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MEINE DERZEITIGE LEKTÜRE III

Erfolgreiche Unternehmer haben was von Dschingis Khan

Der Text darunter orientiert uns näher: „Forscher haben herausgefunden, dass bestimmte Eigenschaften ein Dasein als Entrepreneur begünstigen. Wie groß der Einfluss der Gene wirklich ist, ist umstritten.“

Ich nehme einmal den ersten Abschnitt (Sie können das Ganze online lesen, folgen Sie einfach dem Link hier):

Erfolgreiche Eltern können eine echte Plage sein. Sie haben die Messlatte für den eigenen Nachwuchs manchmal so hoch gelegt, dass ihre Kinder im Streben nach Augenhöhe permanent überfordert sind, sich in Hassliebe zu ihren Erzeugern verheddern und bisweilen so tragisch scheitern wie August von Goethe, der es zeitlebens nicht schaffte, sich vom „Gängelbande“ seines Vaters Johann Wolfgang zu lösen und mit 40 alkoholkrank starb.

Auf der anderen Seite schaffen es etliche Familien, Erfolg – nicht zuletzt unternehmerischen Erfolg – von Generation zu Generation weiterzureichen. Zahllose Familienunternehmer, die ihre Firmen in dritter oder vierter Generation durch Aufschwünge und Krisen steuern, belegen das. Aber was – mal abgesehen vom ererbten Startkapital – macht solche Menschen zu Unternehmern? Die frühe Berührung mit Entscheidungen und Führung, die berühmten Gespräche am Küchentisch also? Oder doch die Gene?

Fragen wir – in die Überschrift zurückgehend – warum nun ausgerechnet Dschingis Khan herangezogen wird und geben wir uns sogleich die Antwort: Er leitete eines der größten Familienimperien. Soweit ich mich an Lektüre ferner Tage erinnere, führte er ein strenges Regiment unter seiner Mongolenbelegschaft und war effektiv und erfolgreich im Erobern neuer „Absatzmärkte“. Es heißt, dass er die mongolischen Stämme vereinte und weite Teile Zentralasiens und Nordchinas eroberte. Seine Regierungszeit als erster Großkhan der Mongolen dauerte von 1206 bis 1227 (3 x 7 Jahre!).

Dschingis Khan (Bildnis aus dem 14. Jh.), Quelle: wikipedia

Der mongolischen Legende nach standen am Anfang des Stammbaums von Dschingis Khan (und auch aller Mongolen) ein Wolf und eine Hirschkuh, die sich nahe dem heiligen Berg Burchan Chaldun am Ufer des dort entspringenden Onon niederließen. Dieser Berg liegt etwa 170 km östlich vom heutigen Ulan Bator und ist Teil des Chentii-Gebirges, in dem auch die Flüsse Kerulen und Tuul entspringen.

Dschingis Khan gehörte zum Stamm der Mongghol, zum Klan der Borjigin (Wildenten-Leute) und zum Unterklan der Qiyat (Kijat). Er war der älteste Sohn des Klanchefs Yesügai und seiner Frau Hoe’lun-Ujin (auch Üdschin) und zudem der Urenkel des legendären Mongolenfürsten Qabul (auch als Kabul Khan bekannt), der um 1130–50 die mongolischen Stämme vorübergehend vereinigt hatte, und erhielt von seinem Vater den Namen Temüdschin (tatar.: „der Schmied“, falsch mit „der Eiserne“ übersetzt). Dieser Name stammte nach alter mongolischer Sitte von einem gefangenen Feind.

In dem erst nach dem Tode Dschingis Khans von seinem Sohn und Nachfolger Ögedei beauftragten Epos Die geheime Geschichte der Mongolen wird berichtet, dass Temüdschin bei seiner Geburt einen Blutklumpen in seiner rechten Faust festgehalten habe, damals für die Mongolen ein prophetisches Zeichen für Stärke und Willenskraft. Als Geburtsort gilt der Burchan Chaldun am Oberlauf des Onon.

Diesem Wikipedia-Auszug können wir zweierlei entnehmen: Es rankt sich eine Legende um die Willenskraft und Stärke des Mannes, dessen Name auch noch mit dem Beruf des Schmiedes und damit indirekt doch wieder mit „Eisen“ zu tun hat, und wir befinden uns in einer Clangesellschaft.

Über Clan- und Stammesgesellschaften habe ich an anderer Stelle geschrieben, unter anderem in Zusammenhang mit den Māori: Das Kriegerische um des Reviers und des Landbesitzes willen, die Körperlichkeit, die Organisation des Gemeinschaftswesens mit den festen Hierarchien – das alles sind Analogien des Stiers, der Clans. Die Māori-Gesellschaft ist eine Stier-Skorpion-Gesellschaft. Die „Verbundenheit“ mit der Natur, die alsbald zerstört, was sie sich untertan gemacht hat, das Einverleiben von Artgleichen – lässt an Gäa denken. Jene Gäa, die Muttergöttin, die mit Uranus, dem Himmlischen, zusammen die Titanen zeugte. Im Clan herrschen feste, stabile Strukturen, und im Innern wird er von der „großen Mutter“ geführt. Der Einzelne geht als Einzelwesen oder Individuum im Kollektiv auf, d.h. er gibt seine Eigenständigkeit zugunsten der Gemeinschaftlichkeit auf. Nach außen strahlt das Männliche – da wird dem Zeugenden ein Ort zugewiesen, die Männer werden ausgeschickt, das Innere zu sichern. Ansonsten aber ist das Zeugende (der Uranus) ziemlich „diskriminiert“.  

Man kann davon ausgehen, dass bei Ausfallen des väterlichen Prinzips wiederum die Söhne anders damit umgehen als die Töchter. Und um ein nächstes Buch heranzuziehen (Steht am Ende der Aufklärung der Schleier?) hier einige Zeilen daraus:

In traditionellen islamischen Familien existiert eine strikte Trennung: im Innern (also innerhalb der Familie, des Clans) hat die Frau (bzw. die Mutter) das Sagen, im Außen aber ist es der Mann und der Vater. Patriarchat nach außen, Matriarchat nach innen. Also gibt es doch eine Koexistenz der beiden Gemeinschaftsformen?

In Stammesgesellschaften sind sowohl Männer als auch Frauen großem Druck ausgesetzt. Wie in allen geschlossenen Gesellschaften sind die Konzepte „richtig“ und „falsch“ wichtig.

Auch in unserer – ausgesprochen aufgeklärten, christlich geprägten – westlichen Zivilisation wird die Dualität gepflegt. Wertung und Bewertung sind über die Maßen wichtig. Keine Familie, kein Verband, in denen nicht auch bei uns – egal ob nun protestantisch oder katholisch – Regeln gelten, die einzuhalten sind. Auch bei uns gibt es „richtig“ und „falsch“. Moral ist das Verhältnis eines Mitglieds zu den anderen Mitgliedern seiner Gemeinschaft. Im modernen Sprachgebrauch bezeichnet Moral als eine Sammelbezeichnung am besten die Kraft, die den Clan zusammenhält.

Wir halten an dieser Stelle fest: Clanunternehmer sind Titanen – dazu noch mehr weiter unten. Die bis jetzt noch nicht weiter differenzierten Eigenschaften eines „guten und erfolgreichen“ Unternehmers führen uns direkt in die Geschlossenheit eines Kollektivs und Verbundes, in dem es um Hierarchien, Landsicherung und „Eroberung“ – dem Mehren des Bestandes geht. Nehmen wir die Legende des jungen Mongolen beim Wort – dann zeichnet er sich durch Stärke aus – die ist ihm ja in die Wiege gelegt, er wird ein Stier-Geborener gewesen sein. Vielleicht vom 20.4. – wer weiß?? – Stärke schließt Beharrlichkeit ein, und die Fähigkeit, seinen Willen durchzusetzen, d.h. der Widder-Wille, die Selbstdurchsetzung um jeden Preis, die nicht links und rechts schaut. Dass da Mars und Widder im Spiel sind, geht aus dem Hinweis auf das Eisen hervor. Der Schmied wiederum macht aus dem Material eine Waffe (wenn er nicht gerade Pferdeschuhe schmiedet) – doch der Vater aller Dinge ist dem Sprichwort gemäß – der Krieg, also Waffen.

Der Vorzeige-Unternehmer der Mongolen dürfte einen Mars-Saturn gehabt haben. Eine Konstellation, die für das Weiterkommen im Kollektiv solange nützlich ist, wie der Krieg andauernd. Mit Mars-Saturn ist man ständig in Kampfbereitschaft, stellt sich der Konkurrenz, arbeitet als Workoholic bis zum Burn-out – und bricht zusammen, wenn der Existenzkampf nicht mehr nötig ist. Man kann auch sagen: jemand, der mit dieser Konstellation geboren ist, wird in Ereignisse verwickelt, die diese seine Konstellation „erlösen“. Mars-Saturn trägt nun eine Schwäche in sich, die er kompensieren muss (im Kollektiv bist du „integriert“, wenn du dich in deiner Eigenart verdrängst) – es ist der Neptun-Saturn, der besagt, dass der Ursprung (der in die Teilung führt) in die eigene Zeitlichkeit nicht gewagt wird, und man deshalb in der Tarnung leben muss. Von außen wird das Leben nun bestimmt, die Zugehörigkeit schließt die eigene Wirklichkeit aus. Ohne ein zu bringendes Opfer (Verzicht auf ein Eigenleben) wird man als rechtlos erklärt, von der Herde „gesteinigt“. Wer will das schon? In Umkehrung wird man nun Vertreter derer, die einem selbst dies „antun“ – Saturn-Pluto ist der „grausame“ Terrorist, der das, was ihn selbst besetzt, als Ideologie noch rigoroser vertritt als die ursprünglichen Unterdrücker. 

Eine nächste Schwäche – die natürlich in Größe und Stärke ins Extrem getrieben wird – ist der Neptun-Merkur. Der wiederum beinhaltet, dass die Grenzen, die ein bestimmendes Maß jeder Zeitlichkeit sind, überschritten, ja nicht einmal wahrgenommen werden. Grenzen werden nicht akzeptiert – und damit wird man übergriffig wie auch gleichzeitig orientierungslos. 

Sie sehen, ich habe die Gene weggelassen, auf diesen Streit lasse ich mich gar nicht ein, mir erscheint das ein unsicherer Weg, auf den uns Michael Gassmann da führt. Auch präsentiert er die Untersuchungen, wissenschaftlichen Studien und Forschungsergebnisse mit einem Fragezeichen. Am Ende vom Artikel wissen wir nicht wesentlich mehr als zu Anfang. Da sind wir mit der Münchner Rhythmenlehre schon weiter.

Mars-Saturn als einem Faktor der „Unternehmer-Anlage“ wohnt auch ein Mars-Merkur inne: in Wort und Ausübung kriegerisch und aggressiv. Als Anführer eines Clans wie als Unternehmer darf man nicht zimperlich sein. Da geht es zur Sache, man braucht die berühmten Ellenbogen, um sich im Umfeld der Mitstreiter durchsetzen zu können. Und da – das ist mein Punkt – ja eigentlich etwas NICHT im Gleichgewicht ist, aber die Besinnung auf den eigenen Ursprung fehlt – muss man ständig aktiv sein. Der sinnbildliche Fleiß wiederum kommt nun noch aus einer anderen Konstellation. Es ist ein Sonne-Saturn, der hier in sympathikotoner Daueranspannung Imperien aufbauen hilft. Das vegetative Nervensystem besteht aus wesentlich zwei Komponenten: der Anspannung (viel Adrenalin, wenig Insulin) und der Entspannung im Parasympathikus – das ist das Gewährenlassen, überhaupt – das Fließenlassen. Es macht auch ein wenig „faul“, denn im vagotonen Zustand ist niemand von außen bestimmbar – er ist selbstbestimmt. Der Testosteronspiegel sinkt, während er im sympathikotonen, ungesunden, verkrampften Zustand, steigt. 

Der „Unternehmer“ als Konzept ist so gesehen eigentlich ein Zeichen dafür, dass es eine ererbte Schwäche auszugleichen gilt. Das kann sich über Familiendynastien hin ziehen. Das im Artikel erwähnte Beispiel eines Sohnes (August von Goethe mit Papa Johann Wolfgang) ist eines von vielen Familientragödien, die sich tausend-, millionenfach abspielen. Wieder ist das Stichwort „Konkurrenz“. In Familien spielt sich ab, was W. Döbereiner die „Königskonkurrenz“ nannte. Das Kind wird mit einer Konstellation geboren, die bereits in einer anderen Person (oft Vater, Großvater, Mutter, Großmutter) an der Macht ist. – Die Königskonkurrenz spielt sich immer unter Gleichgeschlechtlichen ab – also Sohn und Vater oder Tochter und Mutter – und beinhaltet die Geschlechtsunterlegenheit. „König“ Johann Wolfgang hat sicherlich nicht in wissender Absicht seinen Sohn vernichtet, doch da der Sohn sich nie aus der Familie löste, nicht eigenständig wurde, konnte er dem starken Vater nichts entgegensetzen.  

Hier spielt Pluto als Konzept des „Prüfers zur Zulassung zu Gegenwart“ eine hervorragende Rolle. Im Sonne-Pluto liegt der Wille zur Macht und die Notwendigkeit, die eigene geahnte Verhindertheit in Gottgleichheit ummünzen zu müssen. Das sind Zwänge. Niemand entscheidet sich freiwillig zu Macht – dahinter steht immer ein Drang, der Ablass erbettelt. August von Goethe ist das traurige Beispiel für eine misslungene Besetzung. Doch in anderen Familien, die sich geschickter, vielleicht auch noch radikaler unterwerfen, wird die Besetzung zu einer Erfolgsgeschichte im Mittelstand und im Unternehmertum. „Erziehung“, Vorbildfunktion der Eltern, – Zufall (den Nikolaus Frank einwirft) wird es nur in dem Sinne sein, dass uns die Anlagen und Eigenschaften zugefallen sind, damit wir mit ihnen unser Leben in die Gegenwart und ins Endliche bringen.

Genau jener Sonne-Pluto lehnt nämlich zutiefst die Endlichkeit ab. Er akzeptiert kein Lebensende, er will ewig leben, was er natürlich so nicht ins Bewusstsein lässt. Nein, niemand wird zufällig an seinen Ort geboren.

Ich mache einen Schlenker zu einer nächsten Eigenschaft, die Unternehmer vielleicht noch bräuchten: wie ist es mit Ideenreichtum? Oder Kreativität? Könnte nicht schaden, sie zu „haben“? Nun setzt sowohl das Schöpferische als auch das Kreative in besonderer Weise eine Ego-Schwäche oder eine Ich-Schwäche voraus. Sowohl die mit der Existenzangst als auch die mit der Lebens- und Geschlechtsangst sind jene, die tatsächlich Neues, noch nicht Dagewesenes in die Welt bringen können. – „Das Schöpferische zu veruntreuen“ ist in der Münchner Rhythmenlehre der Sonne-Uranus (u.a.) und die Anlage sagt deutlich, dass man in der Welt anderes zu tun hat als „groß herauszukommen“.

Das „Groß-heraus-kommen-Wollen“ wird nun in den Kollektiven gefördert, aber wenn es von einem kommt, der nicht fremdbestimmbar ist, eben auch schon mal nicht gefördert. Förderung durchaus real und konkret gemeint: Du bekommst Geld aus unseren Töpfen, eine Existenzaufbauspritze, BaFöG oder Sonstiges, wenn du unseren Regeln folgst. Inwieweit die Schöpferkraft und die Kreativität reichen, sobald man im Finanzierungskarussell und dem Hamsterrad der staatlichen Schutzzölle angekommen ist, überlasse ich dem Leser und seinen Studien an berühmten Unternehmern und ihren Lebensläufen.

Ganz abgesehen davon, dass jeder von uns eine Schwäche aushalten muss, um schöpferisch oder kreativ sein zu können, bedeutet dies nämlich letztlich, was viele Menschen als „Freiheit“ falsch verstehen. Nicht mit der finanziellen oder sonstwie erkauften Unabhängigkeit kommen unternehmerische Ideen und Innovationen. Andersherum: Mit der Nichtzugehörigkeit zu Clans und sozialen Kollektiven – in der Freiheit, die auszuhalten ist – steigen neue Wirklichkeiten in einem Menschen hoch. Sie sind nicht verwertbar und nicht verteilbar und lassen sich nicht an finanziellem Erfolg messen. Die wesentlichen neuen Impulse kommen von Menschen, die außerhalb stehen und nicht von denen, die sich in die Mitte begeben.

Dass jemand hochkommt – hier springt mir jetzt ein anderer Begriff aus dem Artikel ins Auge – soll ein sozialer Prozess sein. 

„Ich halte nicht so wahnsinnig viel von diesen Studien“, sagt der deutsche Psychologe Arist von Schlippe, Direktor des Instituts für Familienunternehmen an der Uni Witten-Herdecke. „Für mich ist das ein sozialer Prozess. Es geht um das Wechselspiel der Zuschreibung von Verantwortung und der Übernahme von Verantwortung.“

Ja, klar, wir leben immer in eine Gemeinschaft eingebunden. Es sind allerdings nicht für alle die gleichen Umgebungen günstig. Für die einen passt das herrschende öffentliche Bewusstsein, die anderen stehen in Widerspruch zu ihm und müssen das „aushalten“. Sie leiden, und wissen nicht woran, denn es sagt ihnen keiner. Wir können davon ausgehen, dass die, die im System unten durchfallen, diejenigen sind, die mit dem derzeitigen öffentlichen „Sprech“ nicht konform gehen. Der Zwang des Gesellschaftlichen ist also jenen nicht ersichtlich, die im System das Wort führen. Die anderen werden weggebissen. Das Reden von Verantwortung, die da übernommen wird – fällt übrigens wieder in die Werteschublade und blickt auf die Sonne-Saturn-Menschen. Die übernehmen gerne Verantwortung, d.h. sie dienen, weil ihnen keine andere Rolle als diese bleibt mit dieser Konstellation in einer Welt, in der sie nach Anerkennung hungern. 

Würden sie sich ihrer Unvollkommenheiten im Mars-Saturn, Sonne-Saturn, Saturn-Pluto und Sonne-Pluto einmal bewusst werden, könnten sie aus dem Modell aussteigen. Als „Unternehmer“ oder als „Verantwortungsträger“ würden sie dann nicht mehr zur Verfügung stehen, sondern würden sich zum Besten aller ganz anders leben.

Industrie leitet sich von „Fleiß“ ab, Unternehmertum hat mit Industrie und Wirtschaft (Ressourcennutzung) zu tun. Unser Fortschritt ist auf dem Rücken von Menschen begründet, die verdrängt haben. Jetzt muss ich doch noch einfügen: Verdrängen heißt in diesem Zusammenhang, dass man etwas auslässt (ein Ereignis, eine Erfahrung), weil die Haltung gesetzt ist, dass „sich das nicht gehört“, dass man sich das nicht leisten kann. Das nicht gehabte, unzugelassene Leben ist die Verdrängung.

Bei der Konstellation Mars-Saturn (die ich völlig unzureichend erklärt und sträflich eindimensional dargestellt habe, und die noch etliche Wegbegleiter mitbringt) ergibt sich eine wesentliche weitere, die zu erwähnen ich nicht umhinkomme: Uranus-Venus. Es ist das Verhältnis von Männlich-Zeugendem (Uranus) zu Weiblich-Empfangendem (Venus), und da es Symptom geworden ist, erleiden wir ständig und in Wiederholung das Missverhältnis.

Im Uranus-Venus wird sichtbar, dass Raum und Zeit auseinanderklaffen – ich schreibe es einmal irdischer: Es gibt kein Dasein mehr (an einem Ort), sondern die Menschen sind unterwegs, sie leben das (was übriggeblieben ist) im Unterwegssein. Die Schlagworte „Mobilität“ und Flexibilität gehören hierhin. Die Körperlichkeit – der Unterhalt des Körpers – ist ebenfalls ständigem Wechsel anheimgestellt, auch wird sie „designed“ nach neuesten Forschungen, neuesten Erkenntnissen, in Vorgängen und nach gesetzten Regeln. Gleichzeitig wird Gebundenheit verweigert – Verbindlichkeiten gibt es nicht, alles ist auf dem Sprung, ein einziger großer Eisprung jeden Tag.

Heute ist Ostersonntag, ich will es kurz halten. Noch ein letztes Zitat, und dann komme ich zum Ende.

Risikofreudige Eltern erzeugten risikobereite Kinder, die Bereitschaft, Mitmenschen zu vertrauen, sei ebenfalls in den Genen angelegt. „Jede ökonomische Entscheidung ist riskant – ob es nun darum geht, Aktien zu kaufen, ein Haus zu bauen oder auch nur ein Studium aufzunehmen“, hieß es. Geschäftserfolg sei andererseits nur mit dem richtigen Ausmaß an Vertrauen möglich. Wenn Kinder ihren Eltern in beiden Punkten ähnelten, wachse die Wahrscheinlichkeit, dass sie in ökonomischen Fragen häufig ähnlich entscheiden würden.

Fazit meiner Osterlektüre: Der Platz auf der unteren Seite 16 hätte besser ausgefüllt werden können. Ich sehe, es gibt noch viel zu verstehen und zu benennen.

SCHÖNE OSTERN.