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ASTROLOGISCHE FRAGMENTE XXVII

Wenn deine Zeit vorbei ist, ist sie vorbei.

oder

Ein Mensch, ein fehlbarer Mensch.

Heute möchte ich gar nicht viel schreiben. Also nur kurz und längst nicht alles ausleuchtend. Beim Lesen der Schlagzeilen der Tageszeitungen fiel mir auch die über den ehemaligen spanischen König Juan Carlos I. ins Auge: Don Juan – Das Königsdrama um einen aus der Zeit gefallenen Mann zeigt, wie marode die Monarchie ist. Zeigt es das? Die Formulierung „aus der Zeit gefallen“ ist keine, die nur diesem König vorbehalten wäre. Aus der Zeit – und zwar aus dem öffentlichen Bewusstsein (mithin der Gegenwart) – fällt jeder Mensch früher oder später, manche merken es, viele nicht. Vielleicht ist ihnen sogar die Gnade beschieden, genau an dieser Schwelle das Leben zu beenden, also ganz tatsächlich und real die Gegenwart zu verlieren. Was eben (sagen wir vier-fünf Jahre zuvor) noch passte und stimmte, ist nie plötzlich, sondern nachvollziehbar und sogar vorhersagbar zu gegebener Zeit „vorbei“.

Bevor ich ein wenig im Horoskop dieses von der Regenbogen- und auch der anderen Presse als „Don Juan“ ausgewiesenen Mannes stöbere, noch ein weiterer Gedanke vorweg: Menschen, die in den Ruhestand gehen und ein feines Gespür für die Mechanismen der Macht haben, werden mir vielleicht beipflichten. Kannst du etwas für andere tun, bist du überall gern gesehen. Dann hofieren dich die Leute, beschenken dich, laden dich ein… natürlich nicht uneigennützig. Nichts ist für lau. Wer hoch steigt, kann große Geschenke machen und bekommt entsprechend Teures zurück. Einen König als Freund zu haben, kann schon mal teuer werden, man braucht das nötige Kleingeld. Andererseits kann dieser Mann einem (legal oder illegal) aber auch alle möglichen Begehrlichkeiten in Reichweite bringen. Deshalb die zweite Überschrift von oben: ein fehlbarer Mensch. Nun tritt dieser Wünsche erfüllen könnende Mensch ab – und schwupp, sind alle Freunde weg und tummeln sich in anderen Foyers. Wenn es der eigenen Rettung dient, liefern sie ihn ans Messer. Wundert uns das?

Im Falle des nun geflohenen Ex-Königs kommt noch ein weiterer Punkt hinzu: er kann nicht gewusst haben, dass er in eine Zeit der toxischen alten weißen Männer hineinaltert, und er konnte nicht wissen, dass es sich dabei um eine Reinwaschungs- und Aufklärungswelle handelt. (Nehme mal an, er hatte keinen Astrologen, und wenn, dann keinen der Münchner Rhythmenlehre kundigen). Aber selbst wenn ihm das jemand gesagt hätte, hätte er es in Selbstschutz nicht glauben können.

Schauen wir in einem ersten Überblick auf die Transite, die sich heute (praktisch: 5.8.: Löwe; der Mann hat einen Geburtstag vom 5.1.: Steinbock) ergeben:

Man sieht es farblich hervorgehoben: Merkur, der Götterbote, steht ziemlich genau auf dem Pluto im Geburtsradix, und der steht auf – sofern die gefundene Geburtszeit stimmt – ziemlich genau dem IC. Die 29° Krebs kennen wir als Saturn-Uranus-GSP. So, hier wird also die Information einer Formalharmonie (in der zusammengelegt ist, was nicht zueinanderpasst) gekennzeichnet. Merkur ist bereits im Löwen, d.h. die Kennzeichnung geschah bereits vor zwei-drei Tagen. Aber nach wie vor ist die Tatsache der „Deckelung“, der Verdrängung dessen, was im Heimatlichen, im Heimischen (und fast kann man sagen: im Heimlichen) liegt, aktuell. 

Pendant bzw. die Rückseite zu Merkur ist Saturn. Der laufende ist gerade aus dem Wassermann nochmals in den Steinbock zurückgekehrt, hat demnach bereits zweimal den MC dieses Mannes überschritten – nach vorne, dann zurück. Direktläufig wird Saturn wieder am 29.9.2020, und wird am 4.12./5.12.2020 das königliche MC wiederum überqueren. Indem er dies tut, geht er eine Opposition zum Radix-Pluto ein, auf dem zeitgleich auch der Mond steht. Jupiter assistiert: was immer es ist – es wird gut gefügt sein. Der aufgerufene Saturn in Haus 11 auf 0° Widder ist dann noch wichtiger, als er es schon eine geraum Zeit ist. Saturn auf dem Kardinal- und Frühlingspunkt am Übergang von Haus 11 zu 12 (oder andersherum) – ein Charon?

Was macht eigentlich Uranus? – Der steht im Geburtsradix in Haus 12, untergegangener Ursprung (ich schaue jetzt noch nicht nach, woher der Bourbone kommt). Er bekommt Besuch vom laufenden Uranus, Uranus-Wiederkehr. Wie die Saturn-Wiederkehr über ihr Radix-Pendant ist auch dieser Übergang über die Radix-Position ein Lebensabschnitts-Ereignis. Uranus ist der Erneuerer, der, der immer auch nochmals die Verjüngung bringt, und damit „konfrontiert“, wo man den möglichen Neuanfang verschlafen hat. Hier wird das Ereignis EXIL (inwiefern, erklärt sich weiter unten) angezeigt. – Der Wassermann ist nämlich das Durchführungszeichen des Verbundes Fische-Wassermann-Steinbock, und insofern zentral. Uranus steht außerdem im Stier bzw. läuft dort gerade noch direkt (10°38′) – ziemlich exakt der Saturn-Pluto-GSP: selbst wenn Uranus aus der „Gefangenschaft“ befreien wollte – er kommt nicht raus. Mit dem Quadrat zum Jupiter im Wassermann ist er unglücklicherweise in die glückliche Position gefügt und gesetzt, in einen goldenen Käfig, dem er nicht entkommt. (Uranus als das Bild vom Vogel, der im Falle dieses Mannes in den hierarchischen Strukturen eines Gemeinschaftlichen, einer Institution, sitzt, und diese Institution auch noch gleichzeitig in Haus 9 im Steinbock für die Gegenwart bestimmend mitfügt.

Die Erscheinungsseite des laufenden Uranus – die transitierende Venus – befindet sich derzeit in den Zwillingen, im Quadrat zum Saturn und in Haus 2. Sie zeigt an, dass der Uranus als Gefangener eines Systems mitten im Revier in die Situation der Revieraufhebung gerät. Uranus-Venus – du bist von deinem eigenen Gefüge abwesend. Der Wunsch nach Zugehörigkeit ist da, allein, das Kollektiv will einen nicht. Das mit der Zugehörigkeit (die anderen wurden aber nicht gefragt) hat lange gehalten – doch nun ist der Mann alt, die Vorzeichen haben sich geändert, und das Kollektiv versagt ihm die Zugehörigkeit. Er begibt sich auf den Weg. So recht aber trägt er das ja bereits von Anfang an mit sich, d.h. dort, wo er 40 Jahre lang saß, gehörte er von seinen Anlagen her nicht hin. 

Abgedankt hat er übrigens, als Pluto über seine Sonne lief (18.6.2014), Mars in Quadrat zu ihr auf 13°54′ in der Waage war und eine 3°-Orbis-Opposition zu Uranus auf 16° Widder aufwies. Der schwache König, die starken Fürsten. Der schneller laufende Mars hat den Ort jenes Uranus-Transits aus dem Jahr 2014 kürzlich überquert. Da dürften die Fürsten von vor sechs Jahren sich noch einmal kräftig geregt haben. 

Derzeit also läuft Mars durch das 12. Haus des Mannes, steht ursprünglich in 11 und in den Fischen. Wäre er nicht König – oder zumindest in der Situation, die Möglichkeit zum Königwerden als Funktion zu haben – wäre er ein Gejagter ohne Rechte gewesen. 

„Eigentlich“ ist der Mann mit dem Mars auf einem Mars-Pluto-GSP sowieso ein Königsmörder, einer, der nicht dazu gehört und dem man kein Reich anvertrauen sollte. Nun verlässt er es schließlich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion. – Neptun – Rückseite und siamesischer Zwilling von Mars – steht im Grundradix in Haus 5 – er opfert – ich sage es mal pathetisch – sein persönliches Dasein einem Höheren (wie wir wissen allerdings nicht dem Himmel, sondern dem Vater und Franco). Auf 21° Jungfrau steht dieser Neptun in der Jungfrau im 5. Haus auf einem Pluto-Uranus-GSP. Wie soll man das deuten: angetreten, um einen verdrängten Ursprung zu lösen, zu klären oder zu nichten? Pluto-Uranus ist das „dicke“ Blut, Neptun könnte es verdünnen. (Das sogenannte „blaue Blut“ ist ein Sauerstoffmangel, eine Anämie (wegen der Ingezüchtetheit, die übrigens auch dem bourbonischen Zweig nachgesagt wird). Uranus-Pluto ist auch die Täuschung über sich als Mann oder Frau, was zu einer Irritation der „Rolle“ führt, Neptun darauf verstärkt die Täuschung, indem er das Tuch des Vergessens darüberlegt. Mit Neptun im 5. Haus liegt auch eine Sonne-Neptun-Konstellation vor, er hat sie verstärkend noch als Löwe an der Spitze von Haus 5: die Identität mit dem Wirklichen, die ihn einerseits sehr wohl zu einem „König“ werden ließe, aber andererseits eine Ich- und auch Ego-Schwäche mit sich bringt. Und wer ist schon gerne „Niemand“, auch wenn er von „Himmels Gnaden“ Niemand ist?

Nun gut, geboren ist Juan Carlos im Exil, und wuchs dort bis zu seinem 10. Lebensjahr auf. Seit 1947 war Spanien zwar nominell wieder Königreich, aber Juan Carlos‘ Vater kam als König wegen seiner Gegnerschaft zu Franco eher nicht in Frage. Er handelte allerdings – soweit ich es überfliege – mit dem Diktator Franco aus, dass die Monarchie restauriert und der Sohn – also der junge Juan Carlos – von ihm als (quasi faschistischer) König ausgebildet werde. Der Verfassung nach wäre das nach Francos Tod auf eine Königsdiktatur hinausgelaufen.

1969, wiederum nach der Geburt von Juan Carlos‘ Sohn Felipe, setzte Franco per Gesetz fest, dass nach seinem Tod Juan Carlos als König das Amt des Staatsoberhaupts einnehmen solle, und ernannte ihn zum Príncipe de España, einem zu diesem Zweck neu geschaffenen Titel. Zwei Tage nach Francos Tod im Jahr 1975 wurde Juan Carlos am 22.11. als neuer König inthronisiert. Zu diesem Zeitpunkt war er 37 Jahre alt, und die Inthronisierung liegt auf 0° Schütze. – Schütze und Skorpion gehören nicht zu seinem Sonnen-Verbund, belegen aber die Öffentlichkeit und die Gegenwart – d.h. es gibt eine Diskrepanz zwischen den Interessenlagen des Jungen und der Bewusstseinslage derer, die ihn umgeben. Er bindet sich an den „großzügigen“ Jupiter (Franco war Schütze vom 4. Dezember).

Geboren ist Juan Carlos ins Vertrieben-, nicht ins Königsein hinein, auch wenn er aus einer königlichen Familie mit langer Ahnenliste stammt. Dass er König wurde, war eine nachträgliche Regelung und ein Arrangement, für das er zu seinem Unglück genügend Affinität mitbrachte. Es könnte uns interessieren, dass er, der ebenfalls auch versierter Segler war (und von 1960 bis 1961 Verfassungsrecht, Internationales Recht, Wirtschaftswissenschaften und Besteuerung – Sonne in 9, im Steinbock – lernte) begeisterter Funkamateur (gewesen) ist.

Der Steinbock ist wie Krebs mit der Sprache befasst, aber nicht mit der Sprache als Heimat des Empfindens, sondern mit Sprache als Gefäß der Ordnung des Wirklichen. In seinem Fall weit in den IV. Quadranten zurückgreifend und über den MC dem Merkur Zeichen aus dem Äther vernommene vorlegt, oder zurückgibt. Juan Carlos‘ Amateurfunkrufzeichen ist EAØJC: aus Land (2 Buchstaben: Espana), Ziffer 0 mit Querstrich auf eine Wasserstation in internationalen Gewässern hinweisend, die letzten beiden Buchstaben für den persönlichen Namen stehend. Er hat demnach offensichtlich von Bord eines Schiffes aus gefunkt. Ich lese über den Amateurfunk soviel, dass jeder eine Prüfung ablegen muss:

Durch die Zulassung zur Teilnahme am Amateurfunkdienst, mit der dem Funkamateur gleichzeitig sein weltweit eindeutiges Amateurfunkrufzeichen zugeteilt wird, erwirbt der Funkamateur insbesondere das Recht, abweichend vom üblicherweise festgelegten Konformitätsbewertungsverfahren, die Funkgeräte seiner Amateurfunkstelle selbst zu fertigen, sowie im Handel erhältliche Sendeanlagen, die auf Amateurfunkbänder umgebaut wurden, zu betreiben. Mit diesem Rufzeichen darf er die dem Amateurfunk zugeteilten Amateurbänder benutzen. Dazu stellt er sich mit einem oder mehreren (eventuell auch selbst gebauten) Funkgeräten seine eigene Amateurfunkstelle zusammen. Durch die bei der Prüfung bewiesene Sachkunde sind Funkamateure die Einzigen, die das Recht haben, ihre Sender selbst zu bauen. (Quelle)

Mich lässt das gerade an das alte Radio denken, das mir meine Eltern ins Zimmer gestellt hatten: nachts konnte ich mit dem Drehen des Senderknopfes auf der Langen Welle oder der Kurzen Welle im Äther „herumstöbern“ , Stimmen von irgendwoher einfangen, deren Gesichter ich nie zu sehen bekam, sie füllten die Nächte mit faszinierendem Fremden und Unbekannten. Ich kann mir denken, dass sich für einen Funker eine Welt auftut, in der es nicht darum geht, wer er in der realen Welt ist, weil er sich in einer viel wirklicheren befindet. Anders als bei der gesprochenen Kommunikation ist beim Funken die Übertragungsgeschwindigkeit aufgrund des früher verwendeten Morsecodes langsam. Sie lag bei etwa sechzig Buchstaben pro Minute (60 BpM). Damit mehr Information weitergegeben werden konnte, musste die in natürlichen Texten vorhandene Redundanz durch Verwendung geeigneter Abkürzungen verringert werden. Die eingeführten Kürzel werden wohl auch heute noch von Funkamateuren aller Länder gebraucht. Reduktion des Sagbaren auf ein Minimum – das kommt jenen entgegen, die nicht viele Worte machen wollen. Das Bild lässt mich auch an eine der wenigen Möglichkeiten eines möglichen Autisten, mit der Außenwelt Kontakt aufzunehmen, denken.

Der mächtige Vater am IC (Pluto, der die Unvereinbarkeit nicht akzeptiert), seines Zeichens 28°-Zwilling, hat die Eigenart des Sohnes geradezu verschachert, indem er auf den Anspruch auf die Monarchie bestand. Die Mutter wiederum – hier als MC Steinbock und mit Saturn im Widder, eine Steinbock-Geborene vom 23.12. – Ehefrau in arrangierter Ehe steuert einen Mond im Wassermann auf Merkur-Uranus-GSP dazu, außerdem den Jupiter  auf dem Venus-Jupiter-GSP. Auch sie wird einen „Anspruch“ erhoben haben, etwas Besseres zu sein als aus dem Land Vertriebene und Exilantin in Frankreich. Der Sohn also zweifach mit Aufträgen versehen, die Eltern zu rehabilitieren und ihre Aufträge zu erfüllen.

„Hier musst Du Dir den Thron immer aufs Neue verdienen, Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Und wenn Du das Volk gegen Dich hast, kannst Du einpacken.“ – Juan Carlos I. zu seinem Sohn am 23.2.1981 am Ende des gescheiterten Putsches.

Das Volk hatte er am Beginn gegen sich (denn er wurde als Marionette Francos gesehen) und am Ende wieder, aus vielen verschiedenen Gründen, die ich hier gar nicht aufzählen und bewerten will noch darf. Aus der Zeit gefallen, war das Stichwort. Der Mann musste das, was man für ihn als Weg freigemacht hatte, mit doppelter und noch mehr Anstrengung ausführen. Schauen wir nach seinem Verbund und der Reihe nach. Was war für ihn, den im Exil als Ausgestoßener Geborenen, vorgesehen?

Die Exposition liegt mit dem Zeichen Fische im 11. Haus und im IV. Quadranten. Er hat also etwas zu schöpfen und mit der Sonne im Steinbock im Haus 9 in eine Bestimmung hinein zu fügen (Gesetzfügung, Gesetzprüfung als Vertreter). Der Fisch in Haus 11 – eingeschlossen – hat eine erste Hürde zu nehmen: er muss sich entscheiden, bzw. er muss sich wandeln von den vielen Möglichkeiten in das, was als seine Gestalten für ihn vorgesehen ist. Teilung widerstrebt aber dem Fisch, er will das „All-Eine“. Der Herrscher von Fische steht im 5. Haus, im mittleren Haus des II. Quadranten: deine Einheit als „fixierte“, festgestellte Identität ist nicht gegeben. Es ergeht die Warnung: Wage nicht, König zu werden, denn wenn du König wirst, bist du gefährdet. Dies besagt, dass er das, wofür er angetreten ist, nicht leben darf und sich infolgedessen betäuben muss. Neptun in der Jungfrau spricht – generationsmäßig gesehen – aber auch davon, dass es sich um eine Generation handelt, deren Einzelwesen es im weitesten Sinne nicht möglich ist, sich an ihrer Eigenart auszusteuern. Also muss dieser Mensch einen Erlebnisbereich akzeptieren, den man ihm zugesteht. – Folglich – da die Eigendurchsetzung heruntergesetzt werden muss – steht Mars in den Fischen. Die Exposition enthält damit den Hinweis auf die Entstehung einer Revierlosigkeit, nachgerade der Schöpfung der Revierunsicherheit und die Schwäche (auch immunologisch) auf Aktionen reagieren zu können. Man ist nicht Herr der eigenen Impulse, bzw. hat diese zu betäuben. Das sind genau die Voraussetzungen, die eine Diktatur möglich machen und an der Macht halten. Über den Saturn, an der Grenze aus dem 12. Haus, muss im Falle von Juan Carlos Widder-Mars „heraus“, Saturn-Mars, Existenzkämpfe, hartes Anarbeiten gegen die eigene Bestimmung. Und danach sieht es aus.

Auf einer nächsten Ebene gehört Merkur zur Exposition: im 8. Haus und im Steinbock steht hier eine Spiegelung im Sinne des Merkur-Saturn. Bei für das eigene Leben akzeptierten Neptun verhieße dies, dass Merkur den Saturn nach Maßgabe des Saturn – von höherer Warte – ausführt, im 8. Haus führt er die Prüfung des Gelieferten aus, um sie dann über den Schützen an die Gegenwart freizugeben (Jupiter in 10). Im Falle, dass ein verneinter Ursprung der Gestalt vorliegt, kann Merkur indes nurmehr eine (fremdvorgegebene, bereitgestellte) Form ausführen. Merkur wird Vorgang und als solcher liefert er Regeln an die Gegenwart, die ohne jedes Empfinden versachlichend und neutralisierend aufscheinen. Verneinung der Annahme von Neptun zu Uranus und Uranus zu Saturn bedeutet: Unterwerfung ohne Eigenständigkeit, d.h. man führt die Formen fremder Identitäten aus. Merkur hat sich die Venus dazu herangeholt: einerseits die Form und Erscheinung im Sinne des 2. Hauses, und auch aus der Waage, hier in Haus 6.

Merkur regelt damit beides: die Person (am AC und hier den Stier) und die Aussteuerung gegenüber dem Veränderlichen. Insbesondere Stier am AC wird hier interessant: Sinnlichkeit und Genießertum als Ausübung und im Zwang der Wiederholung. Man sucht das Gefühl, die Impression des Schönen und Materiellen, um das fehlende Eigenleben/Eigenerleben zu kompensieren.

In der Durchführung haben wir einen Herrscher Uranus in Haus 12 – Neptun in 11, Uranus in 12 – sie stehen also jeweils im Haus des anderen. Die Durchführung sagt deutlich: Was in die Bestimmung ins 10. Haus zum Saturn zu tragen wäre, liegt im 12. Haus. Das ist das Noch-nicht-Gewordene, das Entwordene, jedenfalls etwas, das nicht in der Zeit und noch ungeteilt ist. Uranus in 12 geht also vor den Ursprung zurück und versucht das Unmögliche: als Schmetterling vor die Verpuppung zurückzugehen, und anschließend den Zustand vor der Verpuppung über die Grenze in die Zeit zu tragen. In die Wassermann-Durchführung fällt der Beginn des Lebens. Oder das Einzelwesen, das Subjekt schlechthin: hier im Luftraum, je höher es geht, desto dünner wird die Luft. Es schnappt das Wesen nach Luft, es fehlt der Sauerstoff im Blut, man ist ein wenig anämisch. Man bleibt in der Entwicklung zurück. Mond kommt aus dem im Krebs beginnenden und auf 28° Krebs alias Mars-Pluto endenden 3. Haus (das spanische Königshaus trug die Hämophilie in sich; die Brüder des Vaters sollen Bluter gewesen sein). Hämophilie wird immer von den Frauen einer Familie und immer nur an die Söhne weitergegeben. Krebs im I. Quadranten zeigt stellt einen indirekten Bezug zum Körperlichen dar, mehr aber auch zum Seelischen: eine seelische Blutererkrankung. 

Ebenfalls im Wassermann und im 10. Haus thront Jupiter auf 3° Wassermann alias Venus-Jupiter-GSP. Das ist die sehr gut gefügte Integration – die Einheirat in gute Verhältnisse. Egal, wie sehr andere seiner Konstellationen davon abraten: mit dieser Konstellation ist er verdammt, den quasi geschenkten „Denkberechtigungsschein“ nicht abzulehnen. Mond-Uranus und Jupiter-Venus – beide weisen auf das Engramm der „gegenwartslosen Fügung“ bzw. auf das vereinnahmte Leben hin. Der Ausfall des eigenen Saturn ist der Preis, bzw. der eigene Saturn wäre zu leben zum Preis der Bedeutungslosigkeit und im Verzicht auf den Anspruch auf das Prädikat des Adels.

Über den Uranus im Stier hatte ich bereits kurz geschrieben: er hebt aus den Kollektiven heraus, steht er eher für das „Republikanische“ denn das Königliche. Hier haben wir Venus-Uranus als die Unentschiedenheit, sich auf eine Seite der Geschlechtlichkeit zu begeben. Man ist nicht Fisch, nicht Fleisch, will das eine und das andere, und bleibt unentschieden. Die Unentschiedenheit wird in Stärke umgemünzt: Expansion ohne Grenzen – mit einer Venus von Haus 9 zu Haus 8 – das ist eine angespannte, die Begegnung und die Bindung an die Begegnung beherrschende Starre und Blockadesituation. Venus-Merkur ist die Erscheinungsseite des Uranus-Saturn, der Stau, der zur Lösung drängt. (Man sagt ihm mehr als 5000 Liebhaberinnen nach; Amadeo Martinez Ingles, Biograf). „Stier“ in seiner unerlöstesten Ausprägung neigt zu Sturheit, Unerbittlichkeit; ist einer, der dem Einzelnen nahelegt, seine Bedürfnisse dem Wohl des Gemeinschaftlichen unterzuordnen. Dafür enteignet er auch schon einmal Einzelne im Sinne des Kollektivs. Eine Stier-Demokratie hat kein Interesse am sonnenhaften Individualismus.

Das Endzeichen Steinbock steht am MC, füllt das 9. Haus und steht von Haus 9 nach 8 (in Richtung der Fügungs- bzw. Verbundrichtung). Das ergibt indirekt Saturn-Jupiter, der König von Saturns Gnaden bzw. die Annahme des „kleinen Mannes“ auch König zu sein. – Saturn in Widder auf 0° sagt ihm deutlich: schaue auf den Anfang! Prüfe, ob die Sache dem Prinzip entspricht. Er ist der strategisch eingesetzte König (Franco, der „Königmacher“ hatte ebenfalls den Mars in den Fischen, fast sogar in Konjunktion mit dem von Juan Carlos, und eine Schütze-Sonne dazu im Quadrat. Sein Jupiter im Widder im Quadrat zu Juan Carlos‘ Sonne aus dessen 12. Haus heraus). Francos Saturn steht auf 10° Waage (von denen unten noch die Rede sein wird), und bestimmt – wenn man weiter vergleicht, die Bedingungen und die Umstände des Lebens von Juan Carlos. Steinbock in Haus 8 – ergibt indirekt einen Saturn-Pluto, und den trägt der Junge ohnehin: ein verwunschener Uranus steht darauf und der AC im Stier steht auf Sonne-Pluto und Mond-Pluto. Fotos aus der Jugendzeit von Juan Carlos – die späteren nicht mehr so stark – zeigen den Reptilienblick, mit dem er in die Welt schaut.

Der Pluto kommt aus dem Begegnenden; was ihm in der Welt an Struktur, an Bildern entgegenkommt, geht ohne Umweg ein ins Empfinden und überlagert es. Hier wird ein Kind vom Start an mit einer Vorstellung und einer Information geimpft, und seine Mentalität „überzeugt“. In der Gegenwart taucht der Mann jedenfalls nicht auf, er bleibt in den Vorhallen der Fügung und gibt allenfalls das Bild einer „Legierung“ ab: ein gefertigtes Geschöpf, das seine Auflösung in sich trägt: Jupiter-Pluto in Opposition. – Und darauf eben derzeit der laufende Merkur. Da Pluto an der Spitze vom 4. Haus steht, kann dies sehr wohl den Anfang vom Ende der Monarchie in Spanien bedeuten; Merkur – zu gering, um dies zu bewerkstelligen – aber in seiner Berichterstattung (aus dem Vorzeitlichen) und seiner Ausführung der „zugeteilten“ Königsform wesentlich und gefährlich. Das Virus, das 2020 mit der Saturn-Pluto-Konjunktion im Steinbock stehend Spanien besonders hart traf, ist auf den Boden der Information über die Zusammenfügung von Inhalten unter eine Form, deren Zusammenschluss so nicht passt, gefallen. Das steht zur Korrektur an.

Eine Steinbock-Sonne tritt immer mit einem „Anspruch“ an; diese entspricht nicht einer Erwartung wie sie Mond-Krebs ans Empfinden und die Wahrhaftigkeit zeigt, auch nicht der Jupiter-Schütze-Erwartung an zu ergreifende, zu jagende Anschauungen. Die Steinbock-Erwartung gilt dem Status und der Autorität. Je älter jemand wird, desto fester bleibt er in den eingefahrenen, wenn vielleicht auch falschen, Routinen. Hier ist es der „alternativlose“, unbeugsame Rückzug ins Namenlose. Das Erwirkte ist in diesem Horoskop der Saturn an der Grenze zu Haus 12, in den Fischen, was eine haarfeine Saturn-Neptun-Komponente beinhaltet: die Auflösung des Gewesenen. Hier geht nicht nur ein alter König ins Exil oder fällt aus der Zeit, sondern mit ihm gehen nunmehr de facto die Ära Franco und der Spanische Bürgerkrieg zu Ende, oder das Land zerbricht. (Franco hatte 1939 mit seiner diktatorischen Beendigung des Spanischen Bürgerkrieges die Autonomiebestrebungen der verschiedenen spanischen Regionen unterdrückt; diese sind in den letzten Jahren zunehmend wieder aufgeflammt.)

Nachtrag: Was die Person Juan Carlos, nicht die Funktion König, angeht, kommt er im Phänomensrhythmus am 12.8.2020 auf den Uranus auf den 10° Stier alias Saturn-Pluto (und der hat ja den laufenden Uranus dabei), im Fügungsrhythmus auf 27° Stier alias Venus-Jupiter. – Das lenkt den Blick auf einen Vorfall, der sich im März 1956 ereignete. Genau gesagt am 29.3.1956. Sofern das Horoskop stimmt – und danach sieht es aus – ist zu diesem Zeitpunkt der GSP Saturn-Mondknoten im Wassermann erreicht. Juan Carlos ist 18 Jahre und 2 Monate alt, und er und sein vier Jahre jüngerer Bruder reinigen zu zweit ein Schussgerät. Es geht los, die Kugel trifft den Bruder Alfonso in die Stirn, er stirbt am gleichen Tag. Über den Phänomensrhythmus ist der Krebs angesprochen und damit Mond im Wassermann. – Was ist zwischen den Brüdern vorgefallen? Das Transithoroskop zeigt, dass an jenem Tag der laufende Uranus auf dem Pluto bzw. dem IC des jungen Mannes steht: hier geht es um eine Wandlung, um die anstehende Aufhebung einer Verdrängung – oder dramatisch ausgedrückt: eines „Familienfluches“. Uranus „will“ die Mutation, das Verlassen der Form, der Verneinung. Er ist heftig, jäh, in Frage stellend. Neptun steht im Quadrat dazu – auf 29° Waage. Die Schrecklähme vor dem Geschehen steht hier ebenso wie ein Erkennen: Merkur auf dem Saturn bzw. in der Nähe zu 0° Widder. Das ist ebenso Wahrnehmung wie Kennzeichnung des Standes der eigenen Bestimmung, die für den weiteren Lebensverlauf entscheidende Weichen stellt. Die Frage ist: war erst das Wahrnehmen und Artikulieren und dann die Lösung des Schusses, anschließend die Schrecklähme? Oder war erst der Schuss und dann die Wahrnehmung?

Geschehen sein soll der Unfall am Abend nach einem Tag, an dem der 14-jährige Alfonso in einem Golfwettbewerb gewonnen hatte. Gründonnerstag war es und gegen 20:30 Uhr, als sich der Schuss gelöst haben soll. Keine Spekulationen an dieser Stelle, nur folgende Beobachtung: bei einem AC von 28° Waage alias Sonne-Saturn (auf diese Uhrzeit und auf Estoril) steht der Mars auf 19° Steinbock am 29.3.1956. Auf diesen 19° steht derzeit Jupiter. Zum Zeitraum des Unfalls waren die Fische Herrscher von Haus 5 und Neptun steht am AC auf 29° Waage. Die Auflösung von Leben wird konkret und als Ereignis sichtbar. Die Sonne des Bruders und die Sonne des Tages stehen zueinander in Opposition; 9° Waage/Widder, das ist ein Pluto-Uranus-GSP. Der Saturn von Franco steht ganz in der Nähe auf 10°. 

Der Mars dieses Tages hat ein Quadrat zum Mars des Bruders, Jupiter steht auf dem Saturn-Mondknoten-GSP und im 10. Haus, der MC um 20:30 Uhr auf 3° Löwe alias Jupiter-Pluto. Alles das klingt zusammengenommen nach „Es kann nur einen geben“  und danach, dass die Wahl, den jungen Juan Carlos zum Nachfolger auszubilden, vielleicht nicht die letzte und einzige Option war. – Das Leben des überlebenden Bruders war mit der Dominanz des Saturn (Saturn in Opposition zum Neptun des Bruders) fortan in der Pflicht. Der ältere Bruder wurde bereits als 8-Jähriger von Zuhause weg auf auswärtige Schulen geschickt,  mit Disziplin groß und streng erzogen. Während der kleine Bruder bei den Eltern blieb (und dort der Liebling der Mutter war) (Quelle), als Juan Carlos 10 Jahre alt, war handelte sein Vater den „Deal“ mit Franco aus: den Sohn (übrigens unter Mars-Antreffen in den Fischen a) militärisch und b) die Herkunft versenkend) gegen die Aussicht, den Königsstatus in die Familie zurückzuholen. Doch Franco hatte nie vor, Don Carlos zum König zu machen, sondern sich von Anfang an dessen Sohn als Ziehsohn herangezogen. Zwischen dem übergangenen Vater und dem vorgezogenen Sohn muss eine Wand entstanden sein.

Der Junge besuchte ab 1952 die Militärakademie, kurz nachdem er über den Mond im Wassermann gelaufen war. Das Ende seiner Kindheit. Im Nachwege des Todes des Bruders soll der Vater Juan Carlos beschworen haben, ihm zu schwören, dass der Tod Alfonsitos nicht in seiner Absicht gelegen habe. Da hatte ja der Vater bereits den Älteren „verkauft und verraten“. Der Pluto am IC und der IC auf den drei Planeten-Paaren (Mars-Pluto, Merkur-Saturn, Merkur-Pluto) spricht deutlich von einem bestehenden Familiengeheimnis. Im Zwang dieses Familiengeheimnisses wird auch um den neuerlichen Vorfall Schweigen gehüllt, was natürlich für allerhand Gerüchte sorgt. Wir müssten sorgfältig recherchieren, was gegen Ende des Jahres 1958, Anfang 1959 vorgefallen ist, als der Pluto angetroffen wurde und das 7. Haus ansprach. Hinzuziehen können wir auch die Wiederholung dessen im Fügungsrhythmus etwa um 2000/2001 (als sich seine Krönung zum 25. Mal jährt). 

Tragisch, dass ausgerechnet der von Anfang an aus der Zeit gefallene Sohn für die Königsrolle auserkoren wurde (es hatten kurzfristig auch noch zwei andere Familienangehörige in Rede gestanden). 1981 zeigte sich, dass sich der eingesetzte König auf die Seite der Demokratie stellte – als Oberbefehlshaber des Militärs setzte er sich am 23.2.1981 gegen die Putschisten (die eine Demokratie verhindern und die Diktatur reinstallieren wollten) durch; er stellte sich damit letztlich gegen seinen Ziehvater Franco. – Es stand Mars auf seinem Mars, und die Jupiter-Saturn-Konjunktion auf 8°-9° Waage auf der Sonne seines Bruders. Was das zu sagen hat, ist mir nicht ganz klar. Unklar ist auch, welche Rolle der als militärische Autorität angekündigte „elefante blanco“ spielte, der von den Putschisten angekündigt wurde, aber nie erschien. Gemutmaßt wurde, es soll sich um Juan Carlos selbst gehandelt haben, der dann aber im Laufe des Putsches die Seite gewechselt haben soll. Das spanische Parlament weigert sich bis heute, die Akten zum Geschehen freizugeben. Geheimnisse, Geheimnisse. 

Der alte König, der nicht zum Königsein geboren war, wird wegen Korruption, Steuerhintergehung und anderer Vergehen juristisch verfolgt. Aber nun hat er sich offensichtlich tatsächlich der Verantwortung (die ihm oktroyiert wurde?) entzogen. Seinem Schicksal entkommt eben auch kein König: am Ende ist er doch ein Vertriebener und Exilant.