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ASTROLOGISCHE FRAGMENTE XXVI

Die Regierungsvorlage für das chinesische Sozialkredit-System „Planning Outline for the Construction of a Social Credit System (2014–2020)“ wurde am 14. Juni 2014 vom Staatsrat beschlossen. Das derzeit auf freiwilliger Basis funktionierende System soll Ende 2020 für die nahezu 22 Millionen Einwohner Pekings verpflichtend in Betrieb sein. Angestrebt wird damit die Steigerung der „Aufrichtigkeit in Regierungsangelegenheiten“ (englisch honesty in government affairs, chinesisch 政务诚信), der „kommerziellen Integrität“ (englisch commercial integrity, chinesisch 商务诚信), der „sozialen Integrität“ (englisch societal integrity, chinesisch 社会诚信) und der „gerichtlichen Glaubwürdigkeit“ (englisch judicial credibility, chinesisch 司法公信).“ (siehe → https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialkreditsystem). Quelle hier

Ein Virus im Gemeinschaftlichen und im Feld des Materiellen. Uranus im Stier und die Vorstellungsgebundenheit von Pluto im Zeichen der Gesetzgebung. Sprunghaft beginnt die Hysterie. Sie gewinnt Fahrt, denn jetzt ist dieses Virus in Deutschland angekommen, aber nicht nur das. (Auch andere Schleusen sind geöffnet und eine neue Wanderung beginnt.) Aber was für ein Virus? Corona das Virus – Covid-19 die Erkrankung. Sie befällt die Lungen, jenes große, wichtige Warenumschlagsorgan, das den Austauschort des im Innen Verbrauchten mit von Außen Frischem markiert. Während alle sich nun Horoskope anschauen, die dazu in Umlauf kommen, beschäftige ich mich mit dem Zeitraum 1788-1806 in Weimar. Und dies unter einem ganz bestimmten Thema: Goethe, die Lebensgefährtin Christiane Vulpius, die er im Moment der Kriegsbedrohung durch Napoleon ehelicht. Er ist aber bereits seit 1788 mit ihr in ‚wilder Ehe‘ – wie es damals heißt: Gewissensehe – liiert, hat einen Sohn (der später zerstört werden wird) mit ihr. Erinnert mich entfernt an: Ich hab dir nie einen Rosengarten versprochen – anscheinend hat sie ihm alles von sich gegeben. 

Ich werde nicht versuchen, einen Zusammenhang zwischen den persönlichen Geschehnissen von damals und den globalen von heute herzustellen. Allenfalls der Hinweis sei erlaubt, dass Christiane Vulpius einen Pluto im Steinbock aufweist und Goethe einen Saturn im Pluto. Außerdem wären ein Saturn-Neptun-Quadrat von Haus 6 nach 9 im Horoskop der Frau Vulpius und Goethes Saturn-Uranus-Quadrat von Haus 12 nach Haus 3 für uns relevant. Hinweis auch darauf, dass der derzeit (Zeitraum, in dem ich das Buch von Sigrid Damm in die Hände bekam) laufende Pluto zu Goethes Neptun in Opposition steht, derselbe Pluto ein Quadrat zum Uranus seiner Frau aufweist, während der laufende Mars auf ihrem Pluto steht. Das Buch thematisiert, welche Rolle Christiane Vulpius in Goethes Leben spielte, warum die 4×7 Jahre mit ihr dem alten Goethe offensichtlich sehr zu schaffen machten, und gilt einer Spurensuche nach dem Wesen dieser Frau, die ihrem offenbar recht komplizierten und unzufriedenen Mann bis zur Selbstaufgabe diente. Im Betrachten der Lebensknoten dieser beiden Individuen stoße ich auf viel Fremdbestimmtheit, und werde mich genau deshalb auf einen Aspekt konzentrieren: Das Phänomen ist unter dem Begriff Hörigkeit bekannt.

Verstehen und Begreifen dessen, was auf den Boden von heute fällt, sehe ich auch dieses Mal aus dem Blickwinkel von Protagonisten vergangener Geschichten. Noch ist mir nicht klar, vor dem Hintergrund welchen (griechischen oder anderen) Mythos der Vorgang der Hörigkeit verstanden werden kann, aber ich nähere mich dem an. Eine erste Arbeitshypothese flüstert mir Andreas Marmeros ein. Er schreibt über die Hörigkeit des Herakles – aber beim Nachlesen merke ich, dass das nicht das ist, was ich meine. 

Was ist diese Hörigkeit?

Sich tief und bewusst auf eine Beziehung einlassen zu können, setzt voraus, dass eine gewisse Eigenständigkeit und emotionale Unabhängigkeit erreicht wurden. Nur jemand, der sein Leben auch allein meistern kann, ist in der Lage, sich auf konstruktive Weise abhängig zu machen. Man könnte auch von der Kunst, sich abhängig zu machen, sprechen; dies bedeutet, sich abhängig machen – und gleichzeitig unabhängig bleiben. Sich bewusst auf einen anderen Menschen einlassen können, heißt eben nicht, sich ihm zu unterwerfen oder ihn dominieren zu müssen.

Unzählige Beziehungen sind von Machtkämpfen zwischen den Partnern bestimmt, bei denen (unbewusst) ungelöste Probleme aus der Kindheit unbewusst bearbeitet werden. Gerade die Unfähigkeit, sich positiv abhängig machen zu können, führt zu emotionalen Störungen, psychosomatischen Erkrankungen, Hörigkeit oder auch in eine Suchterkrankung. Häufig wird diese Abhängigkeit mit Liebe verwechselt. Sich zu einem anderen Menschen hingezogen fühlen, ihn nicht loslassen zu können, bedeutet jedoch nicht unweigerlich, dass man ihn liebt.

Hörigkeit ist eine mehr oder weniger freiwillige Unterwerfung. Hierbei passt der Unterlegene sein Verhalten dem oder der Dominanten an. Die entstehende Abhängigkeit kann psychischer und/oder sexueller Natur sein. Wir sehen hier Erwachsene, die von ihrer emotionalen Entwicklung her immer noch auf kindlichem Stand stehen (abzulesen etwa an den Charakter betreffende Beschreibungen ihrer Freunde und Bekannten wie etwa als Person mit großer Naivität, offener Unverstelltheit, Ehrlichkeit). Dies kann sehr wohl auf intelligente Menschen, hoch aufgestiegene Wissenschaftler, erfolgreiche Wirtschaftsmanager und Politiker zutreffen, was dann Verwirrung stiftet und zeigt: Intelligenz als Größe des 3. Hauses, Durchsetzungsfähigkeit und Selbstdarstellung haben mit Einsicht in den Anderen und Verständnis der Welt einschließlich einem Bewusstsein keine große Teilmenge.

Destruktive Abhängigkeit ist ein extrem verbreitetes Problem in unserer westlichen Gesellschaft (wie sie sich über die Jahre der Aufklärung entwickelt hat), das voraussichtlich weiter zunehmen wird. Emotionale Störungen nehmen  ebenso wie Suchterkrankungen zu. Eltern wie Heranwachsenden fällt es zunehmend schwerer, den Ablösungsprozess aus der Herkunftsfamilie anzugehen – oder es kommt zu so sehr abrupten Kontaktabbrüchen, die sowohl die Eltern als auch die Kinder hilf- und erklärungslos zurücklassen. Dabei spielen Schuldgefühle, Verwöhnung, falsch verstandene Hilfe und emotionale Bedürftigkeit eine entscheidende Rolle. Wo liegt die Ursache dafür?

Unterwerfung und Hörigkeit. Beides bedeutet, dass man den eigenen Willen unter den Willen eines anderen Menschen stellt. Bei der Unterwerfung geht es um eine erzwungene Unterordnung, bei der sich die unterlegene Person nur mit großer innerer Distanz und auch mit innerer Ablehnung dem Willen der anderen Person fügt. In der Münchner Rhythmenlehre finden wir hier die Anfangsausprägung der Saturn-Pluto-Kombination: die ägyptische Gefangenschaft oder – ein moderneres Bild – das Stockholm-Syndrom. Beginnen tut das Ganze – wenn es um eine Frau und einen Mann bzw. zwei Menschen geht – harmlos: Verliebtheit gepaart mit sexueller Attraktion und eine kleine Persönlichkeitsunsicherheit legen den Grundstein für eine Beziehung, in der im ungelösten Fall einer der Beiden – aber eigentlich beide – untergeht. Es kann im gelösten Fall sein, dass sich der Widerstand des Unterworfenen einen Weg bricht und er sich aus der Unterwerfung befreit. Oder die Unterwerfung geht – Endstadium des Saturn-Pluto – im Opfer als Sympathisierung mit dem Unterdrücker in Hörigkeit über – eine „freiwillige“ Abhängigkeit, die eine emotionale Sucht ist. Im Horoskop kann sie sich ziemlich unspektakulär hinter einer Sonne-Merkur-Konstellation verstecken.

Emotionale Abhängigkeit gibt es in Abstufungen: in Form von absoluter Hörigkeit bis hin zu Formen, die das Leben nicht beeinträchtigen, sondern beglücken. Abhängigkeit ist vielfach etwas Positives. Wer sich verliebt, macht sich abhängig davon, dass seine Gefühle erwidert werden. Wenn nicht, stürzt der Verliebte in tiefen Schmerz. Sich auf eine Partnerbeziehung wirklich einzulassen, bedeutet nämlich auch, sich abhängig zu machen. Man wird verletzbar, begibt sich in die Hand eines anderen.

In meiner ersten Ehe wurde mir erst dunkel, dann immer heller bewusst, dass etwas nicht stimmte. Mein Instinkt, oder mein Überlebenswille?, führte mich zu einem Buch mit dem Titel „Wenn Frauen zu sehr lieben“, Untertitel: Die heimliche Sucht, gebraucht zu werden. Es stammt aus dem Jahr 1987, gelesen habe ich es 1990. Eine Familientherapie habe ich nie gemacht, und habe sie auch nicht gesucht. Die Lektüre des Buches reichte. Was aber noch nicht hieß, dass sich gleich alles klärte. Die Klärung ließ 13 Jahre auf sich warten. In diesen 13 Jahren habe ich sehr viel gelernt, und dieses Gelernte bildet meinen Fragehintergrund für das Thema. War auch ich hörig? Wie abhängig werden Frauen von Männern, und umgekehrt?

Christiane Vulpius und Goethe

Auch die beiden bereits Erwähnten brauchen einander, dabei ist der finanziell und gesellschaftlich stärkere Partner Johann, der von der Mutter auch in höherem Alter noch Hätschelhans genannt wurde. Christiane aber ermöglicht ihm mit ihrer Haushaltsführung und absoluten Hingabe sein künstlerisches Leben, zu dem er sich ja nach seiner Italienreise entschlossen hatte, und hält seiner Arbeit am Werk den Rücken frei. Dass der Mann in anderer Weise von ihr abhängig ist, als sie von ihm, ist ziemlich eindeutig. Eingebettet in die Gegenwart des auslaufenden 18. Jahrhunderts über die französische Revolution hinein ins 19. Jahrhundert mit der gesellschaftlichen Umgestaltung auch in Thüringen, im Angesicht der Tatsache, dass in Familien hinein Kinder geboren wurden, die schon bald nach der Geburt sterben – im Falle von Goethes Mutter waren es 5 von 7 Kindern, in Christianes 4 von 5 – will ich die beiden mit der Verbunddeutung betrachten. Finden wir den Kern der Liebes-Sucht?

1.6.1765, Weimar, 20:30 Uhr MOZ

28.8.1749, Frankfurt am Main, 12:55 Uhr MEZ

Christiane Vulpius im Jahr 1788

Johanna Christiana Sophie Vulpius, das 2. Kind ihrer Eltern, stammte mütterlicherseits aus einer Handwerkerfamilie. Ihr Vater Johann Friedrich Vulpius war Amtsarchivar in Weimar und Aktenkopist. Er hatte einige Semester Rechtswissenschaften studiert, das Studium jedoch abgebrochen. Die Familie lebte in bescheidenen Verhältnissen, Christianes Mutter starb am 5. Mai 1771, als Christiane gerade 6 Jahre alt war und bisher bereits mehrere Geschwister hatte sterben sehen. Der Vater starb am 29. März 1786, nachdem er in zweiter Ehe verheiratet gewesen war. Die zweite Ehefrau starb 1783, von da an übernahm Christiane den Haushalt mit Tante und Stiefschwester. Nach dem Tod des Vaters – aber auch schon davor, als er erst der Veruntreuung bezichtigt, daraufhin in Haft genommen worden war, schließlich seine Anstellung verloren hatte – übernahm Christiane mit Arbeit als Hutmacherin die Finanzierung der Familie.

Eine Zwillinge-Geborene. Der 1. Juni fällt in die Gruppe 3 (29.05. – 05.06.): Bei neutraler, vorurteilsloser Vermittlung und Umweltverständnis Mangel an fest abgegrenztem Standort bzw. Standpunkt. Daher Tendenz zu Beängstigung aus schwieriger Eindrucksverarbeitung (Psychosen). (WD, Horoskope für jeden Tag).

Noch genauer: 31. Mai und 01. Juni

„Als Kind scheint man eindrucksüberfordert zu sein. Dadurch leidet das spätere Selbstgefühl sowie die persönliche Durchsetzung, da sich Schwierigkeiten in der Verarbeitung und Steuerung von Eindrücken ergeben. Die innere Unruhe und zeitweilige Verworrenheit führen dazu, dass man sich nach außen gern neutral und, entsprechend der Empfindsamkeit, vermittelnd verhalten will. So zeigt sich eine sanfte und friedliebende Art, die stets auf harmonischen Ausgleich bedacht ist. Sie ist gekennzeichnet von Gemeinsinn, Kontaktfähigkeit und der Begabung zu Ausgleich und objektiver Vermittlung. Dazu kommt ein besonderes Interesse für kulturelle und öffentliche Belange, für „Schöngeistiges“, nicht ohne dekorative Komponente. Gefahren liegen in der Standortschwäche, in der Neutralität, die eine Verausgabung des Gefühls erschwert und nur geeignet ist, die eigene Gefühlsverworrenheit phasenweise zu verstärken (Beängstigung, Einbildungen). Bevorzugte Berufe liegen auf dem Gebiet des Journalismus, auf jeder Art Vermittlung, sowie auf dem Gebiet der Arbeits- und Sozialhygiene. – Kennzeichen: Innere Verwirrung – äußere Glätte“ (WD, Horoskope für jeden Tag)

Das ist also die Verhaltens“vorleistung“ – die Sonne legt den Verbund fest, in diesem Fall Widder-Stier-Zwilling. Zum Zwillinge-Verhalten genauer komme ich später.

Der Verbund beginnt im 3. Haus, füllt den gesamten II. Quadranten und ragt in den III. Quadranten hinein. Die Ausübung der Erscheinung im Seelischen bei vorliegender höheren Maßstäben unterzuordnender Erscheinung (Steinbock in Haus 2). Die Bewegung in den Umraum unbestimmt, die Sonne in Haus 6 dies aussteuern müssend. Diese Sonne verzeichnet eine Konjunktion zu Merkur und Venus. Zusammenstehend ergeben sie die Erscheinungsseite des Saturn-Uranus. Form und Inhalt passen nicht zueinander – das hat sie zu leben. Der Merkur – das sei vorweggenommen – ist ein rückläufiger. Goethe wiederum hat einen rückläufigen Jupiter – beides habe ich häufiger in Zusammenhang gesehen. Zwillinge und Schütze – Haus 3 und Haus 9, man trifft sich jeweils in seinen Schwächen?

Christiane ist eine Liebhaberin des Theaters, sie liebt die Darstellung, die Bühne. Auch tanzt sie gerne. Zwilling. Doch die Exposition, die Vorbereitung der Bühne, liegt im Mars. Widder am IC – der Feind im eigenen Heim, auch im eigenen Körper, immer der Kampf um die Wertigkeit im Verband, in dem man sich aufhält, meistens mit der Versagung der Wertigkeit. Der deutliche Hinweis: gehe weg von da, wo du verbraucht und nicht geachtet wirst. Das war damals, wie es heute immer noch ist, für eine Frau nicht ohne Weiteres  nicht möglich. Ist es auch für Männer nicht.

Der Mars aus diesem Widder steht auf 0° Krebs, das ist nochmals der Hinweis auf eine Mond-Mars-Problematik, hier von höchster Stelle als Kardinalpunkt. Der Durchbruch zum Eigentlichen, Milieuwechsel, Gründung von Niederlassungen, verbesserte Wohnverhältnisse heißt es auf 0° Krebs – dafür hat sie Energie: Mars ist der ihr begegnende Animus, der ihr die besseren Verhältnisse bringen wird. Mars wird zweimal in ihrem Leben direkt angetroffen werden – 1804 und 1809 – in diese Zeitspanne fällt der Oktober 1806, in dem ihre Verbindung zu Goethe „endlich“ legalisiert wird. Glück und Respekt bringt ihr die Eheschließung nicht, eher ändert sich alles zur Katastrophe.

Doch soweit sind wir noch nicht. Der Mars aus der Exposition steht allein und ohne Schützenhilfe da, manchmal ist sogar ein gespannter Aspekt lösungsbringender als gar kein Aspekt. In der Exposition enthalten ist allerdings ein Uranus. Uranus-Mars im 4. Haus ist auch ein Uranus-Mond mit Autoaggression. Das aufgehobene Zuhause, die Entfernung, in diesem Fall die explosive Entfernung, aus der Seele. Kein Zuhause und ein schwacher Vater.

Zunächst die Seele und das Empfinden. Der Mond steht im Skorpion und im 11. Haus am Übergang zum 10. Intensive innere Bilderwelt, gestaut, kanalisiert, umso leidenschaftlicher. Auch in diesem Punkt ist das Mädchen „verneint“, diese Verneinung setzt Energie frei, die ist allerdings ungerichtet, hat keinen Leitstrahl, denn sie hat keinerlei Verbindung genau wie Mars. Das Empfinden trägt die Information der ererbten Erfahrung von Verneinung der Fortpflanzung (Mond-Pluto) und dies in der Phase des Ursprungs, des Momentes des Eintritts in die Teilung in Haus 11. In Sigrid Damms Buch findet sich der Verdacht, dass Christiane Vulpius einen Rhesus-Faktor negativ aufweisen könnte, der sich mit dem (viel häufiger auftretenden) Rhesus-Faktor positiv nicht verträgt: ihre Antikörper bekämpfen ihre ungeborenen Kinder, wenn diese den Rhesus-Faktor des Vaters tragen.[1] Der RH+ ist in jedem Fall dominant.

Der zur Exposition gehörende Uranus hat Spiegelquadrate zu Merkur und Venus in Haus 6. und ein Quadrat zu Jupiter auf 20°34‘ in Krebs im 7. Haus. Auch wenn es ein Quadrat ist – Jupiter-Uranus ist so schlecht nicht, verheißt er doch einen Verdienstclan, eine glückliche, jähe Veränderung, und immerhin kommt Jupiter aus dem Schützen am AC – da erfährt ihr aufgehobenes Heimatliches eine Erweiterung von außen, und das wird an ihr vollzogen, ja gehört zu ihr als Einsichtsfähigkeit und Optimismus. Die Hoffnung auf den „Retter“. Jupiter-Uranus schließt die Aufnahme in höhere, bessere Kreise ein, bedeutet aber auch die Notwendigkeit, den eigenen Saturn zu heben. Christianes Saturn in Haus 5 auf dem Jupiter-Venus-GSP im Stier macht ihr das schwer. Sie ist sperrig bzw. geht in den Vorgang des Merkur-Venus in Haus 6:  sie wird „Haushälterin“ für andere. Mit Merkur-Sonne ist sie eine unsichtbare Bedienstete (Saturn-Pluto, Merkur-Pluto), die quasi zum Inventar des Hauses gehört. Saturn in Haus 5 ist ein Sonne-Saturn, sie ist ständig in Bewegung bzw. am Arbeiten, fleißig und sympathikoton-angespannt arbeitet sie für das Gemeinschaftliche.

Die Durchführung wird durch Stier und damit die Venus gekennzeichnet. Er steht im 5. Haus – sichert den Lebensausdruck, der sinnlicher und auch besitzergreifender Art ist. Die Venus beim Merkur spricht von der Regelung und Ausübung dieser sinnlichen Sicherung als Aussteuerungsmechanismus. Voller Körpereinsatz und das im Weiblichen und im Umfeld des Weiblichen. Venus im Zwilling, Venus-Merkur – auch aus der Waage am MC. Das  ist das Gespräch mit dem Partner, die Demonstration der Gemeinsamkeit (Zwilling-Waage). Von der Stier-Seite her geht es um „Arbeit“ mit Stärke und Beharrlichkeit, man ist ernst. Die Ausübung (Zwillinge-Merkur/Hermes) des Reviers (Stier-Venus/Gäa) geht einher mit Regelungen in der Erscheinung und zum Zwecke der Organisation im Sozialen, das ist z.B. die Hausordnung, die Behandlung der Gäste. Die Kennzeichnung von Revier wird zur Ausübung von Sammlungen (Museum), die Vermessung von Terrain. Stier zu Zwilling ist die Physiologie/Anatomie des Körpers in der Ausübung als Gymnastik oder Tanz. Der Jungfrau-Merkur mit Stier-Venus ist zuständig für die Versicherungen und Absicherungen des Lebens gegen die Veränderungen des Lebens. Die Buchhaltung des Besitzes als Bestandswahrung wird zu dem, was uns als Wissenschaft präsentiert wird: eine Verwaltung von Wissen.

Mit der Waage-Aphrodite zu Zwilling kommt es zu Formalharmonie, die auf ein Zusammengefügtes von Gleichem zielt (was wiederum dem Gewachsenen nicht entspricht, denn dort legt sich nicht Gleiches zu Gleichem, sondern das Ergänzende findet sich). Aphrodite-Venus und Hermes-Merkur treffen sich in der Regelung (auch Regulierung) von Bewusstsein zum Zwecke Anwendung und der Ausübung von Bildausgabe. Venus-Merkur denkt sachlich, neutralisierend, glaubt sich objektiv, indem er Subjektives vermeidet.

Athene-Aphrodite wendet für die Verständigung Diplomatie an, denn ihr ist an Ebenmaß gelegen. Sie ist sprachlich geschliffen („spricht wie gedruckt“).  Von Athene geht die Wahrnehmung zur Aphrodite-Venus in das Bewusstsein, die Diagnose in die Öffentlichkeit (Herausgabe von Gesundheitsbüchern), das Gesundheitsbewusstsein, das öffentlich gemachte, dargestellte Bewusstsein für Gesundheit.

Letzteres finden wir bei Christiane – sie ist nach 1806 oft in Kur. Erstens läuft sie gerade 41-jährig sowohl im Phänomens- als auch Fügungsrhythmus durch den Zwilling und über den DC, zweitens ist dies auch geschuldet ihrer neuerdings legalisierten Position, sie füllt die Rolle der stierhaften Genießerin – es wird viel Wein getrunken. Abgesehen davon haben die Damen der gehobenen Gesellschaft die Kuren für gesellschaftliche Anlässe wie Tanz und Theater benutzt. Zwilling-Schütze: die Bürgerlichen und die Aristokraten. Dass Christiane ein Nierenleiden entwickelt, wundert bei ihrer Disposition (Saturn-Uranus alias Merkur-Venus) nicht. Im Alter von 51 Jahren (am 6.6.1816) stirbt sie unter unaushaltbaren Schmerzen durch Koliken (unter denen sie sich die Zunge abbeißt) an Nierenversagen (Saturn-Uranus). Im Zeitraum ihres Sterbens steht Venus über dem Radix-Saturn, und der laufende Saturn hat ein Quadrat dazu. Dadurch ist auch Venus Quadrat Neptun gegeben: der dritte Schlaganfall in kurzer Folge hat sie erlöst. Saturn-Neptun ist die Auflösung des Gewesenen, hier der persönliche Konkurs.

Merkur – Herrscher von Zwilling als Endzeichen und Nekrolog des Verbundes steht bei der Venus – am 6.6.1816 von Uranus in Opposition beschienen. Die Aufhebung der Gegenwart. Doch davon abgesehen: Weil die Bestimmung durch Regelungen (Saturn zu Merkur) ersetzt wird, während gleichzeitig kein Raum bzw. keine Form ausgebildet werden kann, wird die Gestalt nicht an die Gegenwart ausgeliefert, entsteht keine Gegenwart und damit kein II. Quadrant bzw. kein Geschehen als Leben – bei versehrtem Bewusstsein kommt es zum Tod.

Der Zwilling steht im Begegnenden, Christiane braucht den Austausch, allein geht sie ein. Sie muss aber lernen, sich um sich selbst zu kümmern, denn ihr Merkur steht im Haus 6. Tut sie das nicht, droht oben Gesagtes. Wie aber ist ein Zwilling? (Goethe und sie feiern übrigens ihren Geburtstag am 6.August, verlegen sie also in das Tierkreiszeichen Löwe!) Der Zwilling ist unter den Tierkreiszeichen derjenige, der den Gestalten der Zeitlichkeit die Räumlichkeit gibt, und dies in Bewegung, Verzweigung und in Ausschöpfung und Kennzeichnung der Umwelt. Das Sicherheitsgefühl eines Zwilling hängt davon ab, wie weit und wieviel er sich in den Umraum hinein bewegen kann. Je mehr er den Raum ermessen, umreißen kann, desto mehr steigen seine sprachlichen Fähigkeiten des Benennens und Unterscheidens. Emotionales wird ins Abbild der Formen und Ausübungen des Raumes gebracht – wird funktional, versachlicht, neutralisiert. Die Verbindung von Zentren als Mittler und Vermittler ist ein natürliches Anliegen: daraus erwächst wieder die Notwendigkeit zur Neutralität. Reisen sind ein Lebenselixier für den Zwilling, denn er ist neugierig und entdeckt gerne Neues. Organisieren gehört ebenfalls zu seinen Talenten – wie auch das Ausweichen, was Konfrontationen angeht. Der Zwilling nimmt die Welt, wie sie ist, verbessert nicht, missioniert nicht und mischt sich in nichts ein, das ihn nicht angeht.

Dem Zwilling geht es um äußere Ausübungen von Formen, nicht um Inhalte. Selbst seine eigenen inhaltlichen Belange kann er nicht ausleben, sondern muss Probleme wie Eindrücke veräußern und verbal abhandeln. Alles Empfinden ist ihm zu wenig übersichtlich, und Unübersichtlichkeit kann er sich nicht leisten. Distanz ist ein nächstes Stichwort. Der Zwilling schafft es, zu sich selbst in Distanz zu gehen, und ist genau aus dem Grund der Prototyp des Demokraten. Das Schreiben eines Tagesbuches. Hierin werden auftauchende Gefühle eingetragen und festgehalten, registriert und bezeichnet. Typisch ist die Sachtreue und die Detailgenauigkeit der Darstellung.   

Der Schatten des Zwillings heißt Gespaltenheit. Seelische Bewältigung von Lebensereignissen rufen seinen Funktionalismus auf den Plan. Was ihm intellektuell nicht erfassbar ist oder ihm als entsprechender Begriff nicht zur Verfügung steht, kann er nicht mitteilen. Sein Verhalten entspricht dann nicht seinem inneren Inhalt – er wird mithin von Partnern, Bekannten, Fremden missdeutet und missverstanden. Seine Gefühlstarnung wird aber geradezu notwendig, wenn sich der Zwilling gezwungen sieht, in die Dualität und die Auseinandersetzung gehen zu sollen. Die Folge dessen ist die sich einstellende seelische Isolierung.

Zwillinge-Frauen im besonderen machen den Eindruck von Leichtigkeit und Heiterkeit.  Sie wird im Verhalten berechenbar sein, weil sie selbst darauf angewiesen ist, Übersicht zu schaffen und zu erhalten. Unerklärlich Stimmungen gibt es bei ihr nicht – sie wird sie zur Sprache bringen und klären wollen. Die Zwillinge-Sonne in Haus 6 vergewissert sich, artikuliert und registriert  die Umstände zum Zwecke des Schutzes von Leben. Sie verschafft sich also Bewusstheit der Vorgänge um sich herum und die Kenntnis von Erscheinung.

Bittbesuch bei Goethe

Christiane Vulpius war 23 Jahre alt, als sie am 12.Juli 1788 Goethe in Weimar (es wird überliefert: im Weimarer Park) ansprach und ein Bittgesuch für ihren Bruder vorbrachte. Goethe war seit 14 Tagen aus Italien zurück und hatte dort entscheidende Impulse zur Veränderung seiner Situation in Weimar erhalten. Es ist vielleicht nicht die allererste Begegnung von Christiane Vulpius und ihm, aber beide werden ihr Leben lang erzählen, dass es der Tag des Beginns ihrer Verbindung war.

Der laufende Mondknoten dieses Tages steht (ich betrachte alle Verbindungen mit Orben von weniger als 2°, die langsamen Planeten sind dabei stabiler als der schnelllaufende Mond) auf ihrem Aszendenten, und der laufende Saturn auf ihrem Mondknoten in den Fischen. Die Sonne (mit Quadrat zum Neptun des Tages) steht auf dem Jupiter und Mond und Mond liegen übereinander. Es ist ein Mond-Pluto-Quadrat gegeben. Dass Mars in der Jungfrau steht (und nun kommt ein Jungfrau-Mann daher) – und dann auch noch in Konjunktion zu seinem MC – es gab so eigentlich kein Ausweichen. Für die junge Frau war die Begegnung schicksalhaft – ihr Mondknoten steht exakt auf dem IC von Goethe und in Opposition zum Mars, der in diesen Tagen über seinen MC läuft.

Sie steht in ihrem 4. Septar, das vom 1.6.1786 bis zum 1.6.1993 gültig ist. Für den Zeitraum liegt ein Waage-AC auf dem Venus-Neptun-GSP vor: das ist die Täuschung in der Begegnung, die Auflösung der Bewusstseinszentrale – zielend mit der Venus ins 8. Haus in den Stier: sichern wollen, aber die Sicherung verbleibt im Vorraum der Gegenwart. Neptun aus den Fischen in Haus 6 sind die versunkenen Umstände, die sich hier in Zeit und Raum teilen: das zweite Haus gefüllt mit Skorpion und Pluto steht in Haus 4: das geheime, verdrängte Revier. Das Familien-geheimnis. Im Steinbock beim Pluto steht der aufsteigende Mondknoten – sie hat Häusliches ans Licht zu bringen, zu erkennen, was zu fügen wäre. Jupiter-Pluto: es tut sich zusammen, was nicht zusammenpasst, aber eine Anziehung aufeinander ausübt, eine so entstehende Legierung z.B. trägt die Auflösung bereits in sich. (In seinen „Wahlverwandtschaften“ nimmt Goethe den chemischen Prozess der Lösung von Verbindungen und das Eingehen neuer Verbindungen als Metapher für die Beziehungen seiner vier Protagonisten). Auf jeden Fall macht Jupiter-Pluto geneigt, Ungelöstes zu fügen. Gleichzeitig wird hier aber das Gefügte nicht öffentlich, sondern bleibt (aus Milieugründen) illegitim und geheim. Der Mars aus dem Deszendenten verweist auf die hintergründigen, aufgelösten Umstände im 6. Haus mit einem Quadrat zu Mond in Haus 3, auf Pluto-Uranus-GSP (21° Schütze) dargestellt als der verdrängte Ursprung eines Lebens. Rechtlos ist sie, hinter den 7 Bergen bei den Zwergen und beim Geheimrat.

Im Phänomensrhythmus kommt Christiane Vulpius am 12.7. auf 28° Steinbock, schon seit dem 7.7. ist sie im Einzugsbereich des GSP Saturn-Merkur – Abweisungserlebnisse, man wird aus einer Zugehörigkeit hinausgeworfen, fühlt sich sozial im Stich gelassen, man ist skeptisch. Im Fügungsrhythmus geht es auf die Sonne-Merkur-Konjunktion zu, erst ist ab dem 20.7. die Sonne, dann Anfang August über den Merkur die Sonne nochmals angesprochen. Die Regelung des Lebensausdrucks bzw. des Lebens als Geschehen in entscheidender Phase. Es geht weniger um Dasein als Identität mit sich selbst als um die Ausübung einer Form. Sonne und Merkur stehen in Quadrat zu Neptun. Hier wird das Fundament für eine Lebensopferung bzw. eine Verneinung des Eintritts in sich selbst gelegt. Es könnte auch auf eine Identität mit dem Wirklichen hinauslaufen, doch dagegen stehen etliche Zeichen.

In diesem Septar ist Christianes Jupiter rückläufig, was gedeutet werden kann als fragwürdiges Glück, als in Frage zu stellende Erweiterung ihres 1. Hauses. Die Einsicht in die Funktionen anderer (und mit Jupiter in 1 ist auch die Einsicht in das eigene Potential zu fügen), hier wird sie nicht angemessen eingeschätzt. Dem Juli 1788 waren im März und April zwei Überläufe vorausgegangen, die im Sinne des Bittgesuchereignisses Voraussetzung gewesen sein dürften: Im Fügungsrhythmus ist Saturn auf 4° Krebs in der Nähe von Mond-Neptun-GSP angetroffen und löst das Familiäre, Häusliche aus: Es gibt Mangel, es herrscht Angst und Unsicherheit, auch eine Geschlechtsunterlegenheit ist angesprochen. Im April im Phänomensrhythmus sind Mondknoten und Pluto an der Reihe. Die karmische Lebensaufgabe in der Transformation bzw. Vorstellung von häuslicher, familiärer Pflicht. Es ist der Zeitraum, in dem Christianes Bruder Christian August Vulpius, ein Schreiberling der Trivialliteratur in finanzielle und berufliche Engpässe gerät. Er hofft auf Goethes Gönnerschaft und will bei Hof um Unterstützung ersuchen. Aber Goethe ist nicht da, und er beauftragt seine Schwester, zu ihm zu gehen, da er Anfang Mai Weimar verlässt und nach Süddeutschland geht.

In ihr 4. Septar war Christiane ohne Vater eingezogen. Am 29. März 1786 war er verstorben, die beiden Geschwister aus der ersten Ehe des Vaters und die Halbschwester aus der zweiten Ehe lebten jetzt fast ausschließlich von Christianes Verdienst als Hutmacherin und dem Gnaden-Gehalt des Vaters, das sie weiter als Waisen-Pension bezogen. Die kleine Schwester Ernestine, am 28.2.1775 geboren, war erst  13 Jahre alt und blieb ihr Leben lang bei Christiane wohnen. Der im Septar angetroffene Mondknoten ruft das Radix in Erinnerung. Dort steht der aufsteigende MK auf 12° Fische an der Spitze des 2. Hauses, auf den GSP Mars-Pluto und Mars-Uranus und im Quadrat zu Merkur, Venus und Sonne.  Was will ich in diesem Mondknoten finden?

>>>>>> Fortsetzung folgt. Gedacht ist ein Büchlein dieser Art:

Es werden drei-vier ausgewählte „Liebespaare“ betrachtet und in Hinblick auf ihre im weitesten Sinne ‚karmische Beziehung‘ hin untersucht. <<<<<<<

 

 

[1] Während der Geburt eines ersten Kindes gelangen Erythrozyten vom Fetus in den mütterlichen Kreislauf. In der Medizin bezeichnet man das als fetomaternale Transfusion. Ist die Mutter Rh-negativ, das Kind aber Rh-positiv, bildet der mütterliche Körper Antikörper vom IgG-Typ (Immunglobulin G) gegen den Rhesusfaktor. Wird nun die Mutter erneut schwanger mit einem Rh-positiven Kind, treten die Antikörper der Mutter in den kindlichen Blutkreislauf ein. Dort zerstören sie die roten Blutkörperchen des Fetus – Mediziner sprechen vom „Morbus haemolyticus neonatorum“: Beim Ungeborenen entstehen Ergüsse im Herzbeutel und in der Pleura, es kann zum Herzversagen kommen. Im 18. und 19. Jahrhundert wusste man um derlei Zusammenhänge noch nicht. Entdeckt wurden die Zusammenhänge 1940 von Karl Landsteiner und Alexander Solomon Wiener.