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PROSA-SCHNIPSEL XIII

Novemberkatzen

Andys Mutter schreit schon wieder; immer wenn sie betrunken ist, schreit sie, so daß die ganze Nachbarschaft es hören kann. Das Geschrei nehmen sie hin. Sitzen in ihren Wohnzimmern und nehmen es hin. Andy sieht sie nie. Bestimmt, geht ihm durch den Kopf, trinken sie auch Bier und sind abends schließlich betrunken. Bloß seine Mutter wird laut, die anderen nicht. Vielleicht, denkt er weiter, kommt das daher, daß sie eine Hure ist. Die Nachbarin hat neulich zu Andy gesagt, als er mit dem Hund runterging: Ne Hure issi. Hure kann nichts Gutes sein. Das hat er an ihrem Gesicht gesehen. Andy kennt sich aus mit Gesichtern. Im Fahrstuhl nach unten hat er dann überlegt, ob man Hure wird, wenn man trinkt und raucht und eine Mutter ist. Hier im Haus gibts sonst keine Kinder. Nur so kann er sich das erklären.

Jetzt liegt sie wieder auf der Couch und kann den Kopf schon nicht mehr gerade halten. Wann bringste endlich das Bier? Ihre Stimme ist nicht mehr die von heute morgen, als sie Andy in den Kindergarten geschickt hat. Er zuckt zusammen. Er weiß, daß sie aufstehen wird, wenn er nicht sofort die nächste Dose bringt,  und ihm eine runterhaut.

Der Kühlschrank ist siffig. Seit Wochen ist er kaputt und taut, wann er will. Das faulige Wasser hat sich auf dem Boden zwischen Kühlschrank und Wand gesammelt. Außer einer Palette Bier ist nichts da. Der Mülleimer neben dem Kühlschrank quillt dafür über. Die Mülltüte ist zu klein und kann all die Dosen nicht mehr fassen.

Erst bringt Andy seiner Mutter ein Bier, dann nimmt er den Mülleimer und hievt ihn mit der ganzen Kraft seiner sechs Jahre zur Tür.

Ich bring den Müll raus. Sagt er leise und nimmt den Wohnungsschlüssel vom Bord. Er hängt ihn sich um den Hals. Die Dose zischt und der Blechring tanzt auf dem Glastisch. Mit glucksenden Schlucken trinkt sie, die Zigarette nimmt sie gar nicht erst aus dem Mund.

Auf dem Weg zum Müllschlucker kippt Andy der Eimer um, und das ganze Katzenstreu verteilt sich vor der Wohnungstür. Er muß das schnell auffegen, sonst kommt die Nachbarin raus und schimpft Mama wieder Hure, obwohl sie doch keinem was tut. Außer ihm, manchmal.

Er schafft es, den Müllbeutel in die Müllklappe zu zwängen. Dosen, Flaschen und Papier klappern und rascheln durch den Schacht nach unten. Dann holt er einen Handfeger und fegt das Katzenstreu zusammen….Es zieht. Ruft sie von drinnen. Andy zuckt wieder zusammen. Daß sie bloß nicht aufsteht und rauskommt. Dann fällt sie nämlich wieder über den Teppichboden, der an der Wohnungstür aufgequollen ist und schlägt wieder lang hin. Ist ihr neulich passiert. Und da hat Papa ganz schön mit ihm geschimpft, daß er nicht genug aufgepaßt hat auf sie.

Schnell läuft er zur Wohnungstür zurück. Moritz ist rausgelaufen, Andy fängt ihn ein. Max sitzt an der Tür, den Kopf schiefgelegt und mit großen, verständigen Augen, die alles zu wissen scheinen.

Andy beschwört beide Tiere, still zu sein und auf ihre Plätze zu gehen. Er schließt die Tür und ihm wird schlecht von diesem kalten Rauch, dem Bierdunst und dem Geruch von Erbrochenem, der im Teppich steckt. Aus der Küche kommt außerdem der Gestank von abgestandener Katzen- und Hundenahrung. Ihm kommt wieder in den Sinn, wie es bei Denis riecht. Da war er neulich mal ganz kurz. Da roch es nach Essen und nach frischer Wäsche. Da hat er gleich zwei Nasen voll von genommen…

Max schubst ihn mit der Schnauze an und winselt leise.

Mußt du etwa runter? Fragt Andy. Ja, ja, wir gehen gleich. Ich muß noch den Mülleimer zurückstellen.
Wo warst du? Mit wem redest du? Andy will sich ganz schnell an ihr vorbeidrücken, aber sie langt mit dem Arm rüber und hält ihn fest. Es gibt keinen anderen Weg an ihr vorbei.
Ich hab den Müll weggebracht.
Haste wieder alles aufn Boden geschüttet? Du kannst aber auch gar nix. Dich kann man zu nix gebrauchen.

Das gibt Andy tief innen drin einen Stich. Sie darf doch so was nicht sagen! Sie ist doch seine Mutter. Alle Mütter sagen ihren Kindern schöne Dinge, das hat er im Fernsehen gesehen. Andere Mütter fliegen für ihren Sohn extra mit Flugzeugen, um sie zu retten. Das hat er auch gesehen. Das war überhaupt ne tolle Geschichte, mit den Einbrechern. Am tollsten war die Sache mit der Spinne. Boing, haut der eine dem anderen die schwere Stange auf die Brust. Und dann das mit dem Eis. Geil…

Moritz streicht um sein Bein. Bettelt um Streicheleinheiten.

Jetzt kann ich nicht. Murmelt Andy.
Mit wem redste denn da schon wieder?
Mit niemand. Nur mit Moritz.
Biste bescheuert? Erzähl mir lieber, was de so machs im Kindergarten.
Nix. Sagt Andy und duckt sich wieder.

Andy geht jeden Morgen um acht in den Kindergarten und kommt um 3 nach Hause. Sein Vater bringt ihn manchmal, aber meistens geht er allein. Zurück geht er immer allein. Die Kindergärtnerin bringt ihn bis an die Pforte, streicht ihm übers Haar und sagt jedesmal: Dann bis morgen, Andy. Hast du deinen Schlüssel? Und dann fingert er nach dem Schlüssel um seinen Hals und würde gerne noch bleiben. Hier ist er sowas wie glücklich. Nach dem Mittagessen kriegt er jeden Tag meistens Bauchschmerzen, dann sitzt er erstmal stundenlang aufm Klo, bis ihn Susanne um 3 ans Tor bringt. Er traut sich nicht zu fragen, weil er weiß, seine Mutter wartet auf ihn. Wenigstens hofft Andy das. Aber wenn er dann nach Hause kommt und in der Tür steht, fängt sie wieder an zu keifen.

Früher, da hat sie ihn in den Arm genommen. Sie hat ihn sogar geküßt, wie das die Mutter von Denis immer macht. Aber für Andy ist das lange her. Er mag das auch gar nicht. Papa küßt ihn manchmal. Aber der riecht fremd und kalt. Da ist ihm Mama lieber…

Was er so macht im Kindergarten? Das will sie ja doch nicht hören. Er hats öfter versucht: kaum fängt er an zu erzählen, schlürft sie an der Dose, zieht an ihrer Zigarette, kneift die Augen zusammen und guckt in den Fernseher. Kaum hat er angefangen, herrscht sie ihn an: Biste wohl still. Hab ich dich gefragt?

Andy versteht die Erwachsenen nicht. Erst fragen sie einen, dann schimpfen sie, weil man antwortet.

Wir warn… Und dann ist er von alleine still.

Sie sind bei Stevie zu Hause gewesen. Der hat einen kleinen Bruder gekriegt. So klein ist das Baby, und hat zehn winzige Finger und einen kleinen Mund und richtige Augen! Stevie ist mächtig stolz auf seinen Bruder. Und auf seine Mama. Jetzt fahrn sie immer zusammen den Kinderwagen aus, und Stevie darf schieben. Und Stevies Mama hat gelacht, komisch. Mama lacht nie. Und Papa auch nur ganz selten. Lachen Huren nich? Aber wenn Huren nich lachen, was ist dann Papa? Auch eine Hure?

Andy zerbricht sich den Kopf über dieses Wort, und Max stubst ihn wieder mit der trockenen Schnauze an.

Der Hund muß ganz dringend.

Ich geh mit Max. Sagt Andy und nimmt die Hundeleine vom Sessel. Ist schon passiert, daß er sein Geschäft im Fahrstuhl gemacht hat. Hat eklig gestunken. Und Andy hats wegmachen müssen, dabei ist ihm so schlecht geworden, wie damals, als er Mamas Malheur wegmachen mußte.

Im Schloß dreht sich ein Schlüssel. Als die Tür aufgeschoben wird, stehen Andy und Max schon kerzengerade; der Junge blaß und verängstigt, der Hund mit eingezogenem Schwanz.

Wenn Andys Vater bis eben vorhatte, nicht schlechtgelaunt zu sein, dann ist jetzt sein Vorsatz dahin. Es stinkt bestialisch in der Wohnung.

Er sieht den demütig gesenkten Kopf von seinem Sohn.

Ich hab doch gesagt: kein Bier! Sagt er anstatt einer Begrüßung. Seine Stimme ist tonlos.

Ich kann nix dafür. Verteidigt sich Andy schwach.
Geh mit dem Hund vor die Tür. Los, mach daß du wegkommst.

Andy zieht in Windeseile seine Schuhe an, nimmt seine Jacke und schlüpft durch die Tür.

Die Tür ist noch nicht zugefallen, da hört Andy schon den Streit aus dem Wohnzimmer.

Anita, hört er seinen Vater, kannst du dich nicht zusammenreißen?
Du hast mir versprochen, daß du aufhörst.

Die Worte seiner Mutter versteht Andy nicht.

Mein Gott! Wie kannst du dich so gehen lassen? Wie stehe ich denn da?

Die Dosen werden vom Tisch gefegt und rollen blechern gegen den Schrank. Der Aschenbecher wird in die Küche getragen und in die Spüle geworfen. Andy ist wieder hineingeschlüpft und kauert im Dunkeln.

Kannst du in deinem Leben nichts richtig machen?
Ich besauf mich doch richtig. Ist das nix.
Sprich ordentlich, wenn du mit mir sprichst!
Oh, Entschuldigung der feine Herr. Ich hab vergessen, wo wir herkommen…
Schämst du dich nicht vor dem Kind?
Das Kind? Welches Kind? Ach, du meinst unser Kind? Der braucht mich nich.
Nein, der braucht eine richtige Mutter, die nüchtern ist und sich kümmert.
Oh ja. Hätte vielleicht geklappt, wenn de dich auch an die Spielregeln gehalten hättest. Hättste dir überlegen sollen, bevor du mit dieser… hier in der Wohnung…
Ich hab mich entschuldigt dafür.

Andys Mutter fängt hysterisch an zu lachen.

Du denkst mit ner Entschuldigung isses getan? Du hast Nerven.
Fang nich wieder mit der Geschichte an. Das ist sieben Jahre her. Da ist längst Gras drüber gewachsen.
Weißte wie ne Frau sich fühlt, wenn se ihren Mann mit ner anderen im Bett erwischt? Ich krieg ein Kind und du gehst fremd?
Das war nichts von Bedeutung…

Sie haben das Spiel tausendmal gespielt. Die Inszenierung sitzt perfekt. Andy ist wie gelähmt. Max läuft im Laubengang herum und jault aufgeregt. Am Regenrohr hebt er sein Bein und pinkelt. Andy kriegt Bauchschmerzen. Das gibt wieder Ärger mit der Nachbarin. Aber jetzt kann er nicht weg hier!

Nich einen Moment haste dich gefragt, was das fürn beschissenes Gefühl is.
Es ist vorbei.
Isses eben nich. Du bist n Dreck von einem Mann.
Und was ist mit deinen Männern?
Ich hab nur von dir gelernt. Du hasses mir doch vorgemacht.
Sprich um Gottes Willen nicht so ordinär.
Ja, immer schön den Schein wahren. Immer die schöne Maske. Aber wies da drunter aussieht, das darf keiner hinsehen.
Jetzt laß uns aufhörn. Du bist aufgeregt. Wir sprechen, wenn du deinen Rausch ausgeschlafen hast.
Nein, ich werd jetz mit dir reden. Und dann is mit dem Reden  vorbei.

Es hört sich an, als ob sie miteinander kämpfen.

Laß mich los, ich geh. Und den Jung nehm ich mit.
Du willst gehen?

Jetzt lacht Andys Vater höhnisch.

Du kannst ja nicht mal gerade stehen. Und den Jungen läßt du schön hier. Na los, geh doch. Du kommst noch nicht mal bis zur Tür.

Andys Mutter ist zum Schrank gestolpert und hat das Hochzeitsbild runtergeholt.

Andy sieht das durch den Türspalt. Er hat jetzt die Wohnungstür zugedrückt und steht ganz im Dunkeln. Seine Mutter hat das Hochzeitsbild in der Hand. Er liebt dieses Bild. Da sieht sie richtig schön aus, seine Mama. Mit ihrem weißen Kleid, und mit den roten Locken, die ihr bis auf die Schultern gehen. Ihre grünen Augen sehen aus wie Murmeln und glänzen. Es ist ein Bild aus einer ganz anderen Welt. Andy spürt, wie ihm Tränen in die Augen schießen. Es kratzt ihn im Hals. Am liebsten würde er zu seiner Mama laufen und sie trösten, so wie sie jetzt dasteht.

Da kracht das Bild an die Wand. Und das Glas und der Rahmen zersplittern. Es ist totenstill im Wohnzimmer.

Du bist verrückt. Sagt Andys Vater schließlich. Seine Stimme ist so kalt, daß es Andy fröstelt.
Mach weiter so, und ich bringe Andy zu meiner Mutter und dich in die Geschlossene.

Andys Mutter ist jetzt auch ganz ruhig und wie nüchtern. Ihre Augen gucken klar und sie steht aufrecht. Aber sie lacht, und dieses Lachen kennt Andy. So lacht sie, wenn ihr etwas wirklich weh tut. Das ist das Lachen, das vor dem Weinen kommt.

Du kannst mir das Kind nicht nehmen. Sagt sie überdeutlich.
Ich bin vielleicht keine gute Mutter, aber ich bin die leibliche Mutter. Du dagegen hast keinerlei Recht.

Sie stehen sich gegenüber und messen sich mit schneidenden Blicken. Max scharrt von draußen an der Tür, und Andy hat Angst, daß sie ihn hören und entdecken.

Wie meinst du das?
So wie ich es sage. Das verstehst du doch, oder? Andy ist mein Kind, nicht deins!
Dazu gehören immer noch zwei.
Aber nicht du!

Sie rangeln miteinander. Aber es ist alles andere als lustiges Geplänkel, es ist bitterer Ernst geworden. Andy spürt die Wellen des Hasses, die den ganzen Raum, die ganze Wohnung erfüllen. Er kann es aber nicht benennen, denn er hat keine Wörter für das, was hier vorgeht.

Was sie da sagen, versteht er nur zur Hälfte. Aber er versteht soviel, daß sie sich nicht wieder vertragen werden.

Denkst du, ich weiß nicht, was du mit meiner Schwester gemacht hast? All die Jahre hab ich nichts gesagt. Du hast ihr Leben auf dem Gewissen, ganz abgesehen von meinem. Glaubst du, mit einem Monster wie dir wollte ich ein Kind?!

Andys Vater atmet schwer. Alle Selbstsicherheit ist aus seinem Gesicht gelöscht. Er schwitzt.

Wer ist es? fragt er leise.
Das brauchst du nicht zu wissen. Vielleicht sage ich es Andy später mal, aber dir ganz bestimmt nicht.

Andy versteht immer noch nicht. Er ahnt jetzt, daß ab heute nichts mehr so sein wird, wie es war.

Einen Moment lang legt er seinen Kopf in die Hände und weint ein paar Tränen, damit ihm besser wird. Als er hört, wie seine Mutter fast ängstlich sagt:

Komm nicht näher! Geht sein Vater schon auf sie los und will sie schlagen.

Bleib wo du bist.

Andys Vater keucht schwer. Er ist ganz rot im Gesicht.

Dafür drehe ich dir den Hals um, du Hure.
Du kannst mich nicht umbringen. Du kannst gar nichts, nur perverse Dinge kannst du gut. Aber jetzt ist genug.

Sie stehen sich ganz dicht gegenüber, als Andys Vater zuschlägt. Seine Mutter fällt rückwärts gegen den Schrank, so daß die Bücher auf dem Bord umkippen.

Andy springt auf und kommt aus seinem Versteck. Er muß seiner Mutter helfen, sonst passiert noch was Schlimmes.

Mama lehnt am Schrank und blutet aus der Nase. Sie hält die Hand davor. Sie sieht ihn nicht. Auch sein Vater sieht ihn nicht.

Du bist genau wie deine Schwester. Stößt er heraus. Ihr seid vom selben Schlag. Was euch passiert ist, geschieht euch nur recht. Es ist schon richtig so. Ihr habts gar nicht besser verdient.
Geh zum Teufel! Und sie kratzt einmal quer über sein Gesicht, daß es eine tiefe Spur gibt von ihren Fingernägeln.

Hört auf! ruft Andy und klettert auf die Couch, damit er größer ist und sie ihn besser hören. Aber sie hören nicht. Auf dem Fernseher steht eine schwere Bleikristall-Schale. Die hat Mama jetzt in der Hand. Und als Papa sie ihr wegnehmen will, ist es schon zu spät.

Sein großer Körper bricht zusammen unter dem Schlag, im Fallen greift er an sein Herz, dann rutscht er an Andy vorbei und liegt vor der Couch.

Seine Mutter steht da mit der Schale in der Hand und sieht geradewegs in Andys Augen. Sie guckt, als ob es ihr so geht, wie ihm manchmal: mit panischer Angst vor Bestrafung und doch ohne Reue. Andy versteht sie gut. Sie gucken sich nur einen kurzen Moment lang an, dann nimmt sie ihren Blick weg.

Andy, laß den Max rein. Der macht die ganze Nachbarschaft verrückt. Sagt sie seelenruhig und steigt über den leblosen Körper, um ans Telefon zu kommen.
Mama, warum steht er nicht auf?
Er steht nie mehr auf, glaube ich.

Sie telefoniert.

Andy holt Max, und der Hund kommt und schnüffelt irritiert. Moritz sitzt auf der Sessellehne, gelangweilt, unbeteiligt. Nur seine Schwanzspitze bewegt sich, rollt sich auf, rollt sich zurück. Er hat seinen Kopf auf die Vorderpfoten gebettet, die Augen geschlossen. Moritz war der letzte aus einem Wurf Novemberkatzen. Wie war er kränklich. Alle haben ihn übervorteilt. Dürr und klapprig war er, weil sie ihm das Fressen weggefressen haben. Die Katze hatte ihn geworfen, und sich dann nicht mehr gekümmert. Eigentlich sollte er ertränkt werden, aber Anita hatte Mitleid.

Novemberkatzen sind sehr zäh und widerstandsfähig. Sie haben gelernt, sich rauhen Bedingungen anzupassen, und haben einiges dafür eingebüßt.

Moritz paßt hierhin. Er paßt überhaupt in diese Welt, denn offensichtlich ist die Zeit der Novemberkatzen.

 

aus: Hamburger Geschichten, wird nie erscheinen. Geschrieben 1998, nachlektoriert 2013.