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ZWISCHENZEITLICH IV

Entzauber mich!

Mein Tag beginnt mit dir,
der du nicht hier bist.
Meine Nacht beginnt mit dir,
der du von alldem nichts ahnst.

Doch, doch – du siehst mich,
hin und wieder bin ich dir nah.
Verzaubert hast du mich, ich selbst
gewährte die Erlaubnis.

Freundin dir bin ich,
der deinen Kummer du erzählst.
Frau bin ich nicht,
wenn ich die andern dir erklär.

Frau war zu lang ich nicht,
wohl aber jene Art Umsorgerin,
die verzeiht, wo immer
Verzeihbares sie lockt.

Nicht wert mehr war ich,
daß kämpfe man um sie.
Sicher ein Besitz der Liebe,
der selbstgefällig Anrecht nimmt.

Verblasst der Glanz des Nicht-Ganz-Sichren,
verloren im täglichen Ritual.
Ein Leben ohne jeden Zauber
entbehrt des Reizes des Noch-Nicht-Da.

Ich höre sie schon rufen,
der Moral Wächter vor der Tür:
„Wir haben es doch immer schon gesagt!“
Entsprungen ihrer neidvollen Bequemlichkeit.

Ich such aufs Neu den Menschen,
der kommt und rettet mich.
Kein Akt mehr bestätigender Gnade,
und ich nicht mehr berechenbar.

Entdeck mich! Trau keinen Schritt dich,
bis ich dich führ an mich heran.
Verfluch mich! Denn ich kenn die Stufen.
Und lass nur langsam dich voran.

Folg mir! Ich lege hier die Spuren,
die zu mir führ‘n, und dabei
entdecke ich auch dich.
Und endlich geh in meine Falle –

Komm – und entzauber mich!