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MOND-SONNE – „WIE TAG UND NACHT“

Krebs – Löwe – Elternhaus als Erlebniswelt

• Dominanz von Expression über Empfinden oder umgekehrt
• „ich empfinde, also lebe ich“
• Empfindungen ausdrücken
• frankophil, Affinität zu Frankreich
• Mutter und Vater (aus Venus-Mars resultiert das Elternpaar)
• Nacht und Tag
• von innen nach außen leben
• Unbewusstes und Bewusstes
• weibliche Macht, männliche Ohnmacht oder umgekehrt
• weiblicher Mann, männliche Frau
• Gefühle gestalten/erschaffen

Zusammenhänge

Es treffen zwei seelische Entwicklungsphasen aufeinander – der II. Quadrant ist die Bewegung aus sich selbst heraus, Mond ist dabei die seelische Energie und steht für die inneren Bilder, die Sonne für das Gebären dieser inneren Bilder – daher auch das Wort Gebärde als Lebensausdruck in der Gestik. Es stehen zwei Phasen nebeneinander (oder auch gegeneinander im Quadrat oder in der Opposition), die interferieren und sich in ihrer Ausbildung gegenseitig behindern werden. Das „Kind“ (Mond) und der „Erwachsene“ (Sonne) können nicht gleichzeitig gelebt werden – die Konstellation erfordert eine sehr bewusste Klärung hinsichtlich der Orientierung aus dem Empfinden und der unmittelbaren Verausgabung. Schließt der Sonne-Mond den Mond aus, um sich als Sonne „heil“ zu fühlen, kommt es zu einer Gebärde, die nicht von den inneren Bildern gespeist ist, und der Zugang aus dem Unbewussten ist verschlossen. Schließt er die Sonne aus, bleibt das Kindhafte, ohne dass es zu erwachsenem Handeln kommt, werden Bilder empfangen, bleiben aber folgenlos, so dass kein Dasein entsteht. Macht durch Ohnmacht. Das verzogene Kind, das sich als Herrscher gebärdet. Im Krebs finden wir das friedliche Einzeltier, das des Schutzes, im Löwen das Raubtier, das wehrhaft keiner Verteidigung bedarf. Dem mondigen Einzeltier, dem Einzelnen ist das individuelle Leben an sich ein Anliegen, dem sonnigen Raubtier geht es um den Erhalt seiner Souveränität.

Die Konstellation ist u.a. die Folge eines ausgefallenen IV. Quadranten, das Leben beginnt bei der Blockade von Jupiter-Mond.

Parallel-Konstellationen im Engramm der Fertigung von Unvollständigem

Zum Sonne-Mond gehört in der oberen Reihe aus dem III. Quadranten ein Pluto-Jupiter. Wenn die beiden aufeinandertreffen, ist das ein Hinweis da-rauf, dass die Auslieferung der Gestalt an die Gegenwart (an die Waage) nur versehrt freigegeben werden wird, weil sie nicht nach dem Prinzip des Lebens gefügt werden kann.

Die Blockade Jupiter-Mond wirkt doppelt: „ zwanghaftes verheißungsvoll“ ohne Einsicht und (da das Maß ausgefallen ist) Wachstum von „Leben“, das die Grenzen seiner Bestimmung verlässt. Und weil das Leben sich schützt, damit es „weiterexistieren“ kann, ist die Blockade des Sonne-Pluto die andere Option: die Psyche ist nicht in der Lage, das Verhalten zu tragen, deshalb wird das Verhalten aus der Vorstellung mobilisiert. Sonne-Pluto besteht aus einer Manie, und der Übernahme von Informationen als Besetzung, die sich auf den Parasympathicus dergestalt auswirkt, dass er sich krampfhaft, krampfend der Entspannung entziehen muss. Die Manie bildet mit der Depression die Aurum-Symptomatik. In der manischen Phase werden (leider nicht so einfach umzusetzen) Pläne geschmiedet, während das erste Misslingen den Umschwung in die depressive Phase (das mondische Launische verunsichert die Sonne ohne Schicksal) bewirkt und in Selbstvorwürfen und Selbstmordphantasien mündet.

Sonne-Pluto aus dem steckengebliebenen Mond-Sonne ist misstrauisch, argwöhnisch mit fixen Ideen. Er isoliert sich zunehmend. Als Diagonale werden Mond-Pluto und Sonne-Jupiter im ungelösten Fall „Problem“: ein kanalisiertes Empfinden mit Vorstellungsgebundenheit („Leidenschaftlichkeit“ als Drucklöser statt echter Lösung), Größenwahn, mit Anspruch auf Bewunderung sich in einer „glücklichen“ Welt wähnend.

Beispielhoroskop

Ruth Cohn, 27.8.1912, 13:44 Uhr MEZ, Berlin

Mond und Sonne stehen in diesem Horoskop in Opposition, beide gehören zudem zum Sonnenverbund des II. Quadranten, sind sich Exposition und Durchführung.
Der Verbund beginnt im 7. Haus, wobei das öffentliche Bewusstsein, also das Denken in der Gegenwart für diese Geburt einer vorhergehenden Phase angehört. Das ergibt Möglichkeiten für Dissonanz. Vorausgesetzt, die Geburtsstunde stimmt, endet der Verbund exakt 0.2° vor dem MC, reicht also nicht in den IV. Quadranten hinein, sondern ist im III. eingeschlossen. Das Subjektive in der Welt der Anderen. Ein Leben für und in Bezug auf das Begegnende. In der Exposition stehen im 7. Haus Pluto, im 8. Haus Neptun.

Pluto im Krebs ist die Information, dass hier etwas nicht im Sinne des Prinzips des Lebens ausgeliefert wird. Es liegt eine Verneinung des Empfangens vor, im größeren Sinne eine Verneinung im Heimatlichen. Auch das Verneinte, Untergegangene steht im Krebs; etwas ist im Empfinden versunken und muss im Sinne der Reinhaltung „programmgemäß“ aus der Gegenwart ferngehalten werden. Der Ort des Kindhaften ist von einer fremden Mentalität belegt. – Mond als Herrscher von Krebs steht in den Fischen – weiterer Hinweis auf die Empfänglichkeit (für das Wirkliche) bei Auflösung des Subjektiven, dabei Hemmungen, die eigene Identität zu leben bzw. zuzulassen. Infolge dieser „Schwäche“ kommt es zur Entwicklung von Spielidentitäten und zur Übernahme von fremden Erlebnisrollen. Mond-Neptun gerät in Geschlechterkonkurrenz mit Gleichgeschlechtlichen mit dem Zwang, sich zu unterwerfen. Dabei entsteht sogar Solidarität mit dem Unterwerfer, den man meint, verteidigen und in Schutz nehmen zu müssen. Mond im 3. Haus stellt in Ausübung des aufgehobenen Reviers (Uranus und Wassermann in 2) das „reine Gefühl“ dar.

Auf dieser Basis erfolgt die Durchführung mit den Verhaltensmechanismen der Jung-frau: sie beobachtet, nimmt Veränderungen wahr, steuert das Leben an die vorgefun-denen Umstände zu seinem Schutz aus (die Jungfrau ist mit Gesundheit assoziiert). Der Löwe erschafft geschlossene, autonome Erlebniswelten, in denen das Leben wachsen kann – im 9. Haus fügt er sie weltanschaulich. Merkur im Löwen stellt gerne Spielregeln auf, die Rollen werden verteilt.
Im Endzeichen stehen außer der Sonne auch noch Mars: die freie Energie aus dem 5. Haus ist mit Begeisterung am Werk, und deckt auf, was im Gefüge der Erlebniswelt nicht dem Prinzip entspricht. Venus: gleichzeitig sichert sie das Gefüge, indem sie das Veränderliche auszuschließen versucht. Der MC in der Waage „bestätigt“ mit Venus in 9 die Fähigkeit zur Zusammenarbeit im Dienste der Anderen, zur Vergesellschaftung des Aussteuerns und Vernehmens, und eine Anlage, Diagnosen stellen und formulieren zu können.

Ruth Cohn ist die Begründerin der Themenzentrierten Interaktion (TZI) und war eine der einflussreichsten Vertreterinnen der humanistischen und der psychodynamischen Psychologie. Cohns erstes Anliegen war, ein Konzept zu entwickeln, das „dem ursprünglich gesunden Menschen ein Leben ermöglicht, in dem er gesund bleiben kann“. Gesundheit bezieht sich ihrer Sichtweise nach nicht allein auf das individuelle Wohlbefinden, sondern auch auf die politische Verantwortung in der Welt. In der TZI geht es wesentlich um Autonomie, Wertschätzung und Erweiterung von Grenzen, bzw. deren Auflösung. Cohns Konzept mit den Grundsätzen führt zu mehreren Postulaten, die nicht als Regeln zu verstehen sind, sondern als Beschreibungen. Das erste Postulat bezieht sich darauf, dass jeder in der Gruppensituation sein „eigener Chairman“ sein solle, das zweite darauf, dass Störungen in der Gruppensituation immer Vorrang erhalten und das dritte betrifft die Verantwortung, die jeder in der Gruppeninteraktion übernehmen solle. Soziales Lernen (Stier in Haus 6) und persönliche Entwicklung (Löwe als Durchführungszeichen, Widder in 5).

Ruth Cohn ist das zweite Kind einer weitgehend assimilierten jüdischen Familie, sie wurde zwar streng erzogen, jedoch wohlbehütet. Die Verhältnisse waren gutbürgerlich, ihr Vater Bankier, ihre Mutter einer Mainzer Kaufmannsfamilie entstammend. Ihren Lebenslauf kann man allerorten nachlesen; über den Menschen Ruth Cohn, wie ihr privates Leben aussah und wie sie emotional mit Niederlagen und Anfeindungen umgegangen ist, gibt es wenige Quellen, denen zu entnehmen ist, dass sie Lyrikerin und Journalistin werden wollte. Der Nationalsozialismus brachte sie zur Psychoanalyse, die sie von 1933 bis 1941 und ihrer Ausreise aus der Schweiz in die USA studierte. Als sie am 31.3.1933 nach Zürich floh, war sie noch nicht ganz 21 Jahre alt und kurz vor dem Eintritt in ihr Sonnenzeichen Jungfrau. Sie absolvierte das Studium der Psychologie beim Durchlauf ihres 9. Hauses (Merkur in Löwe). Gleichzeitig war im Phänomensrhythmus der Widder (Mars auf Venus-Neptun-GSP ebenfalls in Haus 9) angesprochen. Der Feind im eigenen Land.

Mit Sonne in Haus 9 beschäftigen sie die „Funktionen“ der Anderen. Mars weist ein Spiegelquadrat zu Pluto auf – was auf das Aufspüren von Fällen der Verdrängung hin-weist. Doch eigentlich … hat sie in den Fällen der Anderen ihr eigenes Unverstandenes analysiert (wie es meistens bei Psychologen der Fall ist, ohne dass es dabei um das Schicksal oder die Bestimmung geht).

Die TZI entstand etwa ab 1966, in ihr schließt Cohn vier „Punkte“ ein:

„Ich überlegte, dass diese vier Punkte jede Gruppe symbolisieren, das heißt, dass es keine Gruppe gibt, die nicht durch diese vier Punkte definiert wird. Wichtig aber war mir vor allem die im Traum konzipierte Gleichseitigkeit der Pyramide, was bedeutet, dass die vier Punkte gleich wichtig sind. Und mit dieser Gleichgewichtigkeit von lch-Wir-Es und Globe war die Gruppenführung mit TZI definiert… Ich veränderte danach das Symbol derPyrami-de in ein Dreieck in der Kugel, weil diese Figur optisch deutlicher ist.“ 

In diesem Zeitraum lief Cohn im Fügungsrhythmus über den Stier ins 4. Haus mit dem Widder, und im Phänomensrhythmus (1964 den Neptun im Krebs erreichend) in den Löwen hinein. Das neu Entwickelte löste das Alte ab – meiner Beobachtung nach sind besonders das 9. und das 4. Haus (rhythmisch 56-63 Jahre) „Zeitenwenden“. Mit 63 erreichen wir einen Punkt, an dem wir das im 21.-28. Lebensjahr Gelernte und Erleb-te/Erfahrene einer Prüfung unterzogen haben, an deren Ende eine Kehrtwende oder eine Hinzunahme der Bestimmung stehen kann. 1973 schloss Ruth Cohn mit 61 Jahren ihre Privatpraxis in den USA und nahm die Gastprofessor für TZI an der Clark University in Massachusetts an. Seit 1974 war sie dann TZI-Lehrende und Beraterin der Ecole d’Humanité in Hasliberg-Goldern.

Ihr Lebenswerk – die TZI – zeigt, wie sie die Mond-Sonne-Opposition gelebt und vielleicht gelöst hat: sie hat den Saturn hinzugezogen. Mond hat nicht nur eine Opposition zur Sonne, sondern auch ein Quadrat zu Saturn, der wiederum in Opposition zu Jupiter am AC steht. Jupiter-Saturn alias Mond-Merkur: sie schafft Orientierung für die Kinder- und Empfindungswelt. Ihr Motto:

„Zu wenig geben ist Diebstahl, zu viel geben ist Mord!“