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DAS DRITTE WELTGESCHEHEN

In einer Zeit, in der meine Mitgeneration und ich uns anschickten, in die Welt zu gehen, war diese schon längst gefährdet. Wir wussten es nur nicht, ahnten etwas, dachten zu kurz. Wie konnten wir es auch wissen? Was wissen 20-Jährige? 1979 hatte ich angefangen, zu studieren und das erste Studium mit Pauken und Trompeten in den Sand gesetzt. Im Juli ging ich nicht zur Prüfung, daraufhin wechselte ich das Fach und verdiente ab 1. September 1981 außerdem das Geld für Unterkunft und Lebenshaltung mit einem Job in einem Ingenieursbüro, bei dem ich Computereingaben an Commodore-PC mit Floppy-Discs und monochromen Bildschirmen tätigte. 

1980 schrieb einer ein Buch [0].

In der Einleitung titelte er: „Wir sind mitten in der Erfüllung der Geschichte“, sein erster Satz:

„Schwermütig hebe ich dieses Buch zu schreiben an. Schwermütig, weil ich keine Hoffnung mehr habe, dass die Schicksalslenker von heute uns vor dem, was auf uns zukommt, bewahren können. Ich habe nicht einmal eine Hoffnung mehr, dass die diejenigen, die heute „am Ruder“ sind, es nach dem Tage X noch sein werden. Die scheinbar Mächtigen von heute sind keine Lenker, sondern Gelenkte , und sie können uns weder vor den Schrecken des Kapitalismus, noch vor denen des Sozialismus bewahren, den beiden schwarzen Engeln der Todesbotin Maschine, sie können uns vor nichts bewahren, auf welcher Seite immer sie stehen, auch wenn sie noch so starke Worte machen.“

Etwas weiter unten:

„Wer heute aufwendig lebt, ist in Wirklichkeit nicht lebensfähig, ist schon hinabgetaucht in den tiefen Schatten immer dichter zusammengeballter Wetterwolken, lügt sich vor, dass die Sonne scheine. Wer aber die Augen offenhält, wird übermannt von Schwermut.“

1980. Ich halte das Buch 40 Jahre später in den Händen.

Doch nochmals zurück… Sitze in der Badestraße in Hamburg, gegenüber ist das Hotel Interconti, nobelstes Hotel in Hamburg, ich schaue genau auf den Eingang der Spielbank. Die wird 20 Jahre später in meinem Leben noch eine große Rolle spielen, das kann ich aber jetzt noch nicht wissen. Jeden Tag öffnet sie um 15:00 Uhr und die Reichen oder Verzweifelten strömen herbei. Das hört nicht auf bis abends. Manchmal verlasse ich ja das Büro erst um 23:00 Uhr – dann sind die Fenster hell erleuchtet. In den Pausen, wenn ich auf die nächsten Zahlen zum Einfügen in die Datenbanken warte, schreibe ich. Gedanken. Ich nenne sie hochtrabend „Aphorismen“ mit der Arroganz der Jungen. So etwas wie unten, und das immer mit vielen Ausrufungszeichen:

Viele Menschen leben mit Hypotheken auf ihr Prestige und zahlen einen hohen Preis dafür: ihre freie Entscheidung.

Daß sich die Kreise schließen, ist kein Zeichen von Unverbesserlichkeit, sondern ein Zeichen von Kontinuität und Stabilität im Wachstum.

Unangepaßtsein ist wieder in, und in ihrem kollektiven Anderssein sind sich dann alle wieder gleich und merken gar nicht, wie sie sich selbst den Boden unter den Füßen weggraben.

Seitdem man unters Volk lancierte, daß Divergenz ein Zeichen von Intelligenz ist, wollen alle möglichst anders sein, und glauben damit, sie würden intelligent.

Immer die Schwachen fordern Solidarität, oder die, die sich unverstanden glauben. Der Ruf nach Solidarität ist aber oft nur der Ausdruck von Unfähigkeit zum Selbsthandeln.

Freiheit ist nie eine Angelegenheit der Mehrheit, sie ist immer eine Sache des Einzelnen!

Wenn ein Einzelner die ihm von oben verordnete und zugestandene Freiheit, die jeden in der Masse glauben macht, er sei wirklich frei, nicht annimmt, wird er ins Abseits gesetzt. Denn er hat keine Mehrheit hinter sich.

Unser sogenanntes demokratisches System will sogar Freiheit per Gesetz garantieren. Das ist nicht möglich. Jeder Einzelne muß für seine Freiheit etwas tun. Man bekommt sie nicht als Geburtsrecht, sondern als grundsätzliche Möglichkeit, die man ergreifen – oder links liegen lassen kann.

Und dann ging das Leben los. Im Alter zwischen 21 und 28 Jahren hat man sich endlich – am Anfang – von den Eltern freigeschwommen, und am Ende – passend mit der ersten Saturn-Rückkehr – tritt man selbst in die Verantwortung, vielleicht auch für Kinder. Das kann sich verschieben, nach vorne und hinten, aber grundsätzlich spielt es sich so ab. Die seelische Entwicklung zum eigenen Dasein kondensiert sich auf sieben Jahre. Danach ist etwas anderes dran. – Die 80er Jahre – und ich fange mit 1980 an – waren ein besonderes Jahrzehnt – hört man. Nicht nur, weil es „meine“ Hochzeit war. War das so? 

Da passt es doch gut, dass sich am Ende des Jahres die Große Konjunktion von Saturn und Jupiter ergab. Große Konjunktionen – das kann man nachlesen – finden ungefähr alle 20 Jahre statt. Die letzte Große Konjunktion war im Jahr 2000, die nächste wird für Ende 2020 – ich werde sie auch noch gleich besprechen – erwartet. Sie wird im Zeichen Wassermann sein – einem Luftzeichen. Die vorletzte Große Konjunktion war ebenfalls in einem Luftzeichen, nämlich der Waage. Genau genommen ereignete sie sich dreimal im Zeitraum von Dezember 1980 bis Juli 1981. Das gab es vorher nicht und es wird in absehbarer Zeit meines Wissens auch nicht mehr auftreten, dass sich innerhalb eines halben Jahres die beiden Planeten (in ihrer Rück- und Direktläufigkeit) dreimal in einer Konjunktion treffen.

Auf Hamburg gerechnet ergeben sich diese Bilder:

31. Dezember 1980 um 21:17:24 Uhr auf 9°29′ Waage  4. März 1981 um 19:14:36 Uhr auf 8°06′ Waage (Saturn und Jupiter sind rückläufig); Pluto ist auf 23°57′ rückläufig 24. Juli 1981 um 04:13:35 Uhr auf 4°55′ Waage; Uranus und Neptun sind jetzt rückläufig (Quelle jeweils wikipedia)

Das Ingenieurbüro, für das ich arbeitete, wurde im März 1981 gegründet. Zwei Männer der Praxis und ein Professor mit Lehrstuhl an der Technischen Hochschule in Darmstadt hatten die Idee einer „Bauberatungs-GBR“ – ja, auch damals ein Bau-Boom, ähnlich wie heute, auch aus ähnlichen Gründen.

Diese Große Konjunktion, wie sie sich wohl auch zu Jesu Geburt zugetragen hatte, besagt, folgt man W. Döbereiner, dass der Saturn vom „Jupiter beschlagnahmt ist, und Jupiter den Weisungscharakter des Saturn übernimmt“[1]. Königskonstellation, früher so genannt, ist die Konstellation insofern als Jupiter der „König von Saturns Gnaden“ ist. Der düstere Blick auf die Welt könnte milder werden, weil es in den Wassermann geht – Luftzeichen, den Steinbock hinter uns lassend. Es wird lichter, heller, sofern sich ein Jupiter findet, den ein Saturn maßvoll besinnt und bestimmt. Warten auf den Jupiter? 

Am 31.12.1980[2] (um 17:20 Uhr auf Frankfurt am Main gerechnet und auf 9°29‘) erlebten wir die letzte Konjunktion der beiden Generationsplaneten in einem Luftzeichen. Es standen alle Planeten von Mars (im Wassermann) bis zu Jupiter-Saturn (in der Waage) in einer Reihe ausgehend von Haus 4 ins 7. Haus, bis auf Mars unter dem Horizont: Eine solche „Perlenschnurkonstellation“ zieht die Möglichkeiten des Daseins (II. Quadrant) zusammen, eins gibt dem anderen schön der Reihe nach die Themen in die Hand. Übersicht. Das Leben zieht minimale Kreise, um Großes zu vollbringen, fehlt der Anreiz, aber auch Beunruhigung) der Oppositionen. Das Herbstzeichen Waage, in dem die Konjunktion steht, ist das Zeichen des Ausgleichs, der Ausgleichsbestrebungen. Zum Konjunktionszeitpunkt war es das „Gleichgewicht des (nuklearen und militärischen) Schreckens“, das die Menschen zusammen- und aufbrachte – Zeit der großen Friedensdemonstrationen angesichts einer in zwei Machtblöcke geteilten Welt, 9° Waage entspricht einem Pluto-Uranus-GSP: Atomkraft war der Energielieferant der Stunde. Sonne-Merkur in Konjunktion liegen im 6. Haus: die Regelung des Lebens in seinen Umständen. Allerdings hat die Sonne ein Quadrat zu Saturn, was wiederum eine Fleißkomponente hineinbringt und eine Schwere. Ich erinnere mich dunkel, dass das drückende Gefühl von Blei anwesend war. Rückblickend bin ich versucht zu sagen: Auch unsere Partys waren schon Tänzchen am Rande des Vulkans, aus dem behäbiges Lava floss. Der Mond als Herrscher von AC und damit Standortvorgeber in Haus 5 mit Quadrat zu Mars, was von einigen Magenschmerzen im eigenen Land berichtet: Mond auf Saturn-Mondknoten im Skorpion: die Begegnung mit dem Tod und Trennungsprozesse. Ein Pluto, dem der Mond unterstellt ist, auf 24° Waage alias Merkur-Venus. Die 80er Jahre – vergleichsweise „freie Jahre“ – auf geborgter Zeit gelebt, in einer Lebenswelt, die einen Virus nährt und heranzieht. 

Im Jahr 2020 befinden wir uns im 6. Septar dieser 1980-er Konjunktion. Aus dem Krebs-AC ist ein Jungfrau-AC geworden; Mond steht im 12. Haus, ist hier ein Heimatgefühl verschwunden? Er und Saturn bilden ein Quadrat von Haus 12 zu Haus 3 – es macht sich Ungeborgenheit und Hilflosigkeit breit, wird Vorgang. Haus 3 ist angeschnitten von Skorpion, Informationen und Zeichen; Mars steht beim Pluto an der Spitze des 3. Hauses: das Kürzel ‚Unterwerfung unter eine fremde Mentalität‘ in der Ausübung lässt uns nicken. Wenn hier eine Form gegen das Prinzip steht, dann wird sie zerbrochen, geknackt.

Mars-Pluto ist der Austreiber des Verdrängten, und gleichzeitig hat er Angst vor dem Bösen. Das Böse als das, was nicht gelebt werden darf, bedient sich der Fassade des Bürgerlichen, um dahinter sein Verdrängtes zu verstecken. Angetroffen war diese Mars-Pluto-Konjunktion im Jahr 2017, im Februar und März. Was war denn da? Am 12. Februar 2017 wurde Frank-Walter Steinmeier zum Bundespräsidenten gewählt, trat sein Amt am 19. März 2017 an und wurde am 22. März 2017 vereidigt, im Januar hatte es – in Haus 2, bereits im Skorpion eine Kältewelle gegeben. Der Mond in 12 war im Fügungsrhythmus bereits etwa gegen den 1.5.2016 angetroffen worden. Da finden wir: Im öffentlichen Dienst gab es einen Tarifstreit, und eine Eskalation wurde am Freitag, dem 29.4. abgewendet. Einer insgesamt fast fünfprozentigen Lohnerhöhung wurde zugestimmt. Im Bundesnachrichtendienst gibt es die nächste Abberufung: Nach Präsident Schindler musste auch der Vizepräsident Klor-Berchtold seinen Posten räumen. Dabei hätten auch „persönliche Animositäten“ eine Rolle gespielt und die Vertrauensbasis sei nicht mehr gewährleistet gewesen. 2016 war das Jahr, in dem sich viel um die Förderung der minderjährigen und unbegleitet nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge drehte: Spezielle Integrations-Klassen wurden eingerichtet, um zu gewährleisten, dass sie den Hauptschulabschluss schafften. Das Konzept erwies sich als wenig tauglich. Es stellte sich allerdings als Nebeneffekt heraus, dass Menschen, die Deutsch als Fremdsprache hatten lernen müssen, offensichtlich besser imstande waren, sie zu unterrichten[3]. Eine Weichenstellung. 

Sonne, Venus und Neptun bilden ein Stellum in Haus 4, Merkur und Uranus stehen auch darin. An der Spitze von Haus 4 steht Jupiter – die Anschauung des Heimatlichen, auch dessen Fügung in der Aufhebung. Nein, ich will nicht negativ sein: es ist die Geburtsstunde eines neuen Lebensgefühls. Die 0° Steinbock dieses Septars werden am 20.12.2020 im Fügungsrhythmus ins Zeichen Schütze hinein überschritten.

Mars (0°34‘) steht im Grundradix der 1980-er-Konjunktion übrigens an der Stelle, an der sich in diesem Jahr (2020) Saturn und Jupiter die Hand geben: am 21.12.2020 um 18:37 Uhr stehen sie auf 0°28‘ Wassermann. Wassermann – auch ein Luftzeichen wie die Waage. Fortschritt, nicht Rückschritt, Abstreifen des Alten. Die Sonne aber auch dieses Mal im Steinbock – und auch noch auf dem Kardinalpunkt -, auch dieses Mal im 6. Haus, das Staffelholz wird weitergegeben. Es stehen Venus und Uranus als Flanken vom Stier zum Schützen, die Planeten fast ausschließlich auf der Westseite, Mars nicht in 7, sondern in 10 als Herrscher von 10 (also bestimmend im Sinne von Aufdeckung, Entkrustung) im Quadrat zu Pluto. Auch dieses Mal gibt es keine direkten Oppositionen, die den offenen Konflikt zeigen könnten, aber viele Spiegelaspekte, und auch Spiegeloppositionen. Auch dieses Mal stehen Sonne und Merkur in Konjunktion und zudem – Achtung – auf den 0° Steinbock, die im 6. Septar von 1980 überlaufen werden. Kardinalpunkt, Winteranfang, dunkelster Tag im Jahr. Von jetzt an werden die Tage wieder länger, es geht bergauf, pflegte mein Großvater zu sagen.

Und schauen Sie. Der Aszendent steht auf 28° Krebs alias Mars-Pluto-GSP und Saturn-Merkur. Jetzt gibt es kein Verstecken mehr wie noch 1980, in dem die Konjunktion drei Anläufe nahm, um uns zu warnen. 

Uranus steht im Dezember zu Saturn-Jupiter im Quadrat: das jetzt beginnende Neue wird Abschiede von uns verlangen. Good-bye to all that. Strich drunter.

 

[0] Wolfgang Johannes Bekh, Das dritte Weltgeschehen, 1. Auflage 1980, 6. Auflage 1992
[1] Wolfgang Döbereiner, Einbruch des Zeitlosen, S. 188
[2] Ich werde das erste Zusammentreffen zur Deutung heranziehen, und auch mit einer anderen Uhrzeit. Nicht, weil es mir so gefällt, sondern weil ich mich auf die in mein Computerprogramm eingespeisten Ephermeriden verlasse. Die Zeit von 17:20 Uhr entspricht danach dem initialen Konjunktionsgrad.
[3] https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/die-hauptschule-als-chance-fuer-fluechtlinge-14205555.html