Home » LESESTOFF » ASTROLOGIE » ASTROLOGISCHE FRAGMENTE VI

ASTROLOGISCHE FRAGMENTE VI

„Licht, das doppelt so hell brennt, brennt eben nur halb so lang. Und du hast für kurze Zeit unglaublich hell gebrannt, Roy.“ (Zitat aus Blade Runner, Assoziation: W. Döbereiner: Die Kerze, die von zwei Seiten brennt: Saturn-Uranus. Tuberkulose.)

Der Blade Runner ist wieder da

Wer kennt ihn? Wer kennt ihn nicht? Ich hab ihn mir neulich angeschaut. Den zweiten, im Kino in 3D – und davor zur Auffrischung den ersten, den ich als junge Frau aufgesogen hatte. – Schauen wir uns zunächst den Titel an: Der Filmtitel Blade Runner entstammt, entnehme ich verschiedenen Quellen, einer SF-Novelle von William S. Burroughs (Mitte der 70er Jahre). Für den Plot seines Films bediente sich Ridley Scott dann aber der Motive (Jagd auf Androide) aus Philip K. Dicks Roman „Do Androids Dream of Electric Sheep?“ aus dem Jahr 1968. Ein blade runner ist einer, der sich auf „Messers Schneide“ bewegt – ein Gratwanderer, einer, der sich in Situationen begibt, in denen ein einziges Wort oder ein einziger Fehler eine Sache zum Guten oder zum Schlechten entscheiden können. Da könnten wir bald selbst (wieder) mitten drin stehen – Lochiels Warnung (Thomas Campbell zwar keine Jungfrau, sondern ein Löwe) im Hinterkopf habend. Gegen den Titel des Buches für den Film soll vor allem seine Länge gesprochen haben – aber auch die Tatsache, dass die Schafe im Film nicht auftauchen.

Warum ich nun ausgerechnet in der Adventszeit über einen dystopischen Film wie den „Blade Runner“ schreibe? – Ja… schlagen wir es der Qualität der Zeit zu. Während Saturn durch den Schützen lief und im Laufe des Jahres 2017 auch über den Radix-Saturn von Dick, befindet sich auch Uranus in dem Zeichen, in dem er zur Geburtszeit Dicks stand: im Widder, und hat eine Opposition zu Mars (Dicks Horoskop weist ein Uranus-Mars-Quadrat auf). Pluto steht derzeit auf 17°6′ im Steinbock und hat damit eine unheimliche, exakte Opposition zu Dicks Pluto im Krebs. Mond – der schnelle Läufer – steht, da ich dies hier schreibe, auf dem Mondknoten in Dicks Radix und wies am 5.10., als der neue Film in Frankfurt in die Kinos kam, ein Quadrat zu Pluto auf, bei gleichzeitigem Sonne-Pluto-Quadrat.
Dicks Todesdatum ist der 2.3.1982 – über die 11° Fische ist 2017 der Neptun gelaufen (steht derzeit auf 11.5°) und heute steht die Sonne mit 11°6′ im Quadrat dazu. Jupiter hat eine um 1° abweichende Konjunktion mit dem Jupiter des Todestages, der laufende Saturn trifft auf den Neptun des Todestages auf 27° Schütze… abgesehen von Punktlandungen und davon, dass es die umgangssprachlichen Zufälle nicht gibt
: das Thema steht einfach an. Was das bedeutet, weiter unten. Wir könnten ja einmal als Übung das Tageshoroskop des Kinostarts und das Radix dessen, auf den die Erzählung zurückgeht, nehmen und auf den Inhalt des Filmes schließen. Machen wir jetzt nicht. Hier der Inhalt.

Im Roman schildert Dick eine nach einem Atomkrieg nahezu entvölkerte Erde. Es ist das Jahr 2012; die Entropie, d.h. die Unordnung nimmt immer mehr zu – während die Mars-Kolonien prächtig gedeihen und die neue Heimat der Menschheit sind. Hauptschauplatz ist San Francisco, in dem die auf der Erde verbliebenen und zurückgelassenen Menschen vom großen Wunsch ergriffen (eigentlich besetzt) sind, echte Haustiere – unbedingtes Statussymbol – halten zu können. Wer das aus Kostengründen, denn es gibt kaum noch Tiere, nicht kann, nimmt mit einer mechanischen Replik vorlieb. Rick Deckard – der Kopfgeldjäger – etwa hält ein elektrisches Schaf auf seiner Dachterrasse. Der Wunsch, sich ein echtes Tier leisten zu können, ist der Hauptantrieb für seine Arbeit.
Eine wichtige Rolle spielt der „Mercerismus“, eine Pseudoreligion, deren zentraler Glaubensgrundsatz das Gemeinschaftsgefühl ist. M
ithilfe der „Einswerdungsbox“ wird den Benutzern das Gefühl vermittelt, unter Schmerzen mit anderen zu verschmelzen und „eins zu werden“. Das Ganze stellt sich schließlich aber als Schwindel heraus, und der Begründer der Religion, Wilbur Mercer, als ein alkoholsüchtiger, heruntergekommener Schauspieler.

Auf dem Mars werden den Menschen Androiden zugestellt, die ihnen dienen sollen. Diese Androiden sind echten Menschen so ähnlich, dass sie nur mit Hilfe komplizierter psychologischer Tests (Voigt-Kampff-Test; eine zwar erfundene, aber richtige Prüfung einzelner Items von Psychopathie mit Betonung des bekanntesten Items „Mangel an Empathie“) erkannt werden können. Ihnen ist es verboten, die Erde zu betreten. Fünf Androiden gelingt es dennoch, auf die Erde zu gelangen. Dort werden sie vom angeheuerten Deckard gejagt. Doch im Verlauf der Jagd weiß Deckard bald nicht mehr, wer Mensch und wer Androide ist und woran er die einen oder die anderen erkennt.

Als Dick den Roman schrieb, war seine Hauptinspiration nicht das beginnende Zeitalter der Robotik, sondern wohl mehr die realen Nazi-Massenmörder, deren Tagebücher er für seinen früheren Roman Das Orakel vom Berge (erschienen 1962) gelesen hatte. „Für mich ist Android eine Metapher für Menschen, die physiologisch menschlich sind, sich aber nicht menschlich verhalten“, sagt er zu Paul M. Sammon, Autor von Future Noir. Frage bleibt, was wir unter „menschlich“ verstehen – und die stellt sich nämlich auch Deckard. Der Roman wird vielfach als einer der Ur-Texte der dystopischen Variante des Genres Science Fiction gesehen.

Dass es sich beim Prinzip der Protagonisten in der Zeit zwischen 1933 und 1945 um den Pluto bzw. den Skorpion handelt, ist unschwer zuzuordnen: Ideologie/Vorstellungsgebundenheit, Besetzung und Mentalitätsübernahme und Macht- und Kontrollwillen gepaart mit Uranus ergibt die Verneinung und Verdrängung des Ursprungs wie des Ortes. Für Kenner der Münchner Rhythmenlehre ist also die Verschiebung von „Nazi-Machthaber“/Volk zu Mensch/Android (oder andersherum??) keineswegs widersprüchlich.

Quelle: http://www.bfi.org.uk/sites/bfi.org.uk/files/styles/full/public/image/blade-runner-1982-cityscape-001.jpg?itok=pcvF3Lfk

Im ersten Film aus dem Jahr 1982 stellt uns Ridley Scott den Ex-Cop Rick Deckard (gespielt von Harrison Ford) vor, der im Jahr 2019 noch einmal aktiviert wird, um aus den Kolonien auf die Erde geflohene Replikanten zu jagen und „in Rente zu schicken“. Er kommt ins beklemmend molochige Los Angeles, gezeichnet mit bleiernen, immerdunklen Farben, allenfalls mit schwarzen Pfützen belebt, in denen sich dauerndes Werbeleuchten spiegelt. Neue Modelle der Baureihe „Nexus 6“ haben zwischenzeitlich ein Bewusstsein entwickelt und wollen sich nicht mehr einfach abschalten lassen. Während er den Replikanten Roy Batty (gespielt von Rutger Hauer) jagt, lernt Deckard viel darüber, was das Menschsein ausmacht und was Menschen von Replikanten unterscheidet – das Thema des Films. Er verliebt sich und brennt schließlich mit der Androidin Rachael durch. Offen bleibt, ob Deckard nicht vielleicht selbst ein Replikant ist.

Beim Preview des Films sollen Dick und Scott „herzlich“ Einigkeit über die Bedeutsamkeit von Blade Runner gezeigt haben. Dick erklärt allerdings, dass er die Androiden als seelenlose, selbstsüchtige, mörderische Soziopathen sähe, die Deckards Sinn für seine eigene Menschlichkeit herausforderten. Noch später äußert er Sammon gegenüber, Scott (Schütze wie Dick, geboren am 30. November 1937) habe das alles als eine intellektuelle Idee betrachtet und sei nicht daran interessiert gewesen, einen im weitesten Sinne „theologischen“, religiös-skeptischen Film zu machen. Stattdessen habe er die Replikanten mehr als Superhelden beschrieben. Wie sich fortan das Verhältnis zwischen Scott und Dick gestaltete, habe ich nicht weiter recherchiert. Dick starb noch vor Uraufführung des Films (im Oktober 1982).

Quelle: https://consequenceofsound.net /2016/07/blade-runner-2-storyboards-reveal-toxic-los-angeles-wasteland/

Der Nachfolgefilm spielt dreißig Jahre nach den Ereignissen von 2019. Das Los Angeles aus der 80er-Jahre-Zukunftsvision ist immer noch von dunkler Atmosphäre. Die Musik – nurmehr metallische Klänge – düster. Riesige (meist Frauen darstellende) Hologramme wandeln durch die Straßen, virtuelle, holografische Menschen sind Freundersatz und Begleiter der heruntergekommenen Einwohner, außerhalb der Stadt gibt es nach wie vor verseuchte Gegenden, in die man sich tunlichst nicht verirren sollte. In der Innenwelt des Replikanten-Produzenten Niander Wallace allerdings ist es sauber und farbig; hell- und dunkelorange (uranus-haltig) bis blau-neptunisch umspült uns diese Welt. All das, was der Erde draußen fehlt.

Der Polizist „K“ (gespielt von Ryan Gosling) macht den Job von Rick Deckard: Er ist jetzt der Blade Runner mit dem Auftrag, abtrünnige Replikanten aufzuspüren und zu deaktivieren. Ältere Modelle ohne Lebenszeitbegrenzung sind seit Jahrzehnten untergetaucht. Als er bei seinen Ermittlungen die Überreste einer lange verstorbenen Replikantin, die allem Anschein nach dreißig Jahre zuvor Mutter geworden war, entdeckt, scheucht das sowohl „K“’s Vorgesetzte als auch Wallace auf.

Bald steht fest: Das für unmöglich Gehaltene ist eingetreten. Es gibt Replikanten-Nachwuchs, und dies führt zu einem beunruhigenden Verdacht. „K“ trifft im Folgenden auf eine junge Ärztin, die speziell für Replikanten Erinnerungen erschafft, die diesen dann implantiert werden, und gerät immer mehr selbst ins Visier der Agentin Luv, auch indem er sich Anordnungen widersetzt. Schließlich führt ihn in seinem Versuch, Licht in die Vergangenheit zu bringen, der Weg zum seit 30 Jahren verschollenen Deckard. Die im ersten Film offen gelassene Frage wird beantwortet, die nach dem Menschsein nehmen wir mit nach Hause. Was macht den Menschen aus? Ein Name statt einer Nummer? – Empathie? Seine Augen? Dass er sich erinnern kann?

Science Fiction, Utopien und Dystopien

1984 von Georg Orwell, Fahrenheit 451 oder Die Mars-Chroniken von Ray Bradbury, Solaris oder Der Unbesiegbare von Stanislaw Lem sind illustre Vorgänger bzw. Zeitgenossen von Philip K. Dick. Die Science Fiction-Literatur des 20. Jahrhunderts, böser anders als die des 19. Jahrhunderts – ich denke u.a. an Jules Verne – ist ein beängstigend klarer Spiegel der brennenden Zukunftsfragen in unserer Zeit, in der die meisten Menschen Fremdbestimmung und über sie hinweggreifende Machtstrukturen erleben. Ohne zu tief in die Literaturgattung einzusteigen – das können die Autoren von Science Fiction besser erklären – sei doch auf zweierlei hingewiesen: Innerspace vs. Outerspace und die Definition für Wirklichkeit.

Outerspace im Gegensatz zum Innerspace heißt, dass wir die Abenteuer in immer größerer Entfernung suchen, dass wir versuchen, das Universum zu verstehen, die physische Welt, indem wir uns von der Erde entfernen und zu anderen Planeten reisen, um dort zu erfahren, wie das Universum beschaffen ist, wie die Wahrheit aussieht. Die Helden von Star Trek, der deutsche „Vorgänger“ Raumpatrouille Orion, auch Perry Rhodan – völlig willkürlich herausgegriffen – dringen in den Weltraum vor.

Der Innerspace aber ist das menschliche Gehirn selbst. In ihm wird die Wahrheit, soweit sie überhaupt zu finden ist, verortet: Erinnerung, Denken, Bewusstsein, Blockaden, Paranoia… Das ist es, womit sich Dick vorwiegend beschäftigt. Wir können vermuten, dass es um seine Innenwelt geht.

Wirklichkeit. Als charakteristisch für Dicks Werk kann gelten, dass er die Wirklichkeit, durchaus die Wirklichkeit im Sinne des IV. Quadranten, aber auch das Wirkende (in) unserer Welt in Frage stellt. Auf dieser Suche erschafft er wieder und wieder Welten, die hinter oder unter der weltlichen „Wirklichkeit“ liegen, und sich meistens als Albtraumwelten – wie wir sehen werden, seiner eigenen Abgründe – entpuppen. Diese Suche nach der Wirklichkeit ist die Suche nach der Antwort auf die Frage, was nach unserem Tod geschieht – ist es das? Oder ist es die Frage nach dem Tod schon im Lebenden? Denn was ist Tod anderes als die Abwesenheit von Gegenwart (als Geschehen)! 

Häufig bei Dick ist der Gegensatz Mensch – Roboter. Menschen sehen wie Roboter aus, werden zu Robotern und verhalten sich wie Roboter, und Roboter gehen als Menschen durch. In unzähligen Romanen Dicks findet sich ferner ein Gegensatz zwischen echten Schöpfern und falschen Schöpfern. In gesellschaftlichem Maßstab sieht er Konflikte nicht als Klassenauseinandersetzungen zwischen Unterdrückern und Unterdrückten, sondern als ein Spiel zwischen Eigen- und Fremdgruppen. Dick ist aber auch ein Mystiker, der sich in seinen Geschichten um wissenschaftliche Glaubwürdigkeit und Begründung gar nicht kümmert; er schreibt aus dem Bauch, nicht mit kühlem Kalkül, und gerade dadurch werden in seinen Texte Probleme verkörpert und nicht bloß zur Sprache gebracht; Probleme, die man nicht anders als philosophische bezeichnen kann. (Quelle: Franz Rottensteiner, http://www.philipkdick.de/feature_rottenstein.html)

Der Mann hinter der Dystopie

Suchen wir den Mann hinter dem Werk und hinter seinem Leben, wie es sich den Biographen darstellt. Das ist nämlich ein aus menschlichen und anderen Katastrophen zusammengesetztes Leben, und schauen wir uns seine realen Existenzgrundlagen und Lebensumstände an – und anschließend, wie es um seine Wirklichkeit bestellt ist.

Philip K. Dick, geb. 16.12.1928, 12:28 Uhr, Chikago, Illinois, Quelle: http://osobnosti. najdise.cz/zivotopis, nachkorrigiert – nicht gesichert

Dick hat eine Schütze-Sonne auf 24°34′ auf dem Uranus-Neptun-GSP der versunkenen Wahrheit. Mitgebracht bei der Geburt eine Erfahrung, die das Bewusstsein lähmt. Horoskop gedeutet, Film und Buch auch – fertig. 

Die Sonne legt als Verbund Schütze-Skorpion-Waage, also den III. Quadranten, fest. Er läuft vom 9. Haus in den II. Quadranten hinein. Die 0° Waage liegen im 6. Haus. Die  Sonne steht im Ausgangszeichen in 9, dessen Herrscher Jupiter auf 0°34′ Stier im ersten Haus.  

Ähnlich der Exposition in einer Sonate wird im Ausgangszeichen das Thema – in diesem Fall im Feuerzeichen Schütze – vorgestellt. Die Sonne-Saturn-Merkur-Konjunktion gehört ebenso zur Exposition wie die Jupiter-Neptun-Spiegelopposition. Da hat er schon Etliches mitgebracht, das er durch sein Leben tragen und endlich machen soll.

Unter anderem fehlen (Lücke!) ihm der Uranus und der Saturn, die damit eine große Rolle in seinem Leben spielen werden. Uranus – aus dem 12. Haus (Wassermann an der Spitze) – steht direkt am AC und führt zu einer „abgehobenen“, exaltierten, an der Person sichtbaren Anlage. Der aus der Familie ererbte Saturn bringt in seinem „Lückendasein“ Mangel und Angst vor diesem Mangel mit sich, die Erfahrung fehlenden Eigenerlebens. Die beständige Willenshaltung verhindert die Eindrucksverarbeitung – einher geht das Ganze mit Abweisungserlebnissen. Folgen sind Neutralisierung und Versachlichung der Umweltbeziehung (Sarkasmus). Dieser Teil der Exposition zeigt, dass es sich um eine weite Anschauungswelt mit sich nach bestimmten Regelungen wiederholenden Vorgängen handelt.

Woran erkennt man nun eine Schütze-Sonne? Da sei das Stichwort „Jäger“ genannt – eine Sonne im Schützen hat „schlafende Titanen zu wecken, hat die Räume entstehen zu lassen und ihnen die Gestalt der Geschehen zu geben.“ (Döbereiner, Der Wandel des Lebens im Tierkreis) Der Schütze ist die Bewegung selbst und er umkreist in dieser Bewegung künftige Zentren ebenso wie noch nicht gewordene Räume. Der Schütze ist nun von diesem Umkreisen ganz ergriffen. Zuversicht und Erwartung tragen ihn, sein Zentrum ist nicht die Nähe, sondern die Ferne. Fernweh nach der Vielfalt, die er alsbald zu vereinheitlichen sucht, ist sein Lebensantrieb. In seinen Verhaltenseigenschaften findet sich Paradoxes.

Zwei Extreme treiben ihn an: zum Einen ist er motiviert durch die Geschehen, die sich außerhalb seiner selbst vollziehen. Er braucht die Außenwelt als Treibstoff – wird sie ihm entzogen – geht er „ein“. Dieser Standort im Außen hat zur Folge (Gegenpol!), dass er keinen festen Sitz in sich hat. Er ist offen allem Entgegenkommenden gegenüber – und muss sich gleichzeitig in ständiger Bewegung halten. Keine Einsicht darf ihn aufhalten. Weichheit des Denkens steht hier neben der Härte der Bewegung – und lässt manchen seiner Wegbegleiter ratlos zurück. Eine Schütze-Sonne kann sehr rücksichtslos und ohne Erbarmen mit subjektiver Betroffenheit sein; sie muss es sein. Also Verständnis und Erbarmungslosigkeit sind gleiche Teile der Dynamik, ihre Werkzeuge sind Phantasie und der Verstand (nicht zu verwechseln mit dem Intellekt).

Auch vernünftig ist eine Schütze-Sonne nicht (es sei denn, sie hat einen Jungfrau-AC dabei) – denn sie stellt mit ihrer Einsicht in die äußere Welt, in fremdes Leben nicht selten ihre eigenen subjektiven Interessen hintenan und schadet sich selbst (zum Wohle der Anderen). Großmut bis Großmannsucht, Toleranz bis Beliebig- und Gleichgültigkeit, Begeisterungsfähigkeit bis Missionierungswut liegen in der Bandbreite des Verhaltens. Die Schütze-Sonne ist auf der Suche – vor allem auf der Suche nach den Motiven des Lebens. Moral ist dabei keins ihrer Konzepte, sie interessiert alles, sogar das Abgründige, die Sektiererei, die Verbrecher, Psychopathen wie die Heiligen. Engstirnige gesellschaftlich-basierte Scheuklappen kennt sie nicht … dafür hat sie einen großen Respekt vor Bildung, der sie selbstverständlich hinterherjagt. Wissen und Begeisterung für das andere – bis hin zur dekorativen Feinnervigkeit, auf jeden Fall ein Enthusiast. Aber selbst wenn die Pläne der Schütze-Sonne verstiegen sind und ihre geistigen Ausführungen weitschweifig, ist die Schütze-Sonne ein kühl und präzise kalkulierender Mensch, dem Intuition und Eingebungen zur Seite stehen. 

Zur Exposition gehört also der Jupiter in Haus 1 knapp im Stier. Standort im Außen – auf sich selbst zurückgeworfen.
Erwartung, in die Gemeinschaften einverleibt, aufgenommen zu werden wie auch die Anlagen, dies zu schaffen und sich im Finanziellen sichern zu wollen und zu können. Dass die „glückliche“ Vergemeinschaftung nicht ohne Schwierigkeiten vor sich geht, zeigt die Venus im Quadrat im 11. Haus und zudem noch im Wassermann an. Zentrumsflucht bei gleichzeitigem Drang in die Zentren hinein – das bedeutet Spannung. Versichern und Beständigkeit bei gleichzeitiger Aufhebung des Materiellen. Da ist man nicht festgelegt, nicht stabil,  und ja – auch die Entscheidung für ein Geschlecht steht lange aus. Man bleibt knabenhaft (denke da gerade an Alexander v. Humboldt, der eine ebensolche Konstellation hatte – und übrigens auch den Neptun in der Jungfrau!) Die Venus kommt einerseits von der Spitze des 2. Hauses und aus dem 7. Haus. Bildaufnahme und -abgabe – im 11. Haus ein Neuschöpfen. Es geht aus dem Jetzt der Gegenwart und aus dem Bewusstsein heraus hinein in Schöpfungsprozesse von noch nicht Gewordenem, vor der Zeit, außerhalb der Zeit. 

Der Wassermann an der Spitze von Haus 12 wirft seinen Uranus in die potentielle Sichtbarkeit am AC:  die Selbstdurchsetzung „geschieht“ mit den Mitteln der Loslösung vom Vordergründigen, ja sogar mit dessen Aufhebung – da macht er sich unabhängig von konkreter Anpassung. Nichtangepasstheit ist es, womit er sich im realen Leben durchsetzt. Und hier haben wir sie: die Wirklichkeit (das Hintergründige), die in das Reale eintritt und in das allzu Vordergründige – im vorpreschenden, direkten Widder – voller Energie, aber eben auch manisch.

Frage nach dem Mars auf der nächst tieferen Ebene: Mars auf 1°22′ Krebs – knapp am Kardinalpunkt vorbei – Segen oder doch erst recht Fluch? – Im Quadrat zu Uranus. Da ist das Messer – in das man läuft, mit dieser Konstellation, der Einbruch oder der Durchbruch. Auf jeden Fall liegt hier eine Vaterschwäche mit dem Drang, den Vater rehabilitieren zu wollen. (Bei – wie wir noch sehen werden – einer übermächtigen Mutter.) Das Gleichgewicht ist gestört und hinterlässt den Drang nach dauernder Bestätigung, die sich mit Versagensängsten abwechselt. Die empfundene Schwäche wird im Außen zu kompensieren versucht. Die – im Falle eines Ausfalls der oberen Reihe des IV. Quadranten – richtungslose Energie trifft doppelt aufs Empfinden: Am IC und im Krebs. Da trifft sie den Beginn des Lebens in ihm selbst. Die Familie ein Schlachtfeld, mit „dem Feind im eigenen Land“ Anlage zu Autoaggression bei Übernahme der Wertlosigkeit, die einem in und von der Familie bescheinigt wird.

Der Mars einen Aspekt zu Neptun auf 1°20′ Jungfrau in Haus 6 – der Revierverletzer bzw. und auch der Verjagte. Als Trigon – Helferaspekt – Vernehmung und Darstellung der Verletzungen, die nicht unwesentlich dadurch entstehen, dass er sich nicht aussteuern kann in Umständen, die nicht zu ihm gehören. Da fällt er aus dem Rahmen. Das kann befreiend sein und der Härte der Durchführung einen Puffer bieten.

Auch Jupiter und Mars verbindet ein Aspekt –  das ist aggressive Weltanschauung und der Angriff auf außersubjektive Selbstverständnisse. Das Sextil kann als „Helfer“ zum Tragen kommen: die Anlage, Teilung zu Erscheinung machen, zum „Kampf“ aufrufen zu können, lässt die Möglichkeit einer Kompensation zu. Als Person kann damit der Mensch Philip K. Dick mit seiner Begeisterung und seinem Sendungswillen Menschen auf seine Seite ziehen, sie missionieren.

Die Konjunktionsgruppe Sonne-Saturn-Merkur erzählt – rund um den GSP des lähmenden Uranus-Neptun gelagert – von Behinderungen in der Eigenentwicklung, vom Intellektuellen, das in reproduktiver Funktion ohne Vertrauen in Formen in den Regelungen von Clans Vorgänge setzt. Im 9. Haus werden damit keine Räume mehr gefügt – sie werden gefertigt. Saturn steht dabei auf den 21°34′ – Pluto-Uranus und regelt (bei abhanden gekommenem Prinzip) Herkünfte nach fixierten Vorstellungen. Der Zwang der eigenen verdrängten Herkunft muss mithin in Vorgängen der Beschreibung und der imaginären Darstellung von neuen „Herkünften“ aufscheinen. Die Menschheit – in Dicks Romanen, insbesondere des „Blade Runner“ – lebt nicht mehr auf der Erde, sondern ist auf dem Mars angesiedelt. Was auf der Erde lebt, sind ihre heruntergekommenen Reste und ein Haufen illegaler, sich verselbständigender Replikanten. Dicks Ausgangslage ist die Ausgangslage seiner Geschichte, und seine Frage nach dem Hintergründigen lässt ihn das Leben bzw. sein Motiv suchen. Ich kürze ab – und komme zum Durchführungszeichen, denn das gibt uns – wenn wir schon im Musikgenre bleiben – Auskunft darüber, wie die Exposition verarbeitet und umgesetzt wird – wir sind im 2. Satz.

Uwe Anton (in einer Sendung des Deutschlandradios 2005):

Ich habe ihn einige Jahre vor seinem Tod kennengelernt bei einem großen internationalen SF-Con in Frankreich in Metz. Ich habe jetzt den Eindruck, es fast schon mit einer manisch-depressiven Persönlichkeit zu tun gehabt zu haben. Ich begegnete also einem wahnsinnigen Überschwang. Wir begegneten uns zufällig im Fahrstuhl, ich fragte ihn, ob er Philip K. Dick sei, wir hatten vorher einige Briefe gewechselt, aber es war nichts Weltbewegendes und Umwerfendes. Und er umarmte mich, nahm mich also wirklich in den Arm und sagte: „Ah, das ist der Mensch, der mich in Deutschland so bekannt macht.“ Alles furchtbar übertrieben. (…) Also er war wirklich eine schillernde Persönlichkeit, […].

[…] All seine SF-Welten in Anführungszeichen, sind im Prinzip Spiegelbilder unserer Erde, aber trotzdem liegt hinter jeder seiner fiktiven Romanwelten immer noch eine Welt mit einer anderen Wirklichkeit. […] Man findet bei ihm sehr häufig Menschen, die in einem Halbleben dahinvegetieren. Die nicht mehr ganz am Leben sind, aber auch noch nicht ganz gestorben sind, und die also in fürchterliche Albtraumwelten geraten.

Der 2. Satz beginnt mit dem Skorpion, und die Umsetzung ist – das kann man nicht anders sagen – intensiv. Da fallen mir sofort die metallischen Klänge aus dem Film Nr. 2 ein. Am Übergang von Haus 8 nach Haus 7 ragt der Gott der Unterwelt ins Bewusstsein und in die Gegenwart hinein und deponiert seinen Herrscher im 4. Haus. Kürzel: Die seelische Entfaltung in ihrer Besinnung auf das Wesentliche, und die Bindung an Partner beeinflusst die seelische Ausdrucksform. Pluto steht gleichzeitig im angestammten „Heimatzeichen“ des 4. Hauses – dem Krebs. Denken wir das weiter, dann wird klar, dass hier die Empfindung von einer ererbten Verneinung der Erfahrung der Fortpflanzung überlagert ist. Mond-Pluto beinhaltet, dass das Gebären durch den Herkunftsverband unerwünscht, sogar unterbunden ist. Immer wenn die Erfahrung im Empfinden hochsteigt, besteht die Möglichkeit, sich aus der chronischen Verneinung zu lösen. Das ist ein intensiver Prozess großen Leidens. Will man sich dem nicht aussetzen, bleibt immerhin noch die Leidenschaftlichkeit, in der der Lebensstau sich kanalisiert. Der Träger eines Mond-Pluto ist von der Welt der Mütter „besetzt“, die er dann ohne Bewusstsein (und damit die Bestimmung der Fügung ohne Maß und Mitte) übernimmt. Gleichzeitig ist der Mond-Pluto ausgestoßen – und der Abschaltung freigegeben.  
Mit Jupiter-Mond als die Verheißung eines beginnenden Lebens ist Endpunkt der Sonne-Pluto mit der Übernahme der fremden Mentalität, die keinen Platz in sich selbst lässt. Nicht selten führt dies zur Selbsteliminierung. In der Schicksalsreihe ergibt sich Jupiter-Pluto, der auch die Lösung bringt: der Verband, in den hinein man geboren ist, trägt die Auflösung bereits in sich. In seiner Auflösung liegt die Chance, zum eigenen Lebensgeschehen zu finden. Man kann ihn aber auch verlassen – wenn man kann.

Frage nach dem Mond, der zwar nicht in den Verbund gehört, aber als Herrscher von 4 und 5 herangezogen werden kann und muss. Er erzählt über die Entfernung des Empfindens und des Lebens als Geschehen von sich selbst. Mond im 11. Haus, im Wassermann, ohne Aspekte, also weder angegriffen noch unterstützt. Isoliert steht er da, bereit, abgeholt zu werden, damit man ihn endlich mache. Und wieder im Auftrag der Mutter/Mütter: Abwehr von Gefühlen und des Subjektiven, das bedeutet eine Flucht aus dem dualen Erleben. Es besteht der Zwang, sich vom Schmutz des Lebens fernzuhalten, sich rein zu halten. Mond-Uranus beschreibt die Leugnung der Unvollständigkeit des Menschen, damit seiner Schuld und seiner Sühne. Was heißt das? – Ein Mond-Uranus ist die wegfliegende Seele, es wachsen ihr Flügel. Angstvoll ist sie dabei, denn der Himmelsraum ist weit und bietet kaum Geborgenheit. Mond-Uranus bringt die Fähigkeit zum Absehen von sich selbst mit. 

Im 3. Satz einer Sonate wird die konfliktreiche Verarbeitung des Themas aufgenommen und zu einem Ende geführt, im besten Falle zu einem harmonischen Ergebnis. Im Radix zeigt sich, wie die Person ihre Aufgaben gelöst haben könnte oder gelöst hat. Das Ergebnis findet sich im Endzeichen. Bei Dick ist es die Waage-Venus (mit einer Prise Jupiter aus dem Stier) im Wassermann in Haus 11. Sie steht auf dem Gruppenschicksalspunkt von Merkur-Uranus. – Wenn schon der Mond-Uranus „enfant terrible“ sein kann, dann sagt die Venus hier: selbst wenn du aus deiner Verneinung herauskommst, wirst du wieder an das Tor in die Zeit gehen  und dort u.a. den Mond aufgabeln müssen. Gabeln, weil die Venus den Finger auf die Verzweigung des Merkur-Uranus, die Wanderschaft, das Freidenkertum, aber auch die Umstrittenheit (denn man sitzt zwischen den Stühlen, reitet auf der Hecke, ist – hm – der auf Messers Schneide? ) legt. Jungfrau-Merkur in Begleitung von Uranus trennt nach „brauchbar – nicht brauchbar“ – die Verwertung des Vorgefundenen ist ungewöhnlich. Aufgehobene Bewusstheit (der Wahnsinn) oder die Wahrnehmung des heiligen Geistes, des göttlichen Willens.  Der Zwilling-Merkur (gepaart mit Uranus) aus dem 3. Haus auch das Stottern und die Sprunghaftigkeit in der Logik. Da wird die Venus nun einbezogen. Sie soll und – was sie als Waage-Venus tut – das Gegensätzliche zu Harmonischem (unter Einbeziehung aller Unterschiede) zusammenlegen – und muss dies in einem Schöpfungsakt tun. Saturn dringend gesucht. Ich kürze ab. 

Finalität: Steinbock am MC, Saturn in 9. Im Falle, dass sich im wiederholten Durchgang des Weges die Bestimmung des eigenen Lebens weder auftut noch deren Auftun angenommen und umgesetzt wird – Verbleiben in den Regelungen der Anderen. Die Finalität liegt im Anfang, ein Kreis schließt sich.  Am Todestag von Philip K. Dick – dem 2.3.1982 – stand der laufende Mars (auf GSP Saturn-Uranus, dem Fehlenden seines Jupiter-Neptun-Trigons) auf seinem Pluto. Saturn und Mars kamen in Konjunktion. Die Venus lief in seinem 11. Haus im Quadrat über den Jupiter in 1, Neptun war bereits im vergangenen Jahr über die Sonne gelaufen und hatte Vorbereitungen für den Fall des „Rächers“ geleistet. 

Philip K. Dick erlitt am 18. Februar 1982 den ersten Schlaganfall in seinem Haus in Santa Ana, im Krankenhaus den zweiten, der seine Gehirnaktivitäten zum Erliegen brachte. Am 2. März 1982 wurden die lebenserhaltenden medizinischen Geräte abgeschaltet. Das ist schon ein heftiges Bild: abgeschaltet zu werden, wie der Protagonist seines bekanntesten Werkes Replikanten „abschaltete“, nachdem (oder auch bevor) ihnen das Unmensch-Sein zuerkannt werden konnte. 

Sein 8. Septar verzeichnet einen Skorpion-Ac mit einem Pluto auf 27.7° Krebs alias Merkur-Saturn und Mars-Pluto.  Zwischen 1980 und 1982 war dieser Pluto – in Quadrat zu Uranus in 5 angesprochen. In diesem Septar befanden sich Sonne-Merkur und Jupiter in Haus 1 – da betraf es ihn als Person, da nahm er vieles „persönlich“.  Mond-Neptun (= die Identität mit dem Wirklichen, dieIdentitätslosigkeit, die Abwesenheit ) in 10 – als das nichtbeabsichtigbare Ergebnis aus dem Lösungsweg von AC und Umsetzung im Sonnenzeichen. 

Anno 1977 verließ Philip Kindred Dick, der ungern auch nur aus dem Haus trat, das einzige Mal den amerikanischen Kontinent. Er reiste ins französische Metz, um einen Vortrag zu halten, der seitdem unter Paranoikern, Nerds und Ironikern umgeht. Im Netz wimmelt es von Ausschnitten der krisseligen Aufzeichnung: Dick, graubärtig, gescheitelt, im hellen Hemd und Siebzigerjahre-Krawatte, sitzt hinter einem Mikrofon – er könnte der Almöhi einer bis dato unbekannten Bergregion sein oder ein Putschist aus einem weltvergessenen Winkel Mittelamerikas. (Quelle: Wieland Freund, https://www.welt.de/kultur /literarischewelt/article152826104/Er-schuf-Blade-Runner-und-glaubte-an-die-Matrix.html, 2.3.2016)

Ist schon klar, dass man aus dem Hauch eines Filmes, der das Schicksal seines Schöpfers belegt, betäubt heraus kommt. Da streift einen nicht die Zukunft, sondern die Gegenwart. Sofern sie noch Gegenwart ist und nicht bereits vollends belegt.

Aus einem Gespräch:

Das, was wir sind, ändert sich insofern als es sich entfaltet. Es wächst in den Raum und in die Zeit (die womöglich aber eine Illusion ist) hinein. Was sich ändern kann, und was wir ja auch tun: unser Verhalten. Frage: Sind wir unser Verhalten? Und wer ist unser Ich?

[…]

Ein Mensch kommt mit seinen Anlagen auf die Welt, die ihn doch determinieren. Keiner kann sich in etwas verändern, das nicht in ihm vorgesehen ist – oder? Also eine fundamentale Transformation – würde ich gar nicht erwarten. Allerdings – eine optimale Hinentwicklung in die Möglichkeiten des Angelegtseins (und ich meine jetzt nicht nur die Genetik) hinein… ist das Leben. Es gibt natürlich – wie oben schon angeklungen – auch die Verneinung und die Verweigerung.

Leseempfehlung:

  • Philip K. Dick, Blade Runner, TOR, 2017
  • Wolfgang Döbereiner, Die belegte Gegenwart, 1997
  • Wolgang Döbereiner, Der Wandel des Lebens im Tierkreis: Münchner Rhythmenlehre, 2006
  • Wolfgang Döbereiner, Astrologisch-homöopathische Erfahrungsbilder zur Diagnose und Therapie von Erkrankungen, 1997