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LASST DIE LÖWEN HEREIN

[…] Tiere im Tierpark, die haben Merkur-Pluto, sie sind nicht mehr sie selbst, sondern sie beziehen die Identität ihrer Erscheinung aus der menschlichen Vorstellung.“[1]

Vor einigen Wochen wurde ich gefragt, ob ich nicht in einem Artikel über das Tier Löwe einen Abschnitt über das Tierkreiszeichen Löwe beisteuern wolle. Mein erster Impuls war Begeisterung, gefolgt vom zweiten: Werden die wissenschaftlichen Skeptiker nicht die Mundwinkel verziehen? 

Wie würde ich ihnen das Löwehafte bei Menschen nahebringen, ohne dass es zu abgehoben oder banal klänge? – Zunächst begänne ich damit, dass sich das Zeichen Löwe zwischen dem des Krebs und dem der Jungfrau befindet, und alle drei zusammen den II. Quadranten im Tierkreis füllen – den „seelischen Teil“ des Tierkreises.

Einzelwesen, Subjekt, Subjektivität und das Leben, das Lebendige, das es zu schützen gilt. Ein Löwe-Geborener lebt aus dem Selbstverständnis heraus, dass es an ihm ist, sein Leben zu gestalten, sich auszuleben, sich zu behaupten. Seine Sicherheit und sein inneres Gleichgewicht liegen in der Möglichkeit, spontan handeln zu können. Diesen als Freiheit zu bezeichnenden Handlungsspielraum wird ein Löwe-Geborener immer verteidigen. Das Lebendige ist dem Löwen lieber als Ideen, Ideologien oder sämtliche –ismen.

Wer sich am Entfalten des Lebendigen vergreift, hat den Löwen zum Feind, den er dann auch jagt. Denn er ist grundsätzlich ein Jäger. Einen Löwe-Menschen reizt außerdem alles, was in Bewegung ist: hier liegt sein „Jagdinstinkt“ – das Erjagen der Beute ist ihm im Spieltrieb viel wichtiger als ihr Besitz. Das Löwehafte, würde ich fortfahren, ist das Erschaffende von Erlebnisräumen, das Spielerische, Verspielte, die Kreativität mit viel Vitalität und Liberalität – eine geschlossene Welt, in der sich jeder, der dort eintritt, in seinem Sein gesehen und beschützt fühlen kann. Das Löwezeichen ist ein fixes, männliches und ein Feuer-Zeichen. Fixe Zeichen zeichnen sich durch Geduld, Beharrlichkeit, Feuerzeichen durch gespannte Aktivität, und männliche Zeichen durch ihren Durchsetzungswillen aus. –  Von den positiven Eigenschaften würde ich sprechen und von den negativen ebenso.

Ebenfalls neulich war ich im Zirkus, einem großen, einem berühmten mit einer spektakulären Raubkatzen-Nummer. Der Hintergrund des Zirkus-Besuches und des Löwen-Artikels sind dergleiche: Die realen Löwen sind vom Aussterben bedroht. Und zwar sind sie bedroht, weil es ihren Lebensraum nicht mehr, bzw. nur noch beschnittenermaßen, gibt.

„Vom Asiatischen Löwen (Panthera leo persica) existieren nur noch etwa vierhundert Tiere in freier Wildbahn; sie leben alle im Gir-Forest-Nationalpark im indischen Bundesstaat Gujarat, der mit rund 259 Quadratkilometern (Barat Lal 2000) eine Fläche von der Größe der Stadt Frankfurt bedeckt – oder Londons, circa sechsmal so groß, wenn man das dazugehörige Schutzgebiet hinzurechnet.“[2]

Der nordafrikanische Berberlöwe kommt in freier Wildbahn nicht mehr vor, die Populationen der indischen und der afrikanischen Löwen sind bereits so geschrumpft, dass die Gefahr der Inzüchtung besteht. Die noch bestehenden großflächigen Habitate in der Serengeti und in Tansania sind inzwischen Objekte von Bauspekulationen. Die in Südafrika „wild“ gehaltenen Löwen sind Touristenattraktionen im Kalkül von selbsternannten Tierschützern (und werden dann gegen Geld doch zum Abschuss freigegeben).

„Wir sehen Löwen in der Werbung, in Wappen von Bundesländern und Fußballvereinen, nehmen Sie nur in München den TSV 1860! Wir bestaunen den „König der Löwen“, in Dokumentationsfilmen bewundern wir ihn bei der Jagd. Dabei merken wir nicht, dass diese Dokus im immer gleichen Reservat gedreht und immer wieder wiederholt werden. Keiner merkt, dass das real existierende Tier nebenbei verschwindet.“[3]

Beide – der Mensch und der Löwe – stammen aus Afrika, zusammen haben sie ihre dortigen Ur-Habitate verlassen und sind in Co-Evolution ausgewandert. Man könnte sagen: der Löwe gehört als Umstand zum Leben des Menschen dazu. In Aussteuerung der Gefahr, die von Löwen ausging, konnten die Menschen ihre eigene Population „gesund“ halten, bzw. sie blieb gesund, denn es überlebte nur der, der sich der Gefahr bewusst wurde und sich entsprechend verhielt. Löwen – wie auch einige andere Tiere – gehören astrologisch ausgedrückt – zur Gestalt des Menschen, so wie die Biene zum Apfelbaum gehört.  

Das führt uns zum nächsten Punkt, zu dem, was geworden ist: Der reale Löwe verschwindet, und dennoch oder gerade deshalb taucht der Löwe als „Symbol“ und als Zeichen auf. Er wird gezählt, gemessen, gekennzeichnet, mit Kameras verfolgt werden seine Bewegungen aufgezeichnet. Er ist nicht mehr das, als was er gedacht war – von der Gestalt seines Lebens und seiner Zeitlichkeit her. Selbst in Zoos können Löwen nicht ihrer Gestalt gemäß „gehalten“ werden. Die Löwen in Zoos, die seit 100 Jahren gezüchteten Neutiere, sind fehlgeprägt und haben sich morphologisch von ihren Ahnen entfernt. Die Domestikation bewirkt, dass wir es mit einem anderen als dem ursprünglichen Löwen zu tun haben: Gebiss und Skelett haben sich verändert.[4]

Wenn der Löwe aus der Welt verschwindet, wird unser Bild an ihn verblassen – und damit wird das Prinzip des Löwehaften ausfallen. Der Mensch verliert noch mehr Maß und Bestimmung als er ohnehin bereits verloren hat. Leider gehen die Verluste Hand in Hand: je mehr die Menschen sich in ihrer eigenen Ursprungslosigkeit zu mechanischen Ausführern entwickeln, desto weniger dulden sie Unkontrollierbares in ihrer Nähe. Und wilde Tiere sind nun einmal nicht kontrollierbar, weswegen sie ausgerottet werden.

In den nachfolgenden Kapiteln komme ich zu einigen Menschen, die sich als Löwemenschen um die Gestaltung der Welt im Zusammenhang mit Film „kümmern“. Sie erschaffen Erlebniswelten.

Nicolas Roeg und Christopher Nolan sind zwei Regisseure, das ist inzwischen mehrfach angeklungen. Auch, dass sie Löwe-Geborene sind. Der eine vom 15.8. (Roeg), der andere vom 30.7. (Nolan).

Der ältere Nicolas Roeg hat eine Sonne-Neptun-Merkur-, der jüngere Nolan eine Sonne-Mars-Konjunktion, es geht in ihrem Leben um Fragen des „Königseins“ oder darum, dass ihr Königsein verneint ist. Von keinem ist mir die Geburtsstunde bekannt, so dass wir keine Häuserverteilung heranziehen können. Die Sonnenstände von 22.22° und 6.54° im Löwen liegen sehr knapp noch in der Reichweite des Gruppenschicksalspunktes Saturn-Mondknoten. Das „Kürzel“ für diesen Punkt lautet: Die Begegnung mit dem Tod, d.h. man begegnet dem, was noch vor der Zeit ist, da der Saturn zuständig wird. Bei bestehender Verneinung heißt dies, dass man Teil des Vorgangs von Sterben wird und in diesem Vorgang sein Selbstverständnis zu finden meint und vermag.

Ich kenne mitnichten auch nur eine Handvoll Filme der beiden Regisseure, nehme jedoch an, dass alle eine Affinität zu den Themen Tod und Sterben haben, die sie in spezifischer Löwen-Art-und-Weise bearbeiten.

Rund um den (Koma-)Film von Roeg werde ich neben David Bowie noch den Autor Walter Tevis hinzuziehen.

Was Interstellar angeht, werde ich mir den Hauptdarsteller McConaughey und den Schauspieler Michael Caine ansehen: er arbeitet seit Jahren immer wieder mit Nolan zusammen.

Nicolas Roeg – Mörder von Zeit und Logik

„[…] Roeg-Typisches. Die Ekstase seines Filmemachens. Sein Hang zum Mystischen. Seine meisterliche Bildgestaltung (er war Kameramann für „Lawrence von Arabien“ und „Fahrenheit 451“). Vor allem jedoch sein Gestaltungsprinzip, das Nebeneinanderstellen von Gegensätzen.“[5]

Die Frage von Glauben an Zufall und Vorherbestimmung, Initiationsreisen, Mystisches und Ähnliches ziehen sich durch seine Filme. Er stellt Gegensätze neben-/gegeneinander, ohne eine „Synthese“ zu liefern. Roeg lässt den Zuschauer ohne Erklärung oder Lösung irritiert zurück. Seine Figuren lernen offensichtlich nicht, sind am Ende nicht viel „weiter“ als zu Beginn, nur ist der Zuschauer um so desillusionierter. Seine Bilder ziehen den Betrachter in ihren Bann und sind abgründig.

15. und 16. August

In Ausdrucksstärke, unmittelbarer Erlebnisfähigkeit, in Mut und Risikobereitschaft zeigt sich seelische Kraft und Vitalität. Diese Anlagen sind so ausgeprägt, dass der Sicherungstrieb zeitweilig überlagert wird und somit die expressive Eigenwilligkeit stark in den Vordergrund tritt. Da man aus der jeweiligen Situation heraus lebt, denkt und handelt, ist man gezwungen seine Handlungsfreiheit und Unabhängigkeit gegenüber der Umwelt abzugrenzen und empfindlich auf jede Art von Einmischung und Übergriff zu reagieren. Dies gilt auch für die Denkweise und für jede Form der Anschauung. Deshalb ist man stets geneigt, „offenen“ und „neutralisierenden“ Denkformen zu huldigen. Daher setzt sich auch das Unkonventionelle in jedem Fall durch. Problematisch ist dabei der Mangel an Form und Beständigkeit und das Ausgeliefertsein an die jeweilige Situation. Gefühlsmäßig „in sich gefangen“, stärkt sich der Drang nach seelischer Expansion, allerdings mit der Gefahr der Richtungslosigkeit und Zersplitterung.

Kennzeichen: Neutrales Denken[6]

Was finden wir im Horoskop? – Bei unbekannter Geburtsstunde habe ich mein Programm auf 12:00 Uhr rechnen lassen, die Sonne steht also am MC – der Skorpion-AC ist nicht gesichert.

Aber wir haben den Verbund Krebs-Löwe-Jungfrau und können darüber etwas aussagen. Es geht dem Mann um die „seelische Verausgabung“. In der Exposition steht auf 18.6° der Pluto, das ist eine Mond-Pluto-Qualität: Man kann von der Vorbelastung mit einer Verneinung ausgehen; Heimatliches, Familiäres, die Herkunft sowie die Empfindung sind überlagert von einer ererbten Verneinung der der Fortpflanzung. Das entstehende Leben ist bedroht. – Mond, Herrscher von Krebs – steht (vermutlich!) in Löwe und in der Durchführung: die Angst vor der Bedrohung wird aufgeführt und zu einer Erlebniswelt erschaffen. Der Merkur daneben gibt das Skript und die Ausführungsanweisungen vor, wie dies zu geschehen hat; die Sonne setzt alles ins rechte Licht.

Neptun-Sonne und Neptun-Mars sind der verhinderte König, der aus dem Revier flüchten muss, um sich nicht zu gefährden. Damit wird er (Mars-Venus) zum Revierverletzer, der auf andere übergreift und auf den ebenfalls übergegriffen wird. Uranus und Saturn haben keine bis nur zwei Verbindungen zu anderen Prinzipien, Wassermann und Steinbock fallen – auch angezeigt in der großen Betonung des II. Quadranten – aus, was anzeigt, dass die Beschäftigung mit dem Himmel, dem man sich ausgeliefert vorkommt, fast zwanghaft thematisiert werden muss.  Sowohl Saturn als auch Uranus (und beide im Radix rückläufig) stehen in Feuerzeichen und stellen, zum Einen im veränderlichen Zeichen Schütze und zum Anderen im kardinalen Zeichen Widder die willentliche Handlungs- und Bewegungsfähigkeit in Frage. Die Einschränkung seines Willens ist dem Löwen ein Graus, für ihn nur schwer zu ertragen, es lähmt ihn in seinem unmittelbaren Lebensausdruck, lässt den Ausdruck nur sehr kontrolliert, über die Analyse und versachlichend zu.

Der Jupiter im Stier ist etwas wie ein „Glückstor“. Venus-Jupiter kann  grundsätzlich den Türöffner in das (hedonistische, soziale) Konsumgeflecht hinein anzeigen, man wird aufgenommen und bei Aufgabe der Eigenständigkeit integriert, ist dann Gleicher unter Gleichen. Dort isst man gerne, genießt und ist dem Körperlichen, den Phänomenen zugewandt. Jupiter erschaut auf dem GSP Sonne-Pluto und Venus-Pluto die Themen von Verhinderungen, Verdrängten, der seelischen Belastungen, die in Macht und Kontrolle Zuflucht suchen, will sie „verstehen“, zumindest zur Anschauung bringen Die Abwesenheit von der Gegenwart (= Sterben, Tod) und vom Bewusstsein (Bewusstlosigkeit, Welt in der Welt, Autismus, Koma) ist ebenso Thema.  

Das bringt mich zur Annahme, diesem Löwen einen Pluto im 7. Haus zuzugestehen: der Pluto, der über das Angelegtsein als Verhinderter in die Öffentlichkeit gelangt und als verweigerte Gegenwart berühmt wird.

Spiele ich weiter, käme bei einem Schütze-AC der Saturn ins 12. Haus, während am MC die Waage stehen würde: Bildaufnahme und Bildabgabe als Erwirktes, mit der Venus in der Jungfrau in Haus 8: die Bildanweisung an das Veränderliche als Regie, die Fixierung des fließenden Bildes.

Der Schütze-AC mit dem Jupiter in 4: er ist ein unermüdlicher, missionierender Seelen-, Empfindensfüger. Dem Kindhaften, dem verletzbaren Leben gilt seine Anschauung, ist Ausgangspunkt für seine Sinnsuche. Der IC im Widder spricht davon, dass es um „Feinde im eigenen Haus“ geht, der Mars in 5: er gestaltet Erlebniswelten, denen Aggression innewohnt – die Gefährdung des eigenen Lebens.

Der Verbund ist im Außen „eingeschlossen“ – hat keinen Übergang zu IV oder II, er wirkt ausschließlich in der Fixierung und Setzung von Programmen in der Öffentlichkeit. Der Mensch Roeg „mäandert“ zwischen dem Fixierenden als Fotograf und dem Fließenden als „Filmer der laufenden Bilder“, ist Kameramann ebenso wie Beleuchter. Seine Botschaft ins öffentliche Bewusstsein hinein ist die „Drohung dessen, das keine Gegenwart hat“ und quasi als Vorbereitung Dauerdurchführung.

Sinister, finster wäre auch der Saturn in 12; der Jupiter in 4 trägt dieses Dunkle, aber auch die Fügung aus dem Nichts heraus… von vor der Zeit aus dem Ent- und Nochnichtgewordenen ins Empfinden hinauf, das der Mars in 5 im Erleben zerstört. Mars-Merkur oder die Vorderseite eines Neptun-Saturn, dem der Uranus fehlt. Die Folgerichtigkeit des 3. Hauses wird mit dem konkreten Uranus in der Erscheinung unterbrochen. Hier liegen die irrationalen Sprünge, das Herausfallen aus dem Konventionellen und dem Kollektiven mit Exzentrik und Provokation. Roeg präsentierte Szenen und Zeit durcheinander, um sein Publikum zu verwirren.

Der Schnittstil, dessen Roeg gerühmt wird, geht auf den „zackigen“ Uranus in der Ausübung zurück: Mars-Jupiter ist zweifach verdeckt gegeben, so der Schütze-AC in Frage kommt: der richtungslose, unruhige Schnitt im Zusammenschneiden von Bilder-Puzzles. Die Geburtszeit von 16:12 Uhr müsste noch bestätigt werden.

Vielleicht können drei Lebensereignisse weiterhelfen, z.B. Roegs Regiedebüt 1970, was mit einem Überlauf über die 0° Krebs zusammenfallen könnte. Oder der Film „Der Mann, der vom Himmel fiel“; die Erstaufführung des Films erfolgte am 18. März 1976 in Großbritannien, in Deutschland im Juni 1976. 1974/1975 hatten Roeg und Paul Mayersberg[7] am Drehbuch geschrieben und sich für David Bowie als Hauptdarsteller entschieden; es wäre der Pluto im Phänomensrhythmus angetroffen und es würden Themen des 11. Hauses berührt (Pluto-Uranus – private Enttäuschungen; das schicksalhafte Steckenbleiben bei 14-15 Jahren, das Auseinanderfallen von Vorstellung und Wirklichkeit und die Chronifizierung der Lähmung vor der Erkenntnis.) Dass sein Hauptdarsteller zum gleichen Zeitraum auf dem Höhepunkt seines Kokainkonsums angekommen war – Kokain ist die Droge, die den fehlenden Ursprung (im Sinne des Uranus) anzeigt – werde ich unter dem Kapitel über David Bowie noch aufgreifen. Regisseur und sein Hauptdarsteller – durchaus als einander spiegelnd.

Im Dezember 1999 erhielt Roeg im Alter von 71 Jahren den British Independent Film Award für sein Lebenswerk: Jupiter-Uranus im Fügungsrhythmus (16-17° Fische) und Merkur-Uranus (24-25° Skorpion). In diesem Zeitraum durchlief er sein 11. und das 2. Haus. Roeg starb am 23. November 2018. 2012 hatte er sein 13. Septar begonnen, im Radix überliefe er „oben und unten herum“ jetzt, da ich dies schreibe, zweifach den Merkur-Uranus-GSP. Aber ob dies alles stimmt??

„Ich habe nie etwas zu Storyboard gemacht“, sagte er [Roeg] einmal. „Ich mag die Idee des Zufalls. Was Gott zum Lachen bringt, sind Leute, die Pläne machen.“

 

Christopher Nolan – der schwarze Ritter

„Für mich ist Batman derjenige, der am deutlichsten ernst genommen werden kann. Er ist nicht von einem anderen Planeten oder mit radioaktivem Müll gefüllt. Ich meine, Superman ist im Wesentlichen ein Gott, aber Batman ähnelt eher Herkules: Er ist ein Mensch, sehr fehlerhaft und überbrückt die Kluft.“[8]

Nolan liebt das Düstere, arbeitet nach Aussagen von Kollegen überaus akribisch und lässt sich für seine Filme und die Inszenierung auch schon mal von Experten beraten. Seinen Filmen sind bestimmt nicht zufällig die immer ähnlichen Charakterzüge eigen: das stete Spiel mit Zeit (rückwärts, vorwärts, verschachtelt, relativiert). Nolan mag komplexe Puzzleboxen, finale Plottwists und ausführliche Erläuterungen.

Auffällig ist ein bläulicher Farbfilter über den Filmbildern; er hängt möglicherweise mit Nolans erwiesener Rot-Grün-Schwäche[9], die seine Farbwahrnehmung beeinflussen dürfte, zusammen. Die von ihm bevorzugte Filmmusik ist meistens subtil, aber auch pathetisch-tragend, von manchen wird sie als aufdringlich und manipulierend empfunden. Seine kriminellen oder halb-kriminellen weißen Protagonisten mit zurückgekämmten Haaren (Nolans Alter Ego?) halten sich an eigene strenge Regeln. Es sind oft „tote Ehefrauen“ oder eine verstorbene Freundin, die die Handlungsmotivation liefert, während nicht-tote Frauen sich meist als böse entpuppen. Lesen wir bei W. Döbereiner zum Geburtstag:

30. und 31. Juli

[…] Wenn nun, wie bei Ihrer Geburtstagsgruppe, hinzukommt, dass durch unsichere Gemeinschaftsformen während des Aufwachsens eine außergewöhnliche Empfindsamkeit gegenüber Unausgewogenheiten in der Umwelt, Misstrauen bis mangelndes Verwurzelungsvermögen in Gemeinschaftsformen entstehen, so wird der Bewegungsdrang dadurch nur noch größer. Die anfangs gezeigten Anlagen werden zum dominierenden Verhaltenseindruck. Daher entzieht man sich gern sozialen Bindungen und Festlegungen zugunsten der eigenen Handlungsfreiheit. Übergriffe und Einmischungen der sozialen Gemeinschaft werden am wenigsten ertragen. Somit persönlich lebensecht und unmittelbar überzeugend, ergibt sich vielfach eine geistige Unverbindlichkeit, die es sich nicht leisten kann, auf Genauigkeit und Exaktheit im vordergründigen Bereich zu verzichten (manuell wie auch intellektuell).

Kennzeichen: Geistig unverbindlich[10]

Nolan ist wie Nicholas Roeg im II. Quadranten (Krebs-Löwe-Jungfrau) beheimatet. Auch ihm geht es um das Individuelle in Gegenüberstellung zum Wirklichen des IV. Quadranten und auch von ihm liegt keine Geburtsstunde vor, weswegen das Horoskop auf 12:00 Uhr vorliegt.

Der Verbundanführer Krebs beherbergt den Mond – unsicher, ob er wirklich auf dem Sonne-Uranus-GSP von 7,5° steht. Das wäre dann eine unterschwellige Bedrohungsangst im Empfinden als „Startkapital“.

Die Löwe-Durchführung enthält eine Mars-Sonne, die erzählt, dass der Neptun als Prinzip des Lebens in der Zeitlichkeit nicht gegeben ist und der Lebenstrieb wie auch der Ausdruck richtungslos und ungebunden. Mars-Sonne ist der Aufenthalt im falschen Verband, was einzugestehen der Träger sich aber nicht traut. Damit wird das Selbstopfer initiiert, weil die Reinhaltung oder – anders ausgedrückt – das Nicht-Schuldig-Sein-Dürfen gewährleistet sein müssen.

Die Selbstverstümmelung mit spitzen Gegenständen, da man bei nicht vorhandenem Neptun zum Rächer wird. Bei Sonne-Mars liegt immer auch Sonne-Neptun (wenn nicht als Konstellation, so doch Neptun als Prinzip hinter Mars) vor als der Hinweis auf eine Königskonkurrenz. Da man sich jedoch im ungeeigneten Verband arrangiert, wird man mit Mars-Pluto zum Zerstörer von Reichen und Königen, insbesondere wenn diese ihr König-Sein nicht leben.

Hier fällt mir das von Wolfgang Döbereiner oft angeführte Märchen „Der Eisenhans“ ein. Ist das nicht das ideale Topos für die Filme von Christopher Nolan? – Der Pluto, nach dem zu suchen ist, sobald es um Verdrängtes geht, steht in der Jungfrau und erzählt vom a) Unidentifizierbaren (Batman!), b) dem Gegenwartslosen (Cooper) und c) vom Zwang der Bedingungen beider, die Vorgang des Umkreises werden. Pluto-Venus hat er außerdem im Endzeichen des Verbundes: hier entsteht eine hermetisch abgeschlossene Welt, in der die Vorstellungen (im Gegensatz zu den Gestalten) herrschen. Es finden sich die Gegenwarten der Form in Vorbereitung – wenn es nicht die Vergangenheit ist, in die man ausweicht, dann ist es die Zukunft, denn eine Gegenwart gibt es nicht.

Es liegt – außerhalb des Sonnenstand-Verbundes eine Neptun-Saturn-Opposition vom Skorpion in den Stier vor. Das Bestimmende des äußeren Lebens und der Formen versagen das Recht auf eigene Wirklichkeit, wenn man Träger der Konstellation ist: er macht die Erfahrung, um der eigenen Wirklichkeit willen bestraft zu werden. Sofern er dies tut, beginnt er sich schuldig zu fühlen und drängt in die Tarnung seiner Eigenart, die er vielleicht in Endkonsequenz in die Anonymität verdrängt. Saturn-Neptun sucht sich dann „imaginäre Spielwiesen“, Ersatzwelten und neigt zur Erstarrung in Formalismen.

Merkur im Löwen steht zu beiden jeweils in Quadrat: er stellt die Verneinung des Ursprungs sachlich und neutralisierend (Saturn-Merkur: in Eigenentwicklung begriffen, in der Larve verharrend), ausufernd und hellsichtig/hellhörig (Merkur-Neptun: unklar in den Orientierungen und den Ortsentfernungen) mitten in der Erlebniswelt dar.

Den Uranus – aus dem Wassermann im 4. Haus würde ich als im 12. Haus versunken betrachten – die Suche danach wird in Nolans Filmen immer wieder thematisiert. Die Herkunft ist unsicher, damit die Bewegung im Revier, in dem man existenzlos nur unbemerkt auftauchen darf. Der Fisch im 5. Haus und die sich daraus zwangsläufig ergebende Mars-Sonne in Haus 9 werden bestimmend. Was er also ständig und aufs Neue produziert ist der Pluto mit der Venus in Haus 11. Ja, man könnte meinen, dass der Waage-AC durchaus passend ist – inbegriffen Jupiter, der wohlmeinende, hoffnungsvolle und maßlose Woller im 1. Haus (als Jupiter-Venus). Und mehr noch die Tatsache, dass sein Standort mit dem Verbundherrscher Mond im 9. Haus ist, er aber mit Löwe und Jungfrau in den IV. Quadranten hineinragt und dort die Gestalten der Gegenwart abholt und im III. Quadranten zur Empfindung fügt: durchaus mond-jupiterhaft überschwänglich mit noch mehr Gefühl, maßlos bisweilen.

Eine Geburtsstunde von 11:45 Uhr könnte „hinkommen“, bedarf aber noch weiterer Nachkorrektur. Und auch eine feinere Deutung der Mond-Uranus-Thematik, die auf eine Mutterproblematik und damit ein Frauen-Thema hinweist.

„Was Sie als Schriftsteller und als Filmemacher tun, ist das Erfassen von resonanten Symbolen und Bildern, ohne dass Sie es selbst verstehen müssen.“[11]

 

 

[1] WD, Mythos, S. 265

[2] Scholz, Wirkner & Ruf, 2016: Ein Apfelbäumchen für den Löwen, in: Senckenberg Natur Forschung 5/6 2016

[3] Joachim Scholz, in: Süddeutsche Zeitung v. 23.10.2018: Auch Hauskatzen bringen sich gegenseitig um.

[4] Scholz, Wirkner & Ruf, 2016, Letzte Ausfahrt Zoo, in: Senckenberg Natur Forschung 5/6, 2016

[5] Hanns-Georg Rodek, Nachruf auf Nicolas Roeg: Der Mann, der Zeit und Logik mit der Axt ermordete, in: Welt Kultur vom 25.11.2018  

[6] Wolfgang Döbereiner: Horoskop für jeden Tag

[7] Dylan Jones, 2018, S. 430

[8] Christopher Nolan in einem Interview zu The Dark Knight Rises

[9] Die Rot-Grün-Schwäche ist offiziellerseits ein Gen-Defekt. Astrologisch ist damit inhaltlich ein Jupiter-Pluto als versehrte Fügung in Hinblick auf das 6. Haus anzunehmen. Dass dergleichen Erscheinung wird, bedarf eines Bezugs zum I. Quadranten.

[10] Wolfgang Döbereiner: Horoskop für jeden Tag

[11] Christopher Nolan