erkennen zu können, mitten in den Feldern drei versprengte Häusergruppen. Halligen gleich ragten sie aus einem gelben Meer. In vielen Sommern haben die Bauern Raps angebaut.

Mein Vater belieferte dienstags und samstags die Höfe mit Brot. Dienstags richtete er ein, dass er gegen Mittag an der Tankstelle auf mich wartete, ich stieg zu ihm ins Auto und begleitete ihn auf der Tour durchs Dorf. So kam es, dass ich die Inseln auch von nahem zu sehen bekam. Hinter dem letzten Haus,  „fünf Minuten Fußweg“, sagte mein Vater, begann ein Tannenwald, dessen Hypotenuse sich von der B 3 zur B 75 erstreckte und wie mit einem Lineal gezogen aussah. Im Winter war der Wald dunkel und schlecht einzusehen. Auch im Sommer blieb er distanziert und verschlossen. Während mein Vater Brot verkaufte, saß ich im Angesicht des Waldes vorne im Bäckerwagen.

Der Schulbus passierte täglich das Ortsausgangsschild und fuhr auf der ansteigenden B 75 dem Tannenwald entgegen; im Frühling, erst recht im Sommer, und besonders bei gutem Wetter, lockte uns die Sonne, wenn er die Straße hinaufschnaufte: „Kommt herauf, kommt nur herauf, durch diese grüne Dunkelheit.“ Ich bin nie in diesem Wald gewesen; zu schreiben, es sei verboten gewesen, ihn zu betreten, würde etwas verfälschen, denn daran, dass dies je gesagt wurde, erinnere ich mich nicht. Oben am Trelder Berg, kurz vor der Kreuzung, etwa in der Mitte dieses Schenkels des Tannenwaldes, war eine Bushaltestelle, an der jeden Morgen ein Mädchen und sein Bruder standen. Obwohl der Bus schon voller lärmender Kinder war, hielt der Busfahrer an und ließ sie einsteigen. Nicht nur ich habe mir oft gewünscht, er würde einfach vorbeifahren. Ich stieg in Trelde immer als Letzte oder Vorletzte ein. Deshalb kauerte ich eingekeilt zwischen sperrigen Schulranzen und streitenden Jungen vorne an der Frontscheibe. Das Mädchen und sein Bruder quetschten sich schweigend neben mich. Kinder aus Trelde erzählten von ihnen, dass sie arm waren und sich den Schulbesuch in der Stadt nicht leisten konnten. Sie machten einen verwischten Eindruck, schauten niemanden an. Da ich wusste, dass sie mittags, wenn uns derselbe Bus mit demselben Busfahrer wieder zurückfuhr, und er sie auf der gegenüberliegenden Seite aussteigen ließ, einen Weg nach rechts einschlugen, konnten sie nicht aus dem Wald kommen oder dort wohnen. Trotzdem nannte ich sie für mich „die Tannenwaldkinder“. Das Mädchen ging in eine Klasse über mir – wir haben nur zweimal miteinander geredet.

Die Toberei im Bus ging weiter, sobald der Fahrer die Türen geschlossen hatte und angefahren war, und wir überfuhren die Kreuzung und ließen den dunkelsten Teil des Schulwegs hinter uns. Es öffnete sich rechts ein Acker, der an der B 3 entlang bis nach Sprötze unten im Tal reichte und an der B 75 entlang mindestens einen Kilometer maß. Kartoffelblüten in Hell-Lila  ließen den Acker alle zwei Jahre lächeln, zur übrigen Zeit war er eher misslaunig. Vielleicht wollte er einfach in Ruhe gelassen werden. Mit dem Trelder Berg im Rücken verschwand mein Dorf aus meinem Bewusstsein und kehrte erst dorthin zurück, wenn wir uns ihm Stunden später von der anderen Seite näherten.

Oft tauchte der Trelder Berg in den Nachrichten auf. Unfälle und Staus waren an der Tagesordnung. Sowohl die B 3 als auch die B 75 sind Einfallstraßen nach Hamburg, und die Pendler fuhren morgens hinein und abends wieder heraus aus der Stadt. Später baute man erst ein Einfädelsystem, dann Ampeln – die nahmen dem Kreuz den Schrecken. Der Tannenwald blieb. Aus unserem Dorf gingen bald acht Kinder aufs Gymnasium in der Stadt, so dass ein neuer Schulbusdienst eingerichtet wurde. Von jetzt an musste ich nicht mehr mit dem Fahrrad fahren, und im Nachhinein stellte sich diese Neuerung als der Moment heraus, in dem ich aufhörte, überhaupt Fahrrad zu fahren. Herr Peters, ein großschädeliger, pfeifenrauchender, laut sprechender alter Herr aus dem Nachbardorf transportierte uns in seinem VW-Bus hin und her. Wenn wir alle gleichzeitig mitfuhren, passten wir gerade eben in sein immer mit Handwerkszeug vollgestopftes Auto. Er setzte uns in Trelde an der Bushaltestelle ab, an der wir in den großen Schulbus umstiegen. Jetzt gehörte ich nicht mehr zu den Jüngsten, sondern war eine erfahrene Schülerin. Den Platz vorne an der Frontscheibe hatte ich abgetreten und saß neben Marina, die in Hollenstedt in den Bus stieg und mir auf einem Zweiersitz freihielt. Sie saß am Fenster und meistens schrieben wir Hausaufgaben voneinander ab.

Es muss Sommer gewesen sein, als der Tannenwald in meine Gedanken zurückkehrte. Die näheren Umstände weiß ich nicht mehr. Ob es die nahenden Zeugnisse oder bestimmte Ereignisse waren, die meine Eltern betrafen, und die ich nicht verstand, aber auf mich bezog, ist ein weißer Fleck auf meiner Erinnerungslandkarte. Ich sehe vor mir einen Zettel liegen, auf dem ich eine Zeichnung angefertigt habe: Zwei Straßen, die sich kreuzen, sind darauf zu sehen, ein Waldstück in dem unteren, rechten Teil (von unserem Dorf aus gesehen), das ein rechtwinkliges, aber nicht gleichschenkeliges Dreieck bildet und in diesem Waldstück ein rot gemalter Kreis. Unter der Zeichnung sind zwei Zeilen Text mit Buchstaben aus einer Zeitung zusammen geklebt. Wenn Sie Ihre Tochter wiedersehen wollen, müssen Sie hier suchen. Der Kreis markierte das hier. Der Zettel lag eine ganze Weile auf meinem weißen Schulmädchenschreibtisch, dann wurde er in einen Umschlag gesteckt, säuberlich adressiert und mit einer Briefmarke versehen. Unter einem Vorwand ging ich zum Briefkasten und steckte den Brief ein. Danach war ich angenehm beruhigt und fühlte mich weniger ausgeliefert. Am übernächsten Tag hatte ich später als sonst Schulschluss. Herr Peters wusste, dass mittwochs nachmittags meine Sport-AG war und er würde in Trelde an der Haltestelle auf mich warten. Ich kam nicht mit dem letzten Bus aus der Stadt. Herr Peters wartete eine halbe Stunde und rief schließlich von Wentziens Gasthof aus meine Mutter an. Mit Herrn Peters zu telefonieren war immer schwierig: Er sprach laut, aber verstand nichts von dem, was am anderen Ende gesagt wurde. Mein Vater war aufgebracht und ließ es die Brote, die er aus dem Ofen fischte, spüren. Sobald alle draußen waren – zu der Zeit war es bereits sechs Uhr, was im Sommer und bei schönem Wetter eine besondere Tageszeit sein kann – holte er das Auto aus der Garage und fuhr los.

Wir trafen zur gleichen Zeit am Tannenwald ein. Er kam mit dem Bäcker-Bus, eine staubige Wolke hinter sich herziehend, den Weg durch die Felder herangebraust, ich bog von der B 3 kommend auf den Weg ein, der am Waldrand entlang führte. Da sah ich zum ersten Mal, dass an dieser Seite des Waldstücks ein Stacheldrahtzaun gespannt war. Die letzten Stunden war ich zu Fuß von der Schule hierher gewandert und hatte dabei den einen und anderen Umweg genommen. Wir haben nie über den Zettel gesprochen.

In meinem letzten Schuljahr machte ich den Führerschein und erfuhr von dem Bunker, der sich unter dem Trelder Berg befand oder befunden hatte. Im Zweiten Weltkrieg soll dort ein Entwicklungslabor für Radargeräte gewesen sein. Und damit das nicht den Feinden in die Hände fiel, hatte man es als Flugabwehrstellung getarnt. Die Bunkeranlage soll sich weit über den Trelder Berg ausgedehnt und bis tief in die Erde gereicht haben. Gegen Ende des Krieges war die Anlage bombardiert und es waren Menschen darin eingeschlossen worden.

Mit dem frisch erworbenen Führerschein konnte ich meinen Eltern beim Brotausliefern helfen und durfte – unter der Bedingung, dass ich die vom Jugendheim bestellten zwei Körbe Brötchen mitnahm – im herangebrochenen letzten Schuljahr mit dem Auto zur Schule fahren. Kein Bus mehr, kein Geschrei und Gekreisch lärmender Schulkinder – nach wie vor jedoch morgens der Sonne entgegen den Trelder Berg hinauf, auf dessen rechter Seite der schwarzgrüne Wald jeglicher Veränderung trotzte. War es in den ersten Jahren meine Angewohnheit gewesen, auf dem Nachhauseweg von Trelde, freihändig auf dem Fahrrad sitzend, eine an der Tankstelle gekaufte Tüte Süßigkeiten zu vernaschen, so drehte ich jetzt – mit dem schnelleren Auto – von Buchholz kommend vor dem Trelder Berg meine Musik auf, fuhr über die Kreuzung und auf den dunklen, stets sehr kühlen Straßenabschnitt im Tannenschatten. Jedesmal hielt ich die Luft an und das Lenkrad sehr fest, aber noch mehr nahm es mir den Atem, aus dem Schatten herauszukommen, hinter mir im Rückspiegel die Wipfel der Tannen, vor mir das Sonnenlicht und die Weite. Mehr war nicht. Einfach nur, dass die Landschaft sich auftat, sich öffnete. Das eine wie das andere war der schönste Teil der Heimfahrt, und immer mit Trauer verbunden.

Ich kam vom Frühdienst im Krankenhaus. Ein bleierner Dienst lag hinter mir; gleich morgens hatte ich Frau Sommer in den Keller bringen müssen. Am Vorabend hatte sie darauf bestanden, ihre Zähne im Mund zu behalten. Nachdem ich aus dem Keller zurückgekommen war, war ein junges Ding mit ausgepumptem Magen von der Intensiv gebracht worden. Schwester Lina hatte sich darüber aufgeregt, dass in diesem Sommer so viele Mädchen versuchten sich umzubringen. Da hatte ich ihn wieder auf meiner Haut gespürt, den kühlen Schatten, aus dem ich immer herausgekommen war. Immer bis auf einmal. Wir waren fünf im Auto gewesen.  – Die Sommersonne steht nicht mehr in der Himmelsmitte, sondern satt und müde bereits in ihrer 6-Uhr-Tiefe. Der Tannenwald liegt hinter mir, die Straße wird weit und warm, die Felder links stehen in Rapsgelb und die rechts in sattem Grün. Das Dorf am Fuß der Straße ist hinter Kastanienbäumen versteckt; mein Dorf, das mein Ziel ist, ist nicht in Sicht. Natürlich ist es auf dieser Straße nie leer gewesen, auch wenn es in meiner Erinnerung nur mich, den Wald, die Sonne, die Felder und das Dorf gibt. Heute sind auf der Straße Massen von Autos; Menschen auf Fahrrädern, Menschen zu Fuß kommen mir entgegen. Sie strömen aus Trelde heraus, dem Wald zu, die Anhöhe hinauf. Quer über das Feld, an der Hypotenuse des Waldes vorbei, sehe ich, dass sich auch auf der B 3 Menschen, Trecker, Autos drängen.

Es hat keinen Zweck weiterzufahren. Ich wende den Wagen und fahre im Schritttempo zurück zur Kreuzung – in einer Traube aus mir fremden Menschen. Keinen von ihnen kenne ich. Ich kann sie auch nicht kennen – ich lebe schon lange nicht mehr hier. Im Rückspiegel entdecke ich die Wolke. Sie hängt zwischen Sprötze und Trelde und sie ist keine Wolke, die einen spektakulären Sonnenuntergang verhieße. Sie gehört da nicht hin. Das Lenken wird unmöglich, die Menschenmassen drängen den Wagen von der Straße. Bevor ich im Graben lande, verlasse ich ihn und stelle fest, dass die Erde bebt. Es grollt und grummelt unter meinen Füßen. Bald spüre ich Steine aus dem aufbrechenden Boden hervorquellen. Die Leute rennen jetzt, geraten ins Stolpern und fallen hin, wir halten uns gegenseitig, ziehen Gestürzte wieder hoch und laufen über die Kreuzung, über die Straße und erklettern den am Feldrand aufgeschütteten Wall, erkrabbeln auf allen Vieren den Brachacker auf der B 3-Seite. Es sind schon Tausende von uns da. Von allen Seiten rollen die Steine heran. Sie poltern dumpf, springen und hopsen und überrollen jeden, der am Boden liegen geblieben ist. Die Steine sind Kartoffeln, sie füllen das Tal bis zur Anhöhe. Die Wolke ist von Süden herangezogen. Sie hat listige kleine Augen, unter denen sich das Maul, mit dem es vor langer Zeit meine Kindersonne vernichtet hat, verzerrt. Sie bringt sich über dem Tannenwald in Position und beobachtet uns. Die Fremden um mich herum haben sie nicht bemerkt. Sie schauen nicht nach oben. Denken vielleicht, die Gefahr kommt von unten. Doch sie irren sich. Neben mir taumelt eine Frau um sich selbst und betrachtet das Geschehen mit offenem Mund. Wir stoßen mit den Rücken aneinander, ich stelle mich vor und sie sagt ihren Namen. Tannenwaldkind, einmal mitgenommen. Fünf im Auto. Viele Fragen straucheln durch meinen Kopf, eine spreche ich aus: „Was ist das hier?“ Der Boden unter uns ist vollends aufgebrochen und gibt Höhlen preis. Wir stehen zu vielen eingeschlossen auf dem durchpflügten Acker. Die Kartoffeln formieren sich rundherum, sie sind rötlich und voller wurzeliger Triebe. Sie bauen sich auf zu Stelen, Masken, Fratzen, die sich wieder auflösen, um sich erneut, aber anders zusammenzusetzen. Sie bilden Gesichter mit Vogelschnäbeln und Mündern, aus denen eine Zunge hängt, und Figuren, die ausschließlich aus Brüsten bestehen, oder aus Phalli. Sie sind in ständiger Bewegung. Der Wolken-Schlund stöhnt, sein Inneres lebt. „Erinnerung“, sagt sie neben mir. Hinter ihr hockt ein hochhaushoher Vogelmensch mit vor dem nackten Bauch verschränkten Händen. Seine Uhu-Augen fassen mich in den Blick. Wo sind die anderen drei? Überall um uns stehen jetzt diese großen, stummen Kartoffelgestalten, die Bewegung hat aufgehört, und die Wolke senkt sich herab. Wir halten uns an den Händen, wie damals. Dann gibt es einen Knall.

aus: Azraels Erzählungen, 2014