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FRAU DOKTOR SAMMELT STEINE

oder

Pferde, die man opferte

Das nebenstehende Bild entstand, als wir in der Mitte der Exkursion in Austerlitz alias Slavkov u Brna ankamen und uns mit deutscher bzw. französisch-deutsch-österreichischer Geschichte konfrontiert sahen.

Erst dachte ich: Okay, ich schreibe ein Essay, oder vielleicht einen satirischen Text über Wissenschaftler, die sich auf die Objekte ihrer Begierde stürzen. Verschiedene Ansätze habe ich unternommen – aber es fehlte etwas. Dann dachte ich: Gut. Lasse ich den Leser teilhaben – an meinem Ringen um die rechte Textform, den rechten Ton, den passenden Angang. Ich entwarf drei „Anfänge“ – die ich jetzt allerdings niemandem mehr zumuten möchte – ich lasse sie in der Versenkung verschwinden. Viele Fotos habe ich gemacht. Von Tieren, Gebäuden, Naturereignissen und was es noch alles so gibt.

Immer das Notizbuch im Anschlag. Gedanken aufgeschrieben. Parallel zur Lektüre von Grete Weil und den Gesprächen mit Menschen, die sehr viel älter sind als ich. Also, die Pferde müssen warten, und die Steine auch. Aber sie werden auftauchen in den Aphorismen, die ich in den nächsten Wochen zusammenstellen werde. Anderes, als ich zunächst dachte, habe ich gesammelt.

Alt werden ist auch Befreiung. Es ist vor allen Dingen Befreiung. Davon werde ich im geplanten Büchlein schreiben. Ob ich es drucken lasse? – Lasse ich dahin gestellt. 

Für den Titel habe ich eine tschechischsprachige Bahn- und Busansage gewählt. Fahren Sie öfter Bahn oder Bus? – Die stereotypen Ansagen haben eine ganz eigene Magie. In London war es seinerzeit „Mind the Gap“, das mir tagelang im Kopf herumgeisterte (danach entstanden die Kurzgeschichten in „Azraels Erzählungen“). Auf der jetzigen Reise war es: 

PŘÍŠTÍ ZASTÁVKA – Nächste Haltestelle.

Ja, was wird die nächste Haltestelle in meinem Leben sein?

Eine Leseprobe gibt es hier.

Eine Hörprobe habe ich hier eingestellt, denn  ab heute

ist das Büchlein auf Nachfrage lieferbar.