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MEINE DERZEITIGE LEKTÜRE II

Was es mit Fürst Pückler, Hester Stanhope und der Eisschnitte auf sich hat

„Kunst ist das Höchste und Edelste im Leben, denn es ist Schaffen zum Nutzen der Menschheit. Nach Kräften habe ich dies mein langes Leben hindurch im Reiche der Natur geübt.“ [1]

Fürst-Pückler-Eis-Schnitte, Quelle: https://www.chefsculinar.de

Über das nach ihm benannte Eis hinaus ist vom Grafen Hermann Pückler-Muskau, der 1822 in den Fürstenstand erhoben wurde, in heutiger Zeit nur noch wenig bekannt. Unter den Gartenbauern kennt man ihn, als Schriftsteller kaum. Anfang des 19. Jahrhunderts ein „Pop-Star“, passt er nicht so recht in das Bild, das die Deutschen gerne von sich und besonders ihren „Denkern“ zeichnen. Er verkörpere einen Ausdruck deutscher Geistesgeschichte, der von anderen, aber auch den Deutschen selbst gern übersehen und ausgeblendet wird.[2] Schauen wir doch einmal etwas genauer hin, denn er kann uns sehr wohl etwas über die Welt von damals berichten, aus der immerhin wir als Nachfahren  mithervorgehen.

Hermann Ludwig Heinrich von Pückler-Muskau (1785-1871), auch „der tolle Pückler“ genannt, war – wie gesagt – Gartengestalter und Reiseschriftsteller. Ersteres ziemlich talentiert und auch honoriert. Nach Schätzungen einiger Historiker war Pückler einer der fünfzehn größten Landbesitzer im Königreich Preußen, im Wesentlichen bestand sein Land aus der Besitzung in Branitz, den Besitz in Muskau musste er wegen Verschuldung verkaufen. Beiden hat er Gärten gestaltet, die heute noch besucht und kopiert werden. Ein abenteuerliches Leben hat er gehabt, ein Snob und Dandy soll er gewesen sein und mehr Liebschaften als Casanova gehabt haben. Als Forschungsreisender bis nach Nubien und in den mittleren Osten hat er sich ebenfalls versucht und seinen Namen in eine der Pyramiden in Ägypten verewigt. Er reiste exzessiv zu Zeiten, als das Reisen alles andere als bequem war. Fürst Pückler steht im Ruf, ein Luftikus, ein Verschwender und ein Schmarotzer zu sein und ein republikanisch gesonnener Adliger.

„Einheitlichkeit ist oft durch gleichartige Vielheit zu gewinnen.“[3]

Geboren ist der Mann an einem Sonntag auf dem Schloss seines Großvaters im heutigen Oberlausitzer Landkreis Görlitz. Es ist der 30. Oktober 1785 – Deutschland besteht aus 1700 Kleinstaaten, die wenigsten Kinder entstehen aus Liebe, und von 100 Kindern sterben 45 in ihren ersten zwei Lebensjahren. Heiraten werden als Geschäftsvorgänge arrangiert, mit dem man Land und Geld absichert. So war es mit den Eltern vom kleinen Herrmann. Er soll tatsächlich um 12.00 Uhr mittags geboren sein (so erzählt er es als 72-Jähriger). Seine Mutter ist gerade mal 15 Jahre alt, als sie dieses – ihr erstes – Kind gebiert. Der Sohn wird in das Zeitalter der Romantik hineingeboren und bildet – Zeitgenosse Alexander von Humboldts und Heinrich Heines – mit diesen später so etwas wie eine „liberal-adlige“ Opposition im preußischen Staat – in Anhängerschaft des französischen Sozialreformers Henri de Saint-Simon, allerdings weniger ideologisch als der. Saint-Simon, ebenfalls Adliger, hatte zunächst mit der Revolution sympathisiert (nun auch der junge Hermann), sich dann als „ungebundener Intellektueller“ von den Resten seiner Reichtümer lebend mit gesellschafts- und staatstheoretischen Themen befasst und Schriften darüber verfasst.[4]

Später wird auch Hermann schreiben, von seinen vielfach unternommenen Reisen berichten und sich zwei Pseudonyme zulegen. Das eine „Der Verstorbene“ und das andere „Semilasso“ (zunächst „Tulolasso“ = ganz entspannt) – also „Halbentspannt“ bzw. „Halbmüde“. Was das Schreiben von Reisebeschreibungen angeht, ist er an Heinrich Heine (mit dem er einen Briefwechsel unterhält) angelehnt, was die Belletristik betrifft, gehen seine Versuche in Richtung E.T.A. Hofmann und Victor Hugo.

Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/a/a6/AndeutungenBlumengarten.jpg/800px-AndeutungenBlumengarten.jpg

Heinz Ohff[5], einer der wenigen Biographen, die sich mit dem Leben und Wirken Pücklers beschäftigt haben, meint mehrfach, dass Pückler kein Neuschöpfer, Vorreiter (als den ihn andere sehen wollten) gewesen sei, sondern eher ein Mann der Nachhut – ein Vollender des bereits Begonnenen. Ein armer Reicher, oder ein reicher Armer ist er: mehrfach entledigt er sich seines Eigentums, macht Schulden, baut sich erneut Besitz auf, um ihn wieder abzustoßen. Es ist in den frühen Jahren des 19. Jahrhunderts unter Adligen ein gewisser masochistischer „Chic“, Reichtümer und Eigentum zu verachten… Der junge Pückler ist auch in dieser Hinsicht exzessiv und mindestens zwiegespalten und alles andere als harmlos oder gehorsam.

Achtmal soll er sich duelliert haben, seine Streiche (vielleicht im heutigen Sinne „pranks“) sind legendär, er polarisiert und reißt mit, ist Lebenskünstler und Genießer von körperlichen und anderen Freuden. Askese ist nicht seines, es sei denn, er ist gerade wieder bankrott. Er prahlt und prasst, ist arrogant und auf dem Gesellschaftsparkett bewandert (ihm fliegen die Frauenherzen nur so zu), aber auch unkontrollierbar. Wenn es ihm gefällt, wird er ausfällig. Bei so viel Licht fragt sich, wo der Haken ist, und wie es um eine eventuelle Melancholie oder Depression bestellt ist. Pückler ist ein Mensch zwischen großer Toleranz und Menschen-, vor allem aber auch Frauenverachtung mit einem mehr oder weniger offen zur Schau gebrachten Hang zur Pädophilie. Die Geschichte seiner ersten Lebensjahre liest sich wie die eines emotional und physisch vernachlässigten Jungen, der um die Aufmerksamkeit der Erwachsenen buhlt, wozu ihm jedes Mittel recht ist. Er war das, was man heute im sozialen Kontext ein „schwer erziehbares Kind“ nennt.

Werfen wir einen ersten Blick auf sein Horoskop[6]: die Sonne steht auf dem Saturn-Mondknoten-GSP (7.4° Skorpion). Da haben wir bereits den ersten Hinweis auf eine Verhaltensdisposition der „Begegnung mit dem Tod“ – heißt, dass er an die Grenzen des Endlichen gelangt und Tod und Leben herausfordert. Die Sonne hat eine Konjunktion zu Merkur und befindet sich damit im Einzugsbereich der Regelungen von und im Staat. In ihnen wird das Individuelle im Kalkül des Staates zur Ausübung von dessen Erscheinung und damit zu einem Vorgang. Das Leben verliert sein Dasein.

Die Sonne hat weiterhin ein Quadrat zu Pluto. Damit hat er seinen Vater schon mal zum Feind. Er ist in ein Modell hineingeboren, seine Gegenwart bzw. sein Leben als Geschehen der Gegenwart ist von Vorstellungen (der Familie) überlagert. Pluto-Uranus (Pluto steht in Wassermann) – eine Konstellation der damaligen Zeitqualität und über den Einzelnen hinausgehend, sie beschreibt den möglichen Hass auf das Weibliche oder Männliche mit dessen Verhinderung und Unterdrückung, folglich beobachtbar Unreife und das schicksalhafte Steckenbleiben bei 14-15 Jahren, während der Intellekt des Erwachsenen vorliegt. Partnerschaften werden nicht voll eingegangen und es werden private Enttäuschungen nicht ausbleiben. Pluto im Wassermann werden wir ab 2024 wieder erleben, und könnten uns den letzten Durchlauf von 1778-1798 ansehen, in den u.a. die Französische Revolution und die amerikanische Unabhängigkeitserklärung oder die Entdeckung des Planeten Uranus fiel. Diese Entdeckung des Prinzips in seiner äußeren Erscheinung „läutete“ nach Wolfgang Döbereiner den Verlust des Ursprungs der Gestalt der Gegenwart ein. Heißt: Die Schwächung der Könige (des Adels), das Hochkommen des Bürgertums und der Intellektuellen, die Annäherung des Bauerntums an das städtische Bürgertum, alles ist in Bewegung geraten und dreht sich um. Die Entwicklung der Technik nahm an Geschwindigkeit auf – das Ortsein wurde von Mobilität abgelöst, Elektrizität wurde entdeckt und genutzt, kurz: aus dem Ozean des Ungeschehenen werden Dinge in die Gegenwart gehoben, die zuvor niemand für möglich gehalten hatte. Dabei ist die Kombination sehr wohl ideologisch wie auch individualitätsverachtend.[7] 

Bekannte, in dieser Zeit geborene Persönlichkeiten, sind: Karl-Friedrich Gauss (geb. 1777), Carl von Clausewitz (1780), Antonie von Brentano (1780), Achim v. Arnim (1781), John Bell (1797), Heinrich Lachmann… Wer mag, kann ja mal nachschauen, was diese Personen an Werk hinterlassen haben. Lady Hester Stanhope, die ich weiter unten betrachte, hat übrigens auch den Pluto im Wassermann und lebt dies auf sehr ins Auge fallende Weise.

Porträt von Hermann Fürst Pückler in Generalsuniform, Quelle: https://www.wa.de/kultur, Gemälde ist in Besitz der Bundeskunsthalle in Bonn

Zurück zu Pückler. Er ist ein Skorpion, d.h. er befasst sich mit den Strukturen und den Programmen in Vorbereitung auf die Auslieferung an eine noch nicht eingetretene Gegenwart. – Das Gegenzeichen Stier steht im 4. und 5. Haus: das Gemeinschaftliche und die Bestandsicherung „umfrieden“ seine „Seele“ und die Gestalt des Lebens, stellen das Einzelwesen in das Kollektiv, zwangsläufig enthält seine Ereigniswelt die Auseinandersetzung mit den Figurationen und Hierarchien in Gemeinschaften. Das Bürgerliche im Zuhause. Oder auch: die Welt ist eine einzige Mutterbrust.

Wenn wir dieses Horoskop als gültig annehmen, fällt der IC  – wie der MC – auf den Saturn-Mondknoten-GSP und beschreibt den „Beginn des Lebens“ und das Heimatliche als einen Ort der Trennungen und Lösungen von Beziehungen.

Die Venus, die sowohl zum Stier als auch zum Verbund-Endzeichen Waage gehört, steht als Mond-Venus wiederum in der Waage und nimmt den Faden der „Mutter-und Frauen-Welt“, die ins Bewusstsein gelangen will, weiter auf. Mond-Venus: eine Empfindungswelt wird zur Kulisse, das Empfinden ist in der Erscheinung als Soziales normiert und gleichgeschaltet. Die Konstellation ist die Ausübungsseite des Uranus-Jupiter, dem die Bestimmung fehlt. Anstelle von Schicksal hat man Regelungen. Das Fehlende wird sichtbar als Saturn-Merkur, man ist die Spiegelung in Vorgängen und Ausübungen der sozialen Form.

In Haus 8 ist das aber nicht offensichtlich, sondern in der Revision und diese muss ständig vollzogen und wiederholt werden. Wie gesagt: Sonne-Pluto ist die Modellhaftigkeit, in der der Sohn ohne Prinzip des Lebens (Neptun ist ausgefallen – warum, zeige ich später noch genauer) unter Zwang Erscheinungen ausführen muss. Schürzenjäger ist er gewesen, immer auf der Jagd nach den Frauen und den Müttern in den Frauen.

Mars, nach dem wir immer schauen, wenn die Vorstellung die abwesende Gestalt des Daseins besetzt, steht an der Spitze zum 6. Haus und im Zwilling. Der Mars ist unruhig, im 6. Haus erjagt er Wahrnehmungen und Beobachtungen, entdeckt (aus dem Widder in Haus 3 kommend) sowohl Anschauungen als auch Verbindungen. Mars-Merkur ist spitzzüngig, sarkastisch bis zynisch, auf jeden Fall verletzend-anzüglich. Jupiter-Merkur ist gebildet und eloquent, weiß sich auf dem Parkett zu bewegen. Die Konstellation ist ebenfalls mehrfach gegeben und unterstreicht, dass hier die Regelung der Fügung, die ohne Bestimmung kein Wachstum, sondern lediglich Expansion und Raumergreifung hat, wirksam wird. Wissenschaft entsteht, sobald die Anschauung gegen Ausübung ausgetauscht wird; sie liefert z.B. auch Religionsformen, in denen es bei gesetztem „Richtig“ und „Falsch“ um das Ausführen des „Richtigen“ geht. Mit Jupiter-Merkur wird man Reisender durch die Anschauungen, betrachtet alles, vereinzelt, kann aber nichts mehr zusammenfügen. Die Rückseite als Saturn-Mond schwingt mit: die Angst vor der Ungeborgenheit mit der Flucht in Scheingeborgenheit in Gefühlsübereinstimmung mit Umwelt, die überdies zum Mutterprinzip wird. Sobald Übereinstimmung nicht möglich ist, meint der Mond-Saturn, die enstandene Dualität mit Clownerien und Eskapaden überbrücken zu müssen. Mitkomponenten sind ebenfalls Saturn-Merkur und Jupiter-Mond als Endpunkte, so dass bei Nicht-Haben der angelegten Ereignisse doch Sentimentalität und Hoffnung besteht. Jupiter-Mond liegt bei Pückler als Opposition vor und ist – nach der Lückenlehre – ein Schott und als solches eine Blockade.

Was für ein Bild liefert der Mann ab? – Einen Uranus (mit Quadrat zu Neptun in 9) im Krebs. Uranus im Krebs – Uranus-Mond, einer, der aus dem Milieu ausbricht, der sich unmöglich (nach den Moralansichten der Familie/des Standes, der und dem er entstammt) benimmt, dessen Erziehung ihm nicht entspricht, von einer enttäuschten Mutter zur Rechtfertigung ihres versäumten Lebens gemacht, an ihrer Statt etwas leben sollend. Mond-Uranus (eine Komponente des Mond-Venus und Jupiter-Uranus) will sich dem Leben entziehen, ungeboren bleiben, sich nicht versündigen am Reinen… und bleibt auf diese Weise unverbindlich und bei allem Drang zu ihnen, den Frauen und Müttern gegenüber ablehnend. Ein Mond-Uranus ist ein gesellschaftlich Unkonventioneller, einer, der nicht altert, jung und im Werden verbleibt – und Pückler trägt dies ins öffentliche Bewusstsein.

Die Mutter Hermann Pücklers – Clementine, eine Callenberg mit französischen Wurzeln – ist 16 Jahre jünger als der Vater; der hat im Haus nichts zu sagen, sondern wird von seinem Schwiegervater bevormundet und entmachtet. Als Standesherrin ist die Mutter eingesetzt, im Ehevertrag überdies auch festgelegt, dass nicht Pücklers Vater, der im Übrigen Erdmann heißt, sondern der Sohn im Falle des Ablebens erbt. Erdmann ist in seiner Verhinderung ein Tyrann und wird von allen gehasst. Auch von seinem Sohn. Die Mutter wird als lieblos und schnippisch beschrieben.[8] Sie kümmert sich wenig um den Sohn, er ist ihr Spielzeug, ansonsten ihr gleichgültig und bleibt es mehr oder weniger auch ihr ganzes langes Leben lang (sie wird 80 Jahre alt).

Etwa mit 7 Jahren kommt der Junge in ein Erziehungsheim, bis jetzt hat er sich bereits durch etliche Streiche als renitent und schwer erziehbar erwiesen. Die Erziehungsanstalt wiederum erweist sich als „förderlich“ für des jungen Pücklers Karriere als Schürzenjäger. Bereits als 10-Jähriger genießt er erste sinnliche Freuden[9], als 13-Jähriger tut er sich auf dem Pädagogikum in Halle mit einem Spottgedicht auf eine Dame der Gesellschaft hervor und fliegt. Auch von den nächsten Schulen fliegt er, so dass er schließlich doch wieder aufs Schloss in Muskau zum ungeliebten Vater zurückkehren muss. Die Mutter inmmerhin ist inzwischen weg, taucht aber schon wenig später wieder im Leben ihres Sohnes auf. Zwar ist sie wieder verheiratet (inzwischen 30-jährig) und hat auch einen kleinen Sohn, was sie nicht daran hindert, mit ihrem nun hochaufgeschossenen Sohn Hermann eine Art „Liebesgeplänkel“ einzugehen, das „nur eben so am Inzest vorbeigeht“[10]. Es ist nicht ganz klar, ob sich Hermann darauf eingelassen bzw. dies initiiert hat, um sie zynisch und parodistisch vorzuführen und sich zu rächen.

Mit 16 Jahren erklärt er sich für volljährig und lässt sich von niemandem mehr etwas sagen. In den nächsten Jahren macht der junge Mann Bekanntschaft mit dem Glücksspiel, dem er bis ins hohe Alter treu bleibt, und lässt sich mit einer verheirateten Frau ein, was ihm sein erstes Duell einbringt. Heute würde man sagen: der junge Mann ist drauf und dran, auf die schiefe Bahn zu geraten, während er doch in Dresden eigentlich „Jurisprudenz“ studieren soll. „Die streng pietistische Erziehung an der „herrenhutischen Heuchelanstalt“ (Pückler) insbesondere in Uhyst begründen seine spätere Abneigung gegen den Protestantismus. Sofern er sich religiös äußert, tut er dies als Pantheist. Im hohen Alter konvertiert er zur römisch-katholischen Kirche.“[11]

Von 1802 bis 1806 ist der junge Hermann Leutnant im sächsischen Garde du Corps in Dresden. 1806 – mit 21 Jahren und mit Erreichen der Volljährigkeit treibt er seine Eskapaden zu weit und muss verschwinden, was allerdings auch mit dem bevorstehenden und drohenden Krieg zu tun hat. Heimatlos wandert er in den nächsten Jahren durch Europa.

Fürst-Pückler-Eis – das Original, Bildquelle: kochbuch.kulturpixel.de

Gehen wir ins Jahr 1854. Das ist das Jahr, in dem der 69-jährige Hermann Pückler beginnt, seine sogenannten „Tafelbücher“ – er war ja ein ausgewiesener Feinschmecker – über die in seinem Schloss getätigen Gastmahle zu führen. Schreiben tut er sie nicht selbst, das macht ein gewisser Billy Masser[12], der als Diener und dann späterer Geheimsekretär und Haushofmeister eine wichtige Rolle im Schloss spielt. Das Eis, das Pücklers Namen trägt, kommt in den Büchern nicht vor, auch kein Rezept oder ähnliches. Ob Pückler das Eis jemals gegessen hat, ist nicht überliefert. Das Originalrezept stammt von einem Koch am königlich-preußischen Hof namens Louis Ferdinand Jungius und datiert bereits aus dem Jahr 1839. Pückler speist häufig am Hof Friedrich Wilhelm III. Als der Koch fragt, ob er seine Kreation nach ihm benennen könne, leiht der ganz und gar nicht uneitle Pückler offensichtlich gerne seinen Namen für die kulinarische „Bombe“.

Dass die Namenswidmung lediglich für ein Dessert reicht, nicht aber einem Hauptgericht gilt, mag wiederum etwas über die Bedeutung, die Pückler zuerkannt wird, aussagen. Ein poppiges Eis mit dem Namen eines Popstars? Zu mehr reichen seine Bekanntheit und sein Werk nicht? Tatsächlich wird Pückler (da ist er bereits 49) bis zum Jahr 1834 lediglich als Exzentriker, der versucht, sich mit Skandalen in Szene zu setzen, in der Öffentlichkeit wahrgenommen.

„Die «Briefe eines Verstorbenen» werden ein Bestseller, auch in der englischen Übersetzung. Kritisch spöttelnd und nicht nur politisch inkorrekt, zeichnen sie ein Gesellschaftsbild der Aristokratie wie der einfachen Bürger, schätzen den industriellen Fortschritt Englands, erspüren soziale Verwerfungen. […] Ab 1834 verkaufen sich auch die «Andeutungen über Landschaftsgärtnerei» des autodidaktisch zum Parkspezialisten avancierten Pückler gut. Er formuliert nun seine Gartengrammatik, etwa die ästhetische Notwendigkeit grosser Bäume im Landschaftspark sowie ihre Verpflanzung mit Baumwagen englischen Vorbilds – und umreisst das Gesamtprojekt Muskau, eher Utopie denn Wirklichkeit.“[13]

Mit 54 Jahren nähert sich der „schillernde Star“ dem Zenit seines schriftstellerischen Ruhms, der seinen Stellenwert in der Gesellschaft schlagartig änderte. Ich ziehe dies zur „Korrektur“ des Horoskops[14] hinzu – ebenso wie man sich die Fotos des Mannes genau anschauen kann: wie ein Steinbock-AC mutet er, paradoxerweise in Anbetracht des Merkmals „Übermaß in allem“ (Pückler ist schlank und drahtig bis ins Alter), nicht an. Ruhelosigkeit, in gewisserweise ein „Escapismus“ und die Zwiegespaltenheit deuten grundsätzlich auf den Schützen hin.

Somit käme zwar Herrscher von 10 (Pluto) nicht mehr ins 1. Haus (das wäre die an ihm selbst sichtbare Verdrängung), sondern der Herrscher von 10 steht nun im 9. Haus. In diesem Fall würde die Venus alles, was aus dem Ungesagten des IV. Quadranten in die Zeit kommen will, zusammen mit dem Mond in die Fügung bringen und anschaulich machen. Allerdings steht der Zwilling am DC und beschreibt dort die Farbe des öffentlichen Bewusstseins, in dessen Geartetheit er nicht passt, aber in der er leben muss.

Nächster Überprüfungspunkt. Im Fügungsrhythmus läuft Pückler zwischen 49 und 56 durch das 5. Haus unter der Ägide von Stier und Venus-Mond. Die Süße des Lebens?

In den Jahren 1834 bis 1840 unternimmt Pückler seine Orientreise. Zur „Süße des Lebens“ zählt ganz bestimmt die 11-jährige Mahbuba, die er 1837 in Kairo kauft. Er will ihr großzügig nichts weniger als die Freiheit schenken, sie ausbilden und ihr Lehrer sein. Sie stirbt – kaum dass sie auf dem Schloss in Muskau angekommen ist – am 27.10.1840. Eckart Klessmann[15] hat ausführlich über die Beziehung geschrieben, auch darüber, wie feige sich Pückler zum Zeitpunkt ihres Todes verhalten hat: Er ließ die des Deutschen nicht mächtige abbessinische Kleine krank zurück und begleitete seine Mutter-Frau, die Gräfin Lucie, nach Berlin.

Diese Ereignisse könnten den Hinweis darauf liefern, dass der Steinbock-AC und die Uhrzeit von 12:00 Uhr (exakte Uhrzeiten sind mir immer verdächtig) nicht stimmen. Der Steinbock ist allerdings weiterhin im 1. Haus mit dem Saturn im 2. Haus. Stimmiger scheint der Schütze-AC, wobei die Sonne noch in 10 zu stehen kommt. Im 10. Haus liegt die Zeit als Gestalt der Gegenwart bereit und bestimmt diese. Der Skorpion sucht nach der Bestimmung der kommenden Gegenwarten, neue Welten, die in der Waage auftauchen. Die Skorpion-Sonne sucht die Übereinkünfte der Eigenarten, da der Schütze aus dem 12. Haus kommt, im Ungeschehenen und im Untergegangenen vor dem Ursprung. Der Schütze-Ascendent sucht im Unbekannten und will zwischen neuer und alter Welt vermitteln.

„Zur freien Entwicklung nach allen Seiten bedarf jede Pflanze Luft und Licht, das ihr gerade so weit gewährt werden muss, als zur Gesundheit, Dichtigkeit und Fülle aller nötig ist. Es ist dies die Freiheit der Bäume, nach der wir uns ebenfalls so sehr sehnen.“[16]

Ein Schütze-AC mit dem Jupiter in 3 und in Opposition zu Venus-Mond im neunten Haus deuten auf die weiten Reisen, die exaltierte Selbstdarstellung und die Jagd nach Frauen hin. Im Phänomensrhythmus befindet sich der Fürst im Alter zwischen 42 und 49 im 8. Haus unter im Zeichen Löwen. Jetzt lebt er die Regelung des Lebens – weniger exzentrisch auf enfant-terrible-Art – und fertig Erlebniswelten (Parkanlagen) auch für die kleine Mahbuba, die ihm aber unter den Händen wegstirbt.

Mit diesem neu angenommenen Sonnenstand – nun nicht mehr am MC, sondern kurz vor dem Ende des 10. Hauses in Richtung 11. Haus – kommt der Neptun an den MC und kennzeichnet Pücklers „Verschwinden“ im Jahr 1806, bei dem er sich den Blicken der Familie und dem Ausüben seines geerbten Reviers entzog. Fische steht im 3. Haus, er taucht weg. Der Neptun auf dem MC bzw. in Konjunktion zu ihm spräche ebenfalls für das „Verschwinden“ des jungen Mannes aus der familiären Umgebung mit 21 Jahren.

Der Mars auf dem Deszendenten – Pücklers pointierte Ausdrucksweise in der Öffentlichkeit und seine Parodie- und Streichorgien machen seinen Ruf aus. Der Rächer des nicht gelebten Neptun im Mars, und der Pluto im Bild als der Anzeiger des Ortes der Verdrängung: der Besitz, das Revier im 2. Haus. Die Erscheinung trägt den Wassermann in sich, die Aufhebung der Grenzen und der Unterschiede, wird zum Leitbild und im 3. Haus mit Jupiter zur Ausübung. Die Gärten – Parkanlagen, savannenmäßig – sind im 3. Haus zu suchen. Fische hat er dort, die Gärten sind mit Wasserlandschaften angelegt und mit Jupiter zusätzlich großzügig „bewaldet“ und mit vereinheitlichendem (zu einem Großen und Ganzen zusammenfassend) Handstrich gefertigt. Er schafft Menschen gemachte Gärten und greift regelnd in die Natur, ins Gewachsene ein. Noch heute sind die nach ihm angelegten Gärten Ausflugsziel und Begehungs- und Wanderwege. Er ist viel weniger Künstler und Erschaffender als Eingreifer und Vergewaltiger des Gewachsenen – ein „Vollender der Natur“[17].

Der Vater – beim Sohn im 4. Haus – kommt als Feind im eigenen Heim zum Vorschein, die Mutter (in Haus 10 die Waage)  ist die Prägung (im Venus-Mond) in 9 für das Frauen-Bild im Zusammenhang mit dem Bild von sich selbst als Kind. Der Mann, der seine Mutter, die Mütter jagt. Die Frauen jagt er u.a. in England, in Griechenland, im Nahen Osten oder in Afrika. Er ist mit einer neun Jahre älteren Frau verheiratet, von der er sich zwar scheiden lässt – das allerdings aus rein finanzpolitischen Gründen. Er bleibt ihr bei all den vielen „Affären“ únterworfen, braucht sie – auch als Ideenlieferantin.

Schaue ich doch jetzt einmal auf eine Frau, bei der Fürst Pückler auf seiner Syrien-Libanon-Reise am 3. April 1838[18] auf ihrem Wohnsitz Dahar-Dschuhun eintrifft. Sie ist ausnahmsweise keine Jagdbeute, sein Interesse gilt der Besonderheit dieser Frau. Vielleicht hat er sich von ihr das Horoskop erstellen lassen? Ich werde das noch in Erfahrung bringen.

Während sich der Fürst auf seinen Reisen im Nahen Osten und durch das „Reich von Mehemd Ali“ in den Jahren 1837-38 den Ruf eines Paschas erwirbt, der sich einen Harem von Sklavinnen zusammenkauft, lebt Hester Stanhope bereits seit 1810 im Libanon und reist nicht mehr. Sie kam als erste westliche Frau nach Palmyra in der syrischen Wüste und wird von verschiedenen Beduinen-Stämmen als die neue Zenobia[19] gefeiert. Es heißt auch, dass sie sich feiern lässt.

Stanhope und Pückler, Karikatur von Alexander von Ungern-Sternberg, Quelle: Heinz Ohff

Als der deutsche Reise-Fürst Pückler um eine „Audienz“ bittet, lehnt sie zunächst ab; sie ist inzwischen 62 Jahre alt, hat sich zunehmend isoliert, ist zwar immer noch eine exzentrische, eigenwillige, aber auch eine schrullige, misanthropisch-merkwürdige Person – Astrologin ist sie und Mystikerin, Derwischen und Prophezeiungen zugeneigt. Mit dem Gestalten von Gartenanlagen kennt sie sich ebenfalls aus.

Geboren ist Hester Lucy Stanhope am 12. März 1776 in Kent. Ihr Vater ist der Erfinder der Stanhope-Linse und auf ihn geht auch die erste vollends aus Eisen gefertigte Druckerpresse zurück, mit der Bücher für jedermann erschwinglich wurden. Anders als im Fall von Fürst Pückler sind die Eltern dieses Kindes glücklich miteinander in einer Liebesehe. Die Mutter stirbt unglücklicherweise bereits  1780, wenige Tage nach der Geburt der jüngsten Tochter. Der Vater verwindet den Tod kaum, Kälte und Freudlosigkeit ziehen in die Kindheit des Mädchens ein, auch sollen sich des Vaters Zwangsneurosen verschlimmern. Zu allem Unglück heiratet er nur ein halbes Jahr später ein zweites Mal, aber die Stiefmutter ist ihren drei Stieftöchtern gegenüber wenig liebevoll und eher gleichgültig und engherzig. Der Vater indes wird immer verschrobener und seltsamer und hilft den Kindern nicht.

Die junge Hester muss früh für ihre übrigen Geschwister sorgen (es kommen noch drei Brüder hinzu), und ist die einzige, die sich gegen den Vater behaupten kann. Schon mit 15 ist sie ungewöhnlich groß (sie wird später 1,80 m messen) und nicht gerade eine Schönheit.

Im London der 1790er Jahre wird ihr von einem Propheten erzählt, dass sie eines Tages „mit der Sonne bekleidet“ eine „weibliche Führerin der zwölf Stämme Jerusalems“ werden würde. 17 Jahre später zieht sie tatsächlich durch das Heilige Land und kleidet sich als asiatische Monarchin.

Vorher aber verlässt sie 24-jährig zunächst das Elternhaus (1800) und zieht zu ihrer Großmutter in die südwestenglische Grafschaft Somerset. Nach deren Tod zwei Jahre später arbeitet sie als Haushälterin und Gesellschaftsdame ihres Onkels William Pitt der Jüngere (zweimaliger britischer Premierminister) in der Downing Street 10 und schmeckt vom Einfluss in Politik und Geopolitik, auch von den Intrigenspielen (für die auch sie später berüchtigt wird). Mit Pitts Tod im Jahr 1806 verliert sie ihre herausgehobene, einflussreiche Stellung, bleibt noch zwei Jahre in London und Wales und kehrt schließlich – als sowohl ihr Bruder als auch (wie mancherorts zu lesen ist) die Liebe ihres Lebens John Moore in der Schlacht von La Coruña fallen – England den Rücken zu.

Lady Stanhope, Quelle: https://www.adventure-journal.com

Im Alter von 34 Jahren kommt sie 1810 schließlich in Konstantinopel an, verweigert nach dem Verlust (sie erleidet Schiffbruch auf ihrer Überfahrt und strandet zunächst auf Rhodos) ihrer gesamten Habe mitsamt ihrer westlichen Kleidung das Tragen des vorgeschriebenen Schleiers, rasiert sich kurzerhand die Haare ab und trägt fortan türkische Männerkleidung und Turban. Einige Zeit lang hegt sie wohl die Idee, im Libanon eine Art Akademie für wissenschaftlichen, humanistischen Austausch zu gründen, sie will ethnologische Studien betreien, der Gedanke ist aber zum Scheitern verurteilt.

In Nordafrika bzw. in Palästina eingetroffen, beginnt sie Türkisch und Arabisch zu lernen, und als sie sich in Damaskus wiederum weigert, sich vorschriftsmäßig zu verschleiern, erobert sie mit ihrer unbeugsamen Haltung die Herzen der Einwohner. Bald huldigt man ihr wie einer Königin. Auch die Beduinen in Palmyra, unter denen sie sich wie ein Beduine gekleidet bewegt, sind beeindruckt – und krönen sie in einer Zeremonie zu ihrer Königin. Von nun an ist sie „Queen Hester“.

1813 ist sie mit 37 Jahren auf dem Höhepunkt ihres Lebens. Schon kurz darauf aber verlässt sie ihr letzter „Geliebter“ und geht nach England zurück. Ihr aber fehlen für eine Rückreise die nötigen finanziellen Mittel und zum ersten Mal ist sie wohl auch verunsichert wegen des Klatsches und der Gerüchte, die in England über sie und ihre Liebschaft zu einem viel jüngeren Mann kursieren.

1817 zieht sie sich in ein aufgegebenes Kloster in Djoun, oberhalb von Sidon im Libanongebirge zurück. Von hier aus erlebt sie den Bürgerkrieg von 1825-27 und seine Auswirkungen, ihr Rückzugsort wird von Flüchtlingen und rivalisierenden drusischen Clans überrannt. Letztlich entgeht sie aber der Auflösung ihres Refugiums (1832), weil der Sohn des ägyptischen Gouverneurs Muhammad Pascha – der Verweser seines Vaters in Syrien – sie verschont. In der Folge gewährt sie nochmals Verfolgten Asyl, es kommt im Kloster zu einer Gelbfieber-Epidemie, der ihre Gesellschafterin zum Opfer fällt, während sie überlebt.

Als Fürst Pückler (nach Alphonse de Lamartine, der sie 1832 aufsucht, ein letzter Besucher aus Europa) schließlich im April 1838 ankommt, ist das Kloster bereits dem Verfall geweiht. Hester ist mehr denn je verschuldet, hat weder Geld noch Kraft, das Anwesen zu pflegen oder gar zu renovieren. Auch ihr langjähriger Leibarzt Meryon reist im August ab, sie bleibt umgeben von nur einigen treuen Dienern allein zurück und stirbt am 23.6.1839 im Alter von 63 Jahren völlig isoliert und vergessen.[20] Die Klostermauern von Djoun finden die später sie Findenden zugemauert. Man kann sagen: die Frau ist die Erscheinung der Isolation geworden.

Blonde, leicht rötliche Haare soll sie gehabt haben, auffallende blaue Augen – und wie gesagt soll sie für eine Frau jener Tage ungewöhnlich groß gewesen sein. Ihr Auftreten ist schon von jung an eher männlich als weiblich (Pluto in Wassermann als Pluto-Uranus in 3), auch hat sie keine Freundinnen, sondern unterhält sich lieber mit Männern über Politik, Philosophie und andere intellektuelle Themen. Die Vorliebe, in späteren Jahren (türkische) Männerkleidung zu tragen, die Tatsache, dass sie beim Reiten den Damensattel ablehnt sind Indizien für eine Frau auf Konfrontation und Hass mit der traditionellen Frauenrolle, aus der sie hervorgeht.

Hier etwas zum Hören:

Ihr Faible für das den nahen Osten – wobei sie es ablehnt, die „Königin der Juden“ zu werden (!), sondern die arabische und muslimische Kultur vorzieht und die Beschäftigung mit Mystik (Neptun) und Okkultismus und Prophezeiungen (Pluto) lassen mich an einen Skorpion-Aszendenten denken. Was Liebschaften angeht, hat sie kein glückliches Händchen: Eine Affäre mit einem Verheirateten, der Tod von General John Moore, der 11 Jahre jüngere Michael Bruce. Dass sie mit ihrer direkten Art und einer distanzlosen Übergriffigkeit (Venus in Wassermann ist eine Amazone und lässt sich auf Konventionen nicht ein) in der Gesellschaft aneckt, interessiert sie überwiegend nicht. Sie lebt nach ihren Maßstäben und Vorstellungen. Besonders aber nachdem sie sich auf den Berg im Libanon zurückgezogen hat, wird sie zu einer „Erscheinung der Isolation“ – der Saturn steht im 12. Haus, und wäre angetroffen mit 4 Jahren, als die Mutter stirbt. Aber das muss anhand von noch mehr biographischen Daten weiter verifiziert werden. Saturn in 12 – das ist die Auslassung, die Versenkung der Bestimmung aus dem Endzeichen Steinbock des Sonnenverbundes. Mit Löwe am MC und Herrscher von 10 in 5 ist sie eine Erschaffende – die Fische-Sonne und die Opposition Sonne-Neptun lassen sie eine Welt des Wirklichen erschaffen – eine Königin in einem Reich. Allerdings ist es eine aggressive, kriegerische Welt, die sie schafft und gestaltet, ihre Heimat ist aufgehoben und aus der Gegenwart gefallen.

Mond-Quadrat-Neptun-Opposition-Jupiter im Aspektdreieck von Haus 2 zu 11 und zu 8: die vier fixen Häuser spielen ohnehin eine wichtige Rolle und Mond-Jupiter ist ein Schott, das anzeigt, dass eine Vorstellungsgebundenheit vorliegt, die das Fließende kanalisiert. Das beginnende Leben war voller Verheißung, doch geht die Bestimmung verloren. Mond-Jupiter ist die Schwächung des Vaters und damit des Vaterbildes. Da man aber, wenn das Prinzip der Gestalt des Lebens untergeht, keinen Ursprung in die Zeitlichkeit und keine Bestimmung erhält, wird der Träger Vorgang. Er hat kein Dasein und keine Gegenwart und ist als solches auf die Zukunft hin orientiert.

Lady Hester wird von den Beduinen zur Königin gemacht, doch sie ist wesentlich lediglich die Spiegelung, die Fata Morgana einer anderen Frau, die längst untergegangen ist. Lucy – wie sie ja mit zweitem Vornamen heißt, die Lucide, die Lichtvolle – lebt in deren Spiegelung und bezieht daraus ihre Erscheinung, die sie ja auch mit Mond in 2 im Schützen im Gemeinschaftlichen zeigt. Die ausführung indes übernimmt Pluto in 3 im Wassermann: sie setzt Zeichen. Dass sie auf die Wiederkunft des Messias wartet, ist Symptom für ihre Gegenwartslosigkeit.

Die Mond-Neptun-Verbindung deutet dabei auf die Konkurrenz- bzw. Unterwerfungssituation zu einer anderen Frau an. Beide Erfahrungen dürfte die junge Hester mit 10-12 Jahren mit ihrer Stiefmutter gemacht haben. Auch besagt die Konstellation die Auflösung des Subjektiven zum Zwecke des Empfangens der Quelle, eine Nähe zur Wirklichkeit, die im bewältigten Sinne ein Empfinden für das Wahre. – Allerdings wird ohne Neptun ein Mond-Mars daraus, so dass man sich in Selbstzerstörung wiederfindet. Abwesenheit vom Wirklichen, und die versunkene Weiblichkeit im Zeichen der Ungeborenheit.

Das Vorhandensein sowohl von Sonne-Neptun als auch Mond-Neptun und Mars-Neptun zeigt an, dass die Interessenlage des Kindes in der Familie, in die es hineingeboren ist, ungeeignet für das Kind ist. Es handelt sich um eine über Generationen weitergereichte Erfahrung – dazu vielleicht einige familiäre Hintergründe. Die Familie von Lady Hesters Mutter stellte gleich zwei Premierminister in Großbritannien: William Pitt, 1. Earl of Chatham, und sein Sohn William, Hesters Onkel, der 2. Earl of Chatham. Auch Hester Pitt, Countess of Chatham, die Ehefrau von William Pitt, dem Älteren war Politikerin. Ihre erstgeborene Tochter Hester (1755-1780) heiratete Charles Stanhope und war Lady Hester (geboren am 19.10.1755) Lucys Mutter.

Die Stanhopes sind ebenfalls Adlige und politisch demokratisch ausgerichtet. Charles Stanhope war sowohl Politker als auch Wissenschaftler (geboren am 3. 8. 1753) und begrüßte die Ideen der französischen Revolution. Stanhopes erster Sohn mit seiner zweiten Frau Louisa Grenville war in dem 1830er Jahren in den Kasper-Hauser-Fall involviert. Aus einem Briefwechsel über die Stanhope liest sich Folgendes:

„… […] Aus ihnen ergibt sich schon, dass Stanhopes Vater und alle seine Kinder seltsame Menschen ohne Gleichgewicht waren. Besonders bekannt ist seine Halbschwester Hester Lucie, die lange Jahre auf dem Libanon im Style einer orientalischen Despotin lebte….“[21]

Dass sich – bei der in der Familie zu erwartenden Abwesenheit des Prinzips der Gestalt des Lebens sich der älteste Sohn ausgerechnet Kasper Hausers annahm und dessen Herkunft klären wollte, sagt bereits doch etwas über die Schärfe des Symptoms aus. Der Sohn selbst muss sich im lichtlos und im Verlies aufgewachsenen Findelkind Kaspar gespiegelt haben – ob das Zuhause wirklich ein Ort des Gefängnisses war, oder ob er es in seiner Erinnerung dazu machte, wissen wir nicht sicher. Auf jeden Fall spielt der Vater eine große Rolle in der lieblosen häuslichen Atmosphäre. […]

An dieser Stelle verlasse ich den offiziellen Raum und arbeite und feile noch weiter. Daneben lese ich weiter in den verschiedenen Biographien und Werken.

 

Literatur von Hermann von Pückler-Muskau

  • Die Leidenschaft ist der Schlüssel zur Welt, Briefwechsel 1832-1844 mit Bettine Brentano
  • Andeutungen über Landschaftsgärtnerei, erschienen 1977 bei DVA, gebunden
  • Briefe eines Verstorbenen, 2 Bde.
  • Aus Mehemed Alis Reich, Ägypten und der Sudan um 1840

 

Literatur über Hermann von Pückler-Muskau

  • Eckart Kleßmann, Fürst Pückler und Machbuba, Erschienen 1998, Rowohlt, Berlin
  • Hans-Hermann Krönert, Der tolle Pückler. Regia Verlag Cottbus
  • Heinz Ohff, Der grüne Fürst, Das abenteuerliche Leben des Hermann Pückler-Muskau, Serie Piper, 1993

 

[1] Fürst Hermann von Pückler-Muskau

[2] Ohff, S. 17

[3] Fürst Hermann von Pückler-Muskau

[4] Saint-Simon hat die Potentiale der Industriegesellschaft für das utopische Denken erschlossen. Durch die Zunahme des gesellschaftlichen Reichtums erwartete er, dass die Interessengegensätze zwischen den Besitzern und Nichtbesitzern der Produktionsmittel bedeutungslos werden. In seinen Schriften vertrat Saint-Simon die revolutionäre Ansicht, dass nur die „Industriellen“ (industriels), d. h. die durch „Arbeit“ (das Wort bedeutete damals auch „Erfindertum/Arbeitsfleiß“) Dienstleistungen und vor allem Güter produzierenden Individuen, nützliche Mitglieder der Gesellschaft seien, und dass der Anteil des Einzelnen am gemeinsam erwirtschafteten Wohlstand nach seiner eingebrachten Leistung zu bemessen sei – womit parasitäre Klassen wie der Adel, die Rentiers, aber auch Zwischenhändler aller Art leer ausgingen, während sowohl die Unternehmer als auch die Arbeiter jeweils ihre angemessene Entlohnung erhielten. In seinem postum gedruckten Buch Le Nouveau Christianisme (1825, deutsch: „Das neue Christentum“) erklärte Saint-Simon es speziell auch zur Aufgabe des Christen, die unteren Bevölkerungsschichten bei der Verteilung des Sozialprodukts gerecht zu berücksichtigen. Quelle: wikipedia bzw. Petra Schaper-Rinkel: „Andere Zukünfte: Politik der Utopien. In: PROKLA. 2005.

[5] Der grüne Fürst, Das abenteuerliche Leben des Hermann Pückler-Muskau, Serie Piper, 1993

[6] 30.10.1785, 12:00 Uhr mittags, gerechnet auf Görlitz, Schloss Muskau

[7] Es gibt zwei Achsen der De-Individualisierung: Die eine ist die Wassermann-Löwe-Achse (ich nenne sie die China-Strategie), die andere ist die Skorpion-Stier-Achse (als Clan-Strategie). Bei ersterer geht das Leben als Dasein (Subjekt) im Großen Ganzen auf, es wird aus der Dualität gerissen und ist Teil von Größerem, dem es sich anheimstellt. Es entsteht ein Schwarm. Die zweite „integriert“ das Einzelwesen in ein Kollektiv, das nach ganz bestimmten Vorstellungen strukturiert ist, und diese auch einfordert und überwacht. Es entsteht ein Geflecht. Dass sich beide Strategien „überschneiden“ ist nicht zu vermeiden. 

[8] Ohff, S. 17ff

[9] Ohff, S. 19 ff

[10] Ohff, S. 33

[11] wikipedia

[12] Er wird auch „der Zwerg des Fürsten Pückler“ genannt.

[13] https://www.nzz.ch/feuilleton/kunst_architektur/landschaftsarchitekt-hermann-von-pueckler-muskau-die-ganze-welt-in-einem-garten-ld.107705

[14] Die neue Geburtszeit: 30.10.1785, 10:24 Uhr MEZ (nicht sicher, bzw. offiziell bestätigt)

[15] Eckart Kleßmann, Fürst Pückler und Machbuba, Rowohlt Berlin, 1998

[16] Fürst von Pückler-Muskau

[17] „Naturvollender“ getitelt in der Süddeutschen Zeitung vom 19. Juli 2016.

[18] Quelle: www.furstpuecler.de/Zeitungsartikel gibt 1837 an; im Buch von Heinz Ohff ist das Treffen auf Anfang 1838 datiert. In Strohmeyr, Armin: Die leuchtenden Länder: Reisende Frauen erkunden den Orient findet sich obiges Datum.

[19] Septimia Zenobia wurde etwa um 240 in Palmyra geboren und war von 268-72 n. Chr. Herrscherin Palmyras und des römischen Orients. Als Septimius Odaenathus (wahrscheinlich Ende) 267 starb, übernahm Zenobia die Regentschaft für ihren minderjährigen Sohn Vaballathus. Sie war sehr gebildet und beherrschte laut der Historia Augusta außer ihrer Muttersprache Palmyrenisch auch Griechisch, Ägyptisch und Latein. […]271 ernennt sich Zenobia gemeinsam mit ihren Sohn Vaballathus zu Kaisern des Ostens (Augusta und Augustus). Die vertraglich vereinbarte Rückgabe von Ägypten an Rom wird von ihr verweigert, 272 eröffnet Kaiser Aurelian einen Feldzug gegen sie.

[20] In einem Film von 1995 mit dem Titel Queen of the East ist ihr Leben verfilmt, ihr Leibarzt Meryon gab 1845 eine Biographie über sie heraus.

[21] Brief an Hermann Pies vom 17.5..1936, S. 116, in: Gustav Radbruch, Erik Wolf, Briefe, Vandenhoeck & Ruprecht 1968