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DREI WIDDER-MALER IM VERGLEICH

Van Dyck, de Goya und Van Gogh

 

 

Die drei ausgewählten Maler sind vom Sonnenzeichen her Widder – alle haben außerdem einen Krebs-Aszendenten (Van Gogh und Van Dyck annähernd gleich, nachkorrigiert: etwa 10°2′-10°3′ Krebs). Van Gogh und Francisco de Goya haben sogar den gleichen Geburtstag (30.3.), ihre Sonne steht auf 9°6′ Widder, was einem Gruppenschicksalspunkt von Uranus-Neptun entspricht: die Schrecklähme vor einer versunkenen Wahrheit (Döbereiner): hier liegt eine Erfahrung vor, der nicht erlaubt wird, an die Oberfläche zu treten, und die nun aus dem Unbewussten heraus gegen Eindrücke und Erkenntnisse allergisch macht. Während also aufgrund eines Schocks eine seelische Lähmung vorliegt, versucht man diese abzuspalten – und ist in der Betäubung den Situationen ausgeliefert. Das innere Entsetzen wird nun aber durch die Verhaltensweise der Sonne – im Widder aufdeckend, entlarvend zwanghaft in die Welt getragen und muss dort immer wieder durchgespielt werden. Anthonis van Dycks Sonne steht dagegen auf 1°3′ Widder, einem vergleichsweise „harmlosen“ Standort. Aber auch er ist als Widder jemand, der andere herausfordert und selbst leicht herausforderbar ist.

Dem Widder als Feuerzeichen geht es um die Eroberung von Lebens- und Denkräumen, in die er eindringt – um selbst Raum zu werden. Der Widder ist direkt erobernd, unmittelbar und scharf. Im Angriff und in der Bewegung noch vor Entstehung fester Formen fühlt er sich wohl. Das Widder-Prinzip ist der Energiezustand. Es ist also nie „das Liegen“ (in dem als Potential die Energie des Fallens liegt), sondern das Fallen an sich. Die freigewordene Energie ist das Elixier der Widder-Geborenen. Die gebundene Energie ist ein Latenzzustand – und der Widder löst diese Latenz und bringt Dinge aus dem Hintergrund in den Vordergrund – das ist, was ich zuvor als „Aufdeckung“ bezeichnet habe. Der Widder macht sichtbar. Dass er dabei auch schon einmal Intrigen oder Lügen aufdeckt – macht ihn für jene, die etwas zu verstecken haben – unangenehm.

Was das Widder-Verhalten noch kennzeichnet, ist die Ungeduld. In den raschen und ruhelosen Pinselstrichen der Maler wird es sichtbar: er will das unmittelbare Ergebnis, er wird nicht mit Materialien arbeiten, die Geduld und langen Atem benötigen. Die impulsive Skizze, das wie hingeworfene Bild sind eher seine Art. Dabei ist das, was wie Wagemut oder Draufgängertum aussieht, nicht wirklich Mut. Sie stellen eine Flucht nach vorn dar. Die Unbedenklichkeit, die der Widder in manchen Situationen an den Tag legt, hat er nicht gewählt, sondern sie ist ihm eigen: er denkt nicht, bevor er handelt. Und diese Umweglosigkiet führt ihn nicht selten zum Erfolg.

Gemeinsam ist den dreien wie gesagt die Krebs-Anlage: in ihr ist dem Empfinden ein großer Raum eingeräumt. Soweit mir die Horoskope vorliegen (genaue Geburtsstundenangaben habe ich nicht), ist sogar bei allen dreien das 2. Haus vom Krebs angeschnitten. Mond ist also der ausschließliche Herrscher über das 1. Haus. Im Krebs beginnt das Leben als Geschehen zu fließen, hier erwächst das Einzelwesen, das sich als Subjekt empfindet. Sowie etwas zu wachsen beginnt, wird der Krebs es schützen und ein Leben lang um das besorgt sein, das aus sich selbst heraus lebt. Demzufolge wird er ablehnen, was als Zitat oder als Gewolltes Vorgänge in die Welt setzen will. Der Krebs verabscheut das Gekünstelte. Sein Sein erfolgt aus dem Empfinden, nicht aus und gemäß Regelungen. Die Heimat des Krebses ist die Sprache, in der Welt der Sprache (den Büchern) fühlt er sich geschützt. – Jede Zuwiderhandlung gegen das Natürliche quittiert der Krebs mit Sarkasmus. Er kann eine recht sarkastische Haltung gegenüber der Welt einnehmen, sobald er merkt, dass sie Normzwänge setzt.

Van Dycks wie auch Van Goghs AC liegt in der Nähe des Gruppenschicksalspunktes Mond-Uranus: man könnte hier nach einer Überlagerung des Kindes durch die Mutter suchen… oder aber im späteren Lebensausdruck nach einer Abwehr des Subjektiven, des mütterlichen Prinzips, ja, einer gewissen Unberührbarkeit. Uranus-Mond will sich am Schmutz des Lebens nicht infizieren, dies allerdings einhergehend mit der Fähigkeit, vom eigenen „kleinen“ Leben abzusehen und aus Dualitäten herauszutreten. Mond-Uranus ist nicht angepasst, eignet sich nicht für Gefühlsmoden, die möglicherweise gerade en vogue sind, sonder setzt neue Empfindungen frei.

Van Dycks Mond steht im 8. Haus im Wassermann im Quadrat zu Pluto (und er hat den Jupiter im 1. Haus), van Goghs Mond im 6. Haus im Schützen im Quadrat zu Mars und de Goyas Mond im 1. Haus im Krebs  in Konjunktion zu Neptun und in Quadrat zu Saturn in der Waage. DAS sind wesentliche Unterschiede!

Der Aszendent bestimmt nämlich die Ebene, auf der sich das Lebensthema abspielt. Ist es das 8. Haus, geht es um die Bindung an Begegnungen oder auch an Gedanken (Ideen) und Bilder. Das Empfinden „dürstet“ nach Bildern, die seelische Sicherheit wird in der Zugehörigkeit zu anderem als man selbst gesucht. Ist es das 6. Haus, geht es um die Aussteuerung des Empfindens an die Bedingungen und Umstände, die das Leben vorfindet. Das ist einerseits die Herkunft (Familie, Heimat), im engsten Sinne sind es die täglichen Situationen, an die man sich anpassen muss – ob man kann, sei an dieser Stelle noch dahingestellt. Der Mond im 1. Haus wiederum sagt, dass es hier um die eigene Person geht, an der das Empfinden sichtbar wird, die die inneren Bilder quasi vor sich her- und in die Erscheinung und die Form hineinträgt.

 

Van Dyck

Van Dycks Widder-Sonne steht in 10 (und macht dort etwas bestimmend und maßgeblich), der Herrscher von Widder (Mars) steht in 9 und in den Fischen (das Bestimmende wird in die Zeit gebracht, gefügt und gezeichnet). Die Art der Herauszeichnung aus dem Hintergrund lässt der Herausgezeichnete in ihrer Vereinzelung aggressiv (im Sinne von herausfordernd und voranpreschend) erscheinen. Der Hintergrund (Fisch) wird Kulisse, der Einzelne erhält Gewicht. Hier wird das Einzelne zum Maß der Dinge gemacht. Van Dyck hat den Jupiter recht nah am AC: es ist ein Füllhorn an Bildern, eine reichhaltige Bilderwelt, die er mitbringt. Van Dyck ist ein empfindsamer, toleranter Charakter, der farbenfroh vielerlei Verschiedenes zulässt und sich großer Beliebtheit erfreut. Zwar liegt ein Quadrat zu Venus vor – doch sein Ruf in der Gesellschaft und auch in den Gemeinschaften, in denen er sich bewegt hat (bei Hof, im Adel), ist derart, dass er Vorbild wird und er eine hohe Position einnehmen kann. Er ist ein angesehener Mensch, wenn auch, was seine Bindungsfähigkeit anging, nicht unbedingt für Partnerschaften geeignet (Mond in Wassermann, Quadrat Pluto: misstrauisch und nachtragend, ggfs. gegen Obrigkeiten angehend, die er als für sich inakzeptabel empfindet).

… „Er war schon aus Knabe überaus hübsch – und gewiss nicht uneitel, wie seine Selbstbildnisse bezeugen. Ebenso ist eine gewisse „aristokratische Attitüde “ nicht zu übersehen. Somit war er für derlei Eitelkeiten auch gegenüber seinen Auftraggebern gegenüber durchaus sensibel und aufgeschlossen“… Van Dyck schmeichelte seinen Auftraggebern, malte sie sensibel und mit erhabenem Blick – Die Arroganz der Abgebildeten ist keine vordergründige – sondern eine stille – selbstverständliche. Allein die HÄNDE – stets feingliedrig und schlank – man vergleiche mit diversen anderen Meistern seiner Zeit und seines Landes. Sehen wir uns tendentiell die Farben an, sie strahlen sogar bis heute noch eine gewisse kühle aus, sind nicht vergilbt oder gebräunt (alles relativ zum alter) Besonders auch die Darstellung der Seide, die bei van Dyck einen ganz speziellen Glanz hat. Diese gefälligen Darstellungen waren bei seinen Kunden sehr gefragt, wurden aber (wann sonst) im 20. Jahrhundert teilweise als „schönfärberisch“ abqualifiziert.“ (hier gefunden)

 

Van Gogh

Auch Van Goghs Widder-Sonne steht noch knapp in Haus 10 am Übergang zu 11. Der Mars als Herrscher ebenfalls in 10: Hier wird die Aggression bereits mitgebracht. Sie ist nicht erst im Ausdruck des Fügens, sondern bereits zum Herausgebildeten, Herausgezuarbeitenden gehörig. Mond-Mars spricht von der Erfahrung des Herausfallens aus den Wertesystemen der Familie, der man zugehört. Mars-Mond wird nie für seine Leistung reif genug befunden; Mars-Mond repräsentiert eine Wirklichkeit, die die Angehörigen des Verbandes nicht mehr haben wollen. Insofern muss der, der diese Konstellation trägt, ausgeschlossen werden. Mond-Mars beinhaltet die Autoaggression: die Vernichtung des eigenen Lebens, stellvertretend für die Mitglieder des Verbandes verneint man sein eigenes Leben. Mars steht neben Venus – das ist der Schnitt ins (eigene) Gewebe, der sich selbst die Anpassung abschneidet. Mit Mond in 6 ist es eben das Ohr – ein Organ der Wahrnehmung, auf dass man nicht mehr wahrnehmen muss. Van Gogh hat anders als die beiden Maler de Goya und Van Dyck den Saturn als Herrscher von 7 (legt eine Mauer um sich, hält Begegnungen auf Distanz, lässt sich nicht hinter die Fassade schauen) im 11. Haus: Dort „gehört“ er ihm nicht. Die Ahnung bzw. die Gelähmtheit und das Entsetzen vor der Erkenntnis eines nicht zugelassenen eigenen Ursprungs ist nicht lösbar und auch nicht ausleitbar, weswegen sie zu schwacher Rechtsposition, zu Konkursen und Auflösungen führt. Die Folge sind Ängste, Depressionen, Selbstverhinderung.

 

In einem Brief an seine künftige Frau charakterisierte Theo van Gogh 1889 den Bruder: „Wie Du weißt, hat er seit langem mit allem, was man Konventionen nennt, gebrochen. Seine Art sich zu kleiden und seine Allüren lassen sofort erkennen, dass er ein besonderer Mensch ist, und seit Jahren sagt, wer seiner ansichtig wird: ‚Das ist ein Verrückter.‘ […] Schon in seiner Art zu sprechen liegt etwas, um dessentwillen man entweder sehr viel von ihm hält oder aber ihn nicht ausstehen kann. […] Es ist ihm nicht möglich, mit jemandem auf eine gleichgültige Weise zu verkehren.“ (In: Matthias Arnold: Vincent van Gogh – Biographie, S. 755.)

Francisco de Goya

De Goyas Sonne steht in 10 – wie bei den beiden Vorgängern. Aber der Mars als Verbundsanführer steht in 11. Dazu später. Viel interessanter: De Goya hat den Mond in Haus 1 als einen Mond-Neptun. Was bei van Gogh als im Wertesystem nicht auftauchend zu einer Beunruhigung in der Anpassung an Umstände führt, ist bei de Goya eine tiefe Angst (aus der frühesten Kindheit), von einer gleichgeschlechtlichen Person der Familie dominiert zu werden. Das Kind Francisco lebte in einer Welt der Unterwerfung seiner Person an sich. Der Trieb, bzw. der Instinkt, sich zu leben, muss also unterdrückt werden, was soviel heißt wie: die Selbstdurchsetzung (Mars) darf nicht gelebt werden, weil sonst Lebensgefahr droht.  Es sind bei de Goya die Themen und die Farben, die von der Energie des Widders zeugen – sein Ausdruck (was den beiden obigen erlaubt war) ist dagegen mild, versteckt, sanft: er malt Grauen ganz ruhig und als eine Art Dekoration. Sowohl Van Dyck wie de Goya haben den Saturn als Herrscher von 7 im 4. bzw. 5 Haus stehen. Van Dyck – ein maßstäblicher Vertreter in der Gesellschaft angekommen, de Goya als in seinem Empfinden verunsicherter Mensch und als solcher auch bekannt geworden. Wie van Gogh trägt de Goya das anfangs erwähnte innere Entsetzen und die Lähmung in sich, die sich bei ihm weniger offensichtlich, sondern eher im Versteckten ein Ventil verschaffte. De Goyas Neptun in 1 hat ein Quadrat zu Merkur und auch zur Sonne in 10: die Formen der eigenen Identität verschwimmen, es gibt keine Grenzen, man löst sich auf. Anders als Van Gogh hat de Goya mit dem Jupiter in 6 (ohne Aspekte zu Mars) ein gutes Gehör, Gespür und überhaupt eine Wahrnehmung für die Strömungen der Umstände und Bedingungen, was ihn am Leben hielt.

„… Angst spricht jedenfalls auch aus seinem sehr konventionellen Einleitungstext, wo Goya sich in mildern Aufklärungs-Tönen einer “Kritik der Laster” verschreibt, und Angst liegt schließlich in der Tatsache, dass die ursprünglich für die erste Stelle der Sammlung vorgesehene Radierung kurz vor Verkaufsbeginn zu ihrer Mitte, auf den dreiundvierzigsten Platz versetzt wurde.“ (aus: Francisco de Goya und die Explosion der Aufklärung, 

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