Home » LESESTOFF » ASTROLOGIE » MOND-SATURN

MOND-SATURN

Krebs – Steinbock – Stimmung und Bestimmung

  • „Abnabelung“ als Lebensthema
  • Gotteshaus? Kapelle?
  • strenges Zuhause
  • strenge Mutter
  • eingefrorene Gefühle
  • Eisprinzessin (Venus-Saturn?)
  • Identifizierung mit dem Maßstäblichen
  • Leistungszwang trifft Faulheit
  • Maßregelung finden ohne eigenes Maß
  • rhythmische Linearität – geht das?
  • Verantwortung für die Kinder
  • Winterkinder
  • ernste Kinder

Zusammenhänge

Mond-Saturn ist die Kombination des Lebensbeginns mit dem Lebensende, der Einbruch des Maßstäblichen (des Wirklichen, über den Einzelnen Hinausgehende) in das Individuum. Ins Leben hineingehen, Leben empfangen – sich aus dem Leben herausziehen. Zwei, die sich ausschließen, und die Erfahrung einer für das Subjekt schmerzhaften Infragestellung. Folglich: Ausgeliefertheit. Und weil Mond die Gefühlsübereinstimmung braucht, sie aber nicht bekommt, geht er in die Gebärmutter zurück: Die Ungeborenen finden Scheingeborgenheit in Gefühlsübereinstimmung mit der Umwelt. Man kann keine Abweichung ertragen; Mond-Saturn wird zum Klassenclown, der mit Albernheit die Dualitäten überbrücken will. Beim Kind mit Mond-Saturn wird die Umwelt zum Mutterprinzip; es bestimmen die Mütter bzw. das Mütterliche die Fügung vor der Zeit. Mond-Saturns Aufgabe ist es, sich zu trennen.

Männer mit Mond-Saturn fürchten die Verdrängung von der Seite der Mutter-Partnerin, erleben Entfremdungsgefühle (z.B. wenn die Frau schwanger wird), suchen die unberührte Frau, werden „eifersüchtig“ auf den Nachwuchs. Frauen mit Mond-Saturn lehnen entweder die Mutterschaft ab, oder neigen zu Überbehütung ihrer Kinder, so dass diese keinen Raum in sich entwickeln können, aber gleichzeitig verzogen der Mutter auf der „Nase herumtanzen“.

Die Mond-Saturn-Mutter verweigert so, das Kind in sein eigenes Leben zu entlassen. Sie will das Kind nicht gebären, nicht in die Welt entlassen (Austragen über den Geburtstermin hinaus). Das Kind ist ihr Besitz. In der Vaterfamilie ist die Mutter nicht akzeptiert.

Die gelöste Konstellation liegt in der Befreiung von der Abhängigkeit von den Subjektivismen, wobei die Wünsche nach Befriedigung bleiben, man von deren Erfüllung jedoch nicht mehr abhängig ist.

Sofern Mond-Saturn bei Dauerzuständen von Ungeborgenheit und verweigerter Abnabelung Symptom wird, zeigt sich endogene Depressionsneigung als „Seelendeformation“, es kommt zu Schleimhautstörungen, zu Subacidität des Magens, Eisenmangel, Milchunverträglichkeit.

Parallel-Konstellationen im Engramm des Ungeboren-Seins

Die zweite Diagonale in diesem Engramm ist Jupiter-Merkur als die Regelung der Fügung (ohne Bestimmung). In der oberen Reihe ergeben sich Saturn-Jupiter, das Bestimmende der Fügung bringt die Lösung; die Erscheinungsseite liegt im Merkur-Mond: das geregelte und lediglich Vorgang seiende Empfinden löst sich, sobald das Prinzip der Gestalt des eigenen Lebens in die Zeitlichkeit und in die Bestimmung gebracht wird, und damit das Maß des eigenen Lebens in die Gegenwart gelangt und als Fügung Erscheinung werden kann.

In Endkonsequenz läuft die Konstellation auf die Blockade im Jupiter-Mond bei ebenso gegebenen Saturn-Merkur hinaus: Die Versachlichung der Umwelt und das Abweisungserlebnis, das man sich unweigerlich „einfängt“, während man gleichzeitig große Hoffnung auf das Kommende und das Bergende hegt. Man lässt nichts an sich heran – und bei Bezug zum I. Quadranten – wuchern die Figurationen ohne Mitte aus, z.B. auch die ausufernde Forderung nach Beachtung und Gefühlskonsum.

Vorgeschlagene homöopathische Mittel

Acidum nitricum C 200, Reisblüte D 30, Tuberculin-Mamorek D 30, Argentum nitricum, Acidum lacticum

Beispielhoroskop

Charlotte Brontë, 21.4.1816, 14:44 Uhr GMT, Thornton[1]
Die Konjunktion von Mond-Saturn liegt hier nicht im Sonnenverbund, sondern – da es sich um den Sonnenverbund des I. Quadranten handelt – auf der „Rückseite der Unterwelt“. Eine Sonne diesseits im Stier-Raum, im Bestand und in den Kollektiven – der Mond-Saturn im Ursprung in die Zeit, nur über Widder und Fische zu erreichen.

Der Verbund läuft vom 7. Haus über das MC ins 10. Haus – bewegt sich mithin aus dem Bewusstsein der Gegenwart (das von Unsagbarem und Hintergründigem bestimmt ist) heraus vor die Zeit und in das Wirkliche hinein. Über das Neptun-Pluto-Quadrat liegt die Vorstellung vom Reinen und die Einhaltung des Prinzips im Leben vor, es belegt das Bewusstsein. Die Gestalt der Gegenwart trägt – noch anders formuliert – die Information einer Unvollständigkeit, einer Verneinung in sich, die zu korrigieren wäre. Deshalb hier der Gang über den MC aus der Zeit hinaus vor die Fügung.

In der Exposition des Zeichens Widder stehen Venus und Merkur, erstere in der Bildausgabe, letzterer in der Fixierung des Bildes. Jeweils im Widder im Zustand der Energie, des Beweglichen. Der Herrscher der Exposition weist ins 10. Haus und wird so als Erwirktes bestimmend: Mars-Merkur ist dreifach gegeben: gestochen scharf, scharfzüngig, und in Gefahr, im bloßen Vorgang inhaltsleer zu sein.

Die Durchführung wird über den Stier geleistet – Bestand schaffend, sichernd, umgrenzend. Venus in 7 taucht in der Gegenwart auf, d.h. die Durchführung gilt etwas bereits in der Gegenwart Seiendem. Das Gemeinschaftliche reicht – in der Verbundrichtung – in das Weltanschauliche (Religiöse) hinein: Die Zusammensetzung des Verbandes auf verschiedenen Ebenen wird Anschauung und das Bewusstsein der Moralität (Venus rührt ebenfalls aus der Waage im 2. Haus, Moral „sichert“ das Einhalten der Regel von Mensch zu Mensch), und die verdichtende Vereinheitlichung als Ausführung für die Anderen. Venus mit Spiegelquadrat zu Mars – vehemente Anschauung, mit viel Energie auf das Gemeinschaftsgewebe bzw. die Figuration. Venus ebenso im Spiegelquadrat zu Neptun: das Heimatliche und das Familiäre, auch das eigene Empfinden als Identität sind schwer zugänglich und dem Wirklichen anheim gestellt.

Wie ist es um das Empfinden bestellt? – Mond-Saturn steht im Wassermann in Haus 6, dem Haus der Wahrnehmung des Veränderlichen zum Schutze des Lebens. Diese aber ist von Seiten des Fisch wie des Wassermann aus ihrem Zentrum entfernt – das Subjektive hat kaum Mechanismen zur Aussteuerung an das, was „hereinbricht“. Im „Außer-sich-Sein“ und den Umständen ausgeliefert entsteht Panik. Im Falle dieses Horoskops ist der zweite Quadrant dem Jenseitigen und Wirklichen zugeschrieben, was Ich-Schwäche und Identitätsirritation bedeutet.  AC Jungfrau, das 6. Haus und der Merkur in 8 ergeben eine geschärfte Beobachtungsgabe, ein Beobachtenmüssen in ständiger Aufmerksamkeitshaltung bei gleichzeitiger Unsicherheit, für wen man eigentlich „beobachtet“ – für sich oder für die anderen. So entstehen die Tendenz zur Versachlichung und Neutralisierung (weil man seinem Empfinden nicht traut) und der Zwang, akribisch zu analysieren und zu „zerpflücken“ bei gleichzeitigem Angebot, sich nützlich und brauchbar zu machen.

Charlotte Brontë ist die Tochter eines irischen Pfarrers (Patrick Brontë) und die Schwester von Emily, der Autorin von Wuthering Heights. Die insgesamt sechs Geschwister wuchsen mutterlos auf, in Armut und immer im Angesicht u.a. von Tuberkulose (der auch zwei der Geschwister zum Opfer fielen). Überwiegend zu Hause und im Privatunterricht ausgebildet, trat Brontë 1835 eine Stelle als Lehrerin an, arbeitete von 1839 bis 1841 als Gouvernante. In der Absicht, in Haworth eine eigene Schule zu eröffnen, reiste sie 1842 zusammen mit Emily nach Brüssel, um dort im Pensionnat de Demoiselles ihre Französischkenntnisse zu verbessern. 1844 – als ihre Liebe zu einem Lehrer am Pensionat unerwidert blieb – kehrte Brontë nach Haworth zurück. Das Schulprojekt musste mangels Schülern aufgegeben werden.

Sie und ihre Schwestern gaben in den Folgejahren unter männlichen Pseudonymen[2] einen Gedichtband heraus, der sich als Ladenhüter erwies. Erst mit dem Roman Jane Eyre, in dem es um Beziehungen zwischen sozialen Klassen und Geschlechtern, Religion mit drei unterschiedlichen Idealvorstellungen, Verantwortung für das eigene Leben und für andere Menschen geht, stellte sich Erfolg ein.

Jane Eyre gilt als Klassiker und einer der hervorragendsten Romane der englischen Literatur des Viktorianismus. Der viktorianische Gouvernantenroman, ein spezifisches literarisches Genre, wurde nahezu ausschließlich von britischen Autoren während des 19. Jahrhunderts bzw. der ersten Jahre des 20. Jahrhunderts „bedient“ und schildert meistens den Reifeprozess ihrer zentralen Protagonisten (etwa vergleichbar den Bildungsromanen).

Jane Eyre – im Untertitel als „Autobiographie“ bezeichnet – enthält etliche Anleihen aus Brontës Leben. Zwar ist die kleine Jane Eyre Vollwaise, doch wie Charlotte mittellos aus ärmlichen Verhältnissen. Sie lebt bei ihrem Onkel und der Tante, die sie nicht mag und sie das auch spüren lässt. Auch ein Cousin schikaniert das Mädchen und macht ihm das Leben schwer, Geborgenheit findet es nicht. Als der Onkel stirbt und Jane sich außerdem nicht zu einem falschen Schuldbekenntnis überreden lässt, gibt die Tante sie in ein Internat, dessen Kälte und Enge Janes Freiheitsstreben und Lebenswillen anstacheln. Sie wird Lehrerin, erhält 18-jährig eine Anstellung als Gouvernante in einem gutsituierten Haus. Das Haus birgt ein Geheimnis, das sich bald als Schatten auf Janes Leben legt. Die aufkeimende Liebe zum Herrn des Hauses (sehr viel älter als Jane), ein Heiratsversprechen, auch die geplante Hochzeit zerschlagen sich, als Jane herausfindet, dass auf dem Dachboden des Hauses die erste, verrückt gewordene Ehefrau des Hausherrn lebt.

Brontës Mars-Pluto erscheint in der Figur von Rochesters Ehefrau Bertha – zeigt, dass in der die Gegenwart beherrschenden Ideologie (Pluto 7. Haus – die Welt in der Welt)  das „Andere“, der Schatten, ausgeschlossen und weggesperrt werden muss.  Erst wenn dieses Böse verbrannt ist, kommt die Heldin – in der viktorianischen Gesellschaft, die hier auch angeprangert wird – offiziell zu ihrem Glück. Bis es soweit ist, ereignen sich aber noch einige andere Dinge. Jane beschließt, den geliebten Mann und Arbeit zu verlassen. Was er getan hat, kann sie mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren. Sie kommt bei einem Pfarrer und seinen beiden Schwestern unter, findet heraus, dass es sich dabei um ihre Cousinen und den Cousin handelt, dass ihr Onkel ihr sehr viel Geld hinterlassen hat, und sie jetzt sowohl eine Familie als auch Reichtümer besitzt. Sie ist eine wohlhabende Frau, als eine böse Vorahnung sie zu Rochester zurückzieht, wo sie ihn erblindet und versehrt, sein Haus abgebrannt, Bertha gestorben, in einer armseligen Behausung findet. Die beiden heiraten am Ende, nachdem sie ihn gesund gepflegt hat, und bekommen einen Sohn. Mond-Saturn ist dann erlöst, wenn er von seinen Wünschen nicht mehr abhängig ist. In der Erzählung wird das viktorianische Weltbild mit den dazugehörigen Ablehnungen von nichtkonformem Verhalten, sündhaftem Lebensstil, von sexueller Freizügigkeit oder Trinksucht schließlich doch noch aufgehoben, zumindest gelockert. Bezeichnenderweise hat Brontë die Lebensumstände akribisch beschrieben.

Brontë heiratete – schon 38-jährig – 1854 den drei Jahre jüngeren Hilfspfarrer ihres Vaters und starb im Jahr darauf einen Tag vor Ostern (am 31. März) an Hyperemesis gravidarum (einem unstillbaren Erbrechen während der Schwangerschaft). Im Phänomensrhythmus durchlief sie zu dieser Zeit das 6. Haus und das Zeichen Fische, auch fügungsrhythmisch lief sie durch die Fische und erreichte etwa um diesen Zeitraum den Pluto auf 23.6°. Auf dem GSP Uranus-Neptun legte Pluto seinen Finger in die Wunde einer (nicht bewussten, verschlossen gehaltenen) Schocklähme und aktivierte sowohl den Neptun in Haus 4 (Auflösung der Familie) als auch den Mars in 10. Das „Geheimnis“ ihres Lebens löste sich aus und hob ihr Leben und ihr „Empfangendes“ aus den Angeln und aus den Umständen. Uranus wiederum löste in Mond-Saturn offensichtlich eine Panik aus, die auf den Magen zielte, und dem Mutterwerden galt. Saturn und Mond hatte sie zu diesem Zeitpunkt bereits im Phänomensrhythmus drei Jahre zuvor überlaufen. Die beiden Schwestern, die den Schriftstellererfolg mit ihr teilten, waren 1848 und 1849 bereits verstorben.

aus: „Astrologische Konstellationen – Planetenkombinationen in Wort und Bild“

 

[1] Pluto steht nicht auf 26.8° Fische, sondern auf 23.26°.

[2] Emily veröffentlichte unter dem Namen Ellis Bell, Charlotte unter dem Pseudonym Currer Bell.